• Lieber Rideamus, bei den Franzosen kann man wirklich fündig werden! Ganz spontan fiel mir auch sofort die von Giselher schon genannte "Air de la folie" aus Rameaus "Platée" ein. Da ist das Gelächter wirklich in der Musik eingebaut, nämlich als Koloraturen.Überhaupt haben übertriebene Koloraturen oft etwas Komisches an sich. Bei der Arie der Kônigin der Nacht muss man ja fast auch lachen angesichts ihrer Hysterie und das wurde in Formans "Amadeus" wirklich serh gut in Bilder gesetzt, indem dort die böse Schwiegermutter Weber erschein und koloratierte. :hahahaha:
    Poulenc hat einige Bravourstückchen zum Lachen geschreiben z.B. erinnere ich mich an die Damen von Monte Carlo, kongenial von Felicity Lott in ihrer unnachahmlichen Komik vorgetragen. Dann nicht zu vergessen Eric Satie. Mir fallen seine absurden Klavierstückchen ein und ein Lied mit dem Titel "La diva de l 'empire" Die besagte Diva ist dort ein Baby in seinem Kinderwagen.....
    Bei Ravel gibt es einen Liederzyklus "Histoire naturelle", wo sich Pfauen aufplustern, Hûhner gackern und allerlei andere Vögel ihr komisches Temperament entfalten.
    Auch bei Henry Purcell gibt es allerhand zu lachen. Da tauchen in verschiednen Opern(z.B. The Fairy Queen) lallende Betrunkene, Verrückte, Gehörnte etc etc auf und sorgen für barocke Komik. Dann gibt es eine Kantate für einen toten Kanarienvogel, ich glaube von Telemann und eine Arie von Haydn die eine Rotwein-Orgie besingt(Titel ist mir entfallen, pardon).
    Nicht zu vergessen natürlich der stets zu Gelächter aufgelegte Rossini, der ja bereits in seiner heiteren Kompositionsweise und mancherlei komischen Opernstoff für diesen Thread praedestiniert ist.
    Das sind nun eher Gedankenschnipsel als Konkreta. Hoffentlcih kannst du trotzdem etwas damit anfangen.
    Herzliche Grûsse an die Spree und die Havel :hello:
    Fairy Queen

  • Danke auch Dir, Fairy.


    Das scheint ja ein sehr ergiebiger Thread zu werden, den nachzuhören mir nicht weniger Spaß macht als die vielen Anregungen zum Ensemblegesang in dem Thread, mit denen ich auch noch lange nicht durch bin.


    Bitte mehr davon, wann immer Euch etwas Passendes dazu einfällt oder begegnet.


    Apropos Platée: ich bin gerade bei dem herrlichen "Dis-donc pourquoi" der Minkowski-Aufnahme und lache mich kringelig. PLATÉE ist bei mir fortan als besonders komische Oper gebucht, von der sich sehr leicht ein Bogen bis zu Offenbachs Olympiern spannen lässt. Auch die Musik lässt wahrlich nichts an Witz zu wünschen übrig. Fortan dürft Ihr Taminos Euch meine erwachende ZUneigung zur Barockoper anrechnen.


    Weiß jemand, ob und wo man das Libretto zu PLATÉE im Internet finden kann? Wie immer ich die Suche einstelle, es kommen viel zu viele Einträge hoch, die es nicht beinhalten.


    Und noch so eine Frage-Bitte: kennt eigentlich jemand Literatur zum Thema komische Musik?


    R.

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Dann gibt es eine Kantate für einen toten Kanarienvogel, ich glaube von Telemann


    Hallo,


    zu Telemanns Kanarienvogel ("Friss, dass dir der Hals anschwelle, friss, du ungebet´ner Gast..") gehört bei diesem Thema dann aber auch noch seine Schulmeister-Kantate.
    ("Wenn der Schulmeister singet, so klingt das wunderschön" - ob Lortzing sich für seine Bacculus davon hat inspirieren lassen? )


    Beides zu finden auf dieser CD



    :hello:


    Elisabeth,
    die leider ganz schnell zurück an die Arbeit muss...

  • Zitat

    Original von Rideamus
    @ Ulli


    Danke vor allem für den Hinweis auf IDOMENEO, wo ich witzige Musik am wenigsten vermutet hätte.


    Salü,


    "witzig" ist in diesem Falle sehr relativ... :D

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • jetzt wäre ich fast vom Glauben abgefallen.



    Rameaus Platée ist *entschuldigung* sau-komisch.



    Allein die Darstellung der Nymphe Platée (gesungen von einem Baryton) und erst recht bei solchen Stellen wie gerade "Dis-donc pourquoi" - wobei das "Porquoi" richtig gequakt wird - sie ist ja eine Sumpfnymphe die stets von Kröten und Fröschen umgeben ist.



    Was hierbei besonders fies ist, der Kontext der Aufführung:


    Die Oper wurde ja zur Hochzeit des Dauphins (dem Sohn Louis XV) gespielt, dann solch eine Paralele zu ziehen, Jupiter spielt einer hässlichen Sumpfnymphe Verliebtheit vor (...)


    ganz schon harte Anspielung.



    Was das Umfeld von Landi angeht... ich würde das mal auf die ganze erste Hälfte des 17. jahrunderts ausweiten.
    Ich kann immer wieder nur Cavallis "La Calisto" nennen - das ist nicht nur Musik vom Feinsten, sondern eben hochgradig versaut und lustig.



    was aber auch sehr lustig ist, sind die Madrigal Komödien von Banchieri, bei Naxos sogar recht günstig zu erstehen:



    sicher mag es noch bessere Einspielungen geben, aber zum kennenlernen reicht das vollkommen aus.


    Ich habe z.B. noch die Einspielung von Alessandrini.
    (Man muss aber den text mitlesen, denn die Verständlichkeit ist dem Fall sehr wichtig).


    Besonders witzig ist das Madrigal "Contrappunto bestiale" da simulieren die Sänger Tierstimmen: ein Kuckuck, eine Katze, ein Hund usw.


    sehr grotesk etwas ähnliches gibt es auch von Charpentier, eine Episode aus der Bühnenmusik zu "La Comtesse d'Escarbagnas" (die auch im Ensemble Gesang Thread genannt werden könnte)


    Hier gibt es dann ein Terzett mit Hund, Katze und Esel (...)


    und bevor es losgeht gibt es noch ein recht witziges Terzett wobei das Wort "Simphonie" zu Simphonihihihihihihi" verkommt :D

  • Zitat

    Original von der Lullist
    jetzt wäre ich fast vom Glauben abgefallen.


    ?( ?( ?(


    Zitat


    Die Oper wurde ja zur Hochzeit des Dauphins (dem Sohn Louis XV) gespielt, dann solch eine Paralele zu ziehen, Jupiter spielt einer hässlichen Sumpfnymphe Verliebtheit vor (...) ganz schon harte Anspielung.


    Hat schon mal jemand die Vermutung angestellt, dass diese Auffühung ein böses Omen für seine spätere Bekanntschaft mit der Guillotine war?


    Zitat

    Ich kann immer wieder nur Cavallis "La Calisto" nennen - das ist nicht nur Musik vom Feinsten, sondern eben hochgradig versaut und lustig.


    Ist bereits vorgemerkt, wobei ich die schon mal vor einiger Zeit gehört habe. Leider ohne Text, weil ich mir unbekannte Stücke seit einiger Zeit gerne bei Downloads von Operashare teste. Offenbar entging mir dabei einiges, wie auch jetzt bei dem in der Tat zum Brülen komischen PLATHÉE, bei dem mir schleierhaft ist, warum er immer noch als Geheimtipp gilt und andere Opern Rameaus einen viel höheren Rang haben.


    Zitat

    Man muss aber den text mitlesen, denn die Verständlichkeit ist dem Fall sehr wichtig).


    Eben drum die Frage, ob die LIbretti auch im Internet zu finden sind.


    Es dankt :jubel::jubel::jubel:


    Rideamus

  • Hallo Rideamus,



    zuerst hatte es ja den Eindruck gemacht dass Du die Oper nicht lustig findest, das hatte mich geschockt - aber das hat sich ja gelegt :D


    Der Dauphin Louis (der Sohn Louis XV) ist nicht Louis XVI - das ist der Sohn des bewussten Dauphins gewesen.


    Ich meine es war die spanische Infanztin die der Dauphin geheiratet hat.
    Louis XV ist also der Großvater Louis XVI.
    Der Sohn des Dauphin, Louis-Auguste heiratete ja die Erzherzogin Marie Antoinette von Österreich.


    Und zu deren Hochzeit gab es Lullys Persée.


    Da gibt es aber auch eine sehr witzige Szene:



    Merkur hilft Perseus um Medusa zu töten, indem er sie vor dem Eintreffen Perseus in den Schlaf singt.
    Medusa ist eine Metapher für Willhelm von Oranien gewesen, den Erzfeind von Louis XIV. Demnach ist "sie" auch entsprechend lächerlich dargestellt.
    Medus wird von einem Bariton gesungen. Ihr zur Seite stehen noch zwei Gorgonen - ebenfalls von Männern gesungen. Allein ihr Monolog ist schon genial.


    Auch diese Szene könnte gut im Ensemble Thread genannt werden.


    Merkur singt die 3 Vogelscheuchen in den Schlaf, dann will er verduften - und da sind sie wieder hell wach und grölen regelrecht "nein, nein wüten wollen wir!"


    Das ist deshalb so witzig, weil es so überraschend kommt.



    Die Libretti zum Banchieri sind dabei, allerdings nur in englischer Übersetzung - was aber im Normafall genügt.



    wegen der "La Calisto" - nimm am Besten die DVD, besser kann man diese tolle Oper gar nicht erleben:



  • Leider rief das Essen, bevor ich meine vorige Mail korrigieren konnte, und schon warst Du wieder da. ;)


    Die DVD von LA CALISTO ist vorgemerkt :D , und das Sparen dafür auch X( .


    Über die Frösche im PLATÉE, die bei Minkowski wirklich umwerfend sind, habe ich zwischenzeitlich ein zweites Mal herzlich lachen können / müssen.


    Da ich mir aber nicht gleich alles kaufen kann und, wie gesagt, viele relevante Stücke ohne Text habe, wäre ich immer für genauere Textstellen bzw. "Ortsangaben" dankbar - solange es nicht in Arbeit ausartet, natürlich nur.


    :hello: Rideamus

  • Lieber Rideamus,


    gerade fiel mir noch der WAFFENSCHMIED in die Hände, darin das Lied des Georg aus dem 2. Akt "War einst ein junger Springinsfeld" - für mich lachen Holz und Streicher zu den Refrains =) :yes:


    In der Hoffnung, das es mir nicht schadet, wenn ich auf Reisen geh´


    :hello:


    Elisabeth

  • Lieber Rideamus,


    mir fallen spontan nur Beispiele von gemeinem Spott ein, als da wären:


    1.
    Das hämische Lachen des Verschwörerchors im 2. Akt von Un ballo in maschera, wenn Renato duch die Enthüllung von Amelia zutiefst bloßgestellt wird.


    2.
    Die Verspottung von Sly in der gleichnamigen Oper von Wolff-Ferrari nach Sly's Wiedererwachen in Armut Wiewohl vorher nach seinem Lied vom Bären, bei dem ihn zusehends die Trunkenheit übermannt.


    3.
    Die Verspottung von Rigoletto durch die Höflinge, die er verzweifelt um Hinweise über den Verbelib seine Tochter bittet.


    4.
    Jago, zum einen dessen Unterton in der ganzen Szene, in der Cassio zum Trinken verleitet wird und dann natürlich das "Ecoo il leone", wenn Otello bewußtlos wird. Er ist wohl der singende Zyniker schlechtjin, obgleich Barnaba in "La Gioconda" auch nicht zu unterschätzen ist.


    Die letzte sehr anstrenge Woche im Büro scheint meine Perspektive etwas negativ fokussiert zu haben. Sollte mal was Unbeschwertes auflegen.


    LG Ulmo

    SINE IRA ET STUDIO (Tacitus)

  • In dieser schönen Aufstellung darf aber keinesfalls das eindringlichste muskalische Spotten fehlen, das mich seit der SAchulzeit verfolgt, als wir das Stück im Musikunterricht hatten:


    Kilian: "Wird er, frag ich, hehehehehe"
    Chor: "Hehehehehehe.....


    Quelle: DER FREISCHÜTZ
    :hello: Rideamus

  • "Lied des Mephisto in Auerbachs Keller" (="Flohlied") in der Vertonung von Mussorgsky
    ...wo die einzelnen "Ha Ha"`s sogar auskomponiert sind !


    ich finde meine Aufnahme (Marjana Lipovsek / Graham Johnson - offensichtlich gestrichen X() recht überzeugend........


    das Lachen soll einem allerdings in der Kehle steckengeblieben sein, wenn Schaljapin es gesungen hat 8o8o


    n´morgen allerseits !
    piet

  • Hugo Wolf wurde schon zwei Mal erwähnt.Dazu fällt mir auch das Lied
    "Zur Warnung" ein.
    Aber auch das Duett Falstaff/Herr Fluth in den Lustigen Weibern von Windsor finde ich köstlich.


    Lotosblume

  • Hallo Rideamus,


    offentönend bin ich noch immer auf dem Spott und Häme Trip.
    Hörte vorhin den Mitschnitt der Toten Stadt von den Salzburger Festspielen vom 2004-08-18 unter Runnicles und mir fiel auf, daß rund um das Lied des Pierrots Fritz "Mein Sehnen, mein Wähnen" Paul von der ganzen Truppe Mariettas ziemlich auskomponiert ausgelacht wird.


    Dabei dachte ich dann spontan auch an Zerbinetta und Ihre Truppe, die im ersten Akte den Komponisten wie auch die "ernsten" Opernleute allgmein auslachten oder wenigstens nicht ernst nahmen. Dann ist Zerbinettas große Arie "Großmächtige Prinzessin ... " meines Erachtens auch ziemlich erheitert komponiert, da Zerbinetta Adriadnes Pathos nicht ernst nehmen kann.


    Und wie wäre es mit Gustavos Szene mit Ulrica im Maskenball, die auch eine hörbare Heiterkeit und einen zunächst amüsierten Unglauben ausdrückt, auch von Seiten der Gustavo begleitenden Höflinge.
    Und Gustavs Page Oscar hat ohnehin immer etwas Unernstes in seinem Auftreten.


    Wurde schon Mefistofele von Boito genannt, vor allem sein "fisco, fisco"? Gounods M. und der bei Berlioz (Lied von Floh) waren glaube ich schon dabei.


    G Ulmo

    SINE IRA ET STUDIO (Tacitus)

    Einmal editiert, zuletzt von Ulmo ()

  • Hallo,


    ich finde, es ist eine ganz hohe Kunst, in Musik komisch zu sein. Mir fallen spontan auch gar keine Beispiele ein. Mit Musik, die lustig sein will, ohne dass sie mir Spass macht, kann ich dann gar nichts mehr anfangen.


    Barbiere di Siviglia, Elisir d'amore & Co


    Naja.

    M.

  • Zitat

    Original von Lotosblume
    Hugo Wolf wurde schon zwei Mal erwähnt.Dazu fällt mir auch das Lied
    "Zur Warnung" ein.
    Aber auch das Duett Falstaff/Herr Fluth in den Lustigen Weibern von Windsor finde ich köstlich.


    Lotosblume


    Liebe Lot6osblume,


    leider sind Lieder nicht so sehr "mein" Repertoire. Um so lieber nehme ich diesen Hinweis entgegen.


    Etwas ratlos bin ich bei den LUSTIGEN WEIBERN. "Was freu mich mich..." von den Herren Falstaff und Fluth ist zweifellos ein sehr komisches Duett, aber ist es wirklich die Musik, die das Lachen auslöst, oder nicht doch die Situation und der Text? Ich werde mal wieder reinhören, kann mich aber an keine Stelle erinnern, wo die Musik selbst den Lachreiz auslöst, indem sie, zum Beispiel, einen "falschen Akzent setzt, parodiert o.ä.. Für einen genaueren Hinweise wäre ich deshalb dankbar.


    Ich möchte da nicht zu beckmesserisch sein, nur die Schleusen gegenünber den zahlreichen allgemein heiteren Opernszenen dicht halten, deren Humor die Musik natürlich unterstreicht - man denke nur an Rossinis Verwirrung illustrierende Crescendi an fast jedem Aktschluss seiner Komödien - aber nicht selbst erzeugt.


    Was die Metafrage dieses Threads aufwirft: Musik an sich kann ja weder lachen noch weinen und in dem Sinne ansteckend sein. Dennoch tritt sie durch eine Abfolge von Schallwellen Assoziationsketten los, die in uns fast unweigerlich die stärksten Emotionen freisetzen (können). Wie gelingt ihr das eigentlich? Sicher nicht nur durch Lautmalerei. Mengelberg hat schon Recht. Humor ist mit das Schwierigste, was Musik ausdrücken kann. Aber sie kann sie es, wie die hier zusammengetragenen Beispiele beweisen.


    @ ulmo


    Zum Höhnen und Spotten scheint die Musik in der Tat besonders geeignet. Für Zerbinetta und ihre munteren Gesellen scheint mir aber dasselbe zu gelten wie für DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR. Die Musik hüpft und tanzt nach Herzenslust, aber das Lachen bleibt den Darstellern überlassen. Es sei denn, man betrachte die ironsiche Verbeugung vor der "Großmächtige(n) Prinzessin" als vertontes Kichern. Wie sehen andere das? Bringt Euch die Musik zum Lachen oder nur die jeweilige Inszenierung?


    Großartig das Beispiel "E scherzo e follia" aus dem Maskenball. Hier hat Verdi tatsächlich das gezwungene Lachen Riccardos nach der tödlichen Prophezeiung lautmalerisch komponiert, und das weitaus überzueugender als später, wenn die beiden Verschwörer Renato enthüllen, dass die verschleierte Geliebte des Grafen, die er ritterlich beschützt, seine eigene Ehefrau ist. Samuels spöttisches "Ve se di notte" entwickelt sich zu einem allgemeinen Spottchor. bei dem die Musik aber eher Mitleid als Hohn zu illustrieren scheint.


    Von der teuflischen Häme Mephistos war zwar schon mehrfach die Rede, aber ich glaube nicht, dass die konkreten Beispiele angeführt wurden. Es geht ja auch nicht NUR um Gelächter in der Musik, sondern ganz allgemein um (meist lautmalerische) Stellen, in denen die Musik eine Szene, einen Einfall oder was auch immer lachend kommentiert.


    Eigentlich sollte so etwas auch in THE RAKE'S PROGRESS sein, aber ich konnte nichts dergleichen finden oder erinnern.


    :hello: Rideamus

  • Guten Morgen


    in der Bauernkantate BWV 212 von Bach singt der Bass in einer Arie:


    "Dein Wachstum sei feste
    Und lache vor Lust....."


    Da ist über weite Strecken ein Lachen zu hören :hahahaha: :hahahaha:


    Gruß aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Igor Stravinsky - der hat komische Musik geschrieben. Ich habe mich schon oft beim Laecheln ertappt, wenn ich Stravinsky gehoert habe!


    :hello:
    M.


  • Nun, das liegt dann aber eher an dir als an der Musik! ;)


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Zitat

    Original von Mengelberg
    Igor Stravinsky - der hat komische Musik geschrieben. Ich habe mich schon oft beim Laecheln ertappt, wenn ich Stravinsky gehoert habe!


    :hello:
    M.


    Gut zu wissen, und mir ist auch so, aber: hast Du irgendein konkretes Beispiel? Wo immer ich hinein höre, finde ich interessante bis aufregende Musik, aber nichts zu lachen. Am ehesten noch bei PULCNELLA und vielleicht in JEU DE CARTES, das mir zur Zeit abgeht, aber sonst?


    Bitte belehre und bekehre mich.


    :yes: Rideamus

  • Tja, wo blei bt er?


    Für mich ist es, nicht zuletzt dank eines großartigen Librettos, eine der besten komischen Opern, in der ich mich, abders als Megelberg, schon wiederholt bestens amüsiert habe.


    Aber Du schrebst selbst, liebe rita, dass die richtigen Interpreten dazu gehören.


    Ist also die Musik nicht komisch, "nur" Sprunbrett? Bietet sie lediglich "Ironie", d. h. Missverhältnis zum Text? Ausßer dem Staccato-Duett zwischen Pasquale und Malatesta fällt mir eigentlich nichts ein, was die Musik an Komik einbringen könnte. Selbst der wunderbare Dienerchor bedarf der komischen Ausführung, könnte aber in anderem Zusammenhang auch als unkomisch durchgehen.


    Oder habe ich was übersehen?


    :hello: Rideamus

  • Lieber Rideamus!


    Ich denke, wenn die Vielfältigkeit des Humors IN der Musik betrachtet wird, abgesehen von situativen Gegebenheiten, per se lustigen Themen und regieseitigen Vorgaben, kann man, je nachdem mit oder ohne Texthaltigkeit unterschieden zwischen:



    - Illustration des Lachens selbst, wenn textseitig tatsächlich gelacht wird.


    - Illustration des Lachens, wenn der Text sonstige verbale Heiterkeiten bereithält (es sei denn, es handelt sich um verbittertes Lachen).


    - Illustration des Lachens ohne das Vorhandensein eines Textes.


    - Allgemeine, unserem Kulturverständnis entspringende Assoziationen mit „Fröhlichkeit“, „Beschwingtheit“ etc durch Melodie, Harmonik, Dynamik und Rhythmik.


    - Vertonung eines witzigen Textes mit Unterstützung instrumentaler, melodiöser oder rhythmischer Kunstgriffe.


    - Vertonung eines witzigen Textes ohne erkennbare solche.


    - Schelmische musikalische „Insider“, die von etwaigem Text abhängig oder unabhängig sind (beispielsweise Zitate).


    - Augenzwinkernde musikalische Bilder, die einen nicht primär humoristischen Text gegenzeichnen.


    - Durch vorgeschriebene Veränderung der menschlichen Singstimme hervorgerufene Komik.


    - Inhalte, welche die Musik selbst aufs Korn nehmen.


    - Absichtliche „Fehler“ jedweder Art.


    - Durch Instrumentierung oder Instrumenten-Manipulation erzeugte Onomatopoesie (menschliche, technische oder Naturgeräusche etc).


    - Durch skurrile/unerwartete melodische, dynamische, harmonische oder rhythmische Einschübe hervorgerufene Kontraste.



    Diese Liste ließe sich sicherlich noch erweitern.




    Klingt alles etwas nach Loriot? Darf es auch!
    Denn: „Ich lache gern mal. Wenn’s gerade passt.“




    Um einfach mal wieder hier anzufangen:


    Ein Beispiel für die erste Kategorie ist das Zwerchfellgehüpfe von Besenbinder nebst Gattin in „Hänsel und Gretel“, das sich bei „zerbrach der Topf“ wie echtes Gelächter in der Tonalität nach oben schraubt, um dann wieder abzuflauen – die Muddi fängt später wie tiefer an und lacht noch, während der Vater schon wieder ernst wird. Der Text lautet, nicht von ungefähr: „Hahaha“…





    Der Kasus macht mich...



    audiamus

  • Lachende Musik. - Wenn der Götterhimmel vor Lachen bebt...


    ... dann, liebe Freunde der Komik in der Oper, mag sich das ja durchaus auch einmal in Wagners Götterdämmerung abspielen, denn auch, wenn Chef Wotan in dieser Oper nicht mehr "im Ring" steht, seine Eskapaden sind nach wie vor allgegenwärtig, und zwar auch in persona seines Früchtchens um zwei Ecken, dieses Lümmels Siegfried, und nicht Alles, was sich da so abspielt, ist ja hundertprozent ernst zu nehmen.


    Mein absoluter Topfavorit ist allerdings die Szene in Jacques Offenbachs "Orphée aux Enfers", in der Jupiter in der Göttervollversammlung auf dem Olymp gegenüber seiner Gattin Juno den Tugendbold heraushängen lässt und als Moralapostel herumsülzt. Das kommt bei den versammelten göttlichen Herrschaften als die Lachnummer schlechthin an, und alle stimmen nacheinander glucksend und kichernd das Couplet "Rondeau des métamorphoses"an, bei dem der Olymp wackelt. Darin erzählen sich die Großen gegenseitig, in was sich ihr Allergrößter alles verwandelt hat, um an seine Betthupferl zu kommen: bei Alkmene in deren Gatten, bei Europa in den Stier, bei Danae in Goldregen und bei Leda in den Schwan. Und im Refrain amüsieren sie sich gemeinsam.
    Angesichts der netten Affairchen, die ihm da peu à peu gesanglich nachgewiesen werden, kann, so glaube ich, selbst der Obergott innerlich nicht mehr an sich halten vor heimlichem Stolz auf sich selbst, auch wenn er natürlich nach außen Haltung bewahrt, trotz seines Satzes knallroter Ohren. Allerding nutzt er die erste Gelegenheit, von diesem für ihn heiklen Thema abzulenken...


    Tipp: Sollten Sie sich mal über einen Vorgesetzten ärgern - diese Nummer in die CD-Mühle, und danach sieht die Welt gleich viel schöner aus.


    Gruß
    Pylades

  • Hallo,


    Noch zwei großartige und dreckige Lachen:


    1.) Bei Samson und Dalila lachen die Philister über die Wut und die Hilflosigkeit des geblendeten und entmachteten Titelhelden:


    "Ha! Ha! Ha! Ha!
    Sein Zorn ist zum Lachen!
    Du machst uns keine Angst mit deiner ohnmächtigen Wut!
    Samson, du siehst gar nichts!
    Fall nur nicht hin!
    Seine Wut ist zu komisch!
    Ha! Ha! Ha! Ha!


    2) Bei Telemanns "Pimpinone" gibt es gegen Ende ein köstliches Zankduett zwischen Pimpinone und seiner Vespetta -
    Dan Text spar ich mir! Es wird so viel und so dreckig gelacht, das ich den Thread damit vermüllen würde.
    Das Duett heißt: "Wilde Hummel, Böser Engel..." :hahahaha:


    LG
    Raphael

  • Danke für die Neubelebung des Threads. :D


    Bei mir aber hat der Altersheimer zugeschlagen, denn ich habe mich wiederholt und das deshalb gelöscht. Danke auch für den Hinweis.


    :hello: Rideamus

  • Mein Favorit für "lachende Musik" ist diese Aufnahme



    Ich habe eigentlich noch nie über den 1.Titel hinaus mir den Rest antun können, weil der Bauch Muskelkater vor Lachen angekündigt hat.

  • Meine Lieblings-Lach-Nummer ist natürlich von Mozart.


    Aus dem Opern-Fragment "Zaide" KV 344 - da singt Osmin:
    "Wer hungrig bei der Tafel sitzt...."


    Man höre sich das mal von den verschiedenen Interpreten an.


    Bei Walter Berry z.B. (auf untenstehender CD) fällt es sehr schwer, da nicht mitzulachen, ebenso bei einem Erzkomödianten wie Jozsef Gregor.


    Ernster wird es, wenn ein seriöser Bass, wie z.B. Peter Meven, Wagner-erprobt, das Liedchen singt. Da fehlt dann etwas das mozärtliche...


    LG



    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zitat

    Original von MosesKR1
    Mein Favorit für "lachende Musik" ist diese Aufnahme



    Wie anders reagieren die Menschen doch.
    Wenn ich ein Wulf wäre, würde ich sofort heulen. Ich bekomme immer einen Gänsehaut von FFJ. Und die Musik wird sofort den Neck umgedreht. :O


    Ich hatte einen Onkel, der nicht sauber singen konnte. Und jedesmal wenn er sang, wurde ich fast krank. So schmerzte das.


    LG, Paul