Karl Böhm (1894 - 1981)

  • Im BR 4 war heute eine Sendung zum 25 Todestag von KARL BÖHM will auch hier an den großen Dirigenten und seine vielen unvergessenen Opernaufführungen in Berlin, Salzburg, Wien, Bayreuth erinnern.
    Natürlich auch an die Orchesterkonzerte mit den Berlinern und Wiener Philharmonikern.
    Erhalten sind die vielen tollen Plattenaufnahmen von ihm.


    :hello:

    mucaxel

  • Ich erinnere mich noch genau, wie wir damals hofften und bangten - obwohl wir wussten, daß er sich nie mehr erfangen würde. Gerne hätte er noch einmal Mozarts Sinfonien eingespielt - diesmal in digitaler Tontechnik.


    Auch Die Aufnahme der Beethoven Klavierkonzerte musste von einem anderen Dirigenten, Eugen Jochum zu Ende geführt werden.


    Ich habe mir heute als Alternative zur neulich erworbenen Aufnahme von Mozarts "La Clemenza di Tito" unter Rene Jacobs die Böhm-Aufnahme gekauft. Diese Aufnahme wurde bei ihrem Erscheinen mit der "Wiener Flötenuhr" ausgezeichnet.


    Es ergab sich der (für mich) ungewöhnliche Fall, daß ich hier die neuer Aufnahme zuerst gehört hatte. Beim Abhören der Jacobs Einspielung, dachte ich, daß diese keine Wünsche offen liesse - und ds stimmt ja auch.
    Heute sah ich die Böhm-Aufnahme zu einem Schnäppchenpreis - und griff zu. Wie würde sie mir gefallen. - Ich war ja diesmal von Jacobs vorgeprägt.


    Alle diesbezüglichen Ängste erwiesen sich als unbegründet. Überirdisch schön, viel "mozärtlicher" als Jacobs dirigiert Böhm das Werk, wobei das keine Wertung sein soll. Beide Aufnahme sind erstklassig. Jedoch meint man stellenweise ein anderes Werk zu hören.......


    Weil wir gerade den Bruckner-Boom im Forum haben, erlauibe ich mir darauf hinzuweisen, daß Böhm auch ein ganz hervorragender Bruckner-Dirigent war.


    Ich freue mich, daß es mir mit Hilfe dieses Forums möglich war - viele Vorurteile gegen diesen Dirigenten (die von seinen Feinden in die Welt gesetzt wurden - Böhm konnte nämlich sehr unangenehm und bissig sein) zu reklativieren bzw abzubauen.


    ER war nicht nur ein hervorragender Dirigent der Wiener Klassik, nein auch Brahms und Bruckner waren seine Domäne - und natürlich Richard Strauß (mit dem er persönlich befreundet war, Strauß nannte ihn "Böhmerl") sowie - Richard Wagner !!


    Daß er im Tamino Klassikforum in der Dirigentenbeliebtheit derzeit den 2 Platz belegt - wider den Zeitgeist - das freut mich persönlich ganz besonders


    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)


  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Ich erinnere mich noch genau, wie wir damals hofften und bangten - obwohl wir wussten, daß er sich nie mehr erfangen würde. Gerne hätte er noch einmal Mozarts Sinfonien eingespielt - diesmal in digitaler Tontechnik.


    An diesen Ansatz möchte ich einmal anknüpfen, denn viele Digitalaufnahmen konnte Böhm zwangsläufig nicht realisieren.


    Ich weiß, daß Böhms erste Digitalaufnahme Tschaikowskys 5. Sinfonie betraf (mit dem London Symphony Orchestra und -bedingt durch die langsamen Tempi- nicht den Fokus auf den üblichen Klangbombast legend, sondern die ruhige, verinnerlichte SeiteTschaikowskys betonend). Böhms letzte Aufnahme, Beethovens 9., war ebenfalls digital, aber gab es dazwischen noch Digitalaufnahmen?

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Ich "bin" derzeit beim Bayreuther Stereo-Ring und mag Böhms Leitung sehr, sehr gerne. Es gibt Hörer, die "mit der Tonqualität unzufrieden" sind, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Was bemängelt wird (hörbare Souffleure, Bühnengeräusche, Publikumshuster, hörbare Bandschnitte, was noch? vielleicht "Rauschen, weil nicht digital"??), kann auch ich natürlich alles hören, und nichts von alldem stört mich. Davon wird doch der Klang nicht schlechter. Mich würde es wahrscheinlich stören, wenn überhaupt kein Hinweis darauf zu hören wäre, dass es sich um Live-Aufführungen handelt.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Also ich bin bei KARL BÖHM selbst sehr befangen, da er durch die Freundschaft meiner Eltern mit ihm, meine Jugend begleitet hat und ich ihn persönlich sehr gut gekannt habe.
    Er hat mich quasi zum Fan von klassischer Musik gemacht und mir Mozart erklärt.
    Ich verdanke ihm enorm viel.
    Als ich noch gar keine Ahnung von Musik hatte, durfte ich in die Generalprobe in die Städtische Oper Berlin
    "Tristan und Isolde".
    Ich verstand damals gar nichts, war aber infiziert und auch "verloren" für
    das Kunstwerk Oper!
    Unvergeßliche Opernaufführungen mit ihm am Pult dann bei der Eröffnung der Deutschen Oper Berlin 1961. "Aida" Regie Wieland Wagner mit Gloria Davy, Christa Ludwig, Jess Thomas, Walter Berry. In Berlin war er sehr oft auch bei Konzerten mit den Berlinern.
    "Frau ohne Schatten" , "Die Entführung aus dem Serail", "Figaro" und
    so vieles mehr.
    Später in Salzburg und Wien.
    In Salzburg die "Cosi fan tutte" mit Schwarzkopf, Ludwig, Scutti, Kmennt, Prey, Dönch! Regie Günter Rennert.
    Grantig konnte er natürlich sein und auch ein wenig ungerecht zu
    Orchestermusikern und Sängern. Ich durfte bei der Schallplatteneinspielung der "Zauberflöte" bei allen Sitzungen als
    Zuhörer sein in der Berliner Jesu Christi Kirche.
    Dort konnte ich live erleben wie er war,später ihn auch bei vielen Proben beobachten.
    Er war ein ganz, ganz Großer.................
    :angel:

    mucaxel

  • Zweifellos einer der herausragendsten Dirigenten des 20. Jh., obwohl ich wenig Aufnahmen von ihm besitze. - Requiescat in pacem.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Hallo,


    sicherlich einer der ganz Großen.


    Nun bin ich leider (in diesem Jahr darf man das ja überhaupt nicht sagen :untertauch: ) kein wirklicher Mozart-Fan. Insofern klammere ich diesen Teil seines Wirkens nahezu komplett aus. Nahezu. Die Hochzeit des Figaro habe ich mit Böhm; und das gefällt mir schon (allerdings nicht so wie sein "Ring" oder "Tristan").


    Gruß, l.

  • Zitat

    Original von lohengrins
    Nun bin ich leider (in diesem Jahr darf man das ja überhaupt nicht sagen :untertauch:) kein wirklicher Mozart-Fan. Insofern klammere ich diesen Teil seines Wirkens nahezu komplett aus. Nahezu. Die Hochzeit des Figaro habe ich mit Böhm; und das gefällt mir schon (allerdings nicht so wie sein "Ring" oder "Tristan").


    Ich bin (auch das darf man hier kaum sagen :stumm: ), der ketzerischen Ansicht, dass Böhm ein viel besserer Dirigent bei Wagner (und vermutlich auch Strauss und Brahms und Bruckner) war als in der Wiener Klassik... :D


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von mucaxel
    Also ich bin bei KARL BÖHM selbst sehr befangen, da er durch die Freundschaft meiner Eltern mit ihm, meine Jugend begleitet hat und ich ihn persönlich sehr gut gekannt habe.


    Hallo mucaxel,


    da werden Dich ja einige hier im Forum beneiden :D
    Könntest Du uns vielleicht einen kleinen Einblick geben, wie Böhm privat so war? Als Musiker konnte er ja unerbittlich sein und sein Sohn meinte ja auch einmal, dass Papa Karl nicht so unbedingt überzeugend war (wenig zu hause und um die Kinder gekümmert, da so sehr mit der Musik beschäftigt)... :rolleyes:


    :hello:
    Stefan

    Viva la libertà!

  • Ja könnte sehr viel erzählen, aber das würde hier zu weit führen. Er war ein großer Dirigent, der genau wußte was er wollte, hatte aber auch sehr viel Humor, konnte sehr "grantig" sein auf Proben zu Sängern, aber auch zu Orchestermusikern.Ich hatte das große Glück bei vielen Proben und auch Aufnahmen als Besucher zu sein und das war schon sehr beeindruckend.
    Privat war er mit Gattin Thea ein sehr umgänglicher Mensch.
    Was mir immer an ihm sehr gefallen hat, war seine ehrliche Freude,wenn er Erfolg hatte. Wenn er beim Solovorhang merkte das viele, viele "BRAVO's" gab, strahlte er wie ein kleiner Junge!
    :hello:

    mucaxel

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Lieber Alfred Schmidt,


    eigentlich haben Sie mir die Worte aus dem Mund genommen und beinahe alles ist auch gesagt. Dennoch will ich noch kurz zu Böhm und Mozart Stellung nehmen, weil Sie auf den interpretatorsichen Konflikt (Böhm=alte Schule und Jacobs=neue Schule) hinweisen. Ich habe beispielsweise sehr lange nach einer Cosi-Aufnahme gesucht, die mir eben am besten gefällt und bin letztlich bei dieser wunderbaren live-Aufnahme mit Karl Böhm, Brigitte Fassbänder, Gundula Janowitz, Peter Schreier u.a. von 74 bei den Salzburger Festspielen (DG) fündig geworden. Schöner kann ich mir Mozart nicht vorstellen. Ich habe auch die Jacobs-Aufnahme angehört, die ja vielgelobt wurde. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie schwierig es für neue Dirigentengenerationen ist, Meisterwerke wie Mozarts Cosi neu zu interpretieren und immer auch wieder ein stückweit neu zu erfinden. Insofern begrüße ich Ihr nebeneinander stellen beider Aufnahmen sehr, auch wenn mir die Jacobsaufnahme nicht behagt. Natürlich wünschte ich mir, dass die Aufnahmequalität von Böhms Einspielungen besser wäre. Dennoch bleiben mir viele seiner Aufnahmen (insbesondere von Mozart) besonders liebenswert. Seine Bruckner-Interpretationen kenne ich (noch) nicht. Vielen Dank für den Tipp!


    Mit besten Grüßen, Roman

  • Fachlich, kann ich Qualitäten von Karl Böhm nur schwer beurteilen, ich weiß aber, dass ich mich immer besonders zur Musik hingezogen fühlte, wenn Böhm dirigierte!
    Gruß
    Padre

  • Auch ich halte Böhm für einen der ganz großen Dirigenten des 20. Jahrhunderts. Darauf, dass er eben nicht auf Mozart oder Strauß reduziert werden kann, ist in diesem und anderen Threads ja schon mehrfach hingewiesen worden. Ich persönlich möchte folgende Aufnahmen spontan als besonders herausragend nennen:


    Tristan und Isolde (Bayreuth 1966): ich habe Tristan in dieser Aufnahme kennen gelernt und halte sie vom Dirigat her nach wie vor für unübertroffen, selbst Furtwänglers Schallplattenlegende stellt sie m.E. in den Schatten. Ab deutlichsten stellte Böhm im Vorspiel zum ersten Akt, im Liebesduett und im Liebestod etwas heraus, was IMO von Wagner "hineinkomponiert" wurde, womöglich aber weder irgendeinem Dirigenten noch irgendjemandem, der darüber geschrieben hat, aufgefallen wäre.


    Ariadne auf Naxos aus Salzburg 1954: ich mag diese Oper nicht und Strauß überhaupt nicht, aber diese Aufnahme ist überwältigend.


    Elektra aus Dresden: warum muss es noch andere Einspielungen geben?


    Zauberflöte (mit Wunderlich): so klingt Mozart!


    7. Bruckner: ein Juwel im Bruckner-Katalog!


    Außer den wenigen Vedi-Aufnahmen (meist während WWII) gibts eigentlich kaum etwas, was ich als nicht gut bezeichnen würde. Selbst die oft geschmähten Mozart-Symphonien zeigen ein unglaublich ausgewogenes entspanntes Musizieren.


    Böhm war für mich untrüglich in der Tempogestaltung, alles klang ebenso entspannt wie durchdacht, immer schlüssig. Umso erstaunlicher, da er ja menschlich alles andere als angenehm (zumindest Musikern gegenüber) gewsen sein soll. Ein Verwandter von mir, der früher in der Staatskapelle Dresden gespielt hat, sagte, dass er doch von einigen Dredner Musikerkarrieren wisse, die Böhm "auf dem Gewissen" hatte.


    Um seinen Nachruhm im deutschsprachigen Raum muss man sich, wie dieses repräsentative Forum zeigt, wohl keine Sorgen machen. In "anderen" Ländern schon eher: mir unverständlicherweise gilt er da wohl lediglich als ordentlicher Kapellmeister (wie mir ein niederländischer Experte immer wieder gern zu verstehen gibt).


    Gruß aus Lübeck
    Dieter

  • Hallo,
    nicht zuletzt war Karl Böhm wohl auch ein ausgewiesener Experte für die Opern von Alban Berg. An die habe ich mich bislang noch nicht herangewagt, aber wenn man sich mit "Wozzeck" und "Lulu" näher beschäftigen will, kommt man wohl nicht um die Böhm-Aufnahmen herum.


    Viele Grüße


    :hello:

  • Böhm ist ja so ein ganz spezieller Fall, vor allem was das Menschliche angeht. Es gibt wohl nur wenige Dirigenten, die unter den Musikern einen derart schlechten Ruf hatten. Bob Ross erzählt in seinem neuesten Buch, daß er 1982 im Bayreuther Festspielorchester saß, als die Todesnachricht eintraf. Jemand regte an, vor der Aufführung eine Gedenkminute für ihn einzulegen, aber kein einziges Orchestermitglied war dazu bereit... Als Dirigent finde ich ihn eher zwiespältig: sein Mozart zeugt für mich davon, daß auch ein hochgelobter Stil veralten kann, die Wagneraufführungen sind teils ausgezeichnet, teils Mittelklasse, Strauss ist wohl sein überzeugendster Repertoirebereich. Was Verdi angeht, wird er hingegen eher unterschätzt: es gibt ja nicht nur Aufnahmen aus der Kriegszeit, sondern noch von 1970 einen durchaus hörenswerten "Macbeth" aus Wien.

  • Dieser Thread ist ja einigermaßten geeignet, an Karl Böhms Todestag zu erinnern. Dazu habe ich diese Box ausgesucht:



    Heute ist sein 34. Todestag.


    Liebe Grüße


    Willi :)



    In diesem Thread ist mehr über Karl Böhm zu erfahren: Was faszinierte die Zeitgenossen an Karl Böhm ?

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Troz der vielen Sänger, an die wir naturgemäß meistens erinnern oder ihnen gratulieren, ist heute auch mal der Tag der Dirigenten. Beginnen wir mit einem der Größten. Zu Karl Böhms heutigem Geburtstag habe ich aus meiner Sammlung mal die Brahms-Sinfonien ausgesucht, die mir ausnehmend gut gefallen:



    Heute ist Karl Böhms 121. Geburtstag.


    Liebe Grüße


    Willi :)


    Zur ersten Symphonie habe ich in diesem Thread meine Meinung veröffentlicht: Johannes Brahms: Sinfonie Nr 1 in c-moll op. 68

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Ich habe bereits in anderen Karl-Böhm-Threads Youtube-Verlinkungen vorgenommen. Natürlich besteht hier die Unsicherheit, wie lange solch ein Link aktiv bestehen bleibt - nach einigen Wochen, Monaten oder Jahren - aber so gut wie immer bleibt dann eine Ruine des Beitrags, weil der versprochen Link nicht mehr funktioniert.
    Andrerseits bietet ein derartiger Link die Möglichkeit, Dirigenten näher kennenzulernen, insbesondere bei Probenmitschnitten.
    Das hier eingestellte youtube Video habe ich erst vor einigen Tagen im Rahmen meiner Recherche entdeckt. Karl Böhm probt hier den "Feuervogel" von Strawinsky. Allen jenen, denen man eingeredet hat, Böhm wäre ein "langweiliger" Dirigent gewesen - ohne Feuer - aber auch jenen, die ihn für einen Tyrannen am Pult halten - sei dieses Vido besonders ans Herz gelegt.


    Man erlebt Böhm, wie er das Orchester antreibt, zur Präzision bringt und unter den "Schnitzern" des Orchesters leidet, was er aber resignierend zur Kenntnis nimmt. Der Umgangston mit dem Orchester ist beinahe väterlich - allerdings stets ein wenig rügend. Man beachte aber auch die temperamentvollen "Ausrutscher", wo er dem Orchester vormacht, wie er sich eine gewisse Stelle vorstellt....


    mfg aus Wien
    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)


  • Lieber Alfred,


    ich nehme die pauschalen und durch nichts bewiesenen Äußerungen gewisser Taminos "über einen angeblichen Langweiler Karl Böhm" gar nicht mehr ernst und habe in der obigen Erinnerung an Karl Böhms Geburtstag mit einem "jetzt erst recht" den Link zu meinem Hörbericht zur Ersten Brahms von Karl Böhm gesetzt.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Eine sehr schöne Würdigung Herbert von Karajans zum 85. Geburtstag von Karl Böhm:



    https://www.youtube.com/watch?v=JfGL2GI7xzY


    Dieses Dokument ist umso bemerkenswerter, als Karajan mit Lob für Kollegen zurückhaltend gewesen ist. Auffällig ist auch, dass Karajan den Böhm duzte.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Was doch nicht alles findet, wenn der Abend lang ist: Karl Böhm dirigiert dioe Ouvertüre zu "Tannhäuser" mit den Wiener Philharmonikern, die sich seinerzeit fast nur aus sehr gestandenen Herren zusammenzusetzen schienen:



    https://www.youtube.com/watch?v=VvinGLYqMgg


    Sehr häufig scheint Böhm den "Tannhäuser" nicht dirigiert zu haben - wenn man von den ganz wenigen Mitschnitten ausgeht, die es gibt. Weiß da wer mehr?

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Es ist erfreulich, wie viele Clips es über Karl Böhm im Netz gibt (Das war nicht immer so, eine Zeitlang hatte ic den Eindruck eines regelrechten Boykotts)
    Und es ist ebenso erfreulich, daß sich dank dieser Clips ein Bild von diesem Dirigenten machen kann. Ich würde jenen, die ihn als Langweiler darstellen (und das aus offensichtlichen Motiven !!) zumindest einen gewissen Mangel an strategischem Geschick unterstellen.
    Man kann - wenn man will - (ich will nicht)einiges über Karl Böhm sagen, das ihn in ein schlechtes Licht stellt. wer ihn aber als "Langweiler" bezeichnet, der hat entweder keine keine Ahnung oder ist ein Nachplapperer
    Früher war man nach seinem Tod auf eine gute Nachrede von Seiten der Nachwelt angewiesen - heute sprechen die hinterlassenen Bild- und Tondokumente für sich selbst.



    Zitat

    Take a look at this magnificent man... 85 years and he conducts Beethoven without score. And his way of concucting... damn i love him.

    


    Zitat

    HOLY SHIT! DR BOHM AT HIS PARNASSIAN BEST!


    Zitat

    Brilliant and bombastic, and I am blessed by the best!


    Zitat

    Wish you lived today, maestro Böhm


    Zitat

    the most energetic sound I have ever heard.


    nur ein paar Statements zu diesem clip (vieles ist in japanisch - und mein Japanischist ein wenig brüchig... ;)


    mfg aus Wien
    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)


  • Allen jenen, denen man eingeredet hat, Böhm wäre ein "langweiliger" Dirigent gewesen - ohne Feuer - aber auch jenen, die ihn für einen Tyrannen am Pult halten - sei dieses Vido besonders ans Herz gelegt.

    Das sind meist diejenigen, die zunächst - zum Glück vergeblich - versucht haben, Böhm aufgrund seiner, zugegeben fragwürdigen, Haltung während des 3. Reiches zu demontieren, mit Äußerungen, die nur zum Teil belegbar sind, und andere, die bei Licht betrachtet, nur aus dieser turbulenten Zeit zu verstehen sind. Beispielsweise, wie auch hier in einem anderen Thread zu lesen, soll Böhm einem Orchestermusiker während einer Probe diesen Satz an den Kopf geworfen haben: "Wenn Sie die Stelle morgen nicht können, sind sie übermorgen an der Ostfront!"
    Hört sich ja recht schlimm an, aber es ist ja ohne Folgen geblieben, oder ist ein Fall bekannt geworden, daß Böhm eine solche Drohung, wenn sie denn überhaupt ernst gemeint war, in die Tat umgesetzt hat? Von Toscanini sind zahlreiche wesentlich schlimmere Beschimpfungen, Drohungen und sogar Tätlichkeiten überliefert, kein Mensch spricht mehr davon. Aber der konnte ja auch keinen an die Ostfront schicken .....


    Mich erinnert der Satz an Drohungen, die man früher (auch heute noch) Kindern gegenüber sagt, "wenn du nicht brav bist, holt dich der Knecht Ruprecht, oder warte, der Nikolaus steckt dich in den Sack". Und wahrscheinlich war er auch so gemeint ..... Aber aus der Sicht von heute hört sich das natürlich alles ganz schrecklich an. Fein war es ja auch nicht, das will keiner behaupten, Böhm war bei Proben alles andere als bequem, aber jemand aus solchen Aussagen heute einen Strick drehen zu wollen, das finde ich schon recht seltsam. Aber wenn gar nichts hilft, die Nazikeule die zieht immer!


    Später, als die nicht mehr so recht ankam, hat man dann Böhm als Langweiler, als uninteressanten, als temperamentlosen Dirigenten hinzustellen, oder als "Linzer Tortengewächs aus dem Operettenstaat Österreich". Ein so lächerlicher Vorwurf, daß man ihn gar nicht ernst nehmen kann!


    Die Zahlen sprechen dagegen: Wenn man "Karl Böhm" bei Amazon aufruft, so werden über 1000 Ergebnisse angezeigt, und bei jpc sind es nicht weniger als 416 Treffer! Da mögen etliche Doubletten dabei sein, aber selbst wenn man die berücksichtigt, so ist der Dirigent fast 40 Jahre nach seinem Tod noch sehr "lebendig" und präsent! Da soll auch niemand kommen und "Masse statt Klasse" rufen, auch die Bewertungen sprechen eine eindeutige Sprache. Vier bis fünf Sterne sind die Regel! Selbstverständlich gibt es unter der Vielzahl von Aufnahmen auch weniger gute, wie könnte es auch anders sein, aber die allermeisten Aufnahmen können noch heute in jedem "Härtetest" bestehen! Seine Mozart-Aufnahmen sind Legende, vor allem die Opern, aber auch Beethoven, Brahms, Bruckner, Wagner und nicht zuletzt Richard Strauss waren bei ihm in guten Händen.


    Stellvertretend nenne ich hier eine Aufnahme, die IMO bis heute konkurrenzlos ist und seinen Ruf als "Mozart-Papst" untermauert. Wollte ich alle aufführen, so würde das den Rahmen sprengen:



    LG, Nemorino


    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Danke für das feurige Plädoyer für Dr. Böhm, lieber nemorino.


    Stellvertretend nenne ich hier eine Aufnahme, die IMO bis heute konkurrenzlos ist und seinen Ruf als "Mozart-Papst" untermauert. Wollte ich alle aufführen, so würde das den Rahmen sprengen:


    Dazu hätte ich eine Frage: Fällt Roberta Peters tatsächlich etwas ab? Ich habe diese Aufnahme bisher nicht vorliegen. Mein Klassiker war eigentlich die fast gleichzeitig entstandene Klemperer-Einspielung. Wie würdest Du die beiden im Direktvergleich charakterisieren, falls Du auch die andere kennst?

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Dazu hätte ich eine Frage: Fällt Roberta Peters tatsächlich etwas ab? Ich habe diese Aufnahme bisher nicht vorliegen. Mein Klassiker war eigentlich die fast gleichzeitig entstandene Klemperer-Einspielung. Wie würdest Du die beiden im Direktvergleich charakterisieren, falls Du auch die andere kennst?


    Lieber Joseph,


    da ich beide Aufnahmen sehr gut kenne erlaube ich mir an dieser Stelle zu antworten:
    (Danke für die Anregung diese beiden großartigen Rollenportraits noch einmal anzuhören!)


    Roberta Peters wirkt in der Höhe meiner Meinung nach etwas schriller als Lucia Popp unter Klemperer. Ich schließe allerdings nicht aus, das dieser Unterschied womöglich auch auf die unterschiedlichen technischen Aufnahmeumstände zurückzuführen sein könnte.
    Dazu kommt, dass Roberta Peters mit der deutschen Aussprache merklicher zu kämpfen hat als Popp.


    Das ist zumindest meine Einschätzung der beiden nächtlichen Königinnen im direkten Vergleich.
    Das große Plus der Böhm Aufnahme liegt in meinen Augen bei anderen Sängern. Für mich ganz persönlich neben Wunderlich vor allem Franz Crass als Sarastro.


    HG David

  • Danke für das feurige Plädoyer für Dr. Böhm

    Gerne geschehen, lieber Joseph II., es kam von Herzen!

    Dazu hätte ich eine Frage: Fällt Roberta Peters tatsächlich etwas ab?

    Nun ja, Roberta Peters war ein sehr leichter Sopran, wie in Leinsdorfs "Barbiere" oder in der "Rigoletto"-Aufnahme mit Björling unter Perlea (beide RCA) zu hören ist. Da ist sie am rechten Platz, aber als Königin der Nacht ist sie keine Idealbesetzung. Trotzdem meistert sie ihre Aufgabe gut, die Koloraturen sind nicht zu beanstanden, aber es fehlt eben das "sternflammende" Element, wie es Lucia Popp in der Klemperer-Aufnahme so großartig demonstriert. Diese Aufnahme besitze ich auch, sie ist sängerisch glanzvoll, hat aber in Gottlob Frick (den ich sehr verehre) als Sarastro eine Schwachstelle, weil er hier nicht seinen besten Tag hatte. Dagegen ist Franz Crass bei Böhm ein wunderbarer Sarastro, und Fritz Wunderlich ist als Tamino einfach nicht zu schlagen. So sehr ich Gedda mag, aber in dieser Rolle ist Wunderlich bis heute (für mich) konkurrenzlos.
    Beide Produktionen sind fantastisch, aber nicht ganz ohne Schwachstellen. Ich finde, man sollte sie beide haben.


    LG :hello: Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Beide Produktionen sind fantastisch, aber nicht ganz ohne Schwachstellen. Ich finde, man sollte sie beide haben.


    Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen!
    Ich persönlich würde auch gerne diese Aufnahme gerne mal hören:

    Kennt die einer von euch?


    HG David

  • Lieber David, lieber nemorino,


    danke für eure Erwiderungen. Bei einer "Zauberflöte" ohne eine adäquate Königin der Nacht tue ich mich persönlich schon schwer. Lucia Popp war jahrelang mein Ideal, auch wenn ich zugeben muss, dass ich durch Edda Moser (unter Sawallisch) und Cristina Deutekom (unter Solti) mindestens gleichwertige Alternativen gefunden habe. Die Popp ist vielleicht die humanste aller Königinnen, also gewissermaßen stark konträr zu Mosers Darstellung, die aber bei dieser Rolle m. E. voll überzeugt.


    Die frühere "Zauberflöte" von Böhm scheint von 1955 zu sein, aber ebenfalls bereits in Stereo. Im entsprechenden Thread wurde das sicherlich schon mal ausführlicher diskutiert. Wenn ich mich recht entsinne, hatten beide Böhm-Aufnahmen ihre Befürworter.


    Beste Grüße
    Joseph

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

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