Die Flöte - ein Stiefkind der Klassischen Musik (?)

  • Hallo,


    Natürlich sollte man jetzt genau wissen : Welcher Flötentyp ?
    Für diesen Thread ist das egal.
    Uns interessieren hier sowohl berühmte Komponisten, die für die Flöte geschieben haben, wie beispielsweise Quantz und Friedrich der Große, aber auch für Konzerte, die vielleicht zu Unrecht niemand kennt.
    Wissen über spezielle Hersteller von berühmten Flöten, oder (und) aber auch Aufnahmen, die als besonders interessant oder besonders gelungen zu bezeichnen sind.
    Kurzum: Wer sich berufen fühlt mag hier seim Plädoyer für die "Flöte" posten.


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

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  • Hallo Alfred,


    sozusagen als "Betroffene" kann ich die These "Flöte als Stiefkind der klassischen Musik" natürlich nicht stehen lassen. Lange bevor Instrumente wie beispielsweise die Klarinette überhaupt existierten wurde bereits eifrig für die Flöte geschrieben. Ganz reizvolle Soli sind in den Brandenburgischen Konzerten zu finden. Die Flöte ist aber auch Ausdruck der Mozartschen Schizophrenie, wonach dieser zwar dieses Instrument nicht sonderlich geliebt zu haben scheint, er aber hierfür wunderbare Musik geschrieben hat, sei es in Form von Sonaten oder von Konzerten!


    Ob es nun Quantz, Kuhlau oder Ibert gewesen sind, Flötenliteratur gibt es im klassischen und romanatischen Bereich zur Genüge (wenn diese teilweise auch meist lediglich den Insidern bekannt ist). Aber auch im Bereich der neueren Musik findet sich jede Menge Interessantes und Hörenswertes: Gaubert, Poulenc, Chaminade, Debussy und andere haben höchst unterhaltsame und musikalisch reizvolle Werke geschrieben, die häufig in Form von Auftragskompositionen für Virtuosen oder Wettbewerbe entstanden sind.


    Aber auch für die Blockflötenfamilie gibt es zahlreiche Werke, die es lohnen entdeckt zu werden. Neben den aus dem Barock bekannten Werken hat sich vor allem Michala Petri enorme Verdienste im Bezug auf Auftragskompositionen erworben, die einiges an musikalischem Wert geschaffen haben.


    Liebe Grüße,


    Spatz.

  • QUERFLÖTE!


    Die mag ich sehr :)


    Warmer,romantischer Klang. etc.
    Man muss dieses Instrument einfach lieben.


    Zwar wusste ich schon früher wie eine Querflöte klingt,und hatte auch einige Querflötenpartner/innen (Anfängerstücke wie Little Negro).
    Aber so richtig mit Flöte (+Spieler)habe ich mich erst spät auseinandergesetzt (Wettbewerben).


    Hörtip(s):
    Bach BWV 1030 ff. (?) etc. (übrigens sehr schöne Flötensonaten!)
    Die Romantische Flöte Brilliant Classics 3 CD Box mit vielen Stücken aus verschiedenen Epochen. u.a. mit dem Always-Hit von Pachelbel (Canon in D).

  • Hallo Spatz,


    ich will dir nicht zu nahe treten, wenn du Flötistin bist, aber meine Erfahrung geht auch in die Richtung, dass Mozart die Flöte nicht sonderlich geliebt zu haben scheint. Wenn ich an die Mozart Flötenquartette (Flöte, Violine, Viola, Vc) denke, die ich allesamt schon oft gespielt habe und diese Kammermusik mit den Haydn-Streichquartetten vergleiche, dann ist das eben kein Vergleich. Die Flötenquartette sind einfach manchmal hohl dagegen. Ich finde auch die Mischung Streicher+ ein Blasinstrument (insbesondere Flöte) problematisch. Die Intonation ist fast immer falsch. Nur bei sehr sehr guten Flötisten/innen kann man das nicht sagen. Die versuchen zu reagieren. Das Problem ist aber wohl instrumentenbaulich bedingt. Die Flöte steigt nach kuzer Einwärmphase in ihrer Intonation. Der Streicher kriegt darüber einen Hals. Im tiefen Bereich ist die Flöte oftmals wiederum zu tief, weil die Luftsäule wohl bei manchen (billigeren?) Instrumenten nicht ausgeglichen schwingt. Hingegendessen finde ich die Flöte in einem Symphoniekonzert unentbehrlich. Eine Brucknersymphonie oder einen Debussy "A l'apremidi d'un faune" ohne Flöte wäre eine Amputation.

  • Die Flöte ist meiner Meinung nach alles andere als ein Stiefkind.
    Natürlich kommt es auf die musikalische Epoche an.
    Instrumente kommen aus der Mode, dann werden sie wiederendeckt.


    Ich empfehle den Flötenliebhabern sich mal mit der Musik von Jacques Martin Hotteterre 1674 - 1763 zu beschäftigen.
    Er war Hofflötist unter Louis XIV, es gibt mittlerweile auch einige gute Einspielungen.
    Die großen Flötenspieler Frankreichs haben Werke hinterlassen die leider viel zu wenig beachtet werden. Michel Blavet, der Star im damaligen Concert Spirituel, Michel de la Barre, und die Familie Philidor sind nur die Wichtigsten.
    Gegen die Eleganz und Zartheit der Kompositionen von Hotteterre klingt die Musik von Quantz fast brutal und odinär.


    Meine lieblings CD von Hotteterre:


    Hotteterre "Eccos fideles"
    Hazelzet - Traverso / Ter Linden - Gambe / Junghänel - Theorbe
    Ogg - Cembalo
    Erschienen bei Glossa

  • Zitat

    J acques Martin Hotteterre 1674 - 1763, Michel Blavet, Michel de la Barre, die Familie Philidor


    Die ganzen Meister sagen mir überhaupt nichts...muss man die kennen oder schrieben die nur für die Flöte. Heute Nachmittag kam im BR-Wunschkonzert das Flötenduo von Kuhlau, das ich auch nicht kannte. Aurel Nicolet und jemand, den ich mir nicht gemerkt habe, spielten sehr elegant... Leider höre ich so etwas viel zu selten. Es wird im Konzertsaal auch fast nie gespielt, es sei denn, man besucht so etwas wie Flötentage... Ich nehme mal an, so etwas gibt es auch?? Zumindest gibt es jährlich ein Weltharfentreffen, Cellotage in Kronburg, Fagotttage, dann wird es wohl auch Flötenkongresse geben. Kann mich jemand aufklären, wie sich das verhält....

  • Fuchsbuhl fragte:


    Zitat

    Die ganzen Meister sagen mir überhaupt nichts...muss man die kennen ?


    JA :P :D


    (Selten, äusserst selten gelingt es mir, eine gestellte Frage so knapp und gleichzeitig so präzise zu beantworten :D :D :D )



    Beste Grüße


    aus Wien


    Alfred

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  • Ich denke auch die sollte man kennen.
    Es waren DIE Größen ihrer Zeit und haben sowohl das Instrument als auch das Repetoire revolutioniert.
    Hotteterre hat so ziemlich für alle Holzblasinstrumente Musik geschrieben. Er ist auch einer der berühmtesten Instrumentenbauer der Zeit gewesen.
    Wichtig: Seine theoretische Schrift "L'Art de Préluder" sie ist Heute unumgänglich wenn man die alten Techniken lernen will.


    Hauptsächlich gibt es von ihm Werke für die Travers Flöte (die alte Version der Querflöte die noch (fast) kleine Klappen besitzt und ganz aus Holz ist.
    Sie klingt wesentlich weicher als die moderne Flöte (meiner Meinung nach zumindest)

  • Zitat

    Sie klingt wesentlich weicher als die moderne Flöte (meiner Meinung nach zumindest)


    Nicht nur Deiner Meinung. Es handelte sich hier noch um eine konische Bohrung, die definitiv einen dunkleren und weicheren Klang erzeugte. Anders als die heute vorherrschenden, zylindrisch gebohrten "Gewaltröhren"... :D


    Liebe Grüße,


    Spatz.


    P. S. Als "Nebeneffekt" waren die Instrumente damals aber auch nicht so laut und konnten im großen Orchester nicht so durchdringen, wie heutige Konzertflöten.

  • Salut,


    für die Freunde der "klassischen" Klassik kann ich da ganz offenherzig den französischen Komponisten und Flötisten Francois Devienne (1759-1803) empfehlen. Ich besitze eine 3er-CD-Box (Cascade GmbH) mit 10 Flötenkonzerten dieses Künstlers, eines schöner als das andere... eine frische, anmutende, vorbehaltslose und vor allem nicht langweilige Musik!


    Viel Spaß beim Kennenlernen!


    Liebe Grüße

  • Zitat

    J acques Martin Hotteterre 1674 - 1763, Michel Blavet, Michel de la Barre, die Familie Philidor


    @lullist


    Noch mal zurück zu den oben genannten Komponisten. Gibt es da Werke für Violoncello, Violine mit b.c. oder Klavier/Cembalo solo von diesen Barockmeistern? Oder haben die lediglich das Flötenrepertoire im Blick gehabt?

  • Also generell kann man nicht sagen daß diese Herren nur für Flöte schrieben.
    Man neigte dazu die Werke so zu verfassen, daß sie auf allen gebräuchlichen Instrumenten zu spielen war.
    Aber soweit ich informiert bin war IHR Instrument die Flöte.
    Begleitet wurde umindest am französischen Hof mit Laute bzw. Theorbe der Gambe und dem Cembalo.
    Solowerke für diese Instrumente sind mir zumindest von Hotteterre nicht bekannt. Er war zuerst Mitglied in der Grand Ecurie wie Philidor, dort spielte er Oboe und eben Flöte, durch seine herausragende Leistung wurde er aber in die königliche Kammer aufgenommen, die höchste Auszeichnung für einen einfachen Musiker.


    Damals waren die großen Virtuosen auch immer kompositorisch tätig, die berühmtesten Zeitgenossen waren Francois Couperin dessen Instrument das Cembalo war, Marin Marais (verfasste auch Opern im Stile Lullys - Alcione / Semele / Alcide...) der wohl größte Gambenspieler aller Zeiten, und eben Hotteterre für die Flöten.
    Hotteterres Musik ist recht abwechslungsreich, er schrieb seine Kompositionen meistens ins Suitenform und dann für alle gebräuchlichen Holzblasinstrument (Oboe / Blockflöte / Flöte / Musette...)
    Im Gegensatz zu Bach, Vivaldi und Händel waren sie schon sehr auf ihr Metier fixiert.


    Michel de la Barre hat aber auch Bühnenwerke verfasst (Le Triomphe des Arts...) Michel Blavet war soweit ich weiß rein auf die Konzerte im italienischen Stil ausgerichtet. André Danican Philidor der berühmteste dieser weitläufigen Familie war Hofbibliothekar für Musikarchivierung, ihm ist es zu verdanken, dass soviel Musik aus der Renaissance, dem Zeitalter Henrichs IV und Louis XIII überlebt hat. Auch er komponierte Bühnenwerke. (Le Mariage de la Grosse Cathos / Les Fontaines de Versailles / La Mascarade du Roy de la Chine...)


    ...daß ich immer so ausholen muss :rolleyes:
    Und was Francois Devienne anbelangt, ich kann ihn nur ebenfalls empfehlen, ein ganz großartiger Komponist!

  • hallo, als (ganz passabel spielender) hobbyflötist habe ich die gesamten antworten mit interesse gelesen. insgesamt gesehen ist die flöte leider schon ein stiefkind. gerade in der romantik sieht das (qualitativ gehobene) repertoire ziemlich mau aus, mit einigen ausnahmen natürlich. ich spreche nicht von den zahlreichen arrangements, die es zu dieser zeit en masse gab. erst die klassische moderne brachte hier abhilfe. und der barock/ die (vor)klassik, nun ja, ich habe da so viel gespielt, bis es mir hier wahrhaft (fast) zu den ohren herauskam :stumm: und ich es nicht mehr hören, geschweige denn spielen konnte. einfach oftmals zu belanglos von den bachs, quantz, mozarts (und natürlich einigen anderen abgesehen)
    o je, jetzt werde ich wohl gesteinigt ....

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • hallo,
    heute im radio eines der beiden flötenkonzerte (ich glaube nr. 1, hatte es allerdings nicht genau verstanden) von carl reinecke gehört ... sehr schöne romantische musik ... zu empfehlen wie übrigens sein harfenkonzert!!!

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • hallo,


    habe gerade wieder einmal die flötenkonzerte für fünf/sechs soloflöten von joseph bodin de boismortier (1689?-1755) gehört ... traumhafte musik in der fassung für moderne querflöten (bei naxos erschienen und nur zu empfehlen)... langeweile kommt niemals auf , was man vielleicht bei der besetzung vermuten könnte
    abwechslung, herrliche melodien, schöne klangkombinationen ...einfach herrlich!!! :yes:

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Sagitt meint:


    Ich will auf die Flötenvariationen von Schubert über das Lied der schönen Müllerin, Ihr Blümlein alle, die sie mir gab, hinweisen.
    Virtuos, speziell auch für das Klavier,der Pianist/Pianistin hat ordentlich zu arbeiten.
    Aber auch die Flöte wird erheblich gefordert.


    Ich hatte einmal eine Aufnahme mit Rampal- irgendwie ist mir die abhanden gekommen.


    Aber vielleicht gibt es Tipps ?

  • An der Flöte scheiden sich die Geister.Wohl wissend,daß kein Orchester,keine Musikkapelle ohne sie auskommt(von speziellen Ensembles mal abgesehen),empfindet mancher Zeitgenosse die Flöte mehr als Lärm- denn als Musikinstrument.Und manche moderne Komponisten scheinen es darauf auch angelegt zu haben.
    Dennoch ,die schönsten Gegenbeispiele entschädigen wieder.Was wäre die Zauberflöte ohne Flöte?Nicht vorstellbar.
    Oder der Freischütz?Kaspars Arie von Piccoloflöte gestärkt:Triumpf,die Rache gelingt.
    Fazit:Kein Stiefkind der klassischen Musik,nur manchmal etwas ungezogen =)

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Hallo,


    ich möchte auf die Flötistin Sharon Bezaly aufmerksam machen, die für das schwedische Label BIS einspielt. Sie bekommt dort alle Freiheiten und legt dort anscheinend erstaunliche Resultate hin. Sie spielt beispielsweise eine Serie von Aufnahmen ein, bei denen sie das Alphabet von vorne bis hinten durchgeht. Da erstehen erstaunliche Kopplungen, die sonst nie zusammengekommen wären (auf Vol. 3 befinden sich Werke der Komponisten Dean, Dohnanyi, Dominique, Chaminade, Diethelm, Donjon, Devienne, Debussy).


    Zum geringen Preis kennenlernen kann man sie mit ihrer Aufnahme der Mozart-Konzerte, die mir sehr gut gefallen hat:



    Dazu geliefert gibt es den aktuellen BIS-Katalog.



    Gruß, Peter.

  • Zitat

    Original von petemonova
    Hallo,


    ich möchte auf die Flötistin Sharon Bezaly aufmerksam machen, die für das schwedische Label BIS einspielt. Sie bekommt dort alle Freiheiten und legt dort anscheinend erstaunliche Resultate hin.
    Zum geringen Preis kennenlernen kann man sie mit ihrer Aufnahme der Mozart-Konzerte, die mir sehr gut gefallen hat:


    In der Jubiläumsausgabe einer nicht ganz unbekannten Klassik-Zeitschrift finden sich zwei Rezensionen ihrer jüngsten Aufnahmen.


    Herzliche Grüße,:hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Zitat

    Original von Caesar73


    In der Jubiläumsausgabe einer nicht ganz unbekannten Klassik-Zeitschrift finden sich zwei Rezensionen ihrer jüngsten Aufnahmen.


    ...die bestimmt nicht schlecht ausgefallen sind. :)
    Ich werde mir das in der nächsten Woche mal ansehen.



    Gruß, Peter.

  • Moin,


    verschiedentlich wurde in diesem Forum kontrovers darüber diskutiert, welcher Stellenwert oder welche Berechtigung der historisierenden Aufführungspraxis einzuräumen sei, dabei wurde u.a. die Spielweise, die Besetzungsart- und Besetzungsstärke des Klangkörpers, sowie insbesondere die Auswahl des Instrumentariums (moderner Flägel/Cembalo, Bach-Trompete, Bach-Bogen usw.) erörtert. Diese Diskussion scheint bei den Flötenwerken eine eher untergeordnete Rolle zu spielen. Die Verwendung der Böhmflöte scheint im Gegensatz zu Verwendung der historischen Traversflöte weitestgehend anerkannt zu sein. Wird diese Beobachtung/Einschätzung geteilt? Wenn ja, woran liegt das?


    Mir ist natürlich klar, daß diese Beobachtung nicht ausnahmslos gilt. Es gibt Gegenbeispiele wie Brüggen oder Kuijken eindrucksvoll zeigen.


    Beste Grüße

  • Zitat

    Original von tom
    verschiedentlich wurde in diesem Forum kontrovers darüber diskutiert, welcher Stellenwert oder welche Berechtigung der historisierenden Aufführungspraxis einzuräumen sei, dabei wurde u.a. die Spielweise, die Besetzungsart- und Besetzungsstärke des Klangkörpers, sowie insbesondere die Auswahl des Instrumentariums (moderner Flägel/Cembalo, Bach-Trompete, Bach-Bogen usw.) erörtert. Diese Diskussion scheint bei den Flötenwerken eine eher untergeordnete Rolle zu spielen. Die Verwendung der Böhmflöte scheint im Gegensatz zu Verwendung der historischen Traversflöte weitestgehend anerkannt zu sein. Wird diese Beobachtung/Einschätzung geteilt? Wenn ja, woran liegt das?


    Von mir nicht. Ich bin eh kein Flötenfreund, zumal ein Großteil der Solo-Musik in der Hochzeit des Instruments im 18. Jhd. gewisse Vorurteile (seichtes Gedudel :stumm: ) zu bestätigen scheint, aber ich finde barocke Holzflöten sehr viel schöner mit ihrem zwar schwächeren, aber charakteristischen und wärmeren Klang (ebenso Oboen). Im Orchester, ab ca. Mozart/Haydn ist es mir allerdings nicht mehr so wichtig wie bei (älterer) Solo/Kammermusik.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo,


    interessante neuere Werke für Flöte höre ich z.B. von Claude Debussy, Walter Piston und insbesondere Isang Yun; ein anderer unverzichtbarer Wert der Flöte soll hier aber nicht unerwähnt bleiben: Die Erweiterung bzw. Veränderung des Streicherklanges hin zu einem satten, vollen Gesamtklang im Orchester.


    Durch diese Erweiterungen der Palette des Instrumentationsmaterials wurden zahlreiche Nuancen und Schattierungen in der Orchesterinstrumentierung, besonders in der Romantik, erreicht.


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Hallo,


    es gibt ein schönes Flötenkonzert in G-Dur von C. P. E. Bach.
    Dann kenn ich noch eine schöne a-Moll Sonate von Händel, ist aber glaub nicht für Querflöte sondern Blockflöte oder irgendwas in der Art...


    ...und das wars auch schon :(


    achja, nicht zu vergessen, Brahms 2. Sinfonie mit schönen Flötensoli (oder halb-soli, Brahms' Kontrapunkt ist ja immer wieder bestechend!). Leider kommen die z.B. bei Harnoncourt / Amsterdam nicht richtig zur Geltung, bei Karajan/BPO klingen sie hingegen wunderschön (.. romantisch).


    Gruß
    rappy

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Salut,


    hier gerhört das auch hinein:


    Mozart rechtfertigt sich seinem Vater gegenüber über das beschwerliche Vorankommen bei der Komposition eines der Flötenkonzerte für Wendling:


    […] daß ich es nicht hab fertig machen können, ist ganz natürlich. ich habe hier keine ruhige stund. Ich kann nichts schreiben, als nachts; mithin kann ich auch nicht früh aufstehen. zu allen zeiten ist man auch nicht aufgelegt zum arbeiten. hinschmieren könnte ich freylich den ganzen tag fort; aber so eine sach kommt in die welt hinaus, und da will ich halt daß ich mich nicht schämen darf, wenn mein Namm drauf steht. Dann bin ich auch, wie sie wissen, gleich stuff wenn ich immer für ein instrument /: das ich nicht leiden kann :/ schreiben soll. […]


    [14. Februar 1778 aus Paris]


    Mozart hat aber dennoch meinen Geschmack mit seinen Flötenkonzerten und -quartetten nicht getroffen; am ehesten noch mit dem Doppelkonzert für Flöte und Harfe oder das Andante KV 285e. Mozarts allgemeines Unlustempfinden bei der Flöte macht sich wohl auch in der Knappheit der Flötenquartette bemerkbar: Nur KV 285 D-Dur ist dreisätzig [Allegro - Adagio - Rondeau Allegro]. KV 285a und 285b sind nur zweisätzig. Der Nachzügler KV 298 A-Dur ist zwar wieder mit drei Sätzen versehen, diese sind aber insgesamt sehr kurz: 1. Satz nur 80 Takte [mithin gerade einmal die Hälfte üblicher Längen], Menuett und Trio jeweils 16 [eine Kompositionsangelegenheit von wenigen Minuten] und der scherzhaft als "Rondieaoux" bezeichnete dritte Satz ist dagegen [absichtlich] mit 189 Takten im Verhältnis viel zu lang. Mozart war sicher unzufrieden in Paris - der Vater befahl ihm ja das Weggehen von Mannheim, wo seine Geliebte verweilte und sollte mit dem Oboisten Ramm und dem Flötisten Wendling in Paris sein Glück versuchen. Auch das dürfte eine Rolle gespielt haben... und dann ging auch noch die Mutter flöten: Mozart hätte sich bestimmt über ein Kotzsmilie gefreut damals...


    Die ganz frühen Sonaten für Flöte und Klavier - hier kann/darf/soll die Flöte gegen eine Violine ersetzt werden. Ganz scharf ist es bei der G-Dur-Sonate KV 301 zu erkennen: Hier hatte Mozart ursprünglich eine Flöte vorgesehen, diese wild durchstrichen und durch "Violino" ersetzt.


    Dennoch glaube ich, dass Mozart – wie übrigens Haydn auch – Instrumentationsspezialisten waren; gerade und besonders, was die Holzbläser in den Orchesterwerken betrifft. Die Flöte setzt Mozart zumeist als dramatisches Element ein [zum besonderen Beispiel: Idomeneo]. Und hier mag ich die Flöte auch sehr gerne - aber nicht solistisch.


    Cordialement
    Ulli


  • Salut,


    ich habe dasselbe gestern auch gedacht und deswegen in diesem Thread einen weiteren Anfang gemacht.


    Mozart liebte große Orchesterbesetzungen - aber er konnte auch zugunsten der Musik darauf verzichten.


    Die "klassische" Flöte war ja ein Holzblasinstrument und - das sagst Du sicher richtig - entsprechend leise. In der Regel wurde sie, um diesen blöden Nebeneffekt auszutricksen, verdoppelt. So z.B. beim Haydn-Trompetenkonzert, wo die Flöte ausschliesslich in den großen Tutti zu verdoppeln ist, ansonsten nur einfach zu verwenden ist. Heute führt das zu dem Problem, dass die mittlerweile aus Metall bestehenden Flöten für meinen Geschmack viel zu laut sind. Mozart hat hier sicher, wie Haydn, wohldosoert gehandelt.


    In der Arie "Müßt' ich auch durch tausend Drachen" KV 435 schreibt Mozartt ledigleich eine Flöte und eine Oboe, sowie eine Clarinette und für den starken Bass zwei Fagotte vor, zudem zwei Hörner, Trompeten und Pauken. Derer Beispiele gibt es noch mehr.


    Der Tonumfang der Travers-Flöte reicht bis zum f '''' - der der Oboe hingegen "nur" bis zum a '''. Beide Instrumente werden überwiegend in Orchesterwerken bei C oder D-Werken benutzt, teilweise noch bis maximal drei Kreuzen oder Bs, da offensichtlich zur Zeit der Wiener Klassik die Halbtonschritte nicht oder nur unsauber gespielt werden konnten.


    In der Harmoniemusik - die Mozart auch nur als "leider" kommentiert - benutzt Mozart die Flöte nicht, andere Komponisten, die Arrangement zu Mozarts und anderer Opern "in Harmonie" setzten, sehr wohl. In dem Fall liegt Mozarts Aversion klar auf der Hand [375, 388].Zudem würde der Klang einer Flöte hier wahrlich nicht passen.


    Bei den dt. Tänzen 509 wird neben 2 Flöten und Oboen auch noch eine Piccoloflöte verlangt.


    Das Beispiel KV 503 und 504 könnte folgendes zeigen:


    KV 503 eine Flöte, KV 504 2 Flöten bei ansonsten gleicher Besetzung. Beide Werke wurden Anfang Dezember mit Abstand von 2 Tagen in Mozarts werkeverzeichnis eingetragen. Es gibt m. E. zwei mögliche Lösungen:


    1. Mozart hat bewußt aus klanglichen Gründen dafür/dagegen entschieden
    2. KV 503 ist für Wien, KV 504 für Prag - also für in Größe und Qualität unterschiedliche Orchester komponiert worden.


    Ich entscheide mich persönlich fur 1.) - ein weiteres Indiz für die klangliche Differenzierung ist hier, dass in KV 503 zwei Violengruppen vorgeschrieben sind. Und dann folgt KV 505 ganz ohne Flöten und Oboen, lediglich 2 Clarinetten und 2 Fagotte.


    Oh je, das wird ja ein richtiger anti-Flöten-Thread, deswegen STOP: Nochmals - Mozart konnte die Flöte sehr gezielt klanglich wunderbar im Orchester einsetzen.



    Liebe Grüße
    Ulli

  • Hallo Ulli,


    leider sind meine Kenntnisse, was die Rezeption der von Dir bezeichneten Werke Mozarts, an denen Flöten beteiligt sind, betrifft, nahe an der Nulllinie angesiedelt.


    Du schreibt:


    Zitat

    Die "klassische" Flöte war ja ein Holzblasinstrument und - das sagst Du sicher richtig - entsprechend leise. In der Regel wurde sie, um diesen blöden Nebeneffekt auszutricksen, verdoppelt. So z.B. beim Haydn-Trompetenkonzert, wo die Flöte ausschliesslich in den großen Tutti zu verdoppeln ist, ansonsten nur einfach zu verwenden ist. Heute führt das zu dem Problem, dass die mittlerweile aus Metall bestehenden Flöten für meinen Geschmack viel zu laut sind. Mozart hat hier sicher, wie Haydn, wohldosoert gehandelt.


    Aber stellt sich denn dieses Problem der "Verdopplung" in der zeitgenössischen Rezeption der "Flöten"-Werke Mozarts überhaupt noch dar?


    Kürzlich habe ich in diesem Forum hinsichtlich Bach geschrieben:


    Zitat

    verschiedentlich wurde in diesem Forum kontrovers darüber diskutiert, welcher Stellenwert oder welche Berechtigung der historisierenden Aufführungspraxis einzuräumen sei, dabei wurde u.a. die Spielweise, die Besetzungsart- und Besetzungsstärke des Klangkörpers, sowie insbesondere die Auswahl des Instrumentariums (moderner Flägel/Cembalo, Bach-Trompete, Bach-Bogen usw.) erörtert. Diese Diskussion scheint bei den Flötenwerken eine eher untergeordnete Rolle zu spielen. Die Verwendung der Böhmflöte scheint im Gegensatz zu Verwendung der historischen Traversflöte weitestgehend anerkannt zu sein. Wird diese Beobachtung/Einschätzung geteilt? Wenn ja, woran liegt das?


    Daher:


    Ist die klanglich vielleicht unbefriedigende Situation bei Verwendung von Traversflöten bei Mozart durch Verwendung von wesentlich dynamischeren Böhmflöten nicht auch, ähnlich wie bei Bach, vermeidbar?


    Liebe Grüße



    tom

  • Zitat

    Original von tom


    Aber stellt sich denn dieses Problem der "Verdopplung" in der zeitgenössischen Rezeption der "Flöten"-Werke Mozarts überhaupt noch dar?


    Offensichtlich ja. Norman schrieb einst:



    Zitat

    verschiedentlich wurde in diesem Forum kontrovers darüber diskutiert, welcher Stellenwert oder welche Berechtigung der historisierenden Aufführungspraxis einzuräumen sei, dabei wurde u.a. die Spielweise, die Besetzungsart- und Besetzungsstärke des Klangkörpers, sowie insbesondere die Auswahl des Instrumentariums (moderner Flägel/Cembalo, Bach-Trompete, Bach-Bogen usw.) erörtert. Diese Diskussion scheint bei den Flötenwerken eine eher untergeordnete Rolle zu spielen. Die Verwendung der Böhmflöte scheint im Gegensatz zu Verwendung der historischen Traversflöte weitestgehend anerkannt zu sein. Wird diese Beobachtung/Einschätzung geteilt? Wenn ja, woran liegt das?


    und


    Zitat

    Ist die klanglich vielleicht unbefriedigende Situation bei Verwendung von Traversflöten bei Mozart durch Verwendung von wesentlich dynamischeren Böhmflöten nicht auch, ähnlich wie bei Bach, vermeidbar?


    Ich wollte längst darauf eingehen - aber es gab ausreichende Hinderungsgründe und jetzt ruft schon wieder das Mittagessen...


    Meiner Meinung nach sollten die Instrumente der Zeit verwendet werden, um ein ausgewogenes Klangbild zu erreichen. Dazu gehören auch die hölzernen Flöten. Concerto Köln benutzt - selbstverständlich - originale Flöten oder Nachbauten, ich müsste es nachschauen.


    Es spricht allerdings auch nichts dagegen, insgesamt moderne Instrumente zu benutzen. Die Instrumente haben sich fast alle weiterentwickelt und der erforderlichen Lautstärke bei großen Konzertsälen angepasst - es kommt halt auf den Rahmen an.


    Liebe Grüße
    Ulli

  • Salut,


    für die Freunde des "schönen Instrumentalgesangs" gibt es zwei CD-Editionen mit Kompositionen des waschechten Wiener Komponisten Leopold Hofmann [1738-1793]:


    [jpc]4020817 [/jpc][jpc]4020826 [/jpc]


    Volume I beinhaltet:


    Flötenkonzerte
    Badley G2 in G
    Badley D1 in D
    Badley D2 in D
    Badley A2 in A


    Volume II beinhaltet:


    Flötenkonzerte
    Badley D3 in D
    Badley D4 in D
    Badley e1 in e
    Badley G3 in G


    Es spielen
    Kazunori Seo, Flöte
    Nicolaus Esterházy Sinfonia
    Béla Drahos


    Man könnte auf die Idee kommen, dass Mozart, der sich im April 1791 um die Organistenstelle des allem Anschein nach dahinsiechenden Hofmann bewarb, durch den bestehenden Kontakt Mozart/Hofmann als potentieller Neukunde der Firma Tod in nähere Auswahl gezogen wurde. Leider weiß man nichts genaues, über Hofmanns Krankheit und dessen Todesursache, Hofmann starb nicht, wie erwartet vor Mozart, sondern "erst" im März 1793.


    Man sollte bei den Flötenkonzerten keine besondere Tiefe suchen, denn die findent man ja auch beim Kollegen Mozart nicht. Sie sind aber durchaus sehr einfallsreich, frisch, fröhlich und könnten neben jenen von François Dévienne durchaus ihren Platz haben. Das Flötenkonzert in D-Dur [D1, Vol. I] wurde lange Zeit Joseph Haydn untergejubelt. Das spricht bereits für sich. Erst seit 1933 ist die Autorschaft Leopold Hofmanns offenbar eindeutig nachgewiesen.


    Hofmann ist heute völlig vergessen und wird zumeist nur noch nebensächlich im Zusammenhang mit Mozarts letztem Lebensjahr erwähnt [vgl. oben] oder hier:


    Mozart und seine Zeitgenossen: LEOPOLD HOFMANN [1738-1793]


    Interessant, dass von Leopold Hofmanns rund 60 bekannten Instrumentalwerken lediglich ein eiziges Autograph noch vorhanden ist. Dennoch sind jedenfalls 13 Flötenkonzerte bis heute durch Abschriften überliefert. Auch das wieder spricht für eine große Beliebtheit des Schaffens von Hofmann zu seiner Zeit!


    Besonders schön fand ich natürlich das Konzert in e-moll, in dem man vielleicht doch einen etwas nachdenklicheren Komponisten erleben kann.


    Das Ensemble Esterházy spielt eigentlich wirklich wunderbar gleitend, formschön, elegant und rauschend. Den Mittelsätzen kann ich durchaus etwas abgewinnen, ansonsten nervt mich das "Gedudel" auf die Dauer dann doch ziemlich.


    Aber, wohl dosiert, kann ich mir vorstellen, dass sich dem ein oder anderen Flötenkonzertbegeisterten hier ein kleiner Fundus an Neuem offenbart.


    Viele Grüße
    ulli

  • Hallo, Ulli!


    Bist Du krank? Du machst Werbung für Flötenkonzerte!? 8o


    Ich habe seit kurzen diese CD:



    Mir gefällts gut.


    Viele Grüße,
    Pius.