Mozarts Klavierkonzerte und ihre Interpreten

  • Liebe Mozartianer,


    Kaum hat die Mozart-Gemeinde dieses Forums Zulauf erhalten (in diesem speziellen Fall wäre Zuflug vielleicht angebrachter ;), schreib ich schon wieder einen Mozart Beitrag, tja man muß die Feste eben feiern wie sie fallen.


    ...............


    Kaum ein Komponist der Musikgeschichte (von Beethoven einmal abgesehen) hat das Genre Klavierkonzert so bereichert wie Wolfgang Amadeus Mozart, und das sowohl in quantitaver, als auch in qualitativer Hinsicht. Mancher mag einwenden, es gäbe hier auch seichtes. gefälliges, substanzloses. Selbst wenn ich dies gelten ließe, blieben immer noch genügend Konzerte übrig, die diesen Anspruch Mozarts zu diesem Thema untermauern würden.


    Lieber würde ich Konzert um Konzert besprechen (das kommt noch, wenn hier mehr Mozartianer sind, verlasst euch drauf), momentan begnüge ich mich, Resumee über die wichtigsten Werke in maßstäblichen Interpretationen zu ziehen.


    Was wäre ein Klavierkonzert wert, wäre da nicht ein hervorragender Interpret. Deren gab es in dieser Hinsicht eine ganze Menge, lediglich der Zeitgeschmack hat sich von Zeit zu Zeit geändert. Gerade diese Tatsache aber, macht das Sammeln von Tonträgern erst interessant.


    Nicht vergessen wollen wir aber auch den Umgang mit Kadenzen, der früher ein zwangloserer war. Heut traut sich kaum ein Pianist, eine Kadenz zu improvisieren, wenn es da eine von Mozart komponierte gibt.Das ist schade, denn gedacht war es anders.


    So jetzt lass ich noch ein bisschen Platz frei für Eure Empfehlungen und Bemerkungen. Es gäbe da viele Ansätze, wie beispielsweise eine Auflistung (oder Kommentierung !! ;)) von legendären Pianisten und ihren Einspielungen oft auch nur eines Klavierkonzerts, vereinzel gibt es tarsächlich noch originelle Kadenzen, und dann wäre da noch das beliebte Thema: Welches Instrument aus welcher Epoche ?



    Gruß aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Hallo Alfred,


    bevor ich über Kadenzen schreibe, von denen ich doch keine Ahnung habe, grabe ich lieber den Mozart KK-Thread aus. Wollte ich sowieso schon lange.
    Meine Favoriten sind (natürlich) älteren Datums: Clara Haskil mit ihrem wunderbar beseeltem Spiel (leider nur wenige Konzerte, einige mit Fricsay), Geza Anda (Camerata Academica Salzburg, Dirigent in Personalunion), Murray Perahia (English Chamber Orchstra, Dirigent ebenfalls der Pianist). Ingrid Haebler geht der Ruf der Biederkeit voraus, aber beim Mozart ziehe ich sie (W.Rowicki, London SO) dem Brendel mit Marriner vor.
    Barenboim (ebenfalls English Chamber Orchestra, Barenboim) war meine erste Begegnung mit den Mozart-Konzerten, rangiert aber ebenfalls in meiner persönlichen Rangliste eher im Mittelfeld.
    Ganz und gar nicht gefallen mir die Aufnahmen mit Gardiner und Malcolm Bilson: ich bin ansonsten natürlich kein Naturkostverächter, aber hier bin ich, vielleicht aufgrund meiner musikalischen Sozialisation, relativ gnadenlos.


    Gruß aus Hamburg
    Uwe

  • Hallo Alfred!


    Erstmal: Jetzt gibts hier einen Mozartianer mehr! :)


    meine favorites hier sind ja klar. Brendel/Marriner.


    Mal aber davon abgesehen...Gulda find ich auch nicht schlecht.


    Aber erschreckend finde ich Michelangeli...(mit NDR Sinfonieorchester DG Aufnahme;Doppel CD)
    überhaupt nicht mozartianisch...eine vergewaltigung seiner musik!
    vor lauter Schrecken (oder schocks) sind mir beinahe die Schnecken aus meinen Ohren rausgefallen.~ :(


    zu Gardiner/Bilson. du meinst die aufnahme bei ARCHIV Production,oder? Ich habs mir auch angehört.
    Ich glaube wenn Mozart wirklich damit gespielt hat,wäre er superfroh wenn er einen heutigen Steinway Konzertflügel gehabt hätte.
    MANN! Das Klavier geht ja völlig unter im Orchester! Und dabei ist es doch ein KLAVIERkonzert!
    Absolut nichts für mich!

  • Klassikliebhaber schrieb:


    Zitat

    Erstmal: Jetzt gibts hier einen Mozartianer mehr!


    Wie erfreulich !!! :D


    Und bestimmt kein Luxus hier in diesem Forum, denn Mozartianer sind hier nicht allzuviele :yes:


    Dabei gibt es, wie ich glaube, enorm viele, aber sie weigern sich, öffentlich in Foren zu schreiben. (im Gegensatz zu den Anhängern der Moderne)


    Wie ich lese, ziehst DU die Bendel /Marriner Kombination der neueren Brendel/Mackerras vor ? Ich kenn auch nur die erster Version, notabene, da die Kritik die neueren Aufnahme durchwegs kühl empangen hat. Ich gehe davon aus, daß die auch nicht "schlecht" sind, aber mir genügt die ältere sehr gute Aufnahme (bzw etliche aus dieser Serie)


    Zu Bilson:


    Die Aufnahme wurde zwar auf Mozarts Instrument (oder einer exakten Kopie, müsste ich jetz nachschaun) gemacht, aber das sagt noch lange nichts über die Authenzität der Interpretation aus. Ich bin überzeugt, daß die Orchester des achzehnten Jahrhunderts lange nicht so aggressiv klangen, wie man uns heute weismachen will. :yes:


    Authentisch oder nicht: Allgemein galt und gilt die Aufname mit Bilson
    als eher akademisch langweilig und wenig inspiriert.
    Auch Uwe schreibt ja eher ablehnend über diese Aufnahme.
    Noch schlechter IMO ist die Einspielung mit Melvyn Tan. Oh my goodness (fast hätte ich googleness geschrieben, habs aber korrigiert :D)


    Alles Gute aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Hallo


    meine beiden Favoriten sind hier :


    Perahia, der so perlend und klar spielt wie sonst kein anderer.


    Und natürlich Gulda, bei dem man die Aufnahmen mit Harnoncourt nicht vergessen sollte.


    Grüße TW

  • Hallo,


    Die ersten Einrücke von Mozarts Klavierkonzerten waren in meiner Jugend Clara Haskil (die damals schon nicht mehr lebte),
    dann Geza Anda, einerseits in der berühmten Aufnahmen mit Haskil im Doppelkonzert, andererseits das Krönungskonzert mit der Camerata Academica, eine Aufnahme die heute AFAIK nicht allzu hoch eingestuft wird. Später kam dann Berndel hinzu, unter Marriner, unverzichtbare Einspielungen.
    Zu meinen liebsten Einspielungen zählen jedoch die etwas strengeren
    Aufnahmen mit Casadesus unter Szell




    wobei ich die Nr 22 und 27 noch nicht besitze (die habe ich erst jetzt entdeckt, allerdings wird man sie kaum bekommen)


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • wieso?
    einfach amazon anschmeissen und folgendes eingeben:


    Casadesus Plays Mozart [BOX SET] oder einfach nur
    Casadesus Plays Mozart


    Dann erscheint eine Box von Sony, die dann die Klavierkonzerte u.a. erhält die du noch nicht hast.

  • Sagitt meint: der Angebote sind ja überviele. Ich will versuchen, die Kriterien zu entwickeln, nach denen ich diese beurteile. Die meisten Werke sind doch ziemlich apollinisch . Ich schätze Aufnahmen, die von Natürlichkeit geprägt sind und weniger von Interpretation ( deswegen entfällt für mich der Marriner-Brendel- da ist alles überlegt). Deswegen ist Clara Hasil nicht zu überbieten, weil sie dies in ihren Sternstunden gekonnt hat, vor allem KV 415 und 595- ein Anschlag, als käme dieser aus einer anderen Sphäre- alles klingt ganz natürlich entwickelt- gar nicht gemacht. Im Zen würde man sagen: erleuchtet. An diese kommt keiner/keine heran, sie selbst war keinesfalls immer in diesem Zustand. So gibt es ein KV 595 mit Klemperer, eine Aufnahme, die nicht diesen Geist atmet. Der ältere Brendel entwickelt sich in diese Richtung. Seine Neueinspielung sind viel schlichter- mich überzeugt das. Von Guldas Aufnahmen halte ich wenig, am ehesten diejenige mit Harnoncourt und das Doppelkonzert KV 365 mit Chorea( wobei da eine perfekte Aufnahme von Zacharias mit Frau Hinrichs existiert, beide mit wunderbarem Anschlag). Gould hat ein überraschend spannende Aufnahme von KV 491 gemacht. Zwei weitere bemerkenswerte Mozartpianisten sind Pires und Zacharias, die Pires zB mit KV 449 ( die neuere Version bei der Grammophon), Zacharias z.B. mit KV 482. Beide haben delikaten Anschlag und spielen zugleich einen gar nicht süßlichen Mozart. Großartig Lenni Bernstein als Pianist, seine Erstbegnung mit den Wiener Philharmonikern,KV 450. Andas Gesamtleistung soll auch nicht unerwähnt bleiben. Die Aufnahmen sind fast 40 Jahre alt und immer noch gut anhörbar. Sehr lebendig, gerade auf classica gesehen: Uchida als Dirigentin und Pianistin einer Serie von Mozartkonzerten- schon bemerkenswert, wenngleich schwer anschaubar,es sei denn, man mag Kabuki-Theater, wie sie die Musiker der Camerata befeuern kann.
    Ich will noch eine Aufnahme erwähnen, die mich als Knabe sehr beeindruckt hat. Monique de la Bruchollerie spielte in den fünfziger Jahren KV 466 und KV 488- und ich war begeistert. Die Graugans vergisst nicht.........

  • Der Bewertung Michelangelis als Interpret der Mozartkonzerte kann ich mich überhaupt nicht anschließen.
    Im Gegenteil: Wie er z.B. das d-moll-Konzert spielt, ist einfach eine Wucht. "Beethoven (oder gar, wie bösartige Kritiker sagten: Rachmaninov) statt Mozart - Thema verfehlt", könnte man einwenden. Für mich ist das kein Argument gegen die Aufnahme.
    Selbstverständlich hört man die romantische Interpretationstradition heraus. Aber ist denn das zum Schaden eines Werkes, das weit über seine Zeit hinausweist? Übrigens spielt ABM die Kadenz von Beethoven, spielt sie mit Schroffheit und Schönheit zugleich. Wer allerdings Bilson u.ä. vorzieht, dem kann man schwerlich helfen...

    Musik: Atem der Statuen. Vielleicht: Stille der Bilder. Du Sprache wo Sprachen enden. Du Zeit, die senkrecht steht auf der Richtung vergehender Herzen. (Rilke)

  • Hätte Perahia seine Gesamteinspielung doch etwas später gemacht... Aber so ist es leider oft genug gewesen: Ein Stern ist in der Musikwelt aufgegangen, und sogleich erwartet man alles von ihm, ohne ihm Zeit zur Entwicklung zu lassen.
    Ich denke, es gibt in den Einzelaufnahmen der Mozartkonzerte immer Besseres als in Gesamteinspielungen.

    Musik: Atem der Statuen. Vielleicht: Stille der Bilder. Du Sprache wo Sprachen enden. Du Zeit, die senkrecht steht auf der Richtung vergehender Herzen. (Rilke)

  • Hallo,


    Prinzipiell pflichte ich bei, Gesamteinspielungen sind immer "durchwachsen", weil jeder Pianist Abneigungen und Vorlieben hat, so wie wir alle, dies wirkt sich dann natürlich aus.


    Nun aber meine Relativierung:
    Diese Qualitätsunterschied und feinste Unterschiede fallen dem Mozartliebhaber und Mozartkenner auf, (und auch das wird oft bezweifelt ;) ) nicht aber jemanden der eine gediegene Gesamteinspielung von Mozarts Klavierkonzerten sucht.


    Meiner Meinung nach spricht vielmehr gegen eine Gesamteinspielung, daß man plötzlich alle 27 Konzerte aus einer Hand hat, die man dann einerseits nicht alle hören will oder kann, weil eine Übersättigung eintritt, andererseits will man aber auch keine Alternativaufnahmen kaufen, weil man von Mozart "sowieso schon alles hat".


    Von Parahia ghabe ich nur eine CD mit frühen Konzerten, sie ist mir weder unangenehm noch angenehm aufgefallen. Dazu muß gesagt werden, daß es sich hier um Jugensdwerke Mozarts handelt, die qualitativ an sich nicht an ihre Nachfolger heranreiche, die also kaum Spielraum für den Pianisten bieten sich zu profilieren.


    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Also, die Haebler-Einspielung mit verschiedenen Dirigenten (Rowicki, Davis, Galliera) überzeugt nicht immer. Bin jetzt bei der 7. CD angekommen (darauf die beiden Schlusssätze des 19., der erste Satz ist auf der vorherigen Scheibe X( ). Rowickis Begleitung ist sehr zupackend und das scheint auch Haebler zu motivieren, etwas aus sich herauszugehen. Ansonsten spielt sie oft wie ein Porzelanpüppchen - dabei hat sie zumindest die Fähigkeit, dem Flügel mehr Farben zu entlocken als es etwa Perahia oder Brendel schaffen. Insgesamt keine Empfehlung für eine Gesamteinspielung.

    Gruß,
    Gerrit

  • Hallo ihr Mozartianer,
    ich mag die Klavierkonzerte ebenfalls. Habe alle Aufnahmen von Brendel/Marriner, bin aber für weitere Interpretationen aufgeschlossen. Habe Verschiedenes von Kirschnereit (auf Emphehlung aus einem gewissen Fremdforum), die mir auch gut gefallen. Etwas herausragend ist für mich Böhm/Pollini mit dem 19. u. dem 23. Ich finde aber auch Gulda/Abbado mit 20,21,25,27 irgendwie herausragend obwohl ich die Klavierkonzerte lieber etwas schneller und dynamischer mag. Guldas Anschlag imponierte mir aber von Anfang an.Von Geza Anda habe ich die letzten 4 Konzerte. Die sind wie oben schon gesagt wurde "hörbar" aber irgend wie auch etwas gehetzt und "eng". Ich habe noch Abbado/Serkin,21,27 die mir leider nicht so zusagen, ich erlebe sie irgendwie langweilig und blass. Gut hingegen Abbado/Pires mit dem 17. und dem 21.
    Frage an alle:Kennt jemand die Gesamteinspielung von Uchida? Wie ist die so?
    Frage an Alfred: Wie sind die Casadesus-Aufnahmen klagtechnisch und aus welchem Jahr sind die?
    Frage an alle: Was haltet ihr von Horowitz plays Mozart, also 23. Konzert mit Giulini?

    Günter

  • hallo


    irgendwo hat hier jemand was ganz schlechtes über die Horowitz/Giulini Kombination geschrieben. Mir gefällt diese Aufnahme sehr gut, ich empfehle jenes set mit 2 CDs plus eine bonus DVD. Das Klavierkonzert 23 befindet sich auf der CD und dann nochmal im bild und inklusive Proben/Aufnahmegeplänkels auf der DVD. Vorweg: Horowitz benimmt sich etwas eigenartig, aber das hört man ja auf der CD zum Glück nicht.
    Giulini geht den ersten Satz ungewöhnlich schnell an, möcte ich so nicht alle Tage hören, aber mir gefällt die Aufnahme trotzdem


    Gruß, Markus

  • fohlenfanatiker fragte:


    Zitat

    Frage an Alfred: Wie sind die Casadesus-Aufnahmen klagtechnisch und aus welchem Jahr sind die?


    Als ich sehr jung war sagt ich einmal in der mich damals kennzeichnenden unbarmherzigen, aber meist treffsicheren Art:


    "Leute ab 40 sollten nicht über Klangqualität reden, sie hören das sowieso nicht mehr."


    Nun habe ich dieses von mir gesetzte Limit schon weit überschritten und stehe vor der Frage ob ich mein Dogma von einst ignorieren soll oder nicht .


    Sicher rauschen die CDs, amerikanische Analogaufnhmen speziell jene der CBS rauschen immer stärker als europäische. Sie rauschen aber weniger als die Langspielplatten seinerzeit, weil ja das Nadelgeräusch wegfällt.


    Die Lichtseite ist hingegen, daß die Ampex-Bänder relativ unempfindlich gegen Alterungserscheinungen sind.


    So bieteten die Aufnahmen aus meiner Sicht ein sehr musikalisches Klangbild, das ich persönlich etlichen Digitalaufnahmen von heute vorziehe mit guter Räumlichkeit.
    Ich besitze 2 von 3 der veröffentlichten CDs. Eine schweigt sich über die Aufnahmedaten aus, die andere gibt für die 3 Eingespielten Werke die Jahre 1963/64/65 an.


    Mag sein, daß es ist, weil ich einen Teile dieser Aufnahme in meiner Jugend schon als LP besaß - Ich liebe diese Aufnahmen



    Beste Grüße
    aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Sagitt meint:



    Als ich vor vielen Jahren die Scenen sah, auf die hier angespielt wird, dachte- es bestätigte mein Vorurteil- wie kann man in solchem Alter so unreif sein. Alters-Narretei ? Muss jemand, dem die Welt für ein Klavierspiel zu Füßen lag, jemanden vorschicken, um zu erfragen,was die Kritiker über sein Spiel denken ?


    Ich gebe zu, mich beeinflussen solchen Scenen durchaus. Ich finde das Horowitz-Spiel uneigentlich. Das fällt bei Mozart extrem auf, weil er da keine Klangmassen hat, die seinen flinken Finger virtuos bewältigen könnten. Hier gibt es nur wenig Noten- da kommt es auf die geistige Bewältigung an. Die fehlt mir bei Horowitz. Da ist eitle Pose- bemühte Interpretation.


    Aber ich räume ich,die ebenen beschriebenen Scenen machen mich nicht frei für unbefangenes Hören.

  • Hallo allerseits,


    heute war wieder ein Tag, an dem ich versuchte, mich Mozart zu nähern (mit den Violinkonzerten hatte es ja schon gut geklappt, eine seiner Symphonien (die 36.) ließ mich bislang recht kalt und das obwohl C. Kleiber seine begnadeten Hände im Spiel hatte)– eben mit Hilfe seiner Klavierkonzerte. Dieses Mal war es Leif Ove Andsnes, den ich auserkoren hatte:



    Kurzum und rundheraus: Es ist wirklich schön, was da zu hören ist – wobei ich Matthias Kirschnereit und seinen Mozart fast vorziehe (vielleicht kann mir irgendwann jemand erklären, wie es um die Preispolitik der verschiedenen Label bestellt ist; die Preisunterschiede zwischen den zwei Aufnahmen sind ja horrend) – aber „schön“ bedeutet eben für mich in diesem Falle: Der rechte Funke springt auch hier nicht über, mir klingt zu „süßlich“, was ich ja da höre.


    Mit Brendel werde ich nicht so recht warm, aber die von Alfred genannten Einspielungen (Casadesus /Szell) interessieren mich. Damit werde ich noch einen Versuch wagen.


    Gruß, Cosima

  • Hallo allerseits,


    das letzte Wochenende verbrachte ich teilweise in trauter Zweisamkeit mit W.A. Mozart, besser gesagt mit dem, was er der Nachwelt wunderbarerweise hinterließ - nämlich einigen Klavierkonzerten
    Leif Ove Andsnes und Matthias Kirschnereit erwähnte ich ja bereits oben im positiven Sinne. Nun geht es weiter:



    Klavierkonzerte Nr. 19 & 23
    Pollini, Wien PO, Böhm


    Nobel, elegant und sensibel, fast zart das Spiel von Pollini und deshalb m.E. gut zu Mozarts Kompositionen passend. Ich bevorzuge jedoch ein etwas zupackenderes Klavierspiel.




    Klavierkonzerte Nr. 20, 21, 25, 27
    Gulda, Wien PO, Abbado


    Gulda: Etwas kühler, zurückhaltender und leicht „sachlich“ klingend, dadurch für mein Empfinden aber durchaus recht vital und frisch - auch ganz schön.




    Klavierkonzerte Nr. 21 & 23
    Serkin, London SO, Abbado


    Einfühlsam und elegant, was Serkin hier vollbringt, aber m.E. etwas spannungsarm, soll heißen: mir etwas zu gleichförmig und (sorry) langweilig.




    Klavierkonzert Nr. 27 B-dur KV 595
    Gilels, Wien PO, Böhm


    Ja, Gilels gefällt mir richtig gut! Ausdrucksstark und farbig, fließend und keck sein Klavierspiel, so voller Leben, Innigkeit und Charme – phantastisch.



    Mein Fazit bislang: Jede diese Einspielungen und jedes dieser Konzerte an sich (sie sind allesamt wunderschön) hat sicherlich Anhänger gefunden und wird sie auch in Zukunft finden. Mein persönlicher Favorit heißt jedoch eindeutig: Emil Gilels.


    Gruß, Cosima


    P.S.:


    Oh Gott, ich habe etwas vergessen:


    Klavierkonzert Nr. 22, KV 482
    Sviatoslav Richter / Philharmonic Orchestra / Riccardo Muti (1977)


    Wie konnte ich Richter nur unterschlagen? Nun gut: Richter spielt wie Richter eben fast immer spielte: überragend. Wobei ich zugeben muss, dass mir die Kombination Gilels-Mozart sogar noch besser gefällt. Richter fehlt hier der augenzwinkernde Charme, der Gilels Mozartspiel so anziehend macht.

  • Tag,


    ich empfehle, rate, bitte, hoffe, ..., dass man sich bezüglich der Mozart Klavierkonzerte nach Aufnahmen mit dem Pianisten Fillipo Gamba umschaut. Gamba war Gewinner des 1. Preises beim Geza Anda-Wettbewerb im Jahre 2000. Hier ein Hinweis: http://www.gezaanda.org/preistraeger/2000/preis1.htm. Es gibt CDs von diesem Künstler. Ich habe leider bisher nur eine vom Abschlußkonzert (Dirigent Vladimir Ashkenazy).


    MfG
    Albus


  • Ich probiere ja nun eine Weile herum, aber das hier ist unglaublich! Zum ersten Mal, dass mich sowohl das Werk an sich als auch die Interpretation rundherum glücklich machen. (Da tut es der Begeisterung auch keinen Abbruch, wenn zuweilen seltsame Hintergrundgeräusche zu hören sind – fällt da etwas um?)


    Der Name Clara Haskil wurde hier ja schon öfter erwähnt, weswegen ich mir weitere Lobeshymnen erspare. Das ist eine tolle Aufnahme, und eigentlich müsste ich die Scarlatti-Sonaten im entsprechenden Thread auch noch würdigen. Aber ich bin zu träge heute und höre lieber Musik.


    Gruß, Cosima

  • Hallo Mozartianer und -Innen!


    Ich bin neu hier in der Community und muss mich erst noch ein wenig einleben, möchte aber gerne zum Thema ein paar Aufnahmen ins Gespräch bringen, die noch nicht erwähnt sind:


    Da wäre zum einen meine persönlich Lieblings-Gesamteinspielung mit András Schiff und der Camerata Salzburg unter Sándor Végh, die durch eine perfekte Balance aus apollonischer Schönheit und aber gelegentlichem wirklichen Zupacken besticht. Die Aufnahmen (besonders die weniger oft gespielten der späteren Konzerte wie 459, 482, 503, aber auch Hits wie 488, 537) zeichnen sich durch eine Natürlichkeit aus, die besonders von Végh ausgeht, der für mich überhaupt einer der ganz grossen Mozartinterpreten des vorigen Jahrhunderts ist. Und Schiff macht zwar nicht sehr viel, lässt aber Mozart Mozart sein und die Musik von alleine atmen und das ist meist doch viel wichtiger. Natürlich gibt es sicher einzelne Konzerte, wo es gelungenere Aufnahmen geben mag, aber im Grossen und Ganzen überzeugt mich diese Edtition doch am Meisten.


    Von Gulda, dessen Aufnahmen mit Harnoncourt ich auch sehr liebe, möchte ich noch eine frühe Einspielung (genaue Jahreszahl unbek. wahrscheinlich späte 60er) der Konzerte Nr.21 und 27 mit dem Wr. Volksopernorchester unter Hans Swarowsky auf Preiser Records nicht unerwähnt lassen. besonders im C-Dur Konzert lohnt es sich zu hören, wie Gulda der Aufführungspraxis entsprechend, in den Orchestereinleitungen und -intermezzi über dem Bass stilistisch manchmal fragwürdig, aber immer irgendwie genial, improvisiert. Und wenn man den zweiten Satz desselben Konzert einmal gehört hat, wo Gulda das "klassische Rubato", also das ganz freie Spiel des Solisten bei sturem Weiterspielen des Orchesters, ganz ernst nimmt, dann will man das eigentlich nie wieder anders hören.


    Ich bin wirklich froh, dass die Bilsom/Gardiner- Aufnahme hier nicht so gut wegkommt. Dachte immer, ich sei der einzige Mensch, der diese Aufnahmen nicht so toll findet...
    Am Originalklangsektor gibt es aber doch noch etwas zu erwähnen: die zum Grossteil schon wieder gestrichenen, aber in Second Hand-Läden und auf Flohmärkten immer wieder erhältlichen, Aufnahmen von Robert Levin und Christopher Hogwood und der Aam. Auch wenn das Orchester ziemlich gelangweilt klingt und ihren Mozart halt runterfideln, zeigt Levin, was es heisst, frei zu spielen, die Noten nicht als absolute Wahrheit zu sehen, sondern als Rahmen zur Improvisation. Und da er stilistisch derart sattelfest ist, klingt es immer spannd, immer neu und es bleibt doch immer purer Mozart.


    mit lieben Grüssen
    Raphael


    P.S.: zur Flügel/Hammerklavier-Diskussion: hätte Mozert einen modernen Flügel gekannt, hätte er sich wahrscheinlich gefreut, hätte aber wahrscheinlich doch andere Musik für dieses Instrument geschrieben als er es für das Fortepiano tat. Er hat für Geige und Bratsche schliesslich auch unterschiedlich komponiert und nicht einfach alle Violinstücke eine Quint tiefer für Viola gesetzt...

  • Lieber Alfred ,
    zu den für mich überragenden Aufnahmen der Mozartschen Klavierkonzerte gehören die mit
    Ivan M o r a v e c als Solist ;
    ferner da KV , C-Dur, mit Martha Argerich u n d
    natürlich Walter Gieseking .
    Warum es seine Aufnahmen ( EMI ) nicht mehr gibt , muss angesichts seiner Bedeutung als Mozart-Interpret mehr als rätselhaft bleiben .
    Ferner empfehle ich die Aufnahmen mit Sir Clifford C u r z o n , besonders die Konzerte KV 488 und 491 .
    Beste Grüsse
    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Hallo allerseits,



    Von der ersten Aufnahme eines Mozart'schen Klavierkonzertes, das seine Aufnahme in meine CD-Sammlung fand, war und bin ich, trotz gewisser klanglicher Abstriche (die Aufnahme ist von 1955), absolut entzückt. Es handelt sich dabei um die Einspielung mit Wilhelm Backhaus und den Wiener Philharmonikern unter Karl Böhm, jetzt wiederaufgelegt in der Reihe DECCA Legends:



    Nach einigen weiteren Einzelkäufen, von denen ich leider nicht ganz so begeistert war, wie z. B. Nr. 23 und 24 mit Clifford Curzon (LSO, Kertesz) (mir einfach zu ausgewachsen depressiv) und Nr. 17 und 21 mit Maria Joao Pires und dem Chamber Orchestra of Europe unter Claudio Abbado (irgenwie fehlt mir hier bei der Pianistin ein bisschen die Substanz, die Mozart's Leichtigkeit erst so richtichtig zum Leuchten bringt) erwäge ich jetzt, den Bereich der übrigen Konzerte zunächst einmal mit einer Gesamtaufnahme abzudecken, bin mir aber nicht ganz sicher, inwieweit das (von generellen Bedenken gegen Gesamtaufnahmen einmal abgesehen) sinnvoll ist. Mich würde deshalb interessieren, ab welchem der Werke die Klavierkonzerte denn überhaupt als ausgereift angesehen werden können?


    Desweiteren hätte ich eine Nachfrage zu der von Tobey Wilson empfohlenen Gesamtaufnahme mit Perahia. Diese scheint von Sony inzwischen in zwei Versionen vertrieben zu werden (bei identischem Inhalt), einmal als die ursprünglich herausgegebene Box mit 12 CDs



    und dann als eine 2001 herausgekommene Box mit 10 CDs:



    Hier würde ich (da ich beide Sammlungen zur Zeit um ungefähr denselben Preis bekommen könnte) tendenziell eher zu der älteren Version mit mehr CDs neigen, in der Hoffnung, dass mir dadurch "halbierte" (sprich: über zwei CDs gestreckte) Konzerte erspart bleiben mögen.


    Allerdings habe ich in einer Amazon-Kunden-Rezension zu dieser Version einige eher abschreckende Kommentare zur Klangqualität der 12 CD-Box gelesen. Das ist zwar zugegebenermaßen nicht gerade eine zuverlässige Quelle (und ich würde einmal annehmen, dass Tobey die Aufnahme nicht empfohlen hätte, würde er diese Bendenken teilen) aber ein bischen nervös macht sie mich schon, da ich wohl nicht die Möglichkeit haben werde, die Aufnahme vor Erwerb auf Klangqualität hin probezuhören. Falls also jemand von euch einen Kommentar hierzu abgeben kann, oder vielleicht weiß, ob die spätere 10-CD-Version einem weiteren (besseren?) Remastering unterzogen wurde (der SonyBMG Seite ist so etwas ja leider nicht zu entnehmen), dann wäre ich euch für eure Hinweise dankbar!!! :jubel:


    Gruß


    katlow

  • Lieber Katlow,
    die von Dir angesprochene "Leichtigkeit" in Mozarts Klavierkonzerten , vermisst Du bei Clifford Curzon in den beiden von Dir genannten Konzerten .
    U l l i hat in einem anderen Thread hier über den Zusammenhang zwischen Tonart und Stimmung berichtet .
    Ich hatte ( siehe dort meinen Beitrag ) einen Musiklehrer in der Oberstufe , der zwei Jahre lang anhand Mozarts c-Moll-Konzert , VV 491 , immer wieder den Zusammenhang zwischen Trauer und der Tonart c-Moll hervorhob .
    Bis das kleine Häuflein derjenigen , die Musik gewählt hatten auch daran glaubten .
    Bei Curzons Aufnahme wird dies auch deutlich !
    Grüsse
    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Lieber Frank,


    natürlich vermag ich, da meine CD-Sammlung im Großen und Ganzen - und auch im Konkreten was die Mozart'schen Klavierkonzerte angeht - noch nicht das Stadium der vorsätzlichen Doppel- oder Vielfachbesetzung erreicht hat, keine vergleichende Aussage zu den von mir genannten Werken treffen. Dennoch nehme auch ich für mich in Anspruch, dass ich instinktiv eine schlechte von einer guten, und eine gute von einer ausgezeichneten Interpretation unterscheiden kann. Und dann gäbe es noch die Kathegorie von "soll angeblich sehr gut bis ausgezeichnet sein, aber ist irgendwie einfach nicht mein Fall". In letztere Kathegorie fällt für mich dir Curzon Aufnahme des 23. und 24. Klavierkonzertes. Sie mag anderen liegen - im Grammophone Guide erhält sie z.B. eine äußerst lobende Rezension - aber ich konnte einfach nicht warm mit ihr werden und ich habe es ( mit Zeitabständen) etliche Male versucht.


    Mir ist sehr wohl bewußt, dass die Stimmung in Mozart's 24. Klavierkonzert nicht der üblichen mozartlichen Leichtigkeit entspricht, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass die Interpretation durch Curzon dieses Element der Trauer aus seinem Rahmen reißt und sich darin herumwälzt - das ist keine Trauer mehr das ist eine "ich höre noch kurz diese CD zuende und stürze mich dann von der Brücke"-Depression ;). Ich werde den Verdacht nicht los, dass die Gegenelemente von filigraner "mozärtlicher" Kunst und Leichtigkeit dabei verloren gegangen sind - man möge mich korrigieren wenn dies tatsächlich der Natur des Werkes entspricht.


    Übrigens hatte ich meine Kritik bewusst auf das 23. wie auch das 24. Klavierkonzert bezogen, da sich meines Erachtens die "Freudlosigkeit" durch die gesamte Aufnahme, also auch das A-Dur Konzert, zieht. Wie gesagt, ich bin mir bewußt, dass die Aufnahme einige beachtliche Referenzen hat, aber mir hat sie leider nicht geschafft, diese Werke näher zu bringen.


    Gruß


    katlow

  • Zitat

    Original von katlow
    Gesamtaufnahme abzudecken, bin mir aber nicht ganz sicher, inwieweit das (von generellen Bedenken gegen Gesamtaufnahmen einmal abgesehen) sinnvoll ist. Mich würde deshalb interessieren, ab welchem der Werke die Klavierkonzerte denn überhaupt als ausgereift angesehen werden können?


    Mozart begann vergleichsweise spät Klavierkonzerte (KV 175, dagegen 1. Sinfonie KV 16) zu schreiben. Die ersten paar, die auch nicht auf allen "Gesamtaufnahmen" enthalten sind (z.B. fehlen sie bei Bilson/Gardiner) sind Pasticcio-Werke, d.h. Arrangements von Werken anderer Komponisten zu Übungs- und eigenen Musizierzwecken (verzichtbar). KV 175, das erste "richtige" ist bereits ein ziemlich originelles Werk, das Mozart selbst so schätzte, dass er Anfang der 1780er für eine erneute Aufführung ein neues Finale schrieb (ich bevorzuge das alte Finale...) KV 271 ist eines der besten und auch bekanntesten Konzerte, auch wenn danach nicht alle Werke diesen Anspruch behalten, so sollte man mittelfristig alle haben und kennen



    Vermutlich ist es zu spät :rolleyes:, aber ich möchte von Perahia abraten. Wenn du "Leichtigkeit" suchst, mag er Dir zwar gefallen, aber ich finde seine Interpretationen zu eindimensional, mit einseitiger Betonung des "Leichten"(um nicht zu sagen lasch oder niedlich, Mozarts Leichtigkeit ist die eines Trapezkünstlers, nicht die von Coke light) und insgesamt v.a. vom Orchester/Dirigat unbefriedigend. Klang ist recht ordentliche, aber unspektakuläre 80er-Qualität.
    (Über zwei CDs gestreckte Konzerte sollten eigentlich in keinem Fall vorkommen)
    Für ein preiswertes Set würde ich Barenboim (EMI! nicht spätere Aufnahmen!) empfehlen (einige sind auch preiswert einzeln erhältlich).



    Zwar sind natürlich nicht alle Konzert gleich gut, aber insgesamt wird sehr viel kerniger, dramatischer musiziert als bei Perahia (dasselbe Orchester, aber kaum wiederzuerkennen). Manche behaupten, Barenboims Mozart sei zu nahe an Beethoven, aber Mozart ist tatsächlich näher an Beethoven als an einer Porzellanpuppe. :D ich finde auch Bilson/Gardiner besser als die anderen Poster hier. Zwar stimmt es, dass das Klavier an einigen Stellen in einigen Konzerten unterzugehen droht, aber die Interpretation sind ingesamt lebendig, sehr transparent im Orchesterklang und sehr klangschön dargeboten. Die Aufnahmen von Schiff/Vegh (moderne Instrumente) sind hervorragend dirigiert, aber Schiff bleibt etwas blaß, dazu aufnahmetechnisch im Hintergrund (die meisten älteren Aufnahmen sind ja eher von einem viel zu dominanten Klavier geplagt), als GA sicher nur bedingt zu empfehlen. Evtl. aber mal reinhören, es gibt einige Auskoppelungen:


    Wenn man wirklich herausragende historisierende Interpretationen sucht, muß man zu den beiden CDs von Staier/Concerto Koeln (Teldec) greifen (keine GA, nur 4 Konzerte 9, 17-19).




    Bei Einzelaufnahmen gibt es natürlich noch weitere Favoriten, aber das würde jetzt zu weit führen, die müßte ich auch erstmal wieder hören



    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo


    Um sich Mozarts Klavierkonzerten zu nähern ist es unabdingbar, daß man sie von verschiedenen Interpreten kennt:


    Der "leichte" Mozart mag eine Spielart sein - alleinseiligmachend ist er indes nicht.


    Ich habe es in meiner Jugend so gehalten (und bin gut damit gefahren), mir gelegentlich das eine oder andere Konzert zuzulegen. Hat mich ein Pianist besonders beeindruckt, so gab es eine zweite Einspielung mit diesem Interpreten. - danach aber eine andere "Mozartgröße" Durch gelegentliche "überschneidungen" von
    Zweitwerken auf der Platte (CD) kam ich mehr oder weniger naturbedingt zu "Zweitfassungen". Manchmal war das eine "Doublette" - oft jedoch eine grandiose Erfahrung- wie verschieden man doch das gleiche Werk interpretieren kann - Das ist IMO wichtig um sich dem KERN der Werke zu nähern.


    Es gibt verspielte filigrane Mozartdeutungen, agressive, melancholisch- nachdenkliche (hier ist Besonders die Äusserung eines Forianers über Curzons Einspielungen interessant: Curzon hate beim Betreten eines Studios, Bei einer Aufnahmesitzung stets Depressionen (er nannte Tonaufnahmen: "Rendevouz mit der Nachwelt") und war mit seinen Mozart-Einspielungen nie zufrieden (Wohl aber die Kritik...) kühl, analytische und prachtvoll auftrumpfende. Man sollte alle dies Spielarten wenigstens ansatzweise verstehen. Einen "richtigen" oder "falschen" Mozart gibt es IMO nicht - Mozarts Werke sind unzerstörbar.


    Zerstörbar hingegen ist der Zeitgeschmack. Ich erinnere mich an ein Statement eines Musikfreundes vor etlichen Jahren, der da meinte, Gilels Pranke wäre für Mozart ungeeignet - andererseits ist die eines hochberühmte Wiener Pianistin Ingrid Haebler (Sie pflegte einen duftig - silbrigen Mozartstil) im Augenblick ein wenig aus der Mode gekommen.
    KENNEN solte man indes BEIDES. Auch Brendel liebe ich heute sehr - in meiner Jugend jedoch hatte ich andere Präferenzen. Nachdrücklich weise ich erneut auf die von mir schon weiter oben im Thread (liest dort überhaupt noch jemand, der "neu zusteigt ?)empfohlenen Aufnahmen Casadesus/Szell. (es gibt nur 3 CDs)


    Heute werden "unfertige" Zyklen nicht geliebt. Etliche dieser"unkompletten" Aufnahmen zählen jedoch zum Besten was auf Tonträger zu haben ist. In Zeiten, wi die Künstler, und nicht die Konzernmanager das Sagen hatten, weigerten sich etliche Künstler nämlich, Werke einzuspielen, die ihnen persönlich nicht lagen.....



    Freundliche Grüße aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Also alle Konzerte habe ich mit Anda.
    Und noch nen paar einzelne mit verschiedenen anderen Pianisten.
    Von Casadeusus habe ich leider nur die Konzerte für 2 bzw 3 Klaviere.


    (Mal wieder eine Frage an den Mozartfan Uli: Habe ich es recht in Erinnerung dass es das für 3 Klaviere in einer Bearbeitung für 2 von Mozart gibt?)