Friedrich Gulda 75.

  • Wenn Gulda Mozart spielte, konnten einem die Tränen kommen. Seine DG-Veröffentlichung der Sonaten KV 576 und 570 gekoppelt mit der Fantasie in c-moll (KV 475), gehört sicherlich zum Faszinierendsten, was an Mozartaufnahmen heutzutage zu bekommen ist.


    Leider hat es Gulda seinen Kritikern nach meiner Beobachtung nur allzu leicht gemacht, ihn zu hassen. Wenn sich Klassikkonsumenten als "scheißreaktionäre Künstlerlemuren" oder als "Bürger, die im Ghetto leben und Ghetto-Musik von Beethoven hören" oder schlicht als "Arschlöcher" bezeichnen lassen mußten, hat dies sicher nicht dazu beigetragen sein Ansehen als Mensch zu vergrößern. Aber auch Musikerkollegen, wie Heinrich Schiff oder Nikolaus Harnoncourt sollen, freundlich formuliert, so ihre Schwierigkeiten mit Gulda gehabt haben, obwohl man zunächst wohl recht gut miteinander ausgekommen ist. So läßt die Aufnahme der Klavierkonzerte KV 488 und 537 im Concertgebouw zusammen mit Harnocourt den Eindruck einer lockeren und erfrischenden Spielfreude von Dirigent und Solist aufkommen. Weshalb Gulda dann einige Zeit später Harnoncourt gegenüber "schwere Vorbehalte" äußerte, "von den Qualitäten des Herrn Harnoncourt nicht" mehr "so sehr überzeugt" war, hat sich mir nie erschließen wollen.


    Ich tippe auf eine ausgeprägte Wankelmütigkeit (-Sucht?).

  • hallo tom,


    ich höre gerade besagte aufnahme der c-moll fantasie KV 475 mit gulda. ungeheuerlich, wie logisch der musikalische ablauf sich präsentiert und gleichzeitig so emotional berührt !



    gruß, siamak

    Siamak

  • Sagitt meint:


    Kann man an Gulda nicht das Phänomen studieren, ennui aus einem Übermass an Können. Er konnte alles- so perfekt, das kann auch langweilen, da muss er er mit ursula andres nackt auftreten, die Bürgerlichen ans Schienbein treten und anderen Klamauk machen.
    Er hatte halt eine etwas verlängerte Pubertät, wurde aber in späteren Jahren doch ruhiger und konnte sogar mit Kaiser vernünftige Gespräche führen.


    P.S. Irgendwann hörte ich einmal von Böhm, der Gulda könne auch in Badehose kommen, solange er spiele wie Gulda. Das hätte ich dem Dr.iur. gar nicht zugetraut.

  • Zitat

    Original von sagitt
    Sagitt meint:


    Irgendwann hörte ich einmal von Böhm, der Gulda könne auch in Badehose kommen, solange er spiele wie Gulda. Das hätte ich dem Dr.iur. gar nicht zugetraut.



    Das hat mich angesichts der Persönlichkeit von Dr. jur. Karl Böhm auch in Erstaunen versetzt.


    Gruß


    tom

  • Also ich habe mir gerade die Anthologie Midlife Harvest gekauft (ursprünglich eine 9 LP Box von 1973), die eine sehr umfassenden Überblick über den frühen Komponisten Gulda gibt. Und ich finde ernsthaft, dass er dem Mozart-Interpreten absolut ebenbürtig ist, und auch später noch. Ich wäre sicher nicht der Gulda-Verehrer, der ich bin, gäbe es die Golowin-Lieder nicht, oder Paradise Island, oder das Cellokonzert, oder....
    Wie sind denn hier so die Meinungen über "the GULDA MOZART tapes"?? Ich höre sie jetzt seit einer Woche mit großer Faszination. Dennoch ist es nicht ganz so sehr der heilige Gral, wie ich mir die legendären, von Gulda nicht freigegeben Mozart-Sonaten-Aufnahmen immer vorgestellt habe. Zum einen, weil die MC-Kopien teilweise ja doch recht kräftig klirren - da hört man sich aber hinein. Zum anderen aber, weil ich sie bei weitem nicht so entspannt finde, wie man ih z.B. in Mozart For the People sieht, oder wie ich ihn glücklicherweise auch an zwei Abenden hier in Berlin gehört habe.
    Ich fand es live immer sehr schön und schlüssig, dass er nicht notierte Auszierungen spielt in der Wiederholung - ähnliches hat man bestimmt getan, als diese Musik noch zeitgenössisch war. Offensichtlich schien Gulda aber für Aufnahmen doch andere Maßstäbe zu haben, denn hier tut er es konsequent nicht.


    Soviel erst mal, bin ja noch ganz neu hier...
    Viele Grüße,
    Martin


  • Ich habe sie mir gerade gekauft und kann sie unbedingt empfehlen! Gulda spielt beide Zyklen sehr ausdrucksvoll - und so, dass ich zumindest während des Hörens das Gefühl habe, es muss alles genau so sein und nicht anders und anrührendere Klaviermusik gibt es schon mal gar nicht....
    Die CD ist recht einfach zu bekommen und zwar erstaunlicherweise von EMI Classics Japan, Remastered 2004.
    Klingt teuer, ist es aber nicht. Beim Amazon Marketplace verschickt sie ein japanischer Händler (musicjapan.jp) für 11 Euro plus 3 Euro Versand und sie ist in 4 Tagen da.
    Das einzige was mich irritiert, ist das generelle Datum 1999. Die "G'schichten aus dem Golowiner Wald" sind definitiv viel älter, es ist die Amadeo-Aufnahme aus dem "Complete Musician". Allerdings klingen die Schubert-Aufnahmen besser (und neuer), so dass es für diese Aufnahmen stimmen könnte. Weiss da jemand Hintergründe?
    Leider ist das Booklet komplett japanisch.


    Viele Grüße,
    Martin

  • Friedrich Gulda hat die "G´schichten aus dem Golowinerwald" 1999 für sein Label Paradise neu eingespielt. Bei Beck am Rathauseck in München gab es eine CD damit sowie eine CD mit den Schubert-Aufnahmen (letztere immer schubweise ein paar Wochen lang, bis sie ausverkauft war und nach einiger Zeit wieder geliefert wurde). Die ist aber, so sie wieder kommt, sicher teurer als diese japanische Sendung.


    Herzlicher Gruß
    Alexander (der Friedrich Gulda auch als Pianist wie als Komponist sehr schätzt, z. B. das Concerto for Ursula)

    Freundlicher Gruß
    Alexander

  • Zitat

    Original von Alexander
    Friedrich Gulda hat die "G´schichten aus dem Golowinerwald" 1999 für sein Label Paradise neu eingespielt.


    Nun, diese "japanische Sendung" hat das selbe blaue Cover inklusive "Paradise Productions"-Aufdruck, nur dass sie von EMI-Toshiba hergestellt wurde.
    Katalogeintrag EMI



    Warum sollte man die G'schichten ausgetauscht haben? Hast du sie wirklich mal verglichen?? Spätestens beim Gesang hört man, dass es identisch zur Version von 1978 ist. Und die Spielzeit ist einmal 19:45, einmal 19:48.
    Wenn die Version auf der legendären Kaufhaus-Beck-Fassung eine andere ist, dann glaube ich nicht an eine praktisch gleiche Spielzeit - das ist bei dieser Art Stück nicht möglich, ebenso wenig wie eine Übereinstimmung Ton-für-Ton.
    Wie lang ist sie denn dort?


    Gruß,
    Martin

  • Wahrscheinlich hat also die EMI Japan die neuen Schubert-Aufnahmen mit der alten Golowinerwald-Aufnahme gekoppelt.


    Es erschien definitiv eine "Maxi CD" mit einer von Friedrich Gulda im Oktober 1999 eingespielten Neuaufnahme der "G´schichten aus dem Golowinerwald" bei Paradise Productions. Diese Aufnahme entstand im Paradise Studio Weißenbach, als Hommage an Johann Strauß zum 100. Todestag, Spielzeit 19:30 Minuten. Siehe auch
    Friedrich Gulda: Wanderer zwischen Welten. Diskographie, Reden, Interviews, Statements, Fotos. Bibliothek der Provinz, Weitra (A), 2005.
    Herzlicher Gruß
    Alexander

    Freundlicher Gruß
    Alexander

  • ich habe neben der (blauen) "weissenbach 1999" aufnahme eine japan-cd denon coco-9440 mit den gleichen impromptus d899 und moments musicaux d780. die habe ich mir vor ca. 10 jahren in wien gekauft, um € 16,642079 (zum glück behalte ich immer die preispickerl :] ). das einzige, das ich in der schönen kalligraphie ausmachen kann, ist ein (wohl) aufnahmedatum: 13-15.9.1963. was mich etwas irritiert, ist, dass 2 stücke auf die sekunde genau gleich lange dauern. ich trau dem gulda in seiner publikumsverarschungsattitude einiges zu... 8o :stumm:


    (abgesehen davon spielt er die stücke unerreicht!)


    :beatnik:

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  • Friedrich Guldas Aufnahme der Debussy Preludes von 1969 ist neu aufgelegt worden. Auf der Homepage der Klassikakzente ("www.klassikakzente.de") findet sich dazu ein ausführliches Gespräch mit Friedrichs Sohn Paul.



    Herzlicher Gruß
    Alexander

    Freundlicher Gruß
    Alexander

  • Ob dies eine Konkurrenz zu Michelangeli und Zimerman sein kann, weiß ich noch nicht, aber ich werde mir diese Aufnahme anhören.


    Friedrich Gulda hatte im Repertoire der französischen Musik aus dem frühen 20. Jahrhundert umfassende Fähigkeiten, so dass sein Sohn Paul Gulda am
    21. Mai 2007 im Interview mit der ZEIT sagen konnte:


    Zitat

    Friedrich Gulda hat nie in den Clubs versucht, die Jazzer zur Klassik zu bekehren. Das war nicht programmatisch, sondern stimmungsabhängig. Alfred Brendel hat einmal gesagt, dass er in einer Bar hörte wie Gulda Ravels Gaspard De La Nuit spielte. Aber das war mehr so after hours und weil er es eben konnte.


    Und dieses Werk hat er auch in die 3-CD-Box mit aufgenommen, die Gaspard empfohlen hat. Ich höre die Aufnahme gerne, und sie stellt für mich neben den beiden Aufnahmen von Martha Argerich und der im Vatikan aufgenommen Live-Version von Arturo Benedetti Michelangeli eine Darstellung dar, die neben diesen beiden bestehen kann.


    (In dem erwähnten Interview geht es vor allem um Guldas Aufnahme der 24 Préludes und ihrem Hintergrund in Guldas Erfahrungen als Jazzmusiker.)

  • Grandios warern (neben den Klavierkonzerten mit Abbado und der immer noch nicht erhätlichen Suite Bergamasque Debussys, von dem etwas auf dem Sampler der Great-Pianists-Serie drauf war) Guldas letze Mozartaufnahmen, die leider derzeit nicht erhältich sind, nämlich beim eigenen Label Paradise Productions. Bei diesen Sonaten schafft Gulda es, einen durchgängigen House-Beat (den er ja auch mit seiner (unsäglich schlechten) Produktion mit DJ Pipi gepflegt hat) in Mozart jugendlich hineinzubringen, ohne deshalb gewollt zu wirken. Wie öd sind da im Gegensatz die s.g. Mozart-Tapes bei der DG!


    Auch mag ich sehr seine Fuge, gespielt von Keith Emerson auf dem Live-Album Welcome Back My Friends von Emerson, Lake & Palmer

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Karl Böhm hat diese Worte angeblich 1982 anlässlich des Eröffnungskonzertes der Wiener Festwochen gesagt. Böhm musste dann krankheithalber absagen, Erich Leinsdorf ist eingesprungen, dieser ORF-Mitschnitt von KV 466 ist für mich der aufregendste Mozart, den ich je gehört habe.

    "Play, man, play!" (M. Davis)
    "We play energy!" (J. Coltrane)

  • Ich durfte Gulda zweimal live erleben - es war immer ein Erlebnis. Leider aber in einer Zeit, wo er anscheinend nicht mehr Beethoven live spielte. Tatsächlich spielte er im 1. Teil Mozart-Sonaten, nach der Pause dann Jazz. Der 2. Teil gefiel mir durchaus - habe aber keine Ahnung von Jazz, da sollen andere urteilen.


    Den Mozart fand ich grandios. Ein im wahrsten Sinne des Wortes bewegter Mozart. Energiegeladen ohne Effekthascherei. Technisch perfekt.
    Das Konzert selbst anders als sonst üblich. Ein auf dem Podium zwischendurch mal wandernder Pianist. Kein Programm. Alles wirkte sehr spontan. Gulda stellte einen große Nähe zum Publikum her, machte auch mal einen Scherz. Irritierend - aber wie ich bereits an anderer Stelle mal erwähnte, lasse ich mich gerne mal irritieren.


    Und die Aufnahmen?
    Beethovens Klaviersonaten (1967) - männlich, voller Energie - ich liebe sie!!!
    Bachs Wohltemperierte Klavier - Klangtechnisch leider nicht besonders gut. Die Intepretation ohne Schnörkel gehört zu meinen liebsten.


    Ich denke man merkt: Gulda gehört für mich zu den ganz großen - Jazz hin oder her.

  • Zitat

    Original von Andreas
    Ich durfte Gulda zweimal live erleben - es war immer ein Erlebnis. Leider aber in einer Zeit, wo er anscheinend nicht mehr Beethoven live spielte. Tatsächlich spielte er im 1. Teil Mozart-Sonaten, nach der Pause dann Jazz.


    Wann war das ungefähr?


    Ich habe ihn im Frühjahr oder Frühsommer 1995 in Berlin gehört mit Beethovens opp. 13, 110 & 111.
    Bei den Zugaben taute er langsam auf. Zuerst ein oder zwei Stücke aus dem WTK, dann spielte er das Finale aus Mozarts letzter Sonate :jubel: :jubel: :jubel:, dann durfte er immer noch nicht fort und fing an zu improvisieren und Wienerisches dazu zu singen....


    Physisch wirkte er allerdings schon damals ziemlich zerbrechlich.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo Johannes,


    ganz genau weiß ich es nicht mehr. Es muss Anfang der 90er gewesen sein. Von Altersschwäche noch keine Spur. Beide Konzerte fanden in der Kölner Philharmonie statt.

    Einmal editiert, zuletzt von Andreas ()

  • Ich habe neulich die bei 2001 verschleuderte "andante"-Box (s.u.) mit Funkaufnahmen (m.E. alle mono und ziemlich trocken, aber sonst klanglich o.k.) der 50er und 60er Jahre gekauft.
    Enthalten sind von Schubert die Sonaten D 845 und 960, sowie die Stücke 780 und 899, dann noch Debussy & Ravel. Zu letzteren kann ich erstmal nichts sagen, bei Schubert würde mich aber a) interessieren, was es noch gibt und b) ob die weiter oben genannten "japanischen" Aufnahmen sich groß von dem 1957ern unterscheiden?
    Und gibt es von den in den letzten paar Jahren herausgebrachten posthumen Sammlungen eine die man haben sollte?




    Und hat jemand mal die Philips "Duo" Ausgabe von Bachs WTK mit der angeblich remastereten Neuausgabe verglichen?


    Noch eine Frage: Handelt es sich bei Ravel (u. evtl. auch Debussy) in der andante-Box um dieselben Aufnahmen, die auch in der Great pianists-Reihe erschienen waren?


    Und was ist mit dem zweiten Band der obskuren "Mozart-Tapes"?


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Und was ist mit dem zweiten Band der obskuren "Mozart-Tapes"?


    Ja - wo hat er denn die versteckt, dass man sie erst ein wenig später gefunden hat und: was taugen sie?
    Oder sind das die ollen DG-Aufnahmen nur auf Amateur gemacht? :pfeif:


    :hello:
    Stefan

    Viva la libertà!

  • Zitat

    Original von Theophilus
    Ich kenne keinen anderen Pianisten, der die Sonaten dreimal eingespielt hat, und es dürfte keinen geben, der sie so oft zyklisch aufgeführt hat.


    Hi,
    die erste Einspielung war die beste, finde ich. In den Siebzigerjahren habe ich einmal das Gulda-Abonnement gehabt, wo er einige Sonaten gespielt hat. Damals war ich noch stolz darauf, entdecken zu können, dass er irgendwo zwei Takte ausgelassen hat. Für diesen Stolz geniere ich mich noch heute.
    In dem Zyklus gab es auch einen Abend mit den Golowin-Liedern. Die haben mir ausfallend gut gefallen. Ein Lied hieß: "Im Kaasgraben". Das ist eine Gegend im 19. Bezirk Wiens.
    liebe Grüße Hans

    Eine Signatur, die ich 1990 verwendet habe:
    "Better to create than to consume"

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  • Hi allerseits,


    es gibt einen Aspekt von Gulda, den ich bis vor wenigen Jahren nicht wusste. Eines Tages gab es in 3SAT ein Interview mit Martha Argerich. Da erzählte sie, dass sie als junges Mädchen bei Gulda gelernt hätte. Gulda hat da offensichtlich nicht so schlecht unterrichtet:)

    Eine Signatur, die ich 1990 verwendet habe:
    "Better to create than to consume"

  • Lieber Hans


    Eine Argerich zu unterrichten ist ein Nasenwasser im Vergleich zu Anfängerunterricht ...
    Zudem hat der olle Fritz wohl ganz gerne schöne Frauen um sich geschart: Wer wollte es ihm verübeln :D
    Aber es ist schon so, dass die Argerich auch von Gulda schwärmt. Da haben wohl beide profitiert voneinander und sich gegenseitig bewundert. Schön.


    Mit liebem Gruss aus Bern von Walter

  • Zitat

    Original von steppenhund
    Hi,
    die erste Einspielung war die beste, finde ich. ...


    Hi


    Das heißt, du kennst die alte Rundfunk-Aufnahme? Wie kommt das?

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Zitat

    Original von steppenhund
    Hi allerseits,


    es gibt einen Aspekt von Gulda, den ich bis vor wenigen Jahren nicht wusste. Eines Tages gab es in 3SAT ein Interview mit Martha Argerich. Da erzählte sie, dass sie als junges Mädchen bei Gulda gelernt hätte. Gulda hat da offensichtlich nicht so schlecht unterrichtet:)


    P:S: Martha Argerich, lebte zuvor in Buenos Aires (wo sie Gulda gehört hatte) bei ihren Eltern und die Familie beschloß dann nach Wien zu übersiedeln, damit Martha bei Gulda Unterricht nehmen konnte, was sie initiiert hat, so ihre Aussage. Sie war ja Tochter eines Diplomaten und Gulda bereits weltberühmt, wenn ich nicht irre. Heute ist er hinüber (leider) und sie nicht mehr die jüngste.
    Tempora volant:untertauch:


    LG Michael

  • Letztes Jahr ist auf DVD (zuvor wurde die Doku schon im TV gezeigt)
    das Portrait "So What?! - Friedrich Gulda" erschienen.



    Zusätzlich zum Portrait sind noch einige Aufnahmen seiner Perfomances zu sehn wie zB sein Programm "Solo Flight" wo er unter Anderem Mozart-Werke oder Schuberts Wanderer-Fantasie "verguldert" (also neu arrangiert oder verhunzt :stumm: wie mans sehn mag) und eigene Werke dargeboten hat. Ebenso sind noch eine selbst transkripierte, arrangierte Klavierversion "In diesen heilgen Hallen" für Klavier, Bachs BWV 849, etwas das sich "Reblaus" nennt (das hab ich mir nicht angeschaut weiß deswegen nicht um was es sich dabei handelt) sowie ein ca. halbstündiges Interview mit Joachim Kaiser am Klavier wo er zeitweise auch etwas zur Veranschaulichung vorspielt.


    FSK liegt kurioserweise bei 16 was aber wohl auf ein paar Szenen im Film zurückzuführen sein könnten die vielleicht unter dem hier schon im Forum erwähnten "Fluxus" fallen würden? Also seine damaligen berühmten Aktionen mit seiner Frau gemeinsam nackt auf der Bühne "I bin verruckt!!!" zu schrein. :D


    Das Portrait finde ich sehr gut gemacht, der Sprecher erzählt aus der Sicht Guldas (wahrscheinlich aus einer damals erschienen Autobiographie), es werden zeitweise aus den verschiedensten Lebensabschnitten Interview-Ausschnitte, Aufführungen und Fotos gezeigt. Sehr schön m.M. nach auch der Schluss gemacht, die am Anfang in einer Reihe aufgestellten und nacheinander eingeschalteten Fernseher werden zum Schluss zur Originalstimme Guldas "...und ich verbitte mir ausdrücklichst einen Nachruf usw...." (sinngemäß) ausgeschaltet während man am Ende der Reihe zum Tonband stösst das nach seinem letzten Wort reisst.


    Kann ich nur jedem empfehlen (nicht nur Gulda-"Freaks")


    lg
    Thomas

    „Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.” (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Paul Gulda arbeitet wohl zur Zeit an einer Biografie über seinen Vater.
    Und es gibt, wie dieser Artikel aus Münster besagt, wohl keine Aufnahme des Zweiten Klavierkonzerts von Johannes Brahms mit Friedrich Gulda.


    "http://www.muensterschezeitung.de/nachrichten/kultur/art2551,506379"

    Freundlicher Gruß
    Alexander

  • Werte Forianer,


    neben dem Beethoven-Zyklus von 1968 (Amadeo), den etwas späteren DECCA-Aufnahmen von 1973 (meines Wissens hat Gulda da nur eine Auswahl aufgenommen, oder?) ist nun ein früherer Sonaten-Zyklus in Mono von 1955-57 erschienen. Bisher sind Vol I und II erhältlich, also insgesamt vier CD's:



    und



    Leider ist den CD's nicht zu entnehmen, ob es sich dabei um einen vollständigen Zyklus handelt. Kommt da noch mehr raus?


    Der Klang ist für eine Mono-Aufnahme ok, das Spiel erscheint mir beim ersten Reinhören wilder & lebendiger als die doch etwas einseitig motorisch angelegten Amadeo-Aufnahmen (mit denen ich nie etwas anfangen konnte). Die Tempi sind natürlich dennoch extrem (bspw. 1. Satz op. 106 unter 10 Min).


    Viele Grüße,
    Christian

  • Eine meiner neuesten Lieblings-CDs ...

    mit zwei bisher unveröffentlichten (privaten) Konzertmitschnitten,
    für Freunde von Gulda ein echtes "must-have".


    LG Günter

    Ja ja, nicht jeder, der die Bretter, die die Welt bedeuten, betritt, merkt, dass er auf dem Holzweg ist. (Heinz Erhardt)

  • meine momentane Lieblingswiedergaben mit Gulda


    Bach: Wohltemperierte Kalvier I + II (ca. 1973, Studio)
    Beethoven Klavierkonzert Nr. 4 Livemitschnitt aus Hamburg 1993
    Debussy: Preludes I + II (Studio)
    Beethoven Sonate Nr. 29 : der dritter Satz: Adagio sostenuto (die anderen Sätze mag ich lieber mit anderen Wiedergaben)



    :hello:

  • Liebe Taminos !


    In dem kleinem Eckerl mit Klaviermusik hat eine Gulda CD einen Ehrenplatz, sie läuft auch gerade wieder mal.


    Ich habe eine alte amadeo-CD unter dem Titel "Der Wanderer", die mir ganz besonders ans Herz gewachsen ist. Darauf sind auch die G`schichten aus dem Golowienerwald (Ersteinspielung ?, Spieldauer 19,44). :jubel:


    Da nur ein Begleittext von Karl Löbl, aber kein Aufnahmedatum beiliegt, kann mit jemand etwas über diese Aufnahmen sagen ?


    Euer - beschwingter - Operngernhörer :hello:

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

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