Klassik bewusst hören - gewusst wie

  • Hallo liebe Klassikfreunde!
    Es ist auch für mich als Neuling im Klassikbereich klar, dass man diese Musik eher bewusst und konzentriert genießen sollte.


    Und genau das ist mein Problem, dass ich gerne hier ansprechen würde, da die meisten mir sicherlich dabei helfen können.
    Es ist nunmal so, dass ich ein Stück sehr gerne über die komplette Spieldauer bewusst hören möchte. Doch es passiert sehr schnell, dass ich dann in Gedanken komme und über - zum Teil wirklich belanglose Dinge nachdenke - und schon habe ich einen kleinen Teil des Stücks nicht erfasst.
    So ging es mir vor allem heute Vormittag, als ich die 5. Sinfonie von Mahler gehört habe, die ja doch recht lang ist. Ich habe versucht mich auf mein Bett zu legen, die Augen zu schliessen und dann einfach nur zuzuhören, doch leider hat das nicht wirklich geklappt. Ich habe wieder angefangen über Dinge nachzudenken und schon habe ich wieder etwas verpasst und ich habe das Gefühl, dass das was ich verpasst habe sehr wichtig war.


    Nun ist meine Frage an euch, wie ihr Klassik hört. Was macht ihr nebenbei? (Ich bitte darum z.B. Partiturstudium nicht zu schreiben, da das für mich momentan nicht in Frage kommt)
    Habt ihr auch manchmal dieses Gefühl einfach etwas verpasst zu haben? Ist es überhaupt möglich ein komplettes Stück bei einmaligen hören zu erfassen?


    Ich hoffe, dass mir jemand dabei helfen kann, dass ich dieses Problem zumindest ein bisschen abstellen kann.


    Gruß

    Zitat von André Glucksmann:
    Philosophieren bedeutet zuallererst, gegen die eigene Dummheit zu kämpfen.

  • Hallo,


    ich würde mir da keine allzugroßen Sorgen machen - natürlich verpasst man immer etwas durch eine gewisse immanente Unaufmerksamkeit. Dafür kann man CDs ja einfach öfter hören und jedesmal Neues entdecken.


    =)


    Grüßle,
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Lieber Manuel,


    das sehe ich wie Uli. Besonders bei einem Brocken wie Mahlers 5.


    Ich glaube auch, das gute Musik viel zu komplex ist, um sie einmalhörend zu erfassen. Das ist ja das Faszinierende an der Musik: immer wieder Neues entdecken zu können. Und zwar im nämlichen, ach so vertrauten Werk.


    Es schadet auch nichts, wenn Du beim Hören durch den Raum läufst (den Vorteil hat man ja beim Konservenhören). Oder auch nur einen Satz hörst. Und tags drauf den nächsten.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat

    Original von Manuel
    Habt ihr auch manchmal dieses Gefühl einfach etwas verpasst zu haben? Ist es überhaupt möglich ein komplettes Stück bei einmaligen hören zu erfassen?


    Ich würde mir an Deiner Stelle keine Sorgen machen. Es ist so gut wie unmöglich, ein Stück beim ersten Hören vollständig zu erfassen (eine Symphonie erst recht nicht). Von daher ist es unschädlich, wenn man mal eine Passage oder zwei verpaßt. Nach einem zweiten, dritten usw. Hören wird man allmählich mehr und mehr in das Stück eindringen.


    Wichtiger scheint mir, sich nicht durch zuviel Grübelei die Freude am Hören nehmen zu lassen. Da verpaßt du viel mehr von der Musik!

  • Es ist genausowenig möglich den Inhalt einer Sinfonie ohne Verluste zu erfassen, wie es möglich ist ein Theaterstück, ein Buch, oder sogar nur einen simplen Spaziergang voll bewusst zu erleben - und manchmal ist das auch gut so.
    Wir erhalten indes oft einen groben Überblick, eine vage Erinnerung, ein emotionell subjektiv gefärbtes Erlebnis, welches einer genauen Überprüfung in der Regel nicht standhält (Beispielsweise beim Wiederhören des Werkes)


    Frühere Generationen waren auf diesen EINZIGEN Eindruck - sei er noch so unvollkommen - angewiesen, heute können wir dank Tonaufzeichnung ein Werk beliebig oft - und noch dazu in verschiedenen Interpretationen geniessen (oder erleiden)


    Bleiben wir beim geniessen.
    Auch wenn ich hier nicht ohne Gegenstimme bleiben werde, so behaupte ich mal, die Musik sei in erster Linie zum Genuss komponiert werden- andere Motive waren erst in späterer Zeit vorhanden.


    Kaum jemand ist in der Lage einer langen Sinfonie - egal von wem - ohne Abschweifen von Gedanken zu folgen - wenngleich der erstarrte stereotype Gesichtsausdruck, welchen man in Konzertsälen bei den meisten Besuchern immer wieder beobachten kann, diesen Eindruck hervorbringen mag.


    Ein Rollenspiel.


    Das Gefühl was verpasst zu haben hatte ich in meiner Jugend oft -
    aber das gibt sich mit der Zeit....ebenso wie Deine "Schuldgefühle" gegenüber der Musik.


    mfg aus Wien


    Alfred

    Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert


  • Bei einem Theaterstück schaffe ich es problemlos, 100%ig dranzubleiben - das funktioniert anders ja auch gar nicht, zumindest für mich nicht -, in der Oper bei spannenden Aufführungen auch (Wenn meine LIeblingssänger auf der Bühne stehen, sowieso ;) :] ), aber im Konzerthaus passiert es mir auch immer wieder, dass meine Gedanken auf Wanderschaft gehen. Deshalb lese ich bei LAs immer mit, auch wenn ich die Texte in-und auswendig kenne, aber das hält mich bei der Stange.
    Was komisch ist: Daheim mit einer CD gelingt es mir viel besser, mich zu konzentrieren, da schaffe ich oft wirklich eine ganze Symphonie ohne nennenswerte Abschweifungen, aber kaum sitze ich in einem Konzertsaal, lasse ich mich von Hinz und Kunz (Von Husten und Rascheln ;) ) ablenken oder muss plötzlich an so lebenswichtige Dinge denken wie den Einkaufszettel :no: :no: :no: :no: Und je mehr ich mich über mich selbst ärgere, umso schwerer fällt mir die Konzentration. Denn da freue ich mich tagelang auf ein Konzert, und wenn es dann endlich so weit ist, funkt der ganz banale Alltag dazwischen :motz: :motz: :motz: :motz: Deshalb investiere ich mein GEld auch lieber in CDs als in Konzertkarten, die ja nicht gerade billig sind.
    lg Severina :hello:

  • Hallo Manuel,


    es passiert mir ständig, dass ich in Gedanken abschweife. Wie bei severina ist es auch bei mir so, dass es in Konzerten häufiger passiert, als wenn ich mich zu hause mit Kopfhörer aufs Bett lege.
    Also ich kann mich den Vorrednern nur anschließen, sich da bloß nicht verrückt zu machen, sondern einfach immer so viel zu hören, wie gerade bei einem ankommt. Dieses Maß, wie viel denn ankommt schwankt bei mir allerdings sehr wohl.


    Bis hin zu diesen magischen Momenten, wo nur noch man selbst und die Musik da ist - oder sogar nur die Musik ohne einen selbst! ;)
    Dies geht dann einher mit einem Glücksgefühl, dass Wissenschaftler gerne mit einer Endorphinausschüttung erklären.


    Aber erzwingen lässt sich dieser Zustand bei mir nicht. Manches mal habe ich auch schon gedacht, dass viele male von nicht so konzentriertem Zuhören nötig sind, bis es mal wieder so weit ist.


    Diese Momente sind für mich ein Teil der Motivation dazu so viel Musik zu hören. Aber ich muss betonen, dass es wirklich nur ein Teil davon ist. Musik zu hören bedeutet schon noch mehr für mich...


    Viele Grüße
    Frank

    From harmony, from heavenly harmony
    this universal frame began.

  • Hallo Manuel,


    in Bezug auf Musik, die ich noch nicht kenne, bin ich oft geradezu harthörig, obwohl ich schon seit vielen Jahren hauptsächlich Klassik höre.
    Deshalb muss ich Neues häufiger hören. In dieser "Kennlern"-Phase lasse ich oft zunächst die Musik nebenher laufen, während ich zeichne.
    Immer wieder passiert es mir, dass ich nach solchem Vorlauf die Musik wie zum ersten Mal höre und sie mich durchaus auch überraschen kann. Das braucht bei mir halt Vorbereitung.


    Viele Grüße

  • Ein interessantes Thema! Ja, mir geht es da ganz ähnlich wie Manuel: Ob vor meinen Lautsprechern, mit Kopofhörer oder im Konzertsaal: Ich schweife immer wieder mal ab und ärgere mich dann, daß ich es nicht schaffe, mich mal ganz auf die Musik zu konzentrieren. Gut, Ärgern bringt gar nichts, vielleicht aber ein Ratschlag, den jemand mal gegeben hat, um besser meditieren zu können (da gibt es ja das gleiche Problem): Man nehme die Gedanken wie Wolken am Himmel und lasse sie vorüberziehen. Aber leichter gesagt als getan, bei mir klappt es nur ganz selten. Aber dann ist es ein großer Gewinn und Genuß! Am ehesten erlebe ich es mit Kopfhörer und geschlossenen Augen, wenn nichts um mich her mich ablenkt. Dann kann es gehen, wie Frank eben schreibt:


    Zitat

    Bis hin zu diesen magischen Momenten, wo nur noch man selbst und die Musik da ist - oder sogar nur die Musik ohne einen selbst!


    :yes:

  • ich hoffe, dass ich beim Erstmalhören das Stück niemals vollständig :no: erfasse. Sonst wäre es völlig uninteressant für mich. Selbst z.B. nach dem z.B. 50. Reinziehen muss Neues zu entdecken sein..
    Eine gelungene Wiedergabe zwingt/fesselt/knebelt den Hörer förmlich zur Aufmerksamkeit. Eine langweilige Wiedergabe bewirkt das Gegenteil.
    Problem scheint möglicherweise eher darin zu liegen, wenn der Hörer wähnt, zu vertraut mit dem Stück zu sein, dass die Aufmerksamkeit nachlassen könnte.....


    :hello:

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  • Hallo Amfortas,


    Zitat

    Original von Amfortas08
    ich hoffe, dass ich beim Erstmalhören das Stück niemals vollständig :no: erfasse. Sonst wäre es völlig uninteressant für mich. Selbst z.B. nach dem z.B. 50. Reinziehen muss Neues zu entdecken sein..
    Eine gelungene Wiedergabe zwingt/fesselt/knebelt den Hörer förmlich zur Aufmerksamkeit. Eine langweilige Wiedergabe bewirkt das Gegenteil.


    das hängt doch nicht allein von der Wiedergabe ab, sondern u.a. auch von der eigenen Form.
    Und ob beim nächsten Hören was Neues zu entdecken ist, weiß man nach einem Mal nicht.
    Wenn ich ein Werk sehr mag, höre ich es auch in nicht so tollen Wiedergaben gern.


    Zitat

    Problem scheint möglicherweise eher darin zu liegen, wenn der Hörer wähnt, zu vertraut mit dem Stück zu sein, dass die Aufmerksamkeit nachlassen könnte.....


    Das scheint mir ein wichtiger Hinweis zu sein. Denn bei so einer Hör-Routine merkt man nicht so leicht, dass man vielleicht nicht ganz bei der Sache ist.


    Viele Grüße

  • Hallo!


    Das Problem kenne ich nur zu gut - und auch die erwähnten "Lösungen". Ja, Kopfhörer, im Bett und Licht aus klappt bei mir auch am besten. Aber man muss auch in der richtigen Stimmung sein. Das Stück muss einem wirklich gefallen und vor allem die Wiedergabe muss sehr gut sein.
    Ansonsten klappt es bei mir noch ganz gut bei flüssigen und packenden Aufnahmen von Stücken der Zeit bis etwa Schubert/Mendelssohn (also mit klarer, vertrauter Form und kompakter Gestaltung). Z. B. eine von Karl Böhm dirigierte Mozartsinfonie - da strahlt einem wirklich von der ersten bis zur letzten Note jeder Ton so entgegen, dass man gar nicht die Möglichkeit bekommt, an etwas anderes zu denken.


    Aber eine Mahlersinfonie ganz mitverfolgen ohne gedanklich abzuschweifen, das ist mir ohne Partitur (und selbst mit wahrscheinlich nicht ganz) noch nie auch nur ansatzweise gelungen.

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Wenn ich ein Buch lese,passiert mir das auch.Irgendwann merke ich,daß ich zwar einige Seiten gelesen aber nicht gespeichert habe.Dann geht es wieder dahin zurück,wo ich den Faden verloren habe und es wird nochmal gelesen.
    Besser geht es mir beim Anhören der Musik,irgendwie bekomme ich das besser hin.Aber von Anfang bis zum Ende voll konzentriert? Nein,das ist nicht mein Ding.Musik versetzt mich in einen mehr oder weniger glücklichen Zustand und wenn ich dann ein wenig wegmeditiere,stört mich das nicht.

    mfG
    Michael

  • Hallo zusammen,


    Musik bewußt hören zu können, ohne dabei allzu sehr mit den Gedanken abzuschweifen, ist denke ich auch Übungssache. Aber wie viele von Euch bereits schrieben, ist es überhaupt kein Problem mal etwas zu versäumen. Schließlich haben wir dank CD alle Zeit der Welt um uns mit einem Stück vertraut zu machen. Es ist doch schön beim jedem Hören etwas Neues, Überraschendes zu entdecken.


    LG


    Maggie

  • Das Abschweifen ist bei mir beim Live-Erlebnis eher selten gegeben; dort nur bei wirklich sehr langen oder langweiligen Stücken oder Interpretationen. Beim Konservenhören kenne ich das natürlich auch. Ich höre aber auch durchaus manchmal nebenher.


    Es ist freilich eine Art Konzentrationsübung. Wenn man eine Partitur grob mitverfolgen kann, kann das beim Fokussieren helfen. Es kann aber auch den umgekehrten Effekt haben, daß man sich gar nicht mehr aufs Hören konzentriert. (Das betrifft zum einen Anfänger, die noch große Mühe haben, überhaupt mitzukommen und vielleicht auch Profis, die eine Partitur ohne Musik im Kopf erklingen lassen und dann ständig mit dem tatsächlich erklingenden vergleichen: warum hier rubato, war der Einsatz einen Tick zu spät? usw. Ich habe hier zum Glück ein (Un-)kenntnislevel, das meistens eine Hilfe bei der Konzentration bietet.) Ich kenne es von mir, daß ich bei wörtlichen Wiederholungen, dacapos usw. noch mehr abschalte, wenn ich die Partitur vor mir habe...
    Oder "im Kopf" einzelne Stimmen mitsummen, den Takt mitschlagen usw.


    Eine Möglichkeit ist, sehr lange Werke manchmal nur satzweise zu hören. Es kann sicher auch nicht schaden, kürzere und bereits bekannte Werke bewußt konzentriert wahrzunehmen.

    Überdies ist vermutlich kontraproduktiv, immer bewußt und konzentriert hören zu wollen. Als Anfänger war ich dazu nur begrenzt in der Lage. Ich habe Stücke gehört, dabei auf "schöne Stellen" gewartet und ein Abschweifen bei den Passagen zwischen den Lieblingsstellen war ganz normal. Allerdings führt Erfahrung und konzentriertes Hören dazu, daß diese Passagen nicht mehr als Füllwerk zwischen schönen Stellen gehört werden, und dann ist plötzlich auch nicht mehr so viel Fokussierung notwendig, natürlich auch einfach, weil man das Stück insgesamt besser kennt. Man kann mit mehr Erfahrung wahrscheinlich auch zwangloser zwischen unterschiedlichen "Eindringtiefen" hin- und herschalten.
    Und man kann Werke mitunter erstaunlich gut kennenlernen, wenn man sie wiederholt "nebenher" hört... nicht daß ich das empfehlen würde, aber es geht.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • aus den Beiträgen entnehme ich, dass sog "gutes" Hören (was das auch immer sein mag ?( :() oft mit einem gelungenen Zugang zu einem Stück zusammenhängt. Und da finde ich, dass eine gute Wiedergabe , die echt fetzt, die wichtigste Voraussetzung ist. Natürlich auch die "Gestimmtheit" des Hörers (Kontrapunkt)
    Um zu "testen", ob eine Wiedergabe gut ist, lassse ich sie manchmal über die schlechtesten Lautsprecher/Kopfhörer und mit vielen nervenden Außengeräuschen abspielen. Wenn dann der Funke weiterhin rüberspringt (und Zugang zu Stücken haben immer etwas Plötzliches-Unerwartetes), dann ist sie gelungen. Schlechte Wiedergaben höre ich nicht gern.
    Ferner: bei guten Wiedergaben ist es erfahrungsgemäß so, dass zum Hörer fast jede "Milisekunde" des Stücks zu ihm "spricht", also keine Leerstellen
    Und man kann Werke mitunter erstaunlich gut kennenlernen, wenn man sie wiederholt "nebenher" hört... nicht daß ich das empfehlen würde, aber es geht
    Wahrscheinlich ist das in Wirklichkeit kein Nebenherhören, sondern eher der "Zwang" dem das Stück durch dessen gute Wiedergabe auf den geneigten Hörer ausübt.. er kann sich dem kaum entziehen und es bedarf dann keiner gezielt-angespannten Konzentration, sondern es ist ein "aktiv-passives" Wahrnehmen...



    :hello:

  • Hallo,


    wie die meisten anderen hier schweife ich sowohl bei Konzerten als auch beim CD-Hören oft ab; Ich höre außerdem sehr oft klassische Musik beim Arbeiten oder Lesen: Dann bekomme ich kaum etwas mit, horche aber an manchen Stellen auf und erfreue mich an ihnen.
    Dem aufmerksamen Hören haben mich durch einige Abendseminar bei Dr. Schaub (Ihr kennt ihn sicher von den Naxos-CDs "Klassik kennen lernen")mehr angenähert: Er bringt zu seinen vorgestellten Werken immer so genannte "Fahrplänchen" mit, das sind kommentierte Partiturausschnitte mit Zeitangaben für Referenzaufnahmen, so dass ich als Laiin daran herangeführt werde, wie z.B. Haupt- und Seitenthema variiert, ineinader verschränkt usw. werden. Auch viele andere Merkmale sinfonischer Musik und ihrer kompositorischen Gestaltung habe ich durch ihn kennen gelernt. Allerdings konzentriere ich mich nur in seltenen Fällen so sehr, dass ich wirklich einen Satz ganz konzentriert durchhöre.
    Manchmal helfen mir dabei auch ein paar Notizen zu Höreindrücken.


    Grüße
    tukan


    tukan

  • Das Problem von Mammutwerken wie Mahlers Fünfter ist doch, dass sie eigentlich gar nicht mehr in unsere schnellebige und kurzatmige Zeit passen. Durch die permanente Beeinflussung des Menschen durch Geräusche, Hektik, Unruhe, Tagesform, Biorhythmus und Klimakatastrophe ist es halt einfach schwierig, die nötige innere Ruhe und Konzentration für ein solches Werk zu finden.


    Ich bin daher seit einiger Zeit dazu übergegangen, mir von Mahlersinfonien nur noch einzelne Sätze am Stück anzuhören. Dies hat sich bewährt.
    Nachdem ich auch in Konzerten gemerkt habe, dass es in der Fünften von Mahler einfach viele Stellen gibt, die mich einfach langweilen, habe ich keine Lust mehr, dieses Werk am Stück zu hören. Streng genommen ist eigentlich jeder einzelne Satz daraus ein Werk bzw. eine Sinfonie für sich. Und genau so höre ich es auch.
    Selbst ein erfahrener und fähiger Mahlerdirigent wie Michael Gielen hat mich mit diesem Werk stellenweise gelangweilt, wenn er mir auch die absolute Abgründigkeit dieses Jahrhundertepos vor Ohren geführt hat.


    Man sollte sich generell Mammutwerke stückchenweise erarbeiten. Wer "versteht" oder "mag" schon Mahlers Neunte, wenn er sie "in einem Rutsch" durchhört? Das geht nicht. Allein der erste Satz ist von einer solch beängstigenden Dichte und Komplexität, dass er die volle Aufmerksamkeit und Kraft des Hörers fordert. Ich zumindest habe nach dem ersten Satz nicht mehr das Bedürfnis, noch den Rest der Sinfonie zu hören, zumal die Stimmung dann komplett umschlägt.
    Man überfordert sich auch einfach, wenn man zu hohe Erwartungen an sich selber stellt. Wer kann schon behaupten, einer Aufführung von Tristan und Isolde durchgehend mit voller Konzentration zu lauschen? Unmöglich. Ich plädiere einfach dafür, sich "große" Werke am Stück zu erarbeiten. Man sollte auf sich selber Rücksicht nehmen.



    Agon

  • Bonsoir,


    Bei Konzerten schweife ich am meisten ab, die Gefahr daß man abgelenkt wird ist im Konzert viel größer, auch bei einer "Sternstunde". Wenn ich hinten sitze werde ich von anderen Konzertbesuchern abgelenkt, die Husten, Rüffeln oder mal eben ein Bonbon auspacken :motz: :motz: :motz: :motz: :motz:. Oder das Konzert ist langweilig dann schweife ich mal schnell weg.


    Zuhause mit Kopfhöhrern bin ich fast 99% aufmerksam. Normalerweise dirigiere oder spiele ich ja dann auch mit und bin voll konzentriert.


    Wenn die Musik aus den Lautsprechern kommt, dann bin ich meistens mit was anderem beschäftigt (kochen, essen, spülen, putzen, Taminosurfen) und höre die Musik nebenbei.


    gruß
    roman

  • Das Problem von Mammutwerken wie Mahlers Fünfter ist doch, dass sie eigentlich gar nicht mehr in unsere schnellebige und kurzatmige Zeit passen. Durch die permanente Beeinflussung des Menschen durch Geräusche, Hektik, Unruhe, Tagesform, Biorhythmus und Klimakatastrophe ist es halt einfach schwierig, die nötige innere Ruhe und Konzentration für ein solches Werk zu finden.
    gilt das nicht für sehr viele Musikstücke, auch die der gegenwärtigen Moderne ? z.B. Kammermusik von Feldman, Nono... und die werden ja in der schnelllebenden Gegenwart geschrieben...
    Ich bin daher seit einiger Zeit dazu übergegangen, mir von Mahlersinfonien nur noch einzelne Sätze am Stück anzuhören. Dies hat sich bewährt.
    das kann ich bestätigen, als sinnvollen Zugang zu Mahler
    Streng genommen ist eigentlich jeder einzelne Satz daraus ein Werk bzw. eine Sinfonie für sich. Und genau so höre ich es auch.
    ja + nein. Es gibt in allen Mahlersinfonien thematische Bezüge zwischen den einzelnen Sätzen z.b. bei M9 zwischen Satz 1 + Satz 2 usw.. das sollte nicht unterm Tisch fallen..
    Selbst ein erfahrener und fähiger Mahlerdirigent wie Michael Gielen hat mich mit diesem Werk stellenweise gelangweilt, wenn er mir auch die absolute Abgründigkeit dieses Jahrhundertepos vor Ohren geführt hat.
    das liegt an der Wiedergabe.. (ich verehre aber Gielen auch als Mahlerdirigent, nicht so sehr die studio- sondern viel mehr die Live-Wiedergaben). bei guten Wiedergaben darf es keine solche "Leestellen" geben.
    Deshalb ist - nach meiner Erfahrung - wie bereits gesagt, Voraussetzung
    für ein "gutes " Hören eine sinnvolle Wiedergabe des Werks..


    :hello:

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  • Konzentriertes Hören setzt m.E. erst einmal voraus, dass man weiß, worauf man sich konzentrieren soll. Ansonsten ist's wie mit einer großen Menge von Tischtennisbällen, die auf einen zufliegen - man wird mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen fangen. Wenn man weiß, auf welchen man achten muss, z.B weil er eine andere Farbe hat, dann kann man diesen auch fangen; und mit ein wenig Übung nach dem gleichen Prinzip sogar mehrere Bälle gleichzeitig.
    Bei der Musik ist es ähnlich, und das ist z.B. genau der Ausgangspunkt des von Tukan erwähnten Stefan Schaub (zumindest in dem Buch, das ich von ihm gelesen habe): Klassische Musik ist so komplex, dass sie beim rein intuitiven Hören von noch nicht sehr gut bekannten Werken zwangsläufig mehr oder weniger am Hörer vorbeirauscht und Wesentliches nicht erfasst wird.
    Worauf man sich konzentrieren soll bzw. kann, ist natürlich von Musiktyp zu Musiktyp verschieden. Opern bieten z.B. durch den Text eine offensichtliche Möglichkeit (was nicht ausschließt, dass es, z.B. bei Wagner, noch wesentliche andere Ebenen gibt).


    Gruß,
    Frank.

  • Also zunächst mal ist dieser Umstand nichts schlimmes, wie es ja auch schon einige gesagt haben. Und dies gilt ganz besonders, wenn es sich um das heimische Hören einer CD handelt. Beim nächsten Hören werden andere/weitere Dinge wahrgenommen. Es ist auch gut, wenn man bei sich keinen Druck erzeugt, denn dann geht es schief. Wichtig finde ich, dass man das Stück wirklich hören will und nicht meint, es nun hören zu "müssen".


    Beim Lesen eines Buches passiert es mir auch manchmal, dass ich gedanklich abschweife, und dann nicht weiss, was auf den letzten Seiten eigentlich passiert ist. Dann muss ich natürlich ein Stück nochmal lesen, aber besser ist es in solchen Momenten, das Buch zur Seite zu legen und zu warten, bis man gedanklich freier ist.


    Bei Musik ist es aber weniger schlimm, wenn man abschweift. Oft ist die Musik ja sogar eine Stimulanz, um auf bestimmte Gedanken oder Stimmungen zu kommen. Okay, der Einkaufszettel oder die Steuerklärung ist damit wohl nicht gemeint, aber selbst das ist nicht so tragisch, man kann an einer beliebigen Stelle wieder in die Musik finden.


    Etwas ärgerlicher mag es sein, wenn es sich um ein Live-Erlebnis im Konzertsaal handelt. Das ist nicht reproduzierbar und kostet ja auch etwas. Auch hier: Gedanken und Stimmungen, die durch die Musik erzeugt werden, sind "erlaubt", ja gewollt. Aber es mag auch gerade durch die Live-Atmosphäre viele Ablenkungen von der Musik geben, gerade, wenn man nicht so konzerterfahren ist. Huster könnten einen stören, wo man sich dann vielleicht hineinsteigert. Oder man kann einfach nicht so entspannen wie zuhause, vielleicht ist man selbst damit beschäftigt, einen Husten zu unterdrücken etc. Ich selbst habe auch schon die Erfahrung gemacht, dass ich in dem langersehntem Traumkonzert saß, monatelange Vorfreude bis zur Nervosität, und dann im Konzert war ich von dem Eintreten des Ereignisse geradezu so überwältigt, dass ich hinterher das Gefühl hatte, ich habe das Musikstück selbst nicht richtig wahrgenommen.


    Noch eine andere Sache: Anstrengend finde ich etwa, wenn ich verschiedene Aufnahmen (vom selben Stück) vergleichhören will. Das ist natürlich sinnlos, wenn man dabei abschweift, man muss sogar sehr auf einzelne Details achten. Das mache ich so "erzwungenermaßen" sehr ungerne. Viel lieber höre ich Musik ohne diesen Druck.


    maticus

  • Hallo,


    noch eine Anmerkung zur Aufmerksamkeit bei Live-Konzerten:
    Man kann (oder zumindest die meisten können) nicht die ganze Zeit aufmerksam sein und jede Nuance mitbekommen. Dennoch ist es für mich nicht ärgerlich,wenn ich nicht alles detailliert genieße. Dennoch bin ich in diesem Rausch der Klänge und sehe, wie großartige Musik live gemacht wird. Und allein dieses Gefühl vermittelt mir den Eindruck dabeizusein in der Musik sowie es wohl nur noch schöner ein Orchestermitglied erfahren kann, wenn es spürt, wie alles klappt und stimmt und der wunderbare Zusammenklang entsteht, gleich ob es sich um eine Kammerformation oder die große Besetzung bei einer Mahler-Sinfonie handelt.
    Dieses Erlebnis bei einer guten Aufführung trägt mich oft noch tagelang durch den Alltag, bleibt unvergesslich und erhöht den Nachgenuss des gleichen Werkes auf CD.
    Manchmal darf man auch den analytischen Sinn zugunsten des ganzheitlichen Genusses vernachlässigen! ;)


    Grüße


    tukan

  • Zitat

    Original von Spradow
    Konzentriertes Hören setzt m.E. erst einmal voraus, dass man weiß, worauf man sich konzentrieren soll. Ansonsten ist's wie mit einer großen Menge von Tischtennisbällen, die auf einen zufliegen - man wird mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen fangen. Wenn man weiß, auf welchen man achten muss, z.B weil er eine andere Farbe hat, dann kann man diesen auch fangen; und mit ein wenig Übung nach dem gleichen Prinzip sogar mehrere Bälle gleichzeitig.
    Bei der Musik ist es ähnlich, und das ist z.B. genau der Ausgangspunkt des von Tukan erwähnten Stefan Schaub (zumindest in dem Buch, das ich von ihm gelesen habe): Klassische Musik ist so komplex, dass sie beim rein intuitiven Hören von noch nicht sehr gut bekannten Werken zwangsläufig mehr oder weniger am Hörer vorbeirauscht und Wesentliches nicht erfasst wird.


    Mir scheint hier ist sehr wichtiges gesagt, insbesondere über den Zusammenhang von "in Gedanken kommen" und bewusstem Konzentrieren auf den Klangfluss: Mir scheint das ein Wechselspiel zu sein: Nur wenn ich mir auch in Gedanken klar gemacht habe, worauf ich meine Konzentration richte, kann ich dies in der Folge dann auch ohne Gedanken tun und konzentriertes Hören rein auf den "Klang" üben.
    (Aus diesem Grunde ist auch das Sprechen und Diskutieren über das Gehörte so wesentlich...)


    Alledings sollte dies die richtigen Gedanek sein, also Gedanken über das, was in der Musik so abgeht, nicht aber freie Assozation oder Erinnerungen oder Phantasien, die herangetragen werden.

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Hallo a.b.,


    Zitat

    Original von a.b.
    Alledings sollte dies die richtigen Gedanek sein, also Gedanken über das, was in der Musik so abgeht, nicht aber freie Assozation oder Erinnerungen oder Phantasien, die herangetragen werden.


    persönliche Phantasien & Assoziationen lassen sich doch aber nicht vermeiden. Und ich meine, man sollte sie auch nicht unterdrücken, weil sie eine Rolle dabei spielen, ob man zu einer Musik "einen Draht bekommt".
    Vielleicht zeigt sich die Stärke von bedeutender Musik sogar gerade darin, dass sie viele Menschen "persönlich" anzusprechen scheint.


    Viele Grüße


    P.S. Auch wenn meine Signatur etwas anderes zu sagen scheint ...

  • Hallo Manuel,
    das bewußte oder gar analytische Hören von Musik im allgemienen und Klassik im speziellen ist m.E. nur eine von vielen Möglichkeiten Musik zu hören. Ich kann mit einer Partitur z.B. gar nix anfangen. Und ich muss auch beim Hören von Musik diese nicht in Ihre Bestandteile zerlegen. Oft geht es mir einfach nur um die Stimmung, die die Musik erzeugt. Bach erzeugt bei mir oft einen Traceartigen Zustand. Bei Mahler fühle ich mich oft erhaben. Oft denke ich mir: "Wenn ich komponieren würde, dann würde meine Musik genauso klingen." Oft ertappe ich mich aber auch, dass ich abschweife und mich dann die Musik pakt, mich aus meinen Gedanken reißt. Vor gar nicht allzu langer Zeit war ich im Auto völlig in Gedanken. Plötzlich begann ich zu weinen. Es wahr der Männerchor in Schostakowitschs 13, der mir nebenher gehört und ohne jegliches Bewusstsein für das Gehörte die Tränen in die Augen trieb...


    Liebe Grüße
    GalloNero

    ... da wurde mir wieder weit ums Herz ... (G. Mahler)

  • Bewusstes Hören - das ist nicht einfach und schon gar nicht, wenn man es täglich stundenlang probiert! Auch eine Überdosis Musik als "Berieselung" ist meiner Erfahrung nach nicht besonders förderlich, konzentriertes Hören zu erlernen. Die Empfindlichkeit gewissen Reizen gegenüber sinkt mit der Gewöhnung an diese - sprich: je mehr Musik ich auf mich rieseln lasse, desto weniger nehme ich sie noch bewusst wahr. Wieso nicht einmal musikfreie Tage genießen - um dann wieder umso bewusster hören zu können?


    Ich habe das Zitat leider nicht zur Hand, erinnere mich aber an eine Aussage Stravinskys, Musik, die man mit geschlossenen Augen hören könne, sei ihm suspekt. Auch ich erlebe es, mit geschlossenen Augen (vielleicht noch im Bett liegend) eher müde als aufmerksam zu werden. Ein Herbert von Karajan hingegen konnte erst mit geschlossenen Augen in seine Klangmassen eintauchen. Das bewusste Wahrnehmen von Musik, den Musikern, der Umgebung mit allen Sinnen (v. a. hören+sehen) ist meiner Aufmerksamkeit hingegen sehr förderlich. Im Konzertsaal kann ich Musik daher sehr viel intensiver erleben - nur leider nicht immer die gewünschte (Spätromantik, Moderne), weshalb ich den Tonträgern wieder sehr dankbar bin.


    Wenn es schon kein Partiturstudium sein soll (das meiner Meinung nach eine der besten Möglichkeiten darstellt, Musik zu erleben), so kann theoretisches Wissen über Form, Tonsatz (evtl. Programmidee) sicherlich helfen, den Überblick zu bewahren (oder gewinnen) und die Musik aufmerksamer zu verfolgen. Im Endeffekt benötigt Musik, mit der bereits der Komponist gekämpft hat (z.B. Bruckners Sinfonein etc.) sicherlich auch eine Menge Zeit, um erschlossen zu werden. Ein Popsong lässt sich da wohl wesentlich schneller erarbeiten...


    Sonst halte ich es mit meinen Vorschreibern: Ich bin froh, immer wieder neue Aspekte eines Werkes zu entdecken. Die Tendenz unserer schnelllebigen Gesellschaft, immer mehr Sinneseindrücke in immer kürzerer Zeit zu erleben, machen es klassischen Musikwerken, die mit Zeit und Muße rechnen, aber sicher nicht leichter... Muss man sich Sorgen um den Klassiknachwuchs machen?

    "Das Höchste in der Kunst - vor Gott besagt's nicht viel.
    Hat doch die Welt zuletzt nur ein moralisch Ziel."
    (Hans Pfitzner)

  • Das Problem von Mammutwerken wie Mahlers Fünfter ist doch, dass sie eigentlich gar nicht mehr in unsere schnellebige und kurzatmige Zeit passen. Durch die permanente Beeinflussung des Menschen durch Geräusche, Hektik, Unruhe, Tagesform, Biorhythmus und Klimakatastrophe ist es halt einfach schwierig, die nötige innere Ruhe und Konzentration für ein solches Werk zu finden.


    Dass es schwierig sein soll, einem Werk wie Mahlers Fünfter "in unserer schnelllebigen und kurzatmigen Zeit" konzentriert zuzuhören, halte ich für ein Gerücht. Die Menschen stürmen aktuell geradezu in Konzerte, in denen Mahlers Fünfte gegeben wird. Und hören dort mucksmäuschenstill, mit der gebotenen Andacht und hochkonzentriert zu. Das haben Willi und ich gerade erst vor etwa zehn Tagen in der Berliner Philharmonie mit Simon Rattle erlebt - in anderen Städten mit anderen Dirigenten wird es nicht anders sein.

  • Es ist aber schon, lieber Swjato, eine sehr kleine Anzahl von Menschen, die das tun (über die Motive müssen wir jetzt hier nicht diskutieren), da gebe ich Agon absolut recht. Geh' getrost davon aus, dass viele Leute wegen des Adagiettos kommen und ihnen gar nicht klar ist, worauf sie sich so einlassen. Dass die Leute mucksmäuschenstill zugehört haben lässt immerhin darauf schließen, dass ihr nicht in Köln wart. Dort ist es höchst selten mucksmäuschenstill (Stichwort: Husten im Konzert. Heinrich Böll, der eine Kurzgeschichte mit diesem Titel geschrieben hatte, war bekanntlich Urkölner...). Und hochkonzentriert? Ein Abo-Publikum? Nee, die bewahren bestenfalls die Contenance. Aber schön, dass Du diesen Thread wieder ausgegraben hast. Ich werde mal darüber nachdenken, wie sich Musik am besten bewusst hören lässt und dann berichten, wo es zumindest mir gelingt.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Volle Zustimmung, lieber Thomas,


    man höre sich doch nur - aber bitte nur probeweise! - den Radiosender "Klassikradio" an - Deutschlands beliebtester Klassikradiosender, so deren Originalton (sie dürften es wohl nicht unbeanstandet sagen, wenn's nicht stimmen würde)!


    Dort gibt es nur Musikschnipsel zu hören - einen Ausschnitt aus dem Bolero, irgendeinen Satz aus der kleinen Nachtmusik usw., selbst vor Schnipseln aus Sinfonien u. ä. schreckt man dort nicht zurück.


    Die längste "klassische Musik an einem Stück" dürfte sich so zwischen 6 - 8 min. bewegen - ich hab's nicht mit der Stoppuhr verfolgt.


    Sollen die Leute, die sich das anhören, ruhig ihre Freude daran haben - es ist für mich nur symptomatisch, was heute viele Menschen - beliebtester Sender unter den Klassikmusikfreunden! ?- unter klassischer Musik verstehen.
    Und zu den Wallfahrtsaufzügen in Bayreuth und sonstwo habe ich schon mal meine Meinung gepostet.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

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