Nathalie Dessay - Belcanto par excellence


  • Lieber arimantas,


    Fairy Queen schreibt nicht mehr für das Tamino-Klassikforum.


    Vor einigen Monaten hat es eine große Ausienandersetzung gegeben, die zur Folge hatte, daß u.a. sie das Forum verließ.


    Da wir uns aber lieber der Zukunft als der Vergangenheit widmen, hoffe ich, daß Du ein wenig mehr Zeit findest, Dich dem Forum zu widmen. ;)


    Norbert als Moderator

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Lieber Norbert


    Ach, laß mich doch ein wenig verweilen. Weißt Du, ich bin in einer Lebensphase, in der das Erinnerte aufschließt zum Gegenwärtigen, wo Zukunft nicht mehr so sehr durch Planen, Machen-Wollen bestimmt wird, sondern eher in der bewußteren Wahrnehmung dessen, was noch auf einen zukommt. Der Augenblick gewinnt die Oberhand, so daß ich manchmal innehalte und mir sage, mach die klar, daß du diesen Blick vom Kamm des Berges zwischen schattigen Laubbäumen in eine im Dunst der Abendsonne liegende Landschaft, irgendwo krächzt ein Waldvogel, vorne ruft meine Frau, wo ich bliebe, daß Du diesen Augenblick eventuell nie wieder erleben wirst. Der Augenblick wird nicht mehr einfach mitgenommen auf den Weg in eine Zukunft unendlicher Möglichkeite. Mir ist in den letzten Jahren, manchmal fast schmerzhaft, das Unwiederbringliche in meinem Leben bewußt geworden, das Unwiederbringliche bestimmter Situationen, bestimmter Erlebnisse, auch das Nicht-Mehr-Ändern-Können von Entwicklungen. Dieses Wissen darum, daß es nie wieder so sein kann, wie es einst war.


    Es fängt damit an, du schaust in den Spiegel und siehst einen alten Mann, dabei fühlst du in Vielem noch wie mit 28 Jahren. Aber gehe die Wege, die Du mit 28 gegangen bist. Fahre mit dem Vaporetto vom Lido nach San Zaccaria, siehe wie Maria della Salute und der Dogenpalast immer größer wird, darüber ein violetter Himmel mit ein wenig rosa, da wo eben noch die Sonne unterging, zum Konzert. Und dennoch, es ist anders, als Du damals mit 28 die gleiche Tour gefahren bist, zum Doppelkonzert von Brahms im Innenhof des Dogenpalasts. Die Sinne waren angespannter, Du hast nach Musik gehungert und bist eingetaucht in das Gemurmel des Publikums, die Parfums der Damen, das grelle Scheinwerferlicht auf dem Podium, die Treppe der Giganten im Halbschatten, bis die markanten Tutti des Orchesters ertönen, sich dann zuerst das Cello und dann die Geige einbringen, dann wieder fast trutzig trotzig das Orchester bis Cello und Geige sich umschmeichelnd und dennoch für sich allein stehend das Thema ausbreiten, Brahms die Nacht mit herber Süße erfüllt, und neben Dir duftet das Haar Deiner Liebe und Du ertrinkst in zwei warmen, Dir zugeneigten grünbraunen Augen. Und heute fragst du dich, nachdem du den ganzen Tag Deine Lieblingsorte abgeklappert hast, ob Du es auf den Kirchenbänken von Santa Maria Formosa aushalten wirst und ob das Stabat Mater von Vivaldi den Vergleich mit deinen 10 Aufnahmen zu Hause annähernd aushält. Es wird ganz nett, aber auf dem Rückweg schläfst Du trotz irrer Motorgeräusche des Bootes fast ein. Du möchtest nur noch ins Bett und sonst nichts.


    Spätestens jetzt fragst Du Dich, was das soll. Nun, oben hatte ich gesagt, dass in meiner derzeitigen Lebensphase, das Erinnerte aufschließt zum Gegenwärtigen. Oder anders ausgedrückt, ich werde mir immer mehr bewußt, wieviel Unwiederbringliches, Einmaliges ich in meinem Leben viel zu spät wahrgenommen habe. Ich muß das alles nicht noch einmal so erleben, aber ich hätte es gerne schon damals gewußt und anders gewürdigt. Und vor allem aber heißt das für die Gegenwart, auf das Unwiederbringliche der Gegenwart zu achten. Du ahnst es, jetzt kommt der Bezug. Das Unwiederbringliche muß nicht existenziell sein, aber den Weggang von Fairy Queen empfinde ich als Verlust von etwas Unwiederbringlichen. Ich möchte gar nicht wissen, was los war, aber ich frage mich, war das notwendig. Konnte niemand die Wogen des Streites glätten. Sicherlich ist „Tamino“ nicht zentral in meinem Leben, Musik schon, und wenn ich Fairys Beiträge las oder sich ein Dialog/Streit mit ihr entspann, war das anregend, informativ und macht einfach Spaß. So daß ich mir kaum vorstellen kann, wie es zu diesem Austritt kommen konnte. Natürlich war sie auch empfindlich, manchmal überspannt, aber immer engagiert. Auf die Frage, was mich an TAMINO fasziniert, antwortete sie: „Dass in der gemeinsamen Leidenschaft für die Musik Hochintellektuelle, ganz Normale sowie leicht, mittel und total Verrückte zusammenkommen, mehr oder weniger friedlich koexistieren und sich gegenseitig auch noch bereichern. Und der Clou dabei ist: das Ganze entwickelt sogar, wie bei nicht wenigen Usern nicht zu übersehen ist, einen Suchtcharakter. Sowas gibt es sonst nirgends, ausser vielleicht auf dem Fussballplatz.“


    So spricht jemand, dem Tamino sehr viel bedeutet, d.h. der Verlust muß für Fairy auch groß sein. Noch einmal, mußte das sein. Ich denke „Tamino“ hat ein unwiederbringliches Mitglied verloren. Allein die Zahl der Beiträge, die ich nie erreichen werde, innert eines relativ kurzen Zeitraums spricht Bände. - Es mag ja sein, dass ich, auch mit diesem Vorspann, meine Empfindung nicht klar genug ausdrücken konnte, aber vielleicht vermagst Du herauszulesen, was ich meine. Mag sein, daß ich übertreibe. Tamino hat wahrscheinlich eine Eigendynamik entwickelt, bei der Mitglieder kommen und gehen können, und das Wesen der Maschine bleibt bestehen, bis auf einige Heizer, die den Kessel unter Dampf halten.


    Laß mich also noch ein wenig verweilen, bei der Feenkönigin.


    arimantas


    :hello:


    P.S. Natürlich existieren immer noch etliche „unwiederbringliche Mitglieder“, auf die ich jetzt kein Requiem, präziser kein Hosianna anstimmen muß.

  • arimantas:
    Danke für deine Worte, die mich an Proust erinnern. Mir geht es mit Fairy Queen genau so. Dinge rückgängig machen zu können, ist einer meiner Lieblingsträume.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Natalie Dessays Karriere wird ja wohl jetzt mit ihrer "La Traviata" in Santa Fé ( USA 9 möglicherweise an einem Wendepunkt stehen .


    Diese grossartige Karriere ist bei sehr vielen Opern-Gelegnehitshörern nicht wirklich angekommen ) Lucie / Lucia , Sonnambula u.a m . ) .


    Und es steht auf einem anderen Blatt , ob sich die Dessay noch weitere neue , grosse Rollen zutraut .


    Für mich die derzeit beste schauspilernde Sängerin , die ich kenne .


    Weiss jemand hier in Tamino - Klassikforum.at , ob Natalie Dessay konkrete weitere Pläne hat ?


    Danke im votaus für Hinweise .


    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Tja lieber Frank,


    ohne es zu wollen, triffst Du den Nagel auf den Kopf bzw. faßt Du in die Leere, die Fairy Queen hinterlassen hast. Denn genau Sie könnte Dir wohl am besten sagen, wie z.B. die Premiere der Traviata von Natalie Dessay aufgenommen wurde (heute zweite Aufführung) und auf welche Rollen sie sich über die Musette hinaus vorbereitet. – Du siehst ja auch, daß sich in diesem Thread zur Dessay bis auf den Hinweis von Melot1967, zu dem Fairy gewiß Informationen geliefert hätte, seit Fairy nichts mehr getan.


    Entschuldigt, Norbert und Frank, daß ich noch nicht so schnell in die Zukunft enteilen möchte bzw. so schnell zu Natalie Dessay übergehe, aber Tamino produziert doch keine Autos wie z.B. VW, wo der Abgang eines Arbeiters die Qualität des Produktes nicht beeinflußt. Tamino, möchte ich zugespitzt formulieren, lebt nicht einmal von Komponisten und deren Interpreten, sondern von den Nuancen der Auffassung, der Bewertung deren Leistungen durch sehr unterschiedliche musikbesessene Persönlichkeiten. Es geht nicht um die Dessay, sondern um unsere Reaktion auf sie – wie gesagt zugespitzt formuliert. Natürlich ergeben sich aus Tamino auf verschiedensten Ebenen noch andere Funktionen- eine der schönsten sind die Informationen für Neueinsteiger in die Welt der „klassischen Musik“.


    Ich möchte auch keinen Diskussionsthread über den Weggang von Fairy oder anderen entwickeln, ich möchte nur einen Augenblick verweilen und Euch den Verlust von Unwiederbringlichem in Erinnerung bringen. Vielleicht mit der Hoffnung verknüpft, daß solche Verluste in Zukunft vermieden werde können.


    arimantas


    :hello:

  • Zur Zeit kann man sich im Internet unter medici.tv die Oper Sonnambula von Bellini, die am 15.2.2010 in der Pariser Oper stattgefunden statt, ansehen. Die Registrierung ist kostenlos.


    Dirigent: Evelino Pido


    Il conte Rodolfo: Michele Pertusi
    Amina: Natalie Dessay
    Elvino: Javier Camarena
    u.a.


    :hello:
    Jolanthe

  • Hallo Jolanthe,


    danke für Deinen Hinweis, vor allem auch weil medici.tv etliche andere Konzerte gratis bietet. So kann man z.B. die jetzt bei der DG unter Vertrag stehende Alice Sarah Ott mit einem Mendelssohn/Beethoven/ Chopin- Programm kennenlernen.


    Von Natalie in der Pariser Aufführung der Sonnambula war ich etwas enttäuscht, wahrscheinlich wegen Übererwartung. Dennoch denke ich, daß die Leichtigkeit von einst dahin ist, die Höhe nicht mehr so schön, manche Schärfe, ungewohntes Vibrato. Selbst „Ah! non giunge“ hat nicht mehr die technische Bravour von einst. Natürlich ist sie immer noch eine hervorragende Singdarstellerin. Aber ich vermute, dass sie Ihrer Stimme mit Partien wie der Violetta keinen Gefallen getan hat. So sehr ich ihren Wunsch nach dieser Rolle verstehe, hätte sie sich doch auch im Klaren sein müsse, daß sie von ihrer stimmlichen Voraussetzungen her dieser Rolle nicht in allen Facetten gerecht werden kann. Warum dann für einen Traum die Stimme ruinieren?


    Ich befürchte das Schlimmste, da sie die Sonnambula in Paris abbrechen mußte und die letzten Aufführungen nicht mehr sang. Auch den für sie ins Programm der Met aufgenommene "Hamlet" von Thomas hat sie abgesagt. Immerhin wurde sie bereits 2002 und 2004 an den Stimmbändern operiert. - In der Wiener Staatsoper hat sie allerdings für die Sonnambula im April bis heute laut Info nicht abgesagt.


    arimantas


    :hello:


    P.S Generell tut es mir leid, daß ich mich krankheitsbedingt, aber auch sonst sehr ausgelastet, seit einem Jahr bei Tamino nicht wie erhofft einbringen konnte. Ich hoffe ab Herbst wieder einige Beiträge, die mir vorschweben, realisieren zu können, und mich auch in aktuelle Diskussionen einbringen zu können.

  • Es mag sein, dass ich die Pariser Aufführung der Sonnambula etwas zu kritisch gehört habe und daraus zu weitreichende Schlußfolgerungen gezogen habe, nämlich eine grundsätzliche Beschädigung des Stimmmaterials. Oder Natalie Dessay war einfach indisponiert und hat sich inzwischen erholt. Immerhin berichtet Dreamhunter (in GESTERN IN DER OPER) nicht nur von einer gelungenen Aufführung, sondern von einer Dessay ohne Makel. Er spricht von den „wunderbaren, tief gehenden Melodien Bellinis“, die sie „zum Weinen schön gestalten“ konnte, was ich, selbst ohne gesehen und gehört zu haben, gerne glaube.


    Mich würde generell ihre stimmliche Verfassung interessieren. Ich kann mir nach Paris kaum vorstellen, dass sie die Koloraturen des Finales jemals wieder in der Leichtigkeit von einst realisieren kann. Und auch ansonsten gehört m.E. trotz vollendeter Darstellung bei Bellinis Melodien nicht unbedingt absolut stimmlicher Wohllaut, wohl aber eine intakte Stimme. Vielleicht kann ja ein Tamino, der in der Aufführung war, Näheres dazu sagen. Vielleicht war ja jemand sowohl in der Wiener Aufführung und hat auch die Pariser über medici.tv erlebt. (Für Freunde des Klavierkonzerts von Schumann, während ich dies schreibe, höre ich gerade über medici.tv eine sehr schöne, lyrisch gehaltene Interpretation mit Nelson Freire)


    arimantas


    :hello:

  • Nach der gestrigen Sonnambula-Aufführung wurde Natalie Dessay wohl für sie selbst überraschend zur Wiener Kammersängerin ernannt.
    :hello:
    Jolanthe

  • Herzlichen Glückwunsch Dame Nathalie und den Wienern zu ihrer neuen Kammersängerin.


    Nun muss aber auch eine Traviata her, wir warten alle sehnsüchtig.



    Liebe Grüße, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


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  • Natalie Dessay wird bei der Neuinszenierung in ein oder zwei Jahren in Wien die Violetta singen (zumindest hat sie mir gesagt, dass sie den Vertrag schon unterschrieben hat)

    Hear Me Roar!

  • Wer es sich leisten kann und Fan geblieben ist, kann den TGV nach Paris nehmen und Natalie Dessay in der Opéra ab dem 17. Januar in Händels "Giulio Cesare" als Kleopatra erleben.


    Grüße


    arimantas


    :hello:

  • Auch wenn auf die Fernsehübertragung der Traviata (arte, 16. Juli 2011 um 21.30 Uhr) bereits in den Threads „Opernaufführungen als Übertragungen per Rundfunk und Fernsehen“ und „Aix en Provence: ‚La Traviata‘ mit Natalie Dessay“ hingewiesen wurde, möchte ich auch in diesen Thread, der die Sängerin an sich zum Thema hat, diese Übertragung empfehlen. Auch wenn sie bei ihrem ersten Auftritt mit dieser Rolle in Europa wohl hörbar indisponiert war, soll sie überzeugt haben. Eine andere Frage ist, ob sie über die "physique du role“ verfügt. Während die Regionalzeitungen seinerzeit in Santa Fé voll des Lobes waren, knüpft J. A. Van Sant in „Opera Today“ an diesem Punkt an: “Her voice does not have the dynamic or tonal range to explore the full dimensions of Verdi’s music or Violetta’s emotions; it is almost always the same color. She was wise to sing both stanzas of “Addio del passato…” for a soft pianissimo tone is her best asset just now, and she long held the aria’s final p. high-A. A singular moment. I like Mme. Dessay a lot, and she’s had a wonderful career … I think she has the spunk, but ultimately not enough vocal resource to do justice to Verdi’s paragon soprano role.” Auch die Würdigung der NEW York Times geht in diese Richtung: “Mainly she turned her relatively small voice into a virtue, phrasing her arias subtly and often making affecting use of a melting pianissimo. That is not to say that Ms. Dessay had trouble filling the house when she sang at full volume. But the real show-stoppers here were a nearly whispered ‘Ah! Dite alla giovine’ and a wrenchingly delicate ‘Se una pudica vergine.’ “


    Wir sollten also unsere Erwartungen nicht an den Großen der Vergangenheit messen, wie Callas, Moffo oder Scotto, auch nicht an den Protagonisten der Gegenwart wie zuvorderst Gheorghiu (CD, DVD) Flemming (DVD) oder Amsellem (DVD), sondern uns darauf konzentrieren, was Natalie Dessay aus ihren begrenzten stimmlichen Möglichkeiten herausholt. Ich denke es wird auf das Porträt einer gefährdeten, sehr zerbrechlichen Violetta hinauslaufen


    arimantas
    :hello:

  • Die Karrieregewissheiten kamen ihr vor neun Jahren abhanden: Da erfuhr sie, dass an den Stimmbändern etwas Ernsthaftes entdeckt worden sei. "Das war die Hölle, aber es war kein Krebs", sagt sie heute. "Ich habe an dem Tag von 9/11 erfahren, dass ich etwas an den Stimmbändern habe. Ich habe geweint, dann hörte ich Radio und dachte: Ich lebe - das ist das Wichtigste."


    Eine Operation samt Rehabilitation, die acht Monate strenges Schweigen erforderte, brachte sie auf die Bühne zurück, doch die Probleme waren nicht behoben. 2004 wiederholte sich die qualvolle Prozedur ein zweites Mal. Dachte sie, dass es vorbei sein könnte? "Natürlich. Und es ist seither nicht wie früher. Es ist schwieriger geworden. Ich muss noch immer sehr viel arbeiten und diese Rehabilitationen jeden Tag machen."


    (...)


    Nun also "La Traviata", die sie demnächst in Barcelona und New York singen wird. Wer ist diese Kurtisane, die verzweifelt den Durchschlupf ins bürgerliche Leben sucht und von der Gesellschaft vernichtet wird? "Ich weiß nicht, wer sie ist. Ich weiß ja auch nicht, wer ich bin. Ich spiele sie irgendwie auch für mich selbst. Sie ist ein bisschen ich, ein bisschen Teenager, ein bisschen freie Frau - eine Prostituierte mit reiner Seele. Das tötet sie mehr als ihre Krankheit." In Dumas' Original stirbt Violetta Valéry an der Tuberkulose, doch gehustet wird in der Neuinszenierung nicht. "Heutzutage würde sie an Aidas oder Krebs sterben."


    (...)


    Nun geht also, bis 2014 zumindest, die Routine des Weltstars weiter: "Traviata" und Bellinis "Puritani" an der Met, Donizettis "Regimentstochter" in Paris, San Francisco und Barcelona, bald alle drei Frauenrollen in "Hoffmanns Erzählungen", Debussys "Pelleas und Melisande", Massenets "Manon" ... Auftritte in Salzburg sind nicht in Sichtweite, an der Staatsoper, wo sie einst von Ioan Holender für die Weltkarriere entdeckt wurde, gibt es "im Moment nichts Neues. Vor allem: Ich singe kein Repertoire, nur Neuprodukitionen." Aber im Theater an der Wien könnte etwas anstehen.


    Es folgt eine überraschende Leidenschaftsbekundung für den Beruf. Herrlich sei es, ein Lernen jeden Tag. "Ich möchte aber als Künstlerin weitergehen. Ob es noch in der Oper, mit Liedern, mit Songs meines Freundes Michel Legrand oder im Theater ist, weiß ich nicht. Ich muß nur neue Rollen finden und gut genug bleiben, um immer noch in Wien, New York, Paris oder London singen zu dürfen."


    Diese beeindruckenden Textpassagen entnahm ich einem Inverview der in der vergangene Woche erschienenen Zeitschrift "News", geführt vom wohl bedeutendsten Wiener Kulturjournalisten Heinz Sichrovsky und seiner Kollegin Susanne Zobl.


    Weiters sagte Natalie Dessay in diesem Interview Hochinteressantes: "Für meine persönliche Entwicklung brauche ich das Theater. Ich möchte lernen, ein neues Leben anfangen, mit Bernhard, Molière, Feydeau, Genet, Tschechow. Seit 25 Jahren möchte ich zum Schauspiel. Jetzt wird es Zeit, sonst ist es zu spät. Mein Problem ist, dass ich als Sängerin fast kein Repertoire mehr habe. Die alten, extremen Koloraturpartien will oder kann ich nicht mehr singen. Und Salome oder Tosca, die mir gefallen würden, sind zu tief. Nach >Traviata< weiß ich nicht, was ich machen könnte." Da fiele aber selbst matt belichteten Operndirektoren Bergs kindliche Höllenrose Lulu ein. "Das ist zu spät. Das ist nichts mehr für mich. >Traviata< ist schon jenseits der Grenzen. Ich kann Lulu nicht lernen - ich will leben. Ich würde zwei Jahre dafür brauchen, weinend jeden Tag."


    (gefettet von mir)

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • >Traviata< ist schon jenseits der Grenzen.


    Da kann ich ihr nur zustimmen -


    Ich auch, liebe La Gioconda. Und "Belcanto par excellence"? Na, ich weiß ja nicht... Ich muß zugeben, daß ich Frau Dessay bisher nicht kannte. Ich habe sie erstmals im TV in der Übertragung der Traviata aus Aix en Provence gesehen und da muß ich sagen, tut mir leid, aber für sie würde ich mich wegen einer Eintrittskarte nicht anstellen.
    Eine große Enttäuschung war dabei für mich damals vor allem die Ankündigung der Kommentatorin, daß diese Inszenierung / Produktion ab Herbst in der Wiener Staatsoper läuft. Hier wurde ich einer großen Illusion beraubt. Bis dato glaubte ich immer, daß wenigstens in Wien noch richtig gutes traditionelles Theater / Oper gemacht wird. Nun übernimmt man auch dort eine solche Inszenierung. Wobei das Wort und die Bezeichnung " Inszenierung " ja völlig deplaziert ist, es war ja keine!!!
    In dem Zusammenhang noch eine weitere Enttäuschung. Auf " Classica " kam jetzt eine Aufzeichnung " Die Macht des Schicksals " von 2008, ebenfalls aus der Wiener Staatsoper. Kein Bühnenbild, zumindest kein passendes (außer ein paar sinnlosen Kulissen, damit überhaupt etwas auf der Bühne steht), die Akteure in moderner Kleidung. Besonders schlimm die Kleidung der Sopranistin. Der haben sie eine Art " überdimensionierte Reiterhose " angezogen. Einfach furchtbar. Ich habe dann weggeschalten, obwohl die Solisten gut waren (u. a. Licitra), aber mir vergeht da jeglicher Genuß. Das muß ich nicht haben...


    Herzliche Grüße
    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Im thread "Die MET im Kino" wurde schon ausgiebig über Frau Dessay als Violetta diskutiert.
    Heute kommt nun diese Meldung aus New York: Dessay fällt mitten in Met-Aufführung aus

    Zitat

    ....die französische Sopranistin Natalie Dessay hat während einer «Traviata»-Aufführung an der New Yorker Met nach dem ersten Akt Forfait geben müssen. Fliegend eingesprungen ist die Sängerin Hei-Kyung Hong.


    Laut lokalen Presseberichten kämpfte sich die Französin mehr oder weniger durch den ersten Akt. Sie kürzte Noten, verschluckte andere und verzichtete auf den Versuch, das üblicherweise eingefügte hohe Es in «Sempre libera» anzusteuern.


    Laut Erklärungen der Met litt Frau Dessay an einer Erkältung, wegen der sie bereits die erste Vorstellung der Wiederaufnahme der Produktion vom 6. April absagen musste. Dort sprang für sie bereits Hei-Kyung Hong ein. (cf)


    ?(

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Bei Tod Opera kann man sich die Traviata mit Frau Hong als Violetta herunterladen. So umwerfend ist diese Dame auch nicht. Eher guter Durchschnitt.

  • Im thread "Die MET im Kino" wurde schon ausgiebig über Frau Dessay als Violetta diskutiert.
    Heute kommt nun diese Meldung aus New York: Dessay fällt mitten in Met-Aufführung aus


    ?(


    Die MET kann sich glücklich schätzen, eine so wunderbare und vor allem verläßliche Sängerin wie Hei-Kyung Hong in "Reichweite" zu haben. Sie überzeugt seit vielen Jahren mit konstant guten Leistungen. Vor einigen Jahren war sie eine fantastische Musetta.
    Auch als Traviata hat sie beachtliche Erfolge gefeiert.
    In dieser Partie ist sie zweifellos um Klassen besser als Dessay.


    Ob mit oder ohne Erkältung - die Dessay verfügt nicht über die stimmlichen Mittel, um diese Partie überzeugend singen zu können.


    Gregor

  • Und "Belcanto par excellence"? Na, ich weiß ja nicht... Ich muß zugeben, daß ich Frau Dessay bisher nicht kannte. Ich habe sie erstmals im TV in der Übertragung der Traviata aus Aix en Provence gesehen und da muß ich sagen, tut mir leid, aber für sie würde ich mich wegen einer Eintrittskarte nicht anstellen.


    Lieber Chrissy,


    ich schon, wenn auch nicht für die Violetta. Als Bach-Sängerin gefällt sie mir sehr.


    Tschö
    hami1799

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  • Sagitt meint:


    Die Kontroverse will ich nicht wieder aufgreifen. Für mich ist es schade. Vielleicht tritt da eine Singschaupielerin ersten Grades von der Bühne ab. Wer sie 2002 als Lucia gesehen hat, weiss, dass diese Künsterlin auf der Bühne ALLES riskiert.


    Nochmals: Schade!

  • Die letzte Traviata-Vorstellung an der Met hat sie jetzt auch abgesagt. Von den zugesagten 9 Vorstellungen hat sie 5 gesungen, eine musste sie nach dem erssten Akt abbrechen. An der Mailänder Scala ist sie als Manon angesetzt - ob sie die auch singt ist eine andere Frage.

  • Erstaunlich, dass Netrebko einspringt, die doch Berlin zugunsten ihres Sohnes Tiago abgesagt hat .... :no:

    So ist es - WENN sie singt, ich tippe maximal auf eine von den zwei Vorstellungen - dann dürfen die Mailänder sich an Ermonela Jaho erfreuen. Der Scala kann es egal sein... der Kartenverkauf war ja mittlerweile wegen der Dessay schon voll im Gang........................

  • Erstaunlich, dass Netrebko einspringt, die doch Berln zugunsten ihers Sohnes Tiago abgesagt hat .... :no:


    Tut sie das wirklich wird das Berliner Publikum von dieser Aktion sicher begeistert sein. :rolleyes::no:
    Absagen und dann anderswo singen. Das hatten wir ja gerade erst mit Frau Harteros.


    Gregor

  • schau mal, was sich an der Met abspielt.............................


    Met Cast Changes 2012-2013 (as of 5/17/2012)


    Gwyn Hughes-Jones will make his Met role debut as Manrico in Il Trovatore on September 29 and sings the role on October 4, 8, 12, 17, 20, and 25.


    Carmen Giannattasio will replace Sondra Radvanovsky as Leonora in Il Trovatore on October 12, 17, 20, and 25. These performances are in addition to the previously announced dates when Giannattasio will sing the role.


    Sondra Radvanovsky will replace Karita Mattila as Amelia in Un Ballo in Maschera on November 8 through December 8. The role of Amelia for the performance of December 14 is to be announced.


    Marcelo Álvarez will sing Gustavo III in Un Ballo in Maschera on November 27, replacing Roberto De Biasio. Álvarez will now sing all performances of the role in the 2012-13 season.


    Dolora Zajick will replace Olga Borodina as Amneris in Aida on December 19, 22, and 28. As previously announced, Borodina will sing the role on November 23, 26, 29 and December 3, 7, 12, and 15.


    Sondra Radvanovsky will not be singing any performances of Don Carlo in the 2012-13 season, and her replacement as Elisabeth de Valois is to be announced.


    Italian baritone Marco Vratogna will make his Met debut as Iago in Otello on March 27. He replaces Thomas Hampson, who will still sing the performances on March 11, 15, 20, 23, and 30.

  • Nathalie Dessay hat bekannt gegeben, dass sie ihre Karriere beenden wird.
    Die Manon in Toulouse im September 2013 wird ihr letzter Auftritt auf der Opernbühne sein.


    :hello:
    Jolanthe

  • Sagitt meint:


    Ich habe die Sänger-Schauspielerin immer geschätzt. Was hat sie nicht alles verkörpert, und dies mit einer Intensität. Ihre Lucia war ja legendär.


    In den letzten Jahren war sie stimmlich am Limit. Nein, darüber hinaus.


    So ist es gut, dass sie nun- endlich - die Reißleine zieht.

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