Dvorak-Sinfonien - - Gesamtaufnahmen

  • Zitat

    Original von Agon



    Es ist einfach lächerlich, diese Aufnahmen als Referenzaufnahmen hinzustellen, wie es einige weiter oben tun. Wenn man keine Ahnung hat, sollte man lieber mal schweigen. Was man hier zu hören bekommt, ist allenfalls Durchschnittsware und kann in keiner, ich wiederhole: in keiner, Weise mit den Spitzenaufnahmen dieser Werke mithalten. Wer Kertesz, Neumann und Einzelaufnahmen mit Ancerl, Suitner, Chung, Dohnanyi kennt, wird sich über die hier vorhandene Qualität totlachen. Das Geld kann man sich wirklich sparen.



    Über Deine Diktion kann ich mich allerdings nicht totlachen. Und wenn Du sowohl meinen Beitrag als auch die der Folgehörer genau gelesen hättest, hättest Du festgestellt, dass jeder von uns sehr persönliche Höreindrücke dieser Box schildert, aber niemand einen Vergleich mit anderen Dirigenten zieht und auch keiner das Wort Referenz in den Mund nimmt.


    Aber wenn Du all diese Einspielungen so gut kennst, wie wäre es denn dann mit einem wirklich fundierten Vergelich, wo Du bei jeder der Sinfonien die Stärken und Schwächen der einzelnen Klangkörper und der einzelnen Dirigenten beschreibst?


    So, wie er jetzt dasteht, klingt mir Dein Beitrag eher nach dem Ton, der in manch anderem Forum üblich sein mag, nicht aber bei Tamino!



    Elisabeth

  • Hallo, Agon!


    Obwohl ich mich ansonsten in diesem Forum wirklich um Neutralität und Distanz bemühen möchte, muss ich mich doch auch wundern und Elisabeth uneingeschränkt beipflichten!


    Anguelov hat mich überzeugt, an meine Achte mit Neumann auf LP reicht die seinige trotzdem nicht heran. Von einer "Referenz" hat hier in der Tat niemand gesprochen. Worin Dein grobschlächtiger und fast beleidigender Tonfall auf der Beziehungsebene begründet sein sollte, bleibt einigermaßen unklar. Und die Sachebene könnte ich mir differenzierter vorstellen.


    Ich bilde mir ein, sachliche und ausgesprochen gute Beiträge von Dir in Erinnerung zu haben.


    Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Zitat

    Original von Agon
    Meine Bewertung der Dvorak-Sinfonien-Gesamtaufnahmen:


    1.) Rafael Kubelik, DG:


    Der allerletzte Schund. Weichgespülter, folkloristischer Dreck. Der Antikommunist Kubelik at his worst. Die von Karajan versauten Berliner Philharmoniker spielen so unterirdisch schlecht und zähflüssig, dass es sich eher nach Kläranlage als nach Dvorak anhört. Für alle, die auf sowas stehen- bitteschön!


    Du weißt sicherlich selbst, daß das völliger Blödisnn ist.


    Zitat

    Original von Agon
    2.) Istvan Kertesz, Decca:


    Die mit Abstand beste Gesamtaufnahme. Ein Spitzenorchester in seiner goldenen Zeit mit einer exzellenten Klangtechnik und einem Dirigenten, der weiss, wie man Dvorak zu spielen hat.


    Hier bin ich mit Dir einer Meinung.


    Allerdings bringt es einer Diskussion wirklich nicht viel, wenn man mit einem vorgefertigten Bild einsteigt, um alles Abweichende abzukanzeln.


    By the way: wie sieht's mit Deiner Einschätzung der GA unter Rowicki aus? Die halte nämlich ich für ganz vorzüglich (und qualitativ im Umfeld der Kertesz-GA).


    Unabhängig davon, lieber Agon: Wenn eine Ga, die sich wertgeschätzt in meinem Bestand befindet, als "weichgespülter Dreck" bezeichnet wird, so erzeugt das Reaktanz, will heißen, ich lege mir eine dieser Platten auf. Als Einschätzungsantipode muß ich da jetzt vorsichtig sein, aber von der Nr. 5 habe ich genügend Vergleichsaufnahmen, um sagen zu können, daß Kubelik Deinem Urteil nicht standhält.


    Meine persönliche Meinung. Behalte Du die Deine.


    Aber gesagt werden musste das.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Hallo Thomas,


    ich finde auch, wenn man Aufnahmen abkanzelt muß dies in einer vernünftigen und wichtig auch begründeten Wortsprache geschehen.


    Ich möchte kurz auf Deine Frage zur Rowicki-GA (Philips) eingehen:
    Damals in den 80ern hatte ich auf LP Einzelaufnahmen der Sinfonien Nr. 8 und 9 mit Ozawa/San Francisca SO. Um nicht allen weiteren Sinfonien hinterherzurennen kaufte ich die GA mit Rowicki.
    Ehrlich gesagt haben mich damals die frühen Dvorak-Sinfonien unter Rowicki wenig angesprochen und der Vergleich mit den beiden letzten Sinfonien ging auch für Rowicki in Richtung langweilig ohne Pepp.
    ((Im Prinzip war das mein Anfang immer öfter Interpretationsvergleiche zu ziehen und nicht mehr nur eine Aufnahme von einem Werk haben zu wollen.))


    Später kaufte ich dann auf CD die Kubelik - GA (DG) der Dvorak-Sinfonien, die von Agon so undifferenziert und grundlos runtergemacht wird.
    Den Ausschlag mich für Kubelik zu entscheiden war die 2CD-DG-Box mit den Dvorak-Tondichtungen unter Kubelik, die mich schon begeistert hatten.
    *** Auch der Zugang zu Dvoraks frühen Sinfonien war mit dem Kauf der Kubelík-GA (DG) gebrochen und ich habe bis heute großen Spaß an dieser GA, die das böhmische Element fabelhaft betont. Auch die 3 letzten Sinfonien gehören mit Kubelik zur Spitze. Da es auch klangtechnisch TOP-Analogaufnahmen sind, sind das zusammen mit Kertez zwei GA, die für mich zu den Besten gehören.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Zitat

    Original von Agon
    1.) Rafael Kubelik, DG:


    Der allerletzte Schund. Weichgespülter, folkloristischer Dreck. Der Antikommunist Kubelik at his worst. Die von Karajan versauten Berliner Philharmoniker spielen so unterirdisch schlecht und zähflüssig, dass es sich eher nach Kläranlage als nach Dvorak anhört. Für alle, die auf sowas stehen- bitteschön!



    Diese Formulierung wurde mit Recht beanstandet und - weil sie so heftig war - im Moderatorenforum diskutiert. Wir sind übereingekommen, Dich zu ermahnen, dass Du bei der Wortwahl in Zukunft dem Gegenstand und dem Forum angemessener schreibst.


    Lieber Agon, nichts gegen eine deftige Kritik, die bringt Farbe ins Forum. Aber zwischen einer deftigen Kritik und einer Schmähkritik ist doch ein deutlicher Unterschied. Du magst die Kubelik-Einspielung nicht, nun ja. Aber was hat die politische Meinung von Kubelik mit der Einspielung zu tun? Ausgerechnet ein Opfer des Stalinismus wird hier unter Einbezug seiner politischen Meinung angegriffen. Damit erreichst Du nur, dass man Dein Missbehagen an einer künstlerischen Leistung mit einer politischen Wertung kontaminiert geliefert bekommt. Deine Schwierigkeit, mit ideologisch vorbelastetem Wortschatz hier zurecht zu kommen, ist mir hier nicht zum ersten Mal aufgefallen. Da dies kein Politikseminar ist, kannst Du es Dir einfach machen und solche Bezüge, die mir nur eine Unsicherheit im Umgang mit diesem Wortschatz signalisieren, einfach unterlassen. Es wäre mir angenehmer, als Dich als einen Vertreter des Stalinismus im Forum zu entdecken, der Du mE nicht bist.


    Ein weiteres: Es gibt - wie Du festgestellt hast - durchaus Mitglieder im Forum, die den Kubelik-Einspielungen etwas abzugewinnen wissen. Was möchtest Du denen mitteilen? Dass sie ausgewachsene Antikommunisten sind? Dass sie versaute Musik mögen? Dass sie die Produktionen einer Kläranlage nicht von einer eines Sinfonieorchesters zu unterscheiden vermögen? Möchtest Du ihnen Aufnahmen vermiesen, die ich in einer ganzen Anzahl von respektablen Publikationen (ich nenne etwa das Gramophone, in dem zu der Auskoppelung der 8. und 9. zu lesen steht "These accounts are quite magnificent, and their claims on the allegiance of collectors remain strong" Classical Good CD, DVD & Download Guide 2007) in höchsten Tönen gelobt finde. Alles Agenten des Klassenfeindes, die von Karajan bestochen wurden?


    Also: Man kann seine Meinung durchaus prononciert äußern, ohne andern auf die Zehen zu treten, verletzende Vokabeln zu gebrauchen und seltsame politische Wertungen einzubringen. Und ich bin sicher, dass Du es kannst.


    Liebe Grüße Peter

  • Zitat

    Original von Agon
    Es ist einfach lächerlich, diese Aufnahmen als Referenzaufnahmen hinzustellen, wie es einige weiter oben tun.


    Hallo Agon,


    Formulierungen wie diese finde ich anmaßend und beleidigend (und ich bin Peter Brixius dankbar für seine klare Antwort, bezogen auf Deine Kubelik-Äußerungen).


    Darüberhinaus würde mich interessieren, worin Du Defizite im Anguélov-Dvorák-Zyklus ausmachst - einen konkreteren Hinweis darüber kann ich Deinem Beitrag jedenfalls nicht entnehmen. Was bedeutet hier beispielsweise "Durchschnittsware"? In welcher Hinsicht kann Anguélov nicht mit den anderen Aufnahmen mithalten?

  • Ich kann nur sagen, dass ich einfach kein Anhänger der Kubelik-GA bin. Ich war so massiv enttäuscht von dieser Einspielung, gerade auch in Bezug auf die späten Sinfonien, dass ich einfach nicht verstehen konnte, wieso sie so einen hohen Stellenwert geniesst. Zumal auch die Klangtechnik wirklich nicht überzeugend ist. Mich würde interessieren, was die Anhänger dieser GA daran so toll und referenzwürdig finden. Ich kann es leider nicht verstehen.


    Die Anguelov-GA ist für 19,99 EUR sicherlich ein Schnäppchen. Aber kann sie auch mit den klassischen Aufnahmen mithalten? Ich meine nein. Der grobkörnige und wenig transparente Klang des slowakischen RSO hat mich nicht überzeugt. Anguelov gelingt es nicht, wichtige Spannungsbögen aufzubauen, die gerade die Sinfonien Nr. 7-9 dringend benötigen. Auch geht mir Anguelov zu wenig auf die Spezifika der einzelnen Sinfonien ein; er dirigiert alles in gleichmacherischer Art und Weise. Ausgerechnet die Sinfonie Nr. 8 ist eine Liveaufnahme, und das hört man leider auch.


    Die Rowicki-GA halte ich für sehr gut (ich kenne die Sinfonien Nr. 4-9). Das LSO spielt sehr markant, und Rowicki dirigiert sehr einfühlsam. Absolut zu empfehlen.


    Hier meine Favoritenaufnahmen der Sinfonien Nr. 7-9:


    Nr.7:
    - LSO, Kertesz (Decca)
    - WP, Chung (DG)


    Nr. 8:
    - BSO, Munch (RCA)
    - SB, Suitner (Berlin)
    - RCOA, Ancerl (EMI)


    Nr. 9:
    - RCOA, Dorati (Philips)
    - SB, Suitner (Berlin)


    Man kann nicht immer einer Meinung sein.



    Agon


  • Da sind wir einer Meinung. Ich finde den Klang der Box extrem spitz und kalt. Die Pauken und die Bässe sind blass mir zu blass. Das geht soweit, dass ich selten zu ihr greife, zumal ich Suitner auch den frühen (v.a 1-3) überzeugender finde.


    Anguelov hat ein Feuer, dass ich bei beiden genannten stellenweise vermisse, ist mir nach wiederholtem Hören, aber manchmal zu sehr volldampf.


    Suitner bleibt mein Favorit.


    Nachdem du anscheinend viele Einspielungen kennst, meine Frage von weiter oben:


    Wie ist Valek zu sehen? Denn der klingt beim Reinhören wirklich interessant.

    Früher rasierte man sich wenn man Beethoven hören wollte. Heute hört man Beethoven wenn man sich rasiert. (Peter Bamm)

  • Lieber Wolfgang,


    Mit der Brilliant-Box bin ich jetzt durch. Für die anderen zur Erinnerung noch einmal das Bild:



    Die 5.Symphonie sagt mir persönlich von allen am wenigsten, an der Realisierung habe ich aber nichts auszusetzen. 6. und 7. unter Kosler finde ich absolut empfehlenswert. Bei der 8., die ja von Yehudi Menuhin dirigiert wird (Royal Philharmonic Orchestra), war ich eigentlich etwas skeptisch, wurde aber angenehm überrascht. Es mag auch mit dem Orchester zusammenhängen, das der Slowakischen Philharmonie technisch natürlich überlegen ist.


    Clou der Box ist natürlich nach wie vor Paavo Järvis 9. (die ich gerade noch einmal eingelegt habe).


    Nicht vergessen sollte man auch, daß man hier außer den Symphonien auch mehrere Extras miterhält: Die Waldtaube, Der Wassermann, Die Mittagshexe, Symphonische Variationen op.78, Serenade für Streicher op.22, Karneval, Scherzo capriccioso.


    In den letzten zwei Monaten war die Box stets beim Soproner Tesco um einen geradezu lächerlichen Preis zu haben. Wie lange noch, ist natürlich fraglich. Könnte für mich das Schnäppchen des Jahres sein.


    LG


    Waldi

  • Hallo, Walter!


    Ich werde mir jetzt vor allem wieder einmal die Achte und die Neunte aus der Brilliant-Box anhören - oft ist das sicher noch nicht geschehen - und tue dies nach Deinem letzten Beitrag durchaus vorfreudig! :yes:


    Die sinfonischen Dichtungen kenne ich fast nur über diese Integrale und weiß sie sehr zu schätzen.


    :hello: Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Der hier mal als mittelmäßig, mal als hervorragend eingestufte Zyklus unter Rowicki mit dem LSO (Philips, jetzt Decca, 1965–71) erscheint in Neuauflage:



    Früher sah das so aus:





    Den Amazon.com-Rezensionen zufolge ist Rowicki in den frühen Symphonien sehr gut, lediglich die letzten drei würden abfallen. Ist dem zuzustimmen? Und: Ist Kertesz denn insgesamt vorzuziehen?


    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Zitat

    Original von Joseph II.
    ...
    Den Amazon.com-Rezensionen zufolge ist Rowicki in den frühen Symphonien sehr gut, lediglich die letzten drei würden abfallen. Ist dem zuzustimmen? ...


    Man kann es auch anders herum formulieren. Die Konkurrenz ist bei den letzten drei einfach viel größer und auch potenter (die hat ja wirklich fast jeder bedeutende Dirigent in Angriff genommen). Die Rowicki-Aufnahmen als Grundlage mit Ergänzungen bei den letzten drei Symphonien ergibt eine sehr gute Dvorak-Ausstattung.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Liebe Forumsmitglieder ,



    ein Hinweis :


    die letzten drei Symphonien gibt es in einer exzellenten


    Interpretation mit


    Carlo Maria Giulini ( EMI).



    Es wäre interessant zu wissen, ob es - vielleicht früher auf LPs - eine


    GA mit dem grossen VACLAV TALICH gegeben hat . Kennt jemand


    solch eine Einspielung ?



    Viele Grüsse ,



    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin


  • Ich fürchte nein, lieber Frank. Von Dvorak hat Talich die Symphonischen Dichtungen, das Cellokonzert, Slawische Tänze und die Sinfonien 8 und 9 aufgenommen.


    Umfassende Informationen über Tallich und seine Diskographie findest Du hier:


    Die bei Supraphon hinterlegte Diskographie habe ich jetzt nicht gründlich durchforstet, aber Tallich war auch an dem Enzyklopädischen Projekt "Musica Bohemica Antiqua" beteiligt, einen tolle Archäologie böhmischer Musik.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Lieber Thomas :


    es gibt inzwischen bei "Supraphon" mindestens zehn 10 CDs mit Aufnahmen von Talich , den nicht wenige für den bedeutesten tscheischen Dirigenten halten.


    Darunter findet sich auch eine Aufnahme der 7. Symphonie .


    Warum Supraphon nicht eine Box herasubringbt , vergleichbar der von EMI bei Aldo Ciccolini oder der Start-Cd-Edition der Beethovenklaviersonaten durch Annie Fischer bei Hungaroton , ist wirklich ärgerlich und teuer .


    Ich erinen mich noch sehr genau, dass meie erste oder zweite Aufnahme der Symphonie Nr. 1 c - Moll von Johannes Brahms damals in London umgerechnet 12 DEM gekostet hat während hier der gängige Preis ca. 25,,00 DEM betrug ( Karel Ancerl ; Supraphon ) .


    Die Interpretationen mit "böhmischer Musik" sind mehr als nur hörenswert ! Danke für Deinen Hinweis hier .


    Beste Grüsse


    Frank

    Frank Georg Bechyna
    Musik & Medizin

  • Da an anderer Stelle die fehlenden Aufnahmedaten zurecht beklagt wurden, hier im richtigen Thread nochmal dieselben:



    Nr. 1: 2.Jul.1979
    Nr. 2: 23-25.Jul.1979
    Nr. 3: 5-9.Jul.1978
    Nr. 4: 15-19.Dez.1980
    Nr. 5: 25-28.Nov.1977
    Nr. 6: 2.Jul.&4.Sep.1979
    Nr. 7: Jul.1977
    Nr. 8: 22-26.Feb.1981
    Nr. 9: 29-31.Mrz.1978


    (Quelle)


    :hello:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Die Suitner-Aufnahmen kenne ich nicht, aber von den zwei Gesamtaufnahmen, die ich habe, hat es zumindest eine in sich, zumal sie aus einer Hand ist. Es ist dies die Gesamtaufnahme von Rafael Kubelik, die dieser in den 60er/70er Jahren mit den Berliner Philharmonikern aufgenommen hat (DGG, Collectors Edition). Als Zugabe sind noch das Scherzo capriccioso, die Ouvertüre Carneval und die Waldtaube enthalten. Ich glaube nicht, dass man das noch besser machen kann, diese Geschlossenheit, diese Meisterschaft, das Eigentümliche dieser Musik, das Naturhafte, das Tänzerische so zum Ausdruck zu bringen, verbunden mit der wie immer erstklassigen musikalischen Umsetzung durch die Berliner Philharmoniker.
    Die zweite Gesamtaufnahme, die in meinem Schrank steht, ist die von Brilliant, die leider nicht aus einer Hand ist, sie ist auf mehrere Dirigenten verteilt und kann von daher nicht direkt mit der ersteren verglichen werden und kann auch künstlerisch nicht ganz mithalten.
    Vielversrpechend sind auch die bis jetzt erschienenen Aufnahmen Harnoncourts mit den Symphonien 7 bis 9, den slawischen Tänzen und den symphonischen Dichtungen. Ich weiß aber nicht, ob der Meister den Zyklus noch vollendet. Das könnte dann doch noch an Kubelik heranreichen.
    Es mag sicherlich Zyklen der großen tschechischen Dirigenten Vaclav Talich, Vaclav Smetacek, Vaclav Neumann und Karel Ancerl geben, die sich auch auf solcher Höhe befinden, aber die sind mir leider nicht bekannt.
    Am Schluss noch ein Wort über den viel gescholtenen Herbert von Karajan: Seine Version der Neunten gefällt mir auch außerordentlich gut und steht natürlich in meinem Schrank.


    Viele Grüße


    Willi

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

    Einmal editiert, zuletzt von William B.A. ()

  • Ich habe mich dazu entschlossen, meine Box (die mit Anguelov) noch einmal zu hören, denn ich habe mir gedacht, der Dvorak hat so herrliche Sachen geschrieben, da kann es doch nicht sein, dass mir von den Sinfonien nur eine, natürlich die 9. , gefällt. Aber es ist so, ich kriege da überhaupt keinen Zugang. Es sind einfch nur Geräusche. Es berührt mich überhaupt nicht! Das habe ich überhaupt nur sehr selten, aber hier ist es seltsamerweise so. Es ist auch nicht so, dass es mich irgendwie ärgert, oder dass ich es abstoßend finde. Einfach belanglos.
    Das ist mir sehr rätselhaft, denn wie gesagt weiß ich doch, dass Dvorak wirklich was draufhatte.
    Und nach dem, was ich jetzt hier gelesen habe, liegt es ja wohl kaum an meinen Aufnahmen. ?(


    Komisch. Aber die Box wird wohl ganz unten im Regal verschwinden.
    Klaus

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Nun, Klaus, dass Dir die Neunte gefällt und alle anderen nur "Geräusche" für Dich sind, das ist in der Tat sehr rätselhaft. Medikamente und Alkohol nach dem Anhören der Neunten? ?( :D


    Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Bei mir kommt die 9. erst nach der 8., der 6., der 7. Wie einem von 9 Sinfonien Dvoraks nur eine gefallen kann, und ausgerechnet die, die jeder bis zum Überdruss gehört hat, ist mir völlig schleierhaft.

    Wo ist die Weisheit, die wir im Wissen verloren haben? Wo ist das Wissen, das wir in der Information verloren haben? (T.S.Eliot)

  • Ich finde es ja selber seltsam, daher höre ich sie auch immer wieder einmal an, um zu sehen, ob es stimmungsabhängig ist. Aber es ist jedesmal dasselbe. In der Box ist aber auch die böhmische Suite - und die gefällt mir ausnehmend gut!
    Die 9. selbst ist wohl auch nicht eines meiner LIeblingsstücke...

    ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ganz sicher bin ich mir da nicht.

  • Über die Jahrzehnte habe ich einen ziemlich langen Weg gebraucht, auch die frühen Dvorak-Sinfonien so gebührend zu schätzen, wie seit eh und je die Nr. 7 - 9 !
    Die frühen Sinfonien haben heute einen deutlich höheren Stellenwert für mich, was ich deutlich auf meine jeweiligen GA zurückführe.


    Nach der von mir weniger geschätzten Rowicki-GA (Philips-LP-Box), dann die Kubelik-GA auf CD (DG) habe ich seit ein paar Tagen die Kertesz-GA (Decca), von der ich mehr als positiv überrascht bin.

    aus dem Sinfonie Nr.4-Therad
    Ich glaube ich übertreibe nicht, wenn ich jetzt schreibe: Ich hatte mich auch bei Kubelik wieder für die "falsche" GA entschieden. (Der Kauf erfolgte nach der Kubelik-GA der Sinf.Dichtungen, die mit dem Bayerischen RSO erfolgten und noch mehr überzeugen.)
    Denn Kertesz ist nicht nur hier der Sinfonie Nr.4 vorzuziehen, sondern so ziemlich bei allen anderen Sinfonien auch ... ich bin platt. Kertesz bringt ein nie gehörtes Herzblut mit ein, eine genaue Abstufung von Lautstärkegraden, eine fastzinierende spannungsgeladene Emotion, die einfach nur Freude macht. Die Klangqualität im anspruchsvollen Decca-Analog-Sound der 60er Jahre (es rauscht auch nur gering) ist ohnehin ganz mein Ding !
    Die Kertesz-GA hatte mit Versand um die 20€ (neu) gekostet ...

    Wir hatten 2009 eine kleine Auseinandersetzung, bei der dei Kubelik-Aufnahmen unangemessen schlecht beurteilt wurden. Würde es die Kertesz-Sinfonien-Aufnahmen nicht geben, wäre man auch mit Kubelik sehr gut bedient sein. Seine GA der Sinf.Dichtungen mit dem Bayerischen RSO finde ich aber noch besser gelungen, als bei den Sinfonien mit den Berliner PH, weil Kubelik hier das Herzblut und die genau nachvollziehbare Probenarbeit mit einbringt, die die Kertesz-Aufnahmen so umwerfend empfehlenswert machen.


    Die Sinfonien Nr. 1 - 6 lassen mich jetzt unter Kertesz erstmals wirklich aufhorchen ! Kertesz schaft es den Hörer im Verlauf dauernd angeregt zum weiterhören anzuregen.


    Die Sinfonien Nr. 7 und 8 sind mit Dohnanyi (Decca) meine Favoriten. Ich war platt, dass Kertesz diesen in keinster Weise nachsteht. Im Gegenteil, in der Sinfonie Nr.7 baut Kertesz eine unglaubliche Spannung auf, die das Werk noch deutlicher neben die Brahms-Sinfonien stellt. Klasse !
    Die Sinfonie Nr.8 genauso, wenn auch die Pauken bei Dohnanyi noch eindrucksvoller tönen; aber bei Kertesz auch voll da ! Das ist Beises referenzverdächtig !


    Die vielgespielte Sinfonie Nr.9 "AdnW" ist neben Fricsay (DG) mit Kertesz als fabelhaft gelungen zu bezeichen. Im Prinzip auch eine "Insel-Aufnahme", wie die ganze Box. Das ich hier den Bernstein- oder Szell-Wahnsinn (SONY) noch mehr schätze steht auf einem anderen Blatt.



    Decca, 1963-1967, ADD

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Vor einiger Zeit sind ist die Gesamtaufnahme mit dem Philhamonia Orchestra unter Leitung von Andrew Davis in diesem günstigen Paket erschienen:



    Sir Andrew Davis ist vor allem populär als Dirigent der Last Night of the Proms, hat auch z.B. Werke von Elgar sehr schön dirigiert.
    Hat jemand diese Box kennen lernen und hat sich eine Meinung bilden können?


    Freundliche Grüße von der Nordseeküste sendet Andrew

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • ...läuten meinen Sonntag ein. Der Thread erinnerte mich an den lange nicht (und noch nie vollständig?!) gehörten Zyklus im Regal. Also los geht's mit CD Nr. 1 und Sinfonie Nr. 1:

    Generell hätte ich sowas schon gerne mal in aktueller Klangqualität.
    Neuere Aufnahmen einzelner Sinfonien, die mir sehr gut gefallen, sind die weiter oben schon erwähnten 7-9 mit dem Cleveland Orchestra unter von Dohnányi (Decca), die 6 unter Pešek mit dem Czech Philharmonic Orchestra (Virgin), sowie die Paarungen 6&8 und 3&7 mit den Wiener Philharmonikern unter Chung auf DG (beide CDs leider schon lange gestrichen; teure Reste bei Amazon
    Dvorak - Chung - Amazon
    oder als 'Reprint' bei Arkiv
    Dvorak 6+8 - Chung - Arkiv
    Dvorak 3+7 - Chung - Arkiv
    Beste Grüße
    Accuphan


    Wegen des mit Abstand schönsten Englischhorn-Solos in diesem Sonnensystem (9. Sinfonie, Largo, Dominik Wollenweber, live in Palermo) hätte ich gerne einen neuen Zyklus mit den Berlinern unter Abbado. Leider sehe ich gerade, dass das Video bei YouTube gelöscht wurde... :(

    "Das Thema, welches die Pauke zuletzt hat, findet gewiß keiner heraus!" (Gustav Mahler)


  • Wegen des mit Abstand schönsten Englischhorn-Solos in diesem Sonnensystem (9. Sinfonie, Largo, Dominik Wollenweber, live in Palermo) hätte ich gerne einen neuen Zyklus mit den Berlinern unter Abbado. Leider sehe ich gerade, dass das Video bei YouTube gelöscht wurde... :(

    Hallo Accuphan,


    zugegeben, ich kenne die Abbado-Aufnahme nicht, aber wer mit dem "mit Abstand schönsten Englischhorn-Solo in diesem Sonnensystem" aufwarten möchte, der muss Carlo Maria Giulini "schlagen":


    bzw.


    Ich zitiere mich einmal selbst: "Was Giulini und das wunderbare Orchester hier abliefern, ist ein "romantischer Traum". Giulini läßt das Werk mit viel Liebe, Warmherzigkeit und Klangschönheit spielen. Insbesondere das berühmt-berüchtigte Largo ist hier so beeindruckend zu hören wie in keiner anderen mir bekannten Aufnahme. Der Satz klingt nicht sentimental oder gar schwülstig, sondern fast "erdentrückt-schwebend". Besonders das Englischhorn spielt ergreifend schön."

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Es handelt sich zwar nicht um eine Gesamtaufnahme, aber um eine Serie, welche die letzten drei letzten Symphonien umfasst. Da ich nicht im jeweiligen Thread Einzelbeiträge verfassen möchte, möchte ich mich zu Claus Peter Flors Dvořák Aufnahmen hier äußern:



    Diese Aufnahmen sind absolut fantastisch!!!! Der Schwung der Interpretation gepaart mit der perfekten Klangtechnik macht diese letztes Jahr in kurzer Abfolge erschienenen Aufnahmen zum Besten, was ich an Dvořák-Symphonien bis jetzt gehört habe. Vervollständigt werden die Aufnahmen durch eine Auswahl an symphonischen Dichtungen Dvořáks, die ebenfalls mitreißend gegeben werden. Ein richtiger Ear-opener ist auch die Tschechische Suite Op. 39, welche ich bisher für ein eher langweiliges Werk gehalten habe, aber in Flors Interpretation förmlich aufblüht (Nomen est Omen). Allerdringlichste Empfehlung! Das Orchester, die Malaysischen Philharmoniker, werden noch einiges von sich reden machen. So weit ich das überblicken kann, waren die Rezensionen in diversen Musikjournalen ebenfalls enthusiastisch. Sollte man nicht alle drei kaufen wollen, würde ich zumindest die 9.te dringend empfehlen.

  • Diese sollten in keiner Sammlung fehlen,



    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Ich konnte mit den Sinfonien Antonin Dvoraks bisher wenig anfangen. Sie hatten mich wenig begeistern können. (Ausser die 9. Sinfonie e-Moll "Aus der neuen Welt")


    Das hat sich mit dem Hören dieser Gesamtaufnahme-Aufnahme aller Sinfonien geändert:


    Istvan Kertész dirigiert das London Symphony Orchestra. Erschienen bei Decca - Australian Eloquence
    In Beitrag 54 wurde sie von teleton lobend erwähnt. Dem habe ich nichts beizufügen. Einzig die Verteilung der Sinfonien Nr. 2 und Nr. 5 je auf zwei CDs mag man beanstanden, dafür erhält man noch einige Ouvertüren als Zugaben.)

    .

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe