Berwald, Franz: Sinfonien und Orchesterwerke - „bedeutendste Musikerpersönlichkeit“ oder Sonderling?

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Meines Wissens ist das das erste Mal, daß jemand ein Scherzo als Mittelstück eines langsamen Satzes verwendet


    Ich habe mal gehört, dass sei in Schumanns Zwickauer bereits der Fall (muss ich aber nochmal anhören).

    Zitat

    Der eigenartige Eindruck, man höre trotz der eigentlich klassizistischen Haltung den "skandinavischen" Ton Nielsens und Sibelius heraus, obwohl gar keine volkstümlichen Klänge (wie bei Grieg) verwendet werden, wird ebenfalls von mir geteilt. Mag sein, daß es einerseits an einer gewissen "Kühle" liegt, dann an den irgendwie räumliche Weite evozierenden Steigerungen auf der Basis sehr simpler Motive (wie des Quartenmotivs).


    Und an manchen merkwürdigen harmonischen Wendungen (der skandinavische Ton kommt sowieso nicht von der Volksmusik, auch bei Grieg kaum, oder?)
    :hello:

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Am Satzschluss wird dann, fast ironisch?, die Quarte nochmal signalartig wiederholt herausgeschmettert.


    Dieses Quartthema erinnert doch etwas an dieses Schubert-Sinfonien-Thema (große?): immer Punktierte und zwar: Quart abwärts, Quart aufwärts, gr. Sekunde aufwärts, gr. Sekunde abwärts - und das Ganze nochmal (wobei mir mal jemand erzählt hat, dass das ursprünglich lauter Quarten nach unten waren - also ich meine jetzt nicht im Sinne von Schönbergs Kammersymphonie ;) .)


    Als ironisch habe ich das bei Berwald nie empfunden. Man müßte sich Coda-Umbildungen von Hauptthemen in anderen Symphonien der Zeit anschauen.
    :hello:

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl


    Was ihm vielleicht fehlt, ist ein gewisser (melodischer) Charme


    Hm, das war er es eigentlich nicht. Die ersten beiden Symphonien empfand ich schon als sehr charmant. Danach wurde es für mich immer blasser.



    Zitat

    Original von Kurzstueckmeister


    Na, wenn die Reihen so dünn besetzt sind, ist das ohnehin auch als Lob für Berwald zu deuten ...


    In diesem Konzertsaal vielleicht. In anderen Konzertsälen sitzen in der ersten und zweiten Reihe viel mehr Komponisten. Da gibt es geradezu ein Gerangel um die besten Plätze. :D


    Davidoff

    Verachtet mir die Meister nicht

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister


    Ich habe mal gehört, dass sei in Schumanns Zwickauer bereits der Fall (muss ich aber nochmal anhören).


    Die Jugendsinfonie oder Zwickauer Sinfonie g-moll WoO 29 hat Robert Schumann 1832/33 in nur zwei Sätzen ausgeführt. Der zweite Satz hat tatsächlich die Tempofolge "2. Andantino Quasi Allegretto - Intermezzo Quasi Scherzo: Allegro Assai - Andantino". Bei einem Satz von nur acht Minuten Dauer stellt sich dabei allerdings die mögliche Wirkung im Höreindruck kaum ein, der Bruch wird kaum wahrgenommen.


    Sehr fraglich ist allerdings, ob Berwald diese Zwickauer Sinfonie kannte, von Schumanns Gedanken also wusste - falls nicht, bleibt der Gesichtspunkt der Originalität seines Einfalls zum eingebetteten Scherzo erhalten.


    Die Zwickauer Sinfonie blieb zu Schumanns und Berwalds Lebzeiten unveröffentlicht. Erst 1912 wurde sie wieder aufgefunden (Werner F. Kreim, in: Würmtalbote, 23.11.1974, zitiert bei: wewewe.graunke.de/cdsoeffentlichekonzerte/schumannbrahmsbodart/schumannbrahmsbodart.html , Abfragestand: 29.05.2008 ) . Berwald kannte sie also nicht im Druck. Unwahrscheinlich finde ich, dass er auf sonstige Weise von ihr erfuhr. Denn aufgeführt wurde damals 1832/33 nur der erste Satz Allegro molto, und zwar in drei verschiedenen Fassungen je einmal in Zwickau, Schneeberg und Leipzig - der Misserfolg und die Kritik waren für Schumann so niederschmetternd, dass er an seiner Bestimmung zum Komponisten zweifelte (Helmut Loos, Robert Schumann - Zum 150. Todestag am 29. Juli 2006, wewewe.uni-leipzig.de/campus2009/jubilaeen/2006/schumann.html , Abfragestand 29.05.2008 ) . Kaum anzunehmen ist daher, dass Berwald in Berichten über die Sinfonie erfuhr; Schumann wird vor dem Hintergrund des Misserfolgs kaum in der ein Jahr später gegründeten Neuen Zeitschrift für Musik oder anderswo über die Sinfonie berichtet haben, andere werden - falls überhaupt - allenfalls über den aufgeführten ersten Satz geschrieben haben können.


    Wenn also Berwald 1845, zwölf Jahre nach Schumanns Zwickauer Sinfonie, in der in seiner in drei Sätzen ausgeführten Dritten vorgefundenen Art das Scherzo in den langsamen Satz einbettet, ist hierin eine durchaus originelle Reaktion auf überkommene Formschemata anzuerkennen. Dabei mag es durchaus sein, dass es in die Zeit passte, formale Traditionen zu hinterfragen. Jedenfalls ist es auch diese formale Kühnheit, die für mich die dritte Sinfonie vor den anderen hervorhebt.


    Wie ich gelesen habe, stehe ich mit dieser Vorliebe für die Dritte nicht allein. Nachdem alle vier gezählten Sinfonien in einem Zeitraum von vier Jahren entstanden sind, als Berwald bereits auf die 50 zuging, verblüfft es mich eigentlich, dass ich in der Dritten einen gegenüber den anderen Sinfonien neben der formalen Erweiterung auch so viel weitergehenden Einfallsreichtum in Melodik und Harmonik wahrzunehmen meine. Besonders seine Arbeit mit abrupten Kontrasten, hart einschneidenden Wechseln der Harmonik, seine Arbeit mit der Pauke und den Posaunen, das außergewöhnliche in seiner Rythmik, aber auch solche reizvollen Ideen wie das Wiederauftauchen des Adagio-Themas im Finalsatz, begeistern mich - es dürften just alle jene Merkmale sein, die Berwalds Musik zu seinen Lebzeiten für seine Zeitgenossen so unverdaulich gemacht haben.


    Deshalb verstehe ich auch schlichtweg nicht die allenthalben zu lesende Aussage, Berwalds Musik sei der Klassik verhaftet geblieben. Nach meinem Empfinden weist sie weit über seine Zeit hinaus, und wenn der eine oder die andere Ausblicke auf Brahms, Sibelius, Carl Nielsen empfinden, so trifft dies genau meine Wahrnehmung.


    Liebe Grüße, Ulrich

  • Naja, verglichen mit der "Hyperromantik" des frühen Berlioz ist Berwald "klassizistisch". Verglichen mit Mendelssohns Klassizismus wirkt er dagegen progressiv.


    Ich glaube auch nicht, daß Berwald das im Manuskript vorliegende Fragment der "Zwickauer" kannte.
    Die Vorläufer der Scherzo/Adagio-Überlagerung sind m.E. eher in der Kammermusik von Haydn und Beethoven zu suchen. Es gibt Sätze, die zwischen andante und scherzando stehen wie einige Variationenfolgen Haydns und besonders z.B. der Mittelsatz von Beethovens Violinsonate op.23 und vereinzelt sogar schroffe Kontraste wie im langsam-schnell-langsam-Finale von Haydns op.54,2 oder dem Allegro-Einschub im langsamen Satz von Beethovens op.18,2. Die Variationssätze beim späten Beethoven bringen ebenfalls mitunter scherzando-Charakter unmittelbar neben Adagio-Ausdruck (in op.109, 131 und 132)
    Das soll Berwalds Originalität aber keinesfalls schmälern.


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat teleton:
    "'Und ich muß sagen, dass ich die Järvi-Aufnahme mit dem hervorragenden Gothenburg SO (DG) wirklich gut finde und die Sinfonien mir sehr gut gefallen"


    Habe mir die Järvi-Gesamtaufnahmen ebenfalls zugelegt und bin hoch zufrieden. Mal etwas anderes als immer nur Beethoven, Bruckner oder Brahms.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Hallo Bernward und alle Berwald-Freunde,


    trotz der zahlreichen interessanten Empfehlungen in diesem Thread für verschiedene GA der Berwald - Sinfonien habe bin ich mich für viele Jahre nicht für eine andere GA entschieden, als die mit Sicherheit nach wie vor gute
    Järvi/Gothenburg SO (DG, 1985, DDD), die Dir auch zusagt.


    Allerdings war ich ewig im Zweifel, ob es nicht doch noch besser geht. Dieser Zweifel wurde ausgelöst durch die GA der Alfven-Sinfonien GA von N.Järvi, bei denen nämlich eindeutig die Aufnahmen unter Segerstam und Westerberg vozuziehen sind. Es gäbe noch weitere Beispiele aus dem Norden zu nennen, die nicht immer für den sicher geschätzten Neeme Järvi sprechen; zum Beispiel Sibelius (BIS) !


    :) Wenn ich mich für einen Komponisten inreressiere, hier Berwald, dann sind für mich auch seine komponierten Solokonzerte immer von höchstem Interesse.
    So möchte ich auch auf Berwald schönes Klavierkonzert D-Dur (1855) aufmerksam machen, das der Kollege und Komponist Niels Gade bewunderte. Leider kam es trotz der Fürsprache Gades erst nach Berwalds Tod im Jahre 1904 bei einem Studentenkonzert in Stockholm zur Uraufführung:
    Allegro con brio - 9:27, Andantino - 5:14, Allegro molto - 5:50



    Ich kaufte vor Jahren, zunächst nur wegen des KK diese Naxos-CD:

    Nicolas Sivelöv, Klavier, Helsingborg SO, Okko Kamu
    Naxos, 1995, DDD


    Die Aufnahme ist wirklich empfehlenswert und ebenso interessant:
    Mein leisen Zweifel, die ich immer an der Järvi-Aufnahme bei den Sinfonien hatte, wurden diesesmal zum Glück nicht bestätigt.
    Die auf der CD enthaltenen Sinfonien Nr.3 und 4 gefallen mir unter dem ehemaligen Karajan Schüler Okko Kamu allerdings tatsächlich noch etwas besser.
    Bei Kamu sind die Werke stellenweise noch tiefer empfunden und werden mit großer Hingabe von den unbekannten Helsingborgern ebenso perfekt musiziert, wie von den immer gut disponierten Gothenburgern.
    Ich vermute, was bei den Gothenburgern der routinierte Perfektionissmus ausmacht, wird bei den Helsingborgern mit Kamu durch perfekte Probenarbeit ausgeglichen.


    ;) Wer Järvi (DG) hat muß nicht unbedingt auf Kamu wechseln/erweitern, denn die sind auch wirklich gut (aber wegen des KK schon !). Jedenfalls ist dort diesesmal kein krasser Qualitätsunterschied wie bei der Alfven-GA vorhanden. Järvi ist etwas flotter als Kamu; in den ersten Sätzen der Sinfonien 3 und 4 ist das IMO kein Nachteil. Die Pauke/n im Adagio und Finale sind in beiden Aufnahmen sehr präsent; die Gothenburger wirken etwas großvolumiger in der Besetzung; auch kein Nachteil.



    =) Die Sinfonie Nr.3 "singuliere scheint" allgemein die beliebteste Sinfonie zu sein; da muß ich für mich auch zustimmen.
    Sie ist auf den CD´s bei DG (3.-2.) und Naxos (3.-KK-4.) auch so plaziert, das sie gleich mit Track 1 beginnt, statt chronologisch zu beginnen.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Ob Franz Berwald Schwedens bedeutendster Komponist ist, sei mal dahingestellt. Ich würde Alfvén da eher benennen, aber dies nur am Rande. Er ist sicherlich ein bedeutender Komponist.


    Heute habe ich erstmals seine vier Symphonien in der Ex-Chandos-Ausgabe unter Dausgaard gehört, die bei Brilliant preiswert erschienen sind:



    Was soll ich sagen? Ersteindruck: Durchaus positiv. Soviel wage ich bereits jetzt zu behaupten, daß die 3. und 4. mir eindeutig mehr liegen. Wobei man bei der 1. und 2. kaum von "Frühwerken" sorechen kann, entstanden doch alle vier in kurzem Abstand von wenigen Jahren (1842–1845). Einen hörenswerten Eindruck hinterließen auch die beiden Beigaben "Erinnerung an die norwegischen Alpen" und "Elfenspiel", wobei letzteres an Mendelssohn erinnert. Die 3. scheint heute seine populärste Symphonie zu sein, und auch in diesem Thread bekam sie den meisten Zuspruch. Was Berwald liegt, das sind die langsamen Sätze, auch hier gehe ich d'accord mit vorherigen Beiträgen.


    Da ich nur die Dausgaard-Aufnahmen kenne, kann ich nicht vergleichend beurteilen. Sie wurden stets gut bewertet. Järvi, Kamu und Ehrling wurden auch erwähnt. Ehrlings Aufnahmen sollen die besten sein, aber der Preis ist mir zu hoch, um dies nachprüfen zu können.


    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Meine Zweifel an der N.Järvi-GA (DG) wurden durch diverse Kritiken zunächst bestätigt. Den Wunsch nach einer weiteren GA habe ich jetzt mit der Dausgaard - GA, die Josef im Vorbeitrag zeigt realisiert. Leider konnten meine Zweifel zu Järvi aber durch den Dausgaard-Kauf nicht bestätigt werden.


    :!: Dausgaard legt besonderen Wert auf Details und liefert eine sehr feingliedrige Interpretation mit sogar noch etwas besserm Klang (klar die neueren Aufnahmen entstanden von 2000-2004). An diesen positiven Eigenschaften wäre ja nichts auszusetzen .... wenn Dausgaard nicht total langweilig wäre ! Was sich schon im Vergleich zu Järvi bei den Langaard-Sinfonie Nr.4 - 6 andeutete, wird hier voll zum "Anti-Ereignis". Als Neueinsteiger hätte ich mit diesen Aufnahmen für die Sinfonien 1-4 nicht mehr als ein "ganz nett" übrig gehabt !
    Zum Glück ist es anders gelaufen.


    Trotz der Kritik sind mir die Järvi-Aufnahmen immer noch lieber:
    - der Klang des Göteborg SO ist viel sinfonischer und voller
    - Järvi betont auch das Beethovenvorbild; für ihn sind das hörbar grosse Sinfonien
    - er verpasst keine Spannungsmomente und Effekte
    - etliche Gänsehautstellen werden nicht unterschlagen


    Ich habe auch durch den Kauf des Berwald - Klavierkonzertes D-Dur (1855), dass ich jedem Klassikliebhaber an Herz legen möchte, die wirklich guten Aufnamen mit Okko Kamu (Naxos, 1995, DDD) der Sinfonien Nr. 3 und 4 zur Verfügung. Auch wenn das Helsingborg SO nicht die Qualität des Göteborg PO hat, so ist die erfrischende Spielfreude und knackige Interpretation Kamus der Sinfonie Nr.3 um Längen dem Daussgaard-Langeweiler vorzuziehen.


    Beispiel aus der Sinfonie Nr.3:
    Ich will jetzt nicht auf zig Einzelheiten eingehen. Aber eine entscheidende Stelle ist gleich der Anfang meiner höchstgeschätzen Sinfonie Nr.3.
    Der Anfang mit dem wunderschönen Thema mit den fast zukunftsweisenden impressionistischen Farben wird bei Kamu und Järvi wunderbar betont in Klang umgesetzt und löst gleich ein Aha-Erlebnis aus. Dausgaard ganz anders - er lässt das ganze im Pianissimo, kommt erst viel später zum Crescendo - der Anfang wirkt im Vergleich zu Kaumu und Järvi wie "Chance total verpasst" und wirkt ohne jeden Pepp. Den gleichen Kram immer wieder wenn das Thema sich wiederholt.
    Solche Beispiele häufen sich nicht nur bei der Sinfonie Nr.3, sondern alle Sinfonien haben unter Dausgaard keinen Pepp ! :S So kommst zumindets bei mir nicht an ...


    Fazit:
    Die Dausgaard - GA wird allerdings durch zwei Tondichtungen Elfenspiel und Erinnerung an die norwegischen Alpen ergänzt. :huh: Muss also deshalb im Bestand bleiben.
    Bin aber eher entäuscht - der Kauf wäre nicht nötig gewesen.
    Neeme Järvi (DG) ist gar nicht so übel, wie mein vermuteter Ersteindruck und Kamu (Naxos) setzt an Frische und Pepp bei der Sinfonie Nr.3 noch einen drauf.



    NAXOS, 1995, DDD



    DG, 1985, DDD




    Es gibt noch weitere Sinfonien-Aufnahmen mit Blomstedt, Ehrling (das soll aber HIP-Kram sein :thumbdown: ), Markevitch u.a.
    Ich denke meine Suche muss noch nicht unbedingt beendet sein ...


    :?: Gibt es Empfehlungen ?

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,


    für fundierte Empfehlungen habe ich Berwald in letzter Zeit zu wenig gehört.


    Deswegen zwei Hinweise: Die Aufnahme mit Igor Markewitsch ist feurig, temperamentvoll, aber mono (Aufnahme Dezember 1954). Dafür kannst Du Dich ja nicht so erwärmen...



    Kennen und schätzen gelernt habe ich Berwalds höchst interessante Sinfonien durch Ulf Björlin.



    Seine Aufnahmen ziehe ich denen Järvis vor. Weswegen das en detail so ist, müßte ich allerdings bei Bedarf erst wieder einmal erhören...

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Nach sechs Jahren kann man vielleicht mal wieder auf die Streichquartette von Franz Berwald hinweisen. Sicher keine der großen Werke, aber wer wissen möchte, was es neben Mendelssohn, Schubert und Schumann noch so gab, sollte sich die Werke mal anhören. Sie sind eher lyrisch geprägt, mit einigen interessanten Einfällen.


    Die diskographische Situation hat sich nicht wesentlich verändert, die m.W. einzige GA ist diese hier vom Yddragsil Quartett (das sich nach der nordischen Weltesche benannt hat). Das reicht im Prinzip auch, denn die Aufnahmen sind sehr gut, leider aber steht der nach wie vor hohe Preis sicher einer weiteren Verbreitung im Wege (auch wenn es auf den Marktplatz preiswertere Optionen gibt). Vielleicht wird hier Naxos mal tätig.

  • Gerade mal wieder das 1. Quartett gehört. Das ist schon ein erstaunliches Werk, 1818 komponiert, da gab es die späten Beethoven und Schubertquartette noch gar nicht und die von Mendelssohn und Schumann sowieso nicht. Und dies Quartett klingt weder noch Haydn, noch nach Mozart und auch nicht nach Beethoven. Schon eine recht eigene Stimme, die der 22. Jährige hier entwickelt hat. Hut ab.

  • Franz Berwald, der am 23. Juli 1796 geboren wurde, starb am 3. April 1868. Zu diesem Anlass habe ich eine Symphonien-Doppel-CD mitgebracht:


    Heute ist Franz Berwalds 147. Todestag.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Bei meinem letzten Beitrag ist mir ein bedauerlicher Rechenfehler unterlaufen. Natürlich war am 3. April Franz Berwalds 147. Todestag. Heute ist sein Geburtstag. Dazu habe ich Folgendes ausgesucht:



    Heute ist die 219. Wiederkehr seines Geburtstages.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Bei meinem letzten Beitrag ist mir ein bedauerlicher Rechenfehler unterlaufen


    Habe es mal noch korrigiert.

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Danke!


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Acht Jahre dürfte es her sein, seit ich mich zuletzt bewusst mit der Musik von Franz Berwald auseinandergesetzt habe. Damals kannte ich nur die vier Symphonien in der Einspielung von Thomas Dausgaard (mittlerweile auf Brilliant). So sehr ich diesen Dirigenten schätze, aber in Sachen Berwald hat er nicht "das Gelbe vom Ei" vorgelegt. teleton fand die Aufnahmen sogar "total langweilig". Das Konkurrenzprodukt von Neeme Järvi erhielt allerdings auch gemischte Kritiken. Die idiomatischste Gesamtaufnahme soll bis zum heutigen Tage jene von Ulf Björlin für EMI sein, die man derzeit in CD-Form nur mit etwas Glück erstehen kann. Diese sehr positiven Kritiken kann ich, soweit ich mich bislang hineinhörte, durchaus bestätigen. Selbst klanglich fallen diese Studioproduktionen von 1976 mit dem Royal Philharmonic Orchestra keinesfalls ab. Erhältlich ist oder vielmehr war sie in einer 3 CDs umfassenden Box, wo noch allerlei Beigaben inkludiert sind, sowie auf einer abgespeckten Doppel-CD ohne die beiden Konzerte und mit zwei Tondichtungen weniger:



    Interessant auch folgende CD das Opernorchesters Malmö unter Niklas Willén von Sterling:




    Highlight darauf für mein Dafürhalten das sogenannte Tongemälde Die Schlacht bei Leipzig von 1828, welches die Völkerschlacht bei Leipzig, die 15 Jahre zuvor stattfand, plastisch beschreibt. Mich überzeugte dieses relative Frühwerk mehr als Wellingtons Sieg von Beethoven. Bekrönt wird die 19-minütige Tondichtung (bereits vor den Versuchen von Franck und Liszt) durch die feierliche damalige königlich-schwedische Hymne Bevare Gud vår kung, welche zwischen 1805 und 1893 als Königshymne fungierte und dieselbe Melodie verwendet wie das britische God Save the King/Queen. Man muss hierzu erklärend dazu sagen, dass bei der berühmten Völkerschlacht auch 23.000 Schweden auf alliierter Seite kämpften, was im deutschsprachigen Raum weniger bekannt sein dürfte. Jean-Baptiste Bernadotte, einst Anhänger und Protegé Napoleons, wurde dank dessen Hilfe 1810 zum schwedischen Kronprinzen bestimmt, vom schwedischen König Karl XIII. adoptiert und nahm den Namen Karl Johann an. Infolge der Niederlage Napoleons gegen Russland 1812 wechselte er aus Berechnung die Seiten, was sich als klug erweisen sollte, stand er dadurch doch letztlich auf der Seite der Sieger. Er war einer der alliierten Befehlshaber bei Leipzig. Nach dem Tode des kinderlosen Königs Karl XIII. im Jahre 1818 folgte er schließlich als Karl XIV. Johann als König von Schweden und Norwegen (dort eigentlich Karl III. Johann) nach und regierte bis zu seinem eigenen Ableben 1844. Das auf ihn zurückgehende Haus Bernadotte sitzt bekanntlich bis heute auf dem schwedischen Thron (und saß bis 1905 zudem in Personalunion auf dem norwegischen).


    473px-Carl_XIV_John_of_Sweden_%26_Norway_c_1840.jpg
    Karl XIV. Johann (1763-1844), König von Schweden und Norwegen (1818-1844), gebürtig Jean-Baptiste Bernadotte



    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Ich habe mich in den vergangenen Tagen weiter durch die 3-CD-Box von Ulf Björlin gehört und komme mehr und mehr zu dem Schluss, dass es in Sachen Berwald in der Summe wohl nichts Vergleichbares gibt. Ein paar Werke hat er zwar leider nicht eingespielt (darunter die gelungene Tondichtung Ernste und heitere Grillen, die man nur bei Naxos bekommt), aber das tut dem keinen Abbruch. Gerade auch bei den Symphonien ist Björlin ganz vorne. Dass die Symphonie singulière (Nr. 3) Berwalds vermutlich beste ist, beweist die Diskographie und Aufführungsstatistik. Hier habe ich vergleichend auch andere Aufnahmen (u. a. Ehrling, Kamu, Montgomery, Salonen, Markevitch, Blomstedt) gegengehört und kam zu dem Schluss, dass mich Björlin interpretatorisch und auch klanglich am meisten überzeugte. Eine Neuauflage der Box täte wahrlich not.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Das haben wohl inzwischen wohl auch Andere festgestellt, dass die Ulf Björn-Aufnahmen vorzuziehen sind, lieber Joseph ... deshalb ist der Preis für diese Sinfonien _ GA auch ziemlich hoch !


    Da bleibe ich dann doch erst mal bei meiner Järvi-GA (DG) und Kamu für die Sinfonien Nr. 3 und 4 (NAXOS) ... und der obsoleten Dausgaard-GA (Brillant), die ich nur wegen den zwei Tondichtungen Elfenspiel und Erinnerung an die norwegischen Alpen behalte.

    ;) Aber ich halte den Ulf im Auge ...

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Ich kann es nicht mehr genau rekonstruieren, aber bei mir sind auch im wesentlichen die Björlin-Aufnahmen (der EMI-Vorläufer der Doppel-CD) übrig geblieben (dazu die histor. Aufnahme von 3+4+Schubert 4 mit Markevitch). Selbst als der Dreier noch günstig war, war mir die dritte CD nicht die Neuanschaffung wert. Wenn man bei amazon nach. Allerdings kann ich nicht einmal mehr genau sagen, welche ich aussortiert habe, ich meine es wäre eine preiswerte Ausgabe einer Järvi-CD gewesen und eine aus der noch günstigeren Royal-Philharmonic-Orchestra-Reihe.


    Die älteren Einzel-Ausgaben mit Björlin sind gebraucht aber günstig zu haben:


    <> <>

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Vielen Dank an Johannes,


    habe die "teueren" Berwald-CD´s soeben beide für 1,96€ bei den Medimöpsen bestellt ^^ und werde mich von Ulfs Hammeraufnahmen überzeugen ... und dann die Daussgaard - Berwald-GA aussortieren, den bei Bjölin sind auch die zwei Tondichtungen Elfenspiel und Erinnerung an die norwegischen Alpen dabei.


    :hello: Es sind noch weitere Exemplare bei anderen Anbietern für Euch vorhanden.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Ich habe keine Vergleichsmöglichkeiten, und habe die Symphonien Nr 3 und 4 in der Aufnahme des Royal Philharmonic Orchestra unter Leitung von Ivor Bolton kennengelernt, und mir hat diese Einspielung sehr gefallen. Eine sehr frische, ungestüme, eigenwillige Musik, die mehr sehr imponiert hat. Dass sie, wenn man sich die Lebensdaten betrachtet, einige Zeitgenossen verstört hat, kann ich mir gut vorstellen (obwohl sie jetzt für moderne Ohren nicht sonderlich sperrig klingen dürfte). Insgesamt sehr hörenswert.