Otmar Suitner

  • Hallo Forianer,


    nach Erich Leinsdorf setze ich mit diesem Thread die Reihe mit Portraits von wichtigen Dirigenten des 20. Jahrhunderts fort, die ein sehr vielseitiges Repertoire aufzuweisen hatten und international sehr geschätzt wurden, heute:


    Otmar Suitner





    Otmar Suitner, geboren am 16. Mai 1922, studierte am Konservatorium Innsbruck Klavier bei F. Weidlich und 1940/42 am Mozarteum in Salzburg ebenfalls Klavier bei Franz Ledwinka und Dirigieren bei Clemens Krauss. 1942/44 gab er Konzerte als Pianist, u. a. in Wien, Rom, München sowie in der Schweiz. 1952 beginnt seine Tätigkeit als Kapellmeister. Bis 1957 war er Musikdirektor in Remscheid. 1957/60 hatte Suitner die Funktion des Generalmusikdirektors der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, mit der er in Berlin, München, Hamburg sowie in Italien und Griechenland gastierte. Mit diesem Orchester begleitete er auch die legendäre Sopranistin Maria Callas.


    1960/64 dirigierte Suitner die Sächsische Staatskapelle Dresden und außerdem zahlreiche Aufführungen an der dortigen Staatsoper. 1964/71 und dann wieder 1974/91 war er Generalmusikdirektor an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Die Staatskapelle Berlin nannte er einmal "meine herrliche Kapelle". Er ist Ehrendirigent des NHK-Symphonieorchesters Tokio. Suitner war Gast in fast allen europäischen Ländern, vor allem in Schweden, Italien, der Schweiz und an der Wiener Staatsoper, aber auch in den USA und Lateinamerika. Häufig dirigierte er bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth.


    Suitner erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. 1973 von Papst Paul VI. den Gregorius-Orden und im Jahre 2004 den Tiroler Landespreis für Kunst. Er ist diesem österreichischen Bundesland seit seiner frühen Jugend eng verbunden. Bereits im Januar 1944 hatte er am Innsbrucker Theater eine Aufführung des Rigoletto geleitet. Mehrfach wurde ihm der Professorentitel verliehen. 1975 und 1976 leitete er den Dirigentenkurs der Sommerakademie Salzburg.


    Otmar Suitner gilt als hoch geschätzter Opern- und Konzertdirigent. Er ist ein international anerkannter Experte für Richard Wagner und Richard Strauss. Besonders hervorzuheben ist seine umfangreiche internationale Arbeit. Er war zu Zeiten der DDR langjähriger GMD der Staatsoper Unter den Linden in Berlin und dirigierte in Moskau und Prag. Er hat als Lehrer viel für die Ausbildung des Dirigentennachwuchses getan. Mit einer Fülle repräsentativer Schallplattenaufnahmen trug Suitner wesentlich zur Dokumentation und Verbreitung klassischer Musik bei. Suitner setzte sich auch sehr erfolgreich mit der Moderne auseinander. Davon zeugt seine intensive Zusammenarbeit mit Paul Dessau, von dem er viele Opern zur Uraufführung brachte und für die Schallplatte einspielte. Zur künstlerischen Entwicklung sowie zum nationalen und internationalen Ansehen der Staatskapellen Berlin und Dresden hat er einen wesentlichen Beitrag geleistet.


    Auch Otmar Suitner bewahrte den hohen Standard der Staatskapelle Berlin. Es ist völlig falsch, zu behaupten, erst durch Barenboim stieg das Orchester wieder zu einem internationalen Spitzenorchester auf. Das war es schon vorher, dank Konwitschny und Suitner!



    Ich habe Suitner sehr oft live an der Berliner Staatsoper erlebt, so z.B.:
    "Der Freischütz", "Der Barbier von Sevilla", "Cosi fan tutte", "Otello", "Tannhäuser", "Der fliegende Holländer", "Der Rosenkavalier".


    Dirigate in Bayreuth (insgesamt 32):


    1964: Tannhäuser (7)
    1965: Der fliegende Holländer (acht)
    1966: Das Rheingold (3), Die Walküre (2), Siegfried (2), Götterdämmerung (2)
    1867: Das Rheingold (3), Die Walküre (1), Siegfried (3), Götterdämmerung (1)



    Diskographie (Auswahl):


    Beethoven: Die neun Sinfonien / Staatskapelle Berlin / 1980-83 / Solisten bei Sinfonie Nr. 9 Magdalena Hajossyova, Uta Priew, Eberhard Büchner und Manfred Schenk.


    Beethoven: Ouvertüren zu Egmont, Coriolan und Fidelio / Staatskapelle Berlin / 1984


    Beethoven: Ouvertüren Leonore III, Die Geschöpfe des Prometheus / Staatskapelle Berlin / 1984


    Bizet: Sinfonie Nr. 1 (C-Dur) / Staatskapelle Dresden


    Brahms: Sinfonien 1-4 / Staatskapelle Berlin / 1984-86


    Bruckner: Sinfonien Nr. 1, 4, 5, 7, 8 / Staatskapelle Berlin / 1987-90


    Debussy: Prélude a l'aprèsmidi d'un faune / Staatskapelle Dresden


    Dessau: Einstein / Operngesamtaufnahme / Schreier, Adam, Büchner
    und andere / Staatskapelle Berlin / 1977


    Dessau: Leonce und Lena / Gesamtaufnahme / Süß, Büchner, Nossek, Menzel, Schaller, Leib, Eisenfeld, Garduhn / Chor der Deutschen Staatsoper Berlin / Staatskapelle Berlin / 1980


    DvoYák: Die neun Sinfonien / Staatskapelle Berlin / 1977-81


    Eisler: Ernste Gesänge / Günter Leib / Staatskapelle Dresden


    Grieg: Peer Gynt Suiten Nr.1 und 2 / Bamberger Symphoniker


    Grieg: Drei Orchesterstücke op. 56 (zu „Sigurd Jorsalfar“) / Staatskapelle Berlin / 1976


    Grieg: Suite „Aus Holbergs Zeit“ op. 40 / Staatskapelle Berlin / 1976


    Händel: Acis und Galathea / Kunitachi College of Music / 1980


    Haydn: Sinfonie Nr. 100 („Militär-Sinfonie“) / Gewandhausorchester Leipzig / 1950-er?


    Humperdinck: Hänsel und Gretel / Gesamtaufnahme/ Springer, Hoff, Adam, Schreier / Staatskapelle Dresden / 1969


    Hindemith: ´Symphonische Metamorphosen / Staatskapelle Dresden / 1965/66


    Lanner: Waltzer, Hofball- und Steyrische Tänze und Die Schöbrunner / Staatskapelle Dresden / 1970


    Liszt: Orpheus, Mazeppa / Bamberger Symphoniker


    Lortzing: Die Opernprobe / Gesamtaufnahme / Litz, Hirte, Lövaas, Marheineke, Gedda / Chor und Orchester der Bayerischen Staatsoper / 1974


    Mahler: Sinfonie Nr. 1 / Staatskapelle Dresden / 1962

    Mahler: Sinfonie Nr. 2 / Hajossyova, Priew / Staatskapelle Berlin / 1983

    Mahler: Sinfonie Nr. 5 / Staatskapelle Berlin / 1984


    Mozart: Die Hochzeit des Figaro / Gesamtaufnahme (dt.) / Prey, Güden, Rothenberger, Berry, Mathis, Schreier, Vogel / Staatskapelle Dresden / 1964


    Mozart: Cosi fan tutte / Gesamtaufnahme / Casapietra, Burmeister, Leib, Schreier, Geszty, Adam / Chor der Deutschen Staatsoper Berlin / Staatskapelle Berlin / 1969


    Mozart: Die Entführung aus dem Serail / Vulpius, Rönisch, Apreck, Förster van Mill / Staatskapelle Dresden / 1961


    Mozart: Die Zauberflöte / Gesamtaufnahme / Adam, Schreier, Geszty, Donath, Leib, Hoff, Kuhse, Vogel / Staatskapelle Dresden / 1970


    Mozart: Sinfonien Nr. 28-36, 38-41 / Staatskapelle Dresden / 1965-1975


    Mozart: Sinfonie Nr. 41, C-Dur, KV 551 (Jupiter) / NHK-SO Live in Tokio / 1982


    Mozart: Serenaden Nr.2, 6, 13 / Staatskapelle Dresden / 1965-1975


    Mozart: Notturno KV 286 / Staatskapelle Dresden / 1965-1975


    Mozart: Ein musikalischer Spaß / Staatskapelle Dresden / 1965-1975


    Mozart: Klavierkonzerte Nr. 15 und 21 / Annerose Schmidt / Staatskapelle Dresden / 1965-1975


    Pfitzner: Palestrina / Gesamtaufnahme / Schreier, Lorenz, Nossek, Lang, Polster, Ketelsen, Garduhn, Trekel, Bär, Priew / Chor der Deutschen Staatsoper Berlin / Staatskapelle Berlin / 1986-88


    Reger: Orchesterwerke / Staatskapelle Dresden


    Rossini: Der Barbier von Sevilla / Gesamtaufnahme (dt.) / Pütz, Burmeister, Prey, Schreier, Ollendorff, Crass / Staatskapelle Berlin / 1965


    Schubert: Alfonso und Estrella / Gesamtaufnahme / Mathis, Schreier, Fischer-Dieskau, Prey, Adam / Rundfunkchor Berlin / Staatskapelle Berlin / 1978


    Schubert: Sinfonie Nr. 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 9 / Staatskapelle Berlin / 1983-86


    Schumann: Die vier Sinfonien / Staatskapelle Berlin / 1986-87

    Smetana: Die verkaufte Braut / Gesamtaufnahme / Burmeister, Schlemm, Lange, Leib, Teschler, Adam / Staatskapelle Dresden


    Strauss: Metamorphosen / Staatskapelle Dresden / 1965/66


    Strauss: Salome / Gesamtaufnahme / Goltz, Gutstein, Melchert, Hoppe /
    Staatskapelle Dresden / 1963


    Strauss: Salome / Gesamtaufnahme San Francisco House of Opera Live / Rysanek, Varnay, Nimsgern, Hopf / Orchester der Oper San Francisco / 1974


    Suppé: Die schönsten Ouvertüren / Staatskapelle Dresden / 1969


    Wagner: Tannhäuser / Gesamtaufnahme San Francisco House of Opera Live / Thomas, Rysanek, Napier, Stewart und andere / Orchester der Oper San Francisco / 1973


    Wagner: Tannhäuser / Gesamtaufnahme / Hübner, Wenkoff, Lorenz, Casapietra, Dvorakova, Olesch, Garduhn / Staatskapelle Berlin / 1982


    Weber: Ouvertüren / Staatskapelle Berlin / 1974


    Weber: Sinfonie Nr.1 C-dur / Staatskapelle Dersden


    Theo Adam - Mozart-Arien / Staatskapelle Dresden / 1969


    René Kollo singt Wagner / Staatskapelle Berlin / 1972


    Hermann Prey - Mozart-Arien Staatskapelle Dresden / 1964


    Peter Schreier - Mozart-Arien / Staatskapelle Berlin / 1967


    Aus der Diskographie ist hervorzuheben, dass Suitner als erster und einziger in der ehemaligen DDR sämtliche Dvorak-Sinfonien eingespielt hat, die sich durch eine hohe künstlerische Qualität auszeichnen.


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    Ferner bietet er hervorragende Einspielungen, der in deutscher Sprache aufgenommenen Opern: "Die Hochzeit des Figaro" (Mozart) und "Der Barbier von Sevilla" (Rossini).





    Als Strauss-Experte ergänzt Suitner den Schallplattenkatalog mit einer sehr interssante "Salome".


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    Suitners Einspielung von "Hänsel und Gretel" bietet Peter Schreiers sensationelle Interpretation der Knusperhexe.





    Sehr erwähnenswert ist auch Suitners Einspielung von Pfitzners "Palestrina".






    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Hallo,


    Die einzigen Aufnahmen die ich mit Suitner und der Staatskapelle habe sind die fantastischen Einspielungen der Dvorak-Symphonien.


    [jpc]5562790.[/jpc]


    Die Box lohnt sich wirklich, da meines erachtens alle Interpretationen gut oder sogar sehr gut sind!


    Viele Grüße,


    Raphael

  • raphaell: Zustimmung!


    Es war die erste Dvorak-Box, die ich mir zugelegt habe. Anfangs hat sie mich nicht so beigeistert und irgendwie war mit der Klang zu dumpf, weshalb ich mir Kubelik zugelegt. Er ist vielfach aber nicht immer deutlich besser. Als mich der spitze Klang der DGG-Box nervte, zog ich wiedermal Suitner raus und war erstaunt wie gut mir die Aufnahmen mittlerweile gefielen. Den Klang ziehe ich im Direkten Vergleich deutlich mit Kubelik vor, was sicher auch an den mittlerweile besseren Kopfhörern liegt (Sennheiser HD 555). Sehr gut durchhörbar.


    Keine Aufnahme, die ich missen möchte und die zudem keine Splittings zwischen den Symphonien beinhaltet.

    Früher rasierte man sich wenn man Beethoven hören wollte. Heute hört man Beethoven wenn man sich rasiert. (Peter Bamm)

  • :hello:Hallo zusammen,
    die Dvorak-Sinfonien sind Herrn Suitner wirklich gut gelungen. Insbesondere die nicht gerade populäre 1. mag ich wirklich gern in seiner Interpretation (IMO nur getopt von Kertesz). Die »Salome« ist ein Glanzstück, was aber zuvorderst Christel Goltz in der Titelrolle zu verdanken ist.
    Einen nicht soooo guten Griff hat Suitner mit seinem Brahm-Zyklus bewiesen:



    Die Sinfonien sind ziemlich kraft- und IMO konzeptlos musiziert. Der Kopfsatz der Ersten wurde wohl selten mit so wenig Zug, Ausdruck und Dramatik gegeben wie hier. Eigentlich etwas erstaunlich, wenn man die Dvorak-Sinfonien mit Suitner kennt und seine wirklich exeptionelle »Salome« gehört hat.


    :hello:


    Klawirr

  • Gefühlsmäßig ist mir Suitner sehr präsent, um so verblüffter war ich eben, daß sich gerade mal zwei CDs von ihm in meiner Sammlung finden ?( .





    Dann werde ich mir wohl mal die Dvorak-Box zulegen müssen, zumal mir noch eine Alternative zu Gunzenhauser für die frühen Sinfonien fehlt.


    Sollte man die haben?




    :hello:
    Reinhard

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Zitat

    Sollte man die haben?


    Meiner Meinung nach nicht - weil sehr viele Werke nicht komplett sondern nur satzweise drauf sind.


    Übrigens ist dieser Suitner auch für mich ein großer Dirigent gewesen: Logische Tempi, schöne Balancen, und doch eine gewisse Rauhheit des Klanges waren sein Markenzeichen. Die Dessau-Aufnahmen sind fulminant, Bruckner ist fabelhaft, Mahler für mich etwas zu bieder. Glänzend ist die "Palestrina"-Einspielung, die ich jedem rate, der bei der (gleichwertig dirigierten) Kubeliks Dietrich Fischer-Dieskau als Hemmschuh für die Begeisterung empfindet. Suitner dirigiert den "Palestrina" übrigens weitaus scharfkantiger und härter als Kubelik.
    :hello:

    ...

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Meiner Meinung nach nicht - weil sehr viele Werke nicht komplett sondern nur satzweise drauf sind.


    Danke. Das mag ich überhaupt nicht. :no:

    Einer acht´s - der andere betracht´s - der dritte verlacht´s - was macht´s ?
    (Spruch über der Eingangstür des Rathauses zu Wernigerode)

  • Suitner leitete die Premiere von "Palestrina" an der Lindenoper. Lange konnte sich das Werk leider nicht auf dem Spielplan behaupten.


    Die Aufnahme entstand Live in zwei Teilaufführungen in Jahresfrist im Berliner Konzerthaus.



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Hallo!!
    Schön, dass es einen Thread über einen meiner Lieblingsdirigenten gibt. Ich besitze die beiden deutschen Operngesamtaufnahmen des Figaro und des Barbiers. Beide sind großartig.


    Der Figaro ist für mich sowieso eine Jahrhunderteinspielung, siehe meine Unverzichtbaren.


    Der Barbier ist gut, aber die Komik kommt auf deutsch einfach nicht so rüber, daher nicht so unbedingt empfehlenswert. Aber aufgrund des Dirigats und der Sänger schon wieder. Hach, ich weiß nicht, soll ich oder soll ich nicht!


    Was solls ich empfehl ihn mal!


    LG joschi

  • Diese Oper

    kommt unter Suitners Dirigat wunderbar zur Geltung.


    Sehr lebendig, aber präzise (z. B. mit etlichen gelungenen Accelerandi) gestaltet. Auffällig ist, dass mehrere Sänger (auf jeden Fall Schreier und Adam) bei sehr pathosgeladenen Stelle einen Ton guttural "anreißen" (z. B. Schreier "ihn zum Kampfe fordern"). Könnt ihr euch vorstellen, was ich meine? So etwas kenne ich, soweit ich weiß, aus keiner anderen Opernaufnahme und auch nicht von diesen Sängern. War das wohl eine Idee Suitners?

    „People may say I can't sing, but no one can ever say I didn't sing."
    Florence Foster-Jenkins (1868-1944)

  • Aufgefallen ist er mir erstmals mit dem 'Ring' in Bayreuth. Seine 8. Bruckner sowie seine 9. Schubert sind für mich Referenz. Und seine Mozart-Sinfonien werden auch einmal die Zeiten und Moden überdauern.


    Gruß

  • Otmar Suitner hat einen herrlichen Mozart eingespielt und eins kann ich sagen, es ist neben Böhms Mozart der schönste Mozart den ich kenne. Und diese beiden sind sich bei Mozart sehr ähnlich!


  • Eine meiner Lieblingsaufnahmen von Suitner sind Orchesterwerke von Max Reger:


    Beethoven-Variationen op. 86
    Ballettsuite op. 130
    Konzert im alten Stil op. 123


  • Hallo Forianer,


    habe heute wieder diese Aufnahme gehört:





    Eine erstklassie Aufnahme, voller Wärme mit einer hervorragend disponierten Staatskapelle Berlin und Suitner am Pult. Unbedingt empfehlenswert!



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Liebe Suitner-Interessierte,


    Nachdem hier schon einige, vorzügliche Dessau-Einspielungen Suitners genannt waren, möchte ich hier noch auf Suitners Aufnahme mit der Staatskapelle Berlin von Dessaus "Symphonischer Adaptation" von Mozarts Quintet Es-dur KV 614 hinweisen, die ich sehr hübsch finde, auch wenn sich Mozart-Puristen wohl mit Grausen abwenden werden. Da hier auch Suitners Mozart-Einspielungen schon gelobt wurden, wundert mich jetzt nicht mehr, dass diese Aufnahme so gut gelungen ist. Die Aufnahme ist auf dieser CD:



    Die Sinfonie Nr.2 ist jedoch mit dem Rundfunkorchster Berlin und Rolf Kleinert, die "Lenin" Orchestermusik wieder mit der Staatskapelle Berlin aber Dessau selbst aufgenommen. Auch wenn bei so unterschiedlichen Werken ein Vergleich natürlich äußerst problematisch ist, scheint mir Suitner den Orchesterklang der Staatskapelle besser auszubalancieren als Dessau.


    Grüße, Matthias

  • Hallo,


    Ich finde es sehr gut, dass sich ein thread mit Otmar Suitner beschäftigt, den ich für einen ganz großen Dirigenten der Nachkriegszeit halte. Er hatte vielleicht nur das Pech, auf der anderen Seite der Mauer zu wirken. So muss man vorlieb nehmen mit wenigen erhältlichen Einspielungen der DDR-Firma ETERNA bzw. des Nachfolgers berlin classics. Ich habe noch seinen Einstand bei der Berliner Staatskapelle miterlebt mit Brahms' 1. Symphonie, die ich noch nie so fulminant und mitreißend gehört habe. Er hat die Staatskapelle Berlin zu einem wirklichen Spitzenorchester geformt. Von Dirk Stöve gibt es über Suitner ein sehr gutes Buch "Meine herrliche Kapelle", erschienen im Henschel-Verlag. Die bei berlin classics erschienene CD mit Orchesterwerken von Paul Dessau mit der Suitner gewidmeten Mozart-Adaptation aus dem Jahre 1965 kann ich auch nur empfehlen. Wenn ich lese, dass Otmar Suitner Ehrendirigent des NHK-Symphonieochesters Tokio wurde, so ist sein schmuckloser Abschied von der Staatskapelle Berlin um so beschämender.

    Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

  • Zitat

    ähnlich hat auch Hindemith Mozart in seinen Metamorphosen verarbeitet


    Tatsächlich? Warum hat er sein Werk dann "Symphonische Metamorphosen über Themen von Weber" genannt? :D
    :hello:

    ...

  • Suitners 1. Symphonie von Mahler habe ich gerade gehört:



    Mir gefällt hier der sehr schöne Orchesterklang. Alle Feinheiten sind ausgesprochen gut zu hören. Für kantigere, die Brechungen des Materials stärker herausarbeitende Interpretationen muß man sicher eher zu anderen greiffen. Insofern verstehe ich Edwins Kommentar, Suitners Mahler wäre etwas bieder, schon gut. Dennoch für mich eine hörenswerte, in sich schlüssige Interpretation, die zudem spottbillig zu bekommen ist.


    Wer kann mir denn etwas mehr zu Suitners übrigen Mahler-Einspielungen sagen?


    :hello: Matthias

  • "Nach der Musik", unter diesem Titel läuft zurzeit an (einigen) Kinos eine Filmdokumentation über den Dirigenten Otmar Suitner. Da ich ihn einige Male, leider zu selten, am Pult der Staatskapelle Berlin in den siebziger/achtziger Jahren erlebt und zu schätzen gelernt habe, schaute ich mir diesen Film heute an.
    Es ist ein sehr persönlicher Film seines Sohnes aus der zweiten Beziehung, Igor Heitzmann und dessen Abschluss als Filmregisseur an der Deutschen Film-und Fernsehakademie in Berlin.


    Auch wer Otmar Suitner nicht näher kennt, der Film geht unter die Haut! Suitner hat Ende 1989 aus gesundheitlichen Gründen seinen Dirigentenabschied genommen. Im besten Dirigentenalter mit 68 Jahren; Suitner sagt dazu, es gibt ja Dirigenten, die werden noch aufs Podium getragen, aber das ist nicht sein Ding. Der 2007 gedrehte Streifen bringt uns die Vater-Sohn-Beziehung sehr nahe. Der Sohn wuchs mit seiner Mutter in West-Berlin auf, Vater lebte im Ostteil der Stadt, man sah sich, wenns gut ging, kurz am Wochenende. Zu sehen sind einige Konzertausschnitte und späte Begegnungen an den früheren Wirkungsstätten Bayreuth, Wien und an der Staatsoper, wo der 85jährige noch einmal nur für seinen Sohn, der Vater noch nie als Dirigent erlebt hatte, einen Privatauftritt mit der Staatskapelle gab.


    Die Tatsache, dass so ein Film auf der Kinoleinwand zu sehen ist, ist schon etwas ganz Besonderes, ich kann ihn allen Musikfreunden, die evtl. Gelegenheit haben, ihn zu sehen, nur empfehlen!



    :hello:

    Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

  • Zitat

    Original von timmiju
    "Nach der Musik", unter diesem Titel läuft zurzeit an (einigen) Kinos eine Filmdokumentation über den Dirigenten Otmar Suitner.


    Da ich auch im Mailverteiler von Igor Heitzmann bin bekomme ich regelmäßig neuste Neuigkeiten die den Film betreffen. Man kann nahe Termine auch hier: http://www.nachdermusik.de nachlesen. Für die Berliner und Dresdner kam zudem folgende Info:


    In Berlin


    ab Donnerstag, den 6. August täglich um 17:00 Uhr im ACUDkino
    Veteranenstraße 21, 10119 Berlin-Mitte
    Tel: 030-44 35 94 98


    sowie, besonders erfreulich & hoffentlich bei gutem Wetter:
    am Montag, den 10. August, um 21:15 Uhr, im Freiluftkino Museen Dahlem
    Lansstr. 8, 14195 Berlin (Wilmersdorf)
    Tel: 030-8937143


    In Dresden


    nunmehr in der 10. Woche und weiterhin
    täglich um 15:45 + Sonntagsmatineen, im Filmtheater Metropolis
    Am Brauhaus 8, 01099 Dresden
    Tel: 0351-816 67 21


    Ich habe Ausschnitte aus dem Film in einer Art 'maiking of' gesehen und bin auf die volle Version auch schon sehr gespannt.


    :hello: Steffen

  • Ich habe heute Abend den Film hier in Debrecen gesehen. Der ungarische Titel lautet allerdings etwas anders. Statt "Nach der Musik" hat man bei der Übersetzung einen ganz anderen Titel: "Die Musik meines Vaters" gewählt, was eigentlich schade ist, denn genau das Doppeldeutige des eigentlichen Titels kommt dadurch abhanden.


    Ich gehe sehr selten ins Kino - der Kinobesuch hat sich aber gelohnt. Ich freue mich, den Film gesehen zu haben.


    :hello: KP

  • Habe den Film vor geraumer Zeit zufällig im TV gesehen. Müßte sich um denselben Streifen gehandelt haben. Sehr bewegend. Weiß jemand eventuell, welcher Sender es war?

  • Eben lese ich bei Wikipedia, daß Otmar Suitner am 08.01.2010 verstorben ist.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Zitat

    Original von Norbert
    Eben lese ich bei Wikipedia, daß Otmar Suitner am 08.01.2010 verstorben ist.


    Lieber Norbert,


    da brauchtest Du nicht erst zu Wickie zu gehen, das Gute liegt näher:


    Otmar Suitner verstorben


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Lieber Harald,


    in den Thread hatte ich tatsächlich nicht geschaut...


    Noch in dieser Woche hatte ich meine spätliche Sammlung von CDs mit Otmar Suitner erweitert



    Ich werde die Werke nun mit ein wenig anderen Ohren hören...

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Ein ganz großartiger Dirigent und Mensch lebt nicht mehr. Ich hatte die Ehre, gestern am Requiem in der Berliner Hedwigs-Kathedrale teilnehmen zu können. Das ging wahrlich unter die Haut. Die musikalische Ehrung erfolgte durch Mitglieder seiner Berliner Staatskapelle, vorrangig durch Musiker, die ihn noch persönlich kannten. Darunter der langsame Satz aus Mozarts Klarinettenkonzert mit dem Solo-Klarinettisten Matthias Glander; dieses Konzert (auch mit Glander) stand im Januar 1996 in einem Konzert mit Otmar Suitner in Berlin auf dem Programm, was leider mitten in der Probenarbeit aufgrund schwerer Erkrankung des Dirigenten abgesagt werden musste.


    Zu den Trauerrednern zählte neben dem Ehrenmitglied der Staatskapelle Lothar Friedrich auch Suitners Sohn, Igor Heitzmann. In seiner bewegenden Ansprache verwies er besonders auf die letzte Zeit, die er sehr intensiv mit seinem Vater verbrachte. So hörten sie zusammen viele Aufnahmen, sowohl eigene, aber auch mit anderen Dirigenten (begeistert war er vom Ring des Nibelungen mit Chereau). Otmar Suitner hatte bis zuletzt die Musik im Kopf und dirigierte mit. "Heute würde ich vieles anders dirigieren" war seine Aussage und auch (nach dem Anhören von Toscanini-Einspielungen) die Einsicht, "es gibt leider bessere Dirigenten als ich".


    Ich bin froh, diesen Dirigenten mehrmals im Konzert und in der Oper erlebt zu haben, unvergesslich bleibt mir sein Einstiegskonzert mit Brahms' 1. Sinfonie. Leider auch unvergesslich ein Konzert mit einer anderen Brahms-Sinfonie, der 4., die kurz vor dem Schluss abgebrochen wurde, weil sich die Bühnendecke in der Staatsoper absenkte. Nach kurzer Unterbrechung kam Suitner wieder auf die Bühne und sagte lapidar: "Das Konzert ist beendet".


    Nun hat sich sein Leben beendet, zurück bleiben die Erinnerungen und einige schöne Musikaufnahmen.


    :hello:

    Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

  • Hier der Hinweis auf eine interessante-Film-Dokumentation, die im Mai im ZDF-Theaterkanal ausgestrahlt wird:


    Nach der Musik
    Fernsehfilm, Deutschland 2006
    mit Otmar Suitner, Marita Suitner, Renate Heitzmann und Igor Heitzmann
    Buch und Regie: Igor Heitzmann


    Auf sehr persönliche Weise erzählt Igor Heitzmann in seinem Debütfilm die Geschichte einer Annäherung: an den berühmten Vater Otmar Suitner, den fernen Dirigenten, an das einstige Land DDR, die unorthodoxen Lebenswege der Eltern und an die Musik.
    Anfang der sechziger Jahre beginnt Otmar Suitner, in der DDR als Dirigent zu arbeiten. Er hat zwei Familien - auf beiden Seiten der Mauer. In seinem Lebenslauf und in dem seiner Familie spiegelt sich ein ganzes Kapitel deutschdeutscher Zeitgeschichte. Sein Sohn, der im Westteil Berlins aufgewachsen ist, verfolgt aus heutiger Sicht die Lebensgeschichte dieses Wanderers zwischen den Welten. Er zeigt die großen Momente aus Suitners Musikerleben, gefeierte Konzerte und Tourneen, aber auch einfache Orchesterproben. Der Regisseur verbindet in einer meisterlichen Montage Musikaufnahmen mit ausgewählten Archivbildern und Gesprächen. Diese einzigartige filmische Komposition dokumentiert die eigene Erinnerung an die seltenen Begegnungen mit dem Vater und die Familiengeschichte zwischen Ost und West.


    Sendetermine im Mai im ZDF-Theaterkanal:


    Samstag, 1 . Mai
    Donnerstag, 13. Mai
    Dienstag, 18. Mai
    Sonntag, 23. Mai


    jeweils um 15.00 Uhr bis 16.45 Uhr (105 min)


    ++++++


    Dienstag, 4 . Mai
    Sonntag, 9. Mai
    Freitag, 21. Mai
    Mittwoch, 26. Mai
    Montag, 31. Mai


    jeweils um 10.00 Uhr bis 11.45 Uhr (105 min)


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Klasse, lieber Harald, herzlichen Dank für den Tipp.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat

    Original von Harald Kral
    Hier der Hinweis auf eine interessante-Film-Dokumentation, die im Mai im ZDF-Theaterkanal ausgestrahlt wird:


    Nach der Musik
    Fernsehfilm, Deutschland 2006
    mit Otmar Suitner, Marita Suitner, Renate Heitzmann und Igor Heitzmann
    Buch und Regie: Igor Heitzmann


    Ein wirklich großartiger Film, den ich zweimal im Kino gesehen habe!


    Und weil ich Otmar Suitner als Dirigent sehr schätze, habe ich mir eben zwei preiswerte Brahms-Einspielungen zugelegt:



    Besonders liebe ich die erste, hier hat Suitner ein fulminates Finale hingelegt!


    Grüße aus Berlin


    :hello:
    Manfred

    Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

  • Hallo liebe Forianer,


    auch ich kann, was die weiter oben schon lobend erwähnten Einspielungen Suitners des Rossinischen Barbiers und des Mozartschen Figaros betrifft, nur zustimmen, beweisen sie doch, wie schlüssig auch eine gute deutsche Übersetzung sein kann und auf welchem hohen musikalischen Niveau die Aufnahmen sich dank der Protagonisten bewegen, der großartige Fritz Ollendorf, der in beiden Aufnahmen den Bartolo gibt, der unvergessliche Hermann Prey, der im Barbier (natürlich) den Barbier und im Figaro interessanterweise den Almaviva singt, wenn auch Peter Schreier im Barbier (natürlich) nicht ganz an den übergroßen Fritz Wunderlich (als Almaviva) herankommt. Wer hätte das auch ernsthaft erwartet. Auch die weiblichen Rollen sind ausgezeichnet besetzt, und nicht zuletzt sei die dirigentische Leistung hervorgehoben, was, wie auch schon gesagt wurde, nicht nur beweist, dass die Staatskapelle Dresden, sondern auch die Staatskapelle Berlin, dank Suitner, auch in den 60er Jahren schon ein hohes Niveau hatte.


    Liebe Grüße


    Willi

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).