Wie vielen Opernaufführungen habt ihr schon beigewohnt?

  • Ich bin ein großer Anhänger von Statistiken (besonders von denen, die ich selbst fälsche :P) und hatte seit ewig ein excel-Sheet, wo ich alle Aufführungen, denen ich seit 2004 beiwohnte, inklusive Besetzungen geführt. Im Vorjahr hatte ich einen Komplettabsturz und alle Daten verloren. Mühsam versuche ich nun zu rekonstruieren - und ich bin schon relativ weit (ich denke, dass mir so 50 Aufführungen fehlen).


    Ich sehe mich noch immer als "Anfänger", da ich nur so zwischen 300 und 350 Aufführungen sah (die meisten an der Staatsoper in Wien)


    Also insgesamt - wo ich Belege gefunden habe - wohnte ich 298 Aufführungen bei - davon 107 verschiedene Opern in insgesamt 134 verschiedenen Produktionen.


    Top-Komponisten -


    Richard Wagner - 44 Abende

    Richard Strauss - 37

    Giuseppe Verdi - 33

    Wolfgang Amadeus Mozart - 31

    Giacomo Puccini - 28


    Opern, die ich am öftesten gesehen habe -

    Der Rosenkavalier

    Parsifal

    Tosca

    Il Barbiere di Siviglia


    Wie schaut es bei Euch aus?

    Hear Me Roar!

  • So auf die Schnelle:


    Opern: 251 / Operetten: 57

    fast alles in Dresden, ein Teil Leipzig, Berlin


    Wagner 26 / Verdi 24 / Mozart 29 / Puccini 10

    Rossini 9 / Donizetti 8 / Strauss, Richard 25

    der Rest verteilt sich auf alles Mögliche

    (russische, französische, englische, tschechische Opern)


    war jetzt selbst etwas erstaunt, ich dachte, dass die o. g. Komponisten einen größeren Raum eingenommen haben

  • Ich habe ebenfalls eine Excel-Tabelle, die ich irgendwann im letzten Jahrhundert begonnen habe und wo recht zuverlässig (zumindest ab 1985) alle seit 1976 erlebten Aufführungen zu finden sind.


    Stand heute war ich in 1.405 Aufführungen von 193 Werken.


    Komponisten: Wagner 337/ Verdi 272/ Puccini 156/ Strauss 142/ Mozart 74


    Werke:

    Parsifal 64/ Tosca 56/ Lohengrin 46/ Tannhäuser 44/ La Traviata 40/ Holländer 37/ Don Carlo 34/

    Die Walküre 31/ Tristan und Isolde 31/ Aida 28/ La Bohème 28


    Dirigenten:

    Barenboim 123/ Thielemann 78/ Runnicles 63/ Kout 48/ Lopez Cobos 36/ Hollreiser 31/ Soltesz 27/ Rattle 24



    Ich kenne jemanden, der sieht seiner 4.000. Aufführung entgegen, darunter 240 Zauberflöten.

  • Da kann ich nicht mithalten: Ich gehe in die Oper, seit ich etwa 14 Jahre alt bin; in diesem Jahr werde ich 48. Während meines Studiums und vor allem in den ersten Berufsjahren habe ich eine Pause eingelegt und leider irgendwann alle alten Programmhefte/Besetzungen entsorgt. Seit der Saison 2011/12 führe ich (schon zwecks Planung) eine Excel-Liste, laut welcher ich seitdem auf ca. 112 Opernbesuche und etwa die gleiche Anzahl an Konzertbesuchen komme (davon immerhin 31x Großer Saal der Elbphilharmonie). Wenn ich jetzt für die Zeit vor der Unterbrechung nochmal etwa vier Besuche pro Saison anrechne, komme ich wohl in den Bereich um 150 Opernbesuche.


    Auf die letzten 8 Jahre gerechnet macht dies im Durchschnitt ca. 14 und auf 35 Jahre gerechnet ca. 4 bis 5 Besuche pro Saison. Wie gesagt dürfte für Konzertbesuche eine sehr ähnliche Rechnung gelten.

    mfG Michael


    Eine Meinungsäußerung ist noch kein Diskurs, eine Behauptung noch kein Argument und ein Argument noch kein Beweis.

    Einmal editiert, zuletzt von MSchenk ()

  • Da meine Eltern bei den städtischen Bühnen in Augsburg arbeiteten waren Theaterbesuche für mich seit meiner Kindheit (etwa ab 1955) ein sehr häufiges und sehr preiswertes Vergnügen. Ich schaute mir alles an was gebracht wurde (überwiegend Opern).

    Später machte ich jahrelang in vielen Stücken (wahrscheinlich mehrere Hundert) Statisterie mit (z.B. Carmen über 30 Aufführungen in einer Spielzeit).

    Ich hatte diese Aktivitäten seinerzeit nicht registriert.


    Mittels Excel Tabelle verfolge ich seit 2000 wie viele Opern ich auf CD habe (491) und wie häufig ich diese anhörte (19416 mal).


    Kurt

  • Parsifal 64/ Tosca 56/ Lohengrin 46/ Tannhäuser 44/ La Traviata 40/ Holländer 37/ Don Carlo 34/

    Die Walküre 31/ Tristan und Isolde 31/ Aida 28/ La Bohème 28

    Lieber Kapellmeister Storch,


    da bin ich ja erschüttert und erstaunt. 64x Parsifal?! Alles live oder auch TV-Übertragungen eingerechnet?


    Leider habe ich keine Statistik, habe meine erste Oper aber 1955 gesehen. Und danach hatte ich als Oberschüler "großes Anrecht", für 2,- DDR Mark die Karte, das waren 3 Jahre lang pro Spielzeit 20 Vorstellungen incl. Schauspiel. Dafür gab es schon Pluspunkte in Musik und Literatur. Ich hab mal angefangen zu zählen und komme bei einigen Opern auf etwa 10 Besuche in verschiedenen Inszenierungen an verschiedenen Theatern. Das wären Rigoletto, Traviata, Boheme, Lohengrin, Salome und Rosenkavalier. Insgesamt habe ich wohl um die 160 Opern gesehen und bin vorerst auf etwa 600 Live-Besuche gekommen, ohne KOnzerte und ohne Operette. Aber gerade für die 50-er bis 80-er ist manche Erinnerung verschwommen.

    Eine einzige Inszenierung habe ich 3x gesehen, das war Don Carlos (Insz. Hubert Kross jr) in Gera, sonst max, 2x dasselbe. Schade, daß meine alten Programmhefte bei mehreren Umzügen da gelandet sind, wo sie nach meinem irdischen Abgang alle landen werden.


    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Lieber La Roche,


    ich denke, dass ich da auch einen kleinen Standortvorteil habe, da viele Produktionen in Berlin über Jahre hinweg im Repertoire bleiben und nicht nur die drei Opernhäuser Opern anbieten. Zusätzlich fahre ich gerne auch in andere Städte und Opernhäuser. Gemeint sind natürlich nur Live-Erlebnisse. Im Fernsehen sehe ich mir nur selten Opern an, und Buch führe ich darüber auch nicht. Ich habe irgendwann mit Karteikarten begonnen und dann alles in Excel übernommen. Nicht erfasst sind einzelne Akte aus Konzerten wie z. B. der 1. oder 3. Akt aus Parsifal oder der Walküre. Es gibt mit Sicherheit Leute, die noch viel häufiger in die Oper gehen als ich, aber ich habe noch andere Interessen ...



    Herzliche Grüße


    Kapellmeister Storch

  • Die Zahlen beeindrucken und lassen mich erblassen. Im Lohengrin war ich am häufigsten, und das mögen knapp zehn Aufführungen gewesen sein. Das ist angesichts der hier aufgeführten Statistiken natürlich mager.


    Aber diesen Beitrag schreibe ich eigentlich nur, um einen Satz aus Brendan Carrolls Korngold-Biografie zu zitieren, den er zu Josephine Korngold, Mutter des Komponisten, schreibt:

    "; im hohen Alter sang sie praktische das gesamte Opernrepertoire aus dem Gedächtnis (nachdem sie fünfzig Jahre lang beinahe jeden Abend die Oper besucht hatte)." (1)


    (1), Brendan G. Carroll, Erich Wolfgang Korngold Das letzte Wunderkind, Böhlau, Wien, Köln, Weimar, 2012, S. 24

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Lieber Kapellmeister Storch,


    ich finde deine Zahlen äußerst beeindruckend, bei mit nimmt aber die Oper nicht die erste Stelle ein, sondern das sind Konzerte, Kammermusik und auch Schauspiel. Allerdings würden die Zahlen dann doch etwas anders aussehen, wenn in den letzten Jahren nicht die Qualität der Inszenierungen so sehr nachgelassen hätte.


    Dadurch bin ich immer mehr dazu übergegangen, mir DVDs und CDs zu besorgen und Opern eben zu Hause anzusehen bzw. anzuhören. So befinden sich in meinem Besitz 158 DVDs mit Opern, 36 mit Balletten sowie 175 CDs mit Opern – Gesamtaufnahmen.

  • Liebe Ramona1956,


    vielen Dank. Konzerte habe ich vor allen Dingen in den 80er Jahren besucht, jetzt nur noch sehr selektiv. Auch dafür gibt es eine Tabelle. Inszenierungen halten mich nicht vom Live-Erlebnis ab, da für mich die Stimmen im Vordergrund stehen. Und spannende neue Stimmen höre ich am liebsten live. Aber vielleicht kommt irgendwann die Zeit, wo ich nicht mehr so oft in die Oper komme.


    Die meisten Opernabende habe ich übrigens in Berlin, München und Dresden erlebt.



    Hans Heukenkamp: ein schönes Zitat!

  • Vielen Dank allen für Eure hochinteressanten Berichte und ich möchte sagen - Chapeau und Respekt!

    Die meisten Opernabende habe ich übrigens in Berlin, München und Dresden erlebt.

    Hallo, KM Storch

    Du berichtest in Deinem Btr. 3, daß Du u. a. mehrmals "Tosca, Aida, La Bohéme..." gesehen hast.

    Ich vermute vielleicht auch noch die "Butterfly, Cavalleria, Turandot, Rigoletto...", die Du vielleicht vergessen hast aufzuzählen.

    Gestatte bitte eine neugierige Frage - hast Du diese von Dir und die von mir nun erwähnten Opern in der Zeit bis 1985 auch mal

    in der Deutschen Staatsoper erlebt? Wenn ja, dann waren wir ganz sicher einige Male gemeinsam im Zuschauerraum.

    Du brauchst mir auch keine Aufführung bewerten oder kommentieren. Es sei denn, Du möchtest das.


    Im Voraus bedanke ich mich für Deine Antwort. Beste Grüße

    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Lieber Dreamhunter, liebe Taminos


    Da kommt bei mir nicht viel zusammen: In meiner Kindheit und Jugend war an Oper überhaupt nicht zu denken, weil wir als Waisen bei Großeltern (Rentnern und ebenfalls Heimatvertriebenen) gerade unseren Bedarf an Essen und Kleidung decken konnten und in einem Dorf an der Mittelmosel untergebracht waren, weitab von den beiden Großstädten. Einmal gab es in einem Hotel in Bernkastel Kues eine Aufführung von Pergolesis Intermezzo „la Serva padrona“, wo ich mit meinem Schulfreund, der als Zahnarztsohn besser gestellt war als ich, billige Karten erstehen konnten. Erst etwa mit 18 Jahren hatte ich die Gelegenheit, mit meinem Freund nach Trier zu Wagners „Tannhäuser“ zu fahren und sah erstmalig ein Theater von innen. Dieses Vergnügen konnte ich mir von den Nachhilfestunden die ich gab (damals 1,50 DM pro Stunde) und von denen ich auch das Material für die Schule bestritten habe, absparen. Auch in meiner späteren Ausbildung war die Vergütung nur sehr gering und nach Abzug der Miete blieb nur ein karger Rest für essen und Trinken. Dennoch habe ich es in der Zeit zweimal geschafft, eine Oper zu besuchen: Puccini: Madame Butterfly auf einer einfachen Bühne hier in der Stadthalle und einmal, als mich 1958 eine Tante auf ihre Kosten mit nach Berlin nahm, sogar Wagners Meistersinger. Darüber hinaus konnte ich Opern nur in einem alten Radio, das ich mir selbst zusammengespart hatte, abseits von der Familie, die keinerlei Interesse an klassischer Musik hatte, im Schlafzimmer mit allen Störungen auf Mittelwelle (UKW gab's noch nicht) hören.

    Mit 22 fand ich ein liebes und sehr armes Mädchen, die jetzt seit 59 Jahren meine Frau ist. Ich wollte sie auch einmal mit meiner Lieblingsmusik vertraut machen, und so gelang es mir, in Trier billige Karten für Verdis“Troubadour“ zu erhalten. Ein kleines Erlebnis nebenbei, das uns immer in Erinnerung bleiben wird. Wir waren schon früh in Trier und wollten wegen des schlechten Wetters noch ein Getränk in einer Gaststätte zu uns nehmen. Dabei mussten wir am Ende feststellen, dass uns 5 Pfennige zur Begleichung der Rechnung fehlten. Glücklicherweise war eine Gruppe junger Leute aus dem Heimatdorf meine Frau anwesend, bei denen wir sie uns borgen konnten.

    Dann musste ich dienstlich nach Leverkusen ziehen und holte meine Frau nach. Wir lebten mehr als 1 Jahr in Untermiete, bis wir eine Wohnung bekamen. In dieser Zeit und auch in den Jahren danach bei Aufbau des jungen Haushalts war an Oper nicht zu denken. Da konnte nur das Radio und als wir nach vielen Jahren einen kleinen gebrauchten Fernseher erstehen konnten, auch dieser herhalten.

    Erst als die Kinder größer waren, haben wir am Bodensee Urlaub gemacht und dabei auch die Bregenzer Festspiele besucht. Der Zuschauerraum bestand da noch aus alten, verschlissenen Bankreihen und die Preise (einschl. der Anfahrt) waren damals noch günstig. Hier haben wir zusammen mit den Kindern Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“, Webers „Oberon“ und Puccinis „Turandot“ gesehen.

    Dann kamen noch einmal eine lange Reihe Abstinenzjahre, als wir und entschlossen, uns ein Reihenhaus zu kaufen, das uns heute als Altersicherung dient, und die Hypothekenzinsen bei 14% lagen. Auch diese Zeit haben wir bei der Oper mit Rundfunk und Fernsehen überstanden.

    Schließlich war es soweit, dass wir bei Verzicht auf einige andere Dinge und ein Jahres-Abonnement in den letzten Reihen unseres hiesigen Theaters leisten konnten. Es umfasste 5 bis 6 Opernveranstaltungen von Tourneebühnen, die zum Teil aus osteuropäischen Ländern kamen. Und das Programm war sehr abwechslungsreich, so dass sich kaum ein Werk wiederholte. Das war mir sehr lieb, da meine Frau und ich immer darauf aus waren, andere Werke kennen zu lernen. So habe ich auf der Bühne – außer „Carmen“ kein einziges Werk doppelt gesehen.

    Nach Aufgabe des Abonnements haben wir nur noch ab und zu einmal eine Oper im Einzelfall gebucht, nachdem wir uns überzeugt hatten, dass diese nicht entstellt würde.

    Da ist es nun schnell aufgezählt, was wir gemeinsam hier sehen konnten:

    - Beethoven: Fidelio

    - Bizet: Carmen (2x)

    - Borodin: Fürst Igor

    - Donizetti: Der Liebestrank

    - Giordono: Andrea Chenier

    - Gounod: Faust

    - Gluck: Oppheus und Euridike

    - Flotow: Martha

    - Dvorak: Rusalka

    - Janaczek: Junufa

    - Leoncavallo: Der Bajazzo

    - Lortzing: Zar und Zimmermann

    - Mascagni: Cavalleria Rusticana

    - Monteverdi: Die Krönung der Poppea (Die widerliche Inszenierung, die hier stattfand, war der Anfang vom Ende unseres
    Abonnements)

    - Mozart: Cosi fan tutte, Die Zauberflöte, Die Entführung aus den Serail, Don Giovanni,

    - Puccini: La Bohème, Madame Butterfly, Manon Lescaut, Tosca,

    - Rossini: Der Barbier von Sevilla

    - Smetana: Die verkaufte Braut

    - Strauss: Ariadne auf Naxos, Der Rosenkavalier, Die Frau ohne Schatten

    - Verdi: Aida, Don Carlos, Die Macht des Schicksals, La Traviata, Macbeth, Nabucco, Otello, Rigoletto

    - Wagner: Lohengrin

    - Weber: Der Freischütz

    Inzwischen wird hier im Jahr entweder keine oder selten mal eine Oper angeboten.

    Als die CD günstiger wurde, konnte ich viele Opernaufnahmen auf CD erwerben. Dann kam die Zeit der DVD-Recorder, und um diese Zeit gab ist im Fernsehen auch noch weitgehend Übertragungen werkgerechter Inszenierungen. Da habe ich sehr viel auf DVD aufgenommen und auch mit meinem Schulfreund getauscht. Später lernte ich noch andere Freunde kennen, mit denen ich tauschen konnte, und hier und da habe ich meine Sammlung durch gekaufte DVDs ergänzt (vielfach als Geschenke zu Geburtstagen usw.)

    So kenne ich heute von einigen Komponisten (z.B. Mozart, Verdi, Wagner (außer Die Feen und das Liebesverbot, die ich nur auf CD besitze) sämtliche Werke in wunderbaren Inszenierungen, aber auch eine Reihe weniger bekannte Opern. Meine Liste umfasst inzwischen allein an Opern 233 Gesamtaufnahmen auf DVD, davon sind von demselben Werk in höchstens 15 Fällen einmal zwei verschiedene Inszenierungen vorhanden.

    Darüber hinaus bin ich froh, dass es hier vor Ort jetzt die Übertragungen aus der MET und dem Royal Opera House gibt, wo ich auch viele meiner Bekannten aus den Abonnementsjahren wiederfinde.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Lieber Gerhard Wischniewski, das ist ein schöner und lesenswerter Beitrag, der Deinen Weg zur Oper bewegend beschreibt. Es grüßt Hans

    ..., eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.
    -- Aydan Özoğuz

  • Es ist schon interessant für mich, von einigen Taminos (und bisher zumindest einer Pamina) zu erfahren, wie sie ihre Opernbesuche dokumentieren. Da kann ich überhaupt nicht mithalten. Berichten kann ich aber, dass ich 1957 mit zwölf Jahren (und der notwendigen elterlichen Zustimmung) eine Theaterabo in meiner Haimatstadt Hagen/Westfalen begonnen habe. Der Intendant war damals Dr. Hermann Werner, GMD Berthold Lehmann, Erster Kapellmeister Heinz Rockstroh. Ich war allerdings nicht alleine dort, sondern ein sechs Jahre älterer Familienbekannter hatte bereits seit Jahren ein Opernabo, davon oft im Elternhaus dem klassikaffinen Vater erzählt und mich so richtig "heiß" gemacht. Damals wurde noch, anders als es heute üblich ist, jeden Tag gespielt - nicht immer nur Oper, auch hauseigene Operetten und Schauspiele mit Gastensembles (u.a. aus Bochum). Was ich gesehen habe, kann ich heute keinesfalls mehr aufzählen, aber es war viel deutsche Spieloper darunter (Flotow, Lortzing, Marschner, Mozart mit seinen beiden deutschsprachigen Werken und, und, und). Die italienischen Bühnenwerke von Rossini, Donizetti, Bellini (es war wohl die "Norma") fehlten auch nicht.


    Es gibt, so aus dem Stegreif erwähnt, Aufführungen, die bei mir Eindruck hinterlassen haben und an die ich mich noch heute gerne erinnere: Nabucco (wegen der eindrucksvollen Bühnenbilder), Die Walküre (wegen der mich durchaus packenden Musik; der geplante Zyklus kam mangels finanzieller Mittel nie zustande) und ein ebenso guter Troubadour. Als einzige Wagner-Oper ist mir der Tannhäuser noch im Gedächtnis geblieben, und zwar wegen des tollen István Trefás in derr Titelrolle. An den von Regieeinfällen übersprühenden Rossini-Barbier hat mich jener noch lebende Familienfreund erinnert. Ich persönlich kam in dem Gespräch noch auf den Don Pasquale (wegen der köstlichen Rasur-Szene). Damit sind meine Erinnerungen aber auch schon erloschen.


    Übrigens lief das Abonnement von 1957 bis 1970 - dreizehn Jahre also. Es beinhaltete anfangs zehn Aufführungen pro Spielzeit (Übernahmen aus vorangegangenen Spielzeiten gab es zumindest bis Mitte der Sechziger nicht, jede "Stagione" brachte ein neues Programm), später wurde aber auch schon der Rotstift angesetzt und die Aufführungen reduziert. Damals beklagte sich der erste Kapellmeister, den ich beruflich kennengelernt hatte und der mir später zu einem väterlichen Freund wurde, dass die Musiker-Gewerkschaft für die Musiker bessere Bedingungen durchgesetzt hatte. Überschlägig könnte ich also inder Abo-Zeit etwa hundert Aufführungen gesehen haben. Nach meinem wieder beruflichen und dann noch der Liebe wegen nach Mülheim an der Ruhr zog, brachte mich ein Cousin meiner Frau dazu, ein Abo in der DOR - Theater Duisburg - zu nehmen. Das lief fünf Spielzeiten. Intendant war damals Grischa Barfuss, GMD (glaube ich) Günther Wich, Bühnenbildner Heinrich Wendel (eindrucksvoll seine Ausstattung für den Wagner-Ring, den mir zweimal angetan habe, einmal in Duisburg, einmal in Düsseldorf) und Regisseur Georg (?) Reinhardt. In diesen Jahren könnten nochmals 50 Aufführungen zusammenkommen. Verschiedene Opernaufführungen habe ich während meiner Urlaube in Berlin, Wien, Salzburg gesehen, aber nie gazählt oder gar Programme aufgehoben. Überschlägig mögen es also 160/170 Aufführungen sein - eine Zahl, die weit unter dem angesiedelt ist, die andere hier gepostet haben.


    :hello:

    .


    MUSIKWANDERER

  • Lieber Dreamhunter,

    ich führe leider keine Statistiken über meine Opernbesuche - ich sammle aber die Besetzungszettel (ca. 2/3 aller Opernbesuche sind damit dokumentiert.

    Meine ersten "freiwilligen" Besuche in Staats- und Volksoper waren 1961. In der Staatsoper begann es mit Karajan-Parsifal und -Walküre. In der Volksoper mit Land des Lächelns und Orlow (mit Eberhard Wächter!)

    Der Stapel der Besetzungszettel in der Zeit von 1961 bis 1970 ist genauso hoch wie der bis heute.


    Derzeit sammle ich eher Tondokumente (über 1000 OpernGA), DVDs sind weniger vorhanden.

    Aber auch Konzerte und Theateraufführungen.


    Mit dem Sammeln bin ich noch nicht am Ende .....


    Erich

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

  • Der Kapellmeister Storch gibt ja zu, dass er nicht ganz an der Spitze steht. Solche Bescheidenheit ist mir fremd.


    Ich bin höchstwahrscheinlich nicht nur Europa-, sondern auch Weltmeister, und zwar bei diesen beiden Haydn-Opern:


    Il mondo della luna: 11 mal gesehen
    Orlando paladino: 10 mal gesehen


    In jeweils unterschiedlichen Inszenierungen.



    Thomas


    PS: Die Gesamtzahl meiner Opernbesuche liegt nur bei ca. 200-220.

    PPS: Den Kapellmeister habe ich mal in Berlin vor der Staatsoper getroffen. Müsste 2007 gewesen sein, Don Carlo.

  • Selten gab es in diesem Forum so schöne Beiträge, die von der Liebe zur Oper zeugen. Nun will auch ich meine Statistik beisteuern: Insgesamt seit 1963 758 dokumentierte Opernaufführungen: Verdi 167 (Troubadour 24, Don Carlos 22, Rigoletto 17), Wagner 143 (Walküre 25, Holländer 21, Götterdämmerung 17), Mozart 70 (Zauberflöte 17, Cosi 14, Giovanni 14), Strauss 73 (Elektra 19, Salome 14), Puccini 65 (Tosca 21, Boheme 15). Außerdem nachfolgend eine Liste sängerisch in tiefer Erinnerung gebliebener Leistungen (lose Reihenfolge, alle in Hamburg, wenn nicht anders genannt):

    Kurt Moll als Sarastro

    Inge Borkh als Fidelio-Leonore (in München)

    Gundula Janowitz als Agathe (in Berlin)

    Anja Silja als Senta

    Leonie Rysanek als Sieglinde (vor allem wegen ihres Siglindenschreis)

    Andreas Schager als Siegfried

    Edita Gruberova als Zerbinetta

    Luciano Pavarotti als Nemorino

    Franz Grundheber als Macbeth

    Motserrat Caballe als Amelia

    Franco Bonisolli als Manrico

    Sherrill Milnes als Renato

    Brigitte Fassbaender als Eboli (in München)

    Margaret Price als Aida

    Placido Domingo als Othello

    Eva Marton als Turandot

    und als größte erlebte Sängerin: Birgit Nilsson als Elektra, Brünnhilde und Isolde


    Herzliche Grüße an alle, die hier ihrer Opernbegeisterung Nachdruck verleihen, Ralf Reck

    Oper lebt von den Stimmen, Stimmenbeurteilung bleibt subjektiv

  • Lieber Hans Heukenkamp,


    es freut mich, dass dir mein Beitrag gefallen hat. Sicher hast du in meiner Vorstellung gelesen, wo und wie ich - aus einem zwar liebevollen, aber an Klassik nicht interessierten einfachen Ersatzelternhaus - dennoch zur Liebe an klassische Musik kam: In einer alten Baracke, die der Schule als Musik- und Veranstaltungssaal diente, durch unseren guten Musiklehrer, der uns auf einem alten Klavier (Radio und 2 Schallplatten erhielt die Schule erst kurz vor meinem Ausscheiden) der uns mit einem befreundeten Amateursänger aus Bernkastel-Kues (er Bass, der Freund Tenor) den Freischütz in allen Einzelheiten zur Klavierbegleitung den "Freischütz" vorführte (auch Arien und Duette von Agathe und Ännchen). Mein Schulfreund, mit dem ich bis zu seinem Tod vor 3 Jahren (etwa 65 Jahre) verbunden war, waren fasziniert. Der Freund war allerdings musikalisch etwas vorgebildet, weil in seinen Elternhaus, in dem ich häufiger war (von mir aus waren es etwa 5 km Fußweg über den Berg in sein Dorf), weil dort klassische Musik gehört wurde.

    Wie ich nachträglich feststellte, habe ich in meinem Bericht eine Oper unterschlagen, die auch (wie der Troubadour in Trier) mit einer kleinen Geschichte verbunden ist: 1958 war ich für 8 Wochen zu einer Schulung in München. Ich war in einem 5-Bettenzimmer mit vier älteren Bayern untergebracht, mit denen ich mich zwar sehr gut verstand, die aber außerhalb der Unterrichtsstunden fast nur bis in die Nächte hinein mit "Schafskopf" beschäftigt waren. So zog es mich denn in meiner Freizeit in ein benachbartes 6-Bettzimmer zu den jungen Leuten, die alle 6 an Oper interessiert waren und es gab manche fruchtbaren Gespräche. Diese jungen Leute waren mindestens 5- bis 6mal auch dort im Opernhaus zu den damals gängigen Opern (Mozart, Lortzing und ich weiß nicht mehr was, die ich alle aus Rundfunksendungen kannte). So etwas vertrug mein Geldbeutel leider nicht. Dennoch hatte ich mir vorgenommen, wenigstens einmal dort ein Opernhaus zu besuchen und entdeckte für mich im Prinzregententheater Donizettis "Lucia di Lammermoor", die damals kaum in einem Operführer zu finden war, dazu noch in Starbesetzung (Erika Köth, Josef Metternich usw.). "Die kennt doch kein Mensch!" "Ja, gerade deswegen gehe ich hin, um sie kennen zu lernen"

    Als ich am Tag nach der Vorstellung begeistert von der Aufführung berichtete, ging den 6 doch ein wenig "die Klappe herunter". "Die hätten wir uns auch gerne angesehen." Leider gab es bis zum Ende des Lehrgangs keine weitere Vorstellung.

    Auch mit dem erwähnten "Fürst Igor" verbindet sich eine kleine Geschichte: Meine Frau musste zu dem Zeitpunkt leider ins Krankenhaus. Also boten wir die Karte einem befreundeten Ehepaar an, bei dem der Mann wenig für Klassik übrig hatte, die Frau aber eher Interesse zeigte. Sie wollte auch gerne mitgehen. Die Vorstellung begann wegen der Länge eine Stunde früher als sonst und ich musste daher unmittelbar vom Dienst dorthin. Als ich zu meinen Platz kam, fand ich unerwartet den Freund neben mir. Ob er wohl eifersüchtig war? Ich kann ihn nicht mehr fragen, denn er ist zur gleichen Zeit wie mein Schulfreund verstorben. Seitdem aber geht seine Ehefrau, die früher kaum in Oper und Konzert kam, mit meiner Frau und mir in die Übertragungen aus der MET und in Konzerte, die ich aussuche, und ist jedesmal dankbar und hellauf begeistert.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

    Einmal editiert, zuletzt von Gerhard Wischniewski ()

  • Lieber Ralf Reck,


    ich gestehe, bei dieser Aufzählung von Sängernamen, von denen ich gerade mal Kurt Moll und Edita Gruberova live erleben konnte, regt sich schon etwas der Neid. Von vielen der anderen Sänger habe ich wenigstens CDs bzw. DVDs.

  • Liebe Freunde,

    ich bewundere Euch für Eure Genauigkeit. ich kann nur die nicht immer zuverlässige Erinnerung bemühen: Meine Mutter, selbst Sängerin, schleppte mich bereits als 14-jähriger, also ab 1948 ins Theater, Konzerte und Oper. Zum Teil war das damals noch kurios. In Heilbronn beim Sinfonie Orchester am Beginn 1948 musste ein Brikett mitgebracht werden, um eingelassen zu werden. Erste bleibende Erinnerung, sogar noch mit Programmzettel, "Don Giovanni" unter Dimitri Mitropoulus, 1950 bei den Salzburger Festspielen. Besetzung Cesare Siepi, Gottlob Frick, Elisabeth Grümmer, Leopld Simoneau, Fernando Corene, Rita Streich, Walter Berry. Ab diesem Erlebnis war ich der Oper verfallen und zwar bis heute. Ich schätze, dass ich im Jahr mindestens 10 X in die Oper gehe. In der Zeit wo ich noch häufiger Kritiken schrieb war es sicherlich mehr. Auch als wir über 25 Jahre an der Staatsoper Stuttgart ein Abonnment hatten. Heute sind die Bayreuther Festpiele mit 3 -5 Vorstellungen jährlich fast ein Muss. Bei der jährlichen Kur in Budapest sind in den 3 Wochen ebenfalls 10 Vorstellungen fest eingeplant. Also ich denke, es werden so an min. 800 - max 1.000 Opernbesuche sein, die ich zusammen mit meiner nicht minder opernverrückten Frau in 70 Jahren erleben durfte. Vielleicht sogar noch ein paar mehr - aber so ist es, wenn man nichts notiert und wenig aufhebt.


    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Liebe Opernfreunde,


    die zahlreichen Geschichten von Euch sind interessanter als jede Statistik. Herzlichen Dank dafür. Ich schreibe demnächst auch was dazu, bin aber unterwegs.


    chrissy

    Ich bin in West-Berlin aufgewachsen und habe meine erste Aufführung in der Staatsoper 1988, also noch vor der Wende, erlebt. Es gab Lohengrin mit Büchner.


    Die von Dir genannten Opern habe ich nicht aufgezählt, weil ich sie weniger oft als die genannten Werke gehört habe. Turandot z. B. 19mal.


    thdeck

    Ja, vor vielen Jahren haben wir uns mal vor der Staatsoper getroffen. Das Jahr mag stimmen, somit ist das schon wieder sehr lange her. Dafür habe ich noch nie eine Haydn-Oper auf der Bühne erlebt.



    Herzliche Grüße und einen sonnigen Tag


    Kapellmeister Storch

  • Hallo ihr lieben, Statistiken liegen mir nicht, aber das sammeln von Programmheften, bei weiteren Besuchen der gleichen Inszenierung dann ein Besetzungszettel.

    Also, Stapelweise Programmhefte, viele mit Autogrammen!

    Die Leidenschaft mit der Oper fing mit 15 Jahren an in Wiesbaden mit einer Traviata und mit Anneliese Rothenberger und Anton de Ridder, ab da dann in Ffm und Darmstadt im ABO, danach mit 18 u.eigenem Auto, oftmals 4x die Woche nach der Arbeit. Ich bin dann abends zur Oper gegangen egal was kam, dann kam Montserrat Caballe und ich war völlig verzaubert, danach Edita Gruberova es geschah das gleiche, und vielemale zu Aufführungen mit Mara Zampieri!

    Dann lernte ich Leute aus einem Opern Club kennen, die die gleichen Interessen hatten wie ich, ab da habe ich über ca.25 Jahre quasi keinen Urlaub mehr gemacht, sonder die Zeit in Opernhäusern verbracht in ganz Europa, zT habe ich auch Nächte in Bahnhofshallen zugebracht bis der erste Zug zurück fuhr. Also ich bin dann w.o.erwähnt den beiden Damen hinterher gereist wo immer eine neue Produktion war oder ein Gastspiel.

    Joan Sutherland leider nicht soviel, jedoch innerhalb Europas schon, bei den Tenören Pavarotti und Alfredo Kraus.

    Bin oft nach Pesaro gepilgert, jedes Jahr nach Bad Wildbad, und wo immer auch eine Donizetti u.Bellini Oper gespielt wurde, in den Glanzzeiten nach Bielefeld usw.!

    Auch viele pers.Kontakte haben sich ergeben, bis Heute!

    Auch lernte ich viel Opersänger/innen über meinen Beruf kennen, nein ich hatte nichts mit der Oper zu tun :), aber es gibt ja noch anderes über die man solche Menschen kennenlernen kann ;)!

    Jetzt könnt ihr Euch ausmalen wie oft ich in der Oper war, wieviel Zeit und Moneten ich investiert habe, und nichts aber auch gar nichts habe ich bereut!!

    Wenn ich mal längere Zeit nicht in Italien war, bin ich mit dem Nachtzug nach Mailand um im Recordi Schallplattenstore neues von sog.Independent Labels zu ergattern und dann mit dem Nachtzug wieder nach Hause, mit einem Discman ausgestattet bin ich dann Selig nach Hause!

    Ach waren das noch Zeiten!

    Die Club Kontakte, ja ja die Opernverrückten, bestehen bis in die Gegenwart, da sieht man mal wieder, die Oper verbindet ein Lebenlang!

    Was ich allerdings bis heute nicht mag, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, ist Oper auf DVD, entweder Live oder garnicht, und das Kino mag ich mal Überhaupt nicht, aber jedem das seine! ^^


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Lieber Fiesco,


    ja das ist echte Opernleidenschaft. Durch Deinen Bericht bist Du mir noch näher gekommen.:jubel::jubel::jubel:


    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Erst einmal herzlichen Dank für die Berichte!!! So, nach den Zahlen nun die Geschichte(n), wie meine Opernleidenschaft schlussendlich entfacht wurde -


    Nachdem meine Mutte eine Beethoven-Liebhaberin war und der Meinung war, dass Fidelio die beste aller Opern ist (Gattenliebe und so...) musste ich mir mit ca. 10-12 Jahren die Schenk-Inszenierung in Wien ansehen. Hat mir nicht gefallen. Nächste Oper, zu der ich zwangsverpflichtet wurde war die Zeffirelli-Carmen. Schon besser..


    Als ich ins Gymnasium ging wurden an und ab Freikarten für den Opern-Stehplatz angeboten - einmal für die Schenk-Meistersinger, zwei Tage später für die Trojaner und dann war ich auch in der Aida, bevor ich die Oper fast 30 Jahre nicht mehr von innen sah. Dazu folgende Geschichte - am Galerie-Stehplatz gab es Mitte der 70er-Jahre noch keine Displays, wo man das Libretto mitlesen konnte. Nun, ich wusste zwar um was es bei der Aida ging, allerdings konnte ich nicht Aida und Amneris auseinander halten. Während die Sängerin der Amneris vom "Juche" gar liebreizend wirkte konnte man das von der Darstellerin der Aida nicht sagen. Ich war SEHR verwundert, als plötzlich im letzten Bild sich Radames und die Person, die ich für die Amneris hielt, eingemauert wurden. Das war sehr frustrierend für mich..


    Fast forward ins Jahr 2004. Ich bin, wie vielleicht einige wissen, hobbymäßig ein internationaler Rassekatzenrichter und organisierte zu dieser Zeit auch Ausstellungen in Österreich. Wir hatten zu Besuch zwei Richterinnen aus Japan, die mich bei meinen Besuchen in Kyoto wunderbar bewirtet hatten. Da dachte ich, dass ein Besuch in der Staatsoper das Richtige sei und organiserte Karten für "La Favorite". Kann mich noch erinnern, dass José Bros, Genia Kühmeier und Nadia Krasteva sangen. Mir gefiel die Athmosphäre sehr gut und da meine damalige Frau auch opernaffin war (Platten und CDs von Opern hatte schon seit meinen frühen 20ern - besonders Aufnahmen mit Maria Callas -, aber es zog mich nie zu einem Live-Erlebnis hin) beschlossen wir einmal uns weitere Aufführungen live anzusehen.


    Der Barbiere folgte - und danach vielleicht mein Schlüsselerlebnis - Cavalleria Rusticana mit Agnes Baltsa als Santuzza. Ich saß unten im Parkett und heulte wie ein Schlosshund. Und da war es um mich geschehen. Einige Zeit später wurde ich eingeladen, für den "Neuen Merker" Besprechungen zu schreiben und ja, ca. 350 Vorstellungen später freue ich mich noch immer auf spannende Aufführungen. Was sicherlich auch hilft, dass ich ca. 17 Minuten zu Fuß von der Oper wohne...


    Meine liebsten Erinnerungen -


    Cavalleria mit Agnes Baltsa

    Parsifal unter Rattle mit Thomas Quasthoff als Amfortas

    L'Elisir d'amore mit Villazon und Netrebko

    Parsifal unter Thielemann mit Domingo, Meier (da ging ich 3x innerhalb einer Woche am Stehplatz)

    Eugen Onegin mit Hvorostovsky

    Don Carlo mit Hvorostovsky und Botha

    Ariadne unter Thielemann

    Aus einem Totenhaus am Theater an der Wien - Inszenierung von Patrice Chereau

    Billy Budd mit Shicoff

    La Juive mit Shicoff

    Daphne mit Botha

    jeder einzelne "Ring" - bei Wotan's Abschied bleibt bei mir normalerweise kein Augen trocken - ebenso beim Schluss der Götterdämmerung

    Medea von Reimann

    Cosi Fan Tutte am Theater an der Wien mit Garanca, R. Raimondi

    L'Italiana in Algeri - mit Flórez und Baltsa

    Cavalleria mit Dolora Zajick

    Toscas mit R.Raimondi, Terfel, Samuel Ramey

    Wozzeck mit Keenlyside

    u.v.m.

    Hear Me Roar!

  • Meine Eltern hatten ein Abo für das Duisburger Opernhaus und meine erste Oper war der Rigoletto mit 6 Jahren, weil meine Eltern einfach gedacht haben, daß die Oper nicht allzu lange dauert?. Als Jugendlicher hat das Interesse nachgelassen und mit 19 Jahren bin ich dann wieder ins Duisburger Opernhaus gegangen und die Leidenschaft hält bis bis heute und ich kenne auch viele Sänger aus dem Ensemble der Rhein Oper. Mit Bus und Bahn fahre ich nach Köln, Düsseldorf, Gelsenkirchen, Krefeld, Dortmund und Amsterdam. Im Monat gehe ich 3 bis 4 Mal in die Oper. Im Sommer bin ich entweder in Bayreuth oder bei den Proms und hatte das Glück zwei mal live bei der Last Night dabei sein zu können. Live hab ich än der MET Pavarotti als Calaf erlebt, die drei Tenöre im Düsseldorfer Rheinstadion, häufiger Kurt Moll an der Rheinoper und leider nur einmal Marta Mödl in Anatevka. Meine Lieblings Komponisten si d Puccini, Wagner, Verdi, Rossini, Donizetti und Bellini.

  • Liest man die rundum erfreulichen Berichte kann man daraus eine Anleitung für die Erziehung zum Opernfan ableiten. Man nehme einen Jugendlichen so früh wie möglich mit in die Oper. Rodolfo39 hat nach den bisherigen Berichten mit 6 Jahren den Rekord. Als Vorbildfunktion lebe man den Kindern selbst Opernbegeisterung vor. Danach vertiefe man in wohl überlegter Dosierung und sorgfältiger Auswahl die Begegnungen mit der Oper. Weiter verstärkend ist, wenn in Schulen oder/und Musikschulen sogar eine Mitiwirkung in Musiktheaterprojekten möglich ist. Daheim sollte selbstverständlich auch klassische Musik serviert werden. Ich als Theaterkind durfte in Opernaufführungen mitwirken. Am stärksten in Erinnerung ist mir hier noch "Carmen", wo ich im Kinderchor dabei war. Don José war Fritz Windgassen, der Vater des berühmten Heldentenors Wolfgang Windgassen und der erste Förderer -heute würde man sagen Coach - von Gottlob Frick. Dirgent des Kinderchores war der in Heilbronn senie Karriere beginnende renommierte Dirigent Siegfried Köhler, später ein ganz enger Freund von uns. Dieses Konzept sogar Tamino erprobt sollten wir als Tamino-Erziiehungskonzept zum Opernfreund veröfffentlichen

    Vielleicht könnten wir dann den Pessimismus von Alfred, der immer von einer verschwindenden Minderheit der Klassikbesucher spricht, überwinden. Wobei ich in Zweifel bin, ob wir wirklich eine so geringe Zahl sind. Wieder eine Rätsefrage: Wohin strömen mehr Menschen in der BRD: zu Bundesligaspielen oder in klassische Konzerte, Theater, Oper? Die Beantwortung scheint klar zu sein - ist sie jedoch nicht. Unerwartetes Ergebnis: In Deutschland besuchen mit Abstand mehr Bürger Klassik als sie bei Fußballspielen in den höchsten Ligen verbringen. (Quelle Jahresbericht der Deutschen Orchestervereinigung). Ab heute können zumindest wir Taminos mit breiter Brust in Diskussionen und Verhandlungen mit Spendern und Sposoren auftreten. Mit den letzten Zeilen mache ich mir selbst Mut, denn morgen stehen bei mir Sponsorenbesuche für die Gottlob Frick Gesellschaft auf dem Plan. Haltet uns bitte die Daumen.


    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Danke Hans für Deinen Beitrag - Du hast absolut recht, was die Zahlen in Bezug auf Klassik/Oper und z.B. Fussball betrifft (besonders in Österreich).


    Wenn man Staatsoper und Volksoper zusammen nimmt und wir gemeinsam auf ca. 3000 Besucher pro Abend kommen - auf die Spielzeit hochgerechnet sind wir dann bei ca. 900.000 Besucher in beiden Häusern (und da rechne ich das Theater an der Wien, Konzerthaus, Musikverein und die vielen kleineren Veranstaltungen gar nicht mit).


    Die beiden populärsten Wiener Fußballvereine (Rapid und Austria) haben gemeinsam einen Zuschauerschnitt von 27.000 Besuchern. Auf die Saison wieder gerechnet ca. 500.000 Besucher...


    I rest my case...

    Hear Me Roar!

  • Meine Eltern waren beide Opern- und Klassikfans. Als kleiner Junge hatte ich eine LP von Enrico Caruso, über die ich mich mit meinem persischen Kinderarzt ausgetauscht habe. Wenn Einhard Luther seine RAdio-Senung hatte, durfte mein Vater nicht gestört werden. Diese und ähnliche Sendungen sind mit dem Kassettenrekorder mitgeschnitten worden, aber nie mehr angehört worden. Dass ich zu Hause bleiben musste, wenn sich meine Eltern sich Opern mit so klangvollen Namen wie Arabella oder Elektra ansahen, machte mir als Kind schwer zu schaffen. Als ich 8 Jahre alt war, durfte ich sie zum ersten Mal begleiten: es gab in der Deutschen Oper Berlin "Die Meistersinger von Nürnberg", und meine Eltern hatten Plätze im 1. Rang in der 1. Reihe gekauft. Das Vorspiel kannte ich, ansonsten hat mich damals die Prügelszene mehr beeindruckt als Dietrich Fischer-Dieskau als Sachs. Ungefähr zur gleichen Zeit - ich kann leider nicht sagen, ob davor oder danach - habe ich auch mein erstes Konzert besucht: Reinhard Schwarz, ein Bekannter meiner Mutter aus Jugendtagen, hat die Berliner Philharmoniker dirigiert. In der Folge habe ich ein paar Konzerte und Opernaufführungen besucht, u.a. Dank des Theaters der Schulen und einer Musiklehrerin, die mit Hingabe versucht hat ihre Schüler zum Opernbesuch zu animieren. Die ersten Sänger, die großen Eindruck auf mich gemacht haben, waren Franco Bonisolli als Manrico und Renato Bruson als Macbeth. Als Dirigent hat mich damals Karl Böhm besonders beeindruckt. Dann gab es während der Pubertät eine Phase, während der ich lieber ins Stadion gegangen bin und ich Experte für Rock- und Popmusik wurde. Im Laufe der Jahre habe ich u.a. Queen dreimal zwischen 1985 und 2018 live erlebt. Irgendwann hat mir dann jemand eine Karte für ein Karajan-Konzert angeboten, als dieser gerade einen Brahms-Zyklus gemacht hat. Seitdem liebe ich die Brahms-Symphonien, noch interessanter fand ich aber "Tod und Verklärung" von Richard Strauss. Zufälligerweise habe ich auch für das nächste Karajan-Konzert eine Karte bekommen und in der Folge nicht nur den kompletten Brahms-Zyklus erlebt, sondern bis auf "Carmen" und das Eröffnungskonzert des Kammermusiksaals auch alle Konzertprogramme, die Karajan bis zu seinem Tod in Berlin dirigiert hat. Diese ersten beiden Karajan-Konzerte nach meiner Klassik-Pause haben mich dazu bewegt, mir alles auf Schallplatte anzuhören, was ich in die Finger bekommen konnte: nicht aus der Sammlung meines Vaters, das wäre zu einfach gewesen, sondern aus der Musikbücherei sowie ersten Eigenkäufen. Ich begann dann auch wieder in die Oper zu gehen und mich für Klavier-Recitals zu interessieren. So habe ich z. B. zweimal Vladimir Horowitz live erlebt und auch noch Arturo Benedetti-Michelangeli, Claudio Arrau und Mieczyslaw Horszowski noch erlebt. Verpasst habe ich damals den Otello mit Domingo, war aber dafür in sämtlichen Liebestrank-Vorstellungen mit Pavarotti und in seiner Bohème, und auch Domingo sollte ich noch einige Male erleben. Zu meinen Lieblingssängern gehörte neben dem bereits o. g. Bruson schnell Robert Hale und u.a. Martti Talvela, Kurt Moll und Matti Salminen. Während meine Opernbegeisterung zunahm, nahm meine Konzert-Euphorie ab, nicht aus Desinteresse an der Musik, aber weil für mich der Kick größer war andere Stimmen zu hören als eine Symphonie in der 7. Interpretation. Hinzukam, dass Karajan, Giulini & Co die Messlatte in der Zeit zu hoch gehängt hatten und man jede Mark nur einmal ausgeben konnte. Eine bittere Erkenntnis! Ich habe mich dann nur noch auf ausgewählte Komponisten wie Bruckner, Mahler und Schostakowitsch beschränkt bzw. mir Rosinen wie Abbado, Wand oder Rattle rausgepickt. Erst in den letzten Jahren bin ich wieder ein bisschen mehr ins Konzert gegangen und habe neben einigen Blomstedt-Konzerten den einen oder anderen Dirigenten wie z. B. Paavo Järvi für mich entdeckt.


    Zum Abschluss noch ein paar Statistiken:


    Orchester-Konzerte ca. 342, Klavierrecitals 27 plus Kammermusik


    Häufigste Dirigenten im Konzert:

    Karajan 25/ Abbado 19/ Rattle u. Barenboim je 16/ Muti 15/ Thielemann 14/ Giulini und Levine je 10/

    Maazel, Ozawa, Blomstedt und Haitink je 9/ Celibidache und Chailly je 7


    Große Erfolgserlebnisse waren für mich übrigens die Liederabende von Joan Sutherland und Carlo Bergonzi in München, die ich somit noch live erlebt habe.