Rudolf Schock, ein großer deutscher Tenor

  • Das immer wieder in extenso zu tun habe ich weder Lust noch Zeit!

    Lieber Caruso,

    dass Deine Zeit auch durch Deine ausgezeichnete Arbeit für's Forum ausgelastet ist, glaube ich Dir gerne. Wenn dann noch Unlust dazu kommt, dann wende Dich doch anderen Fragstellungen zu, für die Deine Meinung wichtiger ist.

    Herzlichst

    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Würde der Rudi heute noch leben, dann wäre S.W. nicht nur Fan, sie wäre Groupie.

    Ihre Kommentare bei Youtube zu Aufnahmen von Rudolf Schock


    "Winterstürme wichen dem Wonnemond"

    Sabine Wussow: Auch Richard Wagner beherrschte Rudi aus dem F F. Ein fettes BRAVO ! Was für eine Stimme. HAMMER gesungen.


    In fernem Land - Lohengrin

    Sabine Wussow: Rudi, Du bist unsterblich ! ⚘⚘⚘⚘⚘⚘⚘⚘


    "O du mein holder Abendstern"

    Sabine Wussow: Was für eine großartige Stimme ! Oh Rudi was singst himmlisch und männlich. Bravo !


    Da spricht DIE Fachfrau.

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Handelt es sich tatsächlich um die Sabine Wussow, Witwe von Klausjürgen Wussow und zuvor von "Bubi" Scholz?

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • der Text von Frau Wussow könnte auch von mir sein ...
    vor 68 Jahren hätte ich das so ähnlich formuliert und da wäre ich beleidigt gewesen, wenn man das nicht ernst genommen hätte; dass man in mehr als sechs Jahrzehnten etwas an Hörerfahrungen hinzugewonnen hat, sollte nicht zu Hochmut verleiten.

    Lieber Karl-Georg,

    das ist eine gelungene Antwort. In diesem klugen und menschlich reifen Stil wünsche ich mir unsere Diskussionen.:hello:

    Ich glaube nicht, dass diesem Forum mit Mitglieder gedient wäre, die nur ihr Idol anhimmeln wollen und auf jede Kritik daran mit solchen Stellungnahmen reagieren wie Frau Wussow. Der Beitrag #378 findet meine volle Zustimmung.

    Lieber Bertarido,

    so unterschiedlich können Meinungen sein und wie gut, dass wir beide nicht über die Aufnahme von Mitgliedern entscheiden müssen. Das lassen wir besser Alfred machen, der weiß wer in sein Forum soll und wer nicht. Mir ging es in erster Linie um den Stil in dem wir diskutieren auch wenn wir im Inhalt anderer Meinung sind. Dazu noch ein vielleicht verdeutlichendes Zitat. Winston Churchill meinte: "Man kann sogar eine Kriegserklärung freundlich unterschreiben".

    Herzlichst

    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Handelt es sich tatsächlich um die Sabine Wussow, Witwe von Klausjürgen Wussow und zuvor von "Bubi" Scholz?

    Wer mehr erfahren möchte, hier lang.

    Unser Rudi als Sofakissen. :D

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Eine der großen Sopranistinnen gib einen Liederabend, weit nach dem Zenit ihrer Karriere. Tags darauf fragen Chorsänger ihren Chef, wie er denn den Abend fand, kritischer Grundton schwingt unüberhörbar mit. Die Antwort, unvergessen: "Ich habe mich im Studium in diese Sängerin verliebt, kaum eine Vorstellung mit ihr, die ich nicht als Stehplatzbesucher miterlebte - für mich verbietet sich jede Kritik".


    Erinnert mich an die gut erfundene Geschichte vom Jubel für einen mit seiner Partie hörbar überforderten Tenor. Auf die verwunderte Frage eines Besuchers an seinen Nachbarn, nach den Grund für den frenetischen Applaus: "Sie hätten den mal vor zwanzig Jahren hören sollen!".


    ^^


    Mir ist Rudolf Schock nur einmal begegnet, indirekt. Im damals noch wunderbar plüschigen "Hotel Herzoghof" in Baden bei Wien kündigte die Direktion einen Abend mit dem Sänger an, eine Lesung aus seiner Biografie "Ach, ich hab in meinem Herzen da drinnen". Ich nahm an der Hotelbar einen Aperitif. An mir vorbei, in Richtung Ort des Geschehens, defilierten, festlich gewandet, ältere, alte und sehr alte Damen. Männer die rare Ausnahme, wenn, dann ebenfalls deutlich in die Jahre gekommen.


    Tags darauf, beim Frühstück. an allen Tischen Begeisterung. Vor allen Dingen darüber, dass Rudolf Schock mit zwei Schubert-Liedern auch singend zu erleben war. Selten ist mir soviel "Kniefall der Herzen" begegnet. An den ich bei der Lesebriefschreiberin denken musste.


    Liebesverhältnissen ist mit gesangstechnischem Vokabular nicht beizukommen, sie folgen völlig anderen Gesetzen.


    Für mich als "Junger" war Rudolf Schock ein rotes Tuch, ähnlich wie sein Kollege Hermann Prey. Konnte man mich doch mit Sendungen wie "Anneliese Rothenberger gibt sich die Ehre" über Berg und Tal jagen. Mich prägte damals ein prüder Begriff von "Hier gilt's der Kunst!" - gegen den solche Machwerke auf's Übelste frevelten.


    Diese Radikalität klang ab im Lauf der Jahrzehnte ab, und ich konnte die sängerischen Qualitäten mancher Protagonisten dieser Unterhaltungsform würdigen.


    Wenn ich mich richtig erinnere, schrieb der Münchner Kritiker Karl Schumann seinen Nachruf auf Rudolf Schock unter der Überschrift "Ein Tenor für die ganze Familie". Das soziologische, kulturhistorische Phänomen klingt in diesem charmanten Satz an. Rudof Schock war Gallionsfigur einer Vermittlungsform, die den Nerv seiner Zeit traf, vor allen Dingen im deutschsprachigen Raum.

  • Wer mehr erfahren mlchte, hier lang.

    Also eigentlich ein armer Mensch, der sonst nichts hat; scheint öfter vorzukommen bei den Extrem-Fans, die das Backfisch-Alter, in dem das normal war, seit Jahrzehnten verlassen haben. Sie projezieren ihre ganze Liebe auf ein letztlich unerreichbares Objekt, egal, ob das nun Domingo, Mick Jagger, Lewis Hamilton oder sonstwer ist. Und häufig ist es der Schwarm der Jugend, dessen nachträgliche Heiligsprechung auf die Weise versucht wird; da ist dann jeder, der nicht einstimmt in die Begeisterung böse und dumm. Es hat keinen Zweck, sich darüber zu echauffieren oder dagegen anzugehen. Man wird diese Leute ohnehin nicht von der Wolke holen können, sie können einem nur irgendwie leid tun.

    FafnerHH

    Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! (Erich Kästner)

  • Für mich als "Junger" war Rudolf Schock ein rotes Tuch, ähnlich wie sein Kollege Hermann Prey. Konnte man mich doch mit Sendungen wie "Anneliese Rothenberger gibt sich die Ehre" über Berg und Tal jagen. Mich prägte damals ein prüder Begriff von "Hier gilt's der Kunst!" - gegen den solche Machwerke auf's Übelste frevelten.

    Lieber Udo,

    Es ging mir absolut genauso damals, wobei ich Anneliese Rothenberger 1973 in Hamburg als Pamina und Zdenka erlebt habe und da feststellte, daß sie wirklich singen konnte und nicht nur TV-Show. Aber Schock war für mich lange ein alternder Operettentenor (und mit der Operette hatte ich es auch nicht), auf die frühen Aufnahmen bin ich erst viel später gestossen. Und wenn ich mir jetzt sein Münchner Sonntagskonzert von 1963 anhöre, in dem er vom Don Ottavio und Nadir über diverse Italiener bis zu Max und Lohengrin wirklich alles singt, dann Hut ab, da war SEHR viel Können dahinter.

    Und die Filme waren Ausdruck seiner Popularität weit über die Oper hinaus, wie bei manchen seiner Kollegen auch, die mehr oder weniger mittelprächtige Filme gedreht haben, in den ihre stimmlichen Qualitäten vorgeführt werden konnten; siehe Gigli, Tauber, Schmidt, McCormack, Tibbett, Tagliavini....

    FafnerHH

    Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! (Erich Kästner)

  • Zitat von Sabine Wussow:


    "O du mein holder Abendstern"

    Sabine Wussow: Was für eine großartige Stimme ! Oh Rudi was singst himmlisch und männlich. Bravo !


    Wolframs Lied an den Abendstern ist für einen Bariton geschrieben. Und Rudolf Schock war doch Tenor! Kann jemand von den Taminos bestätigen, ob er als Tenor dieses Baritonlied wirklich gesungen hat? Das würde mich sehr interessieren. Auf you tube habe ich dieses Lied nicht von Schock gesungen gefunden. Es gibt ja einige Tenöre, u. a. Domingo, die am Ende ihrer Karriere ins Baritonfach gewechselt sind. Meines Wissens hat Schock aber bis zum Schluss immer Tenor gesungen. Wie kommt jetzt das mit dem Lied an den Abendstern, das Frau Wussow so toll findet? Weiß jemand dazu mehr?


    Herzliche Grüße


    Lustein

  • Wolframs Lied an den Abendstern ist für einen Bariton geschrieben. Und Rudolf Schock war doch Tenor! Kann jemand von den Taminos bestätigen, ob er als Tenor dieses Baritonlied wirklich gesungen hat? D

    Rudolf-Schock+Ach-ich-hab-in-meinem-Herzen-Erinnerungen.jpg


    In der Diskographie von Schock in diesem Buch ist der "Abendstern" gelistet, am 4. April 1978 aufgenommen mit den Berliner Symphonikern unter Fried Walter für Ariola-Eurodisc. Das Lied findet sich auf der LP "Für meine Freunde".

    Es grüßt Rheingold1876


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  • Wolframs Lied an den Abendstern - Rudolf Schock


    Mit den Suchbegriffen "O du mein holder Abendstern" plus "Rudolf Schock" kam sofort diese Aufnahme - die mehr als merkwürdig ist. Keine Ahnung, was den Tenor zu diesem Ausflug in ein fremdes Fach animierte.

  • Mit den Suchbegriffen "O du mein holder Abendstern" plus "Rudolf Schock" kam sofort diese Aufnahme - die mehr als merkwürdig ist. Keine Ahnung, was den Tenor zu diesem Ausflug in ein fremdes Fach animierte.

    Die Platte ist ja ziemlich spät entstanden, da waren sicher nicht mehr alle seine Tenor-Hits machbar. Neben dem "Abendstern" ist auch noch der Bajazzo-Prolog drauf, ebenso die "Winterstürme", die er meines Wissens vorher nie gesungen hatte.

    FafnerHH

    Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! (Erich Kästner)

  • Keine Ahnung, was den Tenor zu diesem Ausflug in ein fremdes Fach animierte.

    In der Regel heisst die Anwort: Geld

    Meist in Form eines unwiderstehlichen Angebots der Plattenindustrie.


    Die kennen da keine Hemmungen, wenn sie einen Star vermarkten wollen

    Unvergesslich das Statement von Andreas Staier im Interview einer Klassikzeitschrfit vor gefühlt 15 Jahren - oder mehr (?)

    Eine Person des Managements wollte mit ihm ins Gespräch kommen und fragte ihn, ob er er nicht daran dächte ein Klavierkonzert von Franz Schubert aufzunehmen ?:hahahaha:


    mfg aus Wien

    Alfred

    Die Hauptaufgabe eines guten Forenbetreibers ist: AN ALLEM SCHULD ZU SEIN

    Tut er das nicht, dann ist er eigentlich überflüssig....


  • Mir ging es in erster Linie um den Stil in dem wir diskutieren auch wenn wir im Inhalt anderer Meinung sind. Dazu noch ein vielleicht verdeutlichendes Zitat. Winston Churchill meinte: "Man kann sogar eine Kriegserklärung freundlich unterschreiben".

    Herzlichst

    Operus

    Lieber Operus,


    mag der Stil, den Frau Wussow in ihrem Leserbrief anwendet, nicht der beste sein, so kann ich an den Leuten, an die du dich richtest, erkennen, dass wieder diejenigen, die das kritisieren, hier selbst einen ähnlichen Stil anwenden. Ich habe hier genug Kritiken in persönlich beleidigenden Stil von immer denselben Vertretern erhalten, wenn ich in Bezug auf das Regisseurstheater meine von der ihren abweichende Meinung gesagt habe. Ich kann Frau Wussow also nur raten, diese Leute nicht ernst zu nehmen und ihre Aussagen zu ignorieren, wie ich es schon seit längerem tue.


    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Kann jemand von den Taminos bestätigen, ob er als Tenor dieses Baritonlied wirklich gesungen hat? ... Es gibt ja einige Tenöre, u. a. Domingo, die am Ende ihrer Karriere ins Baritonfach gewechselt sind.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    So wie Jonas Kaufmann, der es nur selber noch nicht mitbekommen hat.:pfeif:

    P.S. In Duisburg gibt es eine "Rudolf-Schock-Str.", eine hässliche Umgehungsstraße in einer hässlichen Umgebung.:untertauch:

    ...wieweit soll unsere Trauer gehn? Wieweit darf sie es, ohne uns zu entwurzeln? (Die Tote Stadt)

  • Vielleicht wird Jonas Kaufmann einmal der Nachfolger von Placido Domingo?


    Erich

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

  • P.S. In Duisburg gibt es eine "Rudolf-Schock-Str.", eine hässliche Umgehungsstraße in einer hässlichen Umgebung. :untertauch:

    Lieber Doktor Pingel, so ganz verstehe ich nicht, wie das gemeint ist? Es gibt einige Deutungsmöglichkeiten. Eine wäre, dass für Schock keine Straße in einer feineren Gegend von Duisburg abgefallen ist.


    Schock, der aus armen Verhältnisse stammte, ist in der Gegend von Duisburg geboren und aufgewachsen, durch die heute die nach ihm benannte Straße führt. Authentischer kann die Wahl für diese Ehrung nach meinem Dafürhalten also nicht sein. :)


    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Da ich in Duisburg wohne, stimme ich dir voll und ganz zu lieber Rheingold. Es gibt aber auch sehr schöne Ecken in Duisburg , vor allem im Süden .

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  • Schock konnte nicht nur Bariton, Operette, Wagner sondern auch Händel

    Na das sowieso, schließlich gibt es diese m.E. immer noch sehr lohnende deutschsprachige Gesamtaufnahme des "Messias" mit Anny Schlemm, Lore Fischer, Rudolf Schock und Kurt Böhme unter Schmidt-Isserstedt:



    Mögen die HIP-Fanatiker und Originalsprachenfetischisten bersten vor Wut! :hahahaha:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Die Sache mit Duisburg ist nicht so ernst gemeint wie sich das anhört. Ich wohne in Mülheim und kenne mich in Duisburg ziemlich gut aus, vor allem die Innenstadt haben die Duisburger besser hingekriegt als die Mülheimer. Auch Ruhrort ist ein interessanter Stadtteil. Also, liebe Duisburger, ich rudere zurück!

    Halt! Ich hätte beinahe das Orchester vergessen. Das ist eines der besten in ganz Deutschland. Als ich noch regelmäßig nach Düsseldorf in die Oper ging, spielten die Duisburger dort, wenn die Düsseldorfer andere Verpflichtungen hatten. Ich meine, dass man vor allem bei modernen Opern und besonders bei Strauss hören konnte, dass die Duisburger brillanter waren.

    ...wieweit soll unsere Trauer gehn? Wieweit darf sie es, ohne uns zu entwurzeln? (Die Tote Stadt)

  • Mögen die HIP-Fanatiker und Originalsprachenfetischisten bersten vor Wut! :hahahaha:

    Das tun sie aber nicht. Ich habe mir die Ouvertüre und die erste Arie angehört und kam aus dem Lachen nicht heraus.:hahahaha:

    Wenn es hier Fetischisten gibt, so sind es Schmidt-Isserstedt-Fetischisten. Weitere Untaten sind hier im Forum unter Karl Richter verbucht. Die erste Arie singt R. Schock nicht mal schlecht, aber es ist halt keine Opernarie.

    Der erste Chor ist zum Fürchten: ältliche Soprane und schüttere, quäkende Tenöre geben sich ein Stelldichein, nur der Alt ist noch furchtbarer...

    ...wieweit soll unsere Trauer gehn? Wieweit darf sie es, ohne uns zu entwurzeln? (Die Tote Stadt)

  • Ich habe mir die Ouvertüre und die erste Arie angehört und kam aus dem Lachen nicht heraus. :hahahaha:

    Wenn es hier Fetischisten gibt, so sind es Schmidt-Isserstedt-Fetischisten. Weitere Untaten sind hier im Forum unter Karl Richter verbucht. Die erste Arie singt R. Schock nicht mal schlecht, aber es ist halt keine Opernarie.

    Der erste Chor ist zum Fürchten: ältliche Soprane und schüttere, quäkende Tenöre geben sich ein Stelldichein, nur der Alt ist noch furchtbarer...


    Also ich empfinde den grellen Spott über eine Aufnahme des "Messias" von 1953 als völlig unangebracht und ungerecht. :no:

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Wie schön, dass bestimmte Reflexe immer noch so gut funktionieren und bestimmte Reaktionen so voraussehbar sind. :D

    Wer hat denn die Sache losgetreten? Du hast schließlich mit deinen Reflexen angefangen und uns "Bersten vor Wut" unterstellt.

    @ Rheingold: Greller Spott mag das sein, aber wenn uns hier ein Expertentum suggeriert wird, das nicht besteht, kann man schon mal spöttisch werden. Was ich über den Chor geschrieben habe, beruht auf Erfahrungen von 50 Jahre Chorsingen, die meiste Zeit in kompetenten Vokalensembles unter der Leitung von kompetenten Dirigenten. Da steht mir schon ein Urteil zu. Der Spott bezieht sich auf Urteile (hier stimmenliebhaber), bei denen der Urteilende nicht kompetent ist. Ich habe mal den gleichen Fehler gemacht und mich auf eine Sache eingelassen, für die ich keine Kompetenz hatte: eine Kritik von "Lucia di Lammermoor". Das habe ich nie wiederholt, denn es ist völlig klar, dass stimmenliebhaber hier eine ganz andere Kompetenz als ich hat. Aber für Alte Musik nicht.

    Aber vielleicht lese ich doch eines Tages etwas von ihm, etwa: "Die 10 schönsten Messen von Palestrina, eine Auswahl von 100").

    ...wieweit soll unsere Trauer gehn? Wieweit darf sie es, ohne uns zu entwurzeln? (Die Tote Stadt)

  • Wer hat denn die Sache losgetreten? Du hast schließlich mit deinen Reflexen angefangen und uns "Bersten vor Wut" unterstellt.

    Da du oft genug so reagiert hast, wollte ich den Pawlowschen Reflex einfach vorankündigen - und msste dabei nicht mal ein besonders großer Prophet sein. :D


    Alles Weitere, was du dazu an die Adresse von "Rheingold1876" über mich schreibst, ist so dermaßen lächerlich, dass es sich von selbst richtet. Wenn jemand Palestrina in Zusammenhang mit Händel nennt, nuss das wirklich ein ganz großer Experte sein!


    P.S.: Kar Richter, eines deiner Lieblingshassobjekte, hatte wahrscheinlich auch keine guten Chöre... :hahahaha:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Also ich empfinde den grellen Spott über eine Aufnahme des "Messias" von 1953 als völlig unangebracht und ungerecht. :no:

    Lieber Rheingold1876,


    da ich an anderer Stelle kürzlich auch schon einmal Dein Missfallen mit einer Äußerung über eine ältere Aufnahme erregt habe, möchte ich hier auch etwas sagen. Zumindest mir liegt es fern, Bach- oder Händel-Interpreten der damaligen Zeit zu verspotten. Sie haben diese Werke damals so aufgeführt, wie sie es für richtig und angemessen hielten. Aus heutiger Sicht würde ich sagen: Sie wussten es nicht besser. Und das zu sagen ist m.E. kein Zeichen kultureller Arroganz. Wenn sie sich nach Kräften bemüht haben, ihr Bestes zu geben, gebührt ihnen dafür unser Respekt. Mangelhafte Leistungen zum Beispiel von Chören darf aber auch unabhängig von Fragen der Aufführungspraxis kritisieren. Ob man dies in sachlicher Weise tut oder sich darüber lustig macht, ist eine Frage des Stils. Ich persönlich mag letzteres nicht, ebensowenig wie ich die diversen YouTube-Threads mag, in denen schlechte Interpreten zur Schau gestellt werden. Aber jedem das seine.


    Will man diese alten Aufnahmen heute noch hören? Das hängt davon ab, ob man wie Du ein Interesse an Interpretationsgeschichte hat oder an Stimmen interessiert ist und gerne den damaligen Sängerinnen und Sängern lauscht. Auch falsche Interpretationen kann man ja gut singen. Ich habe diese Interessen allerdings nicht. Ich will die Werke in einer Art und Weise hören, die nach heutigem Stand der musikhistorischen Forschung den Intentionen der Komponisten möglichst nahe kommt. Hinzu kommen natürlich auch die eigenen Prägungen. Ich hatte das Glück, dass mein Interesse an klassischer Musik in einer Zeit erwacht ist, in der ich Werke des Barock schon in Aufnahmen von Pinnock, Gardiner, Hogwood etc. kennenlernen konnte. Die alten Prä-HIP Aufnahmen ertrage ich schlicht und einfach nicht. Ich habe aber durchaus Verständnis dafür, dass es auch andere Prägungen gibt. Meine Ex-Freundin mochte zum Beispiel die damals von mir favorisierte Gardiner-Aufnahme des Weihnachtsoratoriums gar nicht, weil angeblich viel zu schnell gespielt - sie war mit Rilling groß geworden. Wir haben trotzdem immer sehr schöne Weihnachtsfeste gefeiert. :)

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Lieber "Bertarido", das ist doch ein sehr gut abgewogenes und nachvollziehbares Statement, besten Dank dafür. Ich würde sogar noch weitergehen und sagen: Genauso wie es legitim ist, Musik aus unterschiedlichen Zeiten zu hören und zu mögen, ist es legitim, Interpretationen aus unterschiedlichen Zeiten zu hören und zu mögen. Für Vielfalt und Reichtum muss man da eher dankbar sein, anstatt alles öffentlich zu verdammen, was einem persönlich nicht in den Kram passt. Und man sollte sich immer davor hüten, den eigenen persönlichen Geschmack mit objektiver Richtigkeit und einziger Wahrheit zu verwechseln. Ich höre inzwischen Barock-Musik sowohl HIP als auch "historisch" gerne und schäme mich weder für das eine noch für das andere - im Gegenteil, beides empfinde ich als Bereicherung. (Wie auch unterschiedliche Aufführungssprachen.) :yes::hello:

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Genauso wie es legitim ist, Musik aus unterschiedlichen Zeiten zu hörne und zu mögen, ist es legitim, Interpretationen aus unterschiedlichen Zeiten zu hören und zu mögen.

    Das spiegelt auch meine Sichtweise wider, ebenso wie Bertaridos sehr lesenswertes Statement. Jede Aufnahme hat für sich ihren Stellenwert - selbst wenn es "nur" der historische Wert ist, wobei ich auch die bereits "überholten" Aufnahmen sehr wertvoll und bereichernd finde. Anderes Beispiel - Jacques Offenbach - Les Contes d'Hoffmann. Heute weiß man, dass jahrzehntelang veränderte Fassungen gespielt wurden, mit einer vertauschten Reihenfolge der Akte, mit Musiknummern, die gar nicht von Offenbach waren, ohne Musik aus Offenbachs Feder, die erst später wieder im Nachlass aufgetaucht ist - sollte man deswegen all die herrlichen Aufnahmen mit z. B. Rudolf Schock, Neil Shicoff, Placido Domingo, Alfredo Kraus etc. in der Titelrolle nicht mehr hören? Ich denke doch, selbst wenn ich mittlerweile natürlich auch die Fassung Keck-Kaye bevorzuge.

    viele Grüße von Boris alias Don_Gaiferos

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