Günter Grass

  • Auf Grund der aktuellen Situation habe ich mal wieder in einigen Büchern von Grass gelesen. Ich gestehe, daß er nicht mein Geschmack ist. Am besten gefallen mir noch die kurzen Sachen wie "Katz und Maus", "Mein Jahrhundert" und "Im Krebsgang"; der erste Teil der Blechtrommel ist auch ganz gut lesbar. Ansonsten finde ich seinen Stil manieriert und geschwätzig, die Romane schlicht langweilig. Was halten die Foristi von ihm?


    PS
    Bitte keine politischen statements zur jüngsten SS Diskussion!

    res severa verum gaudium


    Herzliche Grüße aus Sachsen
    Misha

  • Mein Geschmack ist Grass größtenteils ebenfalls nicht. Ganz gern gelesen habe ich "Treffen in Telgte" und Teile der "Blechtrommel" und sein Theaterstück "Die Plebejer proben den Aufstand" über Brecht und den 17. Juni 1953 finde ich auch recht sehenswert. Andererseits habe ich mich, genötigt durch einen Deutschlehrer, durch die "Hundejahre" quälen müssen. Zudem behagt mir das Praezeptorenhafte seiner politischen Stellungnahmen nicht. Aber damit hat es ja jetzt auch ein Ende...


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Grass hat zwei Werke geschrieben, die ich fantastisch finde: "Die Blechtrommel" sowie "Katz und Maus". Das sind für mich literarische Spitzenwerke.


    Die anderen Werke von Grass sind für mich weniger zugänglich, bisher!?


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Ich finde, daß Grass ein recht guter Erzähler ist - "Butt" und "Rättin" habe ich des Inhalts wegen gerne gelesen. Vergällt wird mir das meiste allerdings duch einen bewußt gewundenen, manirierten Stil. Deshalb mochte ich "Im Krebsgang" noch lieber, das ist schlichter, richtig flüssig geschrieben.
    Sehr interessant und teilweise sogar schön ist Grass' Lyrik - und obendrein halte ich ihn für einen glänzenden Zeichner.

    ...

  • Hallo,


    das ist eben der Unterschied der Literatur zur Musik - das Ausgesprochene. Und insofern war es mir leider nie recht möglich, bei Grass zwischen seinen politischen Aussagen und seinem Werk zu trennen. In seinen Äußerungen hatte ich vielfach das Gefühl, dass da ein "besserer Mensch" Gehör finden will. Nein, diese extreme (moralische) Schulmeisterei hat mir noch nie so recht zugesagt.


    Mit Gewinn habe ich wohl nur "Katz und Maus" gelesen.


    Gruß, l.

  • Ein eitler, aufgeblasener Moralist und Besserwisser - mit adäquatem Makel!


    Nach 60 Jahren plagt ihn das Gewissen - unglaubwürdig! Man denke bloß an seine Moralpredigten, Entrüstungen und Nazi-Schelten!


    Ich mochte ihn nie! Seine Werke? Über dem Durchschnitt! Aber wirklich den Nobel-Preis wert?


    Seine jahrzehntelange "Zurückhaltung" hat m. E. rein profane Gründe: Erfolg, Geld, Ruhm, Ehrungen!


    Jetzt erwartet er wohl nichts mehr vom Leben, denn er hat ja erreicht, was er wollte. Aber ob er das je in diesem Ausmass erreicht hätte, wenn ihn sein moralisches "Gewissen" schon früher gerührt hätte?


    Bilde sich jeder seine eigene Meinung.



    Ciao :motz: Principe

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    ....Deshalb mochte ich "Im Krebsgang" noch lieber, das ist schlichter, richtig flüssig geschrieben.
    .....


    Da gebe ich Dir recht. Ähnlich ist es mit Katz und Maus. In anderen Büchern entspricht die "Geschichte" nicht dem Umfang; auch der Blechtrommel geht IMO gegen Ende die Luft aus. Grass hätte viel öfter "kleine Formen" wählen sollen.
    Und die Manieriertheit? Den Anfang von Mein Jahrhundert z.B. (»Ich, ausgetauscht gegen mich, bin Jahr für Jahr dabeigewesen.«) mögen manche für tiefsinnig halten - IMHO ist das verworrener Krampf, und das ist ein eher harmloses Beispiel.

    res severa verum gaudium


    Herzliche Grüße aus Sachsen
    Misha

  • Zitat

    auch der Blechtrommel geht IMO gegen Ende die Luft aus


    Wie bitte? Vielleicht geht dem einen oder anderen Leser die Luft aus :), doch nicht der Blechtrommel! Sie ist von vorne bis hinten ein lineares und homogenes Werk. Es ist kein Roman mit crescendo, diminuendo etc, natürlich, sondern beschreibt eher verhältnismäßig gleichmäßig einen Zustand. Man mag so etwas oder nicht, aber da geht keine Luft aus...


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Günther Grass als Literat?


    In Kürze:


    Den Nobelpreis hat er alleine wegen der Blechtrommel verdient, für mich sein bestes Buch. Mit Katz und Maus konnte ich nichts anfangen, der Rättin ebensowenig. Ein weites Feld? Erstens hat der Roman erhebliche Längen, statt 800 hätten es durchaus auch dreihundert Seiten weniger getan, zweitens imitiert Grass den Stil von Fontane so gut (was schon eine Leistung ist) dass man nicht weiß, ob das jetzt echter Fontane oder Grass´Imitation ist, drittens stört mich an dem Roman eminent die Grass´sche Geschichtsphilosophie, nämliche eine direkte Linie von Friedrich dem Großen zu Hitler zu ziehen- so einfach laufen historische Prozesse nicht ab. Sehr gelungen fand ich den "Krebsgang", zum einen verdienstvoll von Grass, das Thema aufgegriffen zu haben, zum anderen auch schriftstellerisch gelungen. Von seinen weniger umfangreichen Werken hat es mir besonders das "Treffen in Teltge" angetan: Die Gruppe 47 im Gewand der deutschen Literaten des 17. Jahrhunderts- und eine- wenn auch bisweilen derbe- Hommage an dieselben, auf knapp zweihundert Seiten.


    Herzliche Grüße,:hello::hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Zitat

    Original von Caesar73
    ...drittens stört mich an dem Roman eminent die Grass´sche Geschichtsphilosophie, nämliche eine direkte Linie von Friedrich dem Großen zu Hitler zu ziehen- so einfach laufen historische Prozesse nicht ab.


    Lieber Christian,


    Ich habe keine der Bücher von GG gelesen. Aber zu diese Bemerkung von Dir möchte ich doch eine Vereinfachung gegenstellen:


    Friedrich = Zeitalter der Aufklärung --> Naturwissenschaften wachsen und entfalten sich.
    Dadurch wurden sehr viele Entdeckungen gemacht, die wirtschaftlich angewendet und verarbeitet wurden.
    Das wiederum hatte zu Folge, daß erstens die neuen Produkte Absatzmärkte finden müßten, und zweitens man Steinkohl/Eisenquellen brauchte --> fast gezwungenermaßen Krieg 1870-1871.
    WK I (On les aura) ist teils bewußt ein Folge der Rachegedanke, teils hat das mit Absatzmärkte (i.e. Kolonien) zu tun. Teils auch weil Wilhelm II m.E. ein Versager war, und natürlich soll man nie der Serajewo-Attentat vergessen.
    Und AH ist ein direkter Erfolg des WK I.


    Nochmals, ganz simplifiziert, aber es gibt ja eine sich windende Linie.


    LG, Paul

  • Mit der Logik kannst Du jedes geschichtliche Ereignis mit einem früheren Ereignis in eine vermeintliche Kausalität bringen, da landest Du irgendwann bei Adam und Eva... :rolleyes:


    Friedrich hat die Aufklärung weder erfunden noch für die Entfaltung der Naturwissenschaften gesorgt. Der Anfang der industriellen Revolution liegt im übrigen in England, nicht in Preußen. 1870/71 hatte überhaupt nichts mit wirtschaftlichen Erwägungen zu tun, sonder war ein politisch nüchtern kalkulierter Krieg. Deutschland brauchte keine Kolonien als Absatzmarkt, die waren wirtschaftlich unbedeutend. Und AH ist keine Folge des WK I, sondern eher der alliierten Politik gegenüber Deutschland (auch vereinfacht). :baeh01:

  • Zitat

    Und AH ist keine Folge des WK I, sondern eher der alliierten Politik gegenüber Deutschland (auch vereinfacht).


    Wie die wohl zustande gekommen ist...

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Daher zurück zu Grass.
    Meiner Meinung nach ist das Zeichen für einen großen Autor nicht nur der Inhalt, sondern primär der Stil.
    Misha und ich haben bereits einen Vorstoß in diese Richtung unternommen. Wenn ich als ersten Satz der "Rättin" lese "Auf Weihnachten wünschte ich eine Ratte mir", ist mein erster Gedanke: Warum kann der Kerl nicht schreiben "Zu Weihnachten wünschte ich mir eine Ratte"? Die Wortumstellungen im Satz von Grass sind nämlich weder durch einen Rhythmus noch durch ein Sprachbild begründet. Es sind Umstellungen um ihrer selbst willen - und damit eben Manier.


    Mich würde von Euch nun interessieren: Was meint Ihr dazu, wie findet Ihr, daß Grass stilistisch zu werten ist?

    ...

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Daher zurück zu Grass.
    Meiner Meinung nach ist das Zeichen für einen großen Autor nicht nur der Inhalt, sondern primär der Stil.
    Misha und ich haben bereits einen Vorstoß in diese Richtung unternommen. Wenn ich als ersten Satz der "Rättin" lese "Auf Weihnachten wünschte ich eine Ratte mir", ist mein erster Gedanke: Warum kann der Kerl nicht schreiben "Zu Weihnachten wünschte ich mir eine Ratte"? Die Wortumstellungen im Satz von Grass sind nämlich weder durch einen Rhythmus noch durch ein Sprachbild begründet. Es sind Umstellungen um ihrer selbst willen - und damit eben Manier.


    Mich würde von Euch nun interessieren: Was meint Ihr dazu, wie findet Ihr, daß Grass stilistisch zu werten ist?


    Ich muß gestehen, dass ich sehr wenig von ihm kenne (ich glaube Im Krebsgang und noch was anderes kurzes. Die Blechtrommel wollte ich immer mal wieder lesen, nie dazu gekommen, nichtmal gekauft...)
    ABER: Dein Beispiel kann ich nun gar nicht nachvollziehen. Der Rhythmus ist doch offensichtlich ein anderer, mit "auf Weihnachten" assoziiere ich eine unbestimmte regionale Färbung (denn bei uns sagt man das nicht so, keine Ahnung, ob man in Danzig so redet) und die skurrile Formulierung unterstreicht die Skurrilität des Wunsches. Sofern man so einen isolierten Satz nehmen kann, also gewiß manieriert, aber durchaus im Dienst des Inhalts und des Ausdrucks. Dass einem Autor dann manchmal der Gaul durchgeht und solche Stilistik zum Selbstzweck wird, aber das gibt es auch bei Thomas Mann und anderswo.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Dass einem Autor dann manchmal der Gaul durchgeht und solche Stilistik zum Selbstzweck wird, aber das gibt es auch bei Thomas Mann und anderswo.


    Ganz zu schweigen von Hesse, der durchaus seine Mätzchen hatte, aber trotzdem einfach: :jubel: (irgendwann mag man ihn sogar auch deswegen :D )
    Jedenfalls kann man sich auf diese Weise einen unverwechselbaren Stil zulegen, der dann auch einen gewissen Wiedererkennungswert hat - im Unterschied zum stilistischen Einheitsbrei von Diplomarbeiten ist das in Prosa, Lyrik etc. ja durchaus erwünscht 8)


    :hello:
    Stefan

    Viva la libertà!

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    ... Wenn ich als ersten Satz der "Rättin" lese "Auf Weihnachten wünschte ich eine Ratte mir", ist mein erster Gedanke: Warum kann der Kerl nicht schreiben "Zu Weihnachten wünschte ich mir eine Ratte"?


    1. Die Umstellung signalisiert: jetzt kommt Literatur = Kunst.
    2. Zu Weihnachten eine Ratte? Das ist so ungewöhnlich, das sagt sich nicht in Alltagssprache. Nicht in der Zeit, in der "Die Rättin" geschrieben wurde.
    3. Jemandem eine Ratte wünschen ist 'sprachbildlich' erst mal nicht die feine Art. Nicht in der Zeit, in der "Die Rättin" geschrieben wurde (vielleicht später, als die Gepiercten mit weißen Ratten im Hemdausschnitt auftauchten). Aber der Erzähler wünscht sie ja nicht jemandem, sondern sich selbst. Mit der Umstellung macht er auf seine besondere Verfassung aufmerksam: jemandem eine Ratte wünschen wäre ein Ausdruck von Haß oder Wut oder was weiß ich. Sie sich selbst wünschen der Ausdruck der eigenen (vorweg genommenen?) Verstümmelung.


    Vielleicht ist es aber auch ganz anders...

  • Nun gut, jetzt haben wir einmal den ersten Satz von Zigtausend durchgekaut. Mein Problem mit diesem Stil ist, daß es nun genau so weitergeht. Kaum ein Satz, dem man nicht anmerkt, daß der künstlerische Wille in den natürlichen Fluß eingegriffen hat.


    Nun liebe ich Autoren wie Thomas Mann und, ganz besonders, Hanns Henny Jahnn - beide sind ja ebenfalls Schöpfer einer dichterischen Prosa, also eines Stils, der sich von der normalen Prosa abhebt.
    Der Unterschied ist nur, daß ich weder bei Mann noch bei Jahnn das Gefühl habe, der Autor will mich mit der Nase drauf stoßen: "Schau her, ich schreibe das so."
    Bei Grass hingegen schon. Ständig teilt mir Grass mit, welche Möglichkeiten der Wortstellung die deutsche Sprache hat - nur die "normale" darf es nicht sein. Und wenn es doch die "normale" ist, muß ein anderer Stolperstein in den Satz.

    ...

  • Von Jahnn kenne ich nur den Namen, bei Thomas Mann habe ich sehr häufig genau das Gefühl. Und nicht nur "schau her, ich bin gerade stilistisch meisterhaft", sondern auch "schau her, ich bin gerade besonders ironisch", "schau her wie gebildet ich bin" usw. Dass es dennoch grandiose Stellen gibt, ist unbestritten. Ich habe vor einigen Wochen (recht mühsam) "Königliche Hoheit" gelesen, stellenweise ganz witzig, aber insgesamt etwas langweilig. Aber es gibt z.B. eine Stelle, wo der Prinz das Algebra-Kollegheft seiner Zukünftigen sieht (eines der vielen autobiographischen Elemente wie ich inzwischen erfahren habe, denn auch Katia studierte Mathematik) und hier ist auf derart witzige, treffende und sprachmächtige Weise beschrieben, wie eine Anhäufung mathematischer Formeln auf einen Laien wirken kann, das ist wirklch großartig. Hier ist die zum Exzess getriebene stilistische Finesse angemessen, anderswo nicht immer. Aber wie gesagt, zu Grass kann ich nicht viel sagen.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
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    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Kaum ein Satz, dem man nicht anmerkt, daß der künstlerische Wille in den natürlichen Fluß eingegriffen hat.


    Dies ist eine Feststellung, die Schuld ist, dass ich sowohl in der Literatur als auch ganz besonders in der Musik so wenig mag und fast immer die gleichen Stücke höre :)


    Für Grass gilt dies auch, aber weniger in den Frühwerken. Gerade in der Blechtrommel und in "Katz und Maus" empfinde ich dies nicht. Die Sprache ist wohl anfangs etwas befremdlich, manchmal ellenlange Sätze und dann nur kurze Konstrukte ohne Verben, für mich aber ist die inhaltlichen Atmosphäre sehr stimmig und natürlich. Innerhalb kurzer Zeit habe ich mich in die Sphäre der Sprache sehr gut einfinden können und mich darin bis zum Schluss sehr wohl gefühlt, und dies ist so bei jedem neuen Anlauf.


    Der eine so, der andere so - nungut - der Inhalt des obigen Zitats ist auf jeden Fall auch für mich eines der wichtigsten Filter für "Kunstwerke".


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Von Grass kenne ich neben der so obligatorischen wie extensiven "Blechtrommel" noch "Katz und Maus" (Schullektüre) sowie "Mein Jahrhundert", das ich schon in meinem Geschichtsunterricht verwendet habe - war eine nette Abwechslung.
    Auch wenn sich das fies anhört: Aber das Beste am Literaten Grass sind seine Zeichnungen. Ich fühle mich bei ihm auch immer wieder an Fontane erinnert und dessen Stil lag mir auch nicht sonderlich. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass man als Süddeutscher weniger direkten Zugang zu seiner Lebenswelt hat - jedenfalls fällt mir dies immer wieder bei literarischen Gesprächen mit Nord- und Ostdeutschen auf. Die können häufig wiederum weniger mit Mörike anfangen... Grass ist ein guter Literat, zweifelsohne, aber er behagt mir einfach nicht.

  • Die FAZ brachte heute im Feuilleton ein ganz interessantes Interview mit Mister Tagesthemen, Ulrich Wickert. U.a. fand das wohl statt, weil Wickert am 31.8. die letzten Tagesthemen moderiert. Dafür hat heute um 22.45 Uhr in ARD seine neue Sendung "Wickerts Bücher" Premiere. Sein Gast ist Günter Grass.

  • Um auf den Stil von Grass zurückzukommen, finde ich, dass die Blechtrommel ein stilistisches Meisterwerk ist, da hier der Stil keinesfalls gekünstelt wirkt (ist aber das bis dato einzige Werk, das ich von ihm kenne und kann somit auch nur dieses Werk besprechen). Bei Mann habe ich im Zauberberg öfter das Gefühl "Mmmh, das macht er jetzt mit Absicht um dieses oder jenes zu erreichen", aber nur weil ich seine Absicht erkenne, heißt das nicht, dass es dadurch schlechter wird, sondern eigentlich, dass man das Werk zu verstehen beginnt.

    Früher rasierte man sich wenn man Beethoven hören wollte. Heute hört man Beethoven wenn man sich rasiert. (Peter Bamm)

  • völlig unpolitisch


    Oh ihr alten Moralisten,
    sitzt doch selber auf Zwiebelkisten
    die Zwiebeln, jungfräulich noch mit Haut,
    alle haben sich noch nicht getraut.
    Padre

  • Misha ich habe das meiste auch nur gelesen, weil ich auch in Danzig geboren bin. Jahrgang 1940. Krebsgang beschäftigt sich ja mit den Untergang der Wilhelm Gustloff. Es ist mir eiskalt über den Rücken gelaufen, denn wir wollten auch auf das Schiff haben aber keinen Passierschein erhalten.Man weis nicht, ob wir Glück hatten, denn was danach geschah, die furchtbaren Ereignisse die dann nachfolgten, habe ich in meinem Buch ( http://www.agenda1940.de) versucht zu verarbeiten.
    Als ich vor drei Jahren zum Erstenmal wieder in Danzig war und in der Pfarrgemeinde die Totenbücher einsah, wurde ich wieder daran erinnert. Im Krchenbuch waren im Zeitraum von Jan. bis Mai 45, seitenweise nur " Unbekannte Kinderleiche " eingetragen.
    Sei froh, dass ihr so etwas nicht miterlebt habt.
    Padre

  • Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass hat einen neuen Lyrikband veröffentlicht: Dummer August"(Steidl Verlag). In Gedichten mit eigenen Lithografien.


    Padre

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Daher zurück zu Grass.
    Mich würde von Euch nun interessieren: Was meint Ihr dazu, wie findet Ihr, daß Grass stilistisch zu werten ist?


    Hi Edwin - Hi All! =)


    Ich mag das, wenn so geschrieben wird - anders geschrieben wird
    das ist der Grund warum ich lese und veruche so gut wie nicht zu Fernsehen.


    Das macht den langfristigen erfolg doch aus - oder nicht?
    Der Inhalt von den Zeilen die ich las (kein Buch ganz gelesen bis jetzt) ist nicht unbedingt meins
    auch wenn ich manchmal seine Ansichten teile - das was ich las war zu extrem! durchsetzt damit.


    Ich habe allerdings trotzdem vor - Die Blechtrommel oder Katz und Maus irgendwann mal zu lesen.


    Als Mensch finde ich ihn schrecklich - das war nicht immer so
    aber die Nazi Sache - da frag ich mich - was ist das für ein Typ - der mit sowas PR macht?


    LG Paul? :angel:

  • Lieber Paul,
    du bist Jahrgang 68 und könntest mein Sohn sein. Urteile nicht über Grass, wenn du die Nazi-Zeit nicht miterlebt hast und noch kein Buch von Ihm gelesen hast.Beim Häuten der Zwiebeln geht er auf die damalige Zeit, die er hautnah erlebt, ein.
    Heute ist es leicht über jemand den Stab zu brechen. Wir kommen zufällig auch aus Danzig. Mein Bruder, Jahrgang 1931, war ein guter Schüler und wurde damals in eine Kader-Schule geschickt. Die Eltern dieser Kinder waren froh ein Maul weniger zu ernähren. Natürlich wurden diese Burschen auch geschult. Viele brannten darauf, den
    Feind zu gesiegen und konnte es garnicht erwarten ins Feld zu ziehen. Als die Russen 1945 Danzig besetzten, war ich fünf und hätte am liebsten auch alle umgebracht.
    Wer die Vergangenheit nicht kennt, wir oft Schwierigkeiten haben die Zukunft zu bewältigen.
    Da wir hier aus gutem Grund, keine Politik machen wollen habe ich mich sehr kurz und neutral geäußert.
    Viele Grüße
    Padre :hello:

  • Lieber Padre,


    es ging Paul? ja auch nicht darum, über den Lebenswandel von Grass zwischen 1933 und 1945 zu urteilen. Er fragte nur (und ich schließe mich dieser Frage an), was einen dazu treibt, mit seiner bis dahin gehütetenen Vergangenheit PR zu betreiben. Und PR war es - kein Geständnis, weil es endlich raus mußte oder ähnliches...


    :hello:Jürgen

    Ich brauche keine Millionen, mir fehlt kein Pfennig zum Glück...