Hertha Töpper (1924-2020)

  • Am kommenden Sonntag wird die Kammersängerin Hertha Töpper zu ihrem 85. Geburtstag mit der Meistersinger-Medaille ausgezeichnet. Frau Töpper erhält die Auszeichnung in Anerkennung ihrer "herausragenden Verdienste um die Bayerische Staatsoper".


    Töpper, Hertha, österreichische Altistin, geboren am 19.April.1924 in Graz.
    Sie wurde in ihrer Heimatstadt ausgebildet und debütierte 1948 als Ulrica. Ab 1952 gehörte sie der Bayerischen Staatsoper München an, gastierte daneben in Wien (Dorabella, Clairon, Cherubino) und sang 1951/52 und 1960 in Bayreuth (Brangäne).
    Mit dem Ensemble der Münchner Oper wirkte sie 1953 bei einem Londoner Gastspiel in der dortigen Erstaufführung des Capriccio mit und sang dort 1958 auch ihre erfolgreichste Partie, den Octavian. In dieser Rolle gastierte sie 1960 auch in San Francisco, 1962 an der New Yorker Metropolitan Opera. Neben Strauss und Wagner sang sie Lady Macbeth, Eboli, Judith in Herzog Blaubarts Burg. 1971–81 wirkte sie als Professorin an der Münchner Musikhochschule.



    das ist sie in meiner Lieblingsrolle: Als Mignon


    Als Auszeichnung und Würdigung ihrer Kunst erhielt Hertha Töpper 1955 den Titel einer Bayerischen Kammersängerin und 1962 den Bayerischen Verdienstorden, 1995 wurde ihr der Bayerische Maximiliansorden verliehen.


    Die Meistersinger-Medaille wird von den Freunden des Nationaltheaters München gestiftet. Sie soll an die Uraufführung von Wagners "Die Meistersinger von Nürnberg" im Jahr 1868 am Hof- und Nationaltheater in München erinnern. Bisherige Träger sind Dietrich Fischer-Dieskau, Astrid Varnay (1918-2006), Inge Borkh sowie Hans Hotter (1909-2003).


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Lieber Harald!


    Danke, dass Du an diese wirklich große Dame des Mezzo- Faches erinnerst.


    Ich selbst konnte sie in Wien selten genug hören, und wenn, war es der Octavian, den sie auch auf dieser DVD, in SW, mit Elisabeth Schwarzkopf singt:


    :jubel: :jubel:


    Wenn auch nicht am Cover [vorne] angegeben, so ist das 1. Akt Finale mit Elisabeth Schwarzkopf als Marschallin und Hertha Töpper als Octavian, droben.


    Eine DVD die sich jeder Hertha Töpper- Freund nicht entgehen lassen soll.


    Herzlichen Glückwunsch, von Wien aus, an Kammersängerin Hertha Töpper und noch viele, gesunde Jahre wünsche ich Ihr.


    Liebe Grüße sendet Dir Dein Peter aus Wien. :hello:

  • Guten Morgen,
    gerne schließe ich mich den Geburtstagsgrüßen für diese großartige Sängerin an.
    Ein kleines Beispiel für ihre Flexibilität:
    1969 hats mich mal ins Münchner Nationaltheater zu der "Carmen" unter Böhm verschlagen.Tatjana Troyanos , die die Titelrolle singen sollte fiel aus,also sprang Hertha Töpper ein - und wurde zum Ereignis des Abends.
    Viele Grüße
    Santoliquido

    M.B.


  • Hertha Töpper war auch eine hervorragende und sehr gefragte Oratorien-Sängerin.


    Hier sind 3 exemplarische Aufnahmen als Beispiele ihrer Kunst.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Waldi hat es im heutigen Geburtstagskinder-Kalenderblatt schon erwähnt:


    Heute, am 19. April 2009 feiert Hertha Töpper ihren 85. Geburtstag.


    Also wollen wir ihr heute alle gratulieren!!


    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Mit Hertha Töpper feiert eines der verdientesten Mitglieder der Bayerischen Staatsoper in den letzten Jahrzehnten den 85. Geburtstag. Durch ihre in allen Lagen perfekt ansprechende Stimme, ihre hevorragende Technik und Darstellungskunst wurde Frau Töpper zu einer der auch international gefragtesten Altistinnen. Die kluge Sängerin sang niemals über ihre Fachgrenzen hinaus und hatte dadurch eine lange Karriere bis zum Bühnenabschied auf hohem Niveau. Als Persönlichkeit ist Herta Töpper eine vornehme Dame mit hohem Selbstwertgefühl, die sich immer ihrer künstlerischen Leistungen bewußt war und deshalb Respekt und Anerkennung erwartete. Bedeutende Verdienste erwarb sich Frau Töpper auch durch ihre Arbeiten um das Schaffen für den verstorbenen Gatten, den Komponisten Franz Mixa.
    Herzlichen Glückwunsch Hertha Töpper zum 85. Geburtstag verbunden mit allen guten Wünschen für die Gesundheit und den Erhalt der bewunderswerten Vitalität.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!


  • Natürlich ist der damalige Threadtitel überholt - inzwischen sind weitere 5 Jahre vergangen:
    Wir feiern heute ihren 90. Geburtstag!


    Hertha Töpper (* 19. April 1924 in Graz) ist eine österreichische Altistin, die in den 1950er und 1960er Jahren eine große gesangliche Vielseitigkeit gezeigt.
    Die Künstlerin war national wie international insbesondere als Dorabella, Fricka, Brangäne, Octavian, Judith, Carmen gefragt. Sie gastierte an allen großen Opernhäusern dieser Welt.
    Verheiratet war Hertha Töpper mit dem 1994 gestorbenen Musikwissenschaftler und Komponisten Franz Mixa, der sie auch stimmlich ausgebildet hatte. Von 1971 bis 1981 war sie Professorin für Gesang an der Münchner Musikhochschule.
    Von der Bühne verabschiedete sich Hertha Töpper 1980. Danach gab sie noch Privatunterricht.


    Zitat

    Zwar ist Hertha Töpper seit einigen Jahren gesundheitlich nicht mehr voll auf der Höhe und auf Hilfe angewiesen, lebt aber nach wie vor in ihren eigenen vier Wänden. Auf den runden Geburtstag freut sie sich seit Wochen, wie eine enge Freundin der Nachrichtenagentur dpa versicherte. «Sie fragt schon, ob der Champagner kalt gestellt ist.» Gefeiert wird daheim im kleinen Kreis.


    :jubel::jubel::jubel:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Hallo,
    von Hertha Töpper gibt es ein paar Aufnahmen, die ich hier mal nennen möchte.


    Bartok: Herzog Blaubarts Burg. An der Seite von Dietrich Fischer-Dieskau singt sie hier eine hervorragende Judith.


    Bei Eurodisc sang sie im "Don Carlos" eine sehr gute Eboli, leider nur als Querschnitt vorhanden, genauso die Ulrica im "Maskenball". Es gibt hier auch einen Rosenkavalier mit ihr als Octavian.


    Als Alisa begleitet sie im deutschsprachigen Querschnitt der "Lucia von Lammermoor" Erika Köth in der Titelrolle während der Cavatina im 1. Akt.


    Bei Walhallt singt sie die Suzuki in der Butterfly.


    Ich habe auch Aufnahmen und Filme mit ihr als Frettchen im "Mantel" von Puccini sowie als Olga und Mutter Larina im Eugen Onegin.


    Und es gibt noch viel mehr ...
    Schöne Grüße
    wega

  • Ich sehe gerade, daß der Thread über Hertha Töpper schon lange verwaist ist. Ich höre sie momentan als Octavian im "Rosenkavalier". Sie verkörpert diese Rolle mit ihrer Stimme sehr glaubhaft und ausdrucksstark.

    W.S.

  • Ich höre gerade eine vor Kurzem auf einem Flohmarkt erworbene 45er Vinyl-Platte mit Hertha Töpper als Dalila. Mit Erstaunen stelle ich fest, dass es scheinbar sonst keine Arien-Aufnahmen mit ihr auf Vinyl oder CD gibt. Unverständlich! Auf der kleinen Platte singt sie in deutsch "Samson! Diese Nacht muss ihn bringen" und "Sieh, mein Herz erschließet sich". Selbst ihr Partner Rudolf Schock, so höre ich es heraus, scheint von ihrer Stimme beeindruckt zu sein.

    W.S.

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  • Mit Erstaunen stelle ich fest, dass es scheinbar sonst keine Arien-Aufnahmen mit ihr auf Vinyl oder CD gibt.


    Hallo, Wolfgang,


    ganz so finster sieht es nicht aus, aber es ist schon so, daß es kein Recital mit Hertha Töpper auf CD gibt. Aber immerhin möchte ich Dich auf folgende Aufnahmen hinweisen:

    U.a. mit Isoldes Liebestod; wahlweise als CD oder LP, als CD leider z.Zt. nur zu einem Mondpreis.
    Und hier ist Hertha Töpper als Cherubino zu hören:



    unter Ferenc Fricsay in einer großartigen GA der Oper (Aufnahme: Berlin 1960, Stereo).
    Dann möchte ich noch diese Aufnahme nennen, in der Hertha Töpper eine großartige Judith singt:

    Bartok: Herzog Blaubarts Burg (deutsch gesungen), mit Fischer-Dieskau in der Hauptrolle (Aufnahme: Berlin 1958, Stereo).
    Schließlich gibt es noch eine LP, auf der sie als Ulrika in Verdis "Maskenball" zu hören ist, die Partie, mit der sie in Graz 1945 ihr Bühnendebüt gab:

    Diese LP gibt es z.Zt. bei Amazon für € 4,98 + Porto.

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).


  • Ks. Prof. Hertha Töpper im Jahre 2004 (Quelle)


    Den Namen der mittlerweile 93-jährigen Altistin Hertha Töpper lernte ich bereits sehr früh im Zuge meiner Beschäftigung mit der klassischen Musik kennen. Hauptsächlich geht das auf die Bach-Einspielungen unter Karl Richter zurück, wo sie zeitweise schon eine fast monopolartige Stellung als fest verpflichtete Solistin besaß. Diese heute legendären Aufnahmen sind ohne sie eigentlich kaum vorstellbar.



    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Große Messe in c-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart, KV 427


    Die gibt es hier noch einmal unter Ferenc Fricsay, aufgenommen 1959 im Haus des Rundfunks, Berlin (Stereo):


    Bei der Gelegenheit möchte ich auf eine Dacapo-Sendung in 3sat von 1988 hinweisen, da führt August Everding ein über einstündiges Gespräch mit der Sängerin, mit etlichen Musikbeispielen. U.a. singt Hertha Töpper, begleitet von Ferenc Fricsay, die Arie der Eboli aus dem 3. Akt von Verdis "Don Carlos", in deutscher Sprache. Sehr hörenswert. Leider ist es mir nicht gelungen, einen Link hierher herzustellen.


    LG, Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Karl Richter und der Münchener Bach Chor unternahmen 1966 eine Konzertreise nach Finnland.
    Das Orchester wurde vor Ort zusammengestellt.
    Auf dem Programm Bach: h-moll Messe und Motettenkonzerte.


    Als Solisten dabei:
    Ursula Buckel, Hertha Töpper, Horst Wilhelm, Kieth Engen und Maurice André, Trompete.

    :):):)

  • Bei der Gelegenheit möchte ich auf eine Dacapo-Sendung in 3sat von 1988 hinweisen, da führt August Everding ein über einstündiges Gespräch mit der Sängerin, mit etlichen Musikbeispielen. U.a. singt Hertha Töpper, begleitet von Ferenc Fricsay, die Arie der Eboli aus dem 3. Akt von Verdis "Don Carlos", in deutscher Sprache. Sehr hörenswert. Leider ist es mir nicht gelungen, einen Link hierher herzustellen.


    Da ist er:


    Gott achtet mich, wenn ich arbeite, aber er liebt mich, wenn ich singe (Tagore)

  • Hallo, Taminos!


    Ich habe drei 17cm-Platten mit Hertha Töpper, und zwar:


    "Der Troubadour" - Arie der Azucena 'Lodernde Flammen schlagen zum Himmel" /
    "Don Carlos" - Arie der Eboli "Verhängnisvoll war das Geschenk"
    Radio-Symphonie-Orchester Berlin - Ferenc Fricsay
    Deutsche Grammophon Gesellschaft 32 231 (Siehe Beitrag Nr. 16)


    "Samson und Dalila" - Rezitativ 'Samson! Diese Nacht muss ihn bringen' und Arie der Dalila
    'O Liebe! meinem Hass steh' zur Seite / Arie der Dalila 'Sieh, mein Herz erschließet sich'
    (mit Rudolf Schock) / Großes Opernorchester - Wilhelm Schüchter
    Electrola E 40 926 (Siehe Beitrag Nr. 10)


    "Der Evangelimann" - Szene und Arie der Magdalena 'Johannes schläft... O schöne Jugendtage' /
    Szene des Mathias 'Selig sind, die Verfolgung leiden' (Rudolf Schock und der Knabenchor der
    St.-Hedwigs-Kathedrale Berlin) / Berliner Symphoniker - Kurt Eichhorn
    Eurodisc (Bertelsann-Schallplattenring) 36 870


    Und die C-moll-Messe von Mozart (aufgenommen 1950) habe ich auf zwei alten 30cm-Platten der
    Haydn-Society aus Boston. (Siehe Beitrag Nr. 12)


    Carlo


  • Im Netz gibt es auf einem Blog ein Bild, auf dem Hertha Töpfer dieses Buch in den Händen hält. Sie ist eine der Zeitzeuginnen, die sich über mehrere Seiten sehr genau und pointiert an Karl Richter erinnern. Allegro_assai verwies in seinem Beitrag 15 auf eine Konzertreise nach Finnland. Die Töpper war auch in vielen andern Städten und Ländern mit dabei. Auch in der Sowjetunion. Von dort gibt es sogar Mitschnitte.


    Eine Anekdote auf Seite 212: "Als wir in Leningrad aus dem Schlafwagen ausgestiegen waren und jeder sein Gepäck selbst tragen mussten, sagte Richter: ,Sind Sie auch zum letzten Mal hier?'"


    Richter mochte an ihr offenbar die Disziplin und die schnörckellose Stimme, die sich gut in das Ensemble einpasste. Sie konnte nach meinem Eindruck stilistisch und technisch wirklich sehr gut singen. Allerdings vermisse ich die Farbe im Ausdruck. Mir ist sie auf Dauer etwas langweilig.


    P.S. Carlo sei Dank für die Aufzählung. :)

    Es grüßt Rheingold1876

  • Hallo,
    in meiner Sammlung befindet sich ein Querschnitt durch den Bettelstudenten mit Hertha Töpper als Gräfin, an ihrer Seite Erika Köth, Rudolf Schock, Fritz Wunderlich und Gustav Neidlinger, sehr hörenswert.


    Noch deutlicher kommt sie in einer Aufnahme von Suppés Banditenstreichen zum Zuge. Hier singt sie die 2. Frauenrolle, keine Soubrettenpartie. Die Aufnahme gibt es bei Walhall.


    Schöne Grüße
    wega

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  • Die Verdi-Arien wurden von der DGG in der großen CD-Box mit Fricsays Opernaufnahmen neu herausgebracht, eine der Arien der Dalila ("Sieh, mein Herz erschließet sich") befindet sich auf der Schock-CD "Funiculi, Funicula" (Profil / Hänsler).


    Und von der Arie der Magdalena gab es noch eine ältere Aufnahme bei der DGG unter Victor Reinshagen und den Bamberger Symphonikern. Auf der Rückseite ist ebenfalls "Selig sind, die Verfolgung leiden", diesmal mit Lorenz Fehenberger.

  • Ich darf vielleicht noch auf den Erinnerungsthread hinweisen, weil Hertha Töpper heut ihren 94. Geburtstag feiert und bei der Gelegenheit zwei meiner Lieblingsaufnahmen mit ihr poosten:



    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Liebe Taminos,

    gestern habe ich zu Alfreds Eröffnung des Threads über den Komponisten Franz Mixa, seit 1949 bis zu seinem Tode 1994 der Ehemann von Hertha Töpper, einen Beitrag geschrieben, den ich hier verkürzt wiederholen möchte, da er sie auch betrifft.


    Zum kompositorischen Schaffen Franz Mixas gehören neben fünf Sinfonien, einer 'Deutschen Messe', Chor- und Kammermusik und über hundert Liedern auch eine kleine Kammeroper in einem Akt („Galgenballade“, komponiert 1928/1931) und das musikalische Bühnenwerk in drei Akten „Eyvind und sein Weib“, das während seiner Zeit als Musikdirektor in Island 1937/1938 entstand und das er 1966 neu bearbeitete.


    Für Hertha Töpper schrieb er neben zahlreichen Liedern auch drei Kantaten: „Gott geht in uns ein ohne Glockenläuten“ (für eine Altstimme, Chor und Orchester aus dem Jahre 1954, revidiert 1967), „Dem kommenden Menschen“ (für Alt, Tenor und Bass sowie Chor und Orchester, 1973) und „Waldeinsamkeit“ (für eine Altstimme mit Orchester, komponiert 1980). In ihren vielen Liederabenden hat die Altistin immer wieder Kompositionen ihres Mannes vorgetragen, oft von ihm am Klavier begleitet..


    Im Gedächtnis der steirischen Musikfreunde ist Franz Mixa hauptsächlich durch zwei Werke verankert: das Oratorium „Sonnengesang“ nach dem Hymnus des Hl. Franz von Assisi (mit dem Text eines Kriegskameraden Mixas) und die Oper „Der Traum ein Leben“, basierend auf dem gleichnamigen Schauspiel von Franz Grillparzer, das auch Walter Braunfels zur Vorlage einer Oper diente.


    „Sonnengesang“ (Mixa): Dorothea Siebert (Sopran), Hertha Töpper (Alt), Fritz Uhl (Tenor). Oskar Czerwenka (Bass) / Der Grazer Domchor / Das Grazer Philharmonische Orchester / Dirigent: Anton Lippe (Graz, Stephaniensaal, 28. 6. 1952). Franz Mixa komponierte dieses Oratorium für Soli, Chor, Orgel und Orchester in den Jahren 1945/1946 und erhielt dafür 1948 den Kompositionspreis der Wiener 'Gesellschaft der Musikfreunde', aber erst 1952 kam es mit diesem Konzert, von dem vermutlich ein Mitschnitt im Archiv des Grazer Studios des ORF liegt, zur Uraufführung.


    „Der Traum ein Leben“ (Mixa): Personen der Rahmenhandlung: Rustan – George Fourié / Osmin, sein Sklave – Ernst Schütz / Massud, ein reicher Landmann, Rustans Onkel – Engelbert Domig / Mirza, seine Tochter – Hertha Töpper / Personen der Traumhandlung: Rustan – George Fourié / Osmin – Ernst Schütz / Der König von Samarkand – Engelbert Domig / Gülnare, seine Tochter – Hertha Töpper / Der Mann vom Felsen – Alexander Fenyves / Ein altes Weib – Dorit Hanak / Ein Kammerherr – Ernst Schütz / Der Chor und das Orchester der Vereinigten Bühnen Graz / Chorltg.: Ladislaus Földes / Dirigent: Gustav Cerny (Graz, Opernhaus, 1963).


    Diese von 1959 bis 1961 komponierte zweiaktige Oper Franz Mixas wurde am 22. 6. 1963 zu Beginn der 10. Grazer Sommerspiele uraufgeführt; Waldemar Bloch, selbst ein Komponist von zwei in Graz uraufgeführten Opern („Das Käthchen von Heilbronn“ von 1959 und „Der Diener zweier Herren“, 1961), hatte das Libretto nach dem 'Dramatischen Märchen' von Franz Grillparzer (1834) geschrieben. (In diesem Schauspiel geht es um die Selbsterkenntnis und Läuterung des jungen Rustan mittels einer Traumhandlung – lange vor Siegmund Freud oder C. G. Jung – wobei die Personen der Rahmenhandlung den vier Hauptpersonen des 'Traumes' entsprechen.) Trotz des großen und sehr positiven Publikums- und Presseechos und der Übernahme der Oper in den regulären Spielplan der Grazer Oper – sowie dem Versand von Tonbandmitschnitten einer der Grazer Aufführungen - gelang es Franz Mixa nicht, eine weitere Bühne in Österreich oder Deutschland für sein Werk zu interessieren, wohl hauptsächlich, weil der Komponist keinen Verleger gefunden hatte, der die Partitur drucken wollte.


    Hertha Töpper, die sich immer für das Schaffen ihres Mannes eingesetzt hat und 2002 auch ein Buch über ihn initiierte, lebt - mittlerweile in ihrem 96. Lebensjahr - in einem Münchner Pflegeheim und soll tragischerweise dem Vernehmen nach dement sein.


    Viele Grüße!


    Carlo

  • Lieber Carlo,


    sehr bedauerlich, was Du von Frau Töpper schreibst. Ich wunderte mich vor ein paar Jahren, dass Sie nicht mehr auf Briefe oder E-Mails reagierte und hörte dann, dass Sie einen Schlaganfall erlitten habe und zu Hause betreut werde. Dass sie nun dement in einem Pflegeheim lebt, ist wirklich tragisch.


    Bei meinem letzten Besuch in München sprach sie davon, dass sie auf der Suche nach einem Mitschnitt des "Sonnengesangs" ihres Mannes sei.


    Beste Grüße


    Calatrava

  • Bei meinem letzten Besuch in München sprach sie davon, dass sie auf der Suche nach einem Mitschnitt des "Sonnengesangs" ihres Mannes sei.

    Gibt es denn diesen Mitschnitt? Mir sind nur einige Orchesterstücke von Mixa bekannt, die ich durchaus hörenswert finde. Sie sind eingängig.

    Es grüßt Rheingold1876

  • Lieber Rüdiger,


    leider weiß ich nicht, wie weit Frau Töpper mit ihrer Suche kam. Es ging allerdings um einen Mitschnitt unter Wilhelm Pitz, der ihren Mann in Bayreuth auf das Oratorium angesprochen habe, und nicht um die von Carlo in #23 genannte Aufführung in Graz.


    Es wäre wiederum interessant zu wissen, was mit den anderen Tonbändern aus der Wohnung von Frau Töpper passiert. Das Thema Nachlässe wurde hier im Forum ja auch zuletzt diskutiert. Hoffentlich kümmert sich der Sohn aus der ersten Ehe von Mixa darum, der in Island lebt.


    Herzliche Grüße


    Calatrava

  • Hertha Töpper ist meine Lieblingssängerin. Kein anderer Mezzo (und das war sie; sie war keine Altistin) hat mich so beeindruckt und mitgenommen wir sie.

    Ihr Octavian bleibt für mich das Non plus ultra, ihr Bach-Gesang ist ohne Vergleiche vollkommen. Eine denkende, reflefktierende Sängerin von hohem Niveau und Geschmack.

    Eine Jahrhundert-Sängerin! Sie hat leider nie - weil sehr München-geprägt- eine Weltkarriere gemacht, die ihr zugestanden hätte.

    Ich hoffe, sie lebt inzwischen - habe ich leider gelesen, dass sie dement sei - versorgt und behütet.

    Lasst uns sie in Erinnerung halten als feste Stütze der Münchner Staatsoper und als eine außer gewöhnlich begabte und hervorragende Sängerin ihres Fachs. Ihre Jahrhundert-Stimme bleibt! Ich verehre sie!

  • Ein strammer Nazi?

    Vielleicht. Kann sein.

    Sie war sehr viel jünger als er.

    In der Da Capo-Sendung sagte sie, Alban Berg nicht machen zu wollen. Warum wohl?

    Wollte sie nicht wegen ihres Mannes?

  • Lieber Cavaradossi,


    schön, dass es noch weitere Töpper-Fans gibt.


    Ich meine mich zu erinnern, dass es bei Berg um die Geschwitz ging und sie keine Lesbe darstellen wollte. Da dies das erste Rollenangebot von Rennert als neuem Münchner Intendanten war, hat sie sich damit wohl einiges für die Zukunft verbaut. Auch sagte sie mir, dass sie die Klytämnestra und die Amme abgelehnt hat.

  • Hallo Cavarodossi, ganz so hingerissen von Hertha Töpper wie Du bin ich zwar nicht, schätze aber ihre enorme Stilsicherheit und Musikalität. Besonders gern höre ich die deshalb in Oratorien und Opernpartien, die oratorienhafte Züge tragen. Eben habe ich wieder den Mitschnitt von Brangänes Wachgesang vom 12. Oktober 1950 aus Granz angehört, bei dem es sich nach meinen Informationen um das erste von ihr überlieferte Tondokument handeln soll. Es offenbart ihr Stärken auf beglückende Weise. Wer das seinerzeit live erlebte, dem muss klar gewesen sein, dass sich hier ein sehr großes Talent ankündigte.

    Es grüßt Rheingold1876

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