Josef Gabriel Rheinberger

  • Josef Gabriel Rheinberger


    Josef Gabriel von (seit 1894) Rheinberger (* 17. März 1839 in Vaduz; † 25. November 1901 in München), getauft auf Gabriel Joseph, war ein Liechtensteiner Komponist und Musikpädagoge, der in vielen Lexika als deutscher Komponist geführt wird.



    Der 1839 in Vaduz geborene Josef Gabriel Rheinberger zeigte schon früh ungewöhnliche Musikalität. Er versah bereits als Siebenjähriger den Organistendienst in seinem Heimatort und kam mit 12 Jahren zur Ausbildung an das Münchner Konservatorium, wo er seine Kommilitonen bald überflügelte und bereits zahlreiche Werke schuf. Als er 19 Jahre war, bot ihm das Konservatorium eine Dozentur für Klavier, später für Orgel und Komposition an, die er bis kurz vor seinem Lebensende ausüben sollte.


    Ohne viel Werbung in eigener Sache zu machen, gehörte Rheinberger zu den erfolgreichen Komponisten seiner Zeit, an den Verleger, Musiker und Chöre mit Kompositionsaufträgen herantraten. Als Hofkapellmeister des bayerischen Königs Ludwigs II. nahm er seit 1877 eine zentrale Position innerhalb der katholischen Kirchenmusik in Deutschland ein. Er komponierte lateinische Messen und Motetten, die in ihrer Unabhängigkeit von den einengenden Vorschriften der cäcilianischen Kirchenmusikreformer seiner Zeit wegweisend waren. Er war als Kompositionslehrer am Münchner Konservatorium eine Kapazität von internationalem Rang. Zu seinen Schülern zählten unter vielen anderen Hans von Koessler, Engelbert Humperdinck, Ermanno Wolf-Ferrari und Wilhelm Furtwängler sowie eine ganze Generation junger US-amerikanischer Komponisten (z.B. Horatio Parker und George Chadwick). Zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Ritterkreuz vom Orden des heiligen Gregor, das Komturkreuz des Bayerischen Kronenordens und der Ehrendoktor der Universität München spiegeln den Erfolg des gebürtigen Liechtensteiners.


    Seit 1867 war Rheinberger mit der Dichterin Franziska von Hoffnaaß („Fanny“) verheiratet, die Texte für einige seiner Vokalwerke verfasste (so auch für die Kantate „Der Stern von Bethlehem“). Sein Grab befindet sich in München auf dem Alten Südfriedhof.



    Rheinberger gehört zu den Komponisten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die nach Jahren des Vergessens zunehmend in das Bewusstsein von Musikpraxis und Musikforschung zurückgekehrt sind. Sein umfangreiches Oeuvre, darunter allein 197 mit Opuszahl veröffentlichte Werke, umfasst Klaviermusik, Orgelmusik, geistliche und weltliche Chormusik, Sololieder, Kammermusik, Sinfonien, Konzertouvertüren, Schauspielmusiken und Opern. Rheinberger war ein entschiedener Klassizist, der Mozart und Bach zu seinen großen Leitbildern erhob. Auch wenn er die Musikgeschichte nicht nachhaltig prägen konnte, so steht er doch als großer Lehrer und bedeutender Repräsentant einer vielfältigen Musikkultur am Ende der klassisch-romantischen Epoche. Zur Förderung und Verbreitung seines vielseitigen Schaffens im heutigen Kulturleben wurde im Jahre 2003 die Internationale Josef Gabriel Rheinberger-Gesellschaft gegründet.


    Werke


    Diese Aufzählung berücksichtigt nur die von Rheinberger selbst mit Opuszahlen versehenen Werke.


    geistliche Vokalwerke
    Kantaten, darunter die Weihnachtskantate "Der Stern von Bethlehem" op. 164
    14 Messen, 3 Requiem-Vertonungen, 2 Stabat mater
    Motetten, Hymnen, Lieder
    u.a. Abendlied (op. 69, nr. 3) nach Lukas 24,29


    Dramatische Musik
    2 Opern ("Die sieben Raben" op. 20, "Türmers Töchterlein" op. 70)
    3 Singspiele
    2 Schauspielmusiken


    weltliche Chormusik
    Chorballaden
    Gesangsensembles mit und ohne Begleitung
    gemischte Chöre
    u.a. Waldblumen (op. 124) - Acht Lieder nach Texten von Franz Alfred Muth
    Frauenchöre
    Männerchöre


    Orchestermusik
    2 Sinfonien
    3 Ouvertüren
    4 Solokonzerte ( darunter 1 Klavierkonzert, 2 Orgelkonzerte F-Dur op. 137 und g-moll op. 177)


    Kammermusik
    Streichquartette, Streichquintette, Klaviertrios, Sonaten für Soloinstrumente und Klavier
    u. a. Sonate für Klarinette und Klavier op. 105 a
    4 Klaviersonaten


    Orgelwerke
    20 Orgelsonaten
    Präludien, Trios, Fughetten, Charakterstücke, Meditationen
    Werke für Violine bzw. Oboe und Orgel


    (Quelle: Wikipedia)


    So, nun bin ich gespannt, welche Werke die Taminas und Taminos kennen und schätzen.

  • Zitat

    Original von andythr


    So, nun bin ich gespannt, welche Werke die Taminas und Taminos kennen und schätzen.


    - Den Komponisten der Orgelwerke kenne ich gut (inklusive der Werke für Violine & Orgel und der nicht sooo interessanten Konzerte für Orgel & Orchester) und schätze ihn teilweise sehr.
    - Das Weihnachtsoratorium "Stern von Bethlehem" habe ich mal in einem Kirchenkonzert gehört - das hat mir sehr gefallen und ich strebe den Erwerb einer Aufnahme an.
    - Den "Schlager" Abendlied (für Chor, nicht zu verwechseln mit dem auch sehr schönen aber ganz anderen "Abendlied" für Orgel und Violine (bzw. Cello)) kenne und empfehle ich auch.


    Seine restlichen Werke sind mir leider - und sicherlich unverdientermaßen! - leider völlig unbekannt. :(

  • Im Chormusikforum hat Chorknabe eine CD mit geistlicher Chormusik Rheinbergers vorgestellt; ich habe mir die Aufnahme dann gekauft- und war hellauf begeistert:





    Zur Besprechung mit Inhaltsangabe gehts hier



    Herzliche Grüße,:hello::hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)


  • Recht gerne auch von besseren Laienchören gesungen wird die Große Messe in C-Dur, op. 169, ein volksromantisches Werk mit elegant-schwärmerischen Zügen neben neubarocken Elementen, charakteristisch also für den Komponisten.


    Eine Bekannte hatte vor Jahren bei einer Studentenaufführung mitgesungen, worauf ich mir obige CD zugelegt habe. Die zwei Wertungen kannte ich damals nicht, ich hatte auch nicht über ama*** bestellt.


    Gut, man lernt zwar das Werk kennen, aber ... :no:


    Eine weitere Einspielung kann ich bei den Vertragspartnern nicht finden.


    Besten Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Neben der o. g. Einspielung möchte ich eine weitere CD mit Chorwerken Rheinbergers vorstellen:



    neben der bereits genannten Missa Es-Dur (Cantus Missae) op. 109 für zwei vierstimmige Chöre a capella sind hier enthalten:


    Hymne nach dem 84. Psalm op. 35 für Frauenchor, Harfe und Orgel
    Stabat Mater g-Moll op. 138 für Chor, Streicher und Orgel
    Fünf Hymnen op. 140 für Chor und Orgel
    Abendlied op. 69,3 für Chor a capella

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  • Hallo,


    Bei Rheinberger finde ich vor allem den Gebrauch der Orgel in einer Art Kammermusik interessant, z.B diei Werke für Orgel + Violine. da ist er relativ konkurenzlos.


    Grüsse


    Thomas

  • Hallo,


    von Rheinberger kenne ich zwei Werke, die mir beide gut gefallen:


    Zunächst seine "Florentiner" Sinfonie in F-Dur op.87. Dieses Werk kenne ich sogar schon recht lange, was einen recht simplen Grund hat: die hier in der Nähe ansässige Nordwestdeutsche Philharmonie hat dieses Werk aufgenommen, und da sie ihre CD-Aufnahmen meist bei Konzerten anbietet (die Anzahl ist ja überschaubar), ist mir Rheinbergers Sinfonie eben schon recht früh in die Hände gefallen.


    Ich habe sie jetzt seit einiger Zeit nicht mehr gehört, aber doch vieles noch recht lebhaft in Erinnerung: zum einen ist dies wohl seine "zweite" Sinfonie (allerdings verzichtet er auf die Nummerierung). Sein Erstling heißt meiner Erinnerung nach "Wallensteins Lager" und muss eine Art Tondichtung in Sinfonieform sein. Die Florentiner Sinfonie hat auch einen gewissen programmatischen Hintergrund (sie ist von einer Florenz-Reise inspiriert); die Sätze der (mit kleinen Besonderheiten) "klassisch viersätzigen" Sinfonie tragen allerdings keine deskriptiven Titel.


    Der erste Satz ist jedenfalls ein ungemein kraftvolles Allegro con fuoco, das in der Solopauke beginnt: ein rhythmisches Motiv wird vorgestellt, das den Satz prägt. An zweiter Stelle steht ein ausgedehntes Adagio, das wohl von dem Besuch einer Klosterzelle inspiriert wurde - zweifelsohne eine sehr atmosphärische und gelungene Musik. Es folgt interessanterweise ein Menuett (die Sinfonie ist ja aus den Jahren 1874/75!), wobei Rheinberger es als "Menuetto pastorale" bezeichnet hat und wohl eben gerade pastorale Stimmungen evozieren will. Das ausgelassene Finale bezieht sich auf die Eindrücke einer Florentinischen Nacht.


    Ein recht umfangreiches (über 50 Minuten Spieldauer) und m.E. empfehlenswertes Werk. Das Beiheft erwähnt Kritik von Zeitgenossen und gewisse Schwächen (Menuett zu lang?), die ich seinerzeit aber nicht so wahrgenommen habe. Ich müsste mir das Werk mal wieder anhören, um diese Behauptungen zu überprüfen. Jedenfalls ist hier die erwähnte CD, mit Alun Francis am Pult, Label ist Carus:



    Das zweite Werk Rheinbergers, das ich kenne, ist seine Sonata für Violoncello und Klavier in C-Dur: ich habe aber keine Aufnahme davon (obwohl ich weiß, dass es eine gab/gibt), sondern nur die Noten, die ich mir vor ein paar Jahren eben mal zu Gemüte geführt habe. Das Stück ist dreisätzig; mir haben besonders die sehr schwungvollen, von Elan erfüllten Ecksätze sehr gut gefallen.


    Viele Grüße
    Holger

  • Bei mir finden sich drei CDs mit Rheinberger-Einspielungen, die ich alle schätze:


    Einmal unter dem Motto: "Hör, o Vater - Das Gebet im Lied der Romantik":


    - Präludium op. 156,1
    - Abendfriede op. 156,10
    aus: Zwölf charakteristische Tonstücke für Orgel


    - Sechs religiöse Gesänge op. 157
    für Baß und Orgel


    Markus Lemke, Baß-Bariton; Thomas Berning, Orgel der St. Gallus-Kirche Ladenburg


    Christopherus 2004



    Der Organist war mehrere Jahre Leiter des Chors, in dem ich seit 10 Jahren singe, der Cappella Palatina Heidelberg.


    Dann habe ich noch eine schöne Einspielung mit diesen Werken:


    - Missa brevis in F, op. 117


    - Fünf Motetten für gemischten Chor, op. 40


    - Osterhymne für acht Stimmen, op. 134


    - Drei geistliche Gesänge, op. 69


    - Passionsgesang, op. 46
    für Chor SABT und Orgel


    Vancouver Cantata Singers; Bryn Nixon, Orgel; Ltg.: James Frankhauser


    Carus 1999



    Meine dritte Rheinberger-CD ist die von andythr erwähnte Cantus-Missae-Einspielung: Darauf befindet sich das Abendlied, op. 69,3 für Chor SSATTB a cappella; ich habe dieses kurze stimmungsvolle Stück schon öfter im Chor mitgesungen; unter Chorsängern ist es schon so etwas wie ein gern gegebener Hit!


    Rheinbergers Chormusik erlebe ich als gefällig, harmonisch, technisch nicht zu schwierig (wohl aber im Ausdruck, darf nicht kitschig-romantisch werden!) und doch auch als musikalisch reizvoll und interessant.

  • Hallo,


    wie vielen anderen Hier, ist mir RHEINBERGER auch zuerst als Komponist von Chorwerken bekannt. Zuerst natürlich mit seiner berühmten Cantus missae



    Zitat

    Original von andythr
    Neben der o. g. Einspielung möchte ich eine weitere CD mit Chorwerken Rheinbergers vorstellen:



    neben der bereits genannten Missa Es-Dur (Cantus Missae) op. 109 für zwei vierstimmige Chöre a capella sind hier enthalten...


    Ich kann mich der bereits mehrfach ausgesprochenen Empfehlung für diese CD vorbehaltlos anschließen, finde aber die Einspielung mit dem Niederländischer Kammerchor/ U. Gronostay musikalisch wie chorisch noch gelungener!



    Obwohl das Programm auf der CD mit Bernius geschlossener ist, sind auch die auf dieser CD beigegebenen Werke von F. LISZT hörenswert!


    Die CD mit Bernius, wie auch einige weitere bereits erwähnte, stammen von dem Label Carus, welches eine umfangreiche CD-Veröffentlichung von Chorwerken RHEINBERGERs begonnen hat.


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    Eine weitere CD von Carus mit dem Vokalensemble Rastatt unter der Leitung von H. Speck bietet weltliche Chorwerke:



    Die Stücke für unterschiedliche chorische Besetzungen (einige mit Klavier) sind zum Teil recht volkstümlich gehalten und zeigen Verbindungen zu ähnlichen Werken von REGER oder BRAHMS. DIe CD ist nicht nur wegen der Werke, sondern auch wegen der durchweg gelungenen Interpretation zu empfehlen.
    Das namensgebende Stück "Dennoch singt die Nachtigall" war übrigends beim Dt. Chorwettbewerb 2006 in Kiel eines der Pflichtstücke und dadurch hier vielleicht dem einen oder anderen auch schon bekannt.


    Gruß pt_concours
    ps RHEINBERGERs Chormusik bietet scheinbar genügend Stoff für einen eeignen Thread.

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
    Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

  • Ich hatte heute Mittag zufällig via Television kurz in die Trauerfeier des Amoklaufs in Winnenden reingeschaut.


    Dass das mir bisher unbekannte Orgelstück am Ende des kirchlichen Teils der "dualen" (kirchlich/staatlich) Zeremonie von Rheinberger war, davon wäre ich zu 95 % überzeugt gewesen (es wurde dann tatsächlich hinterher auch als Rheinberger angesagt) ... was ich freilich nicht weiß: welches Stück war es denn nun genau? Vielleicht aus den 12 Trios op. 189 ?

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  • Salü,


    der Typ hat eine etwa 10minütige Improvisation über Themen aus Mozarts Zauberflöte zusammengestöpselt, die mir sehr gut gefällt - hier enthalten:



    Man muß teilweise wirklich genau hinhören, um die Themen zu erkennen...


    :hello:


    Ulli

    Wie man andere in Widersprüche verwickelt? Einfach ausreden lassen.
    (Alexander Eilers)

  • Ich kann die folgende CD mit den Klaviersonaten 1-3 mit Antonio Pompa-Baldi empfehlen. Insbesondere die dritte Klaviersonate finde ich sehr gut und sie kann sich gegenüber anderen Exemplaren der Gattung durchaus ansehnlich behaupten. Sie ist voll mit hübschen Einfällen.


    Wer gerne Noten mitliest, findet hier das PDF dazu (wie ja von fast allem): http://imslp.org/wiki/Piano_So…heinberger,_Josef_Gabriel)


    Auf dem folgenden Album ist sein Klavierkonzert mit Adrian Ruiz zu hören und daneben das ebenfalls selten gehörte Klavierkonzert von Sgambati mit niemand geringerem als Jorge Bolet am Flügel. Mir gefällt die dritte Sonate zwar besser, aber wer sich für seltene Klavierkonzerte interessiert wird an dem Album seinen Spaß haben:

  • In dem Beitrag eins hierüber habe ich eine CD empfohlen und insbesondere die dritte Klaviersonate hervorgehoben. Weil die mir auf obiger CD so gut gefallen hat, habe ich mir diese CD mal zum Vergleich besorgt:




    Leider muss ich berichten, dass sie hier nicht gut gespielt wird. Ich habe sie kaum wieder erkannt. Das gewählte Tempo ist in quasi jedem Satz zu langsam und das Werk zerrinnt einem zwischen den Fingern. Die Motivation dafür, auch die restlichen Stücke auf der CD zu hören, hatte ich bisher noch nicht.

  • Ich habe kürzlich zum ersten Mal das Requiem von Rheinberger in Münster gehört und war sehr überrscht. Auch hier begeisterte mich die süßliche Romantil ungemein. Bisher kannt ich nur den Stern von Bethlehem, den ich mit für eines der schönsten Chor-Werke halte.

  • Hallo Wotan CB - da sind wir ja wieder einmal einer Meinung ! Weihnachten ohne den "Stern von Bethlehem" (in der Fassung mit Rita Streich und Fischer-Dieskau und dem Münchner Rundfunkchor) geht bei mir gar nicht !


    Wunderschön sind auch viele seiner Chorstücke, besonders liebe ich da "bleib bei uns , denn es will Abend werden.."


    G.H.

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  • Zu meinem Standardrepertoir gehören unbedingt die schon erwähnte



    Eine herrlich fröhliche Musik. Nix spektakuläres, aber, wie ich mal geschrieben hab: Simply a nice piece of music …
    allerdings eher Chianti als Brunello.


    Fast noch interessanter ist



    Rheinberger benennt dieses Stück ja als „Tongemälde“ und das
    trifft den Charakter des Stückes ausgezeichnet. Fetzige und eingängige Bläserpassagen lassen einen das gesamte Stück mitsingen.


    Beides ist sicher keine ganz große Musik, aber dennoch eine willkommene Alternative.

  • Eine meiner grundlegenden Thesen ist ja, dass eher ein zweit- oder drittklassiges Werke eines erstklassigen Komponisten aufgeführt oder eingespielt wird, oft zum zigsten Mal, als ein erstklassiges Werk eines als "zweit- oder drittklassig" apostrophierten Komponisten. Das 1. Streichquartett von Josef Rheinberger wäre mal wieder ein guter Beleg für diese These. Dieses 1874 als op. 89 erschiene Werk ist eines von zwei Streichquartetten des Komponisten. Es kann m.E. mit fast jedem außer den allerbesten Werken seiner Zeit mithalten, mit Sicherheit mit allen Dvoraks vor op. 96. Und ich wäre mich nicht sicher, ob ich es nicht dem einen oder anderen Brahmsquartett vorziehen würde. Aber niemand kennt es, niemand spielt es. Eine einzige Aufnahme habe ich auftreiben können, die von 1991 mit dem polnischen Camerata Quartett.


    Zum Glück spielt dies wohl nicht mehr existierende Quartett vorzüglich und bringt das 35-minütige Werke zu dem wohlverdienten Auftritt. Für lausige € 1,14 kann man diese CD beim Werbepartner erstehen. Es gibt somit keine gute Entschuldigung, dieses Werk nicht zu kennen. :D

  • Ich kann inzwischen berichten, dass auch das zweite 1886 komponierte Quartett ein absolut erstklassiges Werk ist, das eigentlich jedem Freund romantischer Quartettmusik Freude bereiten müsste. Wieder finde ich eine gewisse Nähe zu Dvorak, nicht wg. der Themen, sondern dem ausgesprochen musikantischen (nicht vergrübelten) Zugang. Wie gesagt, € 1,14 ist ein relativ risikoarmer Einsatz und lohnt in jedem Fall.


    Es wäre schön, wenn sich zu der sehr guten, aber auch schon etwas älteren Aufnahme, mal eine Alternative gesellen würde. Das wäre doch etwas für unser "Hauslabel".

  • Mit dieser CD:


    von Rheinberges Weihnachtsoratorium, dessen Aufführung durch meine beiden Chöre sich im November auch schon wieder zum 10. Male jährt, möchte ich daran erinnern, dass Josef Rheinberger am 17. März 1839 geboren wurde.


    Heute ist die 176. Wiederkehr seines Geburtstages.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Wer sich intensiver mit dem (vollständigen) Klavierwerk von Josef Rheinberger auseinandersetzen möchte, erhält dazu für rd. 35 EUR vergleichsweise günstig die Gelegenheit. Jürg Hanselmann und Sandra Hanselmann haben die Kompositionen auf 10 CDs für das Label Carus eingespielt.


    @Lutz: Danke für den Hinweis auf die Quartette. Die CD habe ich gerade geordert (für rd. 2,5 EUR zzgl. Versand; gebraucht - sehr guter Zustand).


    Viele Grüße
    Frank

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  • Banner Trailer 2 Gelbe Rose
  • Mein Vokalensemble (Camerata vocale Oberhausen) und ein befreundeter Chor (Madrigalkreis Oberhausen) haben zusammen 2015 die doppelchörige Missa in Es aufgeführt, und zwar in Bocholt und im Xantener Dom, was so ungefähr der schönste Ort zum Singen ist, den ich kenne. Es ist technisch nicht schwer, aber doch sehr gut komponiert.
    Das hier zitierte Abendlied hat wohl jeder Chorsänger in jedem seiner Chöre schon gesungen. Rheinberger war 16 Jahre alt, als er das schrieb!

    Was man nicht weiß, das eben brauchte man, und was man weiß, kann man nicht brauchen (Goethe, Faust)

  • @Lutz: Danke für den Hinweis auf die Quartette. Die CD habe ich gerade geordert (für rd. 2,5 EUR zzgl. Versand; gebraucht - sehr guter Zustand).


    Toll: waren bereits in der ebenfalls im Bestand befindlichen Kammermusik-Gesamtaufnahme (Thorofon) enthalten... :huh::thumbdown:


  • Toll: waren bereits in der ebenfalls im Bestand befindlichen Kammermusik-Gesamtaufnahme (Thorofon) enthalten... :huh::thumbdown:


    Klar. Das war jetzt kein Insiderwissen...

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ich mag Dich auch, Johannes... :thumbup:


    Klar sind die Streichquartette in der Box. Allein mir war deren Besitz bei Bestellung der Einzel-CD bereits wieder entfallen... :thumbdown:

  • Rheinberger schrieb vier Klaviersonaten, "Die Romantische" ist davon die letzte und das letzte Klavierwerk des Komponisten überhaupt. Ohne die anderen drei zu kennen, stellt die 4. vermutlich ein summa summarum seines Klavierschaffens dar. Und wie der Titel andeutet auch eine Zusammenfassung der romantischen Klaviermusik schlechthin. Wobei ich die Bezüge eher bei den frühen Werken (Beethoven, Schubert und Schumann) sehe als bei Liszt oder Brahms. Das viersätzige, 25-Minuten dauernde Werk ist thematisch IMO attraktiv und teils recht virtuos, die Virtuosität ist aber niemals Selbstzweck, sondern steht immer im Dienste der melodischen Einfälle. Eigentlich insgesamt ein ziemlich schönes Werk, das vermutlich nur den "Fehler" hat, 50 Jahre zu spät komponiert worden zu sein. Rheinberger findet trotz seines über 40 Werke umfassenden Schaffens z.B. keine Erwähnung im Reclam Klaviermusikführer.


    Der Pianist auf meiner LP von 1971 ist der in Europa eher unbekannte Kalifornier Adrian Ruiz (1937-), der als Lehrer immerhin Rudolf Serkin ins Feld führen kann. 1968 gewann er beim Busoni Wettbewerb einen vierten Preis. Discographisch ist Ruiz vor allem für das kalifornische Genesis Label hervorgetreten und zwar fast ausschließlich mit Musik halbvergessener deutscher Romantiker. Die zweite Seite meiner LP bringt die Klaviersonate von Adolf Jensen, weitere LPs eine Sonate von Burgmüller und das Klavierkonzert von Rheinberger. Darüber demnächst mehr.


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  • Sein Grab befindet sich in München auf dem Alten Südfriedhof.


    Damit das so nicht weiter verbreitet wird, stelle ich hier ein Foto von Rheinbergers Grab ein.


    Praktischer Hinweis:
    Die Residenzstadt Vaduz ist mit etwas mehr als fünftausend Einwohnern überschaubar. Die Kirchturmspitze von St. Florian ist der ideale Orientierungspunkt; in dessen unmittelbarer Umgebung befindet sich das Geburtshaus und das Denkmal von Josef Rheinberger; rechts davon etwas ansteigend, der Friedhof mit dem Grab des Komponisten. Man geht vom Friedhofseingang geradeaus auf das Gebäude am Ende des Friedhofs zu und wendet sich dort nach links, wo man nach wenigen Schritten das Grab findet; direkt an einer Wasserstelle in einer Ecksituation.

  • Auch das Klavierkonzert von Rheinberger, das ich gerade gehört habe, hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es hat es bisher noch nicht in die legendäre Hyperion-Serie geschafft, aber es begegnet sicher 90% der dort gebotenen Werke auf Augenhöhe. 1876 komponiert, hat es als Vorbild eindeutig die Konzerte Beethovens, allerdings ohne sich in der Themenbildung an den Bonner Meister anzulehnen. Da ich die Konzerte von Ries (noch) nicht kenne, kann ich derzeit nicht beurteilen wie groß der Abstand zu diesen ist. Die klassischen drei Sätze füllt Rheinberg jedenfalls mit melodisch ansprechenden und pianistisch anspruchsvollen Inhalten aus, so dass ein interessantes und kurzweiliges Werk daraus wird. Adrian Ruiz wird IMO dem ihm zugeteilten Part voll gerecht, sein Klavierton ist rund und angenehm, "he never bangs" würden die angelsächsischen Kritiker schreiben. Begleitet wird das Ganze von den Nürnberger Symphonikern unter der Leitung eines Zsolt Deaky. Über den findet man wenig im Netz, aber da er - mit Photo - in den Erinnerungen von Rudolf Buchbinder auftaucht, ist er keiner der damals nicht unüblichen "fake names".
    Insgesamt auch klanglich eine runde Sache, die ich mir sicher noch öfters zu Gemüte führen werde.


  • Die Wallenstein-Symphonie - ein weiteres prachtvolles Werk der Romantik, bei dem mir rätselhaft ist, wieso das so nachhaltig von den Konzertplänen verschwinden konnte. Das 1866 vollendete Werke dauert fast eine Stunde und kann sowohl als 4-sätzige Symphonie wie auch als zusammenhängende Sammlung von vier Tondichtungen (Vorspiel - Thekla - Wallensteins Lager -Wallensteins Tod) gehört werden. Melodisch reich und einprägsam wirkt das Werk an keiner Stelle gesucht oder bemüht, sondern entfaltet seine Qualitäten ungehindert. Wunderbar orchestriert hat es eigentlich alles, was ein großes Werk benötigt. Und wie auch schon bei den Symphonien von Joachim Raff und der von Hans Rott wird auch mit diesem Werk klar, das Mahlers Symphonik nicht vom Himmel fiel, sondern eine logische Weiterentwicklung von Vorhandenem war.
    Wie schon bei den Symphonien 1 und 5 von Carl Czerny sind wir Nikos Athinäos zu großem Dank verpflichtet, dass er mit dem Staatsorchester Frankfurt/Oder diesen Schatz für uns geborgen hat. Zudem wird die Doppel-CD auch noch überaus preisgünstig angeboten. Grab' it and enjoy. ;)

  • Ich habe mich in den letzten Wochen ausführlich mit den Klavierwerken von Rheinberger beschäftigt (einschliesslich der Kammermusik mit Klavier) und bin auf einige aus meiner Sicht völlig zu Unrecht vernachlässigte Kompositionen gestossen, auf die ich im folgenden kurz hinweisen möchte:

    Duo für 2 Klaviere a-moll op. 15

    Es heißt, dass dieses Duo zu Lebzeiten Rheinbergers seine populärste Komposition gewesen sei, was angesichts seiner Qualität (sehr kluge, überzeugende Integration von barocken, klassischen und romantischen Sequenzen, eingängige Themen, deren Querverbindungen in den einzelnen Sätzen für eine überzeugende formale Geschlossenheit sorgen) absolut nachvollziehbar ist


    Pianofortestudien für die linke Hand allein op. 113

    Ein Meisterwerk der einhändigen Klavierliteratur, bestehend aus zwei Teilen zu je drei Stücken, die 1878 und 1882 entstanden in der Folge von Rheinbergers Erkrankung der rechten Hand, die 1870 ausbrach und sich bis 1878 und den folgenden Jahren so sehr verschlimmerte, dass an normales Musizieren bis weit in 1880er Jahre überhaupt nicht zu denken war.


    Toccata c-moll op. 115

    Ein historisierendes Stück und gerade deswegen so etwas wie ein Gesamtkunstwerk in der Verschmelzung aller Stilentwicklungen der tonalen Dur-Moll-Epoche.


    Klaviersonate zu vier Händen c-moll op. 122

    Ein Meisterwerk, das allerdings weder von den Zeitgenossen (trotz des großen Lobs durch den Widmungsträger Carl Reinecke) und den heutigen Pianisten beachtet wurde und wird.


    Klaviersonate Nr. 3 Es-Dur op. 135

    Bemerkenswert auch hier die Selbstverständlichkeit, mit der der Komponist thematische Bezüge zwischen allen Sätzen herstellt und damit eine beachtliche Geschlossenheit erreicht. Allerdings haben selbst wohlwollende Beobachter von Rheinbergers Schaffen diese Sonate als ´hochliebenswürdig`, ´einfach und herzig` oder auch ´lieb und herzig` bezeichnet, eine – wie ich finde einseitige und zu harte Charakterisierung, deshalb die dringende Empfehlung, sich über die leider nur spärlich vorhandenen Einspielungen ein eigenes Bild zu verschaffen.


    Klaviersonate Nr. 4 fis-moll op. 184


    Diese viersätzige Sonate aus dem Jahr 1886 trägt den Beinamen ´Romantische`, sie besticht in erster Linie durch den großartigen, sehr ausgedehnten Kopfsatz.


    Leider hat sich - soweit ich weiss - bisher keiner der ´führenden` Pianisten mit Rheinbergers umfangreichem Klavierwerk beschäftigt, aber auch die vorhandenen Aufnahmen von Hanselmann (Gesamtwerk), Pompa-Baldi (3 Sonaten) und Göbel zeugen von der Qualität der Werke.


    (Fortsetzung folgt mit den Kammermusik-Werken mit Klavier)

  • Aus den Kammermusikwerken mit Piano ragen aus meiner Sicht folgende Werke heraus:


    Violinsonate Nr. 1 Es-Dur op. 77


    Op. 77 allein schon deshalb, weil Rheinberger in diesem Werk für seine Verhältnisse selten schwungvoll komponiert und an keiner Stelle seiner Neigung ´zum alten Stil` nachgibt, wenn auch mit deutlichen Anklängen an Beethoven. Erste Wahl hier die Einspielung von Horst Göbel und Hans Maile.


    Cellosonate C-Dur op. 92


    Die Cellosonate ist als kompositorisches Pendant zur 1. Violinsonate anzusehen, auch wenn sie im Charakter ruhiger und besinnlicher angelegt ist. Das lyrische Hauptthema des ersten Satzes gehört zu den schönsten melodischen Eingebungen Rheinbergers, allein dafür lohnt es sich, die Aufnahme von Horst Göbel und Thomas Ruge anzuhören.


    Klaviertrio Nr. 3 B-Dur op. 121


    Zu Lebzeiten Rheinbergers populärstes Trio, das in ganz Europa und den USA aufgeführt wurde. Insbesondere die Ecksätze stecken bei aller inneren Dynamik voller attraktiver Melodien, aber ein besonderes Juwel ist Rheinberger mit der Romanze gelungen, die zu den reizvollsten Sätzen der romantischen Trioliteratur zählt. Ein zu Unrecht vernachlässigtes Stück, sehr schade, dass es im heutigen Konzertsaal keinen Platz hat. Ich kenne zwei Aufnahmen (Göbel Trio und Trio Parnassus), beide werden dem Stück absolut gerecht.


    Klavierquartett Es-Dur op. 38


    Rheinbergers beliebtestes Instrumentalwerk, das noch bis zum Beginn des 1. Weltkriegs regelmäßig auf den Konzertprogrammen stand. Danach verschwand es unerklärlicherweise komplett von der Bildfläche. Immerhin aber gibt es eine Aufnahme von Horst Göbel, dem für seinen Einsatz für Rheinberger gar nicht genug gedankt werden kann, und den Solisten der Akademie der Berliner Philharmoniker.




    Mit dieser Auswahl soll der Wert von Rheinbergers weiterer Kammermusik mit Piano keineswegs herabgesetzt werden, aber die vier genannten Werke stehen in ihrer Qualität in weiten Teilen den vergleichbaren Werken des sogenannten Kanons nicht nach.



    Fortsetzung folgt mit Kammermusik ohne Piano

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