Die unverzichtbaren Aufnahmen Herbert von Karajans

  • Was mir bereits seit einigen Jahren auffällt, ist die schlechte Verfügbarkeit speziell der von Karajan für EMI eingespielten Opernaufnahmen der 1970er und frühen 80er Jahre. Seit langem sind die Einzelveröffentlichungen vergriffen, eine einst erschienene große 72-CD-Box "The Complete EMI Recordings - Opera & Vocal" ist auch längst vom Markt.

    Bei Karajan dürfe das Problem eher in der Menge seiner Veröffentlichungen und der Auflagenhöhen liegen. Auf dem Sammlermarkt für LPs ist er -von wenigen Ausnahmen abgsehen- nahezu bedeutungslos. Man kriegt alles für kleines Geld. Das sagt nichts über die Qualität aus, und wenn man Erstpressungen möchte oder die Tulpenkranzpressungen wird's wieder ein wenig teurer.


    Es geht also um die Selektion dessen, was die wirklich guten Aufnahmen von ihm sind. Das ganze opus Karajani zu remastern und wieder auf den Markt zu bringen oder verfügbar zu halten dürfte wirtschaftlich nicht tragfähig sein. Man müsste eine Selektion seiner besten Aufnahmen treffen, Aufnahmen, an denen auch ein Karajan-Skeptiker wie ich nicht vorbeikommt (die Columbia-Aufnahme von "Hänsel und Gretel etwa, um Josephs Faden aufzugreifen) und dann überlegen, ob es dafür dann Käufer geben wird, die nicht meiner Generation und älter angehören. Sein Riesenaustoß ist für die aktuelle Veröffentlichungspolitik eher hinderlich.


    Dieser Thread soll also versuchen, sich auf Karajans Kernkomptenzen zu konzentrieren und die Spreu vom Weizen zu trennen.


    Ich fange an und ergänze die oben genannte Opernaufnahme um ein Bildchen:



    Die Aufnahme ist allein stimmlich ein Ohrenschmaus. Meine Plattenmaufnahme ist künstlich stereophoniert worden, origional mono wäre besser gewesen. Tatsächlich finde ich auch die Orchesterleistung bemerkenswert, transparent zum einen aber auch sehr atmosphärisch zum anderen. Legge hatte ein gute Wahl getroffen, Karajan für sein Label zu verpflichten.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

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    K. Breh in stereoplay 6/88: »Eine vom Orchester, der Besetzung, den Chören und nicht zuletzt vom Dirigat her ausgezeichnete Darstellung des ideologisch nicht ganz unbelasteten Werks. Klingt auch heute noch ganz ausgezeichnet und darf als Referenzaufnahme gelten.«


    Diese deutsch-deutsche Koproduktion von EMI Electrola und Eterna (VEB Deutsche Schallplatten) von Wagners "Meistersingern von Nürnberg" fand zwischen 24. November und 4. Dezember 1970 in der Dresdner Lukaskirche statt. Die Besetzung ist sehr gut bis überragend, auch wenn man dezent merkt, dass sowohl Osten wie auch Westen prominent vertreten sein wollten (Theo Adam, René Kollo, Helen Donath, Sir Geraint Evans, Peter Schreier, Ruth Hesse, Karl Ridderbusch usw.). Mit der Staatskapelle Dresden bot man das Vorzeigeorchester des östlichen Deutschland auf, hinzu traten der Chor der Staatsoper Dresden und der (vorzügliche) Rundfunkchor Leipzig. Wenig bekannt indes der Umstand, dass ursprünglich nicht Herbert von Karajan, sondern Sir John Barbirolli diese Produktion leiten sollte. Eigentlich hätte die Einspielung auch bereits 1968 stattfinden sollten, doch sagte Barbirolli nach der Niederschlagung des "Prager Frühlings" (angeblich auf Anraten Rafael Kubelíks) ab. Die Aufnahmesitzungen wurden schließlich auf Ende 1970 verschoben, wodurch der Sir nicht mehr zum Zuge kam (er starb im Juli davor) und man mit dem Österreicher Karajan einen mehr als adäquaten "Einspringer" verpflichten konnte. Man mag dieses und jenes kleine Detail dieser ersten wirklich großangelegten Studioeinspielung der "Meistersinger" eines Schallplattenlabels in Stereo* aus heutiger Sicht ankreiden, in der Summe aber gehört sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nur zu den überzeugendsten Interpretationen des Werkes, sondern auch zu den besten (Opern-)Aufnahmen Karajans überhaupt.

    * die einzigen davor gemachten Stereoaufnahmen der "Meistersinger" wurden entweder live mitgeschnitten (Keilberth auf Eurodisc, Böhm auf Orfeo - erst Jahrzehnte später offiziell erhältlich) oder stellen Rundfunkproduktionen dar (Kubelík beim BR, Goodall [auf Englisch] bei der BBC)

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Die Meistersinger hätte ich auch genannt. Großartige Aufnahme, ich bin sehr froh, dass ich die CDs habe, denn streamen kann man das Album meines Wissens derzeit auch nirgends.

    Dann aber diese:

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    Nicht sein Kernrepertoire, deshalb aber offenbar umso intensiver einstudiert.

    Nemorino hatte unter anderem dazu, dass sogar Erzfeind Adorno Karajans diesbezügliche Arbeit (in einem Konzert) lobte - ohne Karajan freilich beim Namen zu nennen - an anderer Stelle hier im Forum einiges geschrieben.

    Ich mag die Zweite Wiener Schule und diese klare Einspielung insbesondere.


    Und wenn ich schon dabei bin, nenne ich gleich noch diese:


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    Einer meiner liebsten Ringe. Überhaupt nicht mit "Breitwand-Sound" oder "Doppelrahmstufe", fast kammermusikalisch. Sehr nüchtern und wiederum klar mit schönen Farben. Mag ich einfach sehr.


    Dann verlässt es mich allerdings. Da ich nun Sibelius für mich entdecke, sollte ich Karajan auch diesbezüglich eine Chance geben. Aber bei Beethoven, Brahms, Bruckner, Bach (Gott bewahre!) sind mir andere weit näher als Karajan.

    "Jein".

    Fettes Brot

  • Ich habe nun lange überlegt. Im rein orchestralen Bereich bleibt für mich (mittlerweile) gar nicht mehr so viel übrig, was ich bei Karajan für unverzichtbar oder anders gesagt: unübertrefflich hielte. Es wären eher noch etliche Operneinspielungen zu nennen, die nicht zuletzt wegen der orchestralen Opulenz und der oft eben doch ausgezeichneten Besetzung in dieser Kombination für meine Begriffe so ziemlich ihresgleichen suchen. Etwas wahllos und aus dem Stegreif bspw. "Aida" (Decca), "Cavalleria rusticana" (DG), "La bohème" (Decca) und "Don Carlo" (EMI).


    Jetzt gleichwohl noch aus dem Orchesterbereich:


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    Die drei späten Sinfonien von Tschaikowski, die er zwischen 1964 und 1966 mit den Berliner Philharmonikern für DG einspielte, sind m. E. seine besten Darbietungen der entsprechenden Werke und auch insgesamt bis heute überaus konkurrenzfähig.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Eine weitere Einspielung kam mir in den Sinn, die hierher gehört:




    Ausnehmend vorzügliche Interpretationen der unglaublich atmosphärischen Tondichtung "Tapiola" von Sibelius waren eine Spezialität Karajans. Vielleicht ist die hier gezeigte DG-Digitalaufnahme von 1984 sogar noch einen Ticken besser als die ebenfalls sehr guten analogen von 1964 (DG) und 1976 (EMI). Eine der seltenen Ausnahmen von der überwiegenden Regel, dass die späten digitalen Neuauflagen Karajans aus den 80er Jahren nicht an die früheren heranreichen.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Bei mir ist es nur eine Box, sie war prägend in meiner Jugend und macht mir immer noch wirklich Freude


    Bei mir ist es zwar nicht nur diese eine Box, aber Beethoven-Sinfonien mit Karajan, das passt einfach! Das ist für mich in der Tat unverzichtbar. Des weiteren auch die schon von Joseph erwähnten Meistersinger. Und innerhalb meiner Ring-Sammlung ist der Karajan-Ring - wenn auch vielleicht nicht auf Rang 1 - ebenfalls für mich unverzichtbar. Karajan leitet die Berliner, im Cast sind u.a. Ridderbusch, Janowitz, Ludwig, Vickers.


    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)



  • Eine ganz tolle Karajan-Platte aus den frühen Jahren mit dem Philharmonia Orchestra (1960).


    Waldteufel: Les Patineurs, Walzer op. 183

    Joh. Strauss Sohn: Tritsch-Tratsch-Polka op. 214

    Joh. Strauss Vater: Radetzky-Marsch op. 228

    Chabrier: España

    Chabrier: Joyeuse marche

    Joh. Strauss Sohn: Unter Donner und Blitz, Polka (schnell) op. 324

    Suppè: Ouvertüre zu "Leichte Kavallerie"

    Weinberger: Polka aus "Schwanda, der Dudelsackpfeifer"

    Offenbach: Ouvertüre zu "Orphée aux enfers"

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

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    Experimentelle, erstaunlich gut klingende Stereoaufnahme der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft des Finalsatzes der Sinfonie Nr. 8 von Bruckner mit der Preußischen Staatskapelle Berlin von 1944 (die Sätze 2 und 3 leider nur in Mono, der erste Satz ist verloren).


    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

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  • Über diese Aufnahme mit der Preußischen Staatskapelle - die in der Tat erstaunlich gut klingt! - schreibt Peter Uehling, dass Karajan nach dem vierten Satz in Stereo umgehend darauf bestand, die ersten drei Sätze noch einmal aufnehmen zu müssen. Was dann aber nicht mehr möglich war in dieser Zeit.
    Vielen Dank für den Hinweis!


  • Der englische Musikproduzent Walter Legge hat Karajans übertragendes Talent früh erkannt und scherte sich nicht um dessen Naziverstrickungen. Die erste Aufnahmen entstande noch bevor der Dirigent wieder auftreten durfte. Legges Vetrauen und Gespür dürfte ganz entscheidend für den Aufstieg Karajans nach dem Krieg gewesen sein. Gleich 1947 dann die 9. Sinfonie von Beethoven und das "Deutsche Requiem" von Brahms mit den Wiener Philhamonikern unter Studiobedingungen. Beide Einspielungen haben sich bis heute auf dem Markt gehalten. Der Brahms bezieht seine musikhistorische Bedeutung nicht zuletzt daraus, dass Elisabeth Schwarzkopf, die als Sopran besetzt war, gleichzeig den Chor verstärkte.* Legge und Karajan waren nämlich mit den Damen des Singvereins in den hohen Lagen nicht ganz zufrieden. Sie sollen nicht richtig beisammen gewesen sein, zu schwach und nicht leuchtend genug geklungen haben. Wer die Stimme der Schwarzkopf gut kennt und passable Kopfhörer sein Eigen nennt, hört das auch sehr deutlich heraus. Die Schwarzkopf am Beginn ihrer langen Karriere nochmals als Chorsängerin in einer Karajan-Einspielung! Das berührte mich immer ganz besonders, auch weil es so professionell ist.


    * Quelle: Walter Legge, Elisabeth Schwarzkopf: Gehörtes, Ungehörtes, Memoiren mit einem Vorwort von Herbert von Karajan, Noack-Hübner Verlag 1982

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent



  • Zwei weitere sinfonische Aufnahmen möchte ich hier anführen: Die Fünfte und Sechste von Gustav Mahler. Ein Komponist, den man nicht unbedingt mit Karajan in Verbindung bringt, doch finde ich die ästhetisierende Herangehensweise dieses Dirigenten auf ihre Art ungemein bereichernd. Ich entsinne mich gut, dass ich vor allem die unbarmherzige Sinfonie Nr. 6 lange überhaupt nur mit Karajan ertragen konnte.

    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

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    – Luís de Camões

  • Meines Erachtens ist Karajan bei Mahler gescheitert, es gelingt ihm in keiner seiner Aufnahmen, auch nicht in der viel beachteten Live-Aufnahme der Neunten, das weit gefächerte Orchester in all seiner Disparatheit und Schönheit zugleich abzubilden. Die Violinen überlagern alles, auch hat er kein Gespür für die kleinen Rückungen der Musik und für ihre Zwischentöne, alles klingt mit breitem Pinsel geradezu flachgedrückt.


    Diesen Mahler halte ich für verzichtbar.

  • Meines Erachtens ist Karajan bei Mahler gescheitert, es gelingt ihm in keiner seiner Aufnahmen, auch nicht in der viel beachteten Live-Aufnahme der Neunten, das weit gefächerte Orchester in all seiner Disparatheit und Schönheit zugleich abzubilden. Die Violinen überlagern alles, auch hat er kein Gespür für die kleinen Rückungen der Musik und für ihre Zwischentöne, alles klingt mit breitem Pinsel geradezu flachgedrückt.

    Diesen Mahler halte ich für verzichtbar.

    Hallo Christian B.,


    weit davon entfernt, ein Mahler-Spezialist zu sein, möchte ich doch zur Ehrenrettung Karajans hier kurz seinen notorischen Kritiker Klaus Umbach, seinerzeit SPIEGEL-Kulturredakteur, zitieren, der in einem unglaublich langen Verriß schließlich eine Handvoll Karajan-Aufnahmen nennt, die er für unverzichtbar hält, darunter vor allem die Live-Aufnahme von Mahlers Neunter aus der Berliner Philharmonie:

    ".... unvergessen sind seine Bayreuther 'Meistersinger' von 1951 (...) oder der Berliner Mitschnitt von Mahlers Neunter Sinfonie, wo er die sinfonische Endzeit mit wahrlich erschütternder Radikalität ausmalte."


    Man sieht daran, wie unterschiedlich doch Höreindrücke wirken können.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • K. Breh in stereoplay 6/88: »Eine vom Orchester, der Besetzung, den Chören und nicht zuletzt vom Dirigat her ausgezeichnete Darstellung des ideologisch nicht ganz unbelasteten Werks. Klingt auch heute noch ganz ausgezeichnet und darf als Referenzaufnahme gelten.«


    Diese deutsch-deutsche Koproduktion von EMI Electrola und Eterna (VEB Deutsche Schallplatten) von Wagners "Meistersingern von Nürnberg" fand zwischen 24. November und 4. Dezember 1970 in der Dresdner Lukaskirche statt. Die Besetzung ist sehr gut bis überragend, auch wenn man dezent merkt, dass sowohl Osten wie auch Westen prominent vertreten sein wollten (Theo Adam, René Kollo, Helen Donath, Sir Geraint Evans, Peter Schreier, Ruth Hesse, Karl Ridderbusch usw.).

    Ja, Karajan macht seine Sache sehr gut in dieser Einspielung. Weshalb ich mich von ihr getrennt habe, ist die Fehlbesetzung des Beckmesser mit einem englischsprachigen Sänger. Das ist nicht zu überhören und stört, mich jedenfalls. Leider ein Manko, weshalb das keine Referenzaufnahme sein kann.

    :hello:

    Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

  • Wenn hier die Rede ist von den "unverzichtbaren Aufnahmen Herbert von Karajans", so sollten an erster Stelle seine frühen Londoner Aufnahmen mit dem von Walter Legge gegründeten Philharmonia Orchestra genannt werden. Mit diesem Orchester nahm Karajan zwischen 1951 und 1955 seinen ersten kompletten Zyklus der neun Beethoven-Sinfonien auf, die, abgesehen davon, daß sie noch (mit Ausnahme von Nr. 8 & 9) in Monotechnik entstanden, bis heute unter Kennern noch immer als seine bedeutendste angesehen wird.


    Sinfonien 1-9


    So schrieb Alfred Beaujean, damals Musikkritiker bei HiFi-Stereophonie, 1989 aus Anlaß von Karajans Tod in der FAZ folgendes: ".... so hört man hier einen von starken rhythmischen Energien durchpulsten Beethoven, der sich betont von dem Beethovenbild des 1954 verstorbenen Furtwängler abhob. Er läßt den Eindruck durchscheinen, den Toscanini auf Karajan gemacht hatte, ohne daß dessen spätere Starre Vorbild für ihn gewesen wäre.

    Die ungemein geschmeidige Artikulaton, die penible Genauigkeit in dynamischer Beziehung, vor allem was de untersten Stärkegrade angeht, die Deutlichkeit der Bläserstimmen, die eine superbe Qualität der damaligen Philharmonia-Bläser erkennen läßt, der so temperamentvolle, dabei stets genau kontrollierte Zugriff: All dies läßt noch nichts erkennen von jener selbstzweckhaft-luxuriösen Klanglichkeit, die dann das Signum von Karajans Arbeit mit den Berliner Philharmonikern werden sollte. Hier ist trotz der begrenzten Mono-Möglichkeiten der Klang noch ganz in den Dienst der sinfonischen Struktur gestellt. (...) es bleibt eine sachliche Sicht auf Beethovens sinfonisches Gebirgsmassiv. Er hütete sich vor Exzessen und ließ auch - etwa im Finale der Vierten - Virtuosität nie zum Selbstzweck ausarten. Manche Tempi sind sogar ruhiger als in späteren Aufnahmen."


    Alfred Beaujean war alles andere als ein blinder Karajan-Jünger, oft, für meinen Geschmack zu oft, hat er seine Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern einer harschen Kritik unterzogen.


    Doch zurück zu Karajans "unverzichtbaren Aufnahmen": Joseph II. hat in seinem Eingangsbeitrag bereits eine seiner Londoner Aufnahmen hoch gepriesen, und das zu Recht.


    Hier beispielhaft noch eine, die ich als herausragend einstufe:

    Karajan & The Philharmonia Orchestra - Sibelius: Symphony Nos.2,5 [Japan LTD HQCD] TOCE-91075 by Karajan & The Philharmonia Orchestra [Music CD]

    eine, auch sehr gut klingende, STEREO-Produktion aus dem Jahr 1960. Im gleichen Jahr beendete Karajan seine Zusammenarbeit mit dem Philharmonia Orchestra London. Es begann die Erfolgsserie mit der DGG und den Berliner Philharmonikern.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ich kenne etliche Aufnahmen von Karajan, die mich ansprechen.

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    Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie. Wem meine Musik sich verständlich macht, der muß frei werden von all dem Elend, womit sich die anderen schleppen.

    Ludwig van Beethoven


    Bruckner+Wand So und nicht anders :)

  • Hallo Nemorino,


    diese Aufnahme wurde in der Tat zumeist sehr gut besprochen, dessen bin ich mir bewusst.

    Ich habe Mahlers NEUNTE auch über diese Live-Aufnahme kennengelernt.

    Dazu habe ich vor langer Zeit - 2007! - schon einmal etwas geschrieben:

    Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 9

    Siehe dort Beitrag #14.

    Interessant ist auch die Reaktion von Edwin Baumgartner und die weitere Diskussion. Unter anderem mit Beiträgen von Benjamin Cohrs. Schade, dass diese Experten hier nicht mehr schreiben.


    Einen Zugang zu diesem wunderbaren Werk habe ich dann erst später über Abbado, Boulez und anderen gefunden.


    Viele Grüße

    Christian

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  • Karajans Bruckner-Zyklus, der immer noch einer der beten ist.


    John Doe

    Hier stimme ich gerne zu! Immer wieder faszinierend, zumal die abgebildete, remasterte Version.

    Ich dachte schon, Hänsel und Gretel, Waldteufel, Strauss und Offenbach machen das Rennen ;-)

  • Ich besitze sehr viele Aufnahmen von Karajan. Einige der für mich unverzichtbaren sind schon genannt worden, die Beethoven Zyklen, la Boheme etc.
    Ich möchte noch eine weitere nennen - der überwältigende Boris Godunov mit dem bulgarischen Bass Nicolai Ghiaurov in der Titelrolle:
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    Kaum zu glauben, dass diese orchestral wie vokal phänomenale Einspielung beim Werbepartner nicht verfügbar ist - vielleicht in anderer Aufmachung? Auf die schnelle habe ich es nicht gefunden. Hier jedenfalls dirigiert Karajan die Wiener Philharmoniker souverän, er beherrscht die majestätischen, ehrfurchtgebietenden und klangmächtigen Momente genauso virtuos wie die zarten, romantischen und weichen Passagen. Neben dem sonoren, prachtvollen Organ verfügt Nicolai Ghiaurov auch über die notwendige Einfühlung, um die Rolle in aufwühlender, erschütternder Art und Weise zu präsentieren, bestens unterstützt von dem vibrieirenden, brausenden, gurrenden und schmeichelnden Orchester, ein mitreißendes Porträt. Auch die anderen Rollen sind mit großartigen Sängern (Talvela, Spies, Wischnewskaja) besetzt. Eine Sternstunde der Operneinspielung.

  • Eigentlich finde ich die Idee des Threads sehr gut.


    Bisher nehme ich allerdings nur die Brucknerausgabe mit, weil keiner widerspricht ;).


    Um es aber am Ende nicht bei einem Bild der Box zu belassen, möchte ich noch ein wenig zur Sinfonie Nr. 7 sagen, die ich in dieser Aufnahme früher sehr gerne gehört habe.




    Die Aufnahme enstand im März 1962 in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem, einem zwar hässlichen, aber akustisch sehr wirkungsvollem Aufnahmeort, der auch heute noch gerne genutzt wird. Das Remastering ist für eine Aufnahme dieses Alters ganz vorzüglich gelungen. Natürlich habe ich mir die Einspielung noch einmal angehört. Notentreue kann ich nicht beurteilen, noch viel weniger, ob das Klangbild Beethovens Wünschen entsprochen hätte :)


    Was ist das Faszinierende? Der Kollege Thomas Pape schrieb an anderer Stelle, dass Karajan malen würde. Tatsächlich erzeugt er Klangschichten (die Streicher spielen hier eine überzeugende Rolle) zum Teil mit Abgrenzungen von Solostimmen. Man fühlt sich einem Orchesterblock, besser Orchesterblöcken gegenüber. Es ist fast das Gegenteil von Transparanz aber immens beeindruckend. Dazu schafft das Orchester gewaltige Dynamiksprünge mit einer Präzision, die auch in der vielleicht etwas verwöhnteren Jetztzeit noch beeindrucken können.


    Der erste Satz vermittelt etwas von einer Urgewalt, die man problemlos mit Beethoven zusammenbringen kann, der Schlusssatz vollendet das in gewisser Weise. Das mutet absolut nicht verstaubt an, wie es mir manchmal mit älteren Einspielungen seiner Sonaten geht. Den zweiten Satz, für mich der wichtigste der Sinfonie, handhabt Karajan auch mit dieser "Schichtentechnik", er versieht dieses passacagliaartigen Schreiten mit einer vorwärtsdrängenden Dynamik. Anders als zum Beispiel bei Järvi, vermittelt Karajan in allen Steigerungen, aber auch in den ruhigeren Stellen immer einen Impuls, als würde alles einem (noch nicht erkennbaren) Ziel zusteuern. Das zieht sich in den dritten Satz herein. Orchesterierungsdynamik , aber auch die rhythmische Dynamik ordnen sich diesem Ziel unter. Das empfinde ich schon als singulär.


    Ich hoffe ich habe ein wenig meine Begeisterung für die Einspielung verständlich machen können. Leider kenne ich natürlich nicht so viele Beethoven Einspielungen der Sinfonien, wie meine werten Kollegen. Für Ergänzungen wäre ich dankbar.

  • Bisher nehme ich allerdings nur die Brucknerausgabe mit, weil keiner widerspricht ;).

    Als verrückter Sammler habe ich Karajans Bruckner-Zyklus natürlich auch und gebe ihn nicht wieder her. Aber unverzichtbar finde ich den auf gar keinen Fall.

    Er hat Jehova gesagt!

  • Schwer, jetzt etwas pauschales über den ganzen Zyklus zu sagen, 4 und 9 finde ich völlig verkorkst, die anderen teilweise zu viel verchromt, also erdrückend im Blech und die Streicher decken zu viel zu.

    Einzelne Bruckneraufnahmen Karajans finde ich durchaus gut bis sehr gut, aber diesem DG-Zyklus kann ich nicht viel abgewinnen wegen Karajans Klangästhetik kombiniert mit der DG-Aufnahmetechnik.

    Er hat Jehova gesagt!

  • Für mich wohl Karajans beste Aufnahme einer Bruckner-Sinfonie: Die Achte mit den Berliner Philharmonikern für EMI Electrola (Aufnahme: Grunewaldkirche, Berlin, 23.-25. Mai 1957 STEREO). (Neben dem erwähnten Finalsatz der Achten von 1944 als Sonderfall.) Das haben die beiden späteren Einspielungen für DG (1975 und 1988) m. E. nicht mehr toppen können.


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    »Und besser ist's: verdienen und nicht haben,

    Als zu besitzen unverdiente Gaben.«

    – Luís de Camões

  • Wenn man über die unverzichtbaren Herbetr von Karajans rede, dann darf diese Platte nicht fehlen: 1966 nahm Karajan die 10. Sinfonie von Dimitri Schostakowitsch ein. Ichj bezweifle, dass dieses Musikereignis wiederholbar war, aber diese Aufnahme hat für mich Ausnahmerang. Vor allem der zweite Satz ist es den Atem still stehen lässt. Aber auch der Rest der Sinfonie ist eine besondere Klasse für sich. Wie so oft hat Karajan die 10. von DS noch einmal digital aufgenommen. Die ist beim Werbepartner auch verfügbar. Die ältere seltsamerweise nicht.



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zurück ins Jahr 1961 und zu einer Platte, die meine Großeltern in mono besaßen, die aber sehr wohl als stereo-Version zu bekommen war: Karajan mit einem reinen Liszt-Programm, abgesehen von der Ungarische Fantasie mit Shura Cherkasky am Flügel lauter instrumentiere Klavierwerke. Großes Kino bei "Mazeppa" und Wehmut, Trauer und Hoffnung in der 5. Ungarischen Rhapsodie, Karajan entfesselt sein ganzes Instrumentarium der Klangmagie. Das muss man hinkriegen wollen und können. Ich frage mich bewusst nicht, was Liszt dazu gesagt hätte, die Platte steht unveräußerlich in meinem Plattenschrank.



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

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