Wenn der Mist überlebt - die überschätztesten Komponisten der Musikgeschichte

  • Ich sitze eben vor einer Aufnahme der "Dante-Symphonie" von Liszt - Korrektur: Ich saß davor, soeben habe ich den Schlussakkord hinter mich gebracht - und frage mich wieder einmal, wieso so etwas überleben konnte. Instrumentierung einfallslos, Thematik bestenfalls bedingt interessant, Harmonik - lieber nicht darüber reden. Jeder Takt von Berlioz steht über diesem Liszt!


    Aber da inspiriert mich dieser Liszt doch zu diesem Thread. Nennt doch bitte die drei in Euren Ohren überschätztesten Komponisten der Musikgeschichte. Aber nicht einfach aufzählen, sondern begründen! Warum könnt Ihr die Musik dieser Kerle einfach nicht verkiefeln?
    Ach ja - und bitte nicht irgendwelche Kleinmeister ins Treffen führen. Hier ist Revolution angesagt. Runter vom Sockel mit den Göttern der fünf Linien!


    Darf ich den Anfang machen?


    Liszt habe ich erwähnt.
    Nummer zwei ist bei mir Richard Strauss. Toll instrumentieren konnte er ja. Und seine Begabung, eine nebensächliche Figur aufzuplustern, ist einzigartig. Für mich ist sein charakteristischestes Werk "Schlagobers". Der Titel sagt alles.
    Nummer drei ist Brahms. Kopierter Schumann. Ja, ich weiß, handwerklich perfekt. Fabelhaft durchgearbeitet, jedes Tonfragmentlein auf ein Thema bezogen - ich zähl's auf und mich erfasst die Müdigkeit. Es liegt nicht am Frühjahr. Es liegt an Brahms.


    Und nun her mit Euren Outings!

    ...

  • ...aber Dein Titel ist besser... :D


    Ich mag dieses Wort "Mist" sehr gerne...


    :hello:

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallo Edwin,


    mit Liszt und Strauss gehe ich konform. Wenn ich die beiden Es-Dur-Klavierkonzerte von Liszt höre, frage ich mich, was daran jetzt so toll sein soll.
    Strauss ist auch so eine Sache, da ist viel Instrumentenwust, man findet sich kaum zurecht, Melodien wollen nicht richtig zustande kommen, Wiedererkennung bei mir nahezu ausgeschlossen.


    Dass ich dir bei Brahms nicht beipflichten kann, dürfte bekannt sein. Ich liebe diese Mischung aus Lieblichkeit und Knorrigkeit, kombiniert durch die perfekte Technik, lässt mich das jedes Mal mit Staunen zurück.


    Einen dritten von mir weniger geschätzten Komponisten möchte ich nennen: Frédéric Chopin.
    Mit Ausnahme der Klavierkonzerte, die ich wirklich sehr gerne mag, weiß ich immer noch nicht, was an seinen zahllosen Mazurken, Walzer und Nocturnes dran sein soll. Normalerweise komme ich ja einem Komponisten näher, wenn ich ihn selber spiele, aber bei Chopin bleibt das zumeist aus. Das sind mir persönlich einfach zu viel Verzierungen, die mir nichts sagen, mich nicht weiterbringen.



    Gruß, Peter.



    P.S.: Ich bin übrigens gegen eine Zusammenlegung, da es hier um überschätzte Komponisten geht und im anderen Thread eher um persönliche eigene Vorlieben bzw. das Gegenteil davon.

  • Ich finde die Themenstellung eine ganz andere:


    Während der erste Thread mit subjektiivem Gusto beschäftigt, soll der von Edwin sich mit Qualität beschäftigen......


    Bei Liszt kann ich Edwin in vieler Hinsicht beipflichten - sogar bei vielen seiner Klavierwerke. Ich habe mich oft gefragt, warum all die Paraphrasen und Tanskriptionen sowie Bravourstücke "Meisterwerke" sein sollen ?"


    Aber es gibt sicher noch genug anderes...


    morgen Abend mehr von meiner Seite


    LG


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • hallo, mit allen dreien gehe ich nicht konform ...


    bei liszt gibt es natürlich einige - nicht gerade wenige - werke der mittelsten mittelmäßigkeit aber eben auch großartiges, höchst modernes (späte klavierwerke)


    bei chopin dachte ich das in meiner jugend auch, bis ich irgendwann feststellte , wann!!!!!! er diese werke schrieb ...also, auch weit in die zukunft weisend ...aber gerade die kl.konzerte hingegen finde ich stinklangweilig und belanglos


    bei brahms hatte ich ebenfalls über 10 jahre schwierigkeiten, jetzt verehre ich ihn sehr ...auch wenn es hier zuweilen zu langweilanfällen kmmt (violinsonaten, einige der trios etc.)


    bei mir eher:
    vivaldi, viel händel, telemann, einiges an haydn und auch mal mozart, der frühe schubert, viel bellini und donizetti, einiges an dvorak, strawinsky etc....pp... :hello:

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Zitat

    einiges an haydn und auch mal


    Jeder große Meister hat schwache Nebenwerke geschaffen!


    Liszt, Brahms und Strauss sind meiner Ansicht nach natürlich große Meister, wenn auch nur Brahms in der allerersten Reihe (neben ..., Chopin, Schumann, Wagner, Bruckner, Mahler, Debussy, ...) stehen darf.


    Ebenso sind Vivaldi, Händel und Telemann große Meister, wenn auch nicht unbedingt in der allerersten Reihe neben Bach.

  • "Kopierter Schumann" wundert mich schon sehr von einem Komponisten...m.E. sind die Ähnlichkeiten nur sehr oberflächliche. Brahms war genau da gut, wo Schumann fast immer Schwächen zeigt: relativ lange, dicht strukturierte Sonatensätze u.ä. M.E. ist er diesbezüglich praktisch jedem Zeigenossen (klarerweise auch Bruckner und Dvorak) weit überlegen. Hier hat er Beethoven erreicht, wenn auch gewiß nicht dessen Energie und Unmittelbarkeit. Ich glaube auch nicht, dass es sich hier um unwichtige "technische" Perfektion handelt. Ich bin kein Musiker, ich höre sowas im Zwiefel eh nicht. Aber auch ohne Analyse zeigt sich beim Hören der Unterschied von Brahmsscher Konzentration und der teils ziellosen Weitschweifigkeit anderer.
    Ich glaube nicht einmal, dass es ihm wirklich an "Einfällen" mangelte (trotz eigener solcher Zugeständnisse und der Krtik der Wagnerianer); besonders der frühe Brahms, aber auch der Komponist vierl Lieder, der Violin- und Klarinettensonaten zeigen berückende melodische Einfälle. Es widersprach einfach seinem "handwerklichen" Ethos, sich auf "Einfälle" zu verlassen.
    Allerdigns muß ich einräumen, dass Brahms in meiner Gunst etwas gesunken ist, nachdem er vor Jahren mein Lieblingskomponist nach Beethoven war.


    Bei Liszt und Strauss neige ich dazu, beizupflichten, wenngleich ich ehrlicherweise einräumen muß, einen großen Teil ihrer vermutlich besten Werke (Strauss Opern, Liszt Klavierwerke) nur recht oberflächlich oder gar nicht zu kennen. (Im Fall sinfonischer Dichtungen bin ich auch immer noch nicht ganz sicher, ob nicht das Genre schuld ist...)


    Ich halte kaum bekannte Komponisten, deren Werke ich gut kenne, für überschätzt (und solche, die ich nicht besonders toll finde werden meist auch allgemein nicht hoch geschätzt).
    Eine Ausnahme ist vielleicht Bruckner. Ich halte ihn für einen großartigen Komponisten, dennoch überschätzt, was aber vielleicht mehr an dem teils bizarren Gebaren einiger Brucknerianer liegen mag.
    Die letzten drei Sinfonien sind weitgehend grandios, aber der Rest weist doch etliche Schwächen auf, die auch ziemlich offen zu Tage liegen: Weitschweifigkeit, Wiederholungen, Unfähigkeit zu mehr als einigen wenigen "Typen" von Sätzen (und thematischen Charakteren), Unfähigkeit "schnelle" Sätze zu schreiben. Dass dabei dennoch sehr viel tolle Musik herausgekommen ist, ist bemerkenswert, aber die Faszination, die er auf einige auszuüben scheint, kann ich nicht ganz nachvollziehen.
    Ich hatte vor über 10 Jahren einen Kommilitonen, der durch einen gemeinsamen Freund mit Bruckners Musik bekannt gemacht wurde und begeistert war; er spielte zwar Keyboard und war recht musikalisch, hatte aber mit Klassik sonst nichts am Hut und so weit ich weiß, bliebt es auch im Wesentlichen bei Bruckner...


    Zu Chopin nur kurz: ich bin inzwischen der Ansicht, dass er einer der am meisten unterschätzten Komponisten ist. Er steht ziemlich quer zu der "deutsch-östereichischen" Traditon und besonders, wenn man mit "großen" Sinfonien aufgewachsen ist, hat man irgendwie Probleme kleinere Formen für voll zu nehmen (so ging es mir früher auch). Die Konzerte schrieb er mit 19, das sind nicht seine besten Stücke. Wem die Walzer, Mazurken etc. banal vorkommen, der sollte mit der 2. u. 3. Sonate, mit den Balladen, Scherzi, der As-Dur-Polonaise u.a. starten.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Aber, aber Herr Baumgartner! Die Aufregungen des gestrigen Tages kanalisieren wollen und mir dann mit Brahms so auf die Füßchen treten - unfein! Lieben Sie Brahms? - Aber hallo!!!


    Schließe mich dem Gesagten über Liszt dafür umso mehr an und möchte in diesem Zusammenhang noch Paganini nennen. Auch der hat - wie Liszt - ein hübsches Triangelkonzert verfasst. Flott gegeigt wird zwar dazu zwar, doch die Orchestermusiker schauen meistens ratlos im Konzertsaal umher, bis auf den Triangelisten freilich. Und auf Nachfrage bei einigen hervorragenden Geigern konnte keiner schlüssig beantworten, ob die Capricen nun Musik sind oder eine olympische Disziplin.


    Mir kann als drittes Wagner gestohlen bleiben. Wesendonk und von Bülow die Frauen ausgespannt, schreckliche Schriften verfasst und maßlos komponiert - nicht mein Typ! Auch wenn's jetzt wieder auf die Füße gibt...


    Gruß
    B.

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  • Zitat

    Ich sitze eben vor einer Aufnahme der "Dante-Symphonie" von Liszt - Korrektur: Ich saß davor, soeben habe ich den Schlussakkord hinter mich gebracht - und frage mich wieder einmal, wieso so etwas überleben konnte. Instrumentierung einfallslos, Thematik bestenfalls bedingt interessant, Harmonik - lieber nicht darüber reden. Jeder Takt von Berlioz steht über diesem Liszt!


    und wie ist es mit der h-moll-sonate?!
    außerdem ist berlioz ja auch ein großer ...

  • Hallo,


    erstaunlich, Brahms ist für mich genau das Gegenteil. Seine Musik ist die, die ich am ehesten mit "perfekt" bezeichnen würde, sie überragt alles seiner Zeitgenossen, ja eigentlich alles zwischen ihm und Beethoven.
    Seine Werke haben einen emotionalen Ausdruck wie man ihn von niemandem anderen kennt.
    Unterschätzt ist das, was mir allenfalls zu ihm einfällt... mir kommt immer das Grauen, wenn die Leute für Dvorak und Tschaikowsky schwärmen und von Brahms noch nichts gehört haben.


    Zudem hat er viele Gattungen auf ihren Höhepunkt gebracht, wie z.B. die Violinsonate, das Violinkonzert oder die Klavierkonzerte (deren Höhepunkt allerdings auch schon bei Beethovens 5. erreicht wurde)

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Hallo!
    Bin ja grad voll entsetzt, dass es ein Triangelkonzert gibt... Wollte ja eigentlich mal selbst so was schreiben ;-)
    Ich kann, um mal zum Thema zu kommen, mit Wagner sowas von gar nichts anfangen! Ich finde die Opern schlicht und einfach absolut unmusisch. Das Orchester wird zum bloßen Notenteppich degradiert, und das Schlimmste sind einfach mal die Arien. Nur noch unmusisches Gebrüll! Selbst die Wunderaufnahme von 1966 (?) - bin mir nicht sicher - mit Windgassen und Schreier ist für mich nur zum Davonlaufen.
    Ich hab mal in einer Biografie gelesen, dass Wagner nur Klavier spielen konnte und selbst das ziemlich schlecht.... Wenn das stimmt, weiß ich zumindest, warum die Opern so furchtbar klingen!
    Gruß,
    momo

    "Orgel spielen heißt, einem mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren!"
    Charles-Marie Widor

  • mit Triangelkonzert ist das Liszt Es-Dur Klavierkonzert gemeint (klar, oder?)


    die Bezeichnung ist von Hanslick (glaub ich..)



    Zitat

    Mir kann als drittes Wagner gestohlen bleiben. Wesendonk und von Bülow die Frauen ausgespannt, schreckliche Schriften verfasst und maßlos komponiert - nicht mein Typ! Auch wenn's jetzt wieder auf die Füße gibt...


    komisch, ich hab gar keine Lust, in diese und Momos Klage einzustimmen...das mit dem Frauen ausspannen gehört doch gar nicht in eine musikalische Diskussion (Zitat R.Strauss: "Capriccio"..du mußt den Menschen von dem Werke trennen..")
    , das Liebesleben eines Komponisten finde ich fast ebenso uninteressant wie das der Forianer...; oder gibts irgendwelche Einschränkungen bei Verstößen gegen das 6.Gebot ?( (ich meine das alttestamentarische, nicht die katholische Verfremdung)


    die Schriften und Aussagen sind bedenklich - ja - vor kurzem ist mir ein Marcel Prawy Buch in die Hände gefallen, in dem er erstaunliche Worte dafür findet, um das Werk Wagners zu verteidigen.


    vor die Füße oder auf die Mütze etc. gibts nichts - anderenfalls erhältst du meine volle Unterstützung gegen Fanatiker...



    unmusisches Gebrüll - selbst in meinem Haßobjekt Tristan finden sich lichte musikalische Momente. eigentlich lächerlich diese doppelte Verwendung der Liebestodmusik...


    die meisten Komponisten des 19.Jh können "nur" Klavier spielen, was ist daran schlimm...
    Außer sie verstehen nichts von der Singstimme und schreiben Fidelio... :wacky:

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • Zitat


    , das Liebesleben eines Komponisten finde ich fast ebenso uninteressant wie das der Forianer...;


    Hallo Wolfgang,


    wie du dir denken kannst, war das auch nicht bierernst gemeint - wie sollte ich dann sonst Schubert genießen können, den armen Tropf?


    Und das mit dem auf die Füße treten ist doch einem solchen Thread geradezu immanent. Wozu ist er sonst gut? Freuen wir uns doch nach gestern darüber, dass wir alle uns - sanft und mit einem Lächeln selbstverständlich - etwas beharken können.


    Gruß
    B.

  • Zitat

    Barbirolli schrieb:
    Mir kann als drittes Wagner gestohlen bleiben. Wesendonk und von Bülow die Frauen ausgespannt, schreckliche Schriften verfasst und maßlos komponiert - nicht mein Typ!


    1. Wesendonk?
    Meines Wissens gibt es keinen konkreten Hinweis, dass dies mehr als nur ein Wunschtraum Wagners gewesen ist.


    2. Cosima?
    Soviel ich weiß, war Cosima keine Frau, die man irgendjemandem ausgespannt hätte, wenn sie es nicht gewollt hätte. Sie war gewohnt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen...


    3. Schreckliche Schriften?
    Da dürftest du zumindest teilweise Recht haben....


    4. Maßlos komponiert?
    Das ist natürlich auch eine Frage des persönlichen Maßstabs, und ich will deinen in keinster Weise beurteilen. Es ist aber das große Geheimnis um Wagners maßlose Werke, dass sie im Erleben ihre abschreckenden Dimensionen völlig verlieren. Sie entwickeln eine Sogwirkung, der man sich schwer entziehen kann, wenn man einmal bereit ist, sich darauf einzulassen.



    Du willst eines auf die Füße? Wo ist bloß der Kerl mit der Bastonade!



    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Hallo Edwin,


    Deine Einschätzung Liszt betreffend teile ich voll und ganz, wie ich in einem früheren Thread bereits einmal dargelegt habe.


    Nun zum eigentlichen Thema: Der Titel des Threads ist natürlich sehr provokant und fordert geradezu eine Erwiderung heraus.


    Grundsätzlich: Wer will sich anmaßen, musikalische Ergüsse als "Mist" zu bezeichnen? Nur, weil sie heute nicht mehr gespielt werden? Weil sie vergessen sind? Bachs Matthäus-Passion war 100 Jahre lang mehr oder weniger vergessen, bis Mendelssohn sie, Gott sei Dank, wieder aus der Versenkung holte. Heute gilt sie als eines der großartigsten, geistlichen Chorwerke der Musikliteratur.


    Aber ich verstehe natürlich, worauf Du hinaus willst. Vor einigen Jahren brachte das Label, ich glaube DECCA, eine Doppel-CD heraus, die den viel sagenden Titel "Die vergessenen Romantiker" trug - Komponisten im "Schatten" der übermächtigen Brahms, Bruckners, Dvoraks und wie sie alles heißen. Zugegeben - das meiste war "Mist" :D - einfallslose, teilweise durchsichtig abgekupferte Themen, dilletantisch instrumentiert, allesamt meiner Meinung nach zu Recht vergessen.


    Viele Komponisten können mir "gestohlen" bleiben. Dazu gehören Leute wie Bruch, Liszt, Chopin teilweise, Pfitzner, Stockhausen, und überhaupt alle A-Tonalen, mit denen ich nicht bereit bin, meine Zeit zu verschwenden. Chopin mag virtuos sein, über weite Strecken empfinde ich seine Werke als nervöses "Geklimper", bei denen ich geneigt bin, den Pianisten zu erdrosseln. Ähnlich ergeht es mir mit Vivaldi, dessen Einfallslosigkeit meiner Meinung nach unübertroffen ist - einen derartigen Selbstplagiator habe ich selten gehört. Als Hintergrundmusik durchaus brachbar, aber oberflächlich und auf Dauer langweilig. Anders steht es teilweise mit seinen Chorwerken.


    Man sieht also, dass ein jeder seinen subjektiven musikalischen Misthaufen im geistigen Keller hat. Trotzdem habe diese Leute Töne in Musik gesetzt, eine Gabe, die den meisten hier unter uns warscheinlich nicht gegeben ist.

    Beste Grüße aus Bonn
    Matthias


    Ich tu', was meine Pflicht gebeut, doch hass' ich alle Grausamkeit (ROCCO)

  • Also ich finde überschätzt werden immer Mozart, Chopin und Wagner.
    Zu Mozart:
    Er hatte weine Fähigkeit, die kein anderer hatte, aber was ist so toll daran, die war schließlich angeboren und er hat nichts dafür getan diese fähigkeit in dem maße zu kriegen. Jedenfalls nichts aussergewöhnliches.
    Manche seiner Stücke finde ich schon gut und mitreißend, aber die klingen fast alle so, und das wird dann irgendwann langweilig und nervig.


    Zu Chopin:
    Ich finde auch manche Sachen von ihm gut, aber diese Zahllosen Träumerischen Sachen, das ist so als wenn man jeden Tag den gleichen Traum erzählt, der plätschert immer vor sich hin und irgendwann ist Ende. Seine Pianistischen Fähigkeiten trotzdem in aller Ehren, ich meine seine Etuden sind ja ein absolutes Meisterwerk.


    Zu Wagner:
    Da kann ich einfach sagen, das ich bei diesem schwammigen hin und her und da ein Vorhalt und hier und da noch einer, einfach zu gelangweilt werde um die augen aufzuhalten. Wenn man immer die Tonart wechselt, dann auch mal schnell und nicht immer so wischi waschi hin und her.
    Soll heißen es fehlt mir einfach der pepp.
    Den für mich Liszt z.B. hat.

  • Sagitt meint:


    Als Agressionsablenkung na,ja,aber in der Sache. Wer sind denn die Schreibenden, Musik als " Mist" bezeichnen zu können ?
    Ich höre nur ungern Bruckner, Wagner und manches Moderne, aber " Mist" finde ich ganz schön respektlos. Selbst, wenn der eine oder andere von uns komponiert, auf den Markt damit, und dann werden wir hören und sehen, wie das vom Publikum angenommen wird. Wir überwiegend Laien,maximal Musizierende, stände uns mit solchen Begriffen nicht ein wenigt Zurückhaltung an ?

  • Zitat

    Original von kleinershredder
    Also ich finde überschätzt werden immer Mozart, Chopin und Wagner.
    Zu Mozart:
    Er hatte weine Fähigkeit, die kein anderer hatte, aber was ist so toll daran, die war schließlich angeboren und er hat nichts dafür getan diese fähigkeit in dem maße zu kriegen. Jedenfalls nichts aussergewöhnliches.
    Manche seiner Stücke finde ich schon gut und mitreißend, aber die klingen fast alle so, und das wird dann irgendwann langweilig und nervig.


    Mach's besser...


    :P

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    (Vincenzo Geilomato Hundini)

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  • Ich hatte diesen Thread sehr früh gesehen, mich aber ehrlich gesagt nicht getraut, zu schreiben, weil ich es als Neuling anmassend finde, über Kunst den Stab zu brechen.


    Aber gestern Abend/Nacht war mein erster Gedanke:


    Brahms
    nicht nur, weil er im Kontext mit meinem Hausgott negativ stigmatisiert ist, nein, das ist es nicht. Ich habe mir mehrmals fest vorgenommen, zumindest die Symphonien näher kennenzulernen. Gehört habe ich sie inzwischen alle, aber ich finde sie steril und todlangweilig, einfach spannungslos.


    Mein zweiter Gedanke war (auch schon hier genant) Paganini, als Kind habe ich diese Wahnsinns Geigenpassagen ob der enormen technischen Erfordernisse sehr gemocht, das hatte aber noch nichts mit musikalischem Empfinden zu tun, das war so, als wenn man in einer Autozeitschrift Blder des neusten Mercedes Modell bestaunen konnte.


    Einen Dritten entdecke ich gerade, weil mich das Forum zum Zwangshören von etwas verdonnet hat, was ich mir wohl freiwillig nicht angetan hätte. Weil das Thema aber bis April 15th tabu ist, belasse ich es dabei.



    Tchaikovsky, Wagner und Chopn hätte ich hier nicht genannt.

  • Salut,


    wenn ich einen Komponisten bzw. dessen Werke nicht mag, würde ich sie nicht [zumindest nicht ohne ;) ] als "Mist" bezeichnen, obwohl mir das Wort an sich durchaus gefällt.


    In aller Regel hat jeder Komponist Höhen und Tiefen in seinem Oeuvre. Selbst bei meinen "Lieblingen" könnte ich keine genaue Abstufung vornehmen. Das, was mir nicht gefällt, brauche ich nicht zu bezeichnen. Natürlich rutscht es hin und wieder 'raus...


    LG
    Ulli

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    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Zitat

    Original von Holger_Grintz
    Brahms
    nicht nur, weil er im Kontext mit meinem Hausgott negativ stigmatisiert ist, nein, das ist es nicht. Ich habe mir mehrmals fest vorgenommen, zumindest die Symphonien näher kennenzulernen. Gehört habe ich sie inzwischen alle, aber ich finde sie steril und todlangweilig, einfach spannungslos.


    Brahms muss man sich öfter anhören. Die Werke gefallen einem mit jedem Mal Hören besser. Ehrenwort.

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Lieber Edwin,


    die Art und Weise, wie Du Heroen der abendländischen Zivilisation, ja Säulen der Kulturgeschichte der Menschheit... ich fasse es nicht... bin empört...mir fehlen die Worte, uff... :D :rolleyes:


    Jetzt schieße ich mal gleich zurück:


    1. Schostakowitsch: Bolschewistischer Produzent von Krach und Lärm, Besitzer von Aktien diverser Firmen, die Blechblasinstrumente herstellen, daher künstlerisch nicht zu begründendes Übergewicht dieser Instrumentengattung in seinen Tonballungen, die zu Unrecht als angebliche Symphonien hohes Ansehen genießen. Ich kann sie nur mit Ohrenschützern und bis zum Anschlag gegen den Uhrzeigersinn gedrehtem Lautstärkeregler ertragen. Der Mann hätte beim Streichquartett bleiben sollen.


    2. Taverner (der zeitgenössische): Englischer Exzentriker, der mit pseudo-weihevollem Touch Geschäfte macht und meist religiös angehauchten Edelkitsch produziert. Sozusagen der Pfarrer Fliege der Musikszene.


    3. Cage: Yankee und musikalischer Guru. Lebender Beweis, daß richtige theoretische Überlegungen zur Musik künstlerisches Talent nicht ersetzen. Begründer des musikalischen Dekonstruktivismus. Leider schaffte er es dann aber nicht, die reinen und elementaren Bestandteile der Musik einschl. der Stille wieder in richtige Musik zusammenzusetzen. Größter Hit: 4`33 . Dieses Werk hätte mindestens 8`45 dauern müssen. Schade auch, daß Schostakowitsch sich dieses Werk nicht zum Vorbild für seine Symphonien genommen hat.

  • So ein bisschen frage ich mich, welchen Sinn ein solcher Thread macht. Wenn er noch ein bisschen läuft, wird irgendwann einmal jeder große Name der klassischen Musik genannt worden sein, weil sich dann irgendeiner getraut haben wird, ihn als überschätzt zu bezeichnen.
    Ich finde es sympatischer, statt dem objektiv erscheinenden Begriff "überschätzt" den subjektiven "sagt mir nichts" oder so zu verwenden. Dann täte ich mich leichter, Namen wie Schoenberg, Prokofjev, Bartok,Wagner oder von mir aus auch Liszt (dessen Klavierkonzerte ich aber scheinbar im Gegensatz zu fast allen sehr mag) in die Diskussion zu werfen... :stumm: :baeh01:

    Herzliche Grüße
    Uranus

  • Zitat

    Original von Uranus
    So ein bisschen frage ich mich, welchen Sinn ein solcher Thread macht. Wenn er noch ein bisschen läuft, wird irgendwann einmal jeder große Name der klassischen Musik genannt worden sein


    Das ist doch bei allen diesen Threads so. Als letzthin nach einem Mozart für die einsame Insel gefragt wurde, war auch nahezu sein ganzes Schaffen genannt worden. Es macht halt Spaß, und es fallen doch immer ein paar Namen und Argumente, die man so vielleicht nicht erwartet hätte.

  • @Robert,
    schau, in der Sowjetunion gab's doch Fünfjahrespläne. Und Du weißt doch, dass die Plansolls immer zu 150 Prozent erfüllt wurden. Wohin mit alle den Musikinstrumenten, wenn nicht einer die entsprechende Musik dafür schreibt? Ich muss gestehen, ich mag das.
    Tavener und Cage - da gebe ich Dir recht.


    Aber was habt's Ihr alle gegen den Paganini? Bitte...! Ohne ihn hätten weder Rachmaninow noch Blacher ihre Meisterwerke geschrieben. (Allerdings hätte dann auch Webber sein Cellokonzert nicht verfasst - ich glaube, ich hab' jetzt auch was gegen Paganini...)


    LG

    ...

  • Ich möchte zwei Dinge zu diesem Thread sagen:


    Zum ersten war Edwins Titel ,mit "Mist" darin teilweise bewusst provokant
    formuliert, zum zweiten hat er sicher nicht Komponisten gemeint, die man nicht mag, sondern die mal als "Mist" betrachtet oder sagen wir mal, als "minderwertig"


    Ich glaube kaum, daß je jemand Mozarts Musik allen Ernstes als "minderwertig" bezeichnet hat - auch wenn er sie nicht mochte.


    Wagners Musik (ob zu recht oder zu unrecht - das ist hier nicht das Thema) wurde oft als "Schund" oder "Mist" bezeichnet.


    Aber auch Mahler wurde nicht verschont - wir haben das im neuen, derzeit parallel laufenden Mahler-Thread schon besprochen.


    Als minderwertig und langweilig wurde auch oft Pfitzners Musik bezeichnet, Musik die eigentlich niemand so recht liebte.......


    Wie schauts mit Furtwängler Sinfonien aus ? - mich langweilen diese IMO schlechten Bruckner-Verschnitte............


    Brahms wird kaum je als Mist bezeichnet - aber gelegentlich als knorrig und sperrig. Ich hatte jahrelang keinen Zugang zu seinen Sinfonien...


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    @Robert,
    schau, in der Sowjetunion gab's doch Fünfjahrespläne. Und Du weißt doch, dass die Plansolls immer zu 150 Prozent erfüllt wurden. Wohin mit alle den Musikinstrumenten, wenn nicht einer die entsprechende Musik dafür schreibt? Ich muss gestehen, ich mag das.


    Also, ich kenne das mit der Planerfüllung immer so: Plansoll 100%, vorgegeben von der Partei 150%, noch oben gemeldet 300% und das auch noch vorfristig, tatsächlich produziert 70%, beim Endkunden angekommen 35%, der Rest auf dem Transport "verschwunden".


    Der Fachbegriff lautet wohl "tuchta", oder auf Deutsch "Der große Schwindel".
    So gesehen hätte Genosse Dmitrij Dmitrijewitsch allenfalls eine Trompete und sonst nur Piccoloflöten zur Verfügung haben dürfen 8)


    Aber im Ernst: Es hängt mit meinem Widerwillen gegen laute Blechbläsermassen zusammen, wenn Schosti hier auftaucht. Zwar gilt das prinzipiell auch für etliche andere moderne Komponisten, aber bei keinem ist IMHO die Diskrepanz zum anderen Werk so groß. Die Streichquartette: Ein Universum an Klang, Stimmung, Farben, kurz, ganz große Musik. Die Symphonien dagegen (na ja, nicht alle): Lärmend, grell, platt.

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