Summ, summ - das Insekt in der Musik

  • Hallo!


    Kurz vor dem kalendarischen Ende des Sommers noch ein letzter (?) "Sommer-thread". Ich hatte die Idee schon vor langem, als derartige threads aktuell waren, aber dieser thread hat mich wieder daran erinnert.


    Ich bringe gleich mal das wohl prominenteste Beispiel eines Insekts in der Musik: Der Hummelflug aus der Musik zu "Zar Saltan" von Rimsky-Korsakow.


    Ich bin gespannt, was noch so gepostet wird und hoffe, Alfred läßt diesen thread durchgehen, Präzedensfälle gibts ja...


    Viele Grüße,
    Pius.


  • Händel, Israel in Egypt: "And there came all manner of flies"
    es gibt auch "and the land brought forth frogs" -> Quak, quak - Reptilien und Amphibien in der Musik :rolleyes:


    Beethoven, Mussorgsky (und auch in Berlioz Damnation enthalten): Mephistos Flohlied aus Goethes Faust


    Johann oder Josef Strauß: Die Libelle (eine sehr schöne lyrische Polka mazur[?)])


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat


    Johann oder Josef Strauß: Die Libelle (eine sehr schöne lyrische Polka mazur[?)])


    Eine kurze Internet-Recherche ergab: Strauss, Josef: Die Libelle, Polka Mazurka.

  • Hallo,


    ich erinnere an Orpheus in der Unterwelt, wo sich Zeus in eine Fliege verwandelt, um sich der Angebeteten Eurydike nähern zu können. Eine der köstlichsten Szenen von Offenbach!

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Schwirren und Summen ist zu vernehmen in Arvo Pärts "Wenn Bach Bienen gezüchtet hätte..." !

    Das geht über das Sagbare hinaus. Das läßt sich nicht deuten und bedarf keiner Deutung. Es kann nur gehört werden. Es ist Musik. (H.H.Jahnn)

  • Zitat

    Johann oder Josef Strauß: Die Libelle (eine sehr schöne lyrische Polka mazur[?)])


    Zitat

    Eine kurze Internet-Recherche ergab: Strauss, Josef: Die Libelle, Polka Mazurka.


    ist identisch, beide Schreibweisen sind richtig


    LG


    Alfred


    BTW:


    Internetrecherchen sind stets mit Vorsicht zu genießen, vor allem wenn es um die Schreibweise von Begriffen geht. Da finden sich zumeist etliche Fassungen - die meisten sind falsch.


    Beispiel:


    Die ultimative Lösung für die meissten Probleme ......


    von daher haben die meißten nicht immer eine kriminelle Wurzel, sondern einfach nur das Pech sowelche "Leute" (Faker) wie mich zu haben, die eine falsche Nr eintragen lassen....


    @Zettera @Zettera :baeh01:

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Hallo,


    eine weitere Insekten-Musik stammt von Ralph Vaughan Williams (1872-1958). Seine Schauspiel-Musik 'The Wasps' - nach Aristophanes' Komödie 'Sphekes' ('Die Wespen') - für Tenor, Bariton, Männerchor und Orchester (1909) hat er im selben Jahr zu einer gleichnamigen "aristophanischen Suite" für Orchester arrangiert.
    Die darin enthaltene zehnminütige tänzerisch-beschwingte Ouvertüre, in der die Wespen nur zu Beginn lautmalerisch vom Orchester nachgeahmt werden, erfreute sich beim Publikum schon immer großer Beliebtheit.


    Schöne Grüße
    Johannes

  • Hallo!


    Vivaldis "Vier Jahreszeiten" sind auch hier zu nennen:
    Der 2. Satz des Sommers (Adagio) beschreibt eine sommerliche Ruhepause (Siesta), immer wieder gestört durch kurze, schnelle, unruhige Passagen (klingt wie ein Brummen). Diese sollen lästige Fliegen und ähnliche Insekten darstellen.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Da wurde ja seit Jahren nichts mehr geschrieben... - also mache ich mal ein bisschen Werbung für Strauss-Lieder:


    Richard Strauss schrieb die meisten seiner Lieder zwischen 1882 und 1905. Offensichtlich war der gerade mal 18-jährige Richard Strauss von den Gedichten des österreichischen Dichters Hermann von Gilm zu Rosenegg (1812-1864) so angetan, dass er dem Sammelband »Letzte Blätter« acht Gedichte entnahm und vertonte. Da waren eine Menge Gefühle in Musik zu setzen: Besinnlichkeit, Schwärmerisches und sogar etwas Sentimentalität.


    Wer 4:16 Minuten Zeit investiert, kann das Lied auf YouTube mit Peter Anders / Hubert Giesen hören.


    Die Georgine
    Warum so spät erst, Georgine?
    Das Rosenmärchen ist erzählt,
    und honigsatt hat sich die Biene
    ihr Bett zum Schlummer ausgewählt.


    Sind nicht zu kalt dir diese Nächte?
    Wie lebst du diese Tage hin?
    Wenn ich dir jetzt den Frühling brächte,
    du feuergelbe Träumerin,


    wenn ich mit Maitau dich benetzte,
    begöße dich mit Junilicht,
    doch ach, dann wärst du nciht die Letzte,
    die stolze Einzige auch nicht.


    Wie, Träum'rin, lock' ich vergebens?
    So reich' mir schwesterlich die Hand,
    ich hab' den Maitag dieses Lebens
    wie du den Frühling nicht gekannt;


    und spät wie dir, du Feuergelbe,
    stahl sich die Liebe mir ins Herz;
    ob spät, ob früh, es ist dasselbe
    Entzücken und derselbe Schmerz.


  • Modest Mussorgsky (1839-1881) hat im dritten Lied des Liederzyklus "Die Kinderstube" dem brummend fliegenden Käfer (russisch Zhuk) ein kleines klingendes Denkmal gesetzt.


    Ein Kind rennt aufgeregt zum Kindermädchen, um vom Abenteuer zu berichten, das ihm geschehen ist. Als das Kind eine Hütte baute, ist ein riesiger Käfer angeflogen gekommen und ist mit dem Kind zusammengestossen. Nun liegt er auf dem Rücken.



    .

    „Wie wenig gehört zum Glücke! Der Ton eines Dudelsacks. – Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum. Der Deutsche denkt sich selbst Gott liedersingend.“ Friedrich Nietzsche

    Einmal editiert, zuletzt von moderato ()

  • Hier der von Mussorgskys selbst verfasste Text des Käfer-Liedes.


    Njanja, Njanjuschka! Denk, wie schrecklich, liebste Njanjuschka!
    Saß und spielte auf dem Sande, bei der Laube, unter‘n Birken, baut’ ein Häuschen aus den
    schönen Ahornspänen, weißt du, die Mamachen
    selber mir noch zugeschnitten. Fertig war bereits das Häuschen, mit ‘nem Dach drauf, ganz ein
    richt’ges Häuschen... da! Sitzt auf dem Giebel ein Käfer,
    denk! So’n schwarzer, groß und dick,
    fürchterlich, bewegt seinen Schnurrbart
    immerzu und sieht fortwährend an
    mich böse! Oh erschrak ich da!
    Und plötzlich brummt laut er... Breitet seine Flügel,
    und auf mich zu fliegt er... Und einen Schlag versetzt
    an die Schläfe er mir! Ich duckte nieder, Njanjuschka, und saß
    und wagte kaum zu atmen! Mit einem Auge nur
    schielte ich hin.

    .

    „Wie wenig gehört zum Glücke! Der Ton eines Dudelsacks. – Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum. Der Deutsche denkt sich selbst Gott liedersingend.“ Friedrich Nietzsche

  • Franz Schubert hat einen Text Friedrich v. Schlegels vertont:


    op. 57, D. 633


    Der Schmetterling


    Wie soll ich nicht tanzen,
    Es macht keine Mühe,
    Und reizende Farben
    Schimmern hier im Grünen.


    Immer schöner glänzen
    Meine bunten Flügel,
    Immer süßer hauchen
    Alle kleinen Blüten.


    Ich nasche die Blüten,
    Ihr könnt sie nicht hüten.


    Wie groß ist die Freude,
    Sei's spät oder frühe,
    Leichtsinnig zu schweben
    Über Tal und Hügel.


    Wenn der Abend säuselt,
    Seht ihr Wolken glühen;
    Wenn die Lüfte golden,
    Scheint die Wiese grüner.


    Ich nasche die Blüten,
    Ihr könnt sie nicht hüten.



    „Wie wenig gehört zum Glücke! Der Ton eines Dudelsacks. – Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum. Der Deutsche denkt sich selbst Gott liedersingend.“ Friedrich Nietzsche

    Einmal editiert, zuletzt von moderato ()

  • Schostakowitschs Bremse, eine Filmmusik, die in Suitenform besser bekannt ist unter ihrer englischen Bezeichnung "gadfly".


    In wie weit sich der Titel dieses Werkes nun auf ein echtes Insekt bezieht oder als Synonym für einen menschlichen Störenfried dient, kann ich nicht sagen, da ich zwar die Musik, nicht aber den Film kenne.




    John Doe
    :hello:


  • Edvard Grieg lässt in den Lyrischen Stücken op. 43, Nr. 1 einen Schmetterling flattern.


    Svjatoslav Richter, Piano



    .

    „Wie wenig gehört zum Glücke! Der Ton eines Dudelsacks. – Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum. Der Deutsche denkt sich selbst Gott liedersingend.“ Friedrich Nietzsche

    Einmal editiert, zuletzt von moderato ()


  • Mit "Moths And Butterflies" (Motten und Schmetterlinge) ist der dritte Satz in Edvard Elgars zweiter Suite "The Wand of Youth" überschrieben.


    New Zealand Symphony Orchestra, Judd



    .

    „Wie wenig gehört zum Glücke! Der Ton eines Dudelsacks. – Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum. Der Deutsche denkt sich selbst Gott liedersingend.“ Friedrich Nietzsche

    3 Mal editiert, zuletzt von moderato ()

  • Beim Durchsuchen in meinem CD-Bestand bin ich auf diese Scheibe gestossen: Emile Sauret, (1872-1920) ein vergessener Geiger und Komponist hat in seinem Opus 40, Nr. 3 ebenfalls einen Schmetterling, auf Italienisch Farfalla, musikalisch beschrieben.


    .

    „Wie wenig gehört zum Glücke! Der Ton eines Dudelsacks. – Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum. Der Deutsche denkt sich selbst Gott liedersingend.“ Friedrich Nietzsche

    2 Mal editiert, zuletzt von moderato ()

  • Gleich zwei Insekten kommen in diesem Musikwerk vor. Strekoza i muraveĭ nennt sich eine Fabel Iwan Andrejewitsch Krylows, die Dmitri Schostakowitsch in seinem Opus 4 vertont hat. Die Libelle und die Ameise (стрекоза heisst Libelle, муравей Ameise)


    Sie folgt der Fabel Äsops, in der die fleissige Ameise während des Sommers ihre Vorräte sammelt und die Grille sich einen schönen Sommer macht. Der Rest dürfte bekannt.




    .

    „Wie wenig gehört zum Glücke! Der Ton eines Dudelsacks. – Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum. Der Deutsche denkt sich selbst Gott liedersingend.“ Friedrich Nietzsche

    2 Mal editiert, zuletzt von moderato ()

  • Entomologen und Freunde von Arachniden kommen in Roussels Ballett(musik) Le festin de l'araignée (Das Festmahl der Spinne) auf ihre Kosten. Laut Beiheft treten außer der Spinne Ameisen, Mistkäfer und eine Eintagsfliege, die umgehend ihr Leben aushaucht, auf. Ein Schmetterling wird im Netz gefangen, schließlich wird die Spinne von einer Gottesanbeterin getötet. Die Ameisen vollführen einen Trauermarsch und am Ende gibt es auch noch Glühwürmchen.



    (soweit ich sehe nicht das komplette Stück)


    Glühwürmchen bringen mich natürlich auf den unvergessenen Schlager "Glühwürmchen-Idyll" von Paul Lincke. Überhaupt sind in der Unterhaltungsmusik Insekten vielleicht noch häufiger anzutreffen (birds do it, bees do it, even educated fleas do it).



    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)


  • Kalevi Ahos 7. Symphonie wird auch gerne
    als Insekten-Symphonie bezeichnet,
    weil er in den einzelnen Sätzen verschiedene
    Insekten-Arten beschreibt, z B Ameisen,
    Mistkäfer, Schmetterlinge und Eintagsfliegen.

    Schenke deinen Mitmenschen ein Lächeln, und du bekommst ein Lächeln zurück.
    The Smiler

  • Ich bin daran, ein Oboen-Rezital zusammenzustellen für eine Aufführung mit einem befreundeten Pianisten und mir die Noten zum Studium herauszusuchen und für die gemeinsamen Proben bereitzulegen.


    Ich erinnerte mich an diesen Thread, denn zwei kurze Stücke mit Insekten hat Benjamin Britten (1913-1976) komponiert, die hier noch nicht erwähnt wurden: Enthalten sind sie in Two Insect Pieces für Oboe und Klavier (1935). Die Nummer 1 nennt sich The grashopper, die Nummer 2 heisst The wasp.



    .

    „Wie wenig gehört zum Glücke! Der Ton eines Dudelsacks. – Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum. Der Deutsche denkt sich selbst Gott liedersingend.“ Friedrich Nietzsche

    2 Mal editiert, zuletzt von moderato ()


  • Gidon Kremer hat mit Oleg Heisenberg ein Violin-Recital eingespielt, in dem die Grille und der Grashüpfer vorkommen. So sehen diese Insekten aus:


    234371-Grille.jpg


    Grasshopper_2.JPG



    In den Impression d'enfance op. 28 von George Enescu (1881-1955) ist ein Satz mit Grillion überschrieben.


    Es beginnt bei 12 min 25 s.




    Peteris Plakidis (*1947) hat zwei Grashüpfer Tänze für Violine solo komponiert.
    .

    „Wie wenig gehört zum Glücke! Der Ton eines Dudelsacks. – Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum. Der Deutsche denkt sich selbst Gott liedersingend.“ Friedrich Nietzsche

    Einmal editiert, zuletzt von moderato ()


  • Jean Francaix: L'insectarium für Cembalo


    Quasi onomatopoetische Musik voller Witz und Charme.


    Ob ich das (nach überschaubarer Zeit) auf dem Klavier spielen kann? Die Erfahrung mit Francaix nimmt mir ein wenig die Sicherheit.


    Hören kann ich es auf Kassette oder auf youtube. Ansonsten finde ich - auf die Schnelle! - keine CD.



    http://www.youtube.com/watch?v=qgln1jaXSa0


    :hello: Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Jede Menge Insekten, die auch auftreten, gibt es im ersten und letzten Bild von Janaceks "Schlauem Füchslein", natürlich mit der entsprechenden Musik

    Ich habe noch nicht alle Musik gehört. Aber sie steht auf meiner Liste (frei nach Susan Sontag)


  • Hier noch nicht genannt wurde "das Flohlied", Text von Johann Wolfgang von Goethe, aus "La Damnation de Faust" (Fausts Verdammnis) von Hector Berlioz, in dieser Einspielung sehr schön von Franz Hawlata gesungen. Vor über 50 Jahren habe ich es von Gustav Gründgens gehört.
    Die Abbildung auf dem Cover müsste auch Gustav Gründgens zeigen.


    Liebe Grüße


    Willi :D

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Lange hat sich in diesem Thread nichts mehr ereignet. Zeit es mit einem weiteren Insekten-Werk zu beleben. Ich bin im Was-hört-ihr-gerade-jetzt-Thread auf ein Insekten-Werk gestossen.


    Ein veritables Violinkonzert hat Joseph Holbrooke (1878-1958) komponiert, das den Titel "The Grashopper" trägt. Sein einziges Werk dieser Gattung "atmet unbeschwerte Leichtigkeit und ist voll rhythmischer Launenhaftigkeit, wie es schon der Titel suggeriert". Soweit die Beschreibung aus der Produktinformation des Werbepartners.



    Das Insekt aus der Familie der Acrididae sieht so aus:


    GettyImages-155095890-58324eff3df78c6f6a97fa76.jpg

    „Wie wenig gehört zum Glücke! Der Ton eines Dudelsacks. – Ohne Musik wäre das Leben ein Irrthum. Der Deutsche denkt sich selbst Gott liedersingend.“ Friedrich Nietzsche

    Einmal editiert, zuletzt von moderato ()