Leo Nucci - expressiv, aber undifferenziert?

  • Als ich ihn das letzte Mal in Wien im Maskenball vor ein paar Monaten gehört habe klang er mit wenigen altersbedingten Abstrichen (die er mit enormer Routine wettmacht) genauso wie vor 20 Jahren. Er muss Stimmbänder aus Stahl haben, dass die diese Art zu singen über die Jahrzehnte ausgehalten haben. Ob das allerdings für den jungen Nucci ein Kompliment ist......


    Soll das heißen, der Mann hat tatsächlich schon damals so undifferenziert und monoton gesungen??? ?(:rolleyes:
    Die älteste Aufnahme die ich von ihm kenne ist die Solti Traviata, und bereits da (Mitte der 90er Jahre) klingt sein Gesang gequält und fahl auf mich. Und das hat sich bis heute noch sehr verstärkt. Aber vielleicht ist das eine spezielle Charakteristik seiner Stimme.
    Kultiviert kann man seinen Gesang wirklich nicht bezeichnen. Bei meinen Live-Begegnungen mit ihm habe ich immer eine Tendenz zum forte gehört, und vokale, sensible Feinheiten schienen ihm völlig fremd zu sein.


    An wirklicher Rollengestaltung schien er auch nie wirklich interessiert zu sein. Bei jedem Arienapplaus fiel er völlig aus der Rolle und meinte ins Publikum winken und sich verbeugen zu müssen. Absolut unpassend und den Handlungsverlauf der Oper störend. :cursing: Aber das soll er auch schon immer gemacht haben. :rolleyes:


    Gregor

  • Aber ihr müsst doch diie Leistung anerkennen in seinem Alter zm einen noch auf der Bühne zu stehen und zum anderen noch so eine Stimme zu haben. Und ich konnte ihn Verona als Rigoletto erleben und das Finale im zweiten Akt zwschen Gilda und Rigoletto musste sogar wiederholt werden. wie auch seine Arie im zweiten Akt.

  • Nucci hat immer nur voll ausgesungen, hat immer den billigen Effekt und den leichten Erfolg gesucht.


    Und Alter ALLEIN ist meiner Meinung nach noch keine Tugend - auch nicht auf der Bühne.


    Wirklichen Respekt ringt mir dieser Bariton ab. Wie der 1947 immer noch SINGT und nuanciert - debütiert hat er im Jahr 1897.


    Liebe Gioconda,


    Deine Attacke gegen Nucci kann ich voll verstehen und sie ist nur allzu berechtigt.
    Ich habe ja selber gerade einige kritische Worte über ihn im Veriano-Luchetti-Thread verloren.


    Dass Du den grandiosen Techniker und Stilisten de Luca gegen Nucci ins Feld schickst, ist allerdings fast zu viel der Ehre!


    Liebe Grüße


    Caruso41

  • Nucci hat immer nur voll ausgesungen, hat immer den billigen Effekt und den leichten Erfolg gesucht.


    Das ist mir stark aufgefallen, als ich ihn Anfang des Jahres im Maskenball gehört habe. Und dann kam das beim Publikum auch noch sehr gut an. ;(
    Einen jüngeren, weniger bekannten Sänger hätte man das nicht verziehen. Aber er hat halt inzwischen den Alters- oder auch Legenden-Bonus. Da darf er wohl singen wie er will. :rolleyes:


    Sein Rigoletto soll deshalb beliebt gewesen sein, weil es in den letzten Jahren einfach keine Konkurrenten für ihn in dieser Partie gab. Er schien ja regelrecht auf diese Rolle abonniert gewesen zu sein. In jüngster Zeit soll sich Zejlko Lucic aber als neuer wunderbarer Interpret profiliert haben.


    Es soll da einen Macbeth-Film mit Nucci geben. Sein unflexibles, geriatrisches Timbre hat mir ja nie gefallen, daher habe ich bisher einen Bogen darum gemacht.
    Und eine Stimme für Verdi muß für mich doch mehr Wohlklang verströmen.


    Gibt es Meinungen zu seinem Macbeth?


    Gregor

  • Zitat

    Es soll da einen Macbeth-Film mit Nucci geben.
    Gibt es Meinungen zu seinem Macbeth?


    Ups, da kann ich lange auf Meinungen warten. Einen Macbeth mit Nucci gibt's wohl gar nicht. :D
    Habe das anscheinend mit Renato Bruson verwechselt, von dem ein Macbeth auf DVD vorliegt. :whistling:


    Dieser ist mir sowieso viel lieber und so komme ich nicht in Bedrängnis mir Nucci antun zu müssen. :D


    Gregor

  • Tatsächlich gibt es 2 DVD-Filme mit Leo Nucci, einen von DECCA (1986), einen von TDK (2006)



    1) MACBETH aus Bologna
    Aufnahme: 26.4.–19.5. 1986, Spielfilm (Schauspieler und Sänger unterschiedlich)
    Dirigent: Riccardo Chailly
    Orchestra del Teatro Comunale di Bologna
    Coro del Teatro Comunale di Bologna
    Chorleitung: Fulvio Angius
    Inszenierung: Claude d' Anna
    abweichende Filmdarsteller: Phillippe Volter: Macduff, Johan Leysen: Banquo, Nicolas Sansier: Servo, Alain Pascal Housiaux: Sicario
    Apparitione 1: Natale de Carolis
    Apparitione 2: Barbara Briscik
    Apparitione 3: Marco Fanti
    Banco: Samuel Ramey
    Dama di Lady Macbeth: Anna Caterina Antonacci
    Lady Macbeth: Shirley Verrett
    Macbeth: Leo Nucci
    Macduff: Veriano Luchetti
    Malcolm: Antonio Barasorda
    Un araldo: Giuseppe Morresi
    Un domestico: Gianfranco Casarini
    Un medico: Sergio Fontana
    Un sicario: Gastone Sarti


    2) MACBETH aus Parma
    Aufnahme: Jun. 2006, live, Video, Parma


    Dirigent: Bruno Bartoletti
    Orchestra del Teatro Regio di Parma
    Coro del Teatro Regio di Parma
    Chorleitung: Martino Faggiani
    Inszenierung: Liliana Cavani


    Banco: Enrico Giuseppe Iori
    Dama di Lady Macbeth: Tiziana Tramonti
    Lady Macbeth: Sylvie Valayre
    Macbeth: Leo Nucci
    Macduff: Roberto Iuliano
    Malcolm: Nicola Pascoli
    Un araldo: Davide Ronzoni
    Un domestico: Riccardo di Stefano
    Un medico: Enrico Turco
    Un sicario: Noris Borggogelli


    LG


    :hello:

  • Anstelle der Jonas-Kaufmann-Gala am Sonntag, 13. Mai 2012 um 14:00 Uhr, im Opernhaus Zürich:

    Ein Leckerbissen für die Freunde von Leo Nucci

    Giuseppe Verdi


    Zweiter Akt aus «La Traviata»
    Mit Eva Mei (Violetta), Irène Friedli (Annina); Piotr Beczala (Alfredo Germont), Leo Nucci (Giorgio Germont), Noel Vazquez (Giuseppe), Uwe Kosser (Commissionario)


    Zweiter Akt aus «Rigoletto»
    Sen Guo (Gilda), Mariana Carnovali (Paggio); Piotr Beczala (Duca), Leo Nucci (Rigoletto), Miroslav Christoff (Borsa), Valeriy Murga (Marullo), Tomasz Slawinski (Ceprano), Aaron Agulay (Usciere), Pavel Daniluk (Monterone)


    Dritter Akt aus «Simon Boccanegra»
    Isabel Rey (Amelia); Leo Nucci (Simon Boccanegra), Riccardo Zanellato (Jacopo Fiesco), Fabio Sartori (Gabriele Adorno), Massimo Cavalletti (Paolo Albiani), Ilker Arcayürek (Un capitano)


    In szenischer Aufführung


    Dirigent Nello Santi
    Choreinstudierung Jürg Hämmerli, Ernst Raffelsberger
    Orchester der Oper Zürich
    Chor der Oper Zürich

  • Live habe ich ihn nur in Belcanto-Opern erlebt (z.B. Liebestrank).
    Den Verdi-Sänger Leo Nucci kenne ich hauptsächlich von dieser Recital CD:



    Verdi Arias
    Leo Nucci - Baríton
    National Philharmonic Orchestra
    Dir. Richard Armstrong
    Decca, 1984


    1. Luisa Miller - Sacra la scelta... Ah! fu giusto il mio sospetto!
    2. Ernani - Ascolta! se mai prescelto io sia... Oh de' verd'anni miei
    3. I due Foscari - Eccomi solo alfine!... O vecchio cor
    4. Il Trovatore - Tutto e deserto... Il balen
    5. Mcbeth - Perfidi! All'Angelo contro me... Pieta, rispetto, amore
    6. Rigoletto - Pari siamo!
    7. Rigoletto - Cortigiani, vil razza dannata
    8. La Traviata - Di Provenza il mar, il suol
    9. Un Ballo in Maschera - Alzati!... Eri tu
    10. La forza del destino - Morir! tremenda cosa! Urna fatale... E salvo!


    Anno 1984 war er noch prächtig bei Stimme!


    LG

  • Ob er nun undifferenziert sei oder nicht, eines ist ganz klar: Heute hat Leo Nucci Geburtstag. Dazu habe ich diese Aufnahme ausgesucht, die ich mir kürzlich angeschafft habe und in der er einen grandiosen Rigoletto singt:



    Leo Nucci feiert heute seinen 73. Geburtstag.


    Herzlichen Glückwunsch!


    Willi :jubel::jubel::jubel::jubel::jubel:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Auch an dieser Stelle möchte ich auf Leo Nuccis heutigen 75. Geburtstag hinweisen, den ich hier näher gewürdigt habe:


    Erinnerungen an verstorbene und Geburtstags-Glückwünsche an lebende Musiker


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Wohl aus Anlaß seines 75. Geburtstages ihm zu Ehren, brachte der TV - Sender Classica in der vergangenen Woche viele Opernaufzeichnungen mit Leo Nucci in den Hauptpartien.
    So auch am vergangenen Sonntagabend "Rigoletto". Eine Aufzeichnung der gesamten Oper aus dem Teatro Regio di Parma von 2008.
    Großartige werkgetreue Inszenierung mit stimmigen Bühnenbildern und tollen Kostümen. Und natürlich darüber hinaus, auch mit großartigen Interpreten.
    Man hat ja schon von einigen Da Capo gehört, gesehen oder sogar selbst erlebt. So weit vielleicht nicht unbedingt etwas Außergewöhnliches.
    Aber ein Da Capo nach tosendem Applaus vor dem Vorhang, das hat man wohl so noch nicht erlebt wie hier...
    CHRISSY


    https://www.youtube.com/watch?v=rF89o2jz4_Y

  • Man hat ja schon von einigen Da Capo gehört, gesehen oder sogar selbst erlebt. So weit vielleicht nicht unbedingt etwas Außergewöhnliches.
    Aber ein Da Capo nach tosendem Applaus vor dem Vorhang, das hat man wohl so noch nicht erlebt wie hier...


    Lieber Chrissy,


    da möchte ich denn doch mal eine ganz alte Geschichte erzählen:
    1961 gastierte die Römische Oper im Berliner Theater des Westens, das damals noch die Heimat der Städtischen Oper Berlin war.
    Die Besetzung war:
    Manrico - Franco Corelli
    Azucena - Fedora Barbieri
    Leonora - Mirella Parutto
    Conte di Luna - Ettore Bastianini


    Nach der Stretta des Manrico - Corelli sang sie in dieser Aufführung in C-dur (was er ja nicht immer tat) - gab es 22Minuten tobenden Beifall und "bis"-Rufe ohne Ende! Zu einer Wiederholung ließ sich Corelli aber nicht bewegen! Einige Freunde witzelten auf dem dritten Rang: "Der Rudi (Schock) hätte sie in der Zeit schon dreimal gesungen!"
    Die Zugabe gab es aber dann nach dem 4.Akt! Als der Beifall kein Ende nehmen wollte, wurde eine Klavier auf die Bühne gerollt und Corelli sang noch einige Neapolitanische Canzonen - am Klavier begleitet von Bastianini! Eine sogar im Duett mit Bastianini!
    Ganz toll!


    Liebe Grüße
    Caruso41

  • Zitat

    Die Zugabe gab es aber dann nach dem 4.Akt! Als der Beifall kein Ende nehmen wollte, wurde eine Klavier auf die Bühne gerollt und Corelli sang noch einige Neapolitanische Canzonen - am Klavier begleitet von Bastianini! Eine sogar im Duett mit Bastianini!


    Mein lieber Caruso!


    Davon müßte man eine DVD besitzen! Aber so etwas im kleineren Maßstab kenne ich noch aus der Bonner Oper in den 70er Jahren. Dort gab es auch viele Zugaben von den ehemaligen Opernstars wie Hannelore Bode, Ray Arbizu, Bengt Wisten, Werner Hollweg und Robert Schunk, um nur Einige zu nennen, zumeist in Originalsprache.

  • Lieber Wolfgang!
    Es gibt eine Rundfunk-Aufnahme in recht guter Qualität. Immerhin!
    Corelli-Enthusiasten halten die für die beste Manrico-Aufnahme Corellis!
    Der Zugabenteil aber wurde wohl nicht mitgeschnitten.
    Leider!
    Beste Grüße
    Caruso41

  • Ich hatte Leo Nucci zwar früher mal als Germont und als Amonasro live erlebt, aber zu der Zeit kam er für mich nicht an Bruson und Cappuccilli ran. Dann hatte ich kurz nach dem Start dieses Threads die Gelegenheit ihn als Simone in Wien zu erleben. Und siehe da, es war eine Wohltat für mich, mit welcher Italianità er die Rolle gesungen und gestaltet hat. Nun war er plötzlich auf meinem Radar. Vor ein paar Jahren hat ihn auch die Deutsche Oper eingeladen, wo er zweimal in konzertanten "I due Foscari" und mehrmals als Germont aufgetreten hat. Dann gab es noch ein tolles Arien-Konzert in Dessau, wo er alles gesungen hat, was das Herz so begehrt. Zuletzt habe ich Nucci dann mehrfach im Ausland gehört: als Macbeth in Piacenza, als Rigoletto in Parma, als Simone in Mailand und als Miller in Zürich. Er besitzt sicher nicht die schönste Bariton-Stimme und man muss auch das Hochziehen von Tönen nicht schön finden, aber er gehört für mich zu den eindrucksvollsten Sängern, die die Opernwelt zu bieten hat. In Parma hat er übrigens das Finale des 2. Aktes zusammen mit Jessica Nuccio vor dem Vorhang wiederholt. Auch in Berlin gab es zuletzt in einer von zwei Traviatas ein "Bis".