Claudio Abbado ist tot

  • Soeben meldet der Deutschlandfunk, daß Claudio Abbado heute im Alter von 80 Jahren verstorben ist.



    Friede seiner Seele! Ehre seinem Andenken!



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    (...) Eine meiner frühesten Erinnerungen im Zusammenhang mit der Musik betrifft einen Abend, an dem das Rothschild-Quartett bei uns ein hochmodernes Werk von Egon Wellesz spielen sollte. Die Stühle waren den Musikern zu niedrig, so nahmen sie unsere Bände mit Schubertscher Kammermusik, um damit ihre Sitze zu erhöhen. Ich dachte, wieviel schöner es wäre, wenn sie auf Wellesz sitzend Schubert spielen würden (...)


    — aus „5000 Abende in der Oper“ von Sir Rudolf Bing —
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  • Ein großer Dirigent, Philosoph und Mensch ist von uns gegangen. Ich bin ihm zu tiefsten Dank verpflichtet, weil ich einige seiner Konzerte in Berlin hören durfte, die mich sehr bereichert haben.


    R.I.P., Maestro!

  • Sehr traurig! Ihm verdanke ich in meiner Jugend wesentlich den Zugang zum Orchesterrepertoire. Ein großer Dirigent mit unschätzbaren Verdiensten u.a. für die Neue Musik.


    Eine besondere Aufnahme für ihn und für mich: Debussy Nocturnes für Orchester.


  • Gerade gestern hatte ich noch seine Interpretation von Bruckners 5. Sinfonie vom Luzern Musikfestival gesehen und gehört...


    Für mich zählte er zu den bedeutenden Dirigenten, zu einem, der nicht stets nach 08/15-Manier verfuhr, sondern bereit war, seine Sichtweise auf bestimmte Komponisten zu ändern. Ich denke insbesondere an Mahler oder Beethoven.



    Möge er in Frieden ruhen.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Ich hatte das grosse Glück ihn in den letzten Jahren regelmässig in Luzern zu hören.


    Er wird eine grosse Lücke hinterlassen.


    Bye, bye!

    Grüsse aus Rhosgobel


    Radagast

  • Eine sehr traurige Nachricht.


    Ich habe Abbado als fantastischen Interpreten der Musik von Brahms, Beethoven und Mahler in Erinnerung.
    Seine Arbeit mit den Berliner Philharmonikern und mit seinen Musikern in Luzern wird mir unvergessen bleiben.


    Möge er in Frieden ruhen.


    Glockenton

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

  • Da Abbado vor über 10 Jahren? schon mal beinahe an Magenkrebs gestorben wäre und seitdem aussah "wie der Tod", kann man vermutlich dankbar sein, dass er sich ungeachtet des abgemagerten Aussehens, vorübergehend ganz gut erholt hatte und viele Jahre weiterarbeiten konnte. Dennoch schockierte mich die Nachricht, da ich nicht wusste, dass er wieder schwer krank war.


    Auch wenn ich gar nicht so viele seiner Einspielungen besitze, war der früher deutlich jünger wirkende Abbado in meiner "Einstiegszeit" Ende der 1980er ein sehr präsenter Dirigent. Durch sein bescheidenes Auftreten wurde er kaum als "Superstar" wahrgenommen. Aber sein Repertoire war breit gefächert und er hat von so unterschiedlichen Komponisten wie Rossini und Berg maßstäbliche Einspielungen produziert.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ja, auch ich bin traurig über diese Nachricht, die irgendwann so kommen musste, aber wenn sie da ist, doch erst einmal erschüttert. Seine Interpretationen besonders vom Luzerner Musikfestival sind Unikate, einzigartig. Da hat man den Eindruck, Abbado macht nicht die Musik, er ist die Musik. Auch die Beethoven-Gesamtausgabe aus der Jahrtausendwende mit den Berliner Philharmonikern stellte eine große Zäsur zur Karajanschen romantischen Beethoven-Deutung dar, das war etwas Neues.

    Für Mai haben die Berliner Philharmoniker ein Konzertprogramm unter der Leitung von Claudio Abbado mit Werken von R. Strauss und Mozart geplant. Wie schade, dass es nun nicht mehr realisiert werden kann.
    Ein großer Verlust für die Musikwelt!

    Wenn schon nicht HIP, dann wenigstens TOP

  • Ich kenne leider viele seiner Interpretationen nicht (Beethoven, Brahms), aber gerade vor kurzem habe ich mir seine Einspielung der ersten beiden Klavierkonzerte Bartóks mit Pollini zugelegt und behaupte: das ist eine Jahrhunderteinspielung. Intensiver, detaillierter und intelligenter kann man diese Werke nicht spielen!



    Ein weitere Einspielung, die für mich über der Konkurrenz steht ist die von Mendelssohns "Meeresstille und glückliche Fahrt", op. 27. Wie vollendet Abbado die Meeresstille gestaltet ist unübertroffen. Klingt fast wie Musik des 20. Jahrhunderts!


  • Wieder geht einer der letzten großen alten Dirigenten. Ein unersetzlicher Verlust, auch menschlich. Vor kurzem hörte ich erst in seine Dritte von Tschaikowskij hinein.


    Konnte er seinen Luzerner Bruckner- und Mahler-Zyklus eigentlich noch vollenden?


    R.I.P.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid


  • Verdis Falstaff mit Abbado fügte ich in diesem Monat meiner CD-Sammlung bei, seit langem auf meinem Wunschzettel.
    Die Nachricht vom Tode Abbados schockierte mich, einer der großartigsten Dirigenten ist dahingegangen.
    Abbado, Bernstein, Karajan und Solti waren die vier Dirigenten, deren Aufnahmen ich seit meiner Jugendzeit höre. Obwohl ich ihnen persönlich nie begegnet bin, waren sie ein Teil meines Lebens.

    mfG
    Michael

  • Ein wirklich großer Verlust für die Musikwelt. Ich schätze seine Opernaufnahmen, aber auch die bekannten Instrumentalwerke aus den letzten 200 Jahren sehr. Ich bin froh darüber, dass ich ihn einige Male in Berlin live hören durfte.


    Am 17. Mai dieses Jahres sollte er in der Berliner Philharmonie mit "seinen" früheren Philharmonikern ein Strauss- und Mozartprogramm dirigieren. Darunter war auch "Tod und Verklärung" vorgesehen.


    LG


    Portator

  • Das ist wirklich eine traurige Nachricht. Ich habe eine Fernsehaufnahme von Janaceks "Totenhaus", die von ihm dirigiert wird. Da ist er Charles Mackerras ebenbürtig.

    Mitten in der großen natürlichen Barbarei ist es den Menschen manchmal gelungen, kleine, warme, von der Liebe besonnte Plätze zu schaffen. Kleine, abgekapselte reservierte Bereiche, in denen Intersubjektivität und Liebe herrschten (Michel Houellebecq, Elementarteilchen)

  • Schockierend und traurig.


    Was er in Luzern aufgebaut hat, wird unvergessen bleiben und ist beispiellos. Viele Kritiker halten das Festspileorchester für das beste der Welt.
    Nach seiner langen Krankheit sei ihm nun die Ruhe gegönnt. Ich verneige mich tief vor einem großen Künstler.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Meine erste Operngesamtaufnahme war Carmen dirigiert von Claudio Abbado. Ich werde sie mir heute abend nochmal anhören.
    Es ist wieder ein großer Künstler von uns gegangen.
    Bartolifan

  • Auch mich macht die Nachricht des Todes von Claudio Abbado traurig. Ein wichtiger Dirigent war er auch für mich, speziell im Bereich Oper, Mahler und 20. Jahrhundert. Ich werde heute abend etwas von ihm dirigiertes hören. Merkwürdigerweise erinnere ich nicht mehr, ob ich ihn jemals live erlebt habe. Wenn, dann vermutlich in den 70er oder 80ern als Operndirigent.


    P.S.: Auch mal wieder so ein Aha-Erlebnis, ich habe die Nachricht vom Tode Abbados hier in meinem kleinen Umfeld weitergereicht, Leute so um die 40, zwei davon mit Doktortitel, eine Sekretärin italienischer Abstammung. Drei mal die gleiche Antwort: wer? ;(


  • Diese Nachricht tut weh, weil Abbado ein so sympathisch unspektakulärer und bescheidener Künstler zu sein schien (auch wenn ich gelesen habe, dass auch er durchaus seine "Eigenheiten" hatte...).


    Mit erstaunen stelle ich fest, dass ich nur eine einzige Aufnahme von ihm besitze, nämlich Mahlers 7. mit dem CSO. Das wird sich posthum jetzt ändern: Seine "Bilder einer Ausstellung" stehen schon länger auf meiner Liste und Bruckners 4. aus Luzern wird es trotz des sehr happigen Preises wohl auch werden.

    Herzliche Grüße
    Uranus

  • Seine "Bilder einer Ausstellung" stehen schon länger auf meiner Liste und Bruckners 4. aus Luzern wird es trotz des sehr happigen Preises wohl auch werden.


    Gutes Stichwort! Abbado ist einer der wenigen, der Mussorgskys "Nacht auf dem Kahlen Berge" in der Originalorchesterfassung eingespielt hat:



    Sehr hörenswert, weil ziemlich anders als die Bearbeitungen Rimskys, Ravels oder Stokowskis.

  • Ich habe es gerade erst gelesen. Ich bin sehr traurig.


    R. I. P.


    Willi

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • P.S.: Auch mal wieder so ein Aha-Erlebnis, ich habe die Nachricht vom Tode Abbados hier in meinem kleinen Umfeld weitergereicht, Leute so um die 40, zwei davon mit Doktortitel, eine Sekretärin italienischer Abstammung. Drei mal die gleiche Antwort: wer?


    Ich habe dieses erst gar nicht probiert in meinem Umfeld, weil ich schon vorher wusste, dass mein Umfeld so reagieren würde. Hier kommt sicher noch dazu, dass Hr. Abbado ein stiller Künstler war. Er stand nie so im Rampenlicht wie ein Karajan, Bernstein oder aus der heutigen Zeit Thielemann. Die Auswahl der Vergleichsnamen ist hier zufällig erfolgt, es könnten auch viele andere dafür stehen.

  • ... und Bruckners 4. aus Luzern wird es trotz des sehr happigen Preises wohl auch werden.


    Sie ist jeden einzelnen Cent des sehr happigen Preises wert. Eine fantastische Aufnahme.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Also, meine Freunde kannten ihn. Nun sind das auch alles Leute, die selber singen oder klassische Musik hören oder regelmäßig auf Classica die Luzern - Übertragungen gesehen haben.

    Mitten in der großen natürlichen Barbarei ist es den Menschen manchmal gelungen, kleine, warme, von der Liebe besonnte Plätze zu schaffen. Kleine, abgekapselte reservierte Bereiche, in denen Intersubjektivität und Liebe herrschten (Michel Houellebecq, Elementarteilchen)

  • Gerade von einer Reise zurück erreicht mich im Tamino die schmerzliche Nachricht vom Tode eines Dirigenten und Menschen, den ich immer geliebt und bewundert habe.


    Der Schock ist um so größer, da ich gerade Bruckners 5. höre, von Abbado in Luzern dirigiert und gestern von mir aufgenommen.


    Ein trauriger Tag.

  • Ich bin sehr traurig. Gehört habe ich eben zu seinem Gedenken "Ma Mere l´oye von Ravel und die Pavane. Mehr heute nicht - zu seinem Gedenken. Mit ihm ist ein Teil meiner musikalischen Lebensgeschichte zuende gegangen.



    Die ersten Orchesterplatten, die ich in meiner Jugend kaufte und mit denen ich mich in das Repertoire einhörte, waren von Abbado und Boulez. Bei Abbado war es vor allem Tschaikowsky, Mahler und Debussy/Ravel.


    Durch Abbado lernte ich die 4. Symphonie von Mahler lieben:



    Als ich dann von derLP auf CD umstieg, waren meine beiden ersten gekauften CDs die Preludes von Debussy Heft 1 mit Michelangeli und die 1. Symphonie von Mahler mit Abbado.



    Schöne Grüße
    Holger

  • Ein wirklich großer und stets bescheiden auftretender Künstler ist von uns gegangen. Er wird eine Riesenlücke in der Musikwelt hinterlassen. Mir stellt sich immer wieder die Frage wer konnte bisher solche Lücken schließen? Er war einer der letzten "Grossen!"


    Voll Dankbarkeit blicke ich auf die Jahre zurück, in denen er uns wunderbarste Musik schenkte, jawohl - er hat diese Musik mit ganzem Herzen und mit seiner Seele interpretiert.


    Ich möchte hier nur eine Aufnahme einstellen, die in ihrer Interpretation von ihm bis heute unerreicht geblieben ist.



    Ich verneige mich in Demut vor einem großen Künstler. Leb wohl Claudio (über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein!)


    Bernard

    Keine Kunst wirkt auf den Menschen so unmittelbar, so tief wie die MUSIK,
    eben weil keine uns das wahre Wesen der Welt so tief und unmittelbar erkennen lässt



    Arthur Schopenhauer

  • Sehr traurig! Ihm verdanke ich in meiner Jugend wesentlich den Zugang zum Orchesterrepertoire. Ein großer Dirigent mit unschätzbaren Verdiensten u.a. für die Neue Musik.


    Eine besondere Aufnahme für ihn und für mich: Debussy Nocturnes für Orchester.



    Es ist schon merkwürdig, dass ich auf diesem traurigen Weg zu einem wertvollen CD Tipp gekommen bin - ich habe sie bestellt.
    Ich höre gerade zu seinem Andenken diese Aufnahme die mir sehr gut gefällt :



    Leider konnte ich ihn nie Live erleben, habe aber doch einiges von ihm - so ist das wenn man in einer süddeutschem Kleinstadt lebt - möge er in Frieden ruhen !

  • SWR2 Forum Podcast zum Tode von Claudio Abbado von heute nachmittag. Rudolf Watzel (ex- Berliner Philharmoniker), Wolfgang Schreiber und Uwe Friedrich (Musikkritiker) diskutieren mit Ursula Nusser.

  • Noch heute nachts haben meine Frau und ich das Rossini - Galakonzert aus Versailles (aufgenommen 1985) auf ORF 3 genossen und uns darüber unterhalten, wie jugendlich und dynamisch er damals war.

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.