Stimmenzauber

  • Weil es mich seit vergangenem Samstag, wo ich den Tristan aus der MET gesehen und gehört hab, beschäftigt, würde ich mich freuen, zu folgendem Thema Eure Meinung zu hören:


    Also ich weiß überhaupt nicht, ob es allen so geht - oder ob eben ich halt eher emotional an das Thema Musik, Gesang und Oper herangehe. Und es andere gibt, die auch Freude an der Oper haben, solche Süchte jedoch nicht erleben.


    1. Tatsache ist, dass es für mich Sänger gibt, die aufgrund ihrer Stimme, aufgrund spezieller Nuancen in ihrem Timbre, ihrer Diktion, Ihrer Art zu Singen sich ganz tief in mein Herz einprägen, deren Gesang mich in spezieller Weise tief berührt.


    2. Dann gibt es die, die toll singen, die ich aber nur mit dem Verstand begreifen kann.


    3. Und es gibt die, die auch gut singen, deren Gesang mir aber dennoch Unbehagen bereitet.


    Objektiv schlechte Sänger sind von dieser ganzen Diskussion ausgenommen.


    Ich nenne für mich persönlich gültige Beispiele:
    Zu Punkt 1
    Die Zeit, wo ich den "Meldezettel" in der Oper hatte, waren die 70er Jahre. Der Sänger, der sich damals in mein Herz ganz tief eingeprägt hat war Piero Cappuccilli. Ich war süchtig nach "Per me giunto" und nach Posas Tod, nach dem so zärtlich gesungenen "Piangi fanciulla" im Rigoletto und dem "Vendetta", wo auch mal ein Bühnensessel dran glauben mußte. Nach "Il Balen", wo ich sogern die Zeit angehalten hätte und nach "Plebeji, patrizi!" in Simone, wo ich immer gelgaubt hab der Luster zittert ein bißchen.


    Ein anderes Beispiel: Gianni Raimondi. Erst kürzlich hat mir jemand gesagt: "Che Gelida singen andere auch so gut" - NEiiiiin - nur bei ihm geht mir in dieser Weise das Herz auf.


    Und natürlich Placido - aber der hat es ja in so viele Herzen geschafft.


    Dann war nach so vielen Jahren der vergangene Samstag mit dem MET-Kino im Cineplexx. Tristan. Diesen Robert Dean Smith krieg ich nicht aus mir raus. Ich war hin und weg. Klar Wagner, Tristan, das ist sowieso wunderbar. Aber der Kerl ist für mich ganz persönlich eindeutig ein Fall für Punkt 1 :angel:
    Auch ist nicht allein der Wagner schuld: Da war ich einfach ganz ergriffen, sodaß mir beim letzen "Isolde" die Tränen kamen - und "Debbie"s Liebestod war dann eher "cool down" - obwohl's musikalisch ja da erst ans Eingemachte geht.
    (Natürlich hab ich Sorge, dass es stimmt, dass Smith's Stimme nur im Kino so toll geklungen hat und er im Lohengrin, den er in Wien im Herbst singen wird, nicht so toll sein wird... ich werd sehen.)


    Beispiel zu Punkt 2
    Hier nenne ich Joan Botha. "Mein Gott singt der schön" - sagt mein Kopf. Aber eben nur der Kopf.


    Beispiel zu Punkt 3
    Franco Bonisolli - er hat ein C nach dem anderen rausgeschoben, aber ich kann ihn nicht leiden - sein Gesang ist mir unangenehm. Meine Freundin ist ganz verrückt nach ihm... seltsam.


    Es würde mich also freuen, wenn Ihr hier schreibt, ob es euch auch so geht, ob ihr Sänger kennt, die Euch ganz besonders tief berühren, die sich in Eure Herzen eingebrannt haben.


    Und andere, die Ihr nur mit dem Kopf gut findet sowie jene, die - obwohl objektiv toll - irgendwie zuwider sind.


    Oder bin ich einfach ein bißchen crazy?

  • Liebe Brangäne,


    Du beschreibst das ganz wunderbar, ich empfinde es ganz ähnlich - und bei Franco Bonisolli in Gruppe 3 können wir uns gleich die Hand reichen.


    Und zu Punkt 1 MUSS ich hier einfach George London als ersten nennen - es gibt sicher noch einige mehr....


    Fortsetzung folgt :)


    LG, Elisabeth



    PS: erkärst Du mir bitte, was es mit dem "Meldezettel" auf sich hat?

  • Liebe Brangaene,
    ich denke, deine "Dreiteilung" kann wohl jeder nachempfinden, der die Oper wahrhaftig liebt und nicht nur daran interessiert ist, Stimmen zu sezieren und nach scheinbar objektiven Kriterien zu bewerten. (Scheinbar deshalb, weil es sonst nicht gut möglich sein kann, dass anerkannte Experten bei der Beurteilung eines Sängers zu völlig unterschiedlichen Einschätzungen gelangen!) Für mich war und ist immer das "Bauchgefühl" ausschlaggebend, und selbst wenn mir jemand ganz schlüssig technische Mängel meiner Lieblinge nachweisen kann, ändert das nichts an meiner "Liebe".
    Deine Beispiele zu Punkt 2 und 3 könnten auch die meinen sein, Botha fasziniert mich ob seiner Perfektion, lässt mich aber völlig kalt (Ähnliches passierte mir in der Vergangenheit bei Alfredo Kraus), Bonisolli nervte mich wie kein Sänger vor und nach ihm, in der Gegenwart erzeugt Salvatore Licitra ähnliche Reflexe, ohne das ich das rational erklären könnte.


    Tja, und der berühmte Punkt 1: Natürlich Domingo, der mir zeigte, dass Oper mehr ist als Rampensingen, aber der Erste, dessen Stimme mich wie ein Blitz getroffen hat, war Francisco Araiza, und zwar völlig unvorbereitet, denn ich kannte ihn nur dem Namen nach, als ich ein gutes Werk tun wollte und eine Karte für ein Benefizkonzert für die Renovierung der Franziskanerkirche in Salzburg löste. Ja, und spätestens beim Stabat mater war's um mich geschehen..... Und es ging mir wie dir, dass ich süchtig nach einzelnen Szenen war, die er für mich ganz unvergleichlich gestaltete, und zwar auch in Partien, die gar nicht wirklich die seinen waren. Als Duca konne er mich z.B. nie wirklich überzeugen, trotzdem hat keiner beim "Bella figlia del amore" meine Knie so weich werden lassen wie er. Und sein hingehauchtes "Parigi o cara noi lasceremo" hat mich auch nie mehr so berührt.
    Und in der Gegenwart? Da heißt meine Trias Florez-Villazon-Kaufmann, wie man aus den entsprechenden Threads ja unschwer herauslesen kann :pfeif:, und in den "tieferen Lagen" Thomas Hampson, Simon Keenlyside und Adrian Eröd. Und natürlich noch eine ganze Reihe weiterer.... ;)
    lg Severina :hello:
    PS: Ich habe meinen Meldezettel für die Oper 10 Jahre nach dir gelöst, vorher lautete meine Adresse "Stehplatz Burgtheater" ;) :]

  • Zitat

    Original von Elisabeth


    PS: erkärst Du mir bitte, was es mit dem "Meldezettel" auf sich hat?


    ;) Der "Meldezettel" ist in Österreich das Dokument über die amtliche Anmeldung am offiziellen Wohnsitz. Heute ist man natürlich EDV-mäßig bei der Gemeinde registriert und kriegt einen Ausdruck mit Stempel.


    Damals hab ich - die Zeiten, wo wir uns für die Stehplatzkarten angestellt haben eingerechnet - mehr Zeit in der Staatsoper verbracht als zu Hause.

  • Liebe Brangäne,


    das ist ein schönes Thema, denn ich habe mir gerade hinsichtlich Punkt 2 oft Gedanken gemacht: Es gibt Sänger, die allen objektiven Kriterien gemäß hervorragend singen oder gesungen haben - und mich lassen sie kalt. Andere, deren Stimme nicht gerade von Orpheus gesegnet wurde und die auch im Singen kleine Macken aufweisen, haben sich unwiderruflich bei mir festgehakt. Und dann gibt es glücklicherweise auch diejenigen, die hervorragend gesungen haben und die ich gleichzeitig gern höre.


    1. Derjenige, der sich bei mir am meisten bei mir eingeprägt hat und von dem ich alles sammle, was er an Aufnahmen hinterlassen hat, ist Jussi Björling, gerade der Sänger, der oft die Beschreibung "kühl" zugewiesen bekommen hat, was ich nie so empfunden habe - für mich das berührendste Singen, das ich kenne, gerade jenseits der großen Bravour-Arien, also in den kleineren Opernszenen oder im Liedgesang.
    Bei den derzeitigen ist es Joseph Calleja, der gerade seines starken Vibratos wegen oft gescholten wird. Es mag sein, dass er auf der Bühne einen schlechteren Eindruck hinterlässt als auf CD, aber seine Stimme und sein Ausdruck im Singen sind für mich doch sehr berührend.
    Bei den Sängerinnen ist es seit einigen Jahren Lina Pagliughi, deren zarte und doch ein wenig herbe Stimme und das feine, nuancierte Singen mich auch dann mehr fesseln, wenn mein Verstand mir sagt, dass Maria Callas, die ich allerdings auch sehr gern höre, dieselben Rollen sicherlich psychologisch interessanter angelegt hat. Und Régine Crespin gehört auch unbedingt hier hinein.


    2. Hier sind es bei den alten Sängern gerade die "Stimmwunder" Enrico Caruso und Titta Ruffo; auch Ezio Pinza gehört für mich in diese Kategorie, sowie später Nicolai Gedda und Fritz Wunderlich, von den heutigen auch - leider - Juan Diego Florez und Elina Garanca. Sie alle hatten oder haben tolle Stimmen, singen auch wunderbar, und ich wünsche mir manchmal, ich könnte ebenso von ihnen schwärmen wie viele andere - dennoch kann ich sie nur mit dem Verstand wunderbar finden, ohne dass der Wunsch entsteht, viele Aufnahmen mit ihnen zu erwerben oder, sofern sie heute singen, sie unbedingt live auf der Bühne zu erleben (obwohl ich beides nicht ausschließen will, aber dann eher um der Neugierde und nicht um der Begeisterung willen).


    3. Hier fällt mir im Moment nur Mario del Monaco ein, dessen "shouting matches" mich oft genervt haben.


    :hello: Petra

  • O P E R ist für mich in erster Linie ein "LIVE"-event (dem ich mich - tunlichst - nicht allzu häufig widme: Es soll IMMER etwas b e s o n d e r e s bleiben !)
    Aus meiner kleinen feinen Opernsammlung wandert nur selten etwas in den player...


    Darüberhinaus entwickle ich sehr viel eher und mehr zu Komponisten, Ensembles, Dirigenten, Regisseuren (und Pianisten) eine Herzensbindung
    - einzelne S T I M M E N :O :O


    d.h.
    Ich kann mich also eigentlich an diesem Thread gar net beteiligen ...
    - Betonung auf "eigentlich", denn
    M A R T H A M Ö D L m u s s denn doch hier erwähnt werden...
    - bei keiner anderen Stimme spüre ich hörend derart, dass da jemand bis zur Fussohle in einer Rolle steckt...


    (was in ihrem Fall einen durchaus schon etwas tragischen Beigeschmack hat
    - in dem schönen InterviewBand, das Thomas Voigt mit ihr gemacht hat (Titel grade nicht präsent) spricht sie ja offen davon,
    dass sie privat nie so recht beide Füsse auf die Erde bekommen hat, Bühne und Hotelzimmer immer ihr eigentliches Zuhause geblieben sind...)


    Ich SEHE sie hörend weiterhin vor mir
    - 1986 u. `88 habe ich sie noch 2mal (als "Mutter" in Wolfgang Fortners "Bluthochzeit" - Dirigat Hans Wallat, Regie Kurt Horres) erleben dürfen...
    Meine 1. "Bluthochzeit"Vorstellung war mein 4.Opernbesuch überhaupt - und DIE Initialzündung...

  • Hallo Micha,


    ich kenne noch nicht allzu viele Aufnahmen mit Martha Mödl, kann dich da aber bei den wenigen, die ich gehört habe, gut verstehen; es gibt wenige Sänger, bei denen die Identifikation mit der Rolle allein vom Höreindruck her so stark spürbar wird wie bei ihr.


    Da du Pianisten angesprochen hast - hier ist es Benjamin Britten, dessen Klavierpart bei mir vor allem dann, wenn er Peter Pears in lyrischen Liedpassagen begleitet, oft den berühmten Kloß im Hals bewirkt - begründen kann ich es nicht, es ist einfach so!



    :hello: Petra


    ... ach ja, leider nicht live gesehen, aber auf DVD: John Mark Ainsley als Monteverdis "Orfeo" zieht mich auch jedes Mal wieder in seinen Bann - stimmlich und darstellerisch. Bei Schubert-Liedern und in den Passionen ist es wieder ein ganz alter: Karl Erb.

  • ...Ainsley als "Orfeo" - klingt interessant !!
    - ich kann das schon nachvollziehen, wie du über ihn schreibst:
    Habe ihn schliesslich 2mal als Kapitän Vere (im Frankfurter "Billy Budd") erleben können..........(ARTE soll`s übr. aufgezeichnet haben :] :] :])


    man liest sich
    ;)
    Micha

  • Zitat

    Original von Brangäne
    1. Tatsache ist, dass es für mich Sänger gibt, die aufgrund ihrer Stimme, aufgrund spezieller Nuancen in ihrem Timbre, ihrer Diktion, Ihrer Art zu Singen sich ganz tief in mein Herz einprägen, deren Gesang mich in spezieller Weise tief berührt.


    2. Dann gibt es die, die toll singen, die ich aber nur mit dem Verstand begreifen kann.


    3. Und es gibt die, die auch gut singen, deren Gesang mir aber dennoch Unbehagen bereitet.


    Wunderbar, Brangäne.


    Ad 1. Ich bin ja älter, und darum hatte ich noch (schwache) Erinnerungen an Kathleen Ferrier, die aber von den Eltern immer wieder wachgerüttelt wurden. Sie steht bei mir ganz oben. Aber auch Joseph Schmidt, Dietrich Fischer-Dieskau, Fritz Wunderlich, Rita Streich, Joan Sutherland, Hannah Schwarz, Placido Domingo, Ernst Haefliger Gottlob Frick, Keith Engen und Karl Ridderbusch eroberten mein Herz.
    Die letzten in der Reihe sind Sylvia Sass und Juan-Diego Florez.


    Ad 2. Dazu rechne ich vor allem Luciano Pavarotti :D


    Ad 3. Ganz oben steht bei mir Montserrat Caballé. Ein tiefes Stück darunter stehen zufälligerweise drei Bässe: Kurt Moll, Kurt Böhme und Theo Adam. Ist es bei den Bässen das Timbre, bei Caballé ist es die Kaltheit, das Fehlen von jeglicher Rührung.


    LG, Paul

  • Das geht mir natürlich genau so!


    1) Callas, Cortubas, de los Angeles, Dessay, Villazon, Ferrier, Ameling, Auger, Souzay, Berger, Graham, Kipnis, der JUNGE Difidi, Hampson etc


    2) fast alle anderen Sänger, soweit sie eine akzeptable Technik haben


    3) Sutherland und Schwarzkopf ,um nur mal die für mich Schlimmsten und Prominentesten zu nennen


    F.Q.

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  • Liebe Brangäne,
    das geht wahrscheinlich allen Vokalmusikfans so. Und man kann noch nicht einmal begründen, warum den einen diese Stimmen, den anderen jene Stimmen so in den Bann gezogen haben (vielleicht liegts an den Genen :stumm: :D ).


    ad 1.) Victoria de los Angeles, Kathleen Ferrier, Patricia Petibon, Magdalena Kozená, Natalie Dessay, Denise Duval, Arleen Auger, Fadia El-Hage.


    ad 2.) z. B. Elisabeth Söderström, Montserrat Caballé, Ana María Martínez...


    ad 3.) Elisabeth Schwarzkopf, Heather Harper und ähnliche wandelnde Zahnarztbohrer. :wacky:


    Zu Männerstimmen ist mein Verhältnis irgendwie indifferent.


    Liebe Grüße,
    Martin

  • Liebe Brangäne,


    hier nun mein Senf zu Deinen Kategorien: Ich fand sie wirklich grossartig! Ich denke, jeder Opernfan wird die Opernwelt ungefähr genauso für sich aufteilen. Warum, weiss man nicht, und das Lustige bei mir persönlich ist, dass sich diese Kategorien in (seltenen, gebe ich zu) Fällen verschieben können. Das passierte bei mir kürzlich, als ich Villazón als Nemorino gehört und gesehen habe. O Wunder, er hat aufgehört, mich zu nerven! Ich habe begriffen, dass ich ihn bis dato einfach in falschen Partien erlebt habe und gebe ihm nun in meiner Hierarchie einen ganz neuen Platz. Andererseits, Mario del Monaco, der meinem Lieblingstyp des intelligenten Piano-Tenors nun wirklich überhaupt gar nicht im geringsten entspricht, kann ich einfach nicht hören oder sehen, ohne dabei eine Träne der Rührung zu vergiessen, weil so einen Vulkan vom Menschen wird es wohl nie nochmal geben. Na gut, genug gequasselt! Hier meine Kategorien:


    1. Lieblinge querbeet: de los Angeles, Gedda, del Monaco, Simionato, Olga Borodina und noch mehr ihre Lehrerin Irene Bogacheva, Iwan Koslowsky, Diana Damrau, natürlich auch Kaufmann!
    2. Nur mit Intelligenz zu begreifen: Angela Gheorghiu samt Gatten, aber auch Gruberova und Monserrat
    3. Nerven: bitte nicht auf den Kopf hauen, aber vor allem momentan der gute Domingo. Der Mann ist zweifelsohne ein Star vom Weltrang, aber kann es sein, dass er es in seiner Karriere ein wenig übertrieben hatte? Mensch, er hat doch wirklich so gut wie ohne Ausnahme seine Spur überall hinterlassen. Ich finde es einfach zuviel, zuviel des Guten ist auch schlecht. Von Frauen hat Sutherland den absoluten Vorrang. Wieso? Weiss man nicht, aber wenn es eine Referenzaufnahme einer meiner Lieblingsoper nur mit ihr gibt, dann hole ich mir lieber eine Nichtrefernz-Aufnahme!


    Alles Liebe,
    Eure


    Theodora

  • Liebe Brangäne,
    viele Interpretinnen und Interpreten sind hier nun schon genannt worden, doch mein einstiger Lieblingsinterpret, der wunderbare Bariton "Hermann Prey" soll nicht vergessen sein!
    Schon als junges Mädchen war ich von seiner herrlichen Stimme gänzlich begeistert.
    Ich schätze natürlich auch Fischer-Dieskau, doch vermisse ich in seinem absolut perfekten Gesang oft ein bisschen Wärme.
    Außerdem habe ich "Die Winterreise" (von Schubert), nicht nur von H. Prey und Fischer-Dieskau, sonder auch von einem, H. Prey gesanglich sehr nahe kommenden Bariton, der mehrere Jahre in New York an der Met gesungen hat und später in Salzburg am Mozarteum Prof. für Gesang war, nämlich von Rudolf Knoll.
    Was die von Dir angespochenen Empfindungen - Begeisterung / Ablehnung - für einen Sänger(in) betreffen,so mache ich da natürlich keine Ausnahme. :D
    Und da wir alle ja sehr unterschiedlich beurteilen und empfinden, haben viele gute Künstler(innen) stets auch ihre Fangemeinde. :jubel:
    Mit lieben Grüßen,


    Diotima. ;)

  • Liebe Brangäne,


    es ist für mich sehr nachvollziehbar, was Du da schreibst, denn mir geht es sehr ähnlich:


    1. Die Stimme, die ich völlig "mit dem Herzen" höre, gehörte Franco Corelli. Ab und zu gehe ich mal einen Schritt weg von ihm, komme aber immer wieder zurück. Es hat bis jetzt niemand gegeben, der mich sängerisch so bewegt hat und ich sehe auch über seine Mängel hinweg. Auch mit dem Herzen höre ich Cesare Siepi und Ruggero Raimondi.


    2. Eine Stimme, die hochgelobt und auch wirklich ganz wunderbar war, ist die von Jussi Björling. Ich kann nicht sagen warum, aber er läßt mich völlig kalt.


    3. Wen ich, aus nicht ganz bewußten Gründen, das gebe ich zu, ablehne ist Rene Kollo.


    Ich finde, daß dieser Thread ein wirklich schönes Thema hat.


    Liebe Grüße


    Kristin

  • Auch ich kann da was dazu sagen, denn mir geht es ähnlich:


    1. Luciano Pavarotti, Jussi Björling, Cecilia Bartoli, Mirella Freni, Franco Corelli, Edita Gruberova, Francisco Araiza, Renato Bruson, Gottlob Frick, Lauritz Melchior, Jan Kiepura, Juan Diego Florez,


    2. Franco Corelli, Mario del Monaco, Maria Callas, Giuseppe di Stefano, Rudolf Schock, Renata Tebaldi, Hermann Prey, Francesco Tamagno


    3. Placido Domingo, Anna Netrebko, Peter Schreier, Beniamino Gigli, Montserrat Caballe


    4. (für mich schlecht sind) Jose Carreras, Luigi Alva, Rolando Villazon, Fernando de Lucia


    LG joschi

  • Lieber Joschi,


    Wie konnte ich Carreras vergessen? Auch einer, den ich nie mochte. Timbre gefiel mir nicht. Und ich fand immer etwas manieriertes in seinem Singen. Also "eine rein persönliche Meinung".


    LG, Paul

  • Nur ein Beispiel aus eigener Erfahrung.


    Es war Anfang der 1990er-Jahre und irgendein Sänger war gerade gestorben, bereits seit Jahren nicnt mehr aktiv, ziemlich alt und die Opernsendung auf Ö1, die damals noch jeden Tag gesendet wurde, brachte eine Gedenksendung für diesen Sänger. Ich stand gerade am Ofen, schälte Zwiebeln und hatte sozusagen als Background das Radio laufen.


    Es war eine angenehme Sendung, der Typ sang schön, aber ich habe viele Sänger gehört, die schön singen, das Radio lief an jenem Tag eher als Begleitmusik zum Kochen. Und dann plötzlich, als Abschluss der Sendung folgte das Finale aus "Mefistofele" von Arrigo Boito. Es war eine uralte Aufnahme mit Giulio Neri in der Titelrolle und ich war hingerissen von seinem Partner (als Faust).


    Der Name dieses Sängers war: Ferruccio Tagliavini.


    Ich habe dann gesehen, dass ich mehr Aufnahmen mit ihm bekomme, und ich bin noch immer von ihm begeistert, obwohl seine Art zu singen, wohl nicht jedem zusagen dürfte.

    Il mare, il mare! Quale in rimirarlo
    Di glorie e di sublimi rapimenti
    Mi si affaccian ricordi! Il mare, il mare!
    Percè in suo grembo non trovai la tomba?

  • Zitat

    Original von Brangäne
    1. Tatsache ist, dass es für mich Sänger gibt, die aufgrund ihrer Stimme, aufgrund spezieller Nuancen in ihrem Timbre, ihrer Diktion, Ihrer Art zu Singen sich ganz tief in mein Herz einprägen, deren Gesang mich in spezieller Weise tief berührt.


    2. Dann gibt es die, die toll singen, die ich aber nur mit dem Verstand begreifen kann.


    3. Und es gibt die, die auch gut singen, deren Gesang mir aber dennoch Unbehagen bereitet.


    Bei Kategorie 1 ist bei mir der Verstand wohl ausgeschaltet. Da springt einfach der Funke über. Bei mir sind das Jonas Kaufmann, Placido Domingo, Joseph Schmidt, Thomas Hampson, Kurt Moll, Renato Bruson, Montserrat Caballe, Fritz Wunderlich, Aragall, Simon Keenlyside, Peter Seiffert


    Kategorie 2: Luciano Pavarotti, Angela Gheorghiu, Roberto Alagna (in jungen Jahren), Anna Netrebko, Elina Garanca, J.D. Florez


    Kategorie 3: Alfredo Kraus, Sergej Larin, Francisco Araiza, Peter Schreier, Edita Gruberova, Niccolai Gedda


    LG
    Jolanthe

  • 1. Hermann Prey, Edita Gruberova, Francisco Araiza, Gottlob Frick, Lucia Popp, Barbara Bonney, Fritz Wunderlich,



    2. Pilar Lorengar, Brigitte Faßbaender, Kurt Böhne, Edda Moser,



    3. Placido Domingo, Anna Netrebko, Peter Schreier, Beniamino Gigli, Montserrat Caballe


    4. (für mich schlecht sind) Rudolf Schock, René Kollo


  • Die arme Montserrat muss sich ja zweiteilen! ( Und es schreibe jetzt ja niemand, dass dies kein Problem sei :stumm: )


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Ach, wie interessant, hier auf den Namen Karl Erb zu stoßen. Heutzutage meinen manche "Experten" (Jens Malte Fischer zum Beispiel) sich negativ "Sein Timbre war von seltener Reizlosigkeit" über Karl Erb auslassen zu müssen und anzukreiden, dass er keine Gesangsausbildung hatte.
    Wer sich von Erb das Schubert-Lied "Die Liebe hat gelogen" anhört, der muss eigentlich zu einem anderen Schluss kommen.
    Es wäre vielleicht nicht schlecht, solche schlichten Interpretationen zu diskutieren.

  • Eine gute Anregung, so zwischen den Feiertagen über die von Brangäne vorgegebene Dreiteilung nachzudenken:


    1. Die Seelenberührer:
    Leonie Rysanek, Sena Jurinac, Caterina Liegendza, Mirella Freni, Renata Tebaldi, Bejamino Gigli, Gottlob Frick, Josef Metternich, Kurt Moll, Walter Berry und natürlich Fritz Wunderlich.
    2. Die kognitiv Fordernden:
    Edita Guberova, Felicity Lott, Anja Silja, Julia Varadi,Thomas Hampson, Ernst Haefliger, Alfredo Kraus, Peter Pears.
    3. Die Frage nach den Sängern, die toll singen, aber trotzdem Unbehagen auslösen ist für mich eine nahezu unbeantwortbare Frage, weil genau die hier von mir genannten Sängerinnen und Sänger für andere Opernfreunde die reine Freude sind.
    Also mit erheblichem Unbehagen beantwortet:
    Montserrat Caballé (in späten Jahren), Gabriele Schnaut, Peter Hofmann, Mario Lanza, Werner Krenn, Gerhard Stolze.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Hallo Forianer,


    hierzu empfehle ich die Arie aus den Perlenfischern
    Hör ich die Stimme im Traum gesunden in der Originalsprache
    mit Beniamino Gigli und anschließend das Duett Der Tempel ...
    mit L. Warren und J. Björling.


    Einzigartig und herzergreifend.


    Gruß aus Burgdorf


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • aber, aber, musicophil, wie kommt denn ausgerechnet Kurt Böhme in Punkt 3. vor? Sicher, das sind rein subjektive Bewertungen, aber hör Dir doch bitte mal von Böhme "Die Beichte"(Suppé) in der Live-Aufnahme vom Februar 1966 in München an - für mich sind das wunderbare 5:31 Minuten, die ich nicht missen möchte. Das ist natürlich ebenfalls rein subjektiv...

  • Hallo, musica,
    Mein Respekt vor künstlerischen Leistungen ist zu groß - man sollte lange nachdenken, bevor man jemand als "schlecht" einstuft.
    Dass Schock manches hätte lieber bleiben lassen sollen, steht außer Frage. Aber seine frühen Einspielungen: "Der Odem der Liebe" oder "das Gebet des Hüon" (1953), um nur zwei Beispiele zu nennen, sind geradezu Musterbeispiele guten Gesangs. Hans Schmidt-Isserstedt und Wolfgang Sawallisch waren wohl gleicher Meinung.

  • Zitat

    Original von hart
    Hallo, musica,
    Mein Respekt vor künstlerischen Leistungen ist zu groß - man sollte lange nachdenken, bevor man jemand als "schlecht" einstuft.
    Dass Schock manches hätte lieber bleiben lassen sollen, steht außer Frage. Aber seine frühen Einspielungen: "Der Odem der Liebe" oder "das Gebet des Hüon" (1953), um nur zwei Beispiele zu nennen, sind geradezu Musterbeispiele guten Gesangs. Hans Schmidt-Isserstedt und Wolfgang Sawallisch waren wohl gleicher Meinung.


    Schlecht ist vielleicht der falsche Ausdruck, sagen wir mal...ich höre bestimmte Sänger nicht gerne aus verschiedenen Gründen.