Carl Loewe - Meister der Ballade und des Liedes

  • Carl Loewe hat Gruppes Gedicht " Niemand hat`s gesehen " ebenfalls komponiert ( Op. 9 X No. 4 ). Überhaupt, die Lieder : Kanzonetta ( Goethe ), die bereits erwähnten " Süßes Begräbnis " und " Die Mutter an der Wiege ",
    " Mädchen sind wie der Wind " uvm.
    Köstlich " Hinkende Jamben " ( Rückert ) :
    Ein Liebchen hatt ich, das auf einem Aug schielte;
    Weil sie mir schön schien, schien ihr Schielen auch Schönheit.
    Einns hatt ich, das beim Sprechen mit der Zung anstieß,
    Mir wars kein Anstoß, stieß sie an und sprach : Liebster !
    Jetzt hab ich eines, das auf einem Bein hinket,
    Ja freilich, sprech ich, hinkt sie, doch sie hinkt zierlich.


    Ciao. Gioachino :boese2:

    MiniMiniDIFIDI

  • Diese Elfenkönigin gefällt mir SEHR, denn Gehirne von Nachtigallen können nur förderlich für mich sein. :pfeif:
    Lieber Gio, danke, ich wusste doch, dass es das Lied gibt und bin froh, dass mein Gehirn auch ohne Nachtigalen noch funktioniert. Jedenfalls macht das hier Lust, diese Lieder nochmal vorzukramen und die Versionen von Loewe und Strauss nebeneinander zu stellen. :yes:
    FairyQueen :angel:

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Diese Elfenkönigin gefällt mir SEHR, denn Gehirne von Nachtigallen können nur förderlich für mich sein. :pfeif:


    Und ich dachte, im Mondlicht funkelnde Tautropfen täten es - es muss sich um eine französische Elfenkönigin handeln :angel:


    Zitat

    Lieber Gio, danke, ich wusste doch, dass es das Lied gibt und bin froh, dass mein Gehirn auch ohne Nachtigalen noch funktioniert. Jedenfalls macht das hier Lust, diese Lieder nochmal vorzukramen und die Versionen von Loewe und Strauss nebeneinander zu stellen. :yes:


    So, o Wunder, mit dem Titel habe ich es auch gefunden. Wer singt? Wieder Gabriele Rossmanith (die Nr. 4 der Edition) ...


    Liebe Grüße Peter


  • Gabriele Rossmanith kenne ich noch als Studentin der Stuttgarter Musikhochschule. Dass sie auch Balladen singt, war mir nicht bekannt, doch ich freue mich darauf, ihre schöne Stimme mal wieder zu hören. :jubel:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Kann mir hier irgendjemand sagen, ob die Aufnahme einiger Loewe-Balladen mit Karl Ridderbusch, begleitet von Richard Trimborn (bei der DGG) jemals auf CD erhältlich war?
    Ich kenne Prey, Fischer-Dieskau, Quasthoff und manche andere mehr mit Loewe-Balladen, doch an Ridderbusch kommt m.E. niemand heran.
    Unendlich schade, wenn diese Aufnahme verschollen sein sollte!!!

    Musik: Atem der Statuen. Vielleicht: Stille der Bilder. Du Sprache wo Sprachen enden. Du Zeit, die senkrecht steht auf der Richtung vergehender Herzen. (Rilke)

  • Für die Loewe-Balladen war, ist und bleibt mir als liebster Interpret, Hermann Prey!!! :jubel: :jubel: :jubel:
    Ihm stimmlich sehr ähnlich singt (inzwischen wohl auch nicht mehr :( ) Rudolf Knoll. Aber ich habe auch die Ausgabe mit Dietrich Fischer-Dieskau.
    Dann gibt es noch ein junges, bislang nur wenig bekanntes Talent, Ernst Schmiedel. Auf Art-Bloxx hat er eine Page. Und hier der Link zur eigenen Page des Künstlerpaares: www.classic-voices.at
    Auf beiden Pages sind Hörproben seiner wohlklingenden vollen Baritonstimme, sowie auch von seiner sehr begabten Gattin, Elisabeth Meiszel, eine herrliche Sopranistin!


    Die liebsten Loewe-Balladen sind mir:


    Die Uhr, Herr Oluf, Odins Meeresritt, Graf Eberstein, Heinrich der Vogler, Die verfallene Mühle, Der Sänger und Die nächtliche Heerschau.


    Doch es ist auch gut und wichtig, dass die Meinungen bezüglich der Vorzüge und Nachteile über die gesanglichen Qualitäten der jeweiligen Interpreten so unterschiedlich ausfallen. Denn hätten wir alle den selben Musikgeschmack, dann wäre die Musik sehr bald eine fade Kost. Es lebe die Vielfalt!!!


    Mit lieben Grüßen,


    Diotima.

  • ja, auch meine liebsten Balladen sind :Heinrich der Vogler, Die verfallene Mühle,Der Nöck, der heilige Franziskus, und der Edelfalk ( genial).
    Auch wenn mancher Loewe als " leichte Kost" interpretiert finde ich seine Musik zu den Balladen einch nur passend. Die Musik lebt das Gedicht.
    Obwohl ich Prey ganz gerne mag, finde ich für Loewe einige der JPC Editionen genial : Garben/Moll, Garben Schmidt und Garben/Trekel.
    Im historischen Feld - Greindl - einfach toll.


    Gruß
    Berndt

    " Gott segne das ehrbare Künstlertum"

  • Richtig. Die Balladen sind ein sehr dankbares Gebiet für große Bässe. Für mich die stimmlich beste Leistung von Josef Greindl sind seine Aufnahmen er Loewe-Balladen mit Herta Klust. Auch Kurt Moll und Gottlob Frick,letzterer leidier nur wenige gesungen , waren ausgezeichnete Balladen-Interpreten.
    Herzlichst
    Operus

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Da wir gerade bei den Bässen sind:


    Diese Aufnahme von Theo Adam unterstreicht das zuvor Gesagte. Ein Ohrenschmaus :jubel:


    Freundliche Grüße Siegfried

  • Hallo, endlich werd ich ihn los, meinen Verdacht, daß es ein je ne sai quoi braucht fürs dramatische Kunstlied. Ich hab so viele Dieskau-Platten, daß ich ihn hin und wieder an etwas empfindlichen Stellen mit Prey vergleichen kann. - Das soll übrigens kein Glaubensbekenntnis werden, bloß eine typologische Betrachtung. - Straussens Ständchen, Schuberts Aufenthalt sowie eben sehr vieles von Loewe bedürfen nicht bloß stimmlicher Expansion, sondern als Pendant einer gut geerdeten bildhaften Artikulation und naiven Überzeugungskraft, also der Suggestivität eines guten Märchenerzählers. - In Straussens Ständchen etwa malt der junge Dieskau (WALP 516) in einem aufgesetzten Mondschein-Pointillismus die hüpfenden Elfentritte, ohne daß man ihn doch für eine Elfe hielte; aber die Phrase "die Rose, wenn sie am Morgen erwacht" bis zum Schluß gelingt Prey (SXL 21055) ungleich eindrucksvoller. Überartikulierende Sänger (Bostridge z.B.) sind meist miserable Balladen-Interpreten (man höre seinen Belsazar). - Um mir aber selbst das beste Gegenbeispiel vorzuhalten: Der großartigste aller (Schubert-)Erlkönige stammt m.E. von Elisabeth Schwarzkopf (sie singt hier allerings auch, wie mir scheint, etwas freier und quasi "mitgerissener", jedenfalls mitreißend).

    Zerging in Dunst das heilge römsche Reich


    - uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

  • Ich kenne leider noch nicht sehr viele Loewe Lieder. aber Lieder, die ich überaus liebe, sind folgende 4 Lieder aus Frauenliebe op. 60:


    "Helft mir, ihr Schwestern"
    "Süßer Freund, du blickest mich verwundert an"
    "An meinem Herzen, an meiner Brust"
    "Traum der eignen Tage"


    Diese Lieder finde ich in ihrer herrlichen Melodik und reinen, tiefempfundenen Gefühlswelt viel, viel schöner als die entsprechenden Lieder von Schumann!!


    Ich habe die Aufnahme von Brigitte Fassbaender


    Gerd

    "When I was deep in poverty, you taught me how to give" Bob Dylan

    Einmal editiert, zuletzt von gerdprengel ()

  • Wenn ich Karl Loewe-Balladen höre, dann überwiegend von dem großartigen und sensiblen Bariton, Hermann Prey! Seine außergewöhnlich schöne Stimme begleitete mich seit frühester Jugend mein ganzes Leben lang. Somit kann ich sagen, dass Hermann Prey mir den Weg hin zum Kunstlied gewiesen hat.
    Mit großer Freude höre ich ganz besonders gerne Carl Loewe-Balladen, sowie die Schubert und Strauss-Lieder.
    Hier nun meine liebste CD, schon unzählige Male gehört und immer wieder mit großer Freude: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:



    Mit lieben Grüßen,
    Diotima. :hello:

  • Hier kann ich dir zu 100% zustimmen, liebe Diotima. Hermann Prey ist auch bei Carl Loewe mein Lieblingsinterpret.


    Das gilt besonders, wenn man selbst erfahren hat, wie schwierig es ist, eine Loewe-Ballade zu singen.


    :hello:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Nach langer Zeit der gesundheitlich bedingten Forumsferne....und gerne zum Thema:


    ich liebe die Balladen und Lieder von C.L. auch sehr und finde sie sehr anspruchsvoll in der Interpretation.


    Bei der Suche nach geeigneten Noten, wurde ich in verschiedenen Antiquariaten endlich fündig (tiefe Stimme).


    Mit meiner GL studiere ich zur Zeit die Heinzelmännchen in Es-Dur und den kleinen Zyklus "Liederkranz für eine Baßstimme" Op 145 ein....herrliche Werke!!!


    Die Heinzelmännchen werden von verschiednen "alten" Sängern noch tiefer als Es-Dur gesungen...aber leider finde ich dazu keine Noten (nur nebenbei erwähnt)


    Meine liebsten Interpreten sind auch allen voran H. Prey, Greindl, Hotter, Moll, Adam und Fidi


    Meine Lieblingswerke sind: die verfallene Mühle, Hinkende Jamben, Die Uhr, Totentanz, Odins Meeresritt, Tom der Reimer, Erkönig, Heinzelmännchen, Meeresleuchten uvm.

    Liebe Grüße


    Manne

    2 Mal editiert, zuletzt von manne ()

  • Immerhin, wenn man bedenkt, daß die Erlkönige zeitgleich entstanden und Tom der Reimer 1876, nach Fontane - dies letztere war immer ein Lieblingslied meiner Mutter, und ich war von Jugend an sehr empfänglich für die Balance aus Historie und Romanze, für die Erotik und den Anflug der Ironie, die diese Idylle auch musikalisch auszeichnen. Löwe komponiert durchaus auf der Höhe der Vorlage, und der Stilwandel im Vergleich zu Schubert (wie hätte der wohl, hätte ers noch erlebt, den Tom in Töne gesetzt?) ist bemerkenswert. Vom Stoff her wäre es wohl eher etwas für Schumann gewesen, und zum Glück hat Wolf die silbernen Glöckchen nicht angeschlagen.

    Zerging in Dunst das heilge römsche Reich


    - uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

  • vitelozzo-tamare zur Information:
    Diese Aufnahmen sind in meinem LP-Bestand.
    Den Transfer auf CD habe ich selbst besorgt - ob es das inzwischen auch im Handel gibt, weiß ich nicht, aber die Balladen von Otto von Rohr gesungen, sind hier im Forum schon auf CD vorgestellt wurden.

  • Hallo, Herbert Henn,
    ja, sicher, alle Genannten sind Interpreten ohne Tadel... aber wurde Dietrich Fischer-Dieskau nur Opfer eines Flüchtigkeitsfehlers?
    Bei Loewe werden doch herrliche Geschichten erzählt; das sind zum Teil ja fast schon kleine Opern... und erzählen, das kann wohl keiner besser als Fischer-Dieskau. Was soll ich als Beispiel nennen? Mir fallen gleich Dutzende ein...
    Auf die cpo-Serie wurde bereits an anderer Stelle hingewiesen, da sind eine Menge "lebende" Interpreten beteiligt.
    Einen Großen Sänger, der noch unter uns weilt und noch Konzerte gibt, möchte ich ganz besonders hervorheben, den Bassbariton Robert Holl.

  • Hallo Loewe-Fans !


    Ich habe sie gesammelt auf Schallplatte und später auf CD. Mit Tenören (Hoppe, Schock, Hollweg, Pregardien), Baritonsängern wie FiDi, Prey, A. Schmidt und Bässen wie Adam, Moll, Greindl, Quasthoff und Ridderbusch.


    Für mich bleiben die Aufnahmen mit Werner Hollweg und Roman Ortner erste Wahl.


    Freundliche Grüße aus Burgdorf


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Frage an die Loewe-Oevre-Kenner:


    In der von mir betreuten CD-Edition Otto von Rohr beim Hamburger Archiv für Gesangskunst (zwei Boxen à 3CDs) finden sich auch mehrere exzellente Aufnahmen von Carl-Loewe-Balladen mit dem Bassisten, aufgenommen beim damaligen Südfunk Stuttgart, dazu zwei Balladen in O r c h e s t e r fassung mit dem hr-Sinfonieorchester Frankfurt/M. unter dessen Chefdirigenten der frühen 1950er Jahre Kurt Schröder: "Der Mohrenfürst" und "Odins Meeresritt".


    Bis heute ist es mir nicht gelungen herauszufinden, von wem diese Orchesterversionen - ja sicher Transkriptionen, jedenfalls Bearbeitungen der Originalfassungen mit Piano - stammen könnten. Weder die Carl-Loewe-Gesellschaft noch der Betreuer der jpc-Werkausgabe waren auskunftsfähig.


    Ich wäre sehr dankbar, falls jemand von Euch dazu einen Hinweis geben könnte - gern auch per eMail: KUS@ku-spiegel.de


    Herzlich Dank & Grüße, KUS



    Herzlichen Dank & Gruß, KUS

    Gilt es des Lebens höchsten Preis um Sang mir einzutauschen ...

  • Darf ich mal zu der Formulierung "Meister des Liedes" Stellung nehmen? Ich plage mich nämlich mit der Frage herum, ob sie zutreffend ist.


    An anderer Stelle des Forums (Rubrik "Seelenlieder der Forianer") hatte ich die ( kühne? ) Behauptung aufgestellt, Loewe habe mit seiner Vertonung von Goethes "Nähe des Geliebten" dieses Gedicht regelrecht kaputtgemacht ( und dabei die Loewe-Liebhaber um Nachsicht gebeten ). Es hat mir bis jetzt niemand widersprochen. Deshalb wiederhole ich sie an dieser Stelle noch einmal, in der Hoffnung, dass jemand reagiert.


    Ich bin kein wirklicher Loewe-Kenner, habe aber den Verdacht, dass Loewe zwar ein vorzüglicher Balladen-Vertoner ist ("Meister der Ballade" unterschreibe ich sofort!), mit Texten aber, die Lyrik im engeren Sinne sind, so seine Schwierigkeiten hat. Mir scheint, bei seinen Goethe- und Heinevertonungen op. 9 ist kaum etwas Gescheites herausgekommen.


    Könnte es sein, dass ihm bei subtiler Lyrik seine Neigung zur Theatralik und seine Liebe zum musikalischen Dekor im Wege stehen?


    Bis heute war ich da zeimlich sicher. Aber eben lese ich bei Fischer-Dieskau (Töne sprechen, Worte klingen, S.94):
    "Es ist ... rezivoll und höchst notwendig, den Liederkomponisten Loewe zu studieren, weil er hoch über dem Niveau der zahllosen Gedicht-Vertoner seiner Zeit steht."


    Und jetzt bin ich erst einmal verblüfft und muss mich wohl noch einmal in Loewes Lieder vertiefen.


    Was meinen die Mit-Forianer zu diesem Thema? Insbesondere die Loewe-Kenner oder gar seine Verehrer?

  • Zitat

    Original von Helmut Hofmann
    Bis heute war ich da zeimlich sicher. Aber eben lese ich bei Fischer-Dieskau (Töne sprechen, Worte klingen, S.94):
    "Es ist ... rezivoll und höchst notwendig, den Liederkomponisten Loewe zu studieren, weil er hoch über dem Niveau der zahllosen Gedicht-Vertoner seiner Zeit steht."


    Und jetzt bin ich erst einmal verblüfft und muss mich wohl noch einmal in Loewes Lieder vertiefen.


    Was meinen die Mit-Forianer zu diesem Thema? Insbesondere die Loewe-Kenner oder gar seine Verehrer?


    Loewe-Kenner bin ich nicht, aber ich mag seine Lieder/Balladen natürlich sehr.
    Mir ist aber nicht klar, was an dem Zitat verblüffend sein soll - wieviele der ZAHLLOSEN Gedicht-Vertoner aus Loewes Zeit kennst Du denn?
    Ich kenne fast keine, Marschner kann wohl mithalten, Kreutzer schon weniger!
    :hello:

  • Dein Einwand, lieber Moderator, hat mir bewusst gemacht, dass ich die Stelle bei Fischer-Dieskau mit verhaltenem Blick gelesen habe. Die Überlegenheit von Loewes Liedern gegenüber denen der "zahllosen Gedicht-Vertoner seiner Zeit" kann ich gar nicht beurteilen, weil ich kaum welche kenne (wie Du zu Recht vermutest).
    Ich war auf den ersten Teil des Nebensatzes fixiert und habe "hohes Niveau" nicht in der relativen Gültigkeit der Aussage erfasst. Tut mir leid!


    Meine These aber, dass Loewe ganz ohne Zweifel ein großer Balladenkomponist ist, in seinen Lyrik-Vertonungen jedoch auch nicht annähernd an das heranreicht, was zum Beispiel Schubert geschaffen hat (ich nannte als Bezugspunkte Goethe und Heine), möchte ich dennoch weiterhin zur Diskussion stellen, wenn ich darf.

  • Zitat

    "Es ist ... rezivoll und höchst notwendig, den Liederkomponisten Loewe zu studieren, weil er hoch über dem Niveau der zahllosen Gedicht-Vertoner seiner Zeit steht."


    Kein Grund zur irritiation
    Ohne mich jetzt auf einen Punkt festlegen zu wollen - nur einige allgemeine Gedankenanstöße:


    Zum einen ist ja nicht gesagt, daß Fischer-Dieskau mit dieser Aussage Recht hat - selbst von Mozart sind zahllose Fehlurteile überliefert.


    Aber selbst wenn die Aussage stimmt, dann läift Schubert wpohl "ausser Konkurrenz"
    Man darf nicht den Fehler machen, Loewe an Schubert messen zu wollen - etwas das man anderen Liedkomponisten nie antun würde...


    Aber - in der Tat -


    Loewes Stärke liegt in der Vertonung der Ballade. Kennt irgend jemand einen vergleichbaren Komponisten dieses Genres ?
    Er neigt daher ein wenig zur Übertreibung, was Liedern eher nicht so gut liegt, Balladen aber brauchen das, sind sie doch in gewisser Weise "erzählte Opern" Insofern möcht ich Dir beipflichten.


    Für alle die gern mitgeschrieben hätten, das Lied jedoch nicht finden konnten: Es befindet sich auf der cpo Gesamtaufnahme aller Loewe-Balladen (und Lieder) VOL 11 (Monica Groop & Cord Garben Track Nr 5 "Ich denke Dein".....


    mfg aus Wien
    ALfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

    sich im Thread Baustelle Avatarpool neu einen auszusuchen und am Threadende (gaaaanz weit untenI zu bestellen

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt


    ...
    Aber selbst wenn die Aussage stimmt, dann läuft Schubert wpohl "ausser Konkurrenz"
    Man darf nicht den Fehler machen, Loewe an Schubert messen zu wollen - etwas das man anderen Liedkomponisten nie antun würde...
    ...


    Loewe's Zeit waren die vier Jahrzehnte nach Schuberts Tod!


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Ich muss gestehen, nicht so sehr viel von Loewe zu kennen (ich besitze eine DG-Doppel-CD, u.a. mit FiDi und zwei oder drei der cpo-Reihe, bei letzteren habe ich aber höchstens mal kurz hineingehört). Ein paar der bekannten (Die Uhr) habe ich freilich schon als Jugendlicher auf LP kennengelernt. Manches habe ich als hörenswert, anderes als "spießig", jedenfalls recht angestaubt in Erinnerung. (Liegt teils auch an den Texten, wobei es wohl unfair ist, hier kritischer zu sein als bei Schubert oder Brahms.) Daher will ich kein Urteil über ihn fällen.


    Aber es gibt selbstverständlich auch einige sehr beeindruckende Balladen von Schubert und anderen Komponisten, z.B. Schumann (Belsazar, Die beiden Grenadiere, Die feindlichen Brüder) oder Wolf (Feuerreiter), selbst wenn wohl kaum ein anderer so viele Werke in diesem Subgenre hinterlassen hat.


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Nur zur Klarstellung: Es ging mir in meinem Beitrag nicht darum, Loewe schlechtzureden oder herabzusetzen. Ich höre Loewe sehr gerne. Zu meinen Lieblingsstücken gehören u.a. "Kleiner Haushalt", "Der heilige Franziskus" und "Süßes Begräbnis". Die Stelle "Komm wieder, Nöck, du singst so schön!" verlockt mich jedesmal zum Mitsingen.


    Mir geht etwas um etwas anderes. Für jemanden, der nicht nur Kunstliedliebhaber ist, sondern auch Gedichte liebt, ist die Frage sehr naheliegend: Ist dieser Text angemessen vertont, d.h. so, dass sein Gehalt vom Komponisten erfasst wurde?


    In diesem Zusammenhang ist mir aufgefallen, dass Loewe zwar mit Texten, die epischen Charakters sind, glänzend zurechtkommt, und im übrigen auch mit solchen Gedichten, die in ihrem Gehalt und ihrer sprachlichen Struktur nicht sehr anspruchsvoll sind, siehe Rückerts "Süßes Begräbnis".
    Sobald er sich aber an wirklich große Lyrik wagt, stößt er an seine Grenzen.


    Ich fragte mich, warum das so ist, und glaubte die Ursache in seiner Neigung zum musikalischen Dekor, zur kantablen musikalischen Linie und zu einer symmetrischen Taktordnung gefunden zu haben. Diese Neigung steht iihm wohl buchstäblich im Weg bei seinem Zugang zu Texten dieser Art.
    Meine Erwähnung Schuberts in diesem Zusammenhang war nicht sehr hilfreich, denn sie konnte so verstanden werden, als wollte ich Loewe herabsetzen. Ich ahnte, dass man mir dies vorhalten würde. Dabei war Schubert für mich nur der Maßstab, an dem ich mich bei den Goethevertonungen orientierte, um die Kompositionstechnik Loewes besser verstehen zu können.


    Es ist vielleicht sinnvoll, noch ein Beispiel zu geben, bevor ich meinerseits die Sache ruhen lasse.
    "Wanderers Nachtlied" ("Über allen Gipfeln...") ist bei Loewe für mich der Inbegriff einer naiven Vertonung. Mit "naiv" meine ich in diesem Zusammenhang die Art, wie musikalisch mit dem Gehalt des Gedichts umgegangen wird.
    Loewe nimmt den Text wörtlich. Er lässt tatsächlich seinen Sänger ruhigen und gleichmäßigen Schrittes durch die Nacht wandern. Die schrittmäßig getaktete Klavierbegleitung suggeriert das von Anfang an unüberhörbar.
    Darüber legt sich eine gefällige, einfach gehaltene Singstimme, die genau in diese Taktung eingepasst ist und kaum rhythmische Verschiebungen aufweist.
    Da singt einer ein nächtlich leises Wanderlied, genießt die Ruhe und freut sich beim Schweigen der Vögelein darauf, dass er sich jetzt bald auch zur Ruhe legen kann.


    Der Abgründigkeit des Goethe-Gedichts wird diese Vertonung nicht gerecht. Sie mag einem gefallen, und ich bin weit davon entfernt, darüber die Nase zu rümpfen. Nur ist sie für mich eben kein großes Kunstlied.


    Meiner Liebe zu Loewe tut das andererseits keinen Abbruch.
    Der Nöck singt eben gar zu schön!

  • Lieber HH,
    "angemessen vertont" -Was darf man darunter verstehen?


    "Wanderers Nachtlied", von Schubert vertont - ein Solitär!


    Nehmen wir doch einmal einen anderen Goethe-Text:
    Lynceus der Türmer
    "Zum Sehen geboren,
    Zum Schauen bestellt..."


    Leider wissen wir nicht, was Meister Schubert daraus gemacht hätte...


    Aber wir haben die wunderbare (meine Einschätzung) Vertonung von Carl Loewe (ist ja bei "Follow Goethe" drauf) und wir haben den gleichen Text von Robert Schumann vertont (hier beziehe ich mich auf eine Interpretation von Hermann Prey).


    Der Unterschied ist groß, sehr groß sogar. Soweit ich es überblicke, hat die Vertonung von Loewe eine weitere Verbreitung gefunden - ich stelle das nur fest, es hat mit "besser" oder "schlechter" nichts zu tun.
    Aber wer hat diesen Text nun "angemessen" vertont ?
    u A w g

  • Zunächst eine wichtige Feststellung:
    Der Begriff "angemessene Vertonung" ist sprachlich unscharf. Bei einem Kunstlied handelt es sich ja nicht um eine "Vertonung", sondern, wie der Name sagt, um ein musikalisches Kunstwerk auf der Grundlage eines lyrischen Textes.
    Man müsste also, wenn man präzise formulieren will, von einem "musikalischen Äquivalent" sprechen, wenn man das Lied vom Gedicht her sieht.
    Das Problem, um das es hier geht, bleibt indessen das gleiche!


    Der Begriff "angemessen" hat als Bezugsgröße das Gedicht, insbesondere seine Überschrift (sein Thema), die sprachliche Struktur und den literarischen Gehalt.
    Angemessenheit, im Sinne eines vollgültigen musikalischen Äquivalents, liegt beim Kunstlied dann vor, wenn der Gehalt des lyrischen Textes mit den Mitteln, die dem Komponisten zur Verfügung stehen, voll zum Ausdruck gebracht und nicht verflacht oder gar verfälscht wird.


    Am Beispiel von Wanderers Nachtlied II meinte ich das gezeigt zu haben. Der literarische Gehalt dieses lyrischen Gebildes verdichtet sich in den Schlussversen als existentielle Erfahrung von Tod in der Begegnung mit universeller Ruhe in der realen Natur.
    Das "Warte nur" gewinnt von daher einen kaum überhörbaren Ton von Warnung, ja Bedrohung.
    Wenn man nun, wie Loewe das in der musikalischen Struktur seines Liedes tut, aus dem Goethe-Gedicht das Lied eines Wanderers macht (siehe Taktierung der Klavierbegleitung), dann wird man mit dem Lied der lyrischen Vorlage nicht gerecht.
    Dieses Loewe-Lied stellt demnach ein - nach meiner Definition - nicht vollgültiges musikalisches Äquivalent dar.


    Ich gebe gerne zu, dass man in sehr vielen Fällen über diese Frage der "Angemessenheit" trefflich streiten kann. Fischer-Dieskau meint zum Beispiel im Hinblick auf "Wanderers Nachtlied I", dass Hugo Wolf "mit seiner psychologisierenden Frühvertonung dem Dichter am nächsten gekommen" sei, also näher als Schubert. (Auf den Spuren der Schubertlieder, 1971, S.59).
    Das kann man auch anders sehen. Darauf kann und will ich aber hier nicht eingehen.


    Bei "Lynceus, der Türmer", den Du, lieber "hart", in diesem Zusammenhang ins Spiel gebracht hast, liegen, aus meiner Sicht, die Dinge anders als bei "Wanderers Nachtlied".
    Ich möchte jetzt hier nicht in die Einzelheiten gehen, um den Beitrag nicht zu lang werden zu lassen.
    So viel nur:


    Beide Lieder werden dem literarischen Gehalt des Textes gerecht. Dass sie sich ganz unterschiedlich anhören, hat seinen Grund in der Art, wie die Komponisten diesen Text gelesen haben.


    Loewe nimmt den lyrischen Text absolut, losgelöst von seinem Kontext (Faust II). Schon das Klaviervorspiel setzt den entscheidenden Akzent: Ein lyrischer, fast schon jubilierender Grundton herrscht vor. Hier preist der Sänger die Schönheit der nahen und fernen Welt und erlebt sich selbst als einen im Schauen glücklichen Menschen.


    Schumann hat den Faust gelesen und komponiert in seinem Lied den Kontext mit.
    Ihm ist bewusst, und er lässt das auch durchklingen, dass Lynceus von Goethe als der Antipode von Faust hingestellt wird:
    Hier der passiv die ihm nicht verfügbare schöne Welt über die Augen wahrnehmende Türmer, dort der gewalttätig in die Welt eingreifende und diese verändernde (und darin scheiternde) Faust.
    Nicht umsonst lässt Schumann die Stelle "Und wie mir´s gefallen / Gefall´ ich auch mir" zweimal wiederholen und setzt hintendran auch noch eine fast trotzig klingende reine Klavierpassage, bevor er noch einmal fast von vorne beginnt.
    Man hört sehr deutlich die Absicht Goethes, die Seinsweise des Türmers, seine Haltung, die Welt als etwas Gegebenes, Schönes dankbar hinzunehmen, als voll berechtigt und legitim neben diejenige Fausts zu stellen.


    Also: Hier würde ich, im Gegensatz zu "Wanderers Nachtlied", bei Loewe nicht von einer "nicht angemessenen Vertonung" sprechen. Hier liegen zwei gleichwertige, auf unterschiedlicher Leseweise beruhende, musikalische Äquivalente vor, gesehen von der Textgrundlage her.
    -----------------------------------
    Nachtrag: Das "U.A.w.g." war unnötig. Ich ergreife sofort und mit allergrößter Freude jeden Ansatz zum Dialog, hier im Forum ( s. meinen letzten Eintrag bei "Das Schubertlied und seine Interpreten"!)

  • Ich kenne bisher nur 2 Lieder? Balladen? (ja, was denn nun?) von Loewe, aber eines der Stücke hat es mir von jeher angetan, wie nur weniges..."Der Wirtin Töchterlein", gesungen von Hans Hotter.
    Sicherlich keine hohe Dichtung dieser Text und ich weiß auch nicht, ob es an der Interpretation liegt, aber ich liebe dieses Stück sehr.

    "Die Glücklichen sind neugierig."
    (Friedrich Nietzsche)