Verschiedenartige Interpretationen als Schlüssel zum Werk ?

  • Liebe Forianer,


    Immer wieder lese ich, daß ein Forianer eine Aufnahme eines Werkes erworben habe, damit restlos glücklich sei - und keine weitere mehr benötige.


    Das ist durchaus verständlich, legitim, und brieftaschenschonend.
    Ich behaupte jedoch, daß dem Klassikliebhaber in solchen Fällen eine Menge an Feinheiten entgeht - sie dringen nur in Ausnahmefällen zum Kern des Werkes vor.


    Ich meine - um beispielsweise Mozarts Sinfonien wirklich zu kennen - bräuchte man eine kleine Palette von Aufnahmen, nur sie gäbe Gewähr, daß man , wenn auch nicht alle- so doch viele Facetten des Werkes sichtbar machen könnte. -Das gilt natürlich für alle Werke, aller Komponisten...


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    ... daß dem Klassikliebhaber in solchen Fällen eine Menge an Feinheiten entgeht.....


    Zitat


    Ich meine - um beispielsweise Mozarts Sinfonien wirklich zu kennen - bräuchte man eine kleine Palette von Aufnahmen, nur sie gäbe Gewähr, daß man , wenn auch nicht alle- so doch viele Facetten des Werkes sichtbar machen könnte.


    Guten Morgen Alfed!


    Den beiden Aussagen sitmme ich im Großen und Ganzen zu. Habe selbst häufig die Erfahrung gemacht, daß sich beim Hören weiterer Interpretationen eines bereits bekannten Werkes durchaus "Aha-Erlebnisse" einstellen können - handelt es sich um Orchesterwerke, wo der mir bekannten Aufnahme eine gewisse Transparenz entgeht und die ich dann in einer anderen entdecke ergibt sich nicht selten ein ganz neuer Sinnzusammenhang. Aber natürlich nicht nur bei fehlender Transparenz. Vor allem unterschiedliche Nuancen und Schwerpunktlegung eines Interpreten legen dann verschiedene Facetten frei. Passendes Stichwort auch: Agogik. Diese Unterschiede werden IMO natürlich umso sichtbarer je luzider eine Orchesterpartie, je solistischer ein Werk angelegt ist.
    Ich war wie elektrisiert als ich zum ersten mal im Fernsehen eine Probe von Debussys Nocturne unter Inghelbrecht sah. Ich dachte, ich würde dieses Werk in -und auswendig kennen. Pustekuchen. Was Mr. Inghelbrecht dort machte, war schier unglaublich. Unglaublich schön und irgendwie unglaublich anders. Ich erfuhr dann, daß Inghelbrecht Debussy noch persönlich kannte - vermutlich ist seine Interpretation der Intention Debussys am nähesten.


    Zitat

    - sie dringen nur in Ausnahmefällen zum Kern des Werkes vor.


    Ich tue mich schwer mit dem Begriff des "Kern" eines Werkes.
    Wenn man Deinen Gedanken fortspinnt, müßte das ja bedeuten, daß die hörende Zunft in früheren Zeiten - so z.B. bei Mozart - sei es aufgrund mangels an Aufführungen oder eher an Möglichkeiten, diese Aufführungen aufzusuchen nie zum Kern eines Werkes vorgedrungen zu sein.
    Wie auch immer, IMO ist ein musikalisches Werk nicht in einem "Zwiebel-Prinzip" zu verstehen. Erst all die unterschiedlichen Schichten abblättern um sich langsam dem "Kern" des Werkes zu nähen. (Ja, ich weiß, Zwiebel hat keinen Kern :))
    Vielmer stehen für mich die unterschiedlichen Interpretationen nebeneinander - sie enthüllen verschiedene Facetten - aber die Summe aller Facetten fürht für mich zu keinem Kern.



    Zitat

    -Das gilt natürlich für alle Werke, aller Komponisten...


    Das würde so radikal nicht unterstreichen wollen.
    Wie siehts da z.B. aus mit Steve Reichs Come Out oder It's gonna rain?? ;)


    LG aus Berlin
    Wulf

  • Salut,


    ich denke, es gibt viele Schlüssel zum Werk - bei mir sind es die Noten selbst, die für mich alles aussagen, bei anderen mögen es verschiedene Interpretationen sein. Ich bin dann, schlussfolgernd, einseitig - weil ich nur das lese/hören, was ich möchte oder was mir durch das Notenbild auffällt. Ich sehe das für mich als einen Vorteil - für einen Egoisten perfekt.


    Sicher formen die Interpreten ein Werk für den Zuhörer in unterschiedlichster Weise, sei es im Tempo, feine Nuancen bei Auszierungen, Aussprache der Gesangstexte, alte oder neue Instrumente... da kann ein Werk schonmal schnell ein ganz neues sein. Ich glaube das gerne.


    Dass ich keine verschiedenen Interpretationen bewusst sammele, mag vielleicht auch die "Angst" davor sein - dass "mein" Werk plötzlich so anders ist, als ich es jahrelang dachte. Ich lasse mich da ungern auf etwas ein...


    Viele der Einspielungen von Komponisten des 18. Jahrhunderts, die gerade "wiederentdekct" werden, sind einmalig - will meinen, es gibt sie derzeit in nur einer Einspielung. Hier ist es für den "Nurhörer" sicherlich schwierig, bei einer unpassenden Interpretation ein Werk als solches zu mögen - ein Beispiel:


    Zitat

    Auch musikalisch hätte mich diese Aufnahme, wenn ich nicht vorher die Kölner gehört hätte, zum klaren Ablehnen von Kraus geführt. => einfach nur langweilig.


    Das wäre natürlich extrem schade gewesen. Aber in einem solchen Extremfall überlege auch ich selbst, ob nicht eine andere Aufnahme mir mehr gibt.


    Trotzdem sage ich: Zum Glück sind die Geschäcker der Interpreten und Hörer unterschiedlich - so kann jeder seine Wahl treffen.


    Cordialement
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallo Forianer,


    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Ich behaupte jedoch, daß dem Klassikliebhaber in solchen Fällen eine Menge an Feinheiten entgeht


    Da kann ich Alfred nur voll und ganz zustimmen! Auch wenn ich bisher nur wenige Werke in mehr als einer Aufnahme habe, bin ich bestebt, allen Werken, mit denen ich mich näher beschäftigen möchte, mind. noch eine 2. hinzuzufügen.


    Bei allen Werken, die ich mehrfach habe (u.a. Tschaikowskis 4.,5. u. Klavierkonzert No.1; Dvoraks 9.; Ma Vlast; Beethovens Sinfonien), bin ich froh, dass es so ist, da sich die einzelnen Aufnahmen zum Teil sehr start voneinander unterscheiden und ich somit komplett verschiedene Sichtweisen von einem Werk bekomme.



    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    ...sie dringen nur in Ausnahmefällen zum Kern des Werkes vor.


    Hier kann ich nicht ganz zustimmen. Ich denke, da wäre zunächst zu klären, ob nicht bei vielen Werken der Kern ein sehr subjektiver ist - verschiedene Aufnahmen können zu verschiedenen "Kernen" führen.


    Aber das ist nun wieder der Punkt, der die Sache mit den verschiedenen Aufnahmen so interessant macht: Man lernt dadurch Neues und Interessantes kennen und kann sich somit bedeutend besser ein eigenes Bild von diesem Werk machen!


    Leider kann ich nicht wie Ulli das ganze per Noten machen, da ich diese nicht lesen kann (das ist ein Punkt den ich ändern möchte - weiß nur noch nicht wie). Deswegen bleibt mir nur der Weg über die verschiedenen Aufnahmen.


    Herzliche Grüße


    Stephan

    "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum." - Friedrich Nietzsche

  • Zitat

    Original von thalion
    Leider kann ich nicht wie Ulli das ganze per Noten machen, da ich diese nicht lesen kann (das ist ein Punkt den ich ändern möchte - weiß nur noch nicht wie). Deswegen bleibt mir nur der Weg über die verschiedenen Aufnahmen.


    Es ist nicht schwierig Notenlesen zu lernen und mit etwas Übung kann man auch eine Partitur beim Hören mitverfolgen (kann ich einigermaßen).
    Es gibt ein sehr ordentliches Buch zur Einführung hierzu von Michael Dickreiter.


    Eine Partitur so zu lesen, dass man weiß wie es klingt, ohne sie je gehört zu haben, kann man m.E. nur durch jahrelanges eigenes Musizieren (möglichst auch ein Melodie und ein "Akkordinstrument"), Partiturspielen usw. erreichen. Das werde ich gewiß nicht mehr erreichen, auch wenn ich morgend anfangen würde, Klavier zu lernen (einige Jahre Klarinette haben mich dazu jedenfalls nicht annähernd in die Lage versetzt).


    Auch achtbare Komponisten und Dirigenten hatten nicht alle in gleicher Weise zuverlässig "innere Ohren"; viele komponierten am Klavier, nicht "im Kopf" oder am Schreibtisch. Nicht selten wurden Instrumentation u.ä. bei den ersten Proben nochmals revidiert. Und ich kenne einige professionelle Musiker, die das Lesen keineswegs als vollwertige Alternative zum Hören oder Musizieren sehen. (aus theoretischen Gründen bin ich überdies der Ansicht, dass eine Partitur nicht mit dem Musikwerk identisch ist. Ein Musikstück ist, vielleicht mit einigen Ausnahmen erst "voll da", wenn es musiziert wird.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo allerseits,


    ich kann Alfred nur beipflichten, dass erst die Existenz vieler Interpretationen, aus einem Werk einen Kosmos werden lassen. Je mehr schlüssige Interpretationen möglich sind, um so interessanter finde ich ein Werk. Deshalb liebe ich z.B. die Sendungen im Radio, wo Aufnahmen verglichen werden. Joachim Kaiser hat sich da mal den Beethoven-Klaviersonaten angenommen und was da alles herauskam ist atemberaubend. So unterschiedliche Versionen gibt es da und doch versucht irgendwie jeder, der Musik gerecht zu werden. Nur eben durch die unterschiedliche Schulung, Bildung, Beherrschung der Technik, kommt eben etwas andere heraus. Spannend war auch der Opernvergleich "Entführung aus dem Serail" neulich in B4 Klassik. Dem entgegen steht die Aussage von Sergiu Celibidache, der einmal sagte, "es gibt nur eine "richtige" (=wahre) Interpretation". Wie hat er das wohl gemeint?

  • ich könnte mir nicht vorstellen, nach aufnahmen zu suchen, nur um andere Facetten eines Werks kennenzulernen. (ich nehme auch nicht an, daß du das gemeint hast, Alfred!)


    immerhin ist bei anderen Sichtweisen die Gefahr groß, daß es mir nicht gefällt - dann landet die CD irgendwo im Eck oder an der untersten Stelle des Stapels...


    wahrscheinlich ist es sinnvoll, sich auch auf das einzulassen, was man spontan ablehnt - aber ich denke, daß ich z.B: nicht diverse romantisierenden Bach-Aufnahmen hören muß, um diese Facette zu kennen...


    wir müssen IMO bei der Kunst nicht neutral sein und alles akzeptieren...




    Zusatz:
    ein Interpretationsansatz läßt sich folgendemaßen beschreiben:


    strebe ich ein Extrem an, oder einen "goldenen Mittelwert"?


    beides ist zulässig und "richtig", aber eben grundverschieden...


    mit dem ersten Ansatz riskiert man, wegen der radikalen Haltung die Hörer zu verschrecken...


    mit dem zweiten, als Kompromiß angesehen zu werden und damit an Glaubwürdigkeit zu verlieren...

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

  • (Die "Kern"-Diskussion führt m.E sehr weit, da möchte ich nicht drauf eingehen).
    Ich bin in dieser Frage gespalten: Einerseits halte ich es (besonders bei einem Anfänger in der klassischen Musik) für eher unwahrscheinlich, dass er von einer "falschen" Interpretation so abgestoßen ist, von einigen extremen Fällen mal abgesehen (etwa Goulds Mozart-Sonaten oder Bach u. Händel von Furtwängler u.ä. dirigiert).
    Andererseits habe ich natürlich auch etliche Werke in zig Aufnahmen und finde Vergleiche interessant. Hier zeigt sich allerdings das von Tastenwolf genannte Phänomen: Mit einiger Erfahrung bildet man selbst eine Idee eines Stückes aus oder jedenfalsl gewisse Vorlieben für bestimmte Interpretationen und will von gegensätzlichen vielleicht nichts mehr wissen. Ich brauche einfach keine Eroica mit einem auf knapp 20 min gedehnten Kopfsatz, weil das meinen Präferenzen zuwider ist; ebenso ein gut Teil gemütlicher Mozart-, Haydn-, oder Schubert- Lesarten. Entsprechend ist mitunter, obwohl ich 5-10 Einspielungen etwa einer Beethovensinfonie da habe, das Spektrum recht eng...
    Gar nicht so selten bin ich entweder mit einer oder zwei Einspielungen so zufrieden, dass es mir reicht, oder ich habe Alternativen nur weil ich mit keiner wirklich zufrieden bin (besonders bei Opern u. Oratorien...)



    viele Grüße


    JR

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  • Hallo Alfred,


    ich bin ganz Deiner Meinung, deshalb habe ich von meinen "Lieblingen" Mahler und Beethoven mittlerweile auch jeweils ca. 10 Gesamteinspielungen der Symphonien und noch etlich Einzelaufnahmen. Die künstlerischen Intentionen sind jedesmal andere, die Herangehensweise verschieden, bei Mahler vielleicht noch mehr als bei Beethoven.


    Eine Tendenz habe ich alleridngs bei neueren Aufnahmen festgestellt: Heute versucht fast ein jeder, einzigartig zu sein, sei es durch das Studium der Orginalpartituren, wo sich ein jahrzehnte gespielte fis auf einmal als Fliegendreck herausstellt oder er versucht besonders orginell zu sein, indem er eine neue, revidierte Ausgabe zu Hand nimmt und in Beethovens IX. Symphonie im zweiten Satz den Takt 117 an einer Stelle wiederholt, die jahrzehntelang übersehen wurde - ob`s schlüssig ist, oder nicht, ist dabei manchmal wurscht - hauptsache neu und orginell.

    Beste Grüße aus Bonn
    Matthias


    Ich tu', was meine Pflicht gebeut, doch hass' ich alle Grausamkeit (ROCCO)

  • die Sucht, originell sein zu wollen, ist ein Versuch, der übermächtigen Präsenz der "Großen Vorgänger" zu entkommen, oder justament das Gegenteil machen zu wollen...


    sich an jenen zu orientieren, kann als Schwäche gedeutet werden...


    auch hier ergeben sich wahrscheinlich zwei Tendenzen:


    an einer Tradition festhalten und sich an Vorangegangenem zu messen


    oder


    quasi im Blindflug auf die Partitur vertrauend eine eigene Deutung versuchen (diesen Weg habe ich "Ante Tamino" beschritten - ganz korrekt ist er nie - irgendwelche Vorbilder/Aufnahmen/Lehrer beeinflussen die Interpretation immer)


    gibt es in der Kunst etwas "unbeeinflusstes"?

    Im übrigen bin ich der Ansicht, dass gepostete Bilder Namen des Fotografen, der dargestellten Personen sowie eine genaue Angabe des Orts enthalten sollten.
    (frei nach Marcus Porcius Cato Censorius)

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  • Ich habe nur sehr wenige Werke doppelt oder mehrfach, fast immer, weil es in Kombination mit anderen Werken war, oder weil ich eine bessere Interpretation erhoffte.


    Das ich deshalb die Werke besser kenne als andere, glaube ich nicht.


    Was nötig wäre, wollte man ein Werk wirklich gut kennen (und da ich das nicht beruflich brauche, mach ich das nicht, weil mir zu aufwändig), ist natürlich das Studium der Partitur.


    Da ich aber hauptsächlich "Klassikliebhaber" bin, ferner Komponist und Hobbymusiker, brauche ich nicht mehrere Aufnahmen pro Werk.


    (Außerdem erspart man sich den Ärger, der sich einstellt, wenn man sieht, dass die Dirigenten sich allzuselten der Vortragszeichen wirklich ernsthaft annehmen!)

  • Ich habe mich bisher immer auf eine Interpretation beschränkt. Und habe diese bei Werken, die mich sehr ansprechen, immer wieder gehört. Immer mehr auch mit Unterstützung durch eine Beschreibung der Musik, meist in Reclams Konzertführer oder im Begleitheft der CD.


    Ich habe schon dadurch einiges intensiver / anders gehört, neue Facetten wahrgenommen.


    Aber ich will jetzt mich bei Dvoraks Cellokonzert Nr. 104 auch mal an eine ander Interpretation "wagen". Wobei ich mir gar nicht sicher bin, ob ich überhaupt Unterschiede heraus hören werde. Vielleicht nutze ich das Wochenende dazu.

    Anna-Beate

  • Zitat

    Original von Anna-Beate


    Aber ich will jetzt mich bei Dvoraks Cellokonzert Nr. 104 auch mal an eine ander Interpretation "wagen".


    Nur eine kleine - lieb gemeinte Korrektur - Du meinst sicher op. 104 - sonst würde Maik vor Freude platzen...


    :hello:

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  • Ich gestehe freimütig, daß es gerade unterschiedliche Interpretation eines Werkes waren, die meine Liebe zur klassischen Musik wieder neu entfacht hat.
    Da ich weder ausgebildeter Musiker bin noch Noten lesen kann, "höre" ich die Unterschiede.


    Und es gibt deutliche Unterschiede, in meinem Fall damals bei der Eroica, zwischen zB. Mengelberg, Furtwängler, Gardiner, Leibowitz, Walter, Enoch zu Guttenberg, Savall oder Toscanini. Bei den Brandenburgischen Konzerten zB zwischen Cortot, Furtwängler, Britten, Giardino Armonico, Harnoncourt. Bei den Bachschen Violinkonzerten zwischen zB. Huberman, Heifetz, Zehetmaier, Hahn, Manze.


    Die Unterschiede höre ich auch als Laie deutlich, und im Laufe der Zeit bildet sich ein bevorzugter Stil heraus. Das führt dazu, daß ich von einigen Werken bis zu 30 Einspielungen besitze. Man weiß dann allmählich, welcher Dirigent oder welcher Stil gefällt, und geht dann selektiver vor. Von Solti, Maazel, Muti, Abbado oder Baremboim zB muß ich nicht unbedingt eine Einspielung der Eroica haben.


    Natürlich ist es unmöglich, von jedem Stück so viele Interpretationen zu sammeln, aber das muß ja auch nicht sein. Ich achte zB bei Beethovens Symphonien oder Klaviersonaten schon darauf, die verschiedenen Interpretationstile dokumentieren zu können. Die Fachliteratur hilft einem in diesem Punkte auch weiter.

  • Zitat

    Original von Anna-Beate


    Aber ich will jetzt mich bei Dvoraks Cellokonzert Nr. 104 auch mal an eine ander Interpretation "wagen". Wobei ich mir gar nicht sicher bin, ob ich überhaupt Unterschiede heraus hören werde. Vielleicht nutze ich das Wochenende dazu.


    Du wirst mit Sicherheit.
    Unterschiede dürften zuerst dadurch hörbar sein, daß ein anderer Cellist das Werk anders "angeht" (schlanker oder "satter" Ton, Tempo etc.).


    Roberts Beispiel mit Beethoven ist ein sehr gutes, denn gerade (aber nicht nur) bei ihm kan man eklatante Unterschiede in der Interpretation feststellen. Bei den knapp 20 verschiedenen Aufnahmen von Beethovens 9. beträgt die Spielzeit ein und dessselben Werkes zwischen 60 bis 80 Minuten...

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Verschiedene Interpretationen sind - für mich auf alle Fälle - unbedingt ein Schlüssel zum Werk. Einerseits weil man manchmal eine erste Interpretation hat, die einem ein Werk nicht wirklich aufschließt. Das kann dazu führen, dass man zu einem Stück zunächst überhaupt keinen Zugang findet. So ging es mir mit dem Lied von der Erde! unglaublich aber wahr. Erst die Klempereraufnahme hat mir den Zugang eröffnet.
    Also man darf manchmal nicht zu früh aufstecken, was natürlich vor allem auch für die Musik nach 1900 gilt.


    Und zum Zweiten geben verschiedene sehr gute Interpretationen oft die Sicht auf ganz verschiedene Seiten einer Komposition erst frei. Bei den Stücken, die mir wichtig sind, versuche ich immer wieder Neues zu finden. Und eine Reihe sehr guter (verschiedener) Interpretationen führt auch dazu, dass sich das Stück nicht "abnützt", immer wieder aus der Differenz neu erlebt werden kann, auch bei höchster Vertrautheit.


    Einen wunderbaren Text zur Frage der Interpretation habe ich bei George Steiner, Von realer Gegenwart, Hanser München 1990, Seite 19, gefunden, den möchte ich Euch nicht vorenthalten:


    "Jede Aufführung eines dramatischen Textes oder einer Musikpartitur ist eine Kritik in der Kernbedeutung des Begriffes; sie ist ein Akt eindringend reagierender Zuständigkeit, der Sinn erst sinnlich erfahrbar macht. Der "Theaterkritiker" par excellence ist der Schauspieler und der Regisseur, der mit dem Schauspieler oder dessen Kunst die Bedeutungsmöglichkeiten des Stückes auslotet und umsetzt. Die wahre Hermeneutik des Dramas liegt in seiner Bühnenaufführung (selbst ein lautes Vorlesen geht in der Regel tiefer als jede Theaterrezension).


    Dementsprechend kann uns keine Musikwissenschaft so viel sagen wie die Aktivierung von Bedeutung, die in der Aufführung selbst liegt. Erst wenn wir verschiedene Interpretationen, und das heißt Aufführungen, desselben Balletts, derselben Symphonie oder desselben Streichquartetts erleben und miteinander vergleichen, betreten wir das Reich der Erkenntnis."



    Mit besten Grüssen


    Matthias

    Tobe Welt, und springe,
    Ich steh hier und singe.

  • Hallo,


    das hier diskutierte Thema sehe ich auch von einer anderen Seite: So geht es mir beim aktiven Musikhören nicht primär darum, in den Kern des Musikwerkes zu gelangen, sondern darum, mit Hilfe des Musikstückes in meinen inneren Kern zu gelangen. Ich tue mich schwer damit, anzunehmen, dass ein Musikstück einen Kern haben kann, den ich erkennen kann. Nach meinem Gefühl kann ein Musikwerk aber sehr wohl ein Träger von etwas sein, das für mich eine bestimmte Bedeutung haben und in meinen Kern gelangen kann.


    Ein Träger von was? Das kann ich natürlich so schnell nicht beantworten, wenn es überhaupt zum Genüge beantwortbar ist. Das Musikwerk kann vielleicht Aspekte von Schönheit oder Vollkommenheit (die Aufzählung ist ein eigenes Thema) transportieren, das in meinen persönlichen Kern des Empfindens Einzug erhalten kann.


    Mit Ulli stimme ich überein, dass es verschiedene Zugänge gibt. Das Partiturlesen ist bei mir zum Kennenlernen eines Musikstückes mittlerweile ein wichtiges Mittel geworden, aber meine imaginären Fähigkeiten reichen bei weitem nicht, um ein Musikstück allein mit dieser Methode zu erfassen. Die akustische Interpretation Anderer ist für mich notwendig. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass verschiedene Interpreten mir mehr oder weniger wesensähnlich sind. (Da mir das Finden der treffenden Worte schwer fällt, will ich es platt sagen): Wird ein für mich interessantes Musikstück von einem Musiker, der mir in den oben geschilderten (und anderen) inneren Empfindungen sehr ähnlich ist, interpretiert, hilft er mir durch sein professionelles handwerkliches Darbieten dieses Werkes, die Empfindungen der Werte (bewusst oder unbewusst?) herauszuhören und zugleich „herauszuerkennen“. Da kein Interpret umfassend und abschließend die selben Empfindungen wie ich in sich trägt, kann ich lediglich einmal mehr, einmal weniger von dem entgegennehmen, was er mir durch seinen Vortrag bietet und zu den Wertempfindungen meiner Persönlichkeit gehört.


    Das bedeutet: Manche Interpreten tragen also mehr, manche weniger zum Transportieren der wesensidentischen Ideen des Komponisten in meine Seele bei. Je mehr Interpretationen desselben Werkes ich höre, desto größer ist die Chance, wesentliche Inhalte des Stückes für mich zu erkennen und das Musikwerk mehr oder weniger zu „meinem“ Musikwerk zu machen.


    Gruß,


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Ich habe mir jetzt doch erst für das kommennde Wochenende eine zweite Interpretation von Dvoraks Cello-Konzert op.104 ausgeliehen mit Lorin Maazel, Berliner Philharmoniker und Yo Yo Ma.
    Ich bin ja mal gespannt.

    Anna-Beate

  • Hallo,


    Uwe Schoof kommt dem irgendwie nahe was ich auch empfinde:
    Daß es nämlich Interpreten gibt, die meiner "Idealvorstellung" des Werkes ziemlich nahekommen - und solch wo das nicht der Fall ist.


    Im zweiten Fall ist jedoch NICHT gesagt, daß diese Interpretation "schlechter" ist als meine virtuelle Idealversion - es mag durchaus sein, daß sie lediglich "anders" ist - nicht zu meiner kompatibel - und es ist nicht ausgeschlosen, daß im Idealfall - gerade diese Aufnahme ist, die mir einen völlig neunen Blick auf das Werk vermittelt.


    Es gibt Werke, die nur mit viel Mühe zerstört werden können (etliches von Mozart), andere wieder blühen nur bei ädiquater Interpretation auf, manche behalten ihre Qualität, wechseln aber von Interpretation zu Interpretation ihrn "Charakter"


    In vielen Fällen eine Interessante Erfahrung


    LG


    aus Wien


    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • "Es gibt Werke, die nur mit viel Mühe zerstört werden können (etliches von Mozart), andere wieder blühen nur bei ädiquater Interpretation auf, manche behalten ihre Qualität, wechseln aber von Interpretation zu Interpretation ihrn "Charakter""



    Lieber Alfred,


    dazu mal die Frage: Wenn Du bestimmte "Idealinterpretationen" hast, kannst Du ja auch in etwa abschätzen, ob Dir ein bestimmter Dirigent liegt oder nicht. Sortierst Du dann nicht so beliebte Dirigenten aus, wenn Du neue CDs eines bestimmten Werkes kaufst?


    Will sagen: Mir liegt zB Toscanini bei Beethoven und Schubert nicht, also lasse ich seine Aufnahmen links liegen, wenn es um diese beiden geht (von 1, 2 Beispielen mal abgesehen). Ebenso, wenn es um romantische Musik geht, zB Mendelsohn-Bartholdy oder Weber. Oder riskierst Du sozusagen mal einen Kauf?

  • Amateurfilm forum und -Produktion sucht Darsteller jeden Alters und technische Mitarbeiter aus Wien

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  • Hallo Alfred!


    Deinen prinzipiellen Gedanken finde ich sehr schön, auch ich habe eine bestimmte Idealvorstellung von einem Werk, die ich meistens aus dem Lesen der Partitur gewinne, und dann finde ich mitunter Interpreten, die dieser Vorstellung nahekommen. Es resoniert dann einfach etwas in mir, ich bekomme dieses Gefühl "Ja, das ist es".
    Dann gibt es Interpretationen, bei denen bei mir gar nichts resoniert, die ich aber anerkenne und sogar mag.
    Und es gibt solche, die ich schlicht grauenhaft finde, bei denen ich das Gefühl habe, der Interpret spielt das Werk ohne Verständnis. Was mich in der Regel weniger zornig als traurig macht.


    Nicht übereinstimmen kann ich mit Dir in Bezug auf Mozart: Ich finde, man kann ihn sehr leicht kaputtmachen. Er ist nicht so ein gepanzertes Schlachtross, mit dem man alles machen kann. Paradebeispiele von nicht kaputt zu kriegenden Werken sind für mich "Tosca" und im Konzert Mussorgskijs "Bilder".


    LG

    ...

  • Lieber Robert,


    ich bin -entgegen meinem Ruf - ziemlich experimentierfreudig - und auch in gewisser Weise verschroben. (das kannst Du Dir kaum vorstellen - gell?)


    Meine Sammelpolitik ist ungefähr so zu sehen, daß ich anstrebe möglichst viele Interpreten (und auch Werke ) dem Vergessenwerden zu entreissen.


    Wenngleich beispielsweise Karl Böhms Dirigat meine Prägung ist, so habe ich dennoch auch Mozart-Einspielungen von Bruno Walter, von Josef Krips, von Eugen Jochum, von Nikolaus Harnoncourt, Roger Norrington, Otto Klemperer, Neville Marriner, Sandor Vegh, James Levin, Herbert von Karajan. etc etc. - und das waren nur einige.


    Also um die Frage zu beantworten - ich findes es bei CD-Käufen ausgeprochen reizvoll auch mal "auf Risiko" zu kaufen - wer das vermeidet der verpasst was.....


    Liebe Grüße


    Alfred

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  • Hallo Edwin,


    Ich korrigiere meine Aussage:


    Mozart ist "dem äusseren Anschein nach" schwer zu zerstören - für "Insider" jedoch sehr fragil.


    LG


    Alfred


    PS: DAS soll der DER Mozart -Thread des Jahres 2006 werden !!!

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  • Meine Lieben,


    Als noch recht grünes Gemüse habe ich mich - Geld- und Platzprobleme bedenkend - mit einer Aufnahme pro Stück begnügt und das jahrelang beibehalten, bis die Neugier und kontinuierliche Hörerlebnisse schließlich den Trieb zur Vielfalt durchbrechen ließen. Und ganz zum Schluß kam Tamino, dann war's mit der Beherrschung endgültig vorbei - denn jetzt denke ich: Wie lange kann ich noch vergleichen, Unterschiede genießen, Werke ausloten? Wobei ich mich zumindest bemühe, der Variation nur bei meinen Favoriten nachzugeben bzw. bei denen, die das noch werden könnten. Die Praxis lehrt mich allerdings, daß deren Zahl sich kontinuierlich ausweitet, sodaß mein löblicher Grundsatz blasser und blasser wird.
    Inzwischen sind auch meine Platznöte und die Ebbe im Geldbörsel so gravierend, daß ich die Zügel zwangsweise etwas anziehen muß. Müßte ich solche Schranken nicht beachten, dann wären manche Verlage und Musikläden ihre Existenzsorgen auf lange Zeit los.
    Mir hilft es jedenfalls sehr, Werke erst so richtig zu entdecken, wenn ich verschiedene Interpretationen anhöre. Es mag sein, daß mich in dieser Hinsicht auch die seinerzeitigen Radiosendungen von Karl Löbl geprägt haben, der mit Hilfe von Ausschnitten viele Kriterien im Vergleich erläuterte und das so spannend gestaltete, daß ich da richtig Feuer fing.
    Aber nicht nur Werke verstehe ich auf Grund des vergleichenden Hörens besser, auch Interpretationen beurteile ich mit steigender Erfahrung oft anders als früher, lerne etwa, Nuancen zu begreifen, die früher an mir vorbeigegangen sind oder Auffassungstile zu zu beurteilen, die ich davor eher nur passiv erfaßte. Auch wenn ich ich manche Ikonen auf meinen Hausaltären verehre, gilt für mich trotzdem das Wort von Eugen Roth: Ein Mensch, der einmal Blut geleckt hat, denkt sich: Varietas delectat.


    LG


    Waldi

  • Lieber Waldi!


    Ja, da liegt das Problem, die Stellage kann man ja größer machen, das Geldbörserl leider nicht,


    zumeist sind ja Bankinstitute zutiefst unmusikalisch, dass sie einem das Geld nicht schenken.


    Liebe Grüße sendet Dir, Dein mitfühlender, Peter :hello: :hello: :pfeif:

  • Hallo, Ihr lieben Wiener (die letzten Beiträge sind hauptsächlich von Wienern verfasst),


    Ihr dürftet doch wohl sehr verwöhnt sein, was das Verfolgen diverser verschiedener, ausgezeichneter Interpretationen in Konzerten angeht. Wofür benötigt Ihr noch viele Tonträgeraufnahmen, wo doch derart zahlreiche Veranstaltungen in Wien gegeben werden? Bei uns Provinzlern ist das anders, wir müssen vermehrt auf diese halbwegs leblosen künstlich (nicht künstlerisch!!!) perfekten Scheiben zurückgreifen.


    Es spricht der Neid...


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Lieber Uwe,


    Regelmäßiger Konzertbesuch übersteigt meine finanzielle/zeitliche und sonstige Kapazität. Zwar bedaure ich das sehr, aber das nützt nichts. Außerdem kann man sowieso nicht zugleich im Musikverein und im Konzerthaus oder in einem Klaviersaal sitzen.
    Also, mein Lieber, entneide Dich ruhig, setz Dich gemütlich wie wir zu den CDs und laß Dich - halbwegs leblos oder nicht - verzaubern!


    GLG


    Waldi

  • Ich persönlich bin seit Jahren ein hartgesottener Konservensammler
    Interpretationen vergleichen kann man vorzugsweise durch das Hören solcher.
    Im Konzert dämpft das "Erlebnis" manche Unzulänglichkeit hinweg - zudem "ergibt" man sich dem Interpreten eher als auf Tonträger.
    Und last - but not least - sind auch meine finanziellen Mittel endlich.


    Persönlich kaufe ich eher eine Operngesamtaufnahme, als eine teure Konzertkarte. Das mag darin begründet sein, daß ich in den Siebziger und achziger Jahren, nebst einem Abonnement im Konzerthaus, zumindest FÜNF Quellen für Freikarten von Opern und Konzertveranstaltuingen hatte. Angebotene Karten MUSSTEN mehr oder weniger immer genommen werden, da die Quellen ansonst versiegt wären. Hierunter waren gelegentlich ganz teure Restkarten von hervorragenden Konzerten, die keine Abnehmer gefunden hatte - der Saal musste aber gefüllt werden ....


    Hauptsache ist jedoch die "Unvergänglichkeit" von Tonträgern.
    So kann ich beispielsweise 1985 gekaufte CDs heute noch mit Genuss anhören und mit heutigen Aufnahmen vergleichen.
    Daß ich Beethovens Klavierkonzert Nr 5 mit Claudio Arrau hörte, das weiß ich, nicht aber wer dirigierte, oder wie die Interpretation im einzelnen angelegt war - das weiß ich heute natürlich nicht mehr.....


    Vergleichendes Hören bei Tonträgern schärft in des den Blick (bzw das (virtuelle) Ohr. Man sollte es aber auch nicht übertreiben - sonst verdirbt man sich die Freude an seinem Hobby, ähnlich wie jene Weinkenner, welche Weine stets kosten und dann ausspucken um Weine neutral beurteilen zu können, anstatt sie mit Genuß zu trinken (auch wenn sie das eine oder andere Mal nicht "perfekt" sein sollten....


    mfg aus Wien


    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • In der Regel bevorzuge ich Aufnahmen oder Aufführungen von Künstlern, die dem kulturellen Umfeld, aus dem der Komponist des gerade vorliegenden Werkes stammt, mindestens nahestehen.


    Beispiel Tschaikowsky Symphonie Nr. 6: Eine Aufnahme mit einem gewissen Anton Nanut als Dirigent rangiert bei mir um Längen vor einer - technisch wohl perfekten - Aufnahme mit Herbert von Karajan als Dirigent.


    Noch krasser bei Schostakowitsch Symphonie Nr. 11: Obwohl stark verrauscht bevorzuge ich da eine original russische Aufnahme vor allen anderen nichtrussischen Interpretationen, die ich bisher gehört habe.


    Der Vorteil bei technisch versierten, aber eben nicht vom Starrummel gesegneten Dirigenten liegt wohl auch darin, dass Erstgenannte wohl mehr nach Blatt spielen als ihren eigenen Stempel aufdrücken zu wollen.


    Obwohl dieser "eigene Stempel" bisweilen auch sehr passend ist: So liebe ich beispielsweise Karl Böhms Mozart - Dirigate.

    alle Menschen werden Brüder ...