das allerallerallerschlimmste: husten im konzert

  • Am Samstag war es wieder soweit. Kurz nach 18.00 Uhr begann Stefan Soltesz in Essen mit dem "Tristan"-Vorspiel. Sehr langsam, sehr getragen. Es ist still im Saal. Die Violoncelli setzen ein, die Holzbläser übernehmen, lange Pause. Genau in diese Pause hinein bellt ein einsamer Huster die Stimmung kaputt - lieber Unbekannter, wir danken dir X(!

  • Höre gerade Schuberts Große C-Dur 12. 5. 43 Stockholm, Wiener Philharmoniker mit Furtwängler. Alles könnte so schön sein - nur EINMAL, in der Exposition des ersten Satzes, hustet so eine dämliche Tante mitten ins pianissimo! Alles aufnahmezeitbedingte Knacken und Knirschen macht mir nichts aus, aber Husten löst bei mir sofort unappetitliche Assoziationen aus. Ich möchte mich in der Zeitmaschine zurückversetzen, um die Leute kräftig zu schütteln und sie dann zum Arzt zu schicken. :angry:


    Damit ist für mich die ansonsten perfekte Aufnahme unhörbar, nur wegen des einen Hustens. Ich würde mich bei jedem Hören mehr aufregen, als ich die Musik genießen könnte. :angry:


    Ich höre gerade, im 4. Satz wird auch noch munter gehustet. Und am Ende auch noch Applaus... Konzertmitschnitte sind echt das letzte. :angry: ;)

    „People may say I can't sing, but no one can ever say I didn't sing."
    Florence Foster-Jenkins (1868-1944)

  • Zitat

    Original von Draugur
    Alles aufnahmezeitbedingte Knacken und Knirschen macht mir nichts aus, aber Husten löst bei mir sofort unappetitliche Assoziationen aus.


    Mir geht es anscheinend genauso. :beatnik:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Keith Jarrett hatte ja kürzlich einen seiner raren Improvisations-Soloauftritte in der Alten Oper Frankfurt. Habt Ihr auch die Zeitungsberichte gelesen? Das Publikum war schon vorgewarnt - Jarrett hasst Störgeräusche aller Art, insbesondere aber Husten. Trotzdem hat es wohl zu Anfang einige Hustengeräusche gegeben (die Rezensenten waren sich nicht einig, ob es sich um Unwissende handelte oder um tatsächlich nicht steuerbare vegetative Reflexe). Jedenfalls unterbrach Jarrett sein Klavierspiel augenblicklich und traktierte das Publikum mit einer Philippika, in der er anscheinend das Publikumshusten im Kontext des allgemeinen Kulturverfalls verortete. Er hat wohl auch kurzzeitig den Saal verlassen (alle befürchteten einen Abbruch des Konzerts), spielte aber dann weiter. Das Publikum soll für den Rest des Abends mucksmäuschenstill gewesen sein.


    Wobei das noch harmlos war: bei einem länger zurückliegenden Konzert in Perugia soll Jarrett in einer ähnlichen Situation das Publikum mit einschlägigen obszönen A- und F-Wörtern beschimpft haben.


    Die Reaktionen auf solche Vorfälle gehen naturgemäß auseinander, man mag das zu Recht übertrieben finden. Trotzdem glaube ich, dass es manchmal helfen würde, wenn ein Künstler persönlich 2-3 Sätze an sein Publikum richten würde. Alfred Brendel z.B. hätte sich so möglicherweise einige Falten erspart... Zur Not könnte sich auch vor dem Konzert/der Aufführung jemand anders (Intendant; oder einfach per Lautsprecher wie bei der üblichen Handy-Ansage) in diesem Sinne an das Publikum wenden. Wirkungsvoller als ein dezenter Hinweis im Programmheft wäre das allemal.



    Viele Grüße


    Bernd

  • Hallo.


    "Liebe Konzertbesucher,


    die Akustik in diesem Saal ist so gut, dass auch Nebengeräusche für alle deutlich hörbar sind. Husten beeinträchtigt die Konzentration der Künstler und den Musikgenuss der Zuhörer. Bitte versuchen Sie, Husten und Räuspern während des Konzerts zu vermeiden (Bonbons!) - die Lautstärke lässt sich übrigens durch den Gebrauch eines Taschentuchs deutlich dämpfen..."


    So ist es in jedem Programmheft der Berliner Philharmoniker - illustriert mit einer anschaulichen Zeichnung eines hustenden Knollennasenmännchens von Loriot - abgedruckt. Gleichwohl ist es unnötig zu erwähnen, dass gestern sogar im Adagio von Mahlers 9., genauer zu dessen leise verklingenden Ende, auch wieder Huster in die Beinahe-Stille explodierten. Nun ja.


    Gruß, Ekkehard.

  • Zitat

    Original von lohengrins
    So ist es in jedem Programmheft der Berliner Philharmoniker - illustriert mit einer anschaulichen Zeichnung eines hustenden Knollennasenmännchens von Loriot - abgedruckt. Gleichwohl ist es unnötig zu erwähnen, dass gestern sogar im Adagio von Mahlers 9., genauer zu dessen leise verklingenden Ende, auch wieder Huster in die Beinahe-Stille explodierten. Nun ja.



    Na eben. Hätte Rattle himself vorher angekündigt "Spätestens nach dem dritten Huster wird das Konzert abgebrochen" oder "Wer hustet, bekommt von mir persönlich eins in die :stumm:", dann hätte das vielleicht mehr Wirkung gezeigt... :D


    Ok, ich ziehe diese Vorschläge zurück... :untertauch:



    Viele Grüße


    Bernd

  • Hallo.


    Na gerade bei Rattle hatte ich jüngst erlebt (ich glaube bei Sibelius), dass er schon den Einsatz zum vermutlich zweiten Satz geben wollte, aber irgend jemand in Block E einfach noch nicht mit der Kurzinterpretation durch war. Rattle hielt inne, der Rest des Saales schaute in die Richtung, die auch der Maestro fixierte - von da an war Ruhe im Karton, also in der Philharmonie. Gleichwohl ist ein derartig offensiver Akt, so nötig er sein mag, auch schon wieder störend und daher ultima ratio.


    :hello:


    Gruß, Ekkehard.

  • Ich habe das Gefühl, daß es meistens rauhe Männerstimmen sind, die ich da höre, die Damen knistern mit Papierchen.


    Die Vermutung, daß es da viele mitgeschleppte Männer gibt - quasi Zwangsbeglückte - beschleicht mich vor allem in Sinfoniekonzerten.


    Wie ist es zu erklären, daß z.B. im Kammermusiksaal des Beethovenhauses - zugegebenermaßen ein kleineres Auditorium - oftmals alles ganz still ist. Da sitzen Leute, die für Kammermusik freiwillig gekommen sind.


    Allerdings war in der Vergangenheit eine Dame, offenbar eine, die sich in der Musik gut auskannte, mit grauenhaften Hustenattacken mehrfach anwesend. Das Publikum kannte sie schon - mit dem Ergebnis, daß die Leute im Vorhinein sie mit Bonbons versorgten.
    Offenbar hat aber die Direktion des Hauses da auch ein Machtwort gesprochen. So etwas gibts auch.


    Ich ersticke lieber, als das ich huste, man kann es wiklich mit Willenskraft unterdrücken.


    Gruß aus Bonn :hello:

    Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu

  • Soeben habe ich Mahlers 9.Sinfonie hingerichtet,ähhhh, gespielt.
    Der 1.Satz verklingt sehr langsam im absoluten pianissimo.
    Irgendein Hornochse hat sich doch tatsächlich dabei enthusiastisch die Nase geputzt.
    Trööt, schnief..... :no:
    :faint:
    Michael

  • Hier in Trier gab zuletzt Christian Bollmann ein Konzert in der Konstantin-Basilika.
    Er selbst litt anscheinend ein wenig, der kälte des Gebäudes wegen. Und mit ihm sein etwas verschleimtes Stimmregister.


    Während die Zuschauer muksmäuschenstill da hockten und lauschten, musste Herr Bollman jene Stille ca. dreimal durch ein versucht unterdrücktes Räuspern stören. Unverständlich....wie einem Künstler so etwas passieren kann!?
    Wir befanden uns schließlich innerhalb eines bezahlten Konzertes und das macht den Künstler gleichsam nicht mehr länger menschlich....Sein Vortrag muss Perfekt vonstatten gehn. Er hat keine Schwächen, denn er hat ja Jahrelang geprobt...und dann so eine Pleite.... :rolleyes:


    Keith Jarreth sollte sich einmal fragen, ob es eine psychologisch ergründbare Vergangenheit für ihn gibt, allzumenschliche Störgeräusche als persönlichen Angriff zu empfinden.
    Euthanasiegleich empfinde ich solche Äußerungen aus dem Munde eines von mir sehr geschätzten Künstlers.


    Kurz: für Keith gilt meiner Meinung nach sein eigenes F und A-Wort!!!


    Vielleicht sollte unter das Plakat seiner nächsten Aufführung geschrieben stehn:


    BITTE NUR LEUTE, DIE KEIN SCNUPFEN HABEN, SICH NICHT RÄUSPERN MÜSSEN, KEINE ASTHMATIKER, UND NUR MENSCHEN, DIE MEINE MUSIK WIRKLICH ZU SCHÄTZEN WISSEN! DANKE


    Die Karten: 40 EURO Normale Nichträusperer
    30 EURO Leise Atmende
    25 EURO kaum Atmende
    20 EURO gar nicht Atmende


    Der Kerl hat selbst anscheinend noch nie ein Konzert besucht und sich auf den ersten Taktschlag des Dirigenten so gefreut, dass er ganz kurz vor Beginn einen Räusperlaut von sich gegeben hat. Und gezeigt hat: Ich bin aufgeregt und freue mich.


    Wo die Menschlichkeit anfängt hört die Kunst auf?


    :angry:

  • ich versteh sowieso nicht, wieso die leute aufeinmal husten müssen, sobald die lichter ausgehen, ich meine: in fast allen anderen situationen muss doch auch niemand husten, der nicht krank ist. hört man das vielleicht nur eher, oder ist das irgendwie psyschologisch oder was?


    also wenn ich mich räuspern muss oder so, dann schlucke ich einfach und ... ja, das wars dann.


    viel schlimmer sind aber eh die leute, die sich in der oper gegenseitig die handlung erzählen oder kurze kommentare hinausflüstern.

    Wenn ich mir vorstelle, was es für Deutschland bedeuten würde, wenn die heilige Kuh zu uns käme, welches Glück und welcher Segen ginge von allgegenwärtigen heiligen Kühen aus!

  • Hallo



    Entschuldige bitte, aber das verstehe ich insgesamt nicht. "Euthanasiegleich"? Das ist, mit Verlaub, hoffentlich nicht Dein Ernst.
    Und: Es wäre mir jetzt ebenfalls neu, dass man just in dem Moment, bevor es losgeht, sich räuspern muss, um damit einwandfrei zu belegen, dass man voller Vorfreude ist. Bei allem Respekt, aber das halte ich für Humbug.


    Gruß, Ekkehard.

  • Zitat

    Original von lohengrins
    Und: Es wäre mir jetzt ebenfalls neu, dass man just in dem Moment, bevor es losgeht, sich räuspern muss, um damit einwandfrei zu belegen, dass man voller Vorfreude ist. Bei allem Respekt, aber das halte ich für Humbug.


    Gruß, Ekkehard.


    Worüber Du natürlich nicht zu befinden hast. Unabhängig davon, daß ich attraktivere Geräusche als Räuspern kenne, empfinde ich es als ebenso überheblich wie boshaft, den sich Räuspernden störwillige Absicht zu unterstellen. Wenn Mr. Jarret ein Sensibelchen Draugurschen Ausmaßes ist, dann soll er doch bitteschön den künstlerischen Dialog mit heimeligen Studio-Wänden suchen.


    Daß Schallplattenstörgeräusche als hinnehmbar empfunden werden, ein Huster dagegen eine Aufnahme unbrauchbar machen soll -pardon, das ist für mich nicht einmal der Ansatz einer Gesprächsgrundlage. Da muß ich doch glatt an den Dr. Sargnagel des "Wozzeck" denken: "Wenn es ein Molch wäre der einem unpässlich würde, aber ein Mensch.....?"


    Das Thema ist übrigens so neu nicht: Sollte sich irgendjemand vielleicht daran erinnern, daß wir es einstens einen Literaturnobelpreisträger namens Heinrich Böll hatten, so sei er auf eine Satire aus dessen Feder hingewiesen, die am 6.6.1952 unter dem Titel "Reine Nervensache" im Rheinischen Merkur erschienen ist. Nicht ohne Grund hieß der Text später "Husten im Konzert".


    Heinrich Böll war Kölner, wahrscheinlch wusste er, wovon er schrieb. Der rheinsche Huster -so meine Erfahrung- ist allerdings -jedenfalls, was alte rheinische Familien betrifft- eine Art Kommunikationsmittel (das Wesen des Rheinländers ist bekanntlich die dauerhafte Kommunikation, die durch so ein Konzert empfindlich unterbrochen wird). Er vermittelt also sein Dasein durch Räuspern. Allerdings während der Pausen. Da räuspert er sich, daß es eine Art hat. Der Dirigent dirigiert quasi zwiefach: das Orchester -so sein Auftrag- und dann, mit dem Niederlegen des Baton, das Publikum.


    Die Lässigkeit des niedersinkenden Taktstockes entfesselt in Köln die unterdrückte Lust an der Kundgabe der eigenen Existenz. Zwar ist hier noch keine Taktstockgröße auf die Idee verfallen, das Husten ähnlich zu dirgieren wie weiland Herbert von Karajan bei einem Neujahrskonzert, bei dem er die zum Radetzky-Marsch rhythmisch klatschen Wiener dirigierte, sollte eine solche in diesem Forum mitlesen, so betrachte sie dies bitte gerne als Anregung.


    Ich kann mich also über bestimmte Phänomene erheitern, Glosse und Satiren darüber abfassen, sollte mich aber immer in der Demut der Erkenntnis bescheiden, daß hier Menschen mit Menschen zusammen sind. Das ist -pardon,war- der Sinn von Musik im Zeitalter vor der perfekten Tonaufzeichnung.


    Eine Aufnahme ist wegen eines Husters "unbrauchbar"? Tut mir leid, eine solche Aussage ist für mich gänzlich unbrauchbar. Ich mag sie menschlich auch nicht hinnehmen.


    Dennoch: Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • nicht nur wegen der vielen störenfriede und ihrer antimusikalischen untaten bin ich für die WIEDEREINFÜHRUNG DES PRANGERS!!! ach, wär das herrlich ...


    das mittelalter hatte schon was gutes :D :stumm:

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Schon seltsam, dass es jetzt hier innerhalb von einem Tag drei hingerichtete (totgehustete) Mahler-Konzerte gibt bzw. davon berichtet wird. Was da heute wieder in Mahlers Zehnter mit den Wiener philharmonikern in Frankfurt zusammengehustet wurde war schon schwer zu ertragen. Was da nach dem ersten Satz für ein Lärm im publikum erzeugt wurde, das war ein mehrfaches lauter, als die ausklingende Musik. Auch wurde mehrfach in ausklingende Sätze reingehustet, offensichtlich nach dem Motto: hier bin ich, ich weiß, dass der Satz jetzt zu ende ist. Echt furchtbar.


    :no: :kotz:


    Und der Trick, dass ein Taschentuch Nies-Geräusche dämpft, scheint nur einer absoluten Minderheit der Konzertbesucher bekannt zu sein...

  • Hallo Thomas.


    Zitat

    Original von Thomas Pape


    Worüber Du natürlich nicht zu befinden hast. Unabhängig davon, daß ich attraktivere Geräusche als Räuspern kenne, empfinde ich es als ebenso überheblich wie boshaft, den sich Räuspernden störwillige Absicht zu unterstellen. Wenn Mr. Jarret ein Sensibelchen Draugurschen Ausmaßes ist, dann soll er doch bitteschön den künstlerischen Dialog mit heimeligen Studio-Wänden suchen.
    ...


    Ich habe nur mitgeteilt, dass ich das für Humbug halte. Warum auch nicht, ich darf wohl noch in einem Forum meine Meinung äußern. Ich denke, dass Foren wie dieses genau dazu da sind.
    Ich unterstelle auch niemandem "störwillige Absicht". Was mir - namentlich nach einem Konzerterlebnis wie dem von mir weiter oben geschildertem - jedoch erheblich auf die Nerven geht, ist mangelnder Respekt oder von mir aus auch schlichte Gedankenlosigkeit.


    Gruß, Ekkehard.

  • Zitat

    Original von Melot1967


    ...Ähnlich stand auch beim Liederabend von Jessye Norman, dass die Künstlerin nicht fotografiert werden möchte. Dennoch blitzten die Leute (meist während des Applauses), was das Zeug hielt, es war eine Frechheit, und obwohl Jessye Norman sich manchmal demonstrativ vom Publikum wegdrehte, wurde weiterfotografiert.


    Ich hätte nichts dagegen, wenn solche Hinweise vor dem Konzert deutlich durchgesagt würden anstatt nur dezent im Programmheft vermerkt zu sein. Es gibt zwar Menschen, denen alles egal ist, aber einige würden sich sicher bewusst zurückhalten.


    Heihe Melot!


    Leider nur einige! Penetrante Respektlosigkeit und soziale Inkompetenz schleppen sich wie eine ew'ge Krankheit fort.


    Als es noch, und das Geschehene war einer der Gründe für ihre Einstellung, in Bayreuth während der Festspielzeit die beliebte Open-Air-Serenade am Goldbergsee gab, kam es wegen eines allzu pflichtbewussten Reporters zum Eklat.

    Levine pianierte, Barenboim dirigierte, das Festspielorchester brillierte, Old Shutterhand saß neben Gattin und Harry Kupfer in der ersten Reihe (chronisches Familienleiden).

    Obwohl ein Heerrufer im Vorfeld das Publikum angewiesen hatte, während des Konzertes auf a) den Verzehr von Bratwürsten und b) das Photographieren zu verzichten, ließ sichs der Eifrige nicht nehmen, den Anweisungen permanent und aktiv nicht Folge zu leisten - er stellte sich direkt vor die Künstler und ließ krachend Spiegelreflexe donnern und Blitze zucken.


    Der Alte vom Berge fuhr auf und stellte den Mann lautstark zur Rede, was diesen, dem Kontrahenten ins Gesicht knipsend, wenig beeindruckte, worauf Wolfgang mit Gebrüll (komm, Gudrun, wir gehen!) die Arena verließ.


    Das Konzert wurde unterbrochen, der Run auf Bratwürste erstarkte, die Ratlosigkeit schlich umher, bis der Reporter von selbst verschwand und beschlossen wurde, das Konzert fortzusetzen.


    Posthornserenade und Siegfriedidyll beruhigten Gemüter und Wurstabkauf wieder.


    Fazit: Ignoranz macht machtlos, macht sie sich nicht vom Acker.


    audiamus

  • Marc:


    In den Kinosälen ist es auch schlimm sobald die Lichter ausgehen.
    Rülpser/Husten/Räusper,Popcorngeräusche,Rascheln von Rucksäcken und Süßigkeitentüten,Brausegeräusch beim Aufmachen der Flasche,Trink-Strohhalm-und Flaschengeräusche, zu Spätkommer,auf alles ein Kommentar geben,der extreme Lacher, der Hellseher (oder 2x Seher), Toilettengeher,zu Frühgeher (gerade bei den Credits),Handytelefonate werden geführt und was auch extrem nervt...SMS Getippe im Dunkeln....man sieht ja dann das helle Licht.


    Da frag ich mich echt, wieso ich soviel Geld für den Eintritt bezahle, wenn ich dann die DVD in Ruhe zu Hause anschauen kann.


    Zum Glück ist in der Oper/Konzert Essen/Trinken verboten(?).


    Persönlich hab ich auch eine bemerkenswerte Erfahrung gemacht.
    Als ich bei einem Wettbewerb eine Sonate spielte, war das Publikum still.
    Die einzigen, die wirklich Lärm gemacht haben und extrem nervten, war die Jury.


    Die haben sich immer etwas aufgeschrieben. Daran ist natürlich nichts auszusetzen, wäre es da nicht die Art, WIE sie es taten.


    Stiftkappe drauf....wieder ab...wieder drauf.....wieder ab....Gekritzel auf dem Papier (ja,das konnte man auch hören!), Kappe wieder drauf.


    Und alle 3 Juroren taten es! Das machte mich nicht nur auf die Palme, sondern auch nervös und ich ruinierte dann das Stück, von dem ich glaubte, daß ich es von 3 Stücken am besten spielen konnte.


    Noch eine Erfahrung: Ich ließ mal vor zig Jahren ein Jugendkonzert aufnehmen auf Videoband. Als ich es im nachhinein ansah, fiel mir auf, wie laut die Geräuschkulisse war. Viele räusperten sich, aber noch mehr konnten sich nicht auf ihren Stühlen beherrschen sprich auf ihren Stühlen ruhig Sitzen bleiben. Dass man dann die Nachwuchstalente vorne auf der Bühne fast gar nicht hören konnte bzw. im "Lärm" unterging, haute mich von den Socken. So extrem fiel mir das aber auf der Bühne gar nicht auf!


    Ist ein bissel off geworden,sorry.

  • Kleine Geschichte zum Thema Husten:


    Vor vielen vielen Jahren "musste" ich als Schülerin mal in eine Ein-Personen-Stück. Auf der Bühne der großartige Bernhard Minetti. Gleich nach seinem Auftritt fing in den ersten Reihen ein Herr an, laut und beständig zu husten. Minetti hat sich dann an den Bühnenrand gestellt und laut mitgehustet... Er hatte damit die Lacher auf seiner Seite und ich wette, dem hustenden Herren war das oberpeinlich.


    Ich persönlich finde es ehrlich gesagt schlimmer, wenn noch vor dem Schlussakkord eines Stücke applaudiert wird. Da geht doch die ganze Spannung flöten...


    Und warum husten oder räuspern sich die Leute eigentlich vornehmlich an den leisen Stellen oder in den Pausen? Ich hab mal gehört, das wäre auch eine Reaktion, weil diese Leute die Spannung eine Pause nicht aushalten.... ?!?! (ich sehe gerade, Marc hat sich das auch schon gefragt..).


    Noch ein kleiner Ausflug ins Ausland:
    Wenn Ihr Euch über Huster aufregt, dann geht mal auf die billigen Plätze der MET. Es ist dort völlig normal, dass alle Gäste mit vollem Gepäck, also Mäntel, Taschen, Rucksäcke, reinkommen. Da wird fleißig während der Vorstellung drin rumgekruscht, es wird geredet, es wird dem Vordersitzer ins Kreuz getreten und geklatscht wird auch an den unmöglichsten Stellen....


    LG
    Rosenkavalier

  • Zitat

    Original von Rosenkavalier
    Wenn Ihr Euch über Huster aufregt, dann geht mal auf die billigen Plätze der MET.
    LG
    Rosenkavalier


    Diesbezüglich erhellend sind auch die historischen Livemitschnitte aus der MET und anderen großen Häusern, wo eigentlich immer und vollkommen ohne jede Rücksicht auf die Musik geklatscht wird. Auftrittsapplaus in die Musik hinein, ins Nachspiel der Arie, zwischendurch immer mal wieder....eine wahre Freude. :wacky:


    Zitat

    Ich persönlich finde es ehrlich gesagt schlimmer, wenn noch vor dem Schlussakkord eines Stücke applaudiert wird. Da geht doch die ganze Spannung flöten...


    Wenns denn mal nur der Schlussakkord wäre...man höre mal in diverse Mitschnitte der Salzburger Festspiele rein...ich erinnere mich dunkel an eine "Cosi" unter Böhm aus den 70ern, da begleitet die Musik im Finale noch 15 Sekunden den Applaus. :wacky:


    Wie auch immer: Was mich einfach nur am Husten stört, ist die Gedankenlosigkeit. Man kann in der Regel recht gut hören, ob da jemand wirklich husten muss aber nicht will - der versucht es nämlich in der Regel bestmöglich abzudämpfen - , oder ob es demjenigen einfach egal ist.


    Letztere sind dann auch meist Leute, die gar nicht verstehen können, dass man auch nur Musik hören kann, also ohne was dabei zu tun.


    "Was denn, Du meinst so, wie man ein Buch liest ??"


    Man hat ja so seine Erfahrungen... :wacky:


    :hello:
    Sascha



    Gruß
    Sascha

  • Hallo lohengrins,


    Zitat

    "Euthanasiegleich"? Das ist, mit Verlaub, hoffentlich nicht Dein Ernst.


    Mit Verlaub...Jarreth hilft dem sich räupernden Publikum zu "sterben".
    Er sagt: Ihr seid dieses Konzert nicht Wert, also seid ihr A's und F's und gehört nicht hierher...(Kurz: der systematische Mord an einem menschlichen "Fehlverhalten", möglicherweise durch Krankheit oder durch die Situation ausgelöst).


    Das von mir benutzte Wort mag vielleicht, wie Du zu Recht sagst, etwas übertrieben gewählt sein. Jedoch ist nun einmal auch Jarreth's Reaktion übertrieben gewählt. Oder? :pfeif:


    Ich, der sich eigentlich so gut wie nicht räuspert, störe mich nun einmal nicht so sehr an Räusperern. (Auch bei mir gibts schlechte Tage. Und wenns dann Fortissimo wird...muss es raus!!! :-)


    :hello:

  • Es gibt etwas viel schlimmeres als Husten im Konzert. Das durfte ich gestern im Berliner Konzerthaus während des zweiten Satzes von Schumanns Klavierkonzert erleben.


    Da entwichen doch tatsächlich einer in den Reihen vor mir sitzenden Person herbe Körperdüfte aus dem Magen- und Darmtrakt.


    Den Reaktionen der in den Reihen sechs und sieben (Parkett links) sitzenden Konzertbesucher zufolge dürfte sich der Verursacher wohl in der fünften Reihe befunden haben. Eine nähere Lokalisierung war leider nicht möglich.


    Glücklicherweise haben sich die Geruchsmoleküle bis zum Finale des Konzerts wieder verflüchtigt. Es bleibt zu hoffen, dass es sich nur um einen einmaligen Unfall gehandelt hat.


    Viele Grüße
    Frank

  • Tschou zäme,


    Natürlich ist das Hustenproblem manchmal ärgerlich. Ich will gar nicht bestreiten, dass mich die Huster bisweilen auch stören.


    Aber: verschleimte Halsregionen gehören nun einmal zur conditio humana.


    Wie wärs denn also mit einer anderen Einstellung zu dieser Gegebenheit? Warum machten wir eine menschliche Notwendigkeit durch UNSEREN Aerger zu UNSEREM Problem?


    Warum sich aufregen, statt sich zu freuen ob der Tatsache, dass auch im 21. Jahrhundert immer noch eine Menge verrückter Menschen bereit sind, den Versuch zu wagen, 2 Stunden aufmerksam zu sein!


    In der live-Situation des musikalischen Geschehens, in der Interaktion zwischen live anwesenden (furchtbares Wort!!!), körperlich „anmenschelnden“ Menschen, gehören für mich diese live-en menschlichen Aus-würfe und -dünstungen einfach dazu.


    Das Klangergebnis der aufgeführten Musik wird dadurch nicht verfälscht sondern „ergänzt“ (wenn auch zugegebenermassen nicht „bereichert“)


    So, MIT diesem Geraschel, Geraune, Gehuste, Gedünste, SO ist diese Musik In DIESEM Moment.


    Mit adventlichem Gruss


    Walter

  • Lieber Walter,


    vielen Dank für diese Anregung, den eigenen Standpunkt zum Problem zu überdenken - sie passt sehr gut zu meiner Überzeugung, dass der einzige Mensch, den ich ändern kann, ich selber bin.


    Und diese Gelassenheit gegenüber den Mit-besuchern von Konzert oder Vorstellung ist (mir) sicher auch möglich, sofern es sich um einzelnes Husten einer Person handelt - einen spontanen Reiz zu unterdrücken halte ich für ausgesprochen schwierig und bemühe mich deshalb auch um Toleranz gegenüber meinen Mitmenschen.


    Schwierig wird es allerdings, wenn jemand - wie ich es neulich in Stuttgart erlebte- , angesichts einer hörbar schweren Bronchitis aus dem starken Husten gar nicht mehr herauskommt. Denn da fragt man sich doch (obwohl es die letzte Vorstellung der Oper für diese Spielzeit war), ob der Betreffende nicht besser auf den Besuch verzichtet hätte...- was ich mir für mich in einer entsprechenden Situation für die Zukunft jedenfalls fest vornehme.


    LG, Elisabeth

  • Hallo Elisabeth,


    Bei Krankheit sollte man allerdings eine Vorstellung nicht wahrnehmen wollen,
    kann man ja dadurch die Musik selber kaum geNießen.


    Bei einer Bronchitis erst recht. Ab ins Bett mit dem Patienten. Aber doch
    bitte nicht in die Oper ;-)


    Froher 1. Adv.


    :hello:

  • Liebe Elisabeth,


    fragen kann man sich bei Deinem „Fall“, weshalb der besagte Mensch DENNOCH die Aufführung besuchen WOLLTE: Gemäss deiner Schilderung, musste sie/er sich ihres/seiner Befindlichkeit bewusst gewesen sein.


    Ging es wirklich nur um das Abspulen der Opernbesuchs-Konvention (und weshalb war das in diesem Fall so wichtig?), oder hatte dieser Musikliebhaber vielleicht halt doch erst recht das Bedürfnis, aus den eigenen bronchitisvergifteten 4 Wänden herauszukommen um teilhaftig werden eines Geschehens, das die eigene Krankheit relativiert.


    Wir dürfen nicht vergessen, dass ohne ZuhörerInnen der Konzertbetrieb prinzipiell obsolet ist:
    Sie /er ist als Musik-Kunde auch Musik-Königin


    Ich habe so viel Ehrfurcht vor dem Sein und den Entscheidungen des Menschen, dass ich auch in einem solchen Fall nicht urteilen will.


    Ich danke Dir für die freundliche Replik und wünsche
    gute Aufbrüche im Advent
    Walter

  • OT aber ärgerlich:
    irgendein mittellautes Brummen - geschätze 8m Luftlinie hinter mir - während des 1. Teils der gestrigen Korngold-Soiree in den Meininger Kammerspielen


    Aber es gibt noch kleine Wunder im Leben...
    Ich habe es in der Pause beanstandet - und sie haben es abgestellt...
    =) =)


    :hello:
    Micha

  • Es gibt auch eine richtige "Husten-CD": Man nehme das Vorspiel von "Tristan und Isolde" auf der Live-Einspielung der Wiener Staatsoper unter Christian Thielemann. Da scheinen beim Vorspiel die Mikrofone direkt in die Hustenabteilung und in das Galerie-Getipsel der Zuspätkommenden gehalten worden zu sein. Unglaublich.
    Positiv: Es zaubert eine wirkliche Live-Atmosphäre in die CD :D


    Komischerweise gibt es da eine ähnliche Einspielung von der WSO zum Thema "Parsifal" auch unter Thielemann und da ist während dem Vorspiel überhaupt nichts Störendes zu hören...


    Ich nehme mal an, der Aufnahmeleiter war kein wirklicher Tristan-Fan...