Alberic Magnard - ein fast Vergessener

  • Liebe Forianer,


    Wenn man den Harenberg-Konzertführer zu Rate zieht: Fehlanzeige, das gleiche gilt für Metzlers "großes Musiklexikon in 4 Bänden", ein Werk das ansonst eigentlich recht zuverlässig ist.



    Alberic Magnard ist heute ausserhalb Frankreichs kaum mehr jemandem ein Begriff. Seine Musik ist von Caesar Frank beeinflusst und mehr noch von Vincent d´Indy, dessen Schüler er zeitweise war.


    Tragisch war Magnards Ende: Er der sein Leben lang in deutschfreundlichen Zirkeln verkehrt hatte, schoß 1914 auf deutsche Soldaten als sie sein Haus stürmen wolten (die Berichte darüber gehen auseinander). Darauf brannten sie es nieder. Magnard und die meisten seiner Werke, nämlich alle jene, die noch nicht gedruckt waren, wurden ein Raub der Flammen.


    Erhalten sind jedoch seine 4 Sinfonien (die vierte schrieb er ein Jahr vor seinem Tod), Werke von eigenartiger Düsterkeit.


    Persönlich kenne ich derzeit nur die Sinfonien Nr 1 und 2, Aufnahmen mit dem BBC-Scottish Symphony Orchestraa unter Jean-Yves Ossonce, erschienen bei hyperion.



    Die Behauptung des Booklets, es wäre eine gewisse Nähe zu Mahler spürbar, konnte ich zumindest an Hand der mir zu Verfügung stehenden Einspielung nicht bestätigen, allerdings ist die Aufnahme an sich eher dynamisch eingeebnet und nicht allzu konturenscharf......
    (trotzdem glaube ich an einigen Stellen Remineszenzen an Bruckner zu hören)


    Ich weiß, daß sich mindest ein Mitglied mit diesem Komponisten näher befasst hat ;), aber vielleicht kennen noch andere etwas von den spärlich vorhandenen Aufnahmen ?




    Gruß aus Wien


    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Hallo Alfred,


    vielen Dank, daß Du diesen Thread über den so sträflich und völlig zu Unrecht vernachlässigten Magnard eröffnet hast.
    Ja, ein klein wenig habe ich mich schon mit ihm beschäftigt, am intensivsten allerdings mit seiner zweiten Oper 'Guercoeur', die in einer hervorragenden EMI-Einspielung von 1986 unter Leitung von Michel Plasson 1987/88 herauskam, nach wenigen Jahren aber wieder gestrichen wurde und seither (in Deutschland) nicht wieder aufgetaucht ist.
    Die vier Symphonien besitze ich gleichfalls in der soliden Einspielung des Orchestre du Capitole de Toulouse unter Michel Plasson auf EMI, die außerdem drei weitere Orchesterwerke, eine Ouvertüre, 'Chant Funèbre' und 'Hymn à la Justice' enthält; ich kenne jedoch keine anderen Interpretationen, so daß mir die Vergleichsmöglichkeiten fehlen.
    Das gleiche Schicksal wie die Opern-Aufnahme ereilte auch die 1983-87 entstandene Gesamtaufnahme der Kammermusik, samt Klavierwerken und Liedern, mit dem Artis Quartett Wien u. a. des Labels Accord auf 5 CDs. (Diese besitze ich leider nicht.)


    Was Musiklexika betrifft, so geben zumindest die zwei größten, das 'MGG' (Musik in Geschichte und Gegenwart) und 'The New Grove' Auskunft über die wichtigsten Lebensstationen und listen das komplette Werkverzeichnis auf. Sogar Pipers fünfbändige Enzyklopädie des Musiktheaters behandelt auf eineinhalb Seiten recht ausführlich die Oper 'Guercoeur'.


    Um den Lesern dieses Forums ein wenig Appetit auf diesen wunderbaren Komponisten zu machen, möchte ich versuchen, einige Charakterzüge seines Wesens wie seiner Musik darzustellen:


    Lucien Denis Gabriel Albéric Magnard (* 09.06.1865 Paris, F; † 03.09.1914 Baron, F)


    Charakterzüge Magnards:
    Nach ersten Aufführungserfolgen seiner Werke, Anfang der 1890-er Jahre, zieht sich Magnard mehr und mehr von der Öffentlichkeit zurück, versagt sich den Spielregeln des verhaßten hektischen Pariser Musiklebens. Er weigert sich, für Aufführungen seiner Werke die notwendige Reklame zu machen, pflegt weder Bekanntschaften noch Freundschaft, außer mit dem langjährigen Freund und Komponistenkollegen Joseph Guy Ropartz (1864-1955). 1908 kehrt er Paris endgültig den Rücken und zieht sich in die Provinz auf sein altes Landhaus in Baron zurück. Sein Leben lang war er Atheist, ließ sich weder kirchlich trauen noch seine Kinder taufen.
    Sein Wesen ist gekennzeichnet von Kompromißlosigkeit gegen sich selbst und andere, ungestümem Temperament, Eigenbrödlertum und Unbedingtheit im eigenen Standpunkt, manchmal auch einer gewissen Grobheit. Die Zeitgenossen haben darunter zu leiden. Im scheinbaren Widerspruch zu diesen Ausfälligkeiten steht sein Werk (Kammermusik, drei Opern, Lieder, Orchesterwerke), das zum feinsten und vitalsten der französischen Musik vor dem 1. Weltkrieg gehört.


    Charakterisierung von Magnards Musik:
    Wie Du in Deinem Beitrag bereits bemerkt hast, kann man nur schwer irgendwelche Parallelen zu anderen Komponisten ziehen, was die Eigenständigkeit von Magnards musikalischem Stil unterstreicht! Auch ich bin der Meinung, daß kaum etwas in seinen Werken an Mahler erinnert.
    Schüler Théodore Dubois', Jules Massenets und Vincent d' Indys gehört er zu den lange Zeit wenig beachteten Randfiguren des französischen Fin de siècle zwischen "Wagnerismus" und "Impressionismus".
    Besonders durch den Unterricht bei d' Indy bekommt der Strukturfanatiker Magnard für seine Kunst das nötige Rüstzeug: Gründliche Kenntnis des Kontrapunkts und der Fugenarbeit, zyklische Anlage und weitgespannte Entwicklungsbögen.
    Der polyphone Stil ist ein bevorzugtes Ausdrucksmittel in nahezu allen seinen großen Werken. Fugen markieren den Brennpunkt dramatischer Entwicklung im Kopfsatz der 3. und im Finale der 4. Symphonie, im 1. Satz des Quintetts d-moll für Holzbläser und Klavier und der Cellosonate, in den Außensätzen der Violinsonate und ein regelrechtes Feuerwerk einer Doppelfuge im Klaviertrio f-moll, opus 18 (1904).


    Anhand der 1. und der 2. Symphonie sowie der Opern möchte ich noch weitere Besonderheiten in Magnards Musik beleuchten.


    Symphonie Nr. 1 c-moll , opus 4 1890 (Vincent d' Indy gewidmet):
    Die Erste gilt als ein - bei allen genialen Zügen - noch nicht voll ausgereiftes Werk, zu komplex in ihrem Überreichtum an Themen - verschlungen - wuchernd - dunkel. Doch der Elan, mit dem sich Magnard zu Wort meldet, lassen die Einwände verstummen.
    Immer wieder wird in Magnards Werken ein Kampf ausgefochten, auf der einen Seite steht: die irdische Not, auf der anderen: jenseitige Vision.
    Daß ausgerechnet die Musik eines Skeptikers, eines bekennenden Antireligiösen durchaus religiös-utopische Züge trägt, das ist ein Widerspruch, der so recht zu ihrem Verfasser paßt. Und immerhin hat Magnard selbst den abgehobenen (2.) langsamen Satz der 1. Symphonie mit 'Religioso' überschrieben. Sein Beginn, mit der ungewöhnlichen Kombination zweier Klarinetten und dreier Saxophone in unterschiedlichen Lagen, weckt unweigerlich Assoziationen zu Orgel- oder Harmonium-Klängen.


    Ein religiöses Motiv kommt auch in allen seinen drei Opern zum Vorschein. Es ist eine dramatische Grundkonstellation, die in 'Yolande' (dem teilweise verschollenen einaktigen Opernerstling von 1889-91) bereits angelegt ist und in den beiden folgenden großen dreiaktigen Opern 'Guercoeur' (1897-1901) und 'Bérénice' (1905-09) vertieft wird: Es geht um Verzicht, um Überwindung der eigenen Wünsche und Sehnsüchte im Hinblick auf ein höheres oder um anderen das Heil zu ermöglichen.


    Symphonie Nr. 2 E-dur, opus 6 1893:
    Die zweite Symphonie, in der leuchtenden Tonart E-dur geschrieben, von sehnsüchtiger Freude durchzogen, ist eines seiner lichtesten, sommerlichsten Werke. Der komponierte Atem ist länger, entspannter geworden. Die melodischen Bögen gewinnen eine Weite, die den Himmel zu erreichen scheint. Der Satz ist geprägt von energetisch vibrierender Klarheit.
    Im Zentrum, ein groß angelegter Variationssatz 'Chant Varié' (3.) in ätherischem Fis-dur. Ein aus den Blasinstrumenten aufsteigender Akkord, eine der Wunderschöpfungen des Harmonikers Magnard, aus dem sich eine nicht enden wollende Melodie löst. Dieses Element der unendlichen Melodie ist eine der wenigen, aber charakteristischen Gemeinsamkeiten mit dem Stil Richard Wagners, der in der Oper 'Guercoeur' noch deutlicher zum Vorschein kommt.
    Diese werde ich aber in einem separaten Thread in der Rubrik 'Vokalmusik' näher vorstellen.


    Viel Freude bei der Entdeckung dieses wahrhaft großen Komponisten.
    Johannes

  • Die schönsten Aufnahmen der Sinfonik Magnards legte Michel Plasson
    Ende der 80ger vor, ergänzt durch den genialen "Chant funebre" ein Orchesterwerk, das in seinen zum Teil "orientalisch" anmutenden Klangfarben Messiaen vorwegnimmt, der sich ganz gewiss von Magnard
    beeinfussen liess.
    Allerdings meine ich, daß nur seine 4. Sinfonie ein wirklich großer Wurf ist; 1-3 sind hervorragend gearbeitet und in jeder Hinsicht hörenswert, Nr. 4 jedoch ist es wert, in das Standardrepertoire der großen Orchester aufgenommen zu werden und der von mir erwähnte "Chant" sowieso 8)


    "Guercoer" kenne ich bedauerlicherweise nicht, hoffe aber, das gelegentlich nachholen zu können.



    Magnard: Sinfonien 1-4 Chant funebre, Plasson (EMI) (Ende 80ger)
    bei Amazon und ebay manchmal zu haben

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Magnards erste Symphonie ist das letzte Werk, auf das ich eine gewisse Sucht entwickelt habe, besonders den zerrissenen ersten Satz habe wirklich regelmäßig gebraucht.


    Seit ein paar Jahren bin ich glücklicherweise nur mehr generell ernste-Musik-süchtig ohne Abhängigkeit von bestimmten Stücken ...

  • sein meisterwerk ist der guercoeur, die oper. es gab eine grandiose einspielung bei der emi mit van dam, die ich verzweifelt seit vielen jahren suche.


    die symphonien sind für mich 'durchmischt' ...schöne neben nichtssagenden stellen. ich muß sie mir nochmals genauer zu gemüte führen.


    :hello:

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Zitat

    Original von Guercoeur
    Sein Wesen ist gekennzeichnet von Kompromißlosigkeit gegen sich selbst und andere, ungestümem Temperament, Eigenbrödlertum und Unbedingtheit im eigenen Standpunkt, manchmal auch einer gewissen Grobheit. Die Zeitgenossen haben darunter zu leiden. Im scheinbaren Widerspruch zu diesen Ausfälligkeiten steht sein Werk


    Aber wieso?
    Alle genannten (ausnahmslos sympathischen) Charaktereigenschaften finden sich doch etwa in der 1. Symphonie wieder ...

  • KSM:


    Zitat

    Alle genannten (ausnahmslos sympathischen) Charaktereigenschaften finden sich doch etwa in der 1. Symphonie wieder ...

    :baeh01:


    Sein Meisterwerk ist der "Chant funebre" ! :jubel:

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Es ist interessant, wie unterschiedlich die einzelnen Puzzlestücke zu Magnard sind: ich kenne und besitze in einem Live-Mitschnitt aus Montpellier von 1990 nur "Berenice" - und schon beim ersten Hören hat mir die Musik sehr gut gefallen. Ich würde sie stilistisch eher der Wagner-Nachfolge zuordnen, was vielleicht aber auch am Stückinhalt liegt. Ich hab das damals durchaus öfter gehört und hätte gerne eine CD-Einspielung in meiner Sammlung.

  • Albéric Magnard (1865 - 1914)


    Un poète en musique*


    Ob die Musik von Lucien Denis Gabriel Albéric Magnard in vielen privaten Musiksammlungen anzutreffen ist, darf bezweifelt werden. Allein seine geniale Oper „Guercoeur“ dürfte einigen Opernfreunden bekannt sein. Wer sich aber intensiv mit der französischen Symphonik beschäftigt, kommt an den Werken Magnard nicht vorbei.


    Der ursprünglich an dieser Stelle vorgesehen biographische Teil entfällt, weil der Autor dieses Artikels übersehen hat, dass es bereits einen Tread über Magnard im Forum gibt. Der informative Teil über die Symphonien folgt weiter unten.


    *Diesen Titel verwendete Adolphe Boschot in einem Nachruf auf Magnard in „Echo de Paris“ vom 05.05.1919.





    Albéric Magnard (Quelle: Wikipedia)




    Die Symphonien



    Symphonie Nr. 1 c-moll op. 4


    01. Strepitoso
    02. Largo
    03. Presto
    04. Molto energico


    Entstehung: 1889 - 1890
    Uraufführung: 12.03.1893, Angers*
    Verlag: Edition Salabert, Paris
    Dauer: ca. 35 Minuten


    3 Flöte, 3 Oboen, 3 Klarinetten, 4 Fagotte
    4 Hörner, 4 Trompeten, 3 Posaunen, Tuba
    Pauken, Schlagzeug
    Harfe
    Streicher


    *Die ersten beiden Sätze dieser Symphonie wurden bereits am 18.04.1991 in Paris uraufgeführt.




    Symphonie Nr. 2 E-Dur op. 6


    Original Fassung


    01. Ouverture
    02. Fugues et Danses
    03. Chant varié
    04. Final


    Revidierte Fassung


    01. Ouverture
    02. Danses
    03. Chant varié
    04. Final


    Entstehung: 1892 - 1893, rev. 1896
    Uraufführung: 09.02.1896, Nancy
    Uraufführung rev. Fassung: 14.05.1899, Paris
    Verlag: Edition Salabert, Paris
    Dauer: ca. 33 Minuten


    2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte
    4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen
    Pauken
    Streicher




    Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 11


    01. Introduction et ouverture
    02. Danses
    03. Pastorale
    04. Final


    Entstehung: 1895 - 1896
    Uraufführung: 14.05.1899, Paris
    Verlag: Edition Salabert, Paris
    Dauer: ca. 38 Minuten


    2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte
    4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen
    Pauken
    Streicher




    Symphonie Nr. 4 cis-moll op. 21


    01. Modéré
    02. Vif
    03. Sans lenteur et nuancé
    04. Animé


    Entstehung: 1912 - 1913
    Uraufführung: 02.04.1914, Paris
    Verlag: Edition Salabert, Paris
    Dauer: ca. 40 Minuten


    3 Flöten, 3 Oboen, 3 Klarinetten, 2 Fagotte
    4 Hörner, 3 Trompeten, 3 Posaunen
    Pauken
    Harfe
    Streicher




    Empfohlene Einspielungen:


    Orchestre du Capitol de Toulouse
    Michel Plasson


    EMI





    BBC Scottish Symphony Orchestra
    Jean-Yves Ossonce


    Hyperion





    Malmö Symphony Orchestra
    Thomas Sanderling


    BIS




    Welche Erfahrungen habt Ihr mit den Symphonien von Magnard gemacht und welches Werk gefällt Euch am besten?


    Davidoff

    Verachtet mir die Meister nicht

  • Lieber Davidoff


    Danke für die gewohnt übersichtlich dargestellte Sinfonik von Magnard.


    Ich kann persönlich mit der spätromantischen französischen Orchestermusik eher wenig anfangen.


    Ausnahmen sind: die Sinfonie von Chausson und die vier Sinfonien von Magnard.


    Dessen hoch interessante 16 Sinfoniesätze aber vermitteln (zumindest mir) keinen einheitlichen Eindruck. Stilistisch sind Anklänge von grossen Spannbreite auszumachen.


    Magnards Musik ist gut gemacht, nie langweilig, wenn auch zuweilen sehr dicht und komplex.
    Durch seine geschickte Assimilierung der verschiedensten Ausdrucksstile aus dem reichen Fundus der spätromantischen Idiomatik, ist die Musik absolut nie monoton, aber gerade deswegen relativ anstrengend:


    Mal klingt die Sache nach „si belle jus“, dann wieder nach „d`veau Jacques“... :D

    Es gibt Stellen, die mich an „s`cri à bien“ erinneren oder an „raque main en oeuf“... :D


    Ich empfinde Momente, die einerseits vom frühen „Arnaud bellemontagne“ inspiriert scheinen, andererseits kennt Magnard auch seinen altehrwürdigen „Chaude Anne se bas tien Baque“... :D


    Dann klingt die Sache wieder nach „Mas laire“ oder auch nach „chose taque aux viques“... :D


    Am ehesten empfinde ich eine gewisse Nähe zu „elle garre“ und allenfalls zu „bruque naire“... :D


    Ein virtuoses Potpourri quer durch die Musikgeschichte wird mir geboten, ohne je ein Zitat zu verwenden oder gar ein Plagiat zu begehen. Entdeckenswert!


    Empfehlenswert sind die Aufnahmen mit Plasson und Toulouse, mit denen ich zufrieden bin, wobei ich keine anderen kenne.


    Mit liebem Gruss aus Bern vom


    Walter

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  • Wie so viele, hatte auch ich von der Existenz dieses Komponisten keine Ahnung, bis mich der Inhaber des gleichnamigen Pseudonyms hier anlässlich meines Ensemblethreads auf ein solches in Magnards Oper GUERCOEUR aufmerksam gemacht hat. Ich war, wie in dem entsprechenden Thread nachzulesen ist, spontan davon begeistert und bin es immer noch so sehr, dass ich ein ganz schlechtes Gewissen habe, weil ich mich wegen vieler anderer Prioritäten seither noch nicht mit anderen Werken von ihm vertraut gemacht habe. Immerhin kenne ich auch noch seine Oper BÉRÉNICE, allerdings bislang nur vom einmaligen Hören, so dass ich noch nicht sehr viel dazu sagen kann, außer dass auch sie mir auf Anhieb gefiel.


    Ich kann mich deshalb der allgemeinen Empfehlung dieses Komponisten aus eigenem Hören nur für diese beiden Opern anschließen, die derzeit leider nur auf dem grauen Markt zu haben sind. Im Falle des GUERCOEUR bezehe ich mich da auf die von diesem weiter oben bereits genannte Aufnahme mit José van Dam unter Michel Plasson, der sich ja sehr um diesen Komponisten verdient gemacht hat. Leider gibt es sie offiziell derzeit anscheinend nur im Marketplace für mehr als gesalzene 130 Teuronen.


    Im Falle der BÉRÉNICE ist es eine Rundfunkaufnahme aus Montpellier unter Jan Latham-Koenig mit Francoise Pollet und René Massis, deren Beschaffung sich bestimmt für alle lohnt, die sich für diesen verkannten Komponisten interessieren. Leider kann ich hier nur, wie so oft, auf Opera Share verweisen.


    :hello: Jacques Rideamus

  • Nicht unerwähnt lassen will ich die (auch von meinen Vor-postern empfehlend erwähnte) Sinfonische Dichtung "chant funebre", ein Klagegesang von epischer Tiefe!


    Auch kammermusikalisch hat Magnard Bedeutendes geleistet:
    Mein Favorit ist das Klaviertrio op.18
    in einer Aufnahme bei Accord (200102) mit Christoph Keller (Klavier) Adelina Oprean (Violine), Thomas Demenga (Violoncello)


    Magnard wurde von Debussy links überholt und in den Strassengraben geworfen.
    Es ist Zeit, dass wir ihn pflegen.


    Mit liebem Gruss aus Bern vom


    Walter

  • Zitat

    Original von Walter Heggendorn


    Lieber Davidoff


    Danke für die gewohnt übersichtlich dargestellte Sinfonik von Magnard.


    Gern geschehen lieber Walter und vielen Dank für deine außergewöhnliche und sehr charmante Charakterisierung der Musik Magnards.
    Mir hat sie sehr viel Spaß gemacht und mich auf ungewöhnliche Weise zu Freudentränen gerührt.


    „si belle jus“
    „d`veau Jacques“
    „s`cri à bien“
    „raque main en oeuf“
    „Arnaud bellemontagne“
    „Chaude Anne se bas tien Baque“
    „Mas laire“
    „chose taque aux viques“
    „elle garre“
    „bruque naire“


    Einfach genial :jubel:


    Davidoff

    Verachtet mir die Meister nicht

  • Wenn es einem derart schmackhaft gemacht wird wie in diesem Thread, muss man wohl zuschlagen. :D


    Ich habe mir versehentlich sowohl die 1. und 3. Sinfonie bei Hyperion als auch die Gesamtaufnahme mit Plasson gekauft. Erstere Bestellung wollte ich rückgängig machen, aber es war wohl schon zu spät ...


    Jetzt habe ich die CD mit Ossonce erhalten und soeben die 1. Sinfonie gehört.


    Wenn die anderen Sinfonien noch besser sein sollen, na dann! :jubel:


    Den geäußerten Meinungen kann ich mich, über den Daumen gepeilt, anschließen. Die Klangqualität der CD ist nicht schlecht, könnte aber noch transparenter sein. Das Werk ist in hohem Maß von dunklem, spätromantischem Pathos geprägt. Mahlers Doppelbödigkeit, seine Ironie kann ich nicht erkennen. Bruckners Einfluss ist umso auffälliger, aber gepaart mit durch und durch französischen Orchesterfarben zwischen Franck, Chausson und Debussy. Sicher könnte die Organisation des komplexen Materials strenger erfolgen, das wird aber stets ausgeglichen durch die große klangliche Vielfalt. Sehr viel abgewinnen kann ich auch dem Choralschluss mit seiner oberflächlich triumphalen Geste, die dennoch gebrochen wirkt durch das, was in den Tiefen gärt.


    Besten Dank an alle Beiträger!


    Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Mein ausdrückliches Lob für diesen Thread! Magnard, ein tragisches Schicksal und ein zu Unrecht fast völlig vergessener Komponist! Ich mag seine Symphonien sehr! Habe die Aufnahmen mitThomas Sanderling. Finde ich sehr gut!



    Beste Grüße
    Holger

  • Freunde, haltet inne!!!!


    Meine Merkliste beim Dreibuchstabenversand ist bereits ein gefundenes Fressen für Adam Riese - Gemeinheit, hier so auf die Tube zu drücken (ersetzen kann ich aber keinen der gemerkten Titel ;( )


    :hello:

  • Moin zusammen,


    ich höre gerade die heute morgen aufgezeichnete dritte Sinfonie op. 11(!) dieses Komponisten und bin ganz entzückt über die "Entdeckung" dieses vergessenen "Schatzes"!


    Ich wäre beim ersten Hören nie darauf gekommen, daß es sich um einen französischen Komponisten handelt. Ich hätte - vielleicht liegt das auch an der Einspielung mit dem Sinfonieorchester Malmö - auf einen Skandinavier getippt und ihn in der Nähe von Gade einsortiert...


    Die Ausstrahlung wird morgen (09.07.) um 01.05 wiederholt. Über http://www.rozhlas.cz/d-dur/portal/ könnt Ihr Euch durchhangeln. Es handelt sich, wie schon angedeutet, um die Aufnahme mit dem SO Malmö unter Thomas Sanderling.


    Gruß aus dem Norden, Ralf

  • Hat man je einen solchen Einstieg in eine Oper gehört?


    Ich zumindest nicht! :faint: :faint: :faint: :faint: :faint: :faint:


    Ich bin vollkommen von den Socken und habe doch erst die allererste Szene im Himmel hinter mir. Das aber gleich dreimal hintereinander.


    Wie hier der Chor der Schatten musikalisch eingeführt wird und Guercoeur alias van Dam herzzerreissend sein "Vivre, vivre!" singt- das ist ohnegleichen.


    Lieber Tamino-Guercoeur,für dieses Erlebnis (eigentlich trau ich mich kaum weiterzuhören, denn es kann ja nicht schöner werden) danke ich Dir von ganzem Feen-Herzen!!!!!!


  • Liebe Fairy Queen,


    freut mich ganz ungemein, daß Dich der I. Akt des 'Guercoeur' gleich auf Anhieb so hellauf begeistert hat! :]


    Zitat

    Original von Fairy Queen
    (eigentlich trau ich mich kaum weiterzuhören, denn es kann ja nicht schöner werden)


    Keine Sorge - die verbleibenden zwei Akte halten gleichfalls so wunderschöne und ergreifende Szenen bereit, daß Du Dich nun wirklich nicht zu scheuen brauchst, weiter zu hören. :D
    Mein persönliches Highlight ist der Schlußgesang der vier Göttinnen Vérité, Bonté, Beauté und Souffrance am Ende des III. Aktes als auch das hoffnungsvolle Ende der Oper.
    Aber auch das 3. Bild (Das Volk) des II. Aktes mit seiner packenden Dramatik ist immer wieder absolut mitreißend!


    Weiterhin viel Freude und beglückende Hörerlebnisse!
    LG
    Johannes

  • Lieber Johannes, ich habe inzwischen ein bisschen weitergehört und finde im zweiten Akt die Szene,in der Guercoeur die Natur und den Frühlingwiederentdeckt auch besonders schön geschrieben /instrumentiert. :angel:
    Aber ich gehe wirklch nur stückchenweise vor und bin in solchen Sachen etwas seltsam.
    Je schöner etwas ist, desto länger will ich davon haben und habe richtig Angst, dass es aufhört, bzw am Ende nciht das hält, was der Anfang versprach. Deshalb brauche ich auch so lange für meine Cd Stapel, diese hier hab ich ja nun schon seit etlicher Zeit..... :untertauch:


    Die Frauenensembles (der Göttinnen) haben mir im ersten Akt schon so imponiert- darin scheint Magnard ein Meister zu sein- und wenn Du es nun sagst, trau ich mich auch an den 3. Akt......


    Vollkommen unbegreiflich jedenfalls, dass diese Oper so unbekannt ist. 8o 8o 8o
    An der Musik liegt es ganz sicher nciht. Und an der Einspielung schon gar nciht.
    Van dam ist in absoluter Bestform und das Orchester erst!


    Merci, merci :angel:

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  • Hallo.


    Ich habe mir jüngst auch die Magnard-Symphonien in der Einspielung mit Plasson gekauft und bin davon sehr angetan.
    Jetzt macht ihr mich natürlich bezüglich des Guercoeur natürlich mehr als neugierig. Die EMI-Einspielung habe ich aber irgendwie nicht gefunden (oder war zu doof, richtig zu suchen). Welche Einspielungen könnt ihr mir empfehlen?
    Danke im voraus.


    :hello:


    Gruß, Ekkehard.

  • Ich habe versucht, die Aufnahme von Plasson zu erwerben, aber sie war schon ausverkauft, bzw gestrichen.
    Sie schien mir etwas interessanter, als meine vorhandenen 2 Sinfonien auf Hyperion. (Allerdings fiel mein Urteil über diese Aufnahme beim "erneuten Wiederhören" wesentlich positiver aus, als es beim ersten Hören der Fall war (siehe Eröffunugsbeitrag zu diesem Thread)
    Bei meiner Recherche stieß ich auf die Sanderling-Aufnahme mit dem Malmö-Sinfonie-Orchester (welches ja nicht unbedingt als Spezialist für "franzosisches Repertoire" anzusehen ist.
    Aber für 9.90 Euro ist die Brillant Lizenzauflage der ursprünglich bei BIS erschienen Aufnahme sicher eine Erwägung wert.....



    Berichte sind erwünscht.


    mfg aus Wien


    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Lieber Ekkehard,


    Zitat

    Original von lohengrins
    Jetzt macht ihr mich natürlich bezüglich des Guercoeur natürlich mehr als neugierig. Die EMI-Einspielung habe ich aber irgendwie nicht gefunden (oder war zu doof, richtig zu suchen). Welche Einspielungen könnt ihr mir empfehlen?


    tja, einfach ist es nun wirklich nicht, an die Plasson-Einspielung der Oper heranzukommen. Diese ist nämlich - zumindest in Deutschland - wenige Jahre nach ihrer Veröffentlichung (1987/88) wieder vom Markt verschwunden und seither nicht mehr erschienen. Gebrauchte Exemplare werden ab und zu bei Amazon angeboten, allerdings zu kaum bezahlbaren Preisen. Bleibt natürlich noch die Möglichkeit, über Ebay ein Exemplar zu ergattern.


    LG
    Johannes


  • Hallo Alfred,


    die Aufnahme ist hervorragend und (gerade angesichts des günstigen Preises) bestens dazu geeignet, den Komponisten kennenzulernen.


    Den Vergleich zu den Aufnahmen auf Hyperion und EMI kann ich zwar leider nicht ziehen, aber der Eindruck, den die BIS/Brilliant-Einspielungen hinterlassen, ist dennoch durchgängig positiv (sieht man vom - wie üblich - sehr reduzierten Beiheft einmal ab ;)).


    Klanglich ist ebenfalls alles bestens und die Musik als solches finde ich absolut herrlich und entdeckenswert. Insbesondere die Sinfonien 2 bis 4 haben es mir angetan.


    Übrigens hat Ansermet für Decca (RIP) damals ebenfalls eine Stereo-Aufnahme gemacht:



    Wer Importe nicht scheut, findet hier noch weitere von Ansermets Einspielungen, die in D. (und wahrscheinlich auch in Ö.) gestrichen sind:
    http://chaos.com/product/liszt…ony_3_1959464_172167.html


    Grüße
    Frank :)

  • Ich möchte nochmal auf den "Guercoeur" zurückkommen, denn ich habe die Oper nun endlich ganz gehört.
    Ich bin vom Anfang zwar nach wie vor besonders begeistert, aber auch von der Fortsetzung nciht enttäuscht worden.


    Besonders grossartig ist auch der Schluss- so wie mir überhaupt die Szenen im Paradies besser gelungen scheinen und subjektiv besser gefallen, als die Szenen im irdischen Leben. Was aber auch sicher an meiner Vorliebe für "Sphärenklänge" liegt.
    Magnard hat ein besonderes Talent für himmlische(in jedem Sinne) Frauenensembles. Ich glaube, er muss da auch Massenet gut gekannt haben, ist aber natürlch frei von jeder Fivolität, die z.B. in Manon und Thäis manches Ensemble auszeichnet.
    Was mir an dieser Oper neben der herrlichen Musik so imponiert, ist ihre tiefe Ernsthaftigleit und Tragik , die aber ganz ohne Wagnerschen Pathos und Bombast daherkommt.
    Weiss jemand etwas zur Geschichte des Librettos?


    Es ist ja schon recht ungewöhnlich, eine halbe Oper im Totenreich -Paradies spielen zu lassen und das wiederum erinnert ein wenig an die Orpheusgeschichten- mit umgekehrten Vorzeichen.
    Die mittelalterliche halb phantastische Thematik lag in der Luft des Zeitgeistes, Debussy mit seinem Pelleas oder der Roi D'Ys sind weitere Beispiele , die mir sofort einfallen.


    Diese Oper zu inszenieren, wäre ein ganz grosse Herausforderung, wobei es mir schon genügen würde, sie überhaupt mam konzertant zu erleben oder- noch bescheidener- eine verfügbare Aufnahme für alle Interessierten zu produzieren.


    Ein Werk, dass sciher noch sehr lange in mir nachklingen wird- und nach Rameaus Boréades und Berlioz Les Troyens zu den ganz grossen Entdeckungen gehört, die ich dank Tamino im Bereich frz. Oper (bisher!!!) gemacht habe.
    Ich habe da im Moment die Lust an Rossini und Donizetti so ziemlcih verloren- allein Bellini behauptet sich unverändert neben diesen neuen frz. Opern.


    Nochmal meinen allerherzlichsten Dank an Johannes "Guercoeur"!

  • Liebe Fairy Queen,


    freut mich ganz außerordentlich, daß Dich Magnards 'Guercoeur' so wunderbar begeistern konnte. :]
    Was die einzelnen Akte betrifft, haben wir, wie es aussieht, ähnliche bis gleiche Vorlieben. Auch mir gefallen die Akte I und III am besten. Aber auch das 1. Bild des II. Aktes finde ich wunderschön und das III. Bild mit seiner packenden Dramatik äußerst mitreißend. Einzig und allein mit dem 2. Bild, in dem die beiden ehemaligen Geliebten wieder aufeinandertreffen, tue ich mich bis heute ein wenig schwer.


    Ja, und was eine Aufführung des Werkes anbelangt, bin ich wirklich sehr gespannt, ob ich noch in diesem Leben in den Genuß einer solchen kommen werde. ;) Sicher wäre es äußerst reizvoll, die Oper einmal szenisch erleben zu können - trotzdem würde für mich aber auch mit einer konzertanten Darbietung ein lange gehegter Wunschtraum in Erfüllung gehen. Ich werde - gemäß dem Motto des III. Aktes - die Hoffnung nicht aufgeben. :angel:


    :hello:
    Johannes

  • Lieber Johannes, wenn dieses Forum wirklich ein führendes Internet-Organ im Klassikbereich ist, lesen uns vielleicht irgendwann oder jetzt schon Menschen, die an den Hebeln von Cd- und Opernproduktionen sitzen und werden neugierig.


    Ich habe bei Themen im Kunstlied-Forum schon Post von auswärtigen Gästen bekommen, die sich bedankt haben und Überraschungen gibt es immer wieder, wenn man nicht weiss, von wem man so Alles gelesen wird. :yes:


    Ich denke, dass Magnards Zeit noch kommen wird, denn ein solches Werk kann nicht auf Dauer unentdeckt und ungewürdigt bleiben und einstweilen müssen eben die dafür werben, die schon vor Begeisterung glühen oder brennen -so wie wir!


    Was die Szne angeht, in der Guercoeur zur Erde zurückkehrt udn die Natur , den Frühling, das Gefühl zu leben, wiederentdeckt, fand ich die auch ganz besonders einfühlsam und zart komponiert. Mich hat auch van Dams herrliche Interpretation so mitgerissen. Heute wären vielleicht Hampson oder Keenlyside ideale Kandidaten?


    Und genau wie du habe ich mit den dramatischen Szenen und den Dialogen der Ex-Liebenden eher ein Problem.
    Magnards Stärken liegen eindeutig nciht im Strauss- oder Wagner-Fach... ....obschon er sicher sehr beeinflusst war.



    F.Q.

  • Hallo,
    ich habe gerade zum 2. Mal das e-moll-Streichquartett op.16 von Magnard gehört:



    Beim ersten Hören vor ein paar Wochen muss ich gestehen, hat es mich etwas ratlos aber neugierig hinterlassen, weil es auf den ersten Eindruck hin recht sperrig klingt (liegt nicht an der engagierten Interpretation durch das Ysaye-Quartett). Ich habe es mir noch mal zum Wiederhören hingelegt und bin nun restlos begeistert. Es hat sich also gelohnt.


    Komponiert 1903 (also im selben Jahr wie Ravels Streichquartett, das aber viel eingängiger ist), hat es vier Sätze, die mit Titeln überschrieben sind:
    1. Sonate
    2. Sérénade
    3. Chant funèbre
    4. Danses


    Im ersten Satz wird man gleich ins brodelnde Getümmel geschmissen, bekommt eigentlich keine Zeit, zu verstehen, worum es thematisch geht, dann folgt eine wunderschöne, lyrische Gruppe, ich konnte das Einlösen des Titels "Sonate" allerdings wirklich erst beim 2. Hören einigermaßen folgen.
    Der zweite Satz widerspricht total der Erwartung seines Titels, keine sanfte Abendstimmung, mehr ein Scherzo mit wilden Läufen und einem in französischer Musik eher seltenen Fugato als Trio.
    Der dritte Satz mit Trauermarschanklängen und wundervollen ätherischen Stellen, fast zum Abheben, und der vierte wieder mit springenden Rhythmen, blieb recht chaotisch auch beim zweiten Hören.


    Also ich kann nur sagen: Das ist eine Entdeckung, so als wenn der frühe Schönberg in Paris aufgewachsen wäre.


    Ich kenne die Sinfonien von Magnard in der Sanderling-Aufnahme (wurde ja oben schon besprochen) und mir gefiel die Dritte (wegen dieser irren Verwendung des Choralthemas) und die Vierte besonders gut.


    Herzliche Grüße,
    Gustav Theodor

    "Nur in der Gesellschaft wird es interessant, Geschmack zu haben."
    Immanuel Kant

    Einmal editiert, zuletzt von Gustav Theodor () aus folgendem Grund: jpc-Link funktioniert nicht

  • Zitat

    Original von Gustav Theodor
    Also ich kann nur sagen: Das ist eine Entdeckung, so als wenn der frühe Schönberg in Paris aufgewachsen wäre.


    Genau diesen Eindruck hatte ich gerade nach dem Hineinhören in die JPC-Schnippsel! Dabei habe ich Deinen Satz erst jetzt gelesen, danach. Auch an Zemlinsky habe ich gedacht. Nur das Klangbild erscheint mir etwas hart und spröde, stimmt das?


    Jedenfalls bin ich überrascht über die avancierte und moderne Haltung, die da anklingt - Guercoeur scheint mir da - auch wenn der Vergleich Oper - Streichquartett problematisch ist - rückwärtsgewandter und traditionsbewußter.


    Übrigens könnte der Eindruck der Modernität auch an der Interpretation des Quatuor Ysaye liegen: Das Fauré-Streichquartett scheinen sie ebenfalls eher schroff, aufgerauht und nervös aufzufassen, das kenne ich auch anders: harmonischer, elegischer. Aber ich kann mich hier, wie gesagt, nur auf die Schnippsel berufen.


    Danke jedenfalls für den Hinweis!

  • Lieber Gurnemanz,


    im Prinzip ist ja an einer Interpretation, die (ohne größere Manipulation, versteht sich) die "modernen" Seiten eines Stücks hervorhebt, nichts einzuwenden. Damit ergeben sich ja interessante Perspektiven, die vorher vielleicht noch nicht gehört wurden.


    Ich habe leider keine Vergleichsaufnahmen (es gibt offenbar nur welche vom Artis Quartett und dem Via Nova Quartett, beide nicht so ohne Weiteres mehr erhältlich, scheint mir), und daher kann ich über Alternativen wenig sagen. Grundsätzlich gebe ich Dir aber recht, die Ysayes spielen eher "auf der Stuhlkante sitzend", und vielleicht kommt der Gesamteindruck auch daher, dass das Klangbild sehr direkt und eher hell ist. Wobei es nicht nur an der Aufnahme zu liegen scheint, die hervorragend ist, sondern am intendierten Klangbild insgesamt.


    Zur Schönberg-Assoziation (Zemlinsky ist übrigens auch nicht schlecht, gute Idee): Es gibt leider keinen "auf die Schulter-klopf"-Smilie, sonst wäre er hier am Platz: In musicweb international schreibt Hubert Culot, dass Harry Halbreich in seiner Magnard-Biographie (erschienen bei Fayard, 2001) das Magnard-Streichquartett auch mit Schönbergs Erstem vergleiche, Magnard und Schönberg hätten das Streichquartett wieder da aufgenommen, wo Beethoven es bei op.131 liegen gelassen habe. Wir beide spontan auf einer Linie mit dem großen Harry Halbreich, wow.


    Also: Ihr Streichquartette dieser Welt, macht Euch an die Arbeit und stürzt Euch auf Magnard! Wir brauchen Vergleiche!


    Herzliche Grüße,
    Gustav Theodor

    "Nur in der Gesellschaft wird es interessant, Geschmack zu haben."
    Immanuel Kant

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