Glocken, Glockenklänge und Glockenimitationen in der Musik

  • Hi , Georgius!


    Dieses mal teile ich deine meinung leider gar nicht. Ich finde die symphonien mit schwung und power gespielt und mir gefallen sie sehr. :O


    Aber wäre doch auch langweilig, wenn jeder dieselbe meinung hätte, oder ;)


    LG florian


    :hello:

    Gustav Mahler: "Das Wichtigste in der Musik steht nicht in den Noten."

  • Ich meine ja weniger die Interpretation (1A) als vielmehr die Klangqualität.

    Früher rasierte man sich wenn man Beethoven hören wollte. Heute hört man Beethoven wenn man sich rasiert. (Peter Bamm)

  • Guten Abend


    J. H. Schmelzer (ca. 1620-1680) komponierte 1657 auf den Tod von Kaiser Ferdinand III ein "Lamento sopra la morte Ferdinandi a tre". Im ersten Abschnitt wird um den Toten geklagt, im zweiten Abschnitt erklingt die Totenglocke, zum Schluss wird noch ein deftiger Leichenschmaus musikalisch angedeutet. Das Programm des Werkes "Trauer-Totenglocke-Kirchgang-Leichenschmaus" ist halt typisch Barock !
    Hervorragend eingespielt hat diese Sonate 1977 die "Musica antiqua Köln" :jubel: :jubel:


    vom "Freiburger Barockorchster Consort" gibts diese



    Aufnahme davon.


    Gruß aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Noch etwas in dieser Richtung, allerdings wird die Totenglocke hier nur durch ein anderes Instrument angedeutet:


    Johann Sebastian Bach, Kantate BWV 8 "Liebster Gott, wann werd ich sterben", Eingangschor


    Diese merkwürdigen Tonwiederholungen der Traversflöte in hoher Lage stellen - so habe ich es in einer Werkeinführung gelesen - die Totenglocke dar.


    Die gleiche Figur taucht auch bei Johann Jakob Froberger auf - etwas weniger auffällig am Schluss der "Lamentation faite sur la mort tres doloureuse de Sa Majeste Imperial, Ferdinand le troisieme" für Cembalo (gleicher Anlass wie bei Biber, aber hier entfällt der Leichenschmaus).


    Viele Grüsse von Fugato

  • Hat schon jemand die Gralsglocken in Wagners Parsifal erwähnt?
    Welche Glocken hört man im Parsifal in der Wiener Staatsoper? Ich war heute Abend dort, und das Geläut war wieder einmal gewaltig, sehr beeindruckend, vor allem mit dem Orchester und besonders im 3. Akt; kommt aber aus Lautsprechern.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • ...und dann erst die Mittagsglocke in "Königskinder". Wow, als ich die das erste Mal live gehört habe, da hat das ganze Opernhaus vibriert.


    Wunderbar auch der Epilog bei "Ivan Susanin". Als ich das im Bolshoi gesehen habe, war ich ganz begeistert, da bimmelt's, gongt und klingt es aus allen Ecken und Enden.


    Und als Kölner liebe ich natürlich unseren "Dicken Pitter" - die Kölner Domglocke - und die kann man auch hören bei der "Königskinder"-Einspielung mit Fischer-Dieskau. :yes:


    :hello:
    Knuspi

  • Die sechste Klaviersonate von Samuel Feinberg, 1923 komponiert, trägt als Motto ein Zitat aus Oswald Spenglers erstem Band aus Der Untergang des Abendlandes:
    "...schauerliche Symbole der rinnenden Zeit, deren Tag und Nacht von zahllosen Türmen über Westeuropa hallende Schläge vielleicht der ungeheuerste Ausdruck sind, dessen ein historisches Weltgefühl überhaupt fähig ist."


    Der Klaviersatz zeigt eine entfernte Verwandschaft zum Schlussstück aus Rachmaninoffs zweitem Buch seiner Préludes (Opus 32). Das Klangbild der Glocken erzeugt Feinberg durch die Nutzung aller Register des Klaviers und durch Akkorde mit zahlreichen Alterationen, chromatischen Veränderungen und hinzugefügten Noten. Diese erinnern beim ersten Durchsehen weniger an Messiaens Modi als an Skrjabins sechste bis zehnte Sonate. Die Stimmung der Sonate ist aufwühlend düster, teilweise stürmisch bewegt, mit einem ruhigen Schluss in H-Dur.

  • Ein hochprominentes Stück fehlt mir hier noch auf der Liste: die "Abendglocken", jenes russische Volkslied, das durch den Chor der Don Kosaken unter der Ltg. von Sergej Jaroff hierzulande bekannt geworden ist. Markant waren hier die rabenschwarzen Bässe, über denen zumeist der Gesang eines oder mehrerer Contertenöre schwebte. Wer das sucht, ist mit dieser CD bestens bedient, bei der es sich offenbar um des Reprint einer in den 1960er Jahren stereophon aufgenommenen Polydor-Platte handelt (die bekannten DGG-Singles und 10' inch LP's waren alle mono):



    alternativ empfehle ich



    Und um auf Schostakowitsch zurückzukommen: Kitaenko betont in seiner Einspielung der 11. Sin fonie im vierten Satz die Glocken so, daß er mit dem Nachhall der Glocke nach dem Verklingen des letzten Tones endet. Das ist gewiss technisch manipuliert, aber nicht minder faszinierend.



    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Generell finde ich Glockenimitationen durch andere Instrumente interessanter als die Verwendung von Gocken im Ensemble. In der Barockmusik gabe es das doch häufig, meistens in Trauermusiken.


    Ein schönes Beispiel ist der Tombeau sur la mort de Mr. de Logy von Sylvius Leopold Weiss, den es in mehreren Einspielungen gibt, u.a. von Hopkinson Smith (Astrée) und Konrad Junghänel (Accent).


    Aber auch in Maurice Ravels Klavierstück Le Gibet höre ich eine einsame Totenglocke (manche sehen darin das Baumeln des Toten am Galgen, aber das kann man ja nicht hören ...).

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Genau, Glockenimitationen auf dem Klavier kommen immer gut.


    Zwei meiner Lieblingsstücke aus dem 19. Jahrhundert:


    Das letzte aus Schumanns Papillons - in den "Großvatertanz" klingen die Morgenglocken herein und bringen das Treiben zu einem wunderbar verklingendem Ende. "Die Turmuhr schlägt Sechs", hat Schumann dazu notiert.


    Zweitens das letzte Stück aus dem ersten Band der "Années de pèlerinage" von Liszt: Les cloches de Genève - Die Glocken von Genf. Da läutet es auf ganz unterschiedlichen Tonhöhen - ein poetisches, zart hymnisches Werk, das die Geburt der ersten Tochter Liszts (Blandine) feiert.


    Dazu ausnahmsweise ein Youtube-Link - Alfred Brendel, für mich gerade als Liszt-Interpret herausragend, nimmt sich hier des Stücks an:


    "http://de.youtube.com/watch?v=mZOxv09dK6s"



    Viele Grüße


    Bernd

  • Zitat

    Original von Thomas Pape
    Und um auf Schostakowitsch zurückzukommen: Kitaenko betont in seiner Einspielung der 11. Sin fonie im vierten Satz die Glocken so, daß er mit dem Nachhall der Glocke nach dem Verklingen des letzten Tones endet. Das ist gewiss technisch manipuliert, aber nicht minder faszinierend.


    Das ist gewiss technisch nicht manipuliert. Es gehört mit zum Charakteristikum von Glocken/Röhrenglocken, daß sie locker 10 Sekunden und mehr nachklingen können.
    Durch Abdämpfen mit der Hand kann der Nachklang beliebig verkürzt werden (je nachdem wo und wie stark man die Röhren berührt). Wobei ein (nahezu) natürliches Ausschwingen für mich fast immer vorzuziehen ist, vorausgesetzt,es gelingt der versammelten Orchestermannschaft, währenddessen still sitzenzubleiben.


    Gruß,
    Khampan

  • Guten Tag,


    letzt auf dieser



    Bach-CD gehört, die Tenor-Arie von ergreifender Schönheit in BWV 95 "Christus der ist mein Leben":


    "Ach schlage doch bald, selge Stunde,
    Den allerletzen Glockenschlag"


    Die instrumentale Führung liegt bei den Oboen, die Begleitfiguren der gezupften Streicher imitieren das Geläut der Sterbeglocken.


    Gruß :hello:


    aus der Kurpfalz


    Bernhard

  • Hallo Khampan,


    der Nachhall der Glocken ist gar nicht das Erstaunliche; eher schon, daß das Orchester bei diesem Live-Mitschnitt nicht nachklingt. Ich bilde mir jedenfalls ein, bei dem letzten Glockenschlag einen Schnitt auszumachen, auf den dann der Hall mit angehobenem Pegel folgt. Vielleicht kann das hier von anderen Besitzern dieser - wie ich finde - fabelhaften Aufnahme bestätigt werden.


    Diesen Effekt so auszukosten passt gut zu dem Gesamteindruck der Kitaenko-Deutung. Das brutale Gegenstück ist eine Live-Mitschnitt unter Mrawinsky Prag 1968 mit seinen Leningradern. Mit völlig anderer Glockenwirkung. Auf eine frühe Studioeinspielung unter Mrawinsky warte ich gerade (ist gerade auf dem Weg aus der SU nach hierher), Rhoschdestwensky, Barschai und Kondraschin haben auch diese Glockenbetonung nicht in der Form auf dem Programm.


    Aber schön klingt das allemal.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat

    Original von petemonova
    Schrieb nicht Schiller auch ein "Lied von der Glocke"?


    :D :D :D



    Schrieb er. Und - in weiser Voraussicht, dass es auch in diesen thread passen möge :pfeif: - wurde es von Max Bruch vertont.


    Dankenswerterweise hat Davidoff schon einen thread zu diesem Werk eröffnet:


    Max Bruch - Das Lied von der Glocke



    LG, Elisabeth

  • An zwei sehr markanten Stellen seines Don Carlos setzt Giuseppe Verdi Glocken ein:


    Zu Beginn des Autodafe im dritten Akt (ich zähle nach der fünfaktigen Fassung) und im Finale des vierten Akts beim Volksaufstand nach Posas Tod.



    LG, Elisabeth

  • Zitat

    Original von Frank Pronath
    Einer ist mir doch noch eingefallen: "Iberia" aus "Images pour orchestre" von Debussy. Auch hier beginnt der Feiertag ("Le matin d'un jour de fete") mit Glockenläuten.


    fp


    Wollte ich gerade nennen. Absolut reizvoll diese Stelle, nicht wahr? Von kurzer Dauer, dafür umso eindringlicher.


    Wulf

  • Nachdem die Cavalleria rusticana von Pietro Mascagni schon genannt wurde, dürfen I Pagliacci von Ruggero Leoncavallo als ihr Zwilling natürlich nicht fehlen.


    Im ersten Akt gibt es einen musikalisch wunderschönen Glockenchor, dessen Text allerdings - um mit Konrad Beikircher zu reden - ein Megaflop ist:


    CONTADINI e CONTADINE


    Don, din don, din don, etc.
    Din don, suona vespero,
    ragazze e garzon, din don!
    A coppie al tempio ci affrettiam!
    Din don, diggià i culmini
    il sol vuol baciar.
    Le mamme ci adocchiano,
    attenti, compar!
    Din don, tutto irradiasi
    di luce e d'amor!
    Ma i vecchi sorvegliano
    gli arditi amador!
    Din don, suona vespero,
    ragazze e garzon, din don, etc.



    LG, Elisabeth

  • Gerade gesehen, und da ich kaum noch Zeit habe, nur soviel:


    Vergesst Richard Strauss' DIE SCHWEIGSAME FRAU nicht. Im ersten Akt gibt es da die ganz wundervolle Klage des geräuschempfindlichen Sir Morosus über die Glocken:



    Die großen, die schweren,
    Die donnern und dröhnen,
    Die kleinen, die dünnen,
    Die plärren und stöhnen
    ...
    O die Glocken, die entsetzlichen Glocken
    Bald grölen sie um in die Kirche zu locken,
    !
    (Text: Stefan Zweig)


    Wie man sich denken kann, hat der Orchesterzauberer Richard Straus hier kräftig ins Geläut gegriffen.
    Allein wegen dieses Monologes wäre die Oper schon des Kennens wert, aber das ist noch lange nicht alles. :yes::jubel:


    :hello: Rideamus



    Zitat von der Moderation gekürzt um das Copyright zu wahren

  • Viel habt ihr ja nicht übrig gelassen, ich werde mal versuchen die letzten "Krumen aufzuklauben"....
    ...besonders aus der Sicht des Klaviermusikfreundes:


    aber sollte wirklich noch niemand bisher das berühmte Glöckchen "La campanella" von PAGANINI erwähnt haben. Es wurde ja nicht nur von Liszt auf das Klavier übertragen, sondern auch von Brahms, Rachmaninov oder Lutoslawski als Thema verwednet.


    Neben dem bereits erwähnten "Les chloches des Genève" von LISZT, gibt es weitere Glockenimitationen in den Funerailles (Harmonies poetiques et réligieuses ) -man höre Ogdon!- und den "Harmonies du soir" aus den 12 Études. Bis hin zum Glockenspiel aus dem Weihnachtsbaum


    Auch in GRIEGs Lyrischen Stücken findet sich ein naturalistisches Glockengeläut (op.54 Nr.6)


    Das Glockenmotive in der russischen Musik sehr beliebt waren, wurde bereits mehrfach erwähnt, sie finden sich nicht nur in MUSSORGSKIs "Großen Tor von Kiev" sondern auch in A. BORODINs "Petit Suite" oder S. LIAPUNOWs "Carillon" (12 Études Nr.3).


    Bei DEBUSSY finden sich Glockeneffekt nicht nur in den Images ("Chloches travers les feuilles"), sondern auch bei der versunkenen Kathedrale "La cathedrale engloutie" (Préludes I/11)


    Der erste Satz in HINDEMITHs Sonate für zwei Klaviere ist ebenfalls Glockenspiel betitelt.


    Daneben gibt es noch eine Vielzahl an kleineren Klavierstücken die wohl auch für den fortgeschrittenen klavierspielenden Laien interessant sind: KRENEK "Glocken im Nebel", P. EBENs "Zvony pred usnutim/ Glocken in der Nacht", CASELLAs "Carillon" oder WEYRAUCHs "Glockenspiel", etc.

    Hören, hören und nochmals hören: sich vertraut machen, lieben, schätzen.
    Keine Gefahr der Langeweile, im Gegensatz zu dem, was viele glauben, sondern vielmehr Seelenfrieden.
    Das ist mein bescheidener Rat. (S. Richter, 1978)

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Hallo!


    Noch nicht erwähnt wurde hier (wie ich durch geschicktes Verwenden der Suchfunktion herausfand) das Streichquintett C-dur op. 30 Nr. 6 von Luigi Boccherini, in dem durch Pizzicato-Spiel die Glockenklänge Madrids imitiert weden.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo, Frank!


    Zitat

    Original von Frank Pronath
    Wenn ich es richtig überblicke, wurde hier noch gar nicht Liszts/Paganinis La Campanella erwähnt - ich bin schockiert!


    Guck mal zwei Beiträge über Deinen! :rolleyes:


    Aber das Stück wurde wirklich erst spät erwähnt. Ich kam auch nicht drauf, obwohl ich es schon seit Urzeiten kenne.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo,


    beim Überfliegen der Beiträge fiel mir auf, dass folgendes Werk offenbar noch nicht genannt wurde:


    Boris Tischtschenko (*1939)
    Klaviersonate Nr.7 (C-Dur) op.85 mit Glocken (1982)


    Das dreisätzige Werk ist monumental, allein schon auf Grund seiner Spieldauer (über 50 Minuten). Tischtschenko komponierte es unter dem Eindruck des Todes eines Freundes. Nach seiner eigenen Aussage soll der langsame zweite Satz dessen Begräbnis darstellen, während das Finale die Rückkehr ins Leben symbolisiert. Die (verschieden gestimmten) Glocken selbst sollen (wie das Beiheft der mir vorliegenden CD-Einspielung berichtet) die "ewige und unbeugsame russische Seele" repräsentieren.


    Tischtschenko setzt sie sparsam ein; zwar beginnt die Sonate mit tiefen Glockenschlägen, aber ansonsten kommen die Glocken nur gelegentlich zum Einsatz: im ersten Satz in Form von periodischen Einsprengseln, im zweiten Satz zunächst gar nicht, nach etwas mehr als 14 Minuten dann aber im Rahmen einer längeren Passage. Das Finale schließlich, das ja wie erwähnt einen etwas anderen Kontext aufweist, bringt die eigentlichen Glocken gar nicht zum Einsatz, sondern lässt eines seiner Themen, eine Art Polka mit gewissen Anklängen an Schostakowitsch, am Ende vom Glockenspiel erklingen, bevor die Sonate zu einem leisen, unspektakulären Ende kommt - also hier quasi "kleine" Glöckchen als Symbol des Lebens im Kontrast zu den Quasi-Totenglocken der ersten beiden Sätze.


    Daneben verwendet auch der Klavierpart immer wieder Assoziationen an Glockenklänge, etwa mit mächtigen Akkorden, zum Teil in tiefen Lagen, zum Teil über die ganze Klaviatur verteilt, Arpeggien in hohen Lagen oder gewaltigen Quintschichtungen (letzteres etwa gegen Ende des ersten Satzes).


    Stilistisch ist die Sonate typisch für ihren Komponisten: Tischtschenko führt kleine, zum Teil erst mal fast banal erscheinende Motive ein, die er vielfältig beleuchtet, verzerrt und mit Dissonanzen überdeckt. Diese Tonsprache ist (jedenfalls in ihren Grundlagen) tonal, aber schon recht eigenwillig. Die Länge der Sonate ist durchaus typisch für Tischtschenko und kann mit seinem generellen Hang zu ausgiebigem "Monologisieren" erklärt werden. Zu gegebener Zeit werde ich an anderer Stelle ausführlicher auf diesen hochinteressanten Komponisten eingehen.


    Erhältlich in einer Einspielung mit Sedmara Zakarian Rutstein am Klavier und Michael Rosen an den Glocken:



    Viele Grüße
    Holger

  • Zitat

    Original von Pius


    Guck mal zwei Beiträge über Deinen! :rolleyes:


    Hallo,
    sorry - ich habe wohl ein wenig zu schnell den Thread "gescrollt"...


    Aber einen hab' ich noch:
    "Las Campanas del Amanecer" (Die Glocken der Dämmerung) aus "El amor brujo" von Manuel de Falla:
    "Ya está despuntando el dia!
    Cantad, campanas, cantad!
    que vuelve la loria mia!"


    Viele Grüße
    Frank

  • Habe ich da etwas übersehen? Das Violinkonzert von Siegfried Köhler taucht hier noch nicht auf. Leider ist es nur schwer greifbar. Selten habe ich einen Glockenakkord so stimmungsvertiefend gehört wie hier im ersten Satzt dieses Spätwerkes von Köhler.


    Hat jemand eine Idee, ob das Werk auch als CD greifbar ist resp. eine Veröffentlichung geplant ist?


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat

    Original von Thomas Pape
    Habe ich da etwas übersehen? Das Violinkonzert von Siegfried Köhler taucht hier noch nicht auf. Leider ist es nur schwer greifbar. Selten habe ich einen Glockenakkord so stimmungsvertiefend gehört wie hier im ersten Satzt dieses Spätwerkes von Köhler.


    Hat jemand eine Idee, ob das Werk auch als CD greifbar ist resp. eine Veröffentlichung geplant ist?


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:


    Hallo Thomas,


    stimmt, dieses Werk müsste man hier natürlich auch nennen. Neben dem Einsatz wirklicher Glocken werden ja noch zahlreiche Klänge verwendet, die eindeutig an Glocken gemahnen - etwa die absteigenden, pendelnden Bewegungen in Harfe und Vibraphon. Meiner Meinung nach ist überhaupt das ganze Konzert sehr stimmungsvoll. Von den Glockenstellen finde ich persönlich folgende besonders beeindruckend: im zweiten Satz folgt auf den chaotischen Aufschrei zu Beginn eine langgezogene, klagende Melodie in den Celli, die dann nach gut einer Minute zum Einsatz der Solovioline nach fis-moll "herabsinkt". Dies wird von einem leisen Glockenschlag begleitet. Die Magie dieses Momentes ist unglaublich.


    Leider, leider weiß ich von keiner geplanten CD-Veröffentlichung, wenn, würde ich die CD ja sofort kaufen. Die Fünfte Sinfonie und das Violinkonzert auf einer CD, das wäre wirklich grandios... Der späte Köhler sagt mir generell sehr zu. Nach seinen traditionelleren, jugendlich-frischen früheren Werken und seiner avantgardistisch angehauchten Phase in den 1970er Jahren hat er hier meiner Meinung nach zu einem sehr persönlichen Tonsprache gefunden, die einerseits den rhythmischen Vorwärtsdrang seiner frühen Kompositionen in sich trägt, andererseits modernere Kompositionstechniken nicht ausklammert und dadurch eine besonders große Expressivität aufweist. Übrigens hat sich Köhler stets zu den Idealen des Sozialistischen Realismus bekannt.


    Besonders spricht mich die "ethische" Komponente des Spätwerks an: die tiefe Sehnsucht nach Schönheit, Frieden und Harmonie, die seine Musik vermittelt. Im Violinkonzert wird diese Vision letztlich vom Strom der Zeit mitgerissen, in der Fünften Sinfonie "PRO PACE" entwirft der Schlusssatz gerade das Bild einer solchen Welt - ein Bekenntnis zu Frieden und Menschlichkeit. Und das übrigens ganz, ohne in Platitüden zu verfallen.


    Viele Grüße
    Holger

  • Zitat

    Original von Jacques Rideamus
    Vergesst Richard Strauss' DIE SCHWEIGSAME FRAU nicht. Im ersten Akt gibt es da die ganz wundervolle Klage des geräuschempfindlichen Sir Morosus über die Glocken:


    Hallo,


    Ja, vergesst Richard Strauss nicht: Rosenkavalier, Zeitmonolog der Marschallin - der Glockenschlag der Uhr, der sich nicht aufhalten lässt.


    Und Eugen D'Albert, Tiefland.


    Ein wunderbares Thema, diese Glockenklänge...


    Lg, Leporellina

    leporellina


    Musik machen ist ein erotischer Akt, weil es mit Wollen, mit Leidenschaft zu tun hat. Daniel Barenboim

  • Gerade fällt mir eine wunderbare Imitation eines Carillon, also eines Turmglockenspiels, ein:


    Le carillon de Cithère, aus dem 14eme ordre, 3me Livre, von Francois Couperin


    Wunderbar von Pierre Hantai umgesetzt:



    Wahrscheinlich gibt es noch mehrere Carillon-Stücke von Cembalisten, mir fällt auf Anhieb nur noch Carillon Dunkerque von Michel Corrette ein, aus Les Amusements du Parnasse, zu hören auf


  • Natürlich fehlt auch das für die Entstehungszeit sehr überraschende Glockengetöse in John Fields 5tem Klavierkonzert:



    Eine himmlisch-dramatische Stelle!


    :faint: :jubel: 8o


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

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