Gibt es DIE PERFEKTE Operngesamtaufnahme???

  • Hallo an alle Opernfans!


    Ich hörte in der letzten Zeit viele Gesamtaufnahmen diversester Opern, viele von ihnen fand ich gut, manche weniger. Doch mir ist aufgefallen, dass ich noch keine perfekte Opernaufnahme zu hören bekommen habe (zumindest erinnere ich mich an keine).


    Immer stört mich etwas. Mal sinds die zu lange Rezitative, mal die Tempi, mal das Timbre oder der Gesangsstil eines Protagonisten, mal die Tonqualität.


    Nun wollte ich fragen: Gibt es für euch eine oder mehrere PERFEKTE Aufnahmen, wo euch absolut nichts stört??


    Bin gespannt auf eure Antworten!


    LG joschi

  • Hallo Joschi,


    schlicht und ergreifend: NEIN. Ich mäkle auch immer an einigen Details, aber es gibt Aufnahmen, die sehr nahe am perfekten sind.


    LG,


    Knuspi


  • Hallo Knuspi!


    Ich habe immer was zu mäkeln, aber ich bin mir sicher irgendwo da draussen muss es zumindest EINE perfekte Opernaufnahme für mich geben!


    LG joschi

  • Zitat

    Original von DonBasilio
    ...
    Immer stört mich etwas. Mal sinds die zu langen Rezitative, mal die Tempi, mal das Timbre oder der Gesangsstil eines Protagonisten, mal die Tonqualität.
    ...


    Woraus man schließen kann, dass es bei einer Oper, deren Rezitative dir zu lang sind, es also für dich ohnehin keine optimale Aufnahme geben kann....


    :hahahaha:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Zitat

    Original von Theophilus


    Woraus man schließen kann, dass es bei einer Oper, deren Rezitative dir zu lang sind, es also für dich ohnehin keine optimale Aufnahme geben kann....


    :hahahaha:


    Doch, doch da gibt es schon sehr gute Aufnahmen!! (aber die Rezitative lass ich beim Wiederholungshören meist eh weg) :stumm:


    LG joschi

  • Lieber Joschi,


    Perfektion ist etwas Relatives. Wenn ich die Callas als Lucia in den beiden ziemlich forumsbekannten Versionen höre (mit di Stefano), dann sind zwar bei der früheren Aufnahme die Töne alle sauberer und in der späteren nicht alle sauber, aber dafür der Ausdruck viel packender - dann wünsche ich mir eigentlich gar nicht, daß das "perfekt" wäre, sondern die Perfektion liegt dann darin, daß ich beide Interpretationen hören kann. Das ist viel schöner als nur eine.
    Außerdem hängt es natürlich von der momentanen Eigenstimmung oder dem momentanen Interesse ab. Manchmal ist man romantischer und badet gerne in Gefühlswelten, manchmal ist man rational und freut sich an Präzision. Insofern könnte ich sagen, daß es zahllose Aufnahmen gibt, die nahezu perfekt sind (und da kann man auch ruhig schon sagen, sie sind es). Nicht perfekt bin ich als Hörer.


    Aber wenn ich es anders herum nehme: An welcher Aufnahme habe ich noch nie etwas beanstanden oder mir Besseres vorstellen können: Das geht nur, wenn man keine oder kaum Vergleiche zur Verfügung hat. Aber ich versuch's und krame in meiner Erinnerung: Da sind die Hegerschen "Lustigen Weiber von Windsor", bei denen ich noch nie gedacht habe, die seien zu übertreffen. Die Maazel-"Butterfly" mit Scotto oder der Carlos-Kleiber-"Rosenkavalier" kommen auch in Frage (aber ich gebe zu, daß mir dann schon andere Versionen zusätzlich einfallen).


    Fix Laudon, warum stellst Du auch so gemeine und interessante Fragen? Ich sehe mich schon tiefsinnig meine Opern durchforsten und skrupelbeladen die Kassetten in der Hand zu wägen wie Hamlet Yoricks Schädel. Wilhelm Busch wäre besser: "Erstens, Geliebte, ist es nicht so? Ach, die Tugend ist nirgendwo..."


    LG


    Waldi

  • Es gibt sie - für mich jedenfalls, weil die Klangqualität mir nicht so wichtig ist. Es sind zwar nicht viele, aber immerhin.

  • Ich besitze vielleicht auch aufgrund des Strebens nach der perfekten Interpretation eine kaum noch zu überschauende Anzahl von Operngesamtaufnahmen, eine Werke im höheren zweistelligen Bereich. Spontan fällt mir eine einzige Aufnahme ein, die m.E. so überragend ist, dass ich wirklich nichts zu mäkeln habe und in anderen Interpretationen lediglich andere Varianten sehe:


    Elektra unter Karl Böhm bei der DGG


    Gruß aus Lübeck
    Dieter

  • Hatte ich nicht mal einen Thread eröffnet: "Die zehn besten Opernaufnahmen"? Die sind etliche bei, die nahe dran kommen an's "verweile doch, Du bist so schön!"

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  • Lieber Joschi,


    Ich schlage vor Kleibers Traviata mit Cotrubas und Domingo. :jubel: :jubel:


    LG, Paul


    PS Wenn einer mit Partitur mir sagt, etwas stimmt nicht, dann sind darin Fehler :D

  • Für mich wäre das der Live-Mitschnitt einer spannenden Aufführung, an der es nichts zu bemängeln gibt. An einer perfekten Studioaufnahme würde mich wahrscheinlich die Sterilität stören. Kann so etwas Komplexes wie eine Opernaufführung oder -einspielung überhaupt perfekt sein? Dass eine Theateraufführung oder Opernvorstellung immer etwas anders und nie ganz perfekt ist, ist ja gerade das Interessante. Vielleicht ist "perfekt" in dem Zusammenhang auch ein unpassendes Wort.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Zitat

    Original von musicophil
    Lieber Joschi,


    Ich schlage vor Kleibers Traviata mit Cotrubas und Domingo. :jubel: :jubel:


    LG, Paul


    Warum hältst du diese Einspielung für perfekt, Paul?

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Klar gibt es die. Jedenfalls dann, wenn man unter perfekt nicht das ohnehin langweilige "fehlerfrei" versteht, sondern vielmehr "Man kann es anders machen, aber man kann es nicht besser machen." Für mich fallen unter diese Kategorie "Der Fliegende Holländer" unter Ferenc Fricsay, "Der Freischütz" unter Carlos Kleiber, "Pimpinone" in der Titelrolle mit R. Süß.

    Dem Amateur ist nichts zu schwör.

  • Ich schliesse mich Musikophil an: die Traviata unter Kleiber mit Cotrubas finde ich auch perfekt. Ausserdem die "Lakmé " von Delibes unter Michel Plasson mit "Nathalie Dessay" in der Titelrolle und die "Alcina" von Händel mit Renée Fleming, Susan Graham und N. Dessay.


    Es gibt sicher noch viel viel mehr, die ich nur leider nciht kenne. Perfektion ohne Makel ist für mich auch ohnehin kein zu erstrebender Wert. Da bin ich mit Waldi ganz einer Meinung. :yes:
    Das, was perfekt ist, bewundert man respektvoll. Das was ergreifend SCHÖN ist (und kleine Schwächen hat!!!!) liebt man eben auch um der Schwächen willen.
    Siehe Lucia mit Callas.


    Fairy Queen

  • Zitat

    Original von Fairy QueenPerfektion ohne Makel ist für mich auch ohnehin kein zu erstrebender Wert. Da bin ich mit Waldi ganz einer Meinung.


    Hallo Fairy Queen,


    dem schließe ich mich gerne an. Die perfekte Operngesamtaufnahme wird es nur randwertig geben, aber doch erfreulich viele, die dem nahekommen.


    Nehmen wir die beiden Einspielungen von "Giulio Cesare in Egitto" - welche Einspielung ist perfekt, die von Jacobs oder die von Minkowski? Welche der Furtwängler-Einspielungen des "Fidelio" ist perfekt? Jede der 50-er Einspielungen begeistert (A propos Furtwängler: Welcher der beiden Ringe? Ich bin mehr als froh, dass es beide gibt). Die Sawallisch-Einspielungen von Orffs "Der Mond" und "Die Kluge" waren für mich immer perfekt. Bis ich dann die Alberth-Einspielung des "Mondes" mit einem unglaublichen Erb kennenlernte. Zimmermanns "Die Soldaten" in der Kontarsky-Einspielung - das wäre ein Beispiel für Perfektion.


    Meist ist es bei mir so, dass aus einer Vielzahl von Einspielungen (wie etwa bei Mozarts "La Finta Giardiniera", bei der ich alle erreichbaren Einspielungen besitze) sich ein Gesamtkosmos von unterschiedlichen Auffassungen und Stimmen ergibt, in der jede Einspielung ihren Platz hat und man selbst auf den Ludwigsburger Rettungsversuch von 1956 nicht verzichten möchte, weil zu seinen Fürsprechern Wunderlich gehört.


    Liebe Grüße


    Peter

  • Zitat

    Original von Melot1967


    Warum hältst du diese Einspielung für perfekt, Paul?


    Hallo Melot,


    Es passiert nicht oft, daß ein Dirigent vom Anfang bis Ende einer fesselt. Und das gelingt Kleiber bei mir. Die Akzente von ihm finde ich (also seehr persönlich) perfekt.
    Und wie Domingo, aber besonders Cotrubas singen... Das kann ich nicht beschreiben. Ich bekomme nur bei der Erinnerung an den Duetten wieder einen Gänsehaut. Wenn Du jene Einspielung nicht kennst, kann ich nur empfehlen sie einmal anzuhören.


    LG, Paul

  • Ich persönlich halte den Rossinischen "Barbiere di Siviglia" unter Vittorio Gui mit Sesto Bruscantini, Luigi Alva und Victoria de los Angeles für sehr nahe an der Perfektion. Allerdings finde ich Perfektion eh nicht so wirklich erstrebenswert. (siehe Posting von Fairy Queen)

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  • Hallo,


    was ist perfekt? Sind es die Sänger, ist es die Technik?


    Ist es nicht mehr oder weniger eine Geschmacksache? Darüber läßt sich bekanntlich streiten. :untertauch:


    Liebe Grüsse

  • Glücklicherweise gibt es die "perfekte " Gesamtaufnahme nicht.


    Und glücklicherweise selbst wenn ich mit einer Aufnahme 100%ig zufrieden bin - bin ich neugierig auf ANDERE (vielleicht sogar weniger "perfekte")Aufnahmen des Werkes.


    Letzlich gibt es verschiedene Werksauffassungen (innerhalb des Librettos und des Notentextes natürlich !!!), verschieden klingende Klangkörper (oh doch, einige gibts doch noch), verschiedene Klängästetik von seiten der Tontechniker, verschiedene Stimmfärbungen.


    Oh welch ein Glück...


    LG


    Alfred



    der sich vor der "perfekten" Operngesamtaufnahme gradezu fürchtet - sie würde jedermann den Mut nehmen eine Neuaufnahme zu produzieren...

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Glücklicherweise gibt es die "perfekte " Gesamtaufnahme nicht.


    Und glücklicherweise selbst wenn ich mit einer Aufnahme 100%ig zufrieden bin - bin ich neugierig auf ANDERE (vielleicht sogar weniger "perfekte")Aufnahmen des Werkes.


    Alfred
    der sich vor der "perfekten" Operngesamtaufnahme gradezu fürchtet - sie würde jedermann den Mut nehmen eine Neuaufnahme zu produzieren...


    Hallo Alfred,


    bin ganz deiner Meinung. Es gibt immer wieder perfektere Aufnahmen, im Auge des Betrachters, oder hier, im Ohr der Taministen


    LG

  • Ich vertrete den Standpunkt, dass nichts perfekt ist, noch sein sollte. Ich persönlich fände es langweilig, etwas perfektes zu hören. Gerade die kleine Details (das eben nicht perfekte) macht das Gesamte aus. =)

  • Meines Erachtens gibt es eine perfekte Aufnahme:


    W. A. Mozart
    Le Nozze Di Figaro
    Erich Kleiber
    Wiener Philhamoniker
    Wiener Staatsopernchor
    Poell, della Casa, Gueden, Siepi, Danco, Rössel-Majdan, Corena, Dickie
    Juni 1955


    Ich habe den "Figaro" in sehr vielen Aufnahmen. Aber hier stimmt alles - auch die musikalischen "Historismus-Fans" (Polemik!) - (wie ich selber teilweise) werden diese Aufnahme schätzen.


    Selbstverständlich ist dieses eine rein' persönliche Einschätzung und soll keine Allgemeingültigkeit aufzwingen...tja...es ist aber die perfekte Aufnahme, auch wenn ich kein unumschränkter Mozart- oder E. Kleiber-Fan bin.


    Bis dann.

    Einmal editiert, zuletzt von keith63 ()

  • Hallo keith63,
    ich bin vollkommen Deiner Meinung. Zu dem"Figaro"von 1955 kommt dann noch "Der Rosenkavalier" von 1954.Damit haben wir schon zwei perfekte Aufnahmen.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.


  • Hello :hello:


    ich besitze diese Aufnahme auch - nur diese übrigens :untertauch:
    und finde sie ebenfalls wunderschön



    LG Paul? :angel:

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