Neuausrichtung von WDR 3 und die neuen Richtlinien der Sendung Klassik Forum - Michael Stegemann geht

  • Liebe Forianer, Liebe Klassikfreunde und Leser des Tamino Klassikforums


    Mir wurde heute im Rahmen eines Leserbriefs folgender Link übermittelt, den ich gerne hier veröffentliche


    https://van.atavist.com/stegemann


    mfg aus Wien

    Alfred

    Wenn ich schon als Vorbild nicht tauge - lasst mich wenigstens ein schlechtes Beispiel sein !



  • Ein überaus interessanter und zugleich deprimierender Kassiber aus dem sich abwärts bewegenden Kulturrundfunk.

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



  • Danke für den Link. Wirklich niederschmetternd. Auch hier scheint es leider nach dem zynischen Satz zu laufen: es muss erst noch schlimmer werden bevor es wieder besser werden kann. Meine Verachtung der öffentlich-rechtlichen steigt und steigt.

    Er hat Jehova gesagt!

  • Ich muß gestehen, daß obwohl ich in NRW wohne, selten WDR 3 gehört hab. Es muß ja einen Grund für die schlechten Einschaltquoten geben. WDR 3 find ich einfach zu schwerfällig. Bei vielen Opernpremieren macht WDR 3 als Kulturpartner Werbung. Auf meine Frage, warum es so wenig Live Oper Übertragungen aus NRW geben würde bekam ich schon vor Jahren die Antwort, das sich die Hörer dafür nicht interessieren würden. BBC 3 macht es vor, wie man interessantes und bei den Hörern beliebtes Klassikradio machen kann.

  • Das ist ja mal ein Ding. Ich konnte es nicht glauben, als ich es las.


    Es soll künftig also alles vermieden werden, um irgendjemanden abzuschrecken, WDR 3 zu hören.


    Übersetzt: Damit dürfte man zwar die 300.000 Stammhörer verschrecken, aber die sind ja nicht so relevant. Vermutlich erhoffen sich die Verantwortlichen des WDR, dass dafür dann 3 Millionen "Tschibo-Hausfrauen" und "Metzger, die abends im Konzert sitzen, aber keine Kenntnis von Musik haben", diesen anspruchslosen Krampf hören. Masse statt Klasse.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

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  • Zu diesem Thema "Reformtendenzen in den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten, Sendungen mit klassischer Musik betreffend" - das ja nicht nur den WDR betrifft - hat Jan Brachmann, Musikkritiker der FAZ, im Feuilleton dieser Zeitung gestern, also am 18. März, einen ausführlichen kritischen Kommentar verfasst. Er trägt - bemerkenswerterweise - den Titel "Mobbing gegen Bildungsbürger". Darin erfährt man, dass der WDR (laut Online-Magazin VAN) schon 2019 eine Hörerstudie durchführen ließ, in der "Kunstlied, Chormusik, Oper, Operette und Jazz" als "kritische Genres" eingestuft wurden. Deshalb sollten sie im WDR-Magazin möglichst gemieden werden. Gesendet werden sollte stattdessen "leichte Klassik" wie der "Frühlingsstimmenwalzer" von Johann Strauss oder "romantisch getragene Klassik" wie die "Gymnopédies" von Eric Satie, oder "Neoklassik" von Nils Frahm, Max Richter, Philip Glass und symphonische Filmmusik.


    Auf Anfrage der FAZ versuchte der Leiter von WDR3 das alles zu dementieren. Brachmann schenkt dem aber keinen Glauben und stützt sich dabei auf die Tatsache, dass wichtige Mitarbeiter den WDR verließen. So heißt es in diesem Artikel: "Kalle Burmester sah für sich bei der Sendung >Klassik Forum" keine Zukunft mehr und gab Anfang März auf. Auch Michael Stegemann, seit 34 Jahren dabei, nahm am 13. März seinen Abschied. In seiner letzten Sendung verglich er sich mit einem Eisbären auf schmelzender Scholle. Für das, was er und wie er es mitzuteilen habe, gäbe es offenbar im Sender immer weniger Unterstützung."

    Es sei, so Brachmann, "zumindest unsensibel, solche Radiomacher und Musikkenner in verpflichtenden Schulungsseminaren der Kabarettistin Susanne Rohrer auszusetzen, die ihnen dann sagt, Worte wie >Libretto<, >fakultativ<, >Hammerflügel< und >Koloratursopran< müsse man - in einem Kulturprogramm mit Schwerpunkt >klassische Musik< wohlgemerkt - erklären und die Kollegen mögen doch einmal nachdenken über eine Anmoderation wie : >Wollen wir wetten, meine Damen und Herren, dass die folgende Musik lauter ist als ihr Staubsauger."

    Das seien zwar zur "Empfehlungen", so Stegemann im Gespräch mit der FAZ, aber sie hätten sich in der letzten Zeit immer mehr gehäuft.


    Brachmanns Kommentar dazu:

    "Wie solche Ansprache klingen soll, beschreiben (...) schon die Richtlinien für die Moderation von Musiksendungen auf RBB Kultur: >Auf Jahreszahlen können wir gerne verzichten. Sie sind sicheres Indiz dafür, dass ie Sache, über die geredet wird, vorbei ist. Gleiches gilt für historische Erzählungen, die man auch an anderer Stelle nachlesen kann. Damals? Langweilig! Auch die Vornamen der Beethovens und Mozarts zum Beispiel braucht niemand dringend. (...) Unser Publikum prüft uns nicht, ob wir kulturbeflissen alles richtig machen. Und die drei Studienräte, die es dennoch tun, halten wir aus. Denn jede Kompetenz hat Lücken. Wichtiger ist: Unser Publikum ist interessiert, will begeistert und unterhalten werden. <"


    Zum Schluss kann er es sich nicht verkneifen, giftig zu werden:

    "Gewiss müssen sich Programme immer wieder erneuern, genau wie die Sprache sich ständig ändert. Doch durch den schnoddrigen Ton der Moderationsleitlinien wird populistisches Bildungsbürgermobbing plötzlich gebührenwürdig."

  • Ein so aufschlussreich wie deprimierendes Interview, dessen Inhalt auf eigene Beabchtungen trifft. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat sich als Staat im Staate etabliert und ist unangreibar und unkonkrollierbar geworden. Der wunderbare Gündungsgedanke wird in Teilen abgeschafft. Das beuruhigt mich sehr. Er trägt antidemoktritische gutsherrliche Züge in sich. Leider findet man sich mit seiner Kritik bei Leuten wieder, mit denen man nichts zu schaffen haben will. Das finde ich am allerschlimmsten. :no: Ich entferne mich mehr und mehr von diesem Angebot, das mich belehren, erziehen und mir eine Sprache aufzuoktroyieren versucht, die nicht die meine ist. Und dafür muss ich auch noch bezahlen. Über viele Jahre meines Lebens fand ich die Zwangabgabe sinvoll und alternativlos, weil ich in ihr einen Garant dafür sah, dass auch ganz individuelle Interessen - wozu ich anspruchsvolle Klassik zähle - bedient werden. Davon wird sich immer mehr verabschiedet. Statt dessen gibt es rauf und runter - um nur ein Beispiel des inhatlichen Niedergang zu nennen - bekloppe Ratesendungen mit immer den selben verbrauchten TV-Gesichtern, in denen Hauptstädte abgefragt werden. Darauf läuft es also hinaus. Der Rundfunk macht sich bei der Abschaffung von Eliten zm Handlanger. Umso wichtiger ist es für mich, dass es Foren wie dieses gibt, in denen Interessengruppen, die sich sonst nicht repräsentiert zusammenfunden. Das Netz hat längst das Kommando übernommen.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Das ist das Konzept von vielen Radiosendern heute. Es hört kaum noch jemand bewusst Radio. Sogenannte "Programm-Sender" verschwinden nach und nach. Die meisten Menschen hören nebenbei Radio im Auto, an der Arbeit oder beim Aufräumen als Hintergrundgeräusch. Leider achten die ÖR zudem noch auf die Quoten.

    Die waren Klassik Alternativen sind noch BBC Radio 3 und Bayern Klassik.

    Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie. Wem meine Musik sich verständlich macht, der muß frei werden von all dem Elend, womit sich die anderen schleppen.

    Ludwig van Beethoven


    Bruckner+Wand So und nicht anders :)

  • Ich habe die Texte von Stegemann und Brachmann mit einen Mischung aus Wut und Traurigkeit gelesen.
    Verwundert haben sie mich nicht.
    Schon sehr lange habe ich den WDR nicht mehr eingeschaltet.


    Hoffen wir, dass nicht auch andere Stationen wie Deutschlandradio Kultur, BR Klassik und die wenigen anderen Sender, die ihren Kulturauftrag noch erst nehmen, dem Beispiel folgen werden.


    In wenigen Minuten beginnt etwa im BR Kultur in der Reihe

    DAS KAMMERMUSIKFESTIVAL VON BR-KLASSIK

    EIN JAHR SEHNSUCHT


    Eine Konzert mit Rafael Fingerlos, Bariton; Sascha El Mouissi, Klavier.

    Auf dem Programm stehen unter anderem

    Robert Fürstenthal: "Tag der weißen Chrysanthemen"; "Reiselied"; "Liebeslied";
    Gustav Mahler: "Rheinlegendchen";
    Anonymus: "Da unten im Tale", "Herbstlied", "Das zerbrochene Ringlein", "Wann I amoi stirb"


    Caruso41

    ;) - ;) - ;)


    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!

  • Mich wundert nicht, dass Kunstlied, Chormusik, Oper und Operette - kurz: alles, wo gesungen wird - als "kritische Genres" gelten. Gehe ich vom "Nichtklassikhörer" aus, so dürfte gerade zu diesen Genres innerhalb der klassischen Musik eine besondere Distanz vorhanden sein. Die Symphonik und die "leichte Klassik" á la Strauss-Dynastie dürften es bei dieser Klientel tatsächlich leichter haben, da man mittels Filmmusik wohl einfacher Zugang findet.

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    – Luís de Camões

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  • Man muß das Übel bei der Wurzel packen:

    Das Übel ist, daß in vielen Bereichen die "Verantwortlichen" ihre Klientel (vielleicht sogar zu Recht) für dumm halten - und sich mit ihnen solidarisieren - weil sie ebenso dumm sind. Allein die Spitze gegen die Studienräte - zeigt die tief verwurzelte - Abneigung gegen Bildung

    Diese entsteht meist dadurch, wenn man sehr gut weiss - daß man selbst den Anforderungen nicht gewachsen ist frei nach dem Motto;

    Früher sagte man: "Ich denke, ergo bin ich" - Heute weiß man: "Es geht auch so"

    oder aber auch nach dem Leitsatz:

    "Einfaltspinsel aller Ländere vereinigt Euch"

    Die Verdummung und Simplifizierung der Menschheit ist kein Zufall: Sie wird gezielt betrieben

    Einfältige ungebildete Personen sind leicht zu lenken und zu betrügen: Allein die zahlreichen Phishing versuche

    und die Betrügereien im Internet zeigen wie dumm die Menschheit in Wirklichkeit sein muß - sonst würde das nämlich nicht funktionien.

    Ihr Ahnungslosen, die ihr glaubt, eine bessere Musikerziehung würde der klassischen Musik Aufschwung verleihen,

    Euch sei gesagt: Das will man gar nicht !!!

    Leute, die klassische Musik hören - man sieht das in diesem Forum - sind widerspenstig, haben einen eigenen Willen und Urteilsvermögen.


    Aber natürlich kann sich auch das Tamino Klassikforum den Zeitströmungen nicht verschliessen

    Ich bin gerade am Überlegen für ein neues Konzept: (noch in Ausarbeitung)


    Wichtig ist es hier , nicht nur das Niveau des Forums der Allgemeinheit anzupassen,

    sondern auch bei der Auswahl von Neuzugängen von Mitgliedern strenger zu selektieren


    Hier mal der erste Vorschlag: Ein Intelligenztest bei der Aufnahme ist zu absovieren.

    Wer über einen IQ von 75 kommt wird nicht aufgenommen

    Ausnahme: für jeden Punkt darüber ist eine Gebühr von 100 Euro zu entrichten - MONATLICH

    Das mag viel klingen, aber das Geld spart man ja sowieso ein, weil man inzwischen kein Fitnesstudio aufsuchen kann.

    Wer sich dümmer stellt als er ist wird sofort aus dem Forum ausgeschlossen (gilt nur für zukünftige Mitglieder)

    Aber es wird auch in die andere Richtung geprüft:

    das Beherrschen der Fremdsprche klingonisch ist obligatorisch

    Die Aufzählung sämtlicher Asterix-Figuren und ihrere Eigenschaften wird vorausgesetzt.

    Ein cooles Äusseres ditto, Tatoos und Nasenringe erlichtern in Hinkunft den Aufstieg in der Forenhierarchie enorm


    daran muß mit Sicherheit noch gefeilt werden - aber ein Anfang ist gemacht.


    C.U.

    Alfred


    PS:

    Schon 2009 hat ein das ehemalige Mitglied Ulli sich an einer Sprachreforn an die heutige Zeit versucht.........

    Geboten wird hier die Inhaltsangabe einer Oper (die eh keiner kennt)


    Dem voll krasseste Entführung

    Wenn ich schon als Vorbild nicht tauge - lasst mich wenigstens ein schlechtes Beispiel sein !



  • Leider findet man sich mit seiner Kritik bei Leuten wieder, mit denen man nichts zu schaffen haben will. Das finde ich am allerschlimmsten.

    Ja, das ist in der Tat ein Problem, das man - bei aller berechtigten Kritik im Detail - im Blicik haben sollte. So gibt man den Leuten Wind in die Segel, welche den öffentlich-rechtlichen Rundfunk am liebsten ganz abschaffen wollen. Dann gäbe es nur noch private Sender. Würde es uns dann besser gehen, ohne "Zwangsabgabe"? Ich würde mal sagen: Dann Gnade uns (kulturbewussten und klassikaffinen Menschen) Gott! Die Alternative ist also mitnichten "so oder besser", sondern "so oder gar nicht", dessen sollte man sich immer bewusst sein!

    Über viele Jahre meines Lebens fand ich die Zwangabgabe sinvoll und alternativlos, weil ich in ihr einen Garant dafür sah, dass auch ganz individuelle Interessen - wozu ich anspruchsvolle Klassik zähle - bedient werden. Davon wird sich immer mehr verabschiedet. Statt dessen gibt es rauf und runter - um nur ein Beispiel des inhatlichen Niedergang zu nennen - bekloppe Ratesendungen mit immer den selben verbrauchten TV-Gesichtern, in denen Hauptstädte abgefragt werden. Darauf läuft es also hinaus.

    Gegen diese Quizshows hast du ja hier schon öfter gewettert und ich kann das so gar verstehen, ich mag sie auch nicht übermäßig, aber die bringen halt Quote - und diese ist im Überlebenskampf der Öffentlich-Rechtlichen leider entscheidend. Was wäre denn gewonnen, wenn zu dieser Sendezeit anspruchsvolle Kultursendungen für "Eliten" laufen würden? Die Einschaltquoten gingen in den Keller und die Politik würde die Notwendigkeit der Öffentlich-Rechtlichen (bestenfalls nur) infrage stellen. Dann wären aber nicht nur die Quizshows weg (bzw. auf anderen Kanälen zu sehen), dann wären auch die Rundfunk-Sinfonie-Orchester weg, die Mediatheken, wo die "Elite" gut fündig werden kann, die Rundfunkarchive würden womöglich geschlossen usw., es gäbe dann eben (ohne die entsprechende Finanzierung) gar keine öffentlich-rechtlichen Medien mehr. Insofern rate ich denen, die sich als "Elite" betrachten, doch einfach mal dazu, sich in ihren Ansprüchen zu den Hauptsendezeiten zu bescheiden bzw. auf Mediatheken und ähliche Angebote auszuweichen, anstatt das Kind mit dem Bade auszuschütten.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • bekloppe Ratesendungen mit immer den selben verbrauchten TV-Gesichtern, in denen Hauptstädte abgefragt werden.

    Das ist eine bösartige Unterstellung.;) Es werden auch Klassikfrgen gestellt - nach dem multiple Chouce Verfahren

    Da ist vor Jahren folgendes passiert:


    In einer diese Quizsendungen wurde die Frage nach dem Nahmen von Beethovesn 3. Sinfonie gestellt


    a)Erotica

    b Eroica

    c) Heroica

    d) Exotica


    Der Kandidat wusste es nicht

    Er wählte den Saal Joker (das Publikum im Saal kann die Antwort via Knopfdruck auf ein am Sitzplatz befindliches Paneel eingeben)


    Immerhin wählten knapp über 50% die richtige Lösung (!!!) Der Kandidat war gerettet.


    mfg aus Wien

    Alfred


    clck 156

    Wenn ich schon als Vorbild nicht tauge - lasst mich wenigstens ein schlechtes Beispiel sein !



  • Ich erinnere mich noch an eine "Wer wid Millionär"-Folge vor vielen Jahren, wo der Kandidat scheiterte, weil er sich bei der Frage "Was ist Turandot?" nicht für "B = Prinzessin", sondern für "D = Koch" entschied. :hahahaha:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Eine zutiefst traurige Entwicklung. Thomas Wördehoff hat es in seinem Kommentar treffend beschrieben: "Der Prozess der Kernschmelze ist längst eingeleitet", so sehe ich das auch. Die Diskussion bzgl. Rundfunkchöre und Orchester schreitet doch auch voran (RBB!). Hat nicht der öffentliche Rundfunk einen gewissen Bildungsauftrag?

    Es sind doch genau diese Moderationsabschnitte auf die ich gespannt Warte, verbunden mit der Hoffnung Neues zu erfahren. Mag sein, dass ich nicht der typische "Klassikradio" - ich meine den Sender "Klassikradio" - Hörer bin, aber reines, flaches Klassikgedudel ist mir zuwider. Der öffentliche Rundfunk muss seinen, wie ich finde hohen Anspruch behalten, nur so wird auf Dauer seine Legitimation gerechtfertigt bleiben. Wir haben doch ein Bestreben nach Qualität, klar nicht alle, aber das darf nicht das Maß solcher Umwälzungen sein. Moderner, von mir aus, aber inhaltlich darf es keine Verflachung geben.

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  • Hier ein Blick in die zukunft die schon begonnen hat.

    Es gehr hier nicht darum, was Herr Rieu da macht - das isr bekannt. Aber WO er es macht (natürlich in anderen großen Stästen ebenso)

    HIer im spziellen, am Wiener "Michaelerplatz" beim hinteren Burgtor. (einst stand dort das Originale "Burgtheater", das aber 1880 abgerissen wurde umn die Hofburg fertig zu bauen (die dann aber nie fertiggebaut wurde)



    Das "Event" fand also davor - am Michaelerplatz statt. Um das möglich zu machen war der Platz einige Tage zuvor gesperrt und sogar die historisierenden Straßenlaternen wurden abgebaut.

    Money talks - das ist es was die sogenannten "Kultutmanager" sich erträumen. Geniesst den Clip. Zyniker kommen auf ihre Recnung allein schon, wenn sie die Gesichtsausdrücke des Schunkelpublikums sehen. Zur Verteidigung der Wiener sei gesagt, daß es sich meiner Auffassung nach vorzugsweise um Touristen handelt, die Wiener sind in der Regel zu faul und an derartigen Veranstaltungen nicht interessiert....oder aber .... eigentlich an gar nichts, Wien ist nicht nur Weltstadt der Musik, sondern auch Weltstadt des Desinteresses ......


    mfg aus Wien

    Alfred

    Wenn ich schon als Vorbild nicht tauge - lasst mich wenigstens ein schlechtes Beispiel sein !



  • Die Entwicklung von einem Klassikprogramm mit Anspruch zu einem Wohlfühlprogramm für eine vermeintlich vorhandene breite Schar an Gelegenheitshörern, die in dem Artikel aus der Innensicht beschrieben wird, halte ich für symptomatisch. Symptomatisch für einen schwerwiegenden Konstruktionsfehler unserer Kultur- und Gesellschaftspolitik. Es ist heute nicht mehr en vogue, „Ja“ zu sagen zu vermeintlich obsoleten Dingen wie einem kulturellen Kanon, wie einem Bildungsideal, wie, mit Nietzsche, einem „Gefühl für Rangverschiedenheit“.


    Bleiben wir bei Musik: Ob jemand Klassik, Gangsterrap oder Schlager hört, sieht man heute nicht mehr als qualitativen Unterschied, sondern als reine Geschmackspräferenz. Allein die Diskussionen um den Begriff „Leitkultur“ und die rhetorischen Verrenkungen selbst der Befürworter zeigen, dass man keine kulturelle Verwurzelung mehr hat, sondern sie allenfalls noch versucht zu beschwören.

    Die klassische deutsche Kultur wird heutzutage in Japan höher gehalten als in Deutschland selbst (und Japaner sind dann enttäuscht, wenn sie hier in Deutschland sind und von ihrem Idealbild eigentlich nichts der Realität entspricht).


    Somit ist die weitere Entwicklung vermutlich vorgezeichnet: Statt eines normativ entkernten Bildungsauftrags werden vermehrt Meinungsforschung, Klickraten und Algorithmen die Rundfunkprogramme bestimmen. Entwicklungen wie das Aufkommen der Identitätspolitik amerikanischer Provenienz, die alles, was „alte weiße Männer“ erschaffen haben, am liebsten ersetzt haben möchte durch die "Repräsentanz des Benachteiligten", werden, wenn sich der Trend auch hier aufschwingt (und Ergebnisse von Untersuchungen wie die zur politischen Einstellung von Nachwuchsjournalisten sprechen dafür), das Drängen von Klassik in die Nische beschleunigen.


    Was bleibt ist der ästhetische Widerstand - ich bin trotz der düster scheinenden Perspektive überzeugt, dass in all diesen großen klassischen Werken ein Maß an Leuchtkraft, an strahlendem Ja zum Dasein und zur Tradition steckt, dass es immer wieder wache Geister beleben und befeuern wird. Darin liegt der Hoffnungsschimmer. Und darin, die Verantwortlichen der Misere zu nerven, ihnen. zu zeigen, dass man NICHT einverstanden ist mit der Entwicklung.


    P.S.: Hat jemand die Telefonnummer von Gerhard Polt? Jemand müsste ihn anrufen und an ihn herantragen, aus den "Coachings" der sympathisch renitenten Musikjournalisten, wie es im Artikel beschrieben ist, einen Film zu machen. Der Stoff dazu wäre es jedenfalls.

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



  • Die klassische deutsche Kultur wird heutzutage in Japan höher gehalten als in Deutschland selbst (und Japaner sind dann enttäuscht, wenn sie hier in Deutschland sind und von ihrem Idealbild eigentlich nichts der Realität entspricht).

    Das dachte ich mir auch schon öfter mal. Man sollte zwar nicht zur Verklärung neigen (nicht alle Japaner hören Klassik), aber die Akribie und Ernsthaftigkeit, mit der dort Klassikpflege, gerade auch vergangener Interpreten, betrieben wird, lässt unsere Breiten mittlerweile zuweilen ziemlich alt aussehen. Vielleicht fiebern die Japaner aber auch einem Ideal nach, das es gar nicht (mehr) gibt.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Das dachte ich mir auch schon öfter mal. Man sollte zwar nicht zur Verklärung neigen (nicht alle Japaner hören Klassik), aber die Akribie und Ernsthaftigkeit, mit der dort Klassikpflege, gerade auch vergangener Interpreten, betrieben wird, lässt unsere Breiten mittlerweile zuweilen ziemlich alt aussehen. Vielleicht fiebern die Japaner aber auch einem Ideal nach, das es gar nicht (mehr) gibt.

    Ein anderer Vergleich, in dem Deutschland schlecht abschneidet, ist der der Bibliophilie. Suhrkamp hatte mit dem "Deutschen Klassiker Verlag" das ehrgeizige Projekt vor, Klassiker von Arnim bis Wieland, sorgfältig editiert, in hochwertiger Leinen- oder Lederausgabe einem bildungsbürgerlichen Publikum nahezubringen. Das Projekt startete 1981 und wurde 2013 eingestellt. Das französische Pendant, die Bibliothèque de la Pléiade, existiert seit 1931, und es erscheinen elf Bände pro Jahr für einen Preis zwischen 50 und 75 Euro, die sehr gefragt sind.

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."



  • Mein Gott!

    Der Bericht Stegemanns über die Gespräche, die intern im WDR geführt werden, ist ja fast zu gut, um wahr zu sein. Wenn man sich sowas ausdenken würde, dann bekäme man den Vorwurf zu hören, man arbeite mit Stereotypen und Klischees.

    Da ist ja alles an Ignoranz, Borniertheit, Unbildung in Gestalt von Leuten, die bestimmt "irgdndwas mit Medien" studiert haben, und Schlichtheit vorhanden, was man sich nur zu denken vermag.

    Sehr abstoßend ist, dass noch dieser billige, pseudo-schneidige "top-down"-Managerton, der in meiner Vorstellungswelt so gar nicht zu den Öffentlich-Rechtlichen passen will, mit hineingerührt wird in die Soße.


    Der mit Händen zu greifende Hass auf alles Bildungsbürgerliche passt aber in die Zeit, in der wir leben. Die bundesdeutsche Bildungslandschaft ist seit Langem auf Nivellierungskurs. Da, wo alle gleich gemacht werden sollen, ist echtes Wissen nur im Weg. Denn für die Massen, die heutzutage durch Abitur und Studium geschleust werden müssen, um der OECD genauso zu gefallen wie dem linken Gleichheitsfuror, ist die Aneignung echten Wissens und echter Fachkenntnisse zu komplex. Auch der Gedanke, dass irgendjemand sich ausgeschlossen fühlen (!!!!) könnte im Angesicht einer niveauvollen Sprache, die sich einiger Fachtermini bedient, führt dazu, dass heute schon fast reflexartig alles fallen gelassen wird, was einfachster Verständlichkeit im Wege zu stehen scheint.


    Es ist eine unheilige Allianz aus linker Gleichmacherei und einem ökonomistisch geprägten Quotendenken, das den Popanzen von mehr Reichweite, mehr Gefälligkeit, mehr Zuhörern huldigt.

    An der Intelligenz dieser Medienschranzen lässt mich dann endgültig zweifeln, dass die tatsächlich und ernsthaft von der "Tchibo-Hausfrau" sprechen und dem abends ins Konzert gehenden Metzger, der aber keine Ahnung von klassischer Musik hat. Das zeugt von einem so unterkomplexen Weltverständnis, von einer so mangelhaften Menschenkenntnis, von so wenig Realitätssinn, dass man schier verzweifeln könnte.


    Der Blick dieser scheinbar so weltgewandten Medienleute auf diese Welt und die in ihr lebenden Menschen, ist von größter geistiger Einfachheit geprägt. Das ist schon fast wie bei Pipi Langstrumpf: Ich mach die Welt wie sie mir gefällt. Deutschland als Taka-Tuka-Land, in dem betreutes Denken durch einen immer offensiver "nudgenden" Nanny-Staat mit all seinen betreuenden Institutionen vorangetrieben wird. Wer sich dennoch einen eigenen Gedanken erlaubt, der wird den linksidentitären Twitter-Hetzern zur sozialen Eliminierung überlassen.


    Grüße

    Garaguly

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  • Zitat aus dem Interview von Michael Stegemann:


    Am Tag nach einer meiner Sendungen im Dezember letzten Jahres bekam ich von der Teamleiterin eine Mail, sie müsste dringend mit mir reden. Ich wurde bei dem Gespräch regelrecht ›zusammengefaltet‹: ›Das geht nicht, das war zu lang, das war zu anspruchsvoll, wir haben doch besprochen, dass …‹ Ich habe mich gewehrt und dann wortwörtlich gesagt gekriegt: ›Hier wird nicht diskutiert, wir bezahlen Sie dafür, dass Sie das tun, was wir von Ihnen verlangen. Wenn Sie dazu nicht bereit oder in der Lage sind, müssen wir entsprechende Konsequenzen ziehen.‹ An dem Punkt habe ich gedacht: Wie weit gehe ich in meiner Kompromissbereitschaft? Dann hat es Anfang Februar ein ›Feedback- und Entwicklungsgespräch‹ mit der Teamchefin Musik, aktuell Wibke Gerking, gegeben, das auch protokolliert wurde. Dort wurde mir auf eine sehr unmissverständliche Art und Weise gesagt, dass mein Moderationsstil den neuen Vorgaben nicht genug folge, und ob nicht mein 65. Geburtstag Ende des Monats ein geeigneter Zeitpunkt wäre, das Feld Jüngeren zu überlassen.


    So stellt sich Wibke Gerking auf der Webseite von WDR vor: https://www1.wdr.de/radio/wdr3…ns/wibke-gerking-104.html


    Die Plastikblockflöte hätte sie besser im Mund gelassen.


    Dezenter ausgedrückt:


    :cursing: Der Shitstorm* soll die Dame treffen.


    Shitstorm [ˈʃɪtstɔɹm] (zusammengesetzt aus englisch shit „Scheisse“ und storm „Sturm“) bezeichnet im Deutschen das lawinenartige Auftreten negativer Kritik bis hin zur Schmähkritik im Rahmen von sozialen Netzwerken, Blogs oder Kommentarfunktionen von Internetseiten.


    .

    Es gibt ein Leben vor dem Tode.

  • Vielleicht ist an dieser Stelle der Hinweis angebracht, welche Gefahr lauert in einer zukünftigen Welt wo "Manager" dieser Bauart das Sagen haben, wo es dereinst um die Frage gehen wird welche Werke auf den Download- und Streaming-Servern erhalten bleiben dürfen - und welche nicht.

    All die sogenannte "Hochkultur" wird nur dann überleben, wenn sie grösstenteils in privaten Händen bleibt - mit "bildungsbürgerlichem" Einschlag.

    Die Vernichtung alles sogenannte "elitären" ist lediglich das Ziel aller jener, die höheren Bildungsansprüchen nicht genügen würden und werden. In meiner Jugend, zur Zeit der Zeugnisverteilung fanden sich regelmäßig Artikel in Zeitungen wo Politiker und wirtschaftlich erfolgreiche "Prominente" den Schulversagern "Trost" spendeten: Sie selbst seien schlechte Schüler gewesen - und dennoch erfolgreich. Meine Mutte pflegte das stet so zu kommentieren: "Das hooron unter Umständen - mangels staatlichem finanziellen Nachschub - eventuell gar nicht mehr existieren kann.

    Leider ist die Situation eine Doppelmühle: Die Zielklientel für Kunst und Kultur ist in der Tat klein. Aber war das nicht immer schon so ? All die Werke aus der Vergangenheit waren Auftragswerke des Adels und des gehobenen Bürgertums. Der Niedergang begann, als man begann Klassische Musik und ihre "Begeiter" aus Kunst und Literatur als "vermarktbare Massenware" zu betrachten und zu behandeln.

    EIN zukünftiger Weg könnte sein, "klassische Musik" und vergleichbares wiede zum zu machen, was es eigentlich ist: Luxusgut für einige wenige.

    Wobei - zumindest war das in den vergangenen Jahrhunderten so - echte Musikfreunde immer wieder "mitgenommen" wurden, man sehe die Preise von Stehplätzen in Wien, die teilweise unter jenen einer Kinokarte liegen:

    https://www.wiener-staatsoper.…ener-staatsoper-20192020/

    Um aber zum Ursprung dieses Themas zurückzukehren: Ein Lösungsvorschlag wäre ein von Klassikinterpreten gegründeter Klassiksender wo

    nicht die großen Klassiklabel das Sagen haben, sondern kleinere und Interpreten der Gegenwart mit eingebunden wären,die zwar von ihrer Musik leben können, aber sich keine Reichtümer erhoffen. Alle jenen, bei denen die Gefahr besteht, die Klassikszene aus Gründen der Profitgier an ein Massenpublikum anzupassen sollte man nach und nach in ihren Rechten und Einfluß beschneiden.

    Persönlich ist es ja so, daß ich auf "Klassiksender" überhaupt nicht angewiesen bin. Meine Klassiksammlung umfasst einige tausend CDs und wächst nur mehr langsam - aber doch. Die textlichen Informationen bekommt man über Wikipedia - über booklets und das Tamino Klassikforum.

    sowie über weitere private Einrichtungen im Internet. Es ist mehr da als man konsumieren kann.



    mfg aus Wien

    Alfred


    clck 408

    Wenn ich schon als Vorbild nicht tauge - lasst mich wenigstens ein schlechtes Beispiel sein !



  • Die Entwicklung von einem Klassikprogramm mit Anspruch zu einem Wohlfühlprogramm für eine vermeintlich vorhandene breite Schar an Gelegenheitshörern, die in dem Artikel aus der Innensicht beschrieben wird, halte ich für symptomatisch. Symptomatisch für einen schwerwiegenden Konstruktionsfehler unserer Kultur- und Gesellschaftspolitik.

    Es fehlt die Bildungspolitik. Wir hatten an anderer Stelle eine Diskussion, wo klar wurde, dass es nicht mehr opprtun ist, in Schulen Richtiges beizubringen, sondern Vielfältiges. Jeder hat irgendwie recht.


    Wenn derart "Gebildete" dann auf Entscheidungsposten kommen, kann man dann hier das Resultat sehen!


    Interessant ist der offenbare Hass auf wirkliches Können! Interessant auch, dass unsere Gesellschaft das Vorankommen dieser Inkompetenz in höchste Schichten der Gesellschaft erlaubt. Das letzte Jahr Politik hat das sehr deutlch gezeigt. Auch die Promotionsskandale in der Politik sind ein deutliches Zeichen, dass wir zwischen Schein und Sein nicht mehr unterscheiden können.

  • Haarsträubend, kann ich da nur sagen! Das Klassik-Forum war eine tolle Sendung! Jetzt bewegt sich WDR 3 auf das Niveau von Klassik Radio zu - Klassik-Appetithäppchen zum Frühstück für Jedermann. Das ist der Irrsinn des Populismus von heute und dieser Messbarkeitswahn von Einschaltquoten. Wobei es die öffentlich-rechtlichen Sender ja garnicht nötig haben - wozu bekommen sie Rundfunk-Gebühren? Ich bezweifle auch, dass so eine Entscheidung wirklich professionell begründet ist. Der Hörerkreis des Klassik-Forums ist eben der anspruchsvollere Hörer, der auch Hintergrundinformationen zur Musik haben will. Das ist schließlich nur eine Sendung bei WDR 3 - es gibt doch genügend andere! Da bin ich froh, dass ich schon seit sehr vielen Jahren gar kein Radio mehr höre, sondern nur noch CD. So bekomme ich dieses Elend nicht mehr mit. Da empfehle ich den enttäuschten Klassik-Forum Hörern gerne meine Kolumnenseiten hier mit Werkeinführungen und Interpretationsvergleichen. Also für die Zukunft: Tamino Forum statt Klassik Forum!


    Schöne Grüße

    Holger

  • Also für die Zukunft: Tamino Forum statt Klassik Forum!

    Zustimmung, lieber Holger. Darf ich mich als Reaktion selbst zitieren?

    Umso wichtiger ist es für mich, dass es Foren wie dieses gibt, in denen Interessengruppen, die sich sonst nicht repräsentiert zusammenfunden. Das Netz hat längst das Kommando übernommen.

    :hello:


    Gegen diese Quizshows hast du ja hier schon öfter gewettert und ich kann das so gar verstehen, ich mag sie auch nicht übermäßig, aber die bringen halt Quote - und diese ist im Überlebenskampf der Öffentlich-Rechtlichen leider entscheidend.

    Diese inhaltsleeren Quizshows, die sich inzwischen auf allen Sender breit machen und über die man ständig stolpert, wenn man sich mal in die Programmvorschau verirrt, eignen sich nun mal hervorragend, um Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen zu illustrieren.


    Mit den Zwangsgebühren - so war die ursprüngliche Idee - sollten die Sender finanziell so ausgestattet werden, dass sie unabhängig sind. Von diesem Geld genehmigten sich die Chefetagen fulminante Gehälter. Der Apparat wurde gigantisch aufgeblasen. Ein Intendant verdient viel mehr als die deutsche Kanzlerin! Die eigentliche redaktionelle Arbeit müssen inzwischen die Heerscharen von Freien erledigen, die schamlos ausgebeutet werden, ein Zustand, der gern bei anderen thematisiert wird, nur nicht bei sich selbst. Die sehr gut dotierten "Stars" (darunter viele Köche) werden von Sender zu Sender herumgereicht. Du, ich kenn da jemanden ... Dieses Netzwerk funktioniert. Kontrolle findet nicht statt. Das nennt man im Klartext Korruption.


    Im Überlebenskampf stehen vielmehr die Zeitungen, die diese sicheren Polster nicht haben. Das halte ich für ungemein gefährlich für die öffentliche Meinung. Zeitungen können nicht die Gerichte anrufen, um mehr Einnahmen zu bekommen. Wir wollen doch keine Verhältnisse wie in Großbritannien haben. :no: Anders ausgedrückt: Die Raffgier der Öffentlich-Rechtlichen gefährdet die Demokratie an einer sensiblen Stelle. Das macht mir große Sorgen.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

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  • Interessant auch, dass unsere Gesellschaft das Vorankommen dieser Inkompetenz in höchste Schichten der Gesellschaft erlaubt.

    Das ist nicht interessant, das ist selbstverständlich - Weil ein Gutteil jener "Entscheidungsträger", der Sendungen , Produkte, Veranstaltungen,Inszenierungen der - was auch immer für das "einfach gestrickte Volk" produzieren möchte - SELBER zu dieser Gruppe gehört. Da wird vom "LEIDENSWEG" des Studiums gesprochen und man ist froh daß es vorbei ist - nämlich dann, wenn man die dort gestellten Anforderungen nur mit enormer Anstrengung zustande brachte - oder sich durchschwindeln konnte.

    Fachwissen und Intelligent wird heute oft durch ein Netzwerk ersetzt.

    Die Corona Krise macht die Unfähigkkeit vieler "Entscheidungsträger" transparent. Auch im Kulturbereich.

    Eine der letzten Aufführungen der Wiener Staatsoper mag hier als Beispiel aus dem Bereich Kultur dienen.

    Zwar war nur jeder 2. Sitzplatz besetzt, aber NATÜRLICH sang der Chor Kopf an Kopf (weil es ja auch nicht anders geht), ohne Maske und ohne Sicherheitsabstand. Ideal zur Erzeugungs eines Clusters.


    Die Zukunft KÖNNTE so aussehen, daß vieles, das heute kommerziell betrieben wird, aber sich angeblich nicht lohnt,

    durch Privatinitiativen ersetzt wird - ohne Gewinnabsicht - aber mit Deckung der Selbstkosten...


    Vermutlich wird sowas dann aber durch die Profitgeier, Schmarotzer und und Nutzniesser herkömmlicher Strukturen zu verhindern versucht.


    mfg aus Wien

    Alfred

    Wenn ich schon als Vorbild nicht tauge - lasst mich wenigstens ein schlechtes Beispiel sein !



  • Diese inhaltsleeren Quizshows, die sich inzwischen auf allen Sender breit machen und über die man ständig stolpert, wenn man sich mal in die Programmvorschau verirrt, eignen sich nun mal hervorragend, um Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen zu illustrieren.

    Ich stimme zu, dass diese zu infaltionär kommen. Ich stimme nicht zu, dass diese "inhaltleer" sind. Im Gegenteil. Hier werden Inhalte niederschwellig an Leute vermittelt, die sich niemals freiwillig mit diesen Inhalten konfontieren lassen würden, sondern nur auf Unterhaltung aus sind.


    Als ich hier meine Rubrik nach den Lieblingsrolleninterpreten startete, habe ich sie bewusst "Spiel" genannte, u die Hemmschwelle für einige zu senken, sich daran zu beteiligen. Dennoch waren unter den vielen Beiträgen auch zahlreiche ser wertvolle, sehr lesenswerte. Leider haben einige bis heute nicht kapiert, dass es sich um weit mehr als nur ein "Spiel" handelte.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • ..... bekloppe Ratesendungen ....

    So bekloppt sind die nicht alle. Ich mag diejenigen, bei denen man - wenn man die Zeit dazu bekommt - die Chance hat, durch Überlegen auf die richtige Antwort zu kommen. Manchmal sind die Lösungen auch mit einem großen "Aha-Effekt" verbunden.

    Manchmal frage ich mich, ob es nicht auch ein gutes Zeichen ist, dass diese Sendungen so beliebt sind. Zeigt dies nicht, dass die Zuschauer doch eine große Sehnsucht danach haben, zwischen richtig und falsch unterscheiden zu können? Trainieren die Zuschauer nicht unterbewusst die Fähigkeit "fake" und wahr zu trennen?

  • im Grunde bin ich ein Verteidiger des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Fernsehens, weil die eben trotz aller Bedenken doch noch das bessere Programm bieten im Vergleich zu den Privaten. Unter den privaten Fernsehsendern existiert aus meiner Sicht keiner, der ein auch nur annähernd qualitativ solides Programm böte. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten haben immerhin 3sat, Phönix, arte und gewisse Segmente aus ihren Hauptprogrammen, da reicht kein privater Anbieter heran.


    Dieses populistische Gehetze gegen den ÖR, das seit Jahren durch die Gesellschaft wabert, geht mir auf den Keks. Hätten wir nur RTL, Pro7, Sat1 und KlassikRadio et al., dann wären wir aber ganz schön angeschmiert.


    Warum ich das erwähne? Um euch deutlich zu machen, wie sehr mich der Stegemann-Text getroffen hat. Um die Fallhöhe anzuzeigen! Meine Reaktion direkt nach dem Lesen dieses Textes am gestrigen Nachmittag war desatrös. Mein Verhältnis zum ÖR hat sich definitiv verschlechtert. Ich habe spontan gedacht, dass der Schritt Sachsen-Anhalts kurz vor Weihnachten, die Anhebung der Rundfunkgebühren nicht mitzutragen, noch nicht radikal genug war. In Anlehnung an den rund um die Black-lives-matter-Demonstrationen und -Ausschreitungen in den USA populär gewordenen Slogan "Defund the Police" möchte ich die Kämpfer-Faust in den Himmel recken und skandieren "Defund the ÖR" - nehmt ihnen ihr Geld weg.Man muss über den Geldfluss eine Veränderung der Denkweisen und der Handlungsmuster in den Sendeanstalten erzwingen. Problem - da ist nur niemand, der diesen Kampf wird führen wollen. Die Politik ist viel zu sehr mit dem ÖR verbandelt, als dass aus den Reihen der Politiker jemand kommen könne, der im ÖR mit eisernem Besen auskehrt. Das Beispiel Sachsen-Anhalts fand ja auch keine Nachahmer unter den Landes-Politikern.


    Nun ist es nicht so, dass ich von solchen Tendenzen im ÖR, wie sie der Artikel zeigt, noch nie gehört hätte - aber diese Massivität des Arroganten, des Ungebildeten in Führungspositionen, diese auffällige Häufung an Personen, denen grundlegendes Weltwissen und elementare Grundzüge der Menschenkenntnis nicht geläufig sind, widern mich so sehr an.


    Grüße

    Garaguly

  • Es fehlt die Bildungspolitik. Wir hatten an anderer Stelle eine Diskussion, wo klar wurde, dass es nicht mehr opprtun ist, in Schulen Richtiges beizubringen, sondern Vielfältiges. Jeder hat irgendwie recht.


    Wenn derart "Gebildete" dann auf Entscheidungsposten kommen, kann man dann hier das Resultat sehen!


    Interessant ist der offenbare Hass auf wirkliches Können! Interessant auch, dass unsere Gesellschaft das Vorankommen dieser Inkompetenz in höchste Schichten der Gesellschaft erlaubt. Das letzte Jahr Politik hat das sehr deutlch gezeigt. Auch die Promotionsskandale in der Politik sind ein deutliches Zeichen, dass wir zwischen Schein und Sein nicht mehr unterscheiden können.

    Ja, das ist die logisch konsequente Entwicklung einer jahrzehntelang betriebenen Nivellierungspolitik. Zu Beginn waren noch genug Funktionsträger in den Institutionen vorhanden, die in anderem Denken aufgewachsen und erzogen worden waren. Doch mittlerweile sind die Jahrgänge, die von Geburt an durch eine Schul- und Universitätswelt gegangen sind, in der das Nivellierte Trumpf war und ist, durch die Institutionen marschiert und ihr am Fetisch der Nivellierung geschultes Denken kann logischerweise nichts anderes Hervorbringen als das, was wir in Stegemanns Text erleben durften.

    Und daraus resultiert auch der Hass auf alle und alles, was nach fundiertem Wissen und Können aussieht. Denn in der Konfrontation mit dem echten Wissen und Können flöge den Nivellierungs-Karrieristen die Maske vom Gesicht. Sie sind dann deklassiert. Und sie sehen sich doch so gerne als Elite. Ich kann mir vorstellen, dass die, nach eigener Auskunft gelegentlich das WDR 3-Klassikforum moderierende Frau Gerking sich einfach unbehaglich fühlte angesichts von Leuten wie Stegemann mit deren fundiertem Wissensschatz.


    Grüße

    Garaguly

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