Der kulturpolitische Auftrag der Theater

  • Ein Musterbeispiel war für mich seine Verteidigung des Bayreuther Tannhäusers, ohne ihn gesehen zu haben,

    Würde er mit gleicher Kompetenz, wie in seinen Klavierbeiträgen schreiben, wäre ich der erste, der darüber froh wäre.

    Ich mische mich ungerne in diese unersprießliche Diskussion ein, möchte aber anmerken, dass ich -glaube ich- als erster einen langen Bericht über den Tannhäuser eingestellt hatte, den ich sehr wohl gesehen und später auf meiner Festplatte gespeichert hatte, um beim Schreiben einzelne Szenen noch einmal zu prüfen; das Ergebnis waren allerdings aus einer bestimmten Fraktion in der Hauptsache dumme Sprüche und letztlich die immer wieder gleichen pseudo-theatertheoretischen Ausführungen. Nur zum Hintergrund, der Dir -wenn nicht Dir wem sonst- bekannt sein sollte: es gibt das akademische Fach Theaterwissenschaften, Theorie von Schauspiel und Instzenierung war zu meiner Zeit Prüfungsstoff im Abitur. Du kannst nicht so tun, als diskutuere Holger aus einer unfundierten Position heraus. Die aufführungstheoretische Debatte ist zur Einordung und Verständnis von Opernstoffen unabdingbar notwendig. Ich komme ja auch nicht auf die Idee, die Bibel wörtlich zu nehmen, sondern betrachte sie als Teil des literarischen Weltkulturerbes, dass sich bedauerlicherweise der wissenschaftlichen Diskussion über die Bedeutung für die Jetztzeit aus dem Verständnis der Texte in Bezug auf ihre Entstehungszeit stellen muss.


    Ich verstehe dieses Forum als eines, in dem sich Beiträge zu einen nachvollziehbaren Ganzen ergänzen. Das Abbürsdten theatertheoretischetr Beiträge, weil sie einem nicht recht in den Kram passen, halte ich für unangemessen und auch respektlos denjenigen gegenüber, die dieses Wissen hier sachbezogen gratis zur Verfügung stellen.


    Was Regisseure letztlich daraus machn steht wieder auf einem anderen Blatt.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Was Regisseure letztlich daraus machn steht wieder auf einem anderen Blatt.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Lieber Thomas,

    Grau, grau ist bekanntlich alle Theorie :untertauch:. Entscheidend ist doch letztlich das Ergebnis, also das, was der Regisseur letztlich aus dem Stoff machen kann. :hello:

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Was wir dringend brauchen - dies ist eine Empfehlung für Alfred - sind zwei Software-Programme, die automatisch Artikel einmal für das Regietheater und einmal dagegen verfassen. Dann könnten wir Taminos uns mal wieder der Musik zuwenden.

    Laut "The Hitchhiker´s Guide to the Galaxy" von Douglas Adams war der Sinn des Lebens dieser: 42.

    Abgelöst wurde diese Antwort jetzt, dokumentiert in unzähligen Quizsendungen, durch: "Wir nehmen B!"

  • Lieber Thomas,

    Grau, grau ist bekanntlich alle Theorie :untertauch:. Entscheidend ist doch letztlich das Ergebnis, also das, was der Regisseur letztlich aus dem Stoff machen kann. :hello:

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Wie man's nimmt. Wagner hat seine Opern vor 150 Jahren geschrieben (so ca.). Da waren die brandaktuell. Heute darf man schon über die Textgestalt -nicht den Inhalt- schmunzeln (eiawagawoguduwellewagezurwiege) und auch der Rest kommt aus vergangener Zeit nach vorne, der Denken und Fühlen, deren Zeitmaß, deren gesellschaftliche Struktur nicht teilen. Ich sehe schon eine gewisse Notwendigekeit, die Werke des tageaktuell geschuldeten Chichis zu entkleiden (wie auch bei der Bibel) und ihren überzeitlich wirkenden Kern freizulegen. Daraus können dann letztlich stimmige oder unstimmige Inszenierungen entstehen. Oder solche, die den Kern mit heutiger Tagesaktualität umleiden (die sind dann wohl auch nur eher Tand, aber das ist meine private Meinung). Jedenfalls gibt es schon einen kulturpolitischen Auftrag des Erhaltes der Werke und des Erhaltes ihres Sinns, der wie beim "Ring" seine Aktualität nie verlieren wird. Unsere ganze schäbige Gesellschaft findet sich dort wieder, und fast glaube ich, daß die gar bnicht ertappt werden wollen, daß die den "Ring" im 19. Jahrhundert lassen wollen, damit er nicht verräterisch wird.


    Jedenfalls, lieber Hans, hat sich bereits Lessing intensiv Gedanken über das Drama und seine Abgrenzung zur bildenden Kunst. Ich würde nicht auf die Idee verfallen, den "Laokoon" oder die "Hamburger Dramaturgie" als graue Theorie zu bezeichnen. Oder Herders "Kritische Wäldchen". Und, und und....


    Oper und Schauspiel sind herausfordernd. Und wenn's weh tut, dann ist das so und muss so sein. Oper einfach nur zu konsumieren wäre fatal. Dann hättet das Theater tasächlich kulturpolitisch versagt.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
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  • Habe ich vor Jahren Opern am Bildschirm noch etwas abgewinnen können, bin ich ganz davon abgekommen. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Musik-DVDs entsorgt. Zuletzt hatte ich mal in die Mailänder "Tosca" hineingeschaut, die ich albern und viel zu routiniert fand. Oper gehört ins Theater! Auf dem Bildschirm wird sie klein, ein Format, das ästhetisch nicht zu ihr passt, das ihr nach meinem Empfinden diametral entgegen steht. Dennoch achte ich es sehr, wenn Opernfreunde ganz anderes darüber denken. Ich schildere hier lediglich meine bescheidenen Erfahrungen. In der viel gelobten Verlagerung von Opernaufführungen in Kinos sehe ich ausschließlich einen genialen ökonomischen Trick, um dem Publikum einen Opernbesuch vorzugaukeln. Es gewinnen nur die Veranstalter, nicht aber die Zuschauer, die mit dem Abbild abgespeist werden, für das sie auch noch dankbar sind und vergleichsweise viel Geld hinblättern. Um auf Gerhards vorangestellten Beitrag zu kommen: Das Fernsehen bietet wie eh und je nicht mehr und auch nicht weniger für den so genannten "gebildeten Bürger". Man erinnere sich nur, wie schauderhaft die Angebote und Inhalte in den frühen sechziger und siebziger Jahre waren. Da ist nichts zu verklären. :no:

    Lieber Rheingold,


    da sind eben die Ansichten sehr verschieden. Ich habe, wie schon geschildert, durch Fernsehen und DVD die Möglichkeit gehabt, viele Werke 8die ich zwar teilweise aus dem Radio oder von CD kannte, auch optisch kennenzulernen, die ich auf der Bühne wohl nie zu sehen bekommen hätte. (Und Oper besteht für mich nicht nur aus hören, denn die Werke sind auch für das Sehen gedacht).

    Ich schätze meine inzwischen DVD-Sammlung von etwa 400 Werken (darunter auch Operetten und Ballette) sehr. Alle DVDs, die ich als Mitschnitte früherer Fernsehsendungen oder durch Tausch von solchen Mitschnitten mit Freunden - auch hier im Forum - erhalten habe, habe ich aus Platzgründen in schmale DVD-Hüllen verpackt und diese äußerlich mit Bildern aus der Inszenierung, Laufzeiten der einzelnen Akte (die ich so bearbeitet habe, dass ich sie auch einzeln ansteuern kann), Besetzung und Format gestaltet, so dass sie wie gekauft wirken. Ich habe im Leben sehr viel Kreatives (Hausausbau, Möbel, Handarbeiten bis hin zu geknüpften Teppichen vom 2 1/2 zu 3 1/3 m) geschaffen und kann auch heute ohne viele kreative Dinge nicht leben. In Augenblick beschäftige ich mich allerdings mit kreativen Dingen am Computer (Filmschnitt, Bildbearbeitung, Karten für Einladungen und Festtagsgrüßen usw. und eben Gestaltung von DVDs, auch für Freunde). Auch die gekauften oder geschenkten DVDs in den dicken Hüllen habe ich aus Platzgründen in schmale Hüllen umgepackt, dabei aber die Originaleinlagen verwendet, indem ich nur den Rückenteil mit dem Computer verkleinert habe. Ich würde auf diese Sammlung niemals verzichten wollen.

    Was das Fernsehen betrifft, gab es - als es nur erst ein, später zwei Programme gab - weit mehr Kulturelle Sendungen, die man auch ansehen konnte, als heute, wo wir eine kaum mehr übersehbare Fülle von Sendern haben. Das Format hat sich erheblich vergrößert, Farbe ist hinzugekommen. Aber das wird mehr auf Einschaltquoten geachtet und der Großteil unserer heutigen Gesellschaft delektiert sich an seichten Sendungen, Serien mit einigen Tausend Folgen usw.. Was den Bildungauftrag betrifft: Wer zur rechten Zeit den richtigen Sender einschaltet, findet auch da noch manche Dokumentation, die Wissen vermittelt, man kann also durchaus sagen, dass es noch manches für die Bildung des Bürgers gibt. Nur auf dem Bereich der Oper, der Operette und des Balletts ist das Angebot nicht nur äußert bescheiden, sondern auch unattraktiv geworden, weil hier fast nur noch die öden, langweiligen, immer nach dem gleichen Schema verunstalteten Werke gezeigt werden. Die Tosca war da, abgesehen von geringen Schwächen wirklich ein Lichtblick.

    Was die Oper im Kino betrifft: Im Opernhaus zahlt man in der Regel weit höhere Preise. Und hier bei uns - wir haben nur einen größeren Theatersaal ohne eigenes Ensemble - habe ich in den hintersten Reihen immer schon 30 Euro für Aufführungen von Touneetheatern zahlen müssen. Wenn ich nach Köln oder Düsseldorf fahren würde, kommen zu den schon hohen Kosten auch noch die Fahrtkosten und die Fahrtzeiten hinzu. Während hier früher im Jahr 6 bis 8 Opern angeboten wurden, kommt es alle zwei Jahre einmal vor, dass wieder einmal eine einzige Oper angeboten wird, denn die Nachfrage nach den verdrehten Inszenierungen hat zu stark nachgelassen. Glücklicherweise haben wir wenigstens noch einige schöne Konzerte im Angebot. Da gehen wir gerne in die hinteren Reihen, die aber auch 30 € kosten.

    Dafür ist hier das Kino inzwischen - vor allem bei bekannteren Werken - häufig sehr schnell in zwei großen Sälen weitgehend ausverkauft, so dass man sich schon am ersten Verkaufstag der neuen Saison um Karten bemühen muss und wenn man nicht schon in der Nacht bucht, sind häufig die höheren Reihen - ausgenommen die erste Reihe, wo man so dicht an der Leinwand sitzt, dass man die ganze Zeit nach oben und hin- und her schauen müsste - am Morgen schon weitgehend besetzt (Ich habe allerdings nicht abonniert, wobei die Plätze etwas billiger wären, weil ich mir die einzelnen Opern oder Ballette, über deren Inszenierungen ich mich vorher informiert habe, aussuche. Es sind ja vielfach Inszenierungen aus Vorjahren, über die es im Internet schon Trailer oder Ausschnitte gibt. Neuinszenierungen meide ich weitgehend, es sei denn, ich kenne den Inszenierungsstil des Regisseurs).

    Und da finde ich die Einzelpreise (MET 29 bzw. 31 €, ROH 26 bzw 28 €) auf den besten Plätzen ohne Sichtbehinderung durch in der Vorreihen Sitzende, im Vergleich zu den Preisen im Opernhaus eher moderat. Und wo bekommt man die besten Kräfte der Welt eher zu sehen als in der MET und die besten Darbietungen klassischen Balletts besser als von Royal Opera House. Und - wie schon gesagt - wir und viele andere finden das Erlebnis dadurch, dass die die Kamera unsdie Sänger teilweise näher heranholt, packender als aus der Entfernung im Opernhaus.

    Außerdem ist - wenigstens hier - auch das Ambiente und die Atmosphäre wie in einem Opernhaus dadurch geschaffen, dass das besondere Foyer vor den beiden Übertragungsälen für die übrigen Kinobesucher nicht zugänglich ist (Kontrolle der Karten am Eingang zum Foyer) Als kleines Bonbon - was aber für mich nicht wesentlich ist - gibt es zur Begrüßung im Foyer nach Wunsch kostenlos Sekt oder Orangensaft. Von wegen Biertrinker und Popkornfresser! Die gibt es hier nicht. In dem Besonderen Foyer wir so etwas nicht angeboten. Wir sind im Kreis von Opernfreunden, die das Regisseurstheater fliehen.

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Wie man's nimmt. Wagner hat seine Opern vor 150 Jahren geschrieben (so ca.). Da waren die brandaktuell. Heute darf man schon über die Textgestalt -nicht den Inhalt- schmunzeln (eiawagawoguduwellewagezurwiege) und auch der Rest kommt aus vergangener Zeit nach vorne, der Denken und Fühlen, deren Zeitmaß, deren gesellschaftliche Struktur nicht teilen.

    Jedenfalls gibt es schon einen kulturpolitischen Auftrag des Erhaltes der Werke und des Erhaltes ihres Sinns, der wie beim "Ring" seine Aktualität nie verlieren wird. Unsere ganze schäbige Gesellschaft findet sich dort wieder, und fast glaube ich, daß die gar bnicht ertappt werden wollen, daß die den "Ring" im 19. Jahrhundert lassen wollen, damit er nicht verräterisch wird.

    Oper und Schauspiel sind herausfordernd. Und wenn's weh tut, dann ist das so und muss so sein. Oper einfach nur zu konsumieren wäre fatal. Dann hättet das Theater tasächlich kulturpolitisch versagt.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Lieber Thomas,


    natürlich ist einiges in der Textgestaltung - und das bei sehr vielen Opern - banal. Aber die Regisseure verwenden doch weiterhin diese Texte und bringen zu vielen Texten völlig unpassende Bilder.

    Ich bin keineswegs der Ansicht, dass die Forderung, die Werke im historische Umfeld zu belassen, darauf ausgerichtet ist, dass diese nicht verräterisch (:?:) wirken. Jeder gescheite Opernzuschauer ist - denke ich - in der Lage, z.B. im Ring das Abbild der menschlichen Gesellschaft, wie sie wohl in allen Zeiten war, zu erkennen und auch solche Bezüge in anderen Werken zu erkennen, wenn sie im Originalgewand gezeigt werden und ihm nicht eine gänzlich einseitige Übersetzung in die Moderne aus der Phantasiewelt eines Regisseurs aufgezwungen wird. Ich möchte in der Oper - wie in der Literatur oder der gestaltenden Kunst - das Originalwerk und nicht ein überschmiertes Werk erleben. Die Phantasie sollte man getrost dem denkenden Zuschauer überlassen.

    Natürlich gibt es die nur konservierenden Leute? Davon habe ich einige erlebt und erlebe sie auch noch bei den Kinovorstellungen. Diese gehen dann nur in einige immer wieder gespielten Werke von Mozart, Puccini, Verdi usw. und würden wahrscheinlich kaum in einen "Ring" oder einen "Parzifal" gehen (bei Wagner vielleicht noch in Lohengrin, Tannhäuser, Holländer, evtL die Meistersinger) Ich habe Leute erlebt, die z.B. mit Giordanos "Andrea Chenier", ja sogar mit Verdis "Luisa Miller" nicht Rechtes anzufangen wussten und bei denen die Häuser wesentlich leerer waren. Erst letztens hatten wir im Kino eine wundervolle Inszenierung von Massenets "Manon", bei der ich einige Leute vermisst habe und der Saal etwas leerer war. Aber was hast du gegen Leute, die sich einen erhebenden Abend machen wollen und die Oper nur konservieren wollen? Wenn diese heute allen Vorstellungen fernbleiben, weil sie die wirren Phantasien des Regisseurs nicht mehr verstehen und ihr geliebtes Werk nicht mehr erkennen, haben die sich immer mehr leerenden Häuser auch nichts davon.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Lieber Gerhard, herzlich danke ich Dir für Deine ausführliche Entgegnung. Sie offenbart unsere unterschiedlichen Annäherungen an Oper. Nichts muss kompatibel sein. Diese unverwüstliche Kunstform verträgt solche Unterschiede. Die Hauptsache ist, wir wenden uns ihr zu - und nicht ab. Für mich ist es wichtig, Opern mit einer gewissen Distanz dargestellt zu sehen. Nur dann kann ich erkennen, worum es geht. Ich will alles gleichzeitig sehen. Objektive - ob in der DVD oder im Kino - ziehen das heraus, was Kameraleute für wichtig halten. Ich bin ihnen ausgeliefert und muss mich mit der von ihnen getroffenen optischen Auswahl abfinden. Mir entgeht da sehr vieles, und ich fühle mich manipuliert. Schließlich stört mich die zu große Nähe zu den Akteuren, die sehr unterschiedliche Körperflüssigkeiten von sich geben. Mit der Zeit kennt man jede Falte, jede Jackenkrone und jede Haarschuppe von Sängern. ;) Die von mir sehr geschätzte Elisabeth Schwarzkopf sagte, Oper im Fernsehen sei Prostitution. Das ist hart aber - wie ich finde - wahr! Das sind ein paar Gründe, warum ich gesamte Opern in der Regel nur dort anschaue, wo sie hingehören - in den dafür gebauten Häusern. Ist mir eine bestimmte Produktion wichtig, die ich nicht selbst sehen konnte wie seinerzeit den Bayreuther "Ring" von Chereau, dann halte auch ich mich an Konserven, weil ich nicht die Wahl habe. Aber auch diese DVD-Ausgabe habe ich letztlich verschenkt, weil ich sie ziemlich genau verinnerlicht hatte und wiederholtes Anschauen nur Defizite offenbarten, die mir das Grunderlebnis madig zu machen begannen. Was ich auch von Filmkonserven zu schätzen weiß, sind diverse Einzelheiten wie Arien, Interviews, Sängerporträts etc. Da gut es viele schöne Sachen in meinen Beständen.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Lieber Rheingold,


    es wäre wohl auch langweilig, wenn wir alle einer Meinung wären. Dann brauchten wir nur noch einen gemeinsamen Chor bilden und a capella singen. Ich erkenne durchaus an, dass andere auch anders denken.

    Wie ich sehen aber viele die Oper. Mir macht es auch nicht aus, wenn ich nach längerer Zeit - bei meiner großen Sammlung dauert das doch schon ein bis zwei Jahre - mir eine gelungene Aufführung noch einmal anschaue. Übrigens bekommen diese inzwischen mit dem Beamer auf der großen Leinwand, die jetzt habe, noch eine ganz andere Wirkung.

    Was ich anprangere ist lediglich, dass diejenigen, die so denken wie ich, und da kenne ich sehr viele, nicht den ihnen zustehenden Anteil geboten bekommen oder mit falschen Versprechungen (ich sage Etikettenschwindel) ins Theater gelockt werden und dann arg enttäuscht nach Hause gehen.

    Das völlige Missverhältnis zwischen Werk und Inszenierung schildern für mich ja auch sehr schön und eindeutig solche Berichte, auf die ich ein paarmal verwiesen habe. Bei Fernsehübertragungen oder Ausschnitten auf youtube kann ich es sehr deutlich erkennen und aus den Zeitungskritiken, soweit sie die Inszenierung betreffen, kann man auch vieles herauslesen. Aber diese Informationsquellen besitzt - wenn man nicht nur aus einem Wolkenkuckucksheim ganz weltfremd in die Gesellschaft schaut - bei weitem noch nicht jeder.

    Gut, dass es wenigstens auf DVD noch manche vernünftige Inszenierung gibt. Übrigens, den "Ring" von Patrice Chereau kenne ich zwar nur in Teilen, kann sogar einigem etwas abgewinnen. Jedenfalls erscheint er mir harmlos gegenüber dem, was heute manchmal - gerade auch in Bayreuth - verbrochen wird. Und Katharina, die ihren Urgroßvater in dieser Weise verhöhnt oder verhöhnen lässt, soll nun noch weitere Jahre verbleiben.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Übrigens, den "Ring" von Patrice Chereau kenne ich zwar nur in Teilen, kann sogar einigem etwas abgewinnen. Jedenfalls erscheint er mir harmlos gegenüber dem, was heute manchmal - gerade auch in Bayreuth - verbrochen wird. Und Katharina, die ihren Urgroßvater in dieser Weise verhöhnt oder verhöhnen lässt, soll nun noch weitere Jahre verbleiben.

    Lieber Gerhard, Du warst gewiss viel öfter in Bayreuth als ich und dürftest demzufolge auch die Arbeiten von Katharina Wagner genauer verfolgt haben als mir das möglich war. Ich kann verstehen, dass sie jenen ein Dorn im Auge ist, die sich traditionelle Aufführungen wünschen. Ich kenne nur ihre "Meistersinger", die für sie der Einstand gewesen sind. Damals lebte ihr Vater noch, der sich aber nicht in die Arbeit der Tochter eingemischt haben soll. Obwohl mir manches überzogen schien, ging ich ziemlich beeindruckt wieder aus der Auführung heraus. Sie war sehr gut gearbeitet in stimmig in der Konzeption. Wenn das gegeben ist, kann ich mich auch mit Deutungen anfreunden, die nicht meinen Erwartungen entsprechen. Mutig fand ich, dass sie noch weit vor Kosky auch den dunklen Seiten bei Wagner im Zusammenhang mit diesem Werk nicht ausgewichen ist. Im Nachhinein wurde mir sehr klar, wie notwendig das gewesen ist an diesem Ort. Nächstes jahr werde ich wieder einmal in Bayreuth sein zum "Lohengrin". Vielleicht kaufen wir uns ja über den Weg. :)

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Lieber Rüdiger,

    Die Ironie die aus Deinem Beitrag spricht, enttäuscht mich von Dir. Du vermutest doch ebenso wie ich, dass Gerhard die letzten Jahre nicht in Bayreuth war, um Katharinas Wirken zu "bewundern". Allerdings fiel es wirklich nicht schwer sich anhand der filmischen Übertragung (denen Du Dich ja bekanntlich verweigerst) ein Bild zu machen.

    Das Ganze hat mit Herheims Parsifal begonnen (der als einziges nicht auf DVD erschienen ist, obwohl ich ihn recht gelungen fand: Warum wohl??), und gipfelte letztes Jahr im Tannhäuser, der mit der Vorlage von Richard Wagner auch gar nichts mehr zu tun hatte. Dazwischen waren die recht gut gemachten Kosky-Meistersinger und die von Katharina zu verantwortenden Tristan-Blamage und der ganz nette Lohengrin von Neo Rauch, den ich mir allerdings mit dem "Brüller" Schager nicht freiwillig anhören würde.

    Sorry, aber Deine Aggression geht für mich ins Leere.

    Die "dunklen Seiten von Wagner" müssen für mich nicht mehr aufgearbeitet werden, das hat Wieland vor 60/50 Jahren schon weitaus überzeugender gemacht.

  • Lieber m.joho, ich bin mit Gerhards persönlichen Lebensgewohnheiten nicht vertraut. Wie sollte ich auch? Ich weiß nur, dass er gern Opern im Kino sieht und das so genannte Regietheater ablehnt. Da ich höchst selten in Threads unterwegs bin, die sich damit näher beschäftigen, woher sollte ich also wissen, wer nach Bayreuth reist und wer nicht. Mir sind allerdings im Freundeskreis Menschen bekannt, die die jüngsten Entwicklungen ibei den Festspielen energisch ablehnen, trotzdem aber hinreisen. Das muss also kein Widerspruch sein. Und da sich Gerhard sehr kritisch und sehr hart über die Festpielleiterin äußert, durfte ich durchaus davon ausgehen, dass er sein Urteil aus persönlicher Erfahrung gefällt hat und nicht nach Hörensagen.


    Wenn Du findest, dass die "dunklen Seiten von Wagner" gerade in Bayreuth keiner Aufarbeitung bedürfen, obwohl das immer wieder von verschiedensten Seiten eingefordert wurde, dann habe ich das zu respektieren. Ich belehre niemanden. Du wirfst mir vor, aggressiv zu sein. Ich kann Dich beruhigen. Das bin ich nicht.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold 1876

  • Lieber Rheingold,


    um deine Frage zu beantworten: Wir waren noch nie in Bayreuth. Das konnten wir uns auch nicht leisten. Wir haben hier von Tourneetheatern - vor allem aus osteuropäischen Ländern - bis noch in die frühen 2000er sehr schöne Aufführungen gesehen. Als dann die "modische Welle" anrollte haben wir unser Abonnement gekündigt. In den 70er Jahren waren wir im Urlaub einige Male zu den Seefestspielen in Bregenz, als er dort noch werkgerechte Inszenierungen gab, und einmal hatten wir in den 90er Jahren das Glück, noch Karten für die Festspiele in Verona zu bekommen.

    In den Jahren, als noch Wolfgang und Wieland Wagner die Bayreuther Festspiele leiteten, träumte ich davon, auch einmal nach Bayreuth zu kommen. Jetzt allerdings würde ich keinen Cent mehr für Bayreuth ausgeben. In Rundfunk habe ich seit den 50er Jahren die Übertragungen aus Bayreuth, manchmal von verschiedenen Sendern mehrfach in einen in einem Jahr gehört. Als dann die CD in den 90er Jahren auch für den Normalverbraucher erschwinglich wurde, habe ich mir nach und nach eine Anzahl Opern verschiedenster Richtungen zugelegt, darunter auch Aufnahmen von Wagneropern aus Bayreuth.

    Optisch habe ich eine Reihe auch weniger bekannte Opern im Fernsehen kennengelernt und als die DVDs auch günstiger wurden, auf DVD gekauft oder zu bestimmten Anlässen von meinen Kindern und Enkeln geschenkt bekommen, was du ja abzulehnen scheinst.

    Auch jetzt verfolge ich die Festspiele im Fernsehen in Bayreuth, mit der glücklichen Möglichkeit, solche Verdrehungen der Werke Wagners wie etwa den Rattengrin, den Biogastannhäuser, den Tuntentannhäuser usw. abschalten zu können, ohne etwas anderes als Zeit dabei verloren zu haben. Und dass die Festspielleiterin Katharina Wagner heißt, die so etwas zulässt, weiß doch (fast) jeder. Ich brauche also garnicht nach Bayreuth zu fahren, um das festzustellen.

    Und was die "dunklen Seiten" Wagner betrifft, sind diese überreichlich - vielfach in völlig überzogener Form - in der Literatur aufgearbeitet worden. Aber da gibt es glücklicherweise auch Autoren, die das viel nüchterner sehen.

    Der Mensch Wagner und seine Musik sind für mich - und ich glaube auch für viele - jedenfalls zwei verschiedene Dinge. Diese Seiten müssen in meinen Augen nicht auch noch in seinen Werken aufgearbeitet und die Werke dadurch verschandelt werden. ´

    Das Kino, das du ja ablehnst, ist jedenfalls eine recht gute Ersatzlösung für alle, die die modische Verunstaltungswelle an deutschen Theatern nicht mögen.

    Übrigens habe ich soeben die Leinwand wieder zusammengelegt, auf der ich mir heute Abend mit meiner Frau und einer Freundin Verdis "Jerusalem" in einer wunderbaren Aufführung aus Genua angesehen habe. So etwas wirst du optisch wohl kaum kennenlernen, da solche und verschiedene andere Opern von Verdi höchst selten - wenn in Deutschland überhaupt - aufgeführt werden. Ich habe inzwischen sämtliche Opern von Verdi und auch z.B. auch die von Puccini (einschl. Edgar und Le Villi) auf DVD. Einiges davon wirst du im Theater wohl nie zu sehen bekommen. Aber vielleicht bist du auch nicht so vielseitig interessiert wie ich.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Ich habe heute Abend mit meiner Frau und einer Freundin Verdis "Jerusalem" in einer wunderbaren Aufführung aus Genua angesehen habe. So etwas wirst du optisch wohl kaum kennenlernen, da solche und verschiedene andere Opern von Verdi höchst selten - wenn in Deutschland überhaupt - aufgeführt werden.

    Das ist so natürlich nicht richtig. Verdis "Jerusalem" wurde 2016 am Theater Bonn aufgeführt. Im Februar dieses Jahres gab es eine Wiederaufnahme der Produktion . Ich erinnere mich auch daran, dass das Theater Freiburg das Stück vor einigen Jahren gespielt hat. Dass man diese Stücke in Deutschland nicht sehen kann, ist also definitiv falsch.

  • Ja, siehst du lieber Rheingold, so kann man nett miteinander umgehen. Die Vielseitigkeit hat zwar einen Vorteil, man lernt vieles kennen und erlebt vieles. Ich bin ja auch auf vielen anderen Gebieten noch immer vielseitig interessiert, so dass mir meine Enkel (im Laufe dieser Woche haben wir sogar von zwei Enkeln zwei Urenkel bekommen, ein wunderbares Weihnachtsgeschenk!) und auch andere junge Leute immer wieder Flexibilität bescheinigen. Die Vielseitigkeit bedingt aber auch, dass man in manche Sachen vielleicht nicht so tief einsteigen kann, wie es andere tun, die spezialisierter sind. Aber gerade auf dem Gebiet der Oper und auch teilweise der sinfonischen und reinen Instrumentalmusik habe ich mich nicht nur vielseitig orientiert (Ich besitze Opern vom Monteverdi bis Schostakowitsch und viele Musikwerke vom Barock bis weit ins 20 Jahrhundert hineinnur bei einigen neueren Opern finde ich noch keinen Zugang), sondern ich habe mir auch manches Hintergrundwissen dazu verschafft. Ich kenne eine Reihe Opernfreunde, die weitgehend nur die Standardwerke kennen und besuchen. Ich konnte aber schon manchem Tipps zu ihnen unbekannte Opern geben und habe auch schon Freunden manche vorgeführt und erläutert, wovon sie bis dahin nichts kannten.

    Es ist auch nicht so, dass ich moderne Inszenierungen vollständig ablehne. Gerade von Patrice Chéreau, von dem hier vom "Ring" die Rede war, habe ich zum Beispiel schon mehrfach die Inszenierung von "Tristan und Isolde" aus der Scala erwähnt, die mir sehr viel gegeben hat. Die Kulissen waren modern nüchtern, aber man konnte die Handlungsorte (Schiff, Markes Burg, Tristans Burg) durchaus darin erkennen, die Kostüme waren zeitlos. Und vor allem, die Originalhandlung war an keiner Stelle verdreht, wie das inzwischen bei vielen Opern heute der Fall ist, und harmonierte mit den Text.

    Ob das überall bei seinem "Ring" der Fall ist, weiß ich nicht, da ich nur Ausschnitte daraus kenne. Aber auch die können mir nur in Teilen gefallen.

    Wenn ich etwas gegen das inzwischen fast allen Opern aufgezwungene Regisseurstheater habe, das wirklich nicht zu den Werken vor Brecht passt, Dann sind es in erster Linie die willkürlichen Verunstaltungen der Handlungen. Und da können mich keine theoretischen Predigten überzeugen, denn noch keiner dieser Theoretiker hat mir jemals einen Sinn dieser Handlungsverdrehungen und überflüssigen Zutaten erklären können.


    Liebe Grüße

    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Meine Lieben, Ich beteilige mch nur selten an diesem Thema, wel ich der Auffassung bin, dass das was Mne.Cortese hier schreibt

    Ich finde diese Debatte einfach unersprießlich, weil eigentlich keine "Fraktion" sich einmal praktisch auf die Gegenseite einlassen will.

    eigentlich selbstverständlich ist.

    Das geht eigentlich gar nicht.


    Wenn ich -beispielsweise - ein rechtskonservativ autokratisches Weltbild habe - dann kann ich ein anderes nur dann tolerierend zulassen, wenn es meine Privilegien oder Machteinflüsse nicht beeinträchtigt-

    Genau das will aber natürlich die Gegenseite. Daher ist es unmöglich sich auf die Gegenseite einzulassen.

    Ws iar - bildlich (?) gesprochen - ein Kampf auf Leben und Tod.


    Dieser Kampf existiert zwischen den Geschlechtern - zwischen Rassen - zwischen Klassen - zwischen Religionen - Zwischen Fußballanhängern - zwischen politischen Parteien - zwischen Nationen - und natürlich auch - soweit die Geschichter zurückzuverfolgen ist - im Bereich der Oper.



    Und ob RT-Phobe das dürfen.

    Ich möchte das Wort RT-Phobe hier in diesem Forum nicht mehr lesen - und auch keinen sinnäöhnlichen Ersatz daför

    Regietheater-Hasser Regietheater-Verächter träfe es genauer, denn ich fürchte mich nicht vor dem Regietheater - ich bekämpfe es.

    Schon die doch recht anmassenden (wenngleich elegant formulierten) Behauptungen von Dr. Kaletha zeigen an wie sehr man diese RT bekämpfen muss

    Unter anmassend verstehe ich das Verlangen "der Verlierer" möge einsehen, daß er verloren habe undes kzeptieren, ebenso wie die IMO FRECHE Aussage, man müsse RT-Inszenierungen nicht kennzeichnen, sie seien ja ohnedies Standard.


    Eben dies werden wir bekämpfen.

    Aussichtslos ?


    Wohl kaum

    Das linksliberale Spektrum, dem harten Kern des RT kann und will nicht erkennen, wenn der Vulkan auf dem sie tanzen, die ersten Rauchsignale (oder aber auch nur ein unterirdisches Grollen) von sich gibt.


    Da wurde behauptet ein Donald Trumpo habe keine Chance Präsident der USA zu werden

    Da wurde behauptet die AFD könne sich gar nicht entwickeln - eine Minderheit

    Da wurde behauptet ein Austritt aus der EU sei faktisch nicht möglich

    Was da alles getrickst wurde und immer noch wird. Aber die Richtung ist vorgegeben.

    Genaus werden wir das RT zerstören - nicht nicht durch Schlägertruppen oder Gewalt in irgendeiner Form.

    Nein - langsam, schleichend, duch passende Neubesetzungen von Intendantenposten, durch Subventionskürzungen.

    Das bedeuten natürlich noch nicht das Ende des Theaters oder der Oper (wie manche befürchten) sondern es werden andere Geldquellen erschlossen werden müssen. Diese kommen dann zumeist aus dem Privatbereich.Und was das bedeutet, das kann man sich ausmalen.


    Es gibt weder ein "Recht auf Regietheater" noch ein "Recht auf werktreues Theater". Es gibt auch kein "Recht auf Theater". Oder was sagen die Juristen dazu?

    Ich gleube das ist kein juristische Problem, sondern ein gesellschaftliches und eine Geschmacksfrage.

    Am Interessantesten finde ich hier die Formulierung "Es gibt auch kein Recht auf Theater"

    Man könnte dem gegenüberstellen: "Es gibt auch wenig Interesse am Theater"

    Das könnte man sogar belegen - sebst wenn die Häuser voll ausgelastet wären.

    Die Städte haben mehr Einwohner als vor 100 Jahren aber weniger Theater.

    Das Theater an der Wien und das Ronacher haben nur durch viiel Glück und Engagement Einzelner überlebt.

    Beide waren zum Abriss vorgesehen

    Das RT konnte sich eigentlich nur deshalb entwickeln, weil dem Großteil der Bevölkerung Theater inzwischen egal war.

    Kino und Fernsehen hatten es quasi verdrängt.

    Oper ist ein spezieller Fall, weil ein Gutteil des Publikums der Stimmen wegen hingeht.


    Hier eine Erinnerung und Anregung wie man in Wien mit unerwünschten Theatermachern umgeht

    Es gibt auch konservative Netzwerke


    https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Brecht-Boykott


    mfg aus Wien

    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Zitat: Und dass die Festspielleiterin Katharina Wagner heißt, die so etwas zulässt, weiß doch (fast) jeder.


    Es besteht nicht der geringste Grund, über Katharina Wagner herzuziehen. Sie ist eine der fähigsten Leiterinnen der Bayreuther Festspiele, die die Geschichte je gesehen hat. Während ihr Vater Wolfgang Wagner total konventionell eingestellt war und sehr stark traditionell inszeniert hat, pflegt sie einen sehr gelungenen modernen Inszenierungsstil, der in ihren eigenen Inszenierungen als auch in den Produktionen von Gastregisseuren stark spürbar wird. Und das ist gut so. Sowohl Neuenfels`Lohengrin als auch Baumgartens Tannhäuser waren durchaus gelungen, mögen auch manche Festspielbesucher anderer Ansicht sein. Ganz hervorragend war der diesjährige Bayreuther Tannhäuser von Tobias Kratzer. Man merkt: Katharina Wagner erfüllt den kulturpolitischen Auftrag der Theater ganz hervorragend. Das hat beispielweise ihre Urgroßmutter Cosima nicht gemacht. Wagners Witwe hat den Meister total missverstanden und Bayreuth in ein Museum verwandelt, in dem sehr altmodisch inszeniert wurde. An anderen Opernhäusern zur Zeit Cosimas wurde dagegen erfolgreich experimentiert und neue, moderne Inszenierungsstile kreiert. Bayreuths Vorreiterrolle in Sachen Wagner-Aufführungen bestand damals nur noch auf dem Papier. Andere Bühnen hatten Bayreuth längst überholt. Dass Wagner 1876 nach der Bayreuther Ring-Uraufführung, mit der er nicht sonderlich zufrieden war, gesagt hatte: "Nächstes Jahr machen wir alles anders" - dazu sollte es allerdings nicht mehr kommen -, hatte Cosima wohl nicht mitgekriegt. An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass die ursprünglich hypermodernen Neu-Bayreuth-Inszenierungen Wieland Wagners heute als total traditionell gelten. Daran erweist sich, das modern oder konventionell eine Frage der jeweiligen Zeit ist. Produktionen, die wir heute als sehr modern ansehen, können Zuschauer in ein paar Jahrzehnten als total überholt und altbacken ansehen. Das ist ja auch der kulturpolitische Auftrag der Theater: Ein Spiegel der jeweiligen Zeit zu sein und die politischen und gesellschaftlichen Strömungen der jeweiligen Zeit auf die Bühne zu bringen. Theater darf, wie bei Cosima, nicht zu einem Museum erstarren, sonst können die Theater und Opernhäuser ihren Auftrag nicht mehr erfüllen. Und Katharina Wagner wird dem kulturpolitischen Auftrag der Theater, wie gesagt, sehr gerecht. Sie hat sich bisher als sehr fähig erwiesen und mit einer Reihe hoch moderner, gut durchdachten und spannenden Inszenierungen den Spielplan der Bayreuther Festspiele bereichert. Es freut mich sehr, dass ihr Vertrag verlängert worden ist. Am Rand sei noch erwähnt: Ihr bester Regieeinfall in einer eigenen Produktion war bisher, aus Beckmesser einen Helden zu machen. Das war eine sehr gute Idee. Die sehr positive Sicht des Stadtschreibers in den Meistersingern ist eine der aufregendsten Erscheinungsformen des modernen Musiktheaters. Nur durch Neues wird Oper spannend. Wir brauchen das moderne Musiktheater oder meinetwegen auch das Regietheater. Ich ziehe ersteren Begriff vor.


    Herzliche Grüße


    Lustein

  • Ich werde jetzt für einige Zeit als aktives Mitglied pausieren müssen.

    Lieber La Roche,


    bei allem Verständnis für Deinen Frust, überlege Dir bitte den Schritt noch einmal. Ich war soeben richtig geschockt, als ich Deinen Eintrag #173 vorfand!


    Auch mir macht die Entwicklung des Forums große Sorgen, aus Gegnerschaft droht Feindschaft zu werden, mit dem Resultat, daß schlußendlich das Forum in zwei Teile auseinander zu fallen droht. Sollen wir das zulassen? In den letzten Wochen sind mehrere profilierte Mitglieder ausgeschieden oder haben sich in Warteposition begeben. Wenn diese Entwicklung nicht bald gestoppt wird, fürchte ich auf mittlere Sicht für den Fortbestand von TAMINO. Dürfen wir es soweit kommen lassen?

    Ich sage: NEIN:!::!::!:


    Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit sind hohe Güter, die es zu verteidigen gilt. Es kommt aber immer darauf an, ob und wie man seine Meinung dem Kontrahenten verständlich macht. Man darf und soll seinen Standpunkt offen vertreten, aber man sollte ihn dem anderen nicht um die Ohren schlagen. Wir sind doch ein Musikforum, und da sollte oberster Grundsatz sein: Der Ton macht die Musik! Aber seit einiger Zeit häufen sich die Mißtöne ….


    Auch ich war und bin nicht immer glücklich mit den Entscheidungen der Moderation, die auch mich persönlich manchmal - aus meiner Sicht ungerechtfertigt - betroffen haben. Doch ohne eine solche Einrichtung kann kein Forum auf Dauer existieren, und deshalb respektiere ich auch Maßnahmen, mit denen ich nicht konform gehe.

    Friede auf Erden - die Weihnachtsbotschaft wird nur im Adventskranz geäußert - praktiziert wird sie im Tamino Klassik Forum offensichtlich wenig.

    Es wäre mein Weihnachtswunsch, wenn zumindest das Streben nach Frieden und Eintracht hier im Forum wieder sichtbar würde. "Friede auf Erden" wird eine unerfüllbare Wunschvorstellung bleiben, so lange es Menschen gibt. Aber ein friedliches Neben- oder besser noch Miteinander sollte doch unter uns Musikfreunden möglich sein, bei aller Unterschiedlichkeit von Herkunft und Weltanschauung. Alles menschliche Tun und Lassen ist unvollkommen, und wir alle sind mit Fehlern und Schwächen behaftet. Das sollten wir uns immer vor Augen halten, auch wenn es manchmal schwerfällt, es zu akzeptieren.


    Deshalb appelliere ich an Dich, lieber La Roche, bleibe uns erhalten, Du würdest hier eine ganz empfindliche Lücke reißen! Wer sollte sie schließen?


    Mit ganz lieben Grüßen,

    Nemorino :hello:

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Und wer legt das fest? Du etwa? Und wenn ja, auf welcher Grundlage?

    Ich lege fest, dass ich die Ansicht habe, dass jemand mit solchen Ansichten nichts an Opernhäusern zu sagen haben sollte, wobei die Grundlage die Darlegung der Ansicht ist, dass nämlich nur Neues spannend sei.

  • Nur durch Neues wird Oper spannend.

    Ich würde es so formulieren: Nur durch neue Sichtweisen auf alte Werke wird Oper spannend.

    Wir brauchen das moderne Musiktheater oder meinetwegen auch das Regietheater.

    Völlig d'accord. Und das sage ich, obwohl ich in diesem Jahr mindestens ebenso viele misslungene Produktionen gesehen habe wie gelungene.

    Es besteht nicht der geringste Grund, über Katharina Wagner herzuziehen. Sie ist eine der fähigsten Leiterinnen der Bayreuther Festspiele, die die Geschichte je gesehen hat.

    Was die eingeladenen Regisseure betrifft, stimme ich dem mit Abstrichen zu, die Produktionen waren überwiegend gelungen oder sind interessant gescheitert. Diese Verdienste kann man aber auch Wolfgang Wagner nicht absprechen, der mit z.B. Götz Friedrich, Patrice Chéreau, Harry Kupfer, Heiner Müller oder Alfred Kirchner auch einige der besten und innovativsten Regisseure seiner Zeit verpflichtet hat, die damals bei den konservativen Wagnerianern alles andere als beliebt waren. Im Gegensatz zu der Ära ihres Vaters, in der in Bayreuth auch die besten Wagner-Sängerinnen und -Sänger der jeweiligen Zeit anzutreffen waren, ist das Niveau in diesem Bereich m.E. unter Katharina allerdings deutlich gesunken.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Tamino-Klassikforum

    Offenheit

    Liebenswürdigkeit

    Einsicht

    Rücksicht

    Achtsamkeit

    Nachsicht

    Zuversicht


    Liebe Weihnachtsgrüße

    und einen guten Rutsch ins Neue Jahr


    Willi:)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).