Und plötzlich war da ein kometenhafter Aufstieg ...

  • guten morgen,


    vielleicht ergeht es euch auch zuweilen so: man kennt und schätzt viele 'seiner' komponisten, findet sie insgesamt (recht) gut, zuweilen sehr gut, gar außerordentlich, aber irgendwie fehlt über jahre hinweg etwas, das sie zu euren wahren 'lieblingen' macht oder man sie entweder allgemeingültig oder nur für sich selbst als 'genial' bzw. 'groß' empfände, und dann - passiert es: man kommt aus dem staunen nicht mehr heraus, findet ein werk nach dem anderen, ganze werkgruppen sogar, 'groß', sieht die bedeutung ganz anders: der kometenhafte aufstieg beginnt.


    mir ergeht das seit knapp zwei jahren so mit joseph haydn: vom wichtigen 'mitläufer' mit einigen tollen werken nun (mit) an die spitze meines komponistenhimmels katapultiert.


    ist euch das bei 'euren' komponisten auch schon passiert? und wenn ja, warum?


    :hello:

    --- alles ein traum? ---


    klingsor

  • Hallo Klingsor,


    wie dir mit Haydn gings mir mit Wagner. Initialzüngung war mein erster Tannhäuser, dann kurz darauf Parsifal (früher in Stuttgart traditionell am Karfreitag gespielt, mit Klaus Hirte als Klingsor) und seither bin ich Wagnerfan.
    Meine Liebe zu Mozart und den Italienern hat darunter nicht gelitten. :hello:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Zitat

    Original von klingsor
    vielleicht ergeht es euch auch zuweilen so: man kennt und schätzt viele 'seiner' komponisten, findet sie insgesamt (recht) gut, zuweilen sehr gut, gar außerordentlich, aber irgendwie fehlt über jahre hinweg etwas, das sie zu euren wahren 'lieblingen' macht oder man sie entweder allgemeingültig oder nur für sich selbst als 'genial' bzw. 'groß' empfände, und dann - passiert es: man kommt aus dem staunen nicht mehr heraus, findet ein werk nach dem anderen, ganze werkgruppen sogar, 'groß', sieht die bedeutung ganz anders: der kometenhafte aufstieg beginnt.


    mir ergeht das seit knapp zwei jahren so mit joseph haydn: vom wichtigen 'mitläufer' mit einigen tollen werken nun (mit) an die spitze meines komponistenhimmels katapultiert.


    Vielleicht nicht ganz so extrem, aber beginnend vor ungefähr 3 oder vier Jahren katapultierten sich Händel, Schumann und Chopin bei mir weit nach oben. Die halte ich alle drei für tendenziell unterschätzt bzw. teils mit nur wenigen und nicht-repräsentativen Werken im breiten Bewußtsein vertreten.


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo,


    ähnlich ergeht es mir mit der Musik Felix Mendelssohn-Bartholdys. Ich kenne seine Musik schon seit ewig und hörte sie gelegentlich; seit einem Jahr ungefähr fiel bei mir aber erst der Groschen und mir wurde klar, welch große Kraft in der musikalischen Sprache dieses Komponisten steckt.


    Seitdem interessiere ich mich mehr und höre ich diese Musik häufig.


    Gruß,


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Hallo,


    Mir geing es ebenso wie Uwe mit Mendelssohn. Besonders seitdem wir in der Schule Elias und Paulus unter die Lupe genommen haben, achte ich Mendelssohn sehr. Nach weiteren Hörerlebnissen, wie der Herbriden-Ouvertüre, der 4.Symphonie, dem beiden Klavierkonzerten oder auch den "Liedern ohne Worde", entwickelte ich mich immer mehr zum Mendelssohn-Feund. Seine klassische Tonsprache und die romantisierte Harmonik verbinden sich zu Musik, die leicht hörbar, und doch (in den meisten fällen) nicht plumb oder flach ist.


    Bei fast keinem anderen Komponisten, hat die Bewertung des musikalischen Schaffens derart im laufe der Jahre gschwankt, wie bei Mendelssohn...heute ist er aber denke ich, neben den ganz grossen durchaus etabliert. Ausserdem war der Felix Bachist, genau wie ich...das schafft natürlich sympathie...! :]


    Viele Grüsse,


    Raphael

  • Mir geht es wie Klingsor. Jahrelang war Haydn für mich "nett", aber irgendwie belanglos. Sicher waren die letzten Sinfonien schon große Kunst für mich, aber der Rest nicht der Rede wert. Mittlerweile finde ich aber seine Kammermusik extrem spannend und wesentlich subtiler, als ich es je für möglich gehalten habe...

  • Hallo Klingsor, ein interessantes Thema!


    So habe ich es in letzter Zeit vor allem mit Anton Bruckner erlebt, dessen gigantische Symphonien mich kalt ließen. Ich habe hier im Forum aber einige interessante Threads über Bruckner gelesen - unter anderem den Vorzeige-Thread über die Achte - sehr inhaltsreich und tiefgehend ohne geselliges Geblödel, und trotzdem z.T. sehr persönlich, oder die spannenden Diskussionen über die Neunte. :yes:


    Es kam mir komisch vor, dass ich bei so vielen CDs und einem recht breiten Hörinteresse zu dieser Musik nun wirklich gar keinen Zugang hatte. Ich habe mir mehr aus bildungsbürgerlicher :rolleyes: Motivation (und weil sie so unverschämt billig war !!! :jubel: ) die Bruckner-Jochum-Box gekauft. Bei 14 Euro kann man ja nix verkehrt machen ...


    [jpc]7698424 [/jpc]


    Seitdem bin ich begeistert. Ich habe inzwischen jeweils vier Aufnahmen der siebten und der achten Symphonie, zwei komplette Gesamtaufnahmen und noch manches andere. Normalerweise habe ich von einem Werk eher eine, in seltenen Fällen auch zwei Aufnahmen.


    Bruckners Musik - die ich inzwischen fast an jedem Tag höre - hat inzwischen eine außerordentlich starke Wirkung auf mich. Mir fehlen die Worte, dieses Phänomen konkreter zu beschreiben, aber bestimmt verstehen einige, was gemeint ist.


    In dieser Stelle: vielen Dank für die sehr lesenswerten Beiträge in den Bruckner-Threads.


    Mir hat es Mut gemacht, mit der Zeit (vielleicht muss der rechte Zeitpunkt, der KAIROS, dafür da sein, in dem man für eine bestimmte Musik empfänglich ist) auch die anderen blinden Flecken auf der musikalischen Landkarte anzugehen (z.B. Webern, Berg. Schönberg, romantische Musik bis ca. 1840 ...).


    Freundliche Grüße, Andrew



    PS: Mein "Einstieg" war die Achte, gefolgt von der Fünften, bei der aber erst mit Wand der Funke so richtig übersprang.

    „Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Ausgelassenen nachdenklich, die Verzagten herzhaft, die Verwegenen bedachtsam zu machen, die Hochmütigen zur Demut zu reizen, und Neid und Hass zu mindern, als die Musik.“

  • Also,


    ich leide derzeit fürchterlich unter Vogelgrippe... eine fürchterliche Seuche ist das [mit dem Hendl].


    Hendl rockt Bach in Grund und Boden...


    :D


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallo!!


    Ja solche "Aufstiege" kenn ich von mir auch.


    Noch vor 1 1/2 Jahren war Mozart für mich der größte und scheinbar unerreichbar. Doch im letzten Jahr bekam ich irgendwie aus den Medien eine Überdosis :kotz: Mozart und konnte ihn nicht mehr hören. Habe mir daher andere zu Gemüte geführt, z.B. Rossini und Donizetti. Rossini war der erste, der an Mozarts Thron bei mir sägte, dann kam Donizetti und nun haben sie ihn beide schon gestürzt.
    Auch Haydn, Bellini, Pergolesi und auch die Bach-Söhne sind ganz oben auf meiner Liste.


    LG Joschi


    PS: Aber schön langsam hab ich mich von Katastrophen-Mozart-Jahr erholt und "nehme ihn in kleinen Portionen wieder zu mir". :D :D

  • Habe es so mit Fritz Kreisler erlebt!


    Für mich war er eher der Cafehaus-Komponist. Ich wollte ihn nichtmal als Zugabe nach dem Konzert spielen. Bin dann irgendwann über eine Romanze von ihm gestossen. Oh, was für eine Musik, dachte ich mir! Große Anlehnung an Richard Strauss und geniale Musik! So kann ich mir fast kein Konzert mehr vorstellen, wo ich Fritz Kreisler nicht sogar in mein Hauptprogramm einbau.


    Liebe Grüße, Maximilian

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  • Wenn ich so die letzten Monate bei mir betrachte, dann ist es vor allem Mahler, der einen kometenhaften Aufstieg in meinen Komponistenhimmel geschafft hat.
    Während ich früher alles irgendwie belanglos fand, was ich von ihm hörte, ist mir mittlerweile seine Tonsprache sehr vertraut geworden und selbst die erste Sinfonie kann ich heute ohne große Langeweile, sondern mit Gewinn hören.



    LG, Peter.

  • Ähnlich geht es mir im Moment mit Shostakovich. Seitdem ich die politischen und soziologischen Hintergründe in seiner Musik beachte, hat Shostakovich bei mir fast an Beethoven angeschlossen. Endlich verstehe ich die Musik vom guten alten Dmitri. Hat hier wer Tips, wie man sich Mahler nähern kann? Wenn ich Mahler verstehen würde, dann könnte ich so ziemlich jedem der bekanntesten Komponisten etwas abgewinnen, abgesehen von Wagner (mit dem will ich mich aber auch nicht beschäftigen^^).

    Einmal editiert, zuletzt von iLLumination ()

  • Hallo iLLumination,


    da gibt es kein Patentrezept, weil jeder anders hört, auf anderes anspricht. Gleichwohl: Um Mahler zu verstehen, ist die Kenntnis seiner Lieder unerlässlich, das gilt vor allem für die Wunderhornsinfonien (also für die Sinf. 1 - 4). Also unbedingt:


    und


    Das Spezifische der Mahlerschen Tonsprache finde ich sehr schön herausgearbeitet in dem Buch von Eggebrecht. Als Einstieg in die Welt der Sinfonien ist das Buch von Ulm (Hrsg.) hervorragend:



    Bei den Sinfonien dürfte es empfehlenswert sein, sich zunächst auf die ersten beiden zu beschränken (von da aus lassen sich die anderen gut erobern). Es gibt eine Vielzahl hervorragender Aufnahmen, z.B.:



    Zum Kennenlernen des Aspektes der Todesnähe in Mahlers Schaffen empfiehlt sich dringend diese Aufnahme:



    Wenn dir diese CDs nicht gefallen, brauchst du dich mit Mahler nicht weiter zu beschäftigen. Dass sie jemandem aber nicht gefallen könnten, halte ich für ausgeschlossen.


    Viele Grüße
    Thomas

  • Ich schlage vor, Diskussionen über Mahler und den Zugang des Hörers in dem bereits bestehenden thread weiterzuführen


    Nur ganz kurz:


    Zitat

    Wenn dir diese CDs nicht gefallen, brauchst du dich mit Mahler nicht weiter zu beschäftigen. Dass sie jemandem aber nicht gefallen könnten, halte ich für ausgeschlossen.


    Das halte ich doch für überzogen. Man sollte es Mahler nicht zur Last legen wenn jemand von dem gekünstelten Manierismus von Fi-Di und Schwarzkopf abgestoßen wird (Wolfgang/Teleton hätten wir mit dieser Platte nicht zu Mahler gebracht! :hahahaha: )
    Etwas ernster, natürlich gibt es immer jemandem, dem etwas nicht gefällt. ;) Gerade bei Mahler würde ich (obwohl ich im Grunde Deine Zugangsempfehlung über die Lieder teile) dem Neuling zumindest auch eine der späteren Instrumentalsinfonien (am eingängigsten vermutlich die 5., vielleicht noch eindrucksvoller aber 6 und 9) ans Herz legen. Und sei's nur um des Kontrastes willen...


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
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    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Für ganz Resistente oder ganz Hartgesottene, gibt es immer noch das Adagietto aus der 5. Symphonie und Viscontis "Tod in Venedig"..... :D


    Ansonsten kann ich Thoams nur beipflichten: die Lieder sind als Ur-Zelle ein wunderbarer Zugangsweg (sie waren auch mein Weg zu den Symphonien)


    Alllerdings-und da gebe ich JR Recht: Für FiDI plus Schwarzkopf braucht man schon entsprechende Sensoren!! Das liegt beileibe nciht jedem und kann sogar nachhaltig abschrecken. Christa Ludwig ist da m.E. die weit verträglichere Variante. Und natürlich die unglaubliche Kathleen Ferrier mit Bruno Walter. :jubel:


    F.Q.

  • Okay, okay, ich gebe mich geschlagen. Ich habe die Fi-Di/Schwarkopf-Aufnahme empfohlen, weil sie gewissermaßen der Klassiker ist.


    Moderner ist diese Aufnahme:



    Wer überhaupt keine Frauen hören mag, kann mit großem Gewinn diese CD erwerben:



    Aber bevor JR darauf hinweist, dass wir dies alles besser im anderen Thread schreiben sollten - womit er natürlich Recht hat -, zurück zum Thema:


    Teleton mag überhaupt keinen Gesang! :D


    Viele Grüße
    Thomas

  • Hallo,


    einen kometenhaften Aufstieg erlebte bei mir in letzter Zeit Johannes Brahms.
    Allerdings stehe ich noch ganz am Anfang was die Entdeckung seines Werkes betrifft, aber alleine schon mein Wille und meine Freude was das Entdecken angeht ist ein kleiner kometenhafter Aufstieg, denn davor interessierte mich der Gute so gut wie gar nicht.
    Zu ernsthaft, zu unmelodiös kam mir seine Musik vor und mit Sicherheit kam noch ein psychologischer Faktor hinzu:
    Mein absoluter Lieblingskomponist Tschaikowsky begegnete Brahms ja auch mit einer doch recht unverhohlenen Distanz.
    Naja heute bin ich mir meiner früheren "Albernheit" bewusst und weiß, dass man beide liebgewinnen kann :baeh01:


    Lg Chris

  • Zitat

    Original von ChrisvM


    Naja heute bin ich mir meiner früheren "Albernheit" bewusst und weiß, dass man beide liebgewinnen kann :baeh01:


    Lg Chris


    Ach Gottchen, wie weise :baeh01:


    Aber wie es der Zufall so will - oder haste gerade noch ne Brahms CD von mir? - entdecke ich den Meister der "braunen Töne" wie ihn Strawinskij wohl mal titulierte auch für mich. Gut, das 1. KK hielt sich über die Zeiten hinweg, auch wenn selten gehört. Aber letztens mal wieder die 1. Symphonie gehört - hat eingeschlagen wie Bombe, wenn man mir den Scherz gestattet.


    Bis voraussichtlich morgen, Christoph
    Wulf

  • Bei mir war der Einstieg zu Wagner recht schwierig. Zuerst fand ich ihn nur laut und blöd (Stabreime!!!).
    Habe ihn jahrelang links liegen gelassen. Dann irgendwann mal den Fliegenden Holländer im Fernsehen gesehen und da war ich hin und weg! Dann über Lohengrin und Parsifal zum Ring.


    Nur mit den Meistersingern und Tristan und Isolde kann ich nach wie vor nichts anfangen. Die einen sind stellenweise zwar sehr schön, aber vieeeeel zu lang für mich! :untertauch:
    Und T&I ist mir zumindest bisher noch zu schwer, habe noch keinen Zugang dazu gefunden. Kann sich aber auch noch ändern, kommt Zeit kommt Liebe, oder auch nicht. :D


    Gruß
    Regina

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  • Ich hoffe mal, dass ein initiierender Zündfunke mal einen kometenhaften Aufstieg bei Brahms gezündet wird.


    So oft ich es bisher versucht habe, aber irgendetwas sperrt sich bei mir. Vielleicht wird mir ja hier geholfen...

  • Mir gings in letzter Zeit mit 2 Komponisten so: Jean Sibelius, von dem ich lange Zeit nur Finnlandia und die erste Symphonie kannte, von der allerdings eigentlich nur den Anfang. Den Rest seines Oeuvres fand ich eintönig, hatte das Gefühl, alles klingt irgendwie gleich. Z.Z. ist er einer meiner meistgespielten Favoriten,


    Daneben habe ich erst kürzlich den Zugang zu Chopin (und damit zur Klaviermusik) gefunden. Hatte ich lange das Vorurteil, hier nur besserer Kaffeehausmusik zu begegnen, musste ich jetzt doch feststellen, wie viel in so kurzen Stücken stecken kann.


    Gruß aus Frankfurt
    Dieter

  • Das freut mich Siegfied,


    denn bei mir kommen zuerst die Italiener, wobei ich Mozart auch zu den italienisch komponierenden Komponisten zähle,


    eben dem Zeitgeschmack entsprechend.


    Und Joseph Haydn, schon in seinen Meßkompositionen, die ich selbst als Knaben Solo-Sopran sang, natürlich auch Mozart und Bruckner, wie Schubert.


    Bei Wagner liebe ich den Tannhäuser, wie Du, auch den Holländer und den Lohengrin und Parsival,


    aber ich muss zu meiner Schande gestehen, zum Ring habe ich ein gespaltenes Verhältnis.


    Kann Dir aber eine Parsival Aufnahme empfehlen,


    mit Maria Callas als Kundry,


    da ist auf einmal eine ganz andere Gesangsweise da.


    Parsival, in italienischer Sprache,


    Kundry - Maria Callas,
    Parsifal - Africo Bardelli,
    Gurnemanz - Boris Christoff,
    Amfortas - Rolando Panerai,
    Titurel - Dimitri Lopatto,
    Klingsor - Giuseppe Modesti


    Orchestra a Sinfonica e Coro die Roma della RAI.


    Dirginet: Vittorio Gui.


    Aufgenommen 20. und 21. November 1950


    ACUM Stereo Disc 7001843-1-3 - HOM

  • Zitat

    Original von klingsor
    mir ergeht das seit knapp zwei jahren so mit joseph haydn: vom wichtigen 'mitläufer' mit einigen tollen werken nun (mit) an die spitze meines komponistenhimmels katapultiert.


    Lieber Jörg,


    Zwar passierte es schon "etwas" eher, aber ansonsten gilt für mich bei Haydn dasselbe.


    LG, Paul

  • Hallo!


    Bei Haydn war das ein eher langsamer kontinuierlicher Aufstieg bei mir.
    Immerhin, er hat in den letzten drei, vier Jahren in meiner Beliebtheit enorm zugelegt und sowohl Schubert als auch J.S. Bach und Mozart überholt - jetzt bleibt nur noch Beethoven...


    Kometenhaft steigen ab und zu allerdings auch einige Komponisten bei mir auf, vor allem solche, die ich zuvor nicht oder kaum kannte, und zu deren Musik ich plötzlich eine starke Verbindung spüre und eigentlich nur MEHR davon hören will. Beispiele, die sich in meiner Zeit als Tamino-Mitglied ereigneten (mancher mag sich erinnern) waren Boccherini, Faure, Biber und Josquin. Zuletzt, allerdings in zwei Etappen aufgestiegen, möchte ich auch Schütz dazu zählen, auch wenn sich das im Prinzip hauptsächlich an den Exequien festmacht.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo,


    Auch ich schließe mich Klingsor in der hohen Wertschätzung von Haydn an: Ich ärgere mich immer, wenn man so von oben herab vom guten "Papa Haydn" spricht und in ihm im Wesentlichen nur den Vater der Wiener Klassik und Wegbereiter von Mozart und Beethoven sieht.
    Seine Musik ist subtil, kunstvoll und wenn man ein bisschen hinter die scheinbar glatte, oft heitere Fassade spürt, auch oft sehr tief und gar nicht fröhlich. Das meine ich besonders in seinen Streichquartetten zu spüren.
    Was nun den Aha-Effekt bei einem Komponisten angeht, so hatte ich diesen mit Berlioz. Den habe ich immer ein bisschen links liegen lassen, seine Fantastische Sinfonie war mir zu uneinheitlich. Dann habe ich einen Berlioz-Vortrag durch den vielleicht auch hier bekannten Musikpsyhologen Dr. Schaub gehört, der mir die Augen geöffnet hat für die ungeheure Modernität von Berlioz zu seiner Zeit und auch seinen lebhaften musikalischen Humor, z.B in dem tollen Bratschenkonzert "Harold in Italien".


    Grüße


    tukan

  • Zitat

    Original von tukan
    Seine Musik ist subtil, kunstvoll und wenn man ein bisschen hinter die scheinbar glatte, oft heitere Fassade spürt, auch oft sehr tief und gar nicht fröhlich. Das meine ich besonders in seinen Streichquartetten zu spüren.


    Ich höre bei Haydn in dem Sinne eigentlich keine Doppelbödigkeit. Für mich ist Doppelbödigkeit aber auch kein Qualitätskriterium. Aber auch Frohsinn kann subtil sein und kunstvoll sowieso (ich hoffe, du wolltest nicht "fröhlich" mit "kunstlos" in Verbindung setzen). Dasselbe gilt ja übrigens auch für viele Barockkomponisten, für Mendelssohn & Prokofjew (mit wenigen Ausnahmen), für Strauss etc.
    Ich bin mit Haydn eingestiegen und er ist seit jeher ganz oben geblieben. Das ist nicht bei vielen Komponisten der Fall.


    Bei mir gibt es außer dem Fall Haydn Fälle, bei denen der Komponist einst absackt und dann wieder "kometenhaft" aufstiegt (z. B. Tschaikowsky) oder auch Fälle, wo die Begeisterungslosigkeit nach anfänglicher Euphorie bis heute anhält.
    Wenn ein Komponist bei mir plötzlich aufsteigt, liegt das eigentlich immer daran, dass ich ihn vorher entweder überhaupt nicht kannte, oder nur vom Namen und durch Vorurteile.
    Öfters ist es mir schon passiert: ein Mensch, dessen Meinung ich sehr schätze, hat geschrieben, dass es bei Komponist X an dem und dem mangelt und er deswegen nur zweit- oder gar drittklassig einzuordnen sein. Das blieb bei mir hängen und ich widmete mich erst einmal den Komponisten, über die übereinstimmend Positives berichtet wird.
    Durch Zufall entdeckte ich dann irgendwann den vermeintlich "drittklassigen" Komponisten und er wurde zu meinen Lieblingen.
    Passiert aber auch nicht allzu oft...

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Hallo Rappy und alle,


    wenn es dich beruhigt, ich finde Frohsinn nicht flach, Vivaldi ist zum Beispiel einer meiner Lieblingskomponisten und wenn er auch Anderes komponiert hat, kann man einer Vielzahl seiner Werke sicherlich den Frohsinn, aber auch hohes künstlerisches Können nicht absprechen.
    Nein, in Haydn habe ich selber lange den abgeklärten Sinfoniker gesehen, der wunderbare, vorwiegend - zumindest mich - positiv stimmende Orchesterwerke geschrieben hat, und deshalb war ich verwundert, dass seine Kammermusik, besonders einige seiner Streichquartette, mir so ganz anders gestimmt erscheinen.
    Da ich in dieser Woche leider selten an unseren CD-Player kann, um Klassisches zu hören, kann ich dir die genau gemeinten Werke erst nächste Woche nennen.


    Grüße


    tukan