Der Bayreuther "Ring" 2020

  • Ich habe heute die eigentlich ja erfreuliche Nachricht erhalten, dass ich Karten für den neuen Bayreuther Ring 2020 bekomme. Ob ich das Angebot auch annehme, weiß ich noch nicht. Der finnische (wieder einmal ^^) Dirigent Pietari Inkinnen ist für mich ein unbeschriebenes Blatt. Er hat schon mehrfach Wagner dirigiert, hat vielleicht jemand eine dieser Aufführungen miterlebt? Auch den jungen österreichischen Regisseur Valentin Schwarz kannte ich bisher nicht. Auf gleich zwei weitgehend unbekannte Namen zu setzen, ist sicherlich ein Wagnis der Festspielleitung und natürlich auch ein Risiko für den Besucher, wenn man die Kosten für einen fast einwöchigen Bayreuth-Besuch bedenkt. Andererseits: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und die Besetzung dieses "Rings" kann sich schon sehen bzw. hören lassen: Günther Groissböck als Wotan/Wanderer, Klaus Florian Vogt als Siegmund, Lise Davidsen als Sieglinde, Andreas Schager und Stephen Gould als Siegfried - die Rollen im "Siegfried" und der "Götterdämmerung" von verschiedenen Sängern singen zu lassen, empfinde ich allerdings als großen Nachteil. Und die Brünnhilde ist sogar in allen drei Teilen eine andere: Petra Lang in der "Walküre", Daniela Köhler im "Siegfried", Christine Goerke in der "Götterdämmerung" - was soll das? :( Bedenken will ich's: wer weiß, was ich tu'!

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Erstmal: Herzlichen, ehrlich gemeinten Glückwunsch zu den Karten!


    Ich möchte jetzt nur mal auf Pietari Inkinen eingehen. Ich kannte den Namen bereits vor etlichen Jahren und wurde bei ihm eigentlich nie enttäuscht. Live erlebt habe ich ihn leider noch nicht, allerdings waren auch Live-Aufnahmen dabei. Irgendwo in den Untiefen einer meiner Festplatten müsste sogar sein Ring aus Neuseeland sein. Den gab er wohl konzertant. 2013 folgte einer in Melbourne auf der Bühne. Sprich: Der Mann hat durchaus auch praktische Wagner-Erfahrung. Da er bis vor kurzem vor allem und sehr erfolgreich im australisch-neuseeländischen Raum tätig war, gilt er fälschlicherweise als ziemlicher Newcomer.

    Vom Dirigat her hätte ich da also keine Bedenken.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Erstmal: Herzlichen, ehrlich gemeinten Glückwunsch zu den Karten!

    Danke! Die Nachfrage nach Karten scheint wirklich abgenommen zu haben, wie hier im Forum ja schon mehrfach vermutet wurde. Ich hatte zwar einige Wartejahre angesammelt, aber längst nicht so viele, wie früher nötig warten, um eine Karte zugeteilt zu bekommen.

    Ich möchte jetzt nur mal auf Pietari Inkinen eingehen. Ich kannte den Namen bereits vor etlichen Jahren und wurde bei ihm eigentlich nie enttäuscht. Live erlebt habe ich ihn leider noch nicht, allerdings waren auch Live-Aufnahmen dabei. Irgendwo in den Untiefen einer meiner Festplatten müsste sogar sein Ring aus Neuseeland sein. Den gab er wohl konzertant. 2013 folgte einer in Melbourne auf der Bühne. Sprich: Der Mann hat durchaus auch praktische Wagner-Erfahrung. Da er bis vor kurzem vor allem und sehr erfolgreich im australisch-neuseeländischen Raum tätig war, gilt er fälschlicherweise als ziemlicher Newcomer.

    Vom Dirigat her hätte ich da also keine Bedenken.

    Vielen Dank für die Hinweise (und die Verweise auf die beiden CDs), das hört sich ja in der Tat vielversprechend an.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Lieber Bertarido,


    wenn Du noch nicht bei den Bayreuther Festspielen warst, dann gönne Dir dieses Erlebnis und beglückwünsche Dich. Es ist nicht nur die Aufführung, es ist die Atmosphäre, das Einmalige, der Zauber, ja das Mysterium dieses Ortes. Ich freue mich für dich und hoffe ebenfalls noch Karten zu bekommen.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Lieber operus,


    vielen Dank, aber ich war schon oft bei den Bayreuther Festspielen. Seit dem Amtsantritt von Katharina Wagner ging es meiner Einschätzung nach mit den Festspielen künstlerisch bergab, weswegen ich mich in den letzten Jahren auch nur noch selten um Karten bemüht habe. Mal wieder einen "Ring" dort zu erleben, würde mich allerdings reizen.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Wenn man für den Siegmund schon einen Sängerknaben aufbietet, dann wird aus dem Ring des Nibelungen der Ring des Polykrates :huh:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Die Bezeichnung von Klaus Florian Vogt als "Sängerknaben" hat durchaus seine Berechtigung. Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, was die Operngänger an diesem Sänger finden. Er hat eine sehr kleine, zu schlanke, total im Kopf sitzende und überhaupt nicht im Körper sitzende Stimme. Dass dieser Sänger nächstes Jahr in Bayreuth den Siegmund singen soll, geht mir total gegen den Strich. Ich habe ihn in den 1990er Jahren bereits in Karlsruhe in dieser Partie erlebt und fand ihn damals schon sehr problematisch. Für das Heldenfach taugt er überhaupt nicht. Der Siegmund verlangt nach einem baritonalen, Heldentenor mit ausgeprägter Tiefe, und das ist bei Vogt in keinster Weise der Fall. Vor etlichen Jahren hat er in der Stuttgarter Liederhalle den Tristan des 2. Aufzuges gesungen. Auch da her er mir gar nicht gefallen. Er hat nur eine halbe Stimme, die nach Vervollkommnung schreit. Er sollte dringendst daran arbeiten, seine Stimme in den Körper zu bekommen. Davon merke ich aber nichts. Aber es sind ja gerade die dünnstimmigsten Tenöre, die glauben, im schweren Wagner-Fach reüssieren zu müssen. Der mäßige Wolfgang Windgassen war nur einer davon. Auch Robert Dean Smith und Peter Seiffert wären hier noch zu nennen. Bei ihnen liegt der Fall ähnlich. Beide singen überhaupt nicht im Körper und sind für das Heldenfach überhaupt nicht geeignet, obwohl sie dieses andauernd singen.



    Herzliche Grüße


    lustein

  • Aber es sind ja gerade die dünnstimmigsten Tenöre, die glauben, im schweren Wagner-Fach reüssieren zu müssen. Der mäßige Wolfgang Windgassen war nur einer davon.

    So sehr ich die Vorbehalte gegen Vogt auch teile, aber Windgassen war definitiv eine andere Klasse. Vogt ist ein gerade noch akzeptabler Lohengrin, mehr kaum. Windgassen hingegen war m. E. eigentlich in allen Wagner-Tenorpartien mehr als annehmbar und in einigen sogar großartig (im 1955er Keilberth-Ring etwa).

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Auch Robert Dean Smith und Peter Seiffert wären hier noch zu nennen.

    Lieber lustein, willkommen im Forum! Schön, dass Du hier schreibst.

    Indes möchte ich doch meine Vorbehalte bei Peter Seiffert zur Sprache bringen; ich kann die Kritik an Klaus Florian Vogt durchaus nachvollziehen, bin jedoch der Meinung, dass Seifferts Stimme tragfähig und durchschlagskräftig genug war, um auch in Wagner-Partien eine glaubwürdige und sehr gute Leistung zu zeigen.


    liebe Grüße

  • Aber es sind ja gerade die dünnstimmigsten Tenöre, die glauben, im schweren Wagner-Fach reüssieren zu müssen. Der mäßige Wolfgang Windgassen war nur einer davon. Auch Robert Dean Smith und Peter Seiffert wären hier noch zu nennen. Bei ihnen liegt der Fall ähnlich. Beide singen überhaupt nicht im Körper und sind für das Heldenfach überhaupt nicht geeignet, obwohl sie dieses andauernd singen.

    Und welchen Tenor würdest Du gelten lassen?

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Meine Vorbehalte insbesondere gegen Wolfgang Windgassen stehen fest und sind unumstößlich. Er war wahrlich kein Heldentenor, ist nie einer gewesen. Seine Stimme war ausgesprochen dünn und flach, saß überhaupt nicht im Körper, was die Grundvoraussetzung jeder soliden Gesangstechnik sein sollte, und wies überhaupt keinen dramatischen Kern auf. Den Wagner-Partien konnte Windgassen mit seinem kleinen, flachen Stimmorgan in keinster Weise gerecht werden. Zwar sang er sehr wortdeutlich, dieser Vorzug wurde aber mit einer vokal sehr fragwürdigen Vorgehensweise erreicht: Er gefiel sich darin, sich ständig auf den Konsonanten und Klingern auszuruhen. Diese von ihm ständig gepflegte Sparmethode machte es für ihn leichter, Wagners anspruchsvolle Rollen durchzuhalten, ist aber vom gesanglichen Standpunkt aus eine Unsitte ohnegleichen und überhaupt nicht akzeptabel. Mich wundert überhaupt nicht, dass Sir Georg Sollte das überhaupt nicht akzeptiert hat und Windgassen im Zuge seiner Wiener Studioaufnahmen von "Siegfried" und "Götterdämmerung" dazu verdonnerte, diese abzulegen. Windgassen ist dieser Aufforderung zwar hörbar nachgekommen, klingt als Folge davon in den genannten Aufnahmen aber noch angestrengter als sonst. Offenkundig wird, dass, wenn er die großen Wagner-Partien immer auf diese Art und Weise gesungen hätte, er sich seine Stimme in Nullkommanichts kaputt gemacht hätte. Windgassen war schon einer der am meisten überschätzten Sänger seiner Zeit, dessen Leistungen absolut ungenügend waren und der den Geschmack so vieler Wagner-Liebhaber und sonstiger Operngänger nachhaltig verdorben hat. An so große, beeindruckende Heldentenöre wie beispielsweise Hans Hopf, Spas Wenkoff, Lauritz Melchior, Ramon Vináy, Günter Treptow, Fritz Uhl oder Stephen Gould ist Windgassen nicht im Entferntesten herangekommen. Diese gehören zu meinen absoluten Favoriten im schweren Wagner-Fach, das - wie gesagt - auch Vogt und Seiffert gar nicht auszufüllen vermögen. Beide singen dünn und überhaupt nicht im Körper. Seiffert ist vor etlichen Jahren in Bayreuth einmal gnadenlos am Stolzing gescheitert. Und Vogt musste schon heftige Buhs einstecken.


    Herzliche Grüße


    lustein

  • Nun diese Meinung des Herrn Steinbach kenne ich seit Jahren. Er hat damals übrigens in gleicher Weise Elisabeth Schwarzkopf und Fischer-Dieskau abgekanzelt. Würde ich ihn ernst nehmen, gäbe es viel, das man erwidern könnte...

  • Meine Vorbehalte insbesondere gegen Wolfgang Windgassen stehen fest und sind unumstößlich. Er war wahrlich kein Heldentenor, ist nie einer gewesen.

    …. das scheinen mir aber nicht nur Vorbehalte, sondern eher ausgesprochene Vorurteile zu sein. Man kann einen Sänger und sein Timbre mögen oder nicht, das ist eine Geschmacksfrage, aber Wolfgang Windgassen als Wagner-Tenor in Grund und Boden zu reden, das ist für mich kein Urteil, sondern eine in Worte gefaßte Animosität.

    Zum Vergleich: Man kann Elisabeth Schwarzkopf verehren oder ablehnen, es gibt für beide Standpunkte durchaus Gründe, aber ihre Kompetenz als Mozart-Sängerin grundsätzlich zu leugnen, ist ein Vorurteil und entbehrt jeglicher Objektivität.

    An so große, beeindruckende Heldentenöre wie beispielsweise Hans Hopf (….) ist Windgassen nicht im Entferntesten herangekommen.

    Ich habe mir heute früh zum Vergleich die "Romerzählung" aus dem "Tannhäuser" von Windgassen und Hopf angehört. Bedauere, aber wer Hopfs angestrengtes, kehliges Singen (GA unter Konwitschny) dem von Wolfgang Windgassen vorzieht, den kann nur ein unüberwindliches Vorurteil leiten.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Windgassen war schon einer der am meisten überschätzten Sänger seiner Zeit, dessen Leistungen absolut ungenügend waren und der den Geschmack so vieler Wagner-Liebhaber und sonstiger Operngänger nachhaltig verdorben hat.

    Offensichtlich, lieber Nemorino, hat uns Windgassen den Geschmack verdorben. "Bedauerlicherweise" ist ihm das auch bei Wieland Wagner, Karajan, Böhm etc. gelungen. Seltsam....

  • "Bedauerlicherweise" ist ihm das auch bei Wieland Wagner, Karajan, Böhm etc. gelungen. Seltsam....

    Lieber m.joho,


    das ist allerdings sehr seltsam:).


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • So sehr ich die Vorbehalte gegen Vogt auch teile, aber Windgassen war definitiv eine andere Klasse. Vogt ist ein gerade noch akzeptabler Lohengrin, mehr kaum. Windgassen hingegen war m. E. eigentlich in allen Wagner-Tenorpartien mehr als annehmbar und in einigen sogar großartig (im 1955er Keilberth-Ring etwa).

    Das sehe ich ganz genauso.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Selbstverständlich kann man bei der Beurteilung einer Gesangsstimme unterschiedlicher Meinung sein. Es ist sicherlich auch so, dass Wolfgang Windgassen keine machtvolle heldische Röhre besaß. Diese wollte Wieland Wagner auch nicht. Er wollte einen neuen Sängertypus des intelligent gestaltenden Sängerschauspielers kreieren. Das ist ihm mit Wolfgang Windgassen nahezu idealtypisch gelungen. Es ist logisch, dass Windgassen live auf der Bühne mit seiner Gesamtwirkung weit mehr überzeugte, als auf den nur auf Stimme reduzierten Tondokumenten, die uns heute zur Beurteilung zur Verfügung stehen. Ein "wahrer" Heldentenor der traditionellen Sicht Ludwig Suthaus kommentierte seinen Verzicht auf Bayreuth mit der Einsicht, dass er zu diesem neuen Inszenierungsstil nicht passe. Es könnten einige Sänger aller Fächer genannt werden, bei denen Wieland Wagner bei den stimmlichen Qualitäten Defizite akzeptierte, wenn diese seinen Vorstellungen vom Typ des Neu-Bayreuth-Darstellers entsprachen.


    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Offensichtlich, lieber Nemorino, hat uns Windgassen den Geschmack verdorben. "Bedauerlicherweise" ist ihm das auch bei Wieland Wagner, Karajan, Böhm etc. gelungen. Seltsam....

    Da sind wir dann doch in einer ganz illustren Runde, zu der auch ich mich gerne zähle. :thumbup:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Da ich explizit nachgefragt hatte, möchte ich auch für die Antwort danken. Ich teile sie nicht.

    Meine Vorbehalte insbesondere gegen Wolfgang Windgassen stehen fest und sind unumstößlich. Er war wahrlich kein Heldentenor, ist nie einer gewesen. Seine Stimme war ausgesprochen dünn und flach, saß überhaupt nicht im Körper, was die Grundvoraussetzung jeder soliden Gesangstechnik sein sollte, und wies überhaupt keinen dramatischen Kern auf. Den Wagner-Partien konnte Windgassen mit seinem kleinen, flachen Stimmorgan in keinster Weise gerecht werden. Zwar sang er sehr wortdeutlich, dieser Vorzug wurde aber mit einer vokal sehr fragwürdigen Vorgehensweise erreicht: Er gefiel sich darin, sich ständig auf den Konsonanten und Klingern auszuruhen.

    Mit Vorbehalten, die unumstößlich sind, kommt man nach meiner Überzeugung bei der Beurteilung von Stimmen nicht sehr weit.


    An so große, beeindruckende Heldentenöre wie beispielsweise Hans Hopf, Spas Wenkoff, Lauritz Melchior, Ramon Vináy, Günter Treptow, Fritz Uhl oder Stephen Gould ist Windgassen nicht im Entferntesten herangekommen.

    Treptow oder Uhl mögen zwar lauter gesungen haben. In meinen Ohren sind sie aber ziemlich grobe Gesellen, die mir nicht viel mitzuteilen haben. :(

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Sänger sind keine Maschinen. Sie kônnen auch mal einen schlechten Abend haben. Das hab ich hāufig bei meinen Opernbesuchen, wo ich auch in mehere Auffūhrungen einer Aufführungsserie gehe, hāufig erlebt.