Wege zu Gustav Mahler

  • Angeregt durch den Thread Wege zu Gustav Mahler***
    beschäftigt mich gerade noch eine Frage, die ich gerne hier zur Diskussion stellen möchte:


    Wie habt ihr euch Mahlers Symphonien angenähert und wie habt ihr sie besser kennengelernt?


    Für mich sind die Symphonien von Mahler wirklich einer der großen Höhepunkte der symphonischen Musik in der Musikgeschichte, aber ich muss auch gestehen, dass ich sie kaum kenne. Ich habe lediglich die 5. Symphonie in der Einspielung von Simon Rattle mit den Berliner Symphonikern in meinem CD-Regal stehen. Diese Aufnahme habe ich auch schon einige Male gehört und habe die Informationen dazu gelesen. Mir gefällt diese Symphonik unheimlich gut, aber mir fällt es auch ebenso schwer, in der Musik eine erkennbare Struktur auszumachen. Schon klar, dass ein Gustav Mahler mit Strukturen vielleicht noch etwas freier umgeht als ein Joseph Haydn oder sogar ein Ludwig van Beethoven. Mal erkenne ich hier und da ein Thema wieder und merke wie es wieder aufgegriffen wird, aber das war es dann irgendwie auch schon.


    Mit den Symphonien aus der Klassik dagegen bin ich vertrauter und gehe dort immer von dem 'internen Standard' aus (der natürlich auch nicht immer zutrifft): Erster Satz in Sonatenform, zweiter Satz als langsamer Satz (Andante, Adagio...), dritter Satz wieder bewegter in ein Finale mündend.


    Bei Mahlers Symphonien komme ich mit diesem Schema einfach ganz und gar nicht weiter, aber vielleicht könnt ihr mir weiter helfen? ;)


    Viele Grüße und danke schon einmal für die Antworten,


    Benjamin


    Die Threads wurden inzwischen zusammengelegt - daher zeigt der Link auf den EIGNEN Thread MOD 1001 - Alfred

  • Danke für's Verschieben *g*... hatte ja erst überlegt einen eigenen Thread zu eröffnen, aber ok jetzt hast Du das übernommen xD...


    Aber durch den Thread 'Wege zu Gustav Mahler' wurde ich wohl eher nicht zu dieser Frage angeregt :P *gg*.


    Viele Grüße ;)

  • Zitat

    Original von Benjamin_Müller
    Wie habt ihr euch Mahlers Symphonien angenähert und wie habt ihr sie besser kennengelernt?


    Ich glaube ich habe zuerst die 4.,2., 1. und 5. kennengelernt. Dann irgendwann den Rest, die 8. kenne ich bis heute nur sehr schlecht, auch 3 und 7 nicht gerade intensiv.


    Zitat


    Mit den Symphonien aus der Klassik dagegen bin ich vertrauter und gehe dort immer von dem 'internen Standard' aus (der natürlich auch nicht immer zutrifft): Erster Satz in Sonatenform, zweiter Satz als langsamer Satz (Andante, Adagio...), dritter Satz wieder bewegter in ein Finale mündend.


    Bei Mahlers Symphonien komme ich mit diesem Schema einfach ganz und gar nicht weiter, aber vielleicht könnt ihr mir weiter helfen? ;)


    Mit dem Schema kommst Du bei Mahler in der 1.,2.,4.,6. Sinfonie ziemlich weit! Wenn es dich nicht stört, dass es mal zwei oder drei Scherzo- oder Intermezzo-ähnliche Sätze geben kann.
    Der Kopfsatz der 1. ist ein Sonatensatz, wobei die "Einleitung" nahtlos in den Hauptsatz übergeht, die beiden Mittelsätze sind formal simpel, völlig unproblematisch. Das Finale ist wenn ich recht erinnere, auch ein Sonatensatz, dazu werden einige Motive von vorher wieder aufgegriffen. Vielleicht nicht so übersichtlich, aber nicht komplizierter als das Finale von Beethovens 9. Parallel zur 1. Sinfonie sollte man außerdem die "Lieder eines fahrenden Gesellen" anhören. Auch der Kopfsatz der 2. ist ein Sonatensatz, ebenfalls einfacher gestrickt als etwa der Kopfsatz der Eroica. Die beiden folgenden Sätze haben rondo-ähnliche Formen, auch recht übersichtlich. Das kurze Lied "Urlicht" wirft ebenfalls keine besonderen Schwierigkeiten auf. Bleibt das Finale. Wie das genau aufgebaut ist, weiß ich nicht mehr. Es wirkt zunächst etwas chaotisch, ist aber letzlich auch nicht besonders kompliziert; hier könnte ein ordentlicher Konzertführer weiterhelfen.
    In der 4. ist der Kopfsatz ein Sonatensatz (mit relativ vielen Themen, daher vielleicht nicht so übersichtlich), das Scherzo A-B-A und der langsame Satz ein ziemlich freier Variationensatz. Das Finale ein mehrstrophiges Lied (rondo-ähnlich).
    Die 5. habe ich jetzt leider nicht gut im Kopf (und besitze auch gar keine Partituren). Der Trauermarsch besteht, ähnlich dem in der Eroica aus einem mehrfach variiert wiederkehrenden Hauptteil und mehreren "Trios", zum Rest kann ich aus dem Stand nichts sagen. Das sehr lange Scherzo und das Finale kann man vielleicht als freie Rondo-Sätze auffassen, natürlich auch mit sonatenmäßigen Durchführungsteilen.
    Der Kopfsatz der 6. ist ein sehr klarer Sonatensatz (sogar eigtl. mit Wdh. der Expo), der harte Brocken ist hier das Finale, das habe ich auch erst einigermaßen verstanden, nachdem ich mal eine gute Beschreibung gelesen hatte.
    Ich würde dir nahelegen, die 5. erstmal zurückzustellen und die ersten beiden Sinfonien zu hören (wenn Du dann sagst, welche Einspielungen Du hast, kann hier auch sicher jemand mal, die track-Zeiten von Durchführung, Reprise usw. sagen). Dann 4, 5 und 6. Der Rest wird sich später einstellen.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Ihr Lieben,
    bei mir war es einfach Neugierde, was sich hinter dem Titel Auferstehungssymphonie verbirgt. Ich hatte die Kubelik-Aufnahme, noch als LP, zufällig gesehen und mitgenommen.
    Sollte ich je so etwas wie --- vermeintlich eigene musikalische Ideen gehabt haben, so fand ich sie hier verwirklicht. Dieser Eindruck vertiefte sich, als ich dann die dritte und die vierte kennenlernte. Dann die erste, die mir bis heute relativ fremd blieb (besonders der vierte Satz). Die Symphonien 5-7 waren ebenfalls, sagen wir mal, recht gewöhnungsbedürftig. Heute habe ich in diesem Feld nur noch mit der siebten Schwierigkeiten, auch hier am ehesten mit dem letzten Satz.
    Aber die 8e war wieder eine innige Beziehung auf dem ersten Hören. Der 9ten nähere ich mich nur sehr vorsichtig - die Innensätze!
    Die Lieder und auch das sogenannte 'Lied von der Erde' sind mir sehr vertraut. Ich lernte sie zwischen den Symphonien, nach und nach, kennen.


    Liebe Grüße
    hemmi (Bernd Jemmersbach)

  • Salut,


    ein Bekannter unserer unmusikalischen Familie war Gustav-Mahler-Freak. Er regte mich dazu an, in der Musikbibliothek die CDs mit Sinfonien-Inhalt zu entleihen. Ich begannt mit der 9., weil ich damals meinte, die Neunte sei stets der Höhepunkt musikalischen Schaffens und wozu sollte ich mich dann mit dem vorangehenden "Mist" beschäftigen? Stimmt ja in dem Fall [abgesehen vom Fragment der 10.] auch. Nein, nicht das mit dem "Mist", sondern die Angelegenheit mit dem Höhepunkt. Nach der 9. lernte ich die 6., 5., 7., 3. und 2. kennen. Die 2te enttäuschte mich zunächst wegen ihrer Nähe zu Beethoven - heute schätze ich das Finale weitaus mehr, als jenes von Beethovens 9ter. Die erste fand ich immer fad [bis ich eines Tages den heute gestrichenen Satz kennenlernte] und die 8. begeisterte mich früher sehr, heute nimma.


    Dem 'Lied von der Erde' konnte ich bis dato auch noch nichts abgewinnen, um so mehr schätze ich die 'Lieder eines fahrenden Gesellen'.


    Viele Grüße
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Ich würde dringend raten es mal mit der Nummer eins zu probieren. Diese verstörte mich nicht mal in meiner Jugend, wo ich alles mied was nur den Anstrich der Moderne hatte, und etliches mehr, Brahms Sinfonien waren mir zu sperrig, Bruckner zu unentschlossen (er kommt immer zu einer Scheinklimax und macht dann weiter) usw. Eigentlich hörte ich in meiner Jugend nur Musik des 18. Jahrhunderts und einige "Renner des Barock und der Romantik, aber Mahlers Erste war sofort eines der Werke, welches mich in seinen Bann zog.
    Ob es die Verwendung einiger Themen war, welche ich schon aus den "Liedern eines fahrenden Gesellen" kannte oder ob es andere Gründe gab ich kann es nur vermuten.


    Derzeit höre ich, während ich diesen Beitrag schreibe, den ersten Satz der ersten unter Bruno Walter - und siehe - auf einmal kann ich erahnen was es war, das mir den Zugang erleichterte:


    Obwohl die Sinfonie viel "Neues " enthält , so klingts sie stellenweise doch sehr vertraut - aber auch wo nicht - mystisch, geheimnisvoll und irgendwie betörend.


    Ich widerspreche übrigens der These, Mahler wollte die "schönen Stellen" das "konventionelle" "brechen".


    Ich finde, er kostet sie (zumindest in jenen Sinfonien, die mir viel bedeuten) bis zum letzten aus. Sollte ich aber in dieser Beziehung unrecht haben, so behaupte ich Mahlers derzeitgige hohe Beliebtheit beruht in diesem Fall teilweise darauf, daß er nicht verstanden wird.


    Ich habe mir zu Gewohnheit gemacht, wenn Aussagen über die Musik eines Zeitalters gemacht werden, die Gemälde aus dem kulturellen Umkreis des Komponisten anzusehen: Ich finde hier Makart, Klimt und Franz Matsch (Erbauer der Wiener Anker-Uhr) Das ist dekorative Malerei einerseits, Plüschmalerei andereseits - In diesem Kontext beurteile ich die Frühen Sinfonien Mahlers - wobei er natürlich experimentiert hat.


    Egal ob man Mahler als Nachklang des neunzehnten ode Pionier des zwanzigsten Jahrhunderts einstuft (wahrscheinlich war er beides) HÖRENSWERT IST ER AUF JEDEN FALL


    Ich liebe auch seine eigenwilige Instrumentation.
    Wenn Robert Stuhr schreibt, er habe bis dato noch keine einzige Sinfonie von Mahler gehört, dann ist das sicher zu bedauern - aber
    leicht zu ändern :hello:


    Blumine oder Titan das ist die Frage - Gustav Mahler : Sinfonie Nr 1


    mfg
    aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Ich würde dringend raten es mal mit der Nummer eins zu probieren.


    Auch auf die Gefahr hin, kurzfristig einige Threads zu vermischen: Die Nr. 1 hat mich von Beginn an abgestoßen [bzw. ich sie :D ], wegen der [gewollten?] Beethovennähe würde ich für Einsteiger doch eher die 2. empfehlen: Sie ist von Beginn an faszinierend und eingängig und wartet mit einem grandiosen und rührenden Schlußchor auf! Danach - wer's verkraftet- die 4. als Verballhornung der Klassik, dann darf wieder was G'scheites folgen: die dritte. Danach wirds schwierig - am liebsten würde ich von 5-8 zunächst abraten, es sei denn, jemandem könnte der Bombast der 8. besonders gefallen: Jedenfalls würde ich 9 und 10 vor 5 und 6 hören, im Anschluß dann die siebte.


    Viele Grüße
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Es ist natürlich immer eine Frage WOHER man kommt.


    Wer jedoch Mahler bisher gemieden hat, weil er Angst hat, daß der zu radikal sei, der braucht nur Nr 6 , 9 oder 10 zu hören und wird ihm immer fernbleiben.


    Daß Ulli die Nr 1 nicht goutiert mag zwar ein starkes Argument sein - IMO jedoch nicht stark genug um dieses Werk zu negieren. Es soll ja Leute geben die andere Geschmäcker haben :D


    mfg
    aus Wien
    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Danke für die vielen Antworten schonmal !!


    Ja, ich bekomm ja richtig Motivation, mich endlich mal näher mit den Symphonien zu befassen (vielleicht in den Semesterferien?! :)).


    Jetzt bleibt nur noch die Frage, deren Problematik ja eigentlich mit dem anderen Thread angesprochen wurde: Welche Aufnahme von den vielen? Einige 'wegweisende' Aufnahmen lassen sich ja schon heraus lesen, aber dennoch werde ich mich wirklich erstmal ein bisschen informieren müssen (vor allem hier im Forum und dann beim Durchhören), was mir denn so gefällt... mal schauen ;).


    Viele Grüße ;)

  • Die Erste Symphonie war ebenfalls mein Mahler Einstieg.
    Der erste Satz, das Erwachen der Natur, hat mich von Anfang an völlig fasziniert, vorallem wie er mit den Blasinstrumenten umgeht, sowas habe ich zuvor noch nicht gehört.
    Diese Musiksprache hat mich einfach in ihren Bann gezogen.
    Das Finale der Ersten ist überhaupt ein einziges, wahnsinniges Erlebnis, Rasanz und Ekstase wechseln sich hier mit ruhigen, melodiösen, romantischen Passagen ab.
    Bis jetzt mein Höhepunkt in Sachen Symphonie, wurde bis jetzt auch von der Fünften oder Siebten nicht abgelöst, die ich auch gut kenne.


    mit Grüßen
    Christoph

  • Gewiß kommt es immer darauf an, was der Hörerr schon kennt, aber man kann wohl (oBdA ;)) davon ausgehen, dass er einige Sinfonien von Mozart, Haydn, Beethoven, Brahms, Bruckner einigermaßen kennt. Vor diesem Hintergrund halte ich 1, 2 und 4 alle für gleichermaßen geeignet.
    Das Problem bei der 4. ist die Mischung aus Ironie, Pseudonaivität und Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies, die man albern oder befremdlich finden kann, und die Einseitigkeit, da dieser Aspekt sonst bei Mahler nicht ganze Sinfonien dominiert. Dazu die Verweigerung der Steigerung mit dem Lied-Finale. Der Vorteil ist die relative Kürze und Überschaubarkeit.


    Die 1. und 2. entsprechen dagegen dem häufigen per aspera ad astra Schema. Nur sind die Finalsätze eben mächtig lang (und ziemlich lose in der Struktur), das waren für mich zu Anfang die Stolpersteine, die fand ich zwischendurch ziemlich langweilig.


    Bei der 6. finde ich die tragische Intensität nicht unbedingt ein Hindernis, eher wieder das sehr lange und nicht gerade leicht zu erfassende Finale. Dafür ist jedoch der Kopfsatz einer der "klassischsten" überhaupt.


    Die 5. und 7. sind u.a. wegen ihrer seltsamen Finalsätze schwierig als Einstieg, besonders die 5. fand ich jedoch praktisch sofort ziemlich zugänglich.


    Die 3. und 8. sind als Einstieg einfach zu lang und zu ungewöhnlich.


    Die 9. ist zwar inzwischen meine Lieblingssinfonie, aber sie ist, besonders im Kopfsatz ein schwieriges Werk, im Klang näher an Berg als an der Spätromantik; hier sollte man mit 5 und 6 schon einigermaßen warm geworden sein (oder natürlich als Hörer Bergs und Schönbergs frühe Orchesterstücke kennen)


    Schließlich würde ich die Lieder (mehr noch als das LvdE) ebenfalls dem Einsteiger nahelegen. Auf die Verbindung der Gesellenlieder mit der ersten Sinfonie wurde schon hingewiesen, aber auch die anderen, besonders die aus des Knaben Wunderhorn, bieten einen sehr guten Einblick in diese eigenartige Mischung aus Groteske und Idylle, die bei Mahler so häufig ist.


    Wie immer das wichtigste ist aber einfach offen und geduldig zuzuhören, nicht schon vor dem Hören durch Klischees usw. künstliche Hürden aufzubauen.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Auch ich wurde durch die Erste Symphonie bereits als Knabe zum "Mahlerianer" -
    es handelte sich um eine alte, knacksende LP, eine LIVE Aufnahme
    unter Bruno Walter (ich glaube, mit den New Yorkern);
    am Beginn wußte ich zunächst nicht: stimmen die noch oder hat es schon angefangen - nicht zuletzt durch den hohen Husten-Geräuschpegel !


    Am dritten Satz faszinierte mich u.a. die starken Intonationsschwierigkeiten des Solo-Kontrabassisten am Beginn:
    dies lehrte mich, daß nicht immer alle LP Aufnahmen perfekt sind
    (was ich damals noch nicht gewohnt war) !


    Die Vehemenz des Finales und der triumphale Schluß zogen mich sofort in den Bann !
    Die CD Aufnahme mit der ich zufrieden war, ist jene mit
    der "Süddeutschen Philharmonie" unted Denis Zsoltay -
    an die bis heute schwer eine andere herankommt
    (auch Solti, der mir den weiteren Weg zu Mahler ebnete, überzeugt mich hier nicht restlos!)


    Die nächsten Symphonien waren dann Nr.5, 9, 7, 4, 6, 2, 3, 8 , 10, LVDE
    (Reihenfolge meiner erworbenen LPs bzw. CDs)


    Meine Solti-Highlights: Nr.6,7,2 und 8


    :hello:

    Gruß,


    Michael

  • Ich bin momentan dabei, einen Weg zu Mahler für mich zu finden.
    Nachdem ich mit den ersten beiden Sinfonien nicht wirklich klarkam - mir erschien das alles ziemlich banal - hatte ich Mahler erstmal beiseite gelegt.
    In den letzten Tagen hatte ich dann aber wieder Lust, mich mit ihm zu beschäftigen und bin von meiner ursprünglichen Intention, die Sinfonien chronologisch bzw. der Reihenfolge nach kennenzulernen, abgewichen.


    Und weil momentan die Abbado-Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern bei Dussmann zum halben Preis angeboten werden, habe ich mir die Aufnahme der 6. Sinfonie ausgesucht, die außerdem in den Verkaufslisten ziemlich weit oben steht.


    Und nach mehrmaligem Anhören habe ich jetzt das Gefühl, einen Weg beschritten zu haben, der mich zur Faszination Mahlers führt.
    Irgendwas muss an dem ja dran sein...


    Ich denke, dass ich jetzt noch wenigstens eine Woche regelmäßig die Aufnahme höre, um das Stück noch besser kennenzulernen. Bis jetzt gefällt mir die Sinfonie wirklich gut, besonders der Kopfsatz.
    Doch dann möchte ich eigentlich bald weitermachen. Jetzt ist nur die Frage, ob ich mir danach die 4, die 7 oder die 9 vornehme.
    Die gibt es alle im Angebot und ich würde gerne erstmal bei Abbado bleiben, da er mich wie gesagt bei der "Tragischen" überzeugt und auf den Weg zu Mahler geführt hat.


    Was würdet ihr mir empfehlen?



    Gruß, Peter.

  • Hallo Peter.


    Meine "Lieblinge" unter Mahlers Symphonien sind die 3., 7. und 8.
    (die einzigen beiden Symphonien übrigens, mit denen ich mich bisher noch nicht so 100%ig anfreunden konnte, sind N°4 und 5).
    Dann also wohl N° 7 - wäre jedenfalls mein Favorit unter den von dir genannten.
    (... die 2. erschien dir banal ?( )

    Viele Gruesse.
    Holger.

  • Zitat

    Original von Holger
    (... die 2. erschien dir banal ?( )


    Wenn ich vom wirklich wunderschönen "Urlicht" absehe, habe ich der Sinfonie nichts Gehaltvolles für mich entnehmen können.
    Ich gebe aber zu, dass das an einer zweitklassigen Aufnahme (Tabakov) gelegen haben könnte. Die hat mir aber auch die Lust genommen, mich weiter damit zu beschäftigen.


    Zitat

    Dann also wohl N° 7 - wäre jedenfalls mein Favorit unter den von dir genannten.


    Okay, erstmal danke. Eine Stimme für die Sieben.
    Mal schauen, ob noch jemand einen Tip hat.



    Gruß, Peter.

  • Hallo Peter.


    Zitat

    Wenn ich vom wirklich wunderschönen "Urlicht" absehe, habe ich der Sinfonie nichts Gehaltvolles für mich entnehmen können.


    ich habe auch vor allem an jenes "Urlicht" gedacht. Ich hätte eigentlich die 2. auch zu 4+5 rechnen müssen - nur das "Urlicht" reisst sie dann eben wieder 'raus. Ich bin nicht sicher, habe vorhin noch einmal d'rüber nachgedacht, aber ich glaube, N°8 würde ich jetzt gerade wohl als meine Mahler-N°1 nennen, knapp vor N°3 - aber bei der 3. und 8. würde ich vielleicht morgen wieder anders entscheiden.

    Viele Gruesse.
    Holger.

  • Zitat

    Original von petemonova
    Und weil momentan die Abbado-Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern bei Dussmann zum halben Preis angeboten werden, habe ich mir die Aufnahme der 6. Sinfonie ausgesucht, die außerdem in den Verkaufslisten ziemlich weit oben steht.


    Und nach mehrmaligem Anhören habe ich jetzt das Gefühl, einen Weg beschritten zu haben, der mich zur Faszination Mahlers führt.
    Irgendwas muss an dem ja dran sein...



    Hallo Peter,


    Mahler kann zum Glück auf sehr vielschichtige Weisen überzeugend interpretiert werden, und wenn Dir die imo sehr "altersmilde", fast schon positivistische, aber immerhin sehr klangschöne Aufnahme mit Abbado gefällt, dann willkommen in der musikalischen Welt Gustav Mahlers ;) .



    Ich kenne Abbados 7. mit dem Chicago Symphony Orchestra. Von dieser Aufnahme bin ich recht angetan. Abbados 9. ist interpretatorisch in Ordnung, aber beim Klang wurde imo ein bißchen übertrieben. Der erste Satz klingt ein bißchen nach "Harfenkonzert mit obligatem Orchester".


    Empfehlungen sind schwierig, da Geschmäcker verschieden sind (welch Erkenntnis ;) ). Mahlers 4. empfinde ich als am leichtesten zugänglich, bei Mahlers 7. könnte das Finale als zu "grell" oder "zu stark jublierend" empfunden werden, bei seiner 9. gehört das Schlußadagio für mich mit zu dem bewegendstem, was Mahler jemals geschrieben hat.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Zitat

    Original von petemonova
    [...]habe ich mir die Aufnahme der 6. Sinfonie ausgesucht, die außerdem in den Verkaufslisten ziemlich weit oben steht.


    Und nach mehrmaligem Anhören habe ich jetzt das Gefühl, einen Weg beschritten zu haben, der mich zur Faszination Mahlers führt. [...]


    Ja, der erste Satz der 6. war auch bei mir ein erfolgreicherer Einstieg als vorangegangene Versuche. Ich glaube, für viele ein geeigneter Einstieg, vor allem geeigneter als die 1.
    :hello:

  • Hallo Peter!


    Dein Höreindruck von Banalität liegt gar nicht fern, Mahler verband ja absichtlich vermeintlich Banales mit Tief- ja Abgründigem. Wenn letzteres nicht deutlich hervorsticht, nun ja....dann kann einem Mahler in der Tat im Vergleich zu anderen Größen der Geschichte schon gar nicht so groß vorkommen.


    Die 7. - Mahlers "Nacht"-Symphonie ist sicher faszinierend aber halte ich auch für problematisch. Zumindest der letzte Satz ist eine Art "Über-C-Dur" - Mahler haut Dir die C-Dur Akkorde feierlichst nur so um die Ohren. Manch einer meint, das sei biiter ironsich. Es gibt auch gegenteilige Stimmen.


    Die 3. wird z Unrecht als Mahlers "Schwachpunkt" angesehen - nicht nur in der Quantität (100 min Spieldauer!!) ein überzeugendes Werk. V.a. der erste Satz birgt eine große Tiefe und Faszination. Quasi von Umrschleim des Kosmos zur Weltenentstehung. Es gibt da eine Passage, in der die Blechbläser aus der Höhe in die Tiefe quasi bohren, da kann man schon Gänshaut bekommen. Etwas Kitsch-Gefahr besteht im dritten Satz, wenn Mahler aus der Ferne ein Posthorn mit einer fast allzu süsslichen Melodie erklingen lässt, die streckenweise kruz an "Guten Abend, gute Nacht" erinnert. Dann tiefernster vierter Satz "O Mensch, gib acht" - gefällt mir hundert mal besser als das "Urlicht" aus der 2. - Der Finalsatz mit Knabenchor.


    Die 8. ist wohl Mahlers strittigstes Werk. Gigantomanie oder Geniestreich? Früher war ich zutiefst fasziniert vom ersten Teil (sie besteht aus 2 Teilen), heute geht es mir ähnlich wie Ulli.


    Tja, schwierig. Ich würde es mit der 3. mal probieren.


    :hello:
    Wulf


    P.S. Dvoraks KK mit Andras Schiff gibt es erst ab 25 EUR ;(

  • Hallo,
    meine Mahlereuphorie begann 1978 auf LPs mit der 5. /Solti,
    Schlag auf Schlag folgten 4. Kubelik, 1. Kubelik, 2.LSO,6.,7.,8., 9. LSO/ Solti,
    3. Levine, 10. Morris.
    Danach kamen viele andere dazu, ab 1983 jede Menge CDs.


    Mich hat diese Musik von Anfang an begeistert und tut es noch heute. :jubel:
    Hab mir nie Gedanken gemacht warum :angel:


    Z.Vergleich, Brahms habe ich erst in den letzten Jahren lieben gelernt ;)


    Gruß
    embe

  • Bei mir war Mahlers Erste anläßlich eines Jugendorchester-Preisträger-Konzerts der Initialzünder für die Zuwendung zu seiner symphonischen Musik.


    Der Durchbruch kam dann damit:


    und


    Derzeit erarbeite ich mir das Hören von Nr. 4 und 6.


    Der Weg ist noch weit.


    :hello:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Bei mir hat es mit Mahlers 2. begonnen, die mein Vater in seiner Platten-Sammlung hatte (Solti - Londoner). Später kam dann noch die 6. dazu (Solti - Chicago). Mein Beginn war von zwiespältigen Gefühlen begleitet - auf der einen Seite fiel es mir schwer die Musik zu erfassen, andererseits war mir klar, dass dies ganz große Musik ist (ich war damals etwa 14). Es brauchte eine Weile bis ich wirklich einen Zugang zu Mahler gefunden hatte - bei mir hat Bernstein "dabei seine geholfen", seine Interpretationen und Texte zu Mahler .

  • Hallo zusammen,


    Es ist ganz interessant, dass offenbar die wenigsten von Euch mit der 5. beginnen würden. Ich dachte eigentlich diese sei mit Abstand die populärste Sinfonie Mahlers, aufgrund Ihrer relativ eingängigen Melodik und weil das Adagietto auch in Viscontis "tod in Vernedig" ausgiebig verwendet wurde und ich es da zum ersten Mal gehört habe.
    In meiner Jugend habe ich die 5. jedenfalls verschlungen, weil Sie zum Teil diese unheimlich drängende hat und dann wieder das unglaublich ruhige Adagietto, Langweile kam da nicht auf (und kommt auch nach 25 Jahren nicht auf). Erst mit zunehmendem Alter erschliesst sich mir z.B. die wesentlich jenseitige 2. Die 1. habe ich am Anfang auch gern gehört.
    Allerdings ist bei Mahler das Konzerterlebnis essentiell, ich würde in jedem Fall versuchen die Sinfonien zuerst live kennen zu lernen.


    Beste Grüsse


    Syrinx :hello:

  • Hallo Syrinx,


    wo du gerade von der Fünften schreibst, fällt mir ein, dass meine erste Mahler-Sinfonie gar nicht die Erste war, sondern eben diese Fünfte.
    Ich hatte sie mir relativ zu Beginn meiner Sammelei in der Barbirolli-Aufnahme gekauft, aber auch das blieb nicht weiter bei mir hängen.


    Mich hatten damals nur ziemlich diese Eingangsfanfaren verwundert. Ist das eine bewusste Anspielung auf Mendelssohns Hochzeitsmarsch?
    Der Anfang ist ja gleich, nur geht es dann bei Mahler mollig weiter...


    Vielleicht sollte ich mir die Fünfte mal wieder vornehmen.
    Ansonsten erst mal vielen Dank an alle für die Hinweise! Auch, wenn ihr vor dem Finale der Siebten gewarnt habt: mich habt ihr damit neugierig gemacht. Ich glaube, ich werde mich dann auch langsam mal mit dieser Sinfonie beschäftigen, wenn die Zeit soweit ist.



    Gruß, Peter.

  • Hallo.


    Mein Einstieg war auch die 5. Ich denke auch, dass sie wegen des Adagietto die (partiell) bekannteste Symphonie ist. Ich halte sie für den Einstieg auch als angemessen.
    Auch die 4. würde ich dazu zählen, sie arbeitet zwar auch stark mit Ironie, doch ist das nun mal ohnehin ein gängiges Stilmittel Mahlers, an das man sich beizeiten gewöhnen sollte. Sie ist für mein Empfinden am "übersichtlichsten".
    8. und 3. halte ich dagegen zum Einstieg für weniger geeignet, da sie in ihrem Gigantismus abschrecken können.


    Aus dem überbordenden Mahler-Katalog den richtigen Dirigenten auszuwählen, ist eine Arbeit für sich. Bernstein, der vielen ja als Mahler-Wiederbeleber gilt, ist gewiss keine schlechte Wahl; seine früheren Aufnahmen sind vielleicht ein weniger radikal-emotional als die späteren. Das nächste Klischee: Boulez mit seiner analytischen Sicht - für mich mittlerweile ein bevorzugter Mahler-Dirigent, da ich vieles höre oder an Zusammenhänge erfahre, was mir zuvor verborgen blieb; und das Emotionale kommt dabei nicht zu kurz. Und Abbado schätze ich, weil er "schöne" Musik macht, die nicht nur die Oberfläche glänzen lässt, sondern in die Tiefe der Emotion weist.


    Grundsätzlich stimme ich zu, dass es unerlässlich ist, Mahler-Symphonien im Konzert zu erleben. Selten hat mich etwas derart umgehauen wie Mahlers 2. unter Rattle in der vergangenen Spielzeit oder der "Titan" unter Janssons ebenfalls mit den Berliner Philharmonikern.


    :hello:


    Gruß, l.

  • Ich habe Gustav Mahlers Symphonien "geordnet" kennen gelernt, als Jugendlicher die CBS-LP-Box "GM 10" mit Leonard Bernstein werkchronologisch durchhörend, mit Konzertführeranalysen dazu, teilweise in Taschenpartituren mitlesend. Erleichtert hat mir, dass ich von Anfang an Sinn hatte für die bewußten Brüche in Mahlers Musik, für die abrupten Stimmungswechsel, in der 1. Symphonie gleich im Trauermarsch, wo ja plötzlich eine Blaskapelle "durchmarschiert", dann mit den "Gewitterausbrüchen" in der ersten und zweiten Symphonie und so weiter. Auch die psychologische Mehrschichtigkeit (ähnlich wie bei Schubert), der oft durchhörbare Schmerz, das ironisch Verzerrte, das Fratzenhafte (Beispiel Scherzo aus der 7. Symphonie) sprachen mich von Anfang an sehr an. (Ich kenne aber einige Leute, die gerade das an Mahlers Musik abstößt, und ich kann sie auch verstehen.)
    Ich finde auch, viele Werke sind "Live"-Werke, sie entfalten im Konzertsaal eine ungeheure Wirkung, die Tonträger nur schwer wiedergeben können. Die 8. Symphonie etwa, obwohl zum Beispiel in der Aufnahme mit Georg Solti Anfang der 70er aus den Wiener Sofiensälen auch auf CD grandios, ist für mich ein totales "Live"-Werk. Andererseits hat Mahler die Orchesterstimmen oft so subtil gegeneinander gesetzt, dass Aufnahmen diese Details oft deutlicher offenbaren als der Gesamteindruck im Konzert. So gesehen ist das Studium etwa auch mit Partitur sicher sehr bereichernd.
    Mich haben Leonard Bernsteins Interpretationen aus den 60ern jahrelang sehr geprägt, ich liebe sie noch heute und "denke seine Tempi", wenn ich andere Aufnahmen höre. Im Lauf der Jahre habe ich aber auch andere Maestri sehr schätzen gelernt, was Mahler betrifft, etwa Bernard Haitink, der vor Bernsteins Tod bewußt und aus Respekt keinen Mahler mit den Wiener Philharmonikern dirigiert hat, auch Claudio Abbado (Berliner und Luzerner Aufnahmen) und in letzter Zeit Mariss Jansons, um nur einige zu nennen. Von Herbert von Karajan dirigiert kenne ich nur die 5. und eine Liveaufnahme von 1982 der 9. Symphonie, und beide erscheinen mir "schöner als von Mahler gewollt", faszinierend im Klang, aber zu ästhetisiert. Ich habe den Eindruck (von diesen beiden Aufnahmen ausgehend), Karajan konnte (und wollte!) mit den Brüchen in Mahlers Musik nichts anfangen.
    Mittlerweile bin ich - zugegeben - ziemlich Mahler-süchtig, versuche, möglichst viele Radioübertragungen von Konzerten mit Mahler-Musik mitzubekommen, habe als Langzeitprojekt im Kopf, zumindest alle Aufnahmen mit den Wiener Philharmonikern kennen zu lernen, bin Mitglied der Internationalen Gustav-Mahler-Gesellschaft, "fresse" deren periodische Publikationen zur aktuellen Mahler-Forschung - und mir ist auch sonst nicht mehr zu helfen :).


    Herzlicher Gruß
    Alexander

    Freundlicher Gruß
    Alexander

  • Mit Klemperers Londoner Aufnahme der Zweiten (es gibt auch noch eine aus München) hat meine Mahler-Passion begonnen. Ich hielt ihn damals für die Fortsetzung Bruckners (das hat sich inzwischen eher umgekehrt, wenn man überhaupt in solchen Kategorien denken kann).


    Es folgten die Erste, dann bei den Wiener Festwochen 1967 Abbados Sechste mit den Symphonikern.


    Der Siebenten und Achten habe ich mich aufgrund von Adornos Verdikten erst spät mich angenähert.


    Bei Mahler eine 'Lieblingssymphonie' zu benennen, fällt mir ausgesprochen schwer. Es wechselt halt. Das Chorfinale der Zweiten ist im Laufe der Zeit bei mir am ehesten etwas verblaßt. Zur Zeit ist mal wieder die Dritte mein Favorit: die 'kosmische' Dauer und Dimension, das lange Ausatmen im Finale bringt mir alle Aufgeregtheit der Welt zum schweigenden Stillstand ;).


    Schöne Aufnahmen davon gab es schon im TV zu hören und zu sehen mit Järvi beim Rheingau-Musikfestival und Abbado in Luzern.


    :hello:

  • Zu Mahler bin ich erst recht spät gekommen. Da hatte ich die ganzen Klassiker und sehr vieles aus der kalssischen Moderne schon abgegrast.


    Ich hatte in meinem Elternhaus zwar damals jederzeit Zugang zu den Mahler - Sinfonien (in der DG-Aufnahme mit Kubelik auf LP) doch hatte ich mich "nicht so richtig ran gewagt" - die "Dinger" waren mir auch zu lang.


    Bald war dann von Solti´s genialalen Decca-Aufnahmen in HIFI-Zeitschriften und bei Klassik-Freunden die Rede; es wurde von genialer LP-Klangqualitätgeschrieben und gesprochen.
    Auf sowas bin ich schon immer "abgefahren" - das wollte ich nun auch hören. Ich kaufte mit die Decca-LP-Kassette mit den 9Sinfonien (wird etwa 1980 gewesen sein).


    Mein Anfang machte dann auch schön brav von unten angefangen, die Sinfonie Nr.1 - ich war begeistert und meine damit den richtigen Anfang gefunden zu haben. Der Klang ist bis heute wirklich als vorbildlich zu bezeichnen und Solti´s Temprament kante ich ohnehin schon von anderen zahlreichen Platten.
    :yes: Das Solti ein Mahler-Dirigent war, bei dem Mahler-Hörsitzungen Spaß machen habe ich schnell erkannt.
    Ich machte auch Vergleiche mit Kubelik, die immer zugunsten Solti´s ausfielen.


    Die Gesangssinfonien in der Decca-Box (jedenfalls die entsprechenden Sätze) verursachten mir "Zahnschmerzen", sodaß ich erst mal die gesangsferien Sinfonien unter die Lupe nahm und so sehr bald meinen absoluten Mahler-Favoriten - die Sinfonie Nr.6 herausfand !
    Inzwischen schätze ich alle Mahler - Sinfonien außer der Sinfonie Nr.8, die warscheinlich selten bis nie hören werde.


    :] Natürlich habe ich seit vielen Jahren die Solti-Decca-GA auf CD (welche auch sonst :D).
    Durch sehr interessante Preisangebote habe ich mir in den letzen Jahren zum Vergleich die Chailly-Decca-GA beim NL Handelblatt gekauft, die wie Solti einen sehr guten Klang bietet und auch dieses Jahr die Bernstein-SONY-GA mit den New Yorker PH.


    Während ich inzwischen den Eindruck habe, dass ich mir den Chailly-Kauf hätte sparen können (außer bei der Sinfonie Nr.4, die wirklich fabelhaft ist), so begeistert mich die Bernstein-Jahrhundertaufnahme umso mehr - ein CD-Schatz erste Güte.


    Wenn ich im Klang baden will - dann kann man wirklich nur zu Solti greifen.


    :) Im Endeffekt bin ich aber kein Mahler-Hörer, der ihn jede Woche hören will und kann. Ich mache bei Mahler schon größere Hörpausen.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • 4; 2; 3; 5 - die Anderen kenne ich nicht gut genug. Mit der 1 habe ich es mehrmals probiert, aber damit werde ich einfach nicht warm.


    Jedenfalls halte ich die 4. schon mal aufgrund ihres sehr süffigen und zugänglichen Charakters gerade für Einsteiger als besonders geeignet


    Die 2. - und da insbesondere das Urlicht und das Finale gefallen mit ihrer überzeugenden Feierlichkeit. So ist es bei mir Tradition, dass zu Ostern die 2. läuft - naja, der Titel Auferstehungssymphonie drückt es ja passend aus.


    Bei der 3. überzeugen mich, wie oben schon genannt, eine gewisse Vertonung der Schöpfung. Dieser unglaubliche regelrecht sakrale Finalsatz ... pure Meditation.


    Die 5;6;7 und 9 habe ich mir - zugegebenermassen - noch nicht genügend zu Gemüte gezogen. Das wird sich aber mittelfristig noch ändern.


    Bei der 8. gefällt mir der erste Teil schon recht ordentlich. Mit dem Faust habe ich noch so meine Probleme.

    alle Menschen werden Brüder ...

  • Ich bin in meiner Jugend auf zwei Wegen zu Gustav Mahler gestoßen und in der Folge hängen geblieben - da waren einmal in verschiedenen Liederabenden seine Lieder und dann gab es natürlich den "Tod in Venesig". Dieser Film hat nicht nur mein Interesse für die Symphonik von Mahler erweckt, sondern auch für Thomas Mann.
    Bei meinener Wertschätzung für den Orchestermusiker Mahler möchte ich weiter differezieren zwischn den orchestralen Liedern (etwa "Lied von der Erde"), den rein orchestralen Symphonien (zB. 1., 5.) und den "gesungenen" Symphonien (zB. 2., 4.).
    Und darüber steht als ultima Ratio die 8.
    Mahlers 8. ist für mich überhaupt der absolute Höhepunkt des symphonischen Schaffens, nur von Schönberg´s "Gurreliedern" annähernd erreicht.


    teleton
    Nach dem "Tod in Venedig" war es auch für mich Solti, der mich auf meiner Entdeckungsreise zu Mahler zunächst geleitet hat. Das war eine Aufführung der 5. mit dem Chicago Symphonie Orchestra im Wiener Musikverein. Dann kamen (im selben Konzertsaal) einige Konzerte mit den Wiener Philharmoniker mit Bernstein und irgendwann war ein Geburtstagswunsch die 8. (wieder unter Solti - unter seiner Leitung habe ich sie in Paris live gehört). Dann habe ich mir auch andere Interpretationen auf Platte angehört - Gielen, Klemperer, Barbirolli - und bin irgendwann bei Bruno Walter hängen geblieben. Das Quartett Walter, Klemperer, Barbirolli, Bernstein hat auch jene Aufnahmen aufgenommen, die für mich maßstabsetzend sind. Gielen ist mir da etws zu analytisch und kalt (aber das ist subjektiv).


    Wenn ich einem Mahler-Neuling empfehlen sollte, womit er/sie beginnen sollte, tue ich mir schwer. Wahrscheinlich würde ich raten zunächst jene Lieder zu hören, die es als "echte" Lieder mit Klavierbegleitung und auch orchestriert gibt, um den Weg vom "schlanken" Klavier zum vollen Orchester erleben zu können. Der nächste Hörtipp wäre wahrscheilich das Adagietto aus der 5. (sehr bekannt) - eventuell sogar unter Beiziehung einer Partitur. Wenn sich dann noch immer ein gewisses Interesse zeigt, kämen die 2. und die 4. als nächstes dran. Und dann hoffe ich, dass es einen nächten Freund von Gustav Mahle gibt.


    Michael 2