Stimmen von heute -Vol 001 - Rolando Villazon

  • Liebe Forianer,


    Ob es uns passt oder nicht, die Zeit bleibt nicht stehen. Viele große SÄnger der Vergangenheit sind abgetreten, wohl haben wir sie auf Tonträger konserviert, aber Live - und auf zukünftigen Aufnahmen - werden wir uns mit neuen Namen anfreunden müssen.
    Hier ist der opernbesuche selbstverständlich flexibler, als der Tonträgersammler.


    Daher starte ich hier eine Neue Serie von Threads, die alle mit dem Trailer "Stimmen von heute" eingeleitet werden sollen.


    Hier sind vor allem Künstler auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, aber auch
    Newcomer gemein - nicht Künstler die "auch noch " singen - denen sind andere Threads gewidmet.


    Mit wem beginnen ?


    Meine Wahl fiel auf Rollando Villazón. (Der Florez-Thread wird auch in dieses Format gebracht)



    Geboren 1972 in Mexico City sang er an zahlreichen Opernhäuseren, so z.B in Hamburg, München, Berlin,Wien,London,Rom und New York.
    Er trat ebenso bei den Bregenzer Festspielen beim Glyndebourne-Festival und zahlreichen anderen Festivals auf.. Zu seinen Paraderollen zählen Nemorino (L’elisir d’amore), Alfredo (La traviata), Rodolfo (La Bohème), Des Grieux (Manon),Hoffmann (Hoffmans Erzählungen)Steuermann (Fliegender Holländer)


    Bis Dato sind mir zwei Areienplatten des Künstlers bekann, eine mit französischen Arien, die andere mit Italienischen Arten. Letztere besitze ich seit ca 2 Stunden.
    Derzeit bin ich am Durchhören.


    Stellungnahmen sind wie immer gern gelesen =)



    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

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  • Dürfte ich, ganz unverfroren, darum bitten auch Joseph Calleja in diese Thread-Serie mit einzubeziehen. Ich kenne ihn zwar bisher nur von einer Sampler-CD (mit der Arie La dolcissima effigie), aber da gibt es etwas an seiner Stimme, das mich unheimlich anzieht. Liege ich völlig falsch, wenn mich seine Stimme irgendwie an Caruso erinnert?


    Meine Entschuldigung an Alfred für diesen "Themenschlenker"


    Gruß


    katlow

  • Ich habe die oben abgebildete CD mit den Arien von Massenet und Gounod auch (allein schon wegen der nicht ganz so alltäglichen Zusammenstellung eher selten zu hörenden Arien habe ich sie mir gekauft) - sie gefällt mir sehr gut!
    Die Stimme von Rolando Villazon erinnert mich an den jungen Placido Domingo (den Vergleich habe ich irgendwo auch schon gelesen und dem kann ich nur zustimmen): Sie ist eher hell gefärbt und hat diesen "metallischen Glanz", den man von Domingo auch kennt. Villazon phrasiert und artikuliert deutlich und es macht Spaß, ihm zuzuhören - tolle Stimme, tolles Arien-Recital! Sehr zu empfehlen :yes:


    In diesem Zusammenhang finde ich es übrigens ein echtes Phänomen, das in den letzten 7 oder 8 Jahren zahlreiche lateinamerikansche Jung-Tenöre weltweit von sich reden gemacht haben (u. a. J. D. Florez, José Cura, Marcelo Alvarez, etc.) - in diesen Ländern scheint ja ein beachtliches Potential an solchen Stimm-Talenten zu schlummern, das jetzt erst nach und nach gehoben wird. Bin gespannt, was da noch alles zum Vorschein kommen wird :]

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Sagitt meint:


    Er ist kein Nebenprodukt der Hype um die Netrebko. Villazon,oben angekommen. Er geniesst es. Gestern ein Konzert aus der Berliner Philharmonie auf arte.Zugleich ein kleines Porträt. Er hat das, was Menschen mögen. Die hohen Töne,viel Spiel-Laune,gutes Aussehen, Humor in reichlichem Umfang.
    Sein Argument: wer dauernd von Leid und Bedrängnis singt,braucht einen Ausgleich, seiner sei der Unsinn.
    Seine Art des Singens erinnert mich an Benjamino Gigli. Immer mit viel Ausdruck, auch mimisch, immer eher einer Schluchzer dazugefügt. Villazion bekennt sich ausdrücklich dazu. Die Oper sei eine Übertreibung und deswegen müsse man so interpretieren.


    Ich finde dies eher abstossend, aber es gefällt.


    Jedenfalls hat Villazon die anderen Tenöre momentan aus der zweiten Reihe heraus überholt und sich ganz vorne plaziert.


    Andere Meinungen ?

  • Servus sagitt,


    er ist kein "Nebenprodukt" der Hype um Netrebko - aber er hat ganz bestimmt popularitätsmäßig von ihr profitiert (sie werden ja auch meist im "Doppelpack" verkauft).


    Schluchzer mag ich auch nicht. Und einer der zweiten Tenöre ist ihm durchaus ebenbürtig, wenn nicht überlegen?: Juan Diego Florez. Mich hat's hingesetzt, als ich ihn in Wien in Gianni Schicchi und Sonnambula gesehen habe. Und fescher ist er auch :D


    LG
    Austria

    Wir lieben Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - vorausgesetzt, sie denken dasselbe wie wir (Mark Twain)

  • Hallo Austria,


    ich widerspreche in keinem Punkt.Aber gerade der Hinweis auf Florez zeigt, Villazon verdrängt sie momentan alle. Medial ist Villlazon eher präsent, nicht ein Florez,Cura, Alagna oder andere.
    Ob dies künstlerisch berechtigt ist ? Ich meine, NEIN

  • Wenn ich mich mal selbst zitiern darf (Salzburger Traviata thread):
    "Villazon ist ein sehr sympathischer Sänger mit schönem Timbre. Allerdings hatte er teilweise Mühe legato zu singen und griff wieder holt zu emphatischen Stilmitteln aus der Mottenkiste des Verismo."
    Genau so habe ich es gestern auch auf arte erlebt. Und ob ein Tenor unbedingt öffentlich den Kasper machen muß?

    res severa verum gaudium


    Herzliche Grüße aus Sachsen
    Misha


  • Hallo,


    Florez und Villazón kann man aber vom Fach her m.E. nicht unbedingt vergleichen, jedenfalls derzeit nicht. Florez ist grandios in verzierter Musik - Villazón ist da "nur" gut. Um's mal in Nachfolge-Bildern auszudrücken: Villazón könnte in Zukunft Domingos Repertoire übernehmen und ihm darin gleich kommen (sein Alfredo gefällt mir jetzt schon besser als Domingos). Florez wäre eher ein Nachfolger für jemanden wie Alfredo Krauss (und gewiss ein toller Partner für die Bartoli in Rossini-Repertoire u.ä.m.). Sind zwei verschiedene Paar Schuhe... Die Repertoire-Überschneidungen dürften sich - vorausgesetzt Florez vermeidet, sich an "schweren" Rollen zu verheben - wohl ziemlich in Grenzen halten. Über frühen Verdi u.ä. sollte Florez nicht hinausgehen. Aber das weiß er vermutlich selbst am besten.


    Freundliche Grüße


    Heinz Gelking

  • Zitat

    Original von heinz.gelking
    [quote]
    Florez und Villazón kann man aber vom Fach her m.E. nicht unbedingt vergleichen, jedenfalls derzeit nicht. Florez ist grandios in verzierter Musik - Villazón ist da "nur" gut. Um's mal in Nachfolge-Bildern auszudrücken: Villazón [I]könnte
    in Zukunft Domingos Repertoire übernehmen und ihm darin gleich kommen (sein Alfredo gefällt mir jetzt schon besser als Domingos). Florez wäre eher ein Nachfolger für jemanden wie Alfredo Krauss (und gewiss ein toller Partner für die Bartoli in Rossini-Repertoire u.ä.m.). Sind zwei verschiedene Paar Schuhe... Die Repertoire-Überschneidungen dürften sich - vorausgesetzt Florez vermeidet, sich an "schweren" Rollen zu verheben - wohl ziemlich in Grenzen halten. Über frühen Verdi u.ä. sollte Florez nicht hinausgehen. Aber das weiß er vermutlich selbst am besten.


    Servus Heinz,


    ja das stimmt. Er fiel mir nur im Sinne von "aufstrebenden" Tenören ein. Da ich aber kein ausgesprochener Rossini-Fan bin, täte es mir leid, wenn er "nur" in diesem Fach reüssierte und nicht Richtung Verdi marschierte ;-) Aber ich denke auch, daß er seine Karriere bewußt und bedacht angeht.


    LG
    Austria

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  • Wie ich finde, ist der Unterschied zwischen Villazòn und Flórez von meinen Vorgängern bzw. -schreibern sehr gut beschrieben, so daß ich deren Charakterisierungen nichts hinzuzufügen habe, außer der Tatsache, daß ich Villazòn bis jetzt nicht von seinen Studio-Produktionen, sondern nur von Live-Übertragungen her beurteile - wohl wissend, daß dies auch nicht dasselbe ist, als hätte ich den Künstler in Oper oder Konzert selber gehört.


    Als erstes hat mich eine große Ähnlichkeit zu Domingos Timbre zum Zuhören gezwungen, dann eine ähnliche Emphase des Ausdrucks. Als ich dann seinen Carlos aus Amsterdam hörte, hatte ich (wie auch beim frühen Domingo, doch dieser belehrte mich eines Besseren) die Befürchtung, die Partie käme etwas früh für ihn. Die "Traviata" aus Salzburg sah ich im Fernsehen, und ich war als Gesamteindruck begeistert, obwohl ich an Details zu mäkeln hatte. Am Samstag nun die "Rigoletto"-Übertragung, meine Mäkeleien wurden stärker. Das Timbre ist sehr schön, von großem "Wiedererkennungswert", aber die Art und Weise, wie Villazòn seine Stimme einsetzt, halte ich auf die Dauer gesehen für bedenklich. Um es einmal ohne Fachtermini auszudrücken : Villazòn "haut" meiner Meinung nach auf die Stimme; die Leidenschaft, mit der er singt, erscheint mir von der Tongebung her für gefährlich, als ob es kein Morgen für ihn gäbe, sondern nur der Moment zählt. Sein Ton ist zu offen, manche Höhen zu hoch angesetzt - hoffentlich nur ein Zeichen einer Indisposition (er hatte die vorige Vorstellung abgesagt). Es wäre schade um diesen sampathischen Mann, der nach meiner Meinung nach die schönste Stimme der heutigen Tenöre besitzt.


    Wenn alles klappt, werde ich mir am 3. Januar erstmalig selbst ein Bild von Villazòns Fähigkeiten machen können. Dann wird er nämlich am Mariinsky-Theater in St. Petersburg (übrigens neben Anna Netrbeko) in "La Bohème" auftreten.


    Schöne Grüße aus Finnland (und Kompliment an den Themenstarter)


    Sune

  • @sune


    Wenn alles klappt, werde ich mir am 3. Januar erstmalig selbst ein Bild von Villazòns Fähigkeiten machen können. Dann wird er nämlich am Mariinsky-Theater in St. Petersburg (übrigens neben Anna Netrbeko) in "La Bohème" auftreten.


    Ich beneide Dich !
    Austria

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  • Die gestrige arte-Sendung habe ich mit Interesse verfolgt und ich befürchte,daß der Verheizungsprozess bei diesem überaus sympathischen Sänger bereits in vollem Gange ist.Um in Zwischenfachpartien die Stimme groß klingen zu lassen,wird auf Teufel komm raus Forte bis Fortissimo gesungen.Das kann auf Dauer nicht gut gehen.
    Deutlich überschritt Villazón meines Erachtens seine Grenzen in Turridus Abschied von der Mutter.Sein:"Oh nulla!È il vino che mi ha suggerito!"war wie die gesamte Arie im forte gesungen anstatt hier auf piano zu reduzieren,was ihm auch in anderen Werken schon sehr zu schaffen macht.Es ist zum Heulen!Warum jetzt schon Maskenball?Und Edgardo?Wir werden erleben,wie die Pianostellen bald nur noch als Aspirationen vernehmlich sein werden.Wirklich schade!
    Mit Bewunderung anerkenne ich,wie schnell der Sänger das Publikum in seinen Bann zu ziehen vermag.Eine Geste oder Bemerkung,ein Lachen und der Saal liegt ihm zu Füßen.Das schaffen nur wenige.Und gerade wegen dieses hohen Sympathiewertes hoffe und wünsche ich ihm,daß seine Künstlerkerze nicht von beiden Seiten verbrennt.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Hallo Alfred,


    Stimmen von heute sind zweifelsohne auch der argentinische Tenor Marcelo Alvarez und der in Bern geborene Salvatore Licitra,in dessen Adern sizilianisches Blut fließt.
    Beide besitzen beim Singen die gewisse Träne im Knopfloch,haben strahlende Höhe und ein perfektes Legato.
    Damit dürfte das italienische Belcantofach wieder sehr gut bestückt sein,was man vom deutschen Fach absolut nicht behaupten kann.
    Doch die Hoffnung stirbt zuletzt.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Sagitt meint:


    Da habe ich mich wohl mißverständlich ausgedrückt. Ich meine ebenfalls nicht,dass die beiden im gleichen Fach singen,sondern nur, dass Villazon gerade das Medieninteresse hat und dahinter andere großartigeTenöre zurückstehen,wie eben Florez. Man schaue nur einmal auf die Startseite etwa von amazon.


    Und wie die Beiträge zeigen,wird der Synergie-Effekt Netrebko/Villazon genutzt.Wann sind die ein Paar ?

  • Also ich würd Villazon nie im Leben mit Florez vergleichen. Verschiedene Stimmen - verschiedene Temperamente ...


    Über Florez gibt es übrigens schon quasi seit der ersten Stunde dieses Forums einen Thread....


    Stimmen von heute - Juan Diego Florez - Endlich mal wieder ein kompletter Tenor?


    Die Serie wird fortgesetzt


    LG


    aus Wien


    Alfred

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  • @Alfred


    Also ich würd Villazon nie im Leben mit Florez vergleichen. Verschiedene Stimmen - verschiedene Temperamente ...


    Mönsch, haben wir doch nicht - es ging um Popularität, Vermarktung.


    Und selbst wenn - darf man zwei Tenöre am Beginn ihrer Karriere nicht vergleichen, im Sinne von was ist von dem und was ist vom anderen zu erwarten?


    Hättest Du Dir von Domingo jemals träumen lassen, dass er den LOHENGRIN oder den PARSIFAL singen würde??? Also ICH nicht.


    LG
    Austria


    PS: besser, er hätte es sein lassen....

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  • Hallo Austria,


    wie recht muß ich dir geben mit Domingo!Auch den Tannhäuser und den Stolzing hätte er nie singen sollen.Diese Rollen passen einfach nicht zu ihm,vom schlechten Deutsch mal abgesehen.Die Unsitte,jedes mit einem Konsonanten endende gesungene Wort noch mit einem Vokal zu "verzieren" finde ich grässlich.Dagegen kann man sich nur wehren,indem man solche Produkte ignoriert.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Am 3. Januar hatte ich in St. Petersburg Gelegenheit, erstmalig Rolando Villazón live zu erleben, bei seinem Rußland-Debüt am St. Petersburger Mariinsky-Theater als "Bohème"-Rodolfo mit Anna Netrebko als Mimi und unter Valéry Gergievs (erstem "Bohème"-) Dirigat.


    Um mit dem Fazit zu beginnen : Dieser Rodolfo war einer der besten, den ich jemals hörte (und ich habe immerhin u.a. Domingo, Pavarotti, Carreras,Gianni Raimondi, Aragall, Shicoff gehört). Auch jetzt bei meinem ersten Live-Eindruck fiel mir die Ähnlichkeit von Villazóns Stimme zu der des jungen Domingo auf - mit dem bedeutenden Unterschied, daß Villazón die bessere Höhe besitzt, die bei Domingo immer etwas bemüht und manchmal gequetscht, nur selten strahlend klang. In Bezug auf Stimmschönheit, Sicherheit im Erreichen der Töne, stimmlichem und darstellerischem Ausdruck, Eingehen auf die Partner blieb kein Wunsch offen. Es war ein Baden in herrlichem Stimmklang, und man brauchte zu keinem Zeitpunkt Angst zu haben, Villazón würde einen Spitzenton nicht bekommen (zwar habe ich kein absolutes Gehör, aber ich denke, er sang seine große Arie nicht transponiert). Sein Spiel mit Netrebko war herzbewegend und rührte zu Tränen (zumindest zu meinen). Angesichts ihrer Harmonie auf der Bühne würde die Yellow Press mit Sicherheit ein Paar aus den beiden machen.


    Bei solchen Partien wie Rodolfo, Alfredo, "Rigoletto"-Duca, Nemorino sollte er noch möglichst lange bleiben, und auch seine nächsten Rollen wie Lensky und Werther werden ihn nicht überfordern (außer daß er sich emotional verausgabt). Don Carlos wird hoffentlich ein Ausflug bleiben, und vom Turiddu sollte er vorerst nur im Konzert die Arien singen. Wenn die St. Petersburg Times schrieb, seine nächste Partie sei der Hermann in "Eugen Onegin", wünsche ich ihm, daß er vom Hermann in "Pique Dame" noch recht lange die Finger läßt, den Lensky in "Eugen Onegin" kann ich mir sehr gut vorstellen.


    Wie ich las, zeichnet Villazón zur Entspannung vor Premieren Karikaturen. Eine seiner Zeichnungen ziert von nun an einer der Wände im Mariinsky-Theater-eigenen Backstage-Restaurant. Auch hierin scheint er außerordentlich talentiert zu sein.


    Sune

  • Hallo Sune,


    vielen Dank für deinen informativen Bericht.Etwas neidisch könnte man werden,einen solchen Genuß nicht miterlebt zu haben,so lebendig und begeisternd waren deine Zeilen.
    Was die Zukunftsperspektiven dieses sympathischen Sängers betreffen,teile ich deine Ansicht voll und ganz.An anderer Stelle habe ich mich dazu auch schon geäußert.Haushalten mit den Kräften und nicht zu früh schwere Rollen annehmen,möge es noch so verlockend sein,das wünsche auch ich ihm.
    Die Zeichnungen von Rolando Villazón kann man auf seiner hp http://www.rolandovillazon.com bestaunen.Das Zeichnen scheint sein zweites Talent zu sein.Herrlich humorvoll.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Ich halte ihn persönlich für einen wunderbaren Sänger.
    Und mit Netrebko passt es irgendwie schon.


    Im WDR 3 gab es mal eine nette Geschichte:


    Er soll gesagt haben, daß er sein Leben nicht von 2 Muskeln (die,der Stimmbänder) bestimmen lassen will und davon abhängig sein will.


    Nur: Er ist im Moment darauf angewiesen (welch eine Ironie!).
    Und die Sprecherin sagte irgendwas von (genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr)
    Wer schnell hochsteigt, der kann nur noch tief fallen.
    Er wird sehr hoch "gehandelt". Wer so schnell ein Star geworden ist,ein leuchtender Stern, der muß befürchten, daß es auch schnell ruhig um seine Person werden kann.


    Interessant,interessant, nicht wahr, liebe Taminos?

  • Hallo Siegfried, da du mich schon in einem anderen Thread auf Alfreds "Frühjahrsputz" aufmerksam gemacht hast ;), übersiedle ich mit unserer kleinen Villazon-Diskussion aus dem Traviata-Thread hierher!
    Wir hegen wohl die gleichen Befürchtungen in Bezug auf ihn, ich sehe seine sängerische Zukunft eher düster. Ich glaube nämlich, dass er vom Typ her überhaupt nicht "haushalten" kann, wie du ihm richtig empfiehlst, ich glaube, bei ihm gilt nur die Devise "Alles oder gar nichts!" Eine Bekannte, die beruflich mit ihm zu tun hat und ihn gut kennt, meinte einmal zu mir: "Für Rolando ist die WElt ein riesiger Spielzeugladen, und er steht wie ein vierjähriges Kind mit großen Augen mittendrin uns sagt: "Das und das und das will ich haben!" Das dürfte eine gute Charakterisierung sein, wenn man ihn so bei diversen Auftritten beobachtet. Ich bezweifle, ob er viel darüber nachdenkt, was in fünf Jahren sein wird - er lebt einfach 100%ig im Jetzt und will da alles ausschöpfen, was er auszuschöpfen gibt, auf Teufel komm raus und ohne Rücksicht auf Verluste. Welcher Sänger gibt z.B. am Vortag eines Rollendebuts (Ich meine seinen Wiener Rodolfo) ein zweistündiges Interview im Konzerthaus und hält hinterher noch endlos für seine Fans Hof, Autogramme schreibend, blödelnd etc.??? (Bei Teil 1 war ich dabei, Teil 2 wurde mir erzählt) Tja, und am nächsten Tag hatte er halt keine Stimme mehr.....
    In seiner Unbedingtheit erinnert er mich irgendwie an Luis Lima (Obwohl RV die wesentlich schönere Stimme hat), der warf sich auch mit allem was er hatte in seine Partie und dachte keine Sekunde darüber nach, ob das für drei Stunden reichen würde. Ich kann mich daher kaum an einen Lima-Auftritt erinnern, wo er am Schluss nicht eingegangen wäre, aber das verziehen wir ihm immer gerne angesichichts seiner packenden Rollengestaltung.
    Ja, wirklich schade um RV, denn wie gesagt, es ist schon lange her, dass mich ein Sänger in diesem Maße fasziniert hätte..... :(
    lg Severina :hello:
    PS: Aber im Unterschied zu mir findest du "Duets" gut, habe ich gelesen. Ich bin ehrlich gesagt enttäuscht, speziell von RV.

  • Zitat

    Original von severina
    Welcher Sänger gibt z.B. am Vortag eines Rollendebuts (Ich meine seinen Wiener Rodolfo) ein zweistündiges Interview im Konzerthaus und hält hinterher noch endlos für seine Fans Hof, Autogramme schreibend, blödelnd etc.??? (Bei Teil 1 war ich dabei, Teil 2 wurde mir erzählt) Tja, und am nächsten Tag hatte er halt keine Stimme mehr.....


    Was heisst keine Stimme mehr? Dieser Wichtel hat doch glattweg alle seine Auftritte abgesagt... X(
    Aber mit dem Interview hat das, glaube ich, nicht viel zu tun, denn so viel ich weiß, hatte er auch zuvor schon Auftritte in Paris abgesagt.
    Der Mann singt halt so, wie er redet und es überhaupt seinem Naturell entspricht, immer 100%. Schade ists aber schon...
    Ich könnte aber nun böseartig sein und vermuten, daß er seine Stimme nur geschont hat, um bei seinen Solo-Auftritten in Deutschland umso besser glänzen zu können. Denn in Wetten-Das war er ja wieder gut bei Stimme... :stumm:

  • Hallo Wanderer, also ich kenne persönlich einen Sänger kleiner Partien, wenn der den Arzt in der Traviata singt, spricht er schon am Vortag nur mehr im Flüsterton! Ist vielleicht auch übertrieben, ein Mittelmaß wäre halt wünschenswert. RV hatte echte Stimmprobleme in Wien, das weiß ich aus sicherer Quelle, und was die Deutschlandtour betrifft, so dürfte er dort auf Sparflamme unterwegs sein und seine Fans gar nicht beglücken. (Reduziertes Programm, Zarzuelas statt der angekündigten Opernarien etc. etc.) Und wenn er einen Auftritt bei "Wetten dass...?" nicht mehr hinkriegt, ist eh schon alles zu spät. Das wäre für mich kein Maßstab! (Ich hab's nicht gesehen, aber war das überhaupt live oder play-back?)
    lg Severina :hello:

  • Villazon,
    hat nicht nur eine begnadete Stimme, sondern ist auch sehr sympatisch und überaus humorvoll, davon konnte man sich am Samstag bei " Wetten dass" eindrucksvoll überzeugen.
    Er ist eine Bereicherung am Sängerhimmel.
    Padre

  • Hi Severina, hab sein Singen nicht genau beobachtet, da ich mein Computer ein bissl umgebaut habe, aber play-back wär schon arg :D
    Na, mal schauen, was die Zukunft bringt.
    Vielleicht sollte er einfach mal zivilisierter Singen :D
    Übrigens hat ers nicht lassen können, am Montag mal kurz in Wien einzufliegen.

  • Guten Tag


    Zitat

    Original von Padre
    Villazon,
    hat nicht nur eine begnadete Stimme, sondern ist auch sehr sympatisch und überaus humorvoll, davon konnte man sich am Samstag bei " Wetten dass" eindrucksvoll überzeugen.
    Er ist eine Bereicherung am Sängerhimmel.
    Padre


    Kenne seine Stimme bisher nur von dieser Aufnahme:



    R.V. hat jedenfalls Gefallen an Monteverdi gefunden und möchte mehr von ihm singen. Bis mal gespannt; als "Testo" im Combattimento fand ich ihn schon ganz gut.


    Gruß aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Hallo Severina,


    kannst Du frühe Aufnahmen von Villazon empfehlen ? Ich würde gerne mal als Vergleich demnächst in einiges reinhören. Ich war wie gesagt bei der Traviata, die ich erst jetzt richtig gesehen hab auf DVD, auch etwas enttäuscht. Oder sagen wir es anders: Ich hatte schon so viel Gutes über Villazon in dieser Rolle gehört, dass ich erstmal eine Zeit brauchte, um zu dem Schluss zu kommen:
    Er singt manchmal subtil, aber über vieles singt er auch mit sehr viel Druck hinweg. Durch sein Spiel wirkt das alles aufregend, aber wenn ich mal die Augen zumache, ist da oft ein sehr gleichförmiges, starkes Forte zu hören, dass er ähnlich wie Carreras stark mit einem gehörigen Schuss Träne würzt.
    Ich mag die Stimme wirklich, aber dies gefällt mir weniger. Es gibt dafür ja das schöne Wort "lachrymos". :D
    Irgendwann stumpft dieser weinerliche Tonfall ab und stört [mich] dann.


    Eine Userin hier im Forum möchte ich zitieren, die mal bezüglich Carreras schrieb:


    Zitat


    "Ein typischer "Weiber"-Tenor ist z. B. Carreras - klingt immer so, als müsste er dauernd getröstet werden, ein bisschen trotzig und oft am Rande zum Absturz, aber mit dem absoluten Instinkt für den richtigen Augenblick."


    Das bringt es aus meiner Sicht auf den Punkt, wobei ich natürlich das Wort "Weiber"-Tenor aus geschlechtsspezifischem Anstand feinfühliger ausdrücken würde. Aber das mit dem Trösten bringt es auf den Punkt. :D
    Villazon ist darin nicht so schlimm, wie Carreras, aber doch auf dem Weg dahin und da er die Höhe ähnlich offen angeht, wird er wohl auch dessen Probleme bekommen bzw. hat sie schon.


    Ein kleiner Teil des Erfolges ist übrigens sowohl bei Björling wie auch bei Pavarotti aus meiner Sicht darin begründet, dass die Stimme selten bis nie diese weinerliche Färbung annimmt, sondern Björling immer eine kühle Melancholie, Pavarotti immer eine gewisse maskuline Sinnlichkeit wahrte.