Die TAMINO-Lieblingsdirigenten 2008 - 2009

  • Liebe Taminos,


    es wird mal wieder Zeit für ein neues Ranking. Und ca. alle 2 Jahre sind die Dirigenten dran. Der letzte Thread über ein Dirigentenranking stammt aus dem Jahr 2006, deswegen sind jetzt wieder alle dazu aufgerufen, abzustimmen, was das Zeug hält.


    Gesucht werden die liebsten Dirigenten aus allen Sparten und Genres. Wie beim letzten Mal dürfen maximal 12 Namen genannt werden, ein Ranking ist nicht erforderlich. Begründungen sind gerne gesehen, aber nicht zwingend.


    Die Auswertung werde ich übernehmen und ab und zu die aktuellen Zwischenstände bekanntgeben.
    Für jede Nennung gibt es einen Punkt, es können keine Mehrfachpunkte vergeben werden und auch nicht mehr als zwölf Einzelpunkte. :]


    Dann schießt mal los, ich wünsche viel Spaß!



    Liebe Grüße,
    Peter.

  • Ganz spontan:


    Bernstein
    Haitink
    Davis
    Harnoncourt
    C. Kleiber
    Jochum
    Karajan
    Kempe
    Mrawinskij
    Walter
    Solti
    Kubelik

    "Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, daß sie ein Argument darstellt und untermauert, das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil und Geschmack und Idiom -, über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten des Chronisten hinausgeht.Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, der seine eigene Zeit bereichert, indem er keiner angehört." - Glenn Gould

  • Mal sehen...


    1. - 3. Carlo Maria Giulini
    1. - 3. Leonard Bernstein (vor allem seine Aufnahmen für die DG)
    1. - 3. Sergiu Celibidache
    4. Wilhelm Furtwängler
    5. John Elliot Gardiner
    6. Nikolaus Harnoncourt
    7. Otto Klemperer
    8. Giuseppe Sinopoli
    9. Günter Wand
    10. Lorin Maazel


    Wobei die Reihenfolge ab Platz 4 etwas willkürlich ist. Kommt halt immer darauf an, worauf ich gerade Lust habe. :-)


    Ich habe zu wenige Aufnahmen von diesen Dirigenten, um sie wirklich in die Liste aufnehmen zu können - aber das was ich habe, ist sehr gut:
    Kurt Sanderling
    Christoph Eschenbach
    Jeffrey Tate (Klassik)
    Yuri Ahronovitch


    Georg Tintner hätte ich gerne mal erstklassige Orchester dirigieren gehört.

  • Na dann, mit einer Demutsgeste an alle, die nicht mehr unter die 12 Apostel aufgenommen wurden, und einem ganz massiven Hinweis darauf, dass es um (derzeitige) Lieblinge geht, nicht um die besten, wie immer man das definieren mag. Hier folgen 12 Dirigenten, von denen ich, Karajan ausgenommen, unbesehen fast alles kaufen würde, was sie eingespielt haben. Dabei gehe ich vom Ergebnis aus und ignoriere die - manchmal recht irritierenden - menschlichen Eigenschaften, soweit sie kolportiert werden. In alphabetischer Reihenfolge:


    Claudio Abbado (einer der von mir Meistgeschätzten und bewunderten, nicht nur, aber vor allem bei Rossini und Verdi)


    Leonard Bernstein (Dürfte ich nur einen nennen, wäre wohl er es, und zwar für fast alles, was er machte, besonders aber bei den Amerikanern und natürlich seinen eigenen Werken)


    Christoph von Dohnanyi (eigentlich auch in allem, was er macht, aber vor allem im sinfonischen und besonders dem deutschen Kernrepertoire. Wir wissen immer noch viel zu wenig, was wir an ihm haben)


    Charles Dutoit (früher hätte ich Ernest Ansermet genannt, aber Dutoit ist ein idealer Nachfolger und steht mir wegen seiner Berlioz-Aufnahmen sogar noch näher)


    Carlo Maria Giulini (manchmal etwas zu streng, aber in allem auf Dauer herausragend, vor allem bei Verdi)


    Herbert von Karajan (trotz viele Abstriche am Gestus, aber als Operndirigent konnten wenige besser aufzeigen, was alles in einer Partitur stecken kann)


    Rudolf Kempe (wie Dohnanyi ein unaufdringlicher Großmeister und das angenehme Gegenteil eines Pultstars. Nicht nur sein Strauss ist maßstäblich)


    Carlos Kleiber (nichts, was er machte, ist schlecht, aber manches schlicht unübertrefflich)


    Charles Mackerras (noch ein unprätentiöser Altmeister. Einer Aufnahme mit ihm würde ich immer vertrauen, sei es bei Gilbert & Sullivan, Janacek oder Mozart und all den anderen Facetten, die er beherrscht)


    Marc Minkowski (allein wegen seiner Offenbach-Aufnahmen ist er unverzichtbar, aber auch, weil ich vor allem ihm meine wachsende Zuneigung zur Barockoper verdanke)


    Fritz Reiner (stellvertretend für seine Generation von Erich Kleiber, Ormandy und Szell über Serafin bis Toscanini und Bruno Walter, die eigentlich ein eigenes Ranking verdiente. Von all denen finde ich ihn am bewundernswertesten und bedaure sehr, dass es so wenig Opernaufnahmen von ihm gibt)


    Da ich mich zwischen Sylvain Cambreling und Georg Solti nicht entscheiden kann, nehme ich noch einen relativ jungen, der mich bislang ebenfalls in fast allem überzeugte, was er bislang anfasste, und das weitgehend in meinem Lieblingsrepertoire:


    Bertrand de Billy


    :hello: Jacques Rideamus

  • Meine Lieben,


    Die verstorbenen Maestri lasse ich aus, denn da würden womöglich auch 120 Nennungen nicht reichen, also nur lebende und auch nur solche, die mir momentan irgendwie im Bewußtsein sind (wie üblich fallen dadurch Dirigenten gleicher oder besserer Qualität leicht durch den Rost):


    ( Alphabetisch gereiht: )


    Claudio ABBADO
    Daniel BARENBOIM
    Bertrand de BILLY
    Sir John Eliot GARDINER
    Michael GIELEN
    Fabio LUISI
    Lorin MAAZEL
    Kurt MASUR
    Zubin MEHTA
    Riccardo MUTI
    Georges PRETRE
    Nello SANTI



    LG


    Waldi

  • Alphabetisch:



    Leonard Bernstein
    Ernest Bour
    Charles Dutoit
    Ferenc Fricsay
    Michael Gielen
    Roy Goodman
    René Jacobs
    Herbert Kegel
    René Leibowitz
    Charles Munch
    Karl Anton Rickenbacher
    Hermann Scherchen



    Viele Grüße,
    Medard

  • Arturo Toscanini (...der hat´s sich getraut, als alle anderen noch bedenkenlos in der Gegend rumgeschmiert haben.)


    Fritz Busch (...Beteiligtsein am und Übersicht über das Geschehen müssen sich nicht ausschließen.)


    George Szell (...knochenhart am Mann, aber niemals unfair. Das Nebenthema, das bei ihm untergegangen wäre, gab´s nicht.)


    Herbert Karajan (...man vergißt so leicht, was er eigentlich alles konnte mit dem Stöckchen! Was hätte aus dem nicht noch alles werden können, wenn aus dem nicht zu früh was geworden wäre.)


    Georg Solti (...ureigenste Sicht der Dinge. Wenn´s kracht, dann bitte richtig.)


    Wolfgang Sawallisch (...ein Strukturierungsgenie. Wenige wissen das.)


    Neville Marriner (...er mag ein Gentleman sein, in seiner Arbeit merkt man davon gottseidank nicht viel.)


    Carlos Kleiber (...der Größte. Und der Größte wird man nur durch ungesunde Selbstzweifel. Perfektion tut weh.)


    Christopher Hogwood (...verwendet alle Energie auf die Musikdarbietung, nicht auf die öffentliche Präsentation derselben durch Gebaren, Wort und unterstützendes Schriftgut. Das hört man)


    Trevor Pinnock (...Seiteneinsteiger, aber was für einer. Es geht ihm immer um die Sache.)



    Alex.

  • Zuerst die ewige Trias (alphabetisch):


    L.Bernstein (wenn nur einer, dann er)
    N.Harnoncourt (wenn ein Lebender, dann er)
    C.Kleiber (kann man nicht begründen, muss man erleben)


    dann ohne Reihung


    G.Wand (ich sag nur Bruckner)
    R.Norrington (neueste Entdeckung, ein Hoch auf den Stuttgard-Sound)
    M.Jansons (nie wirklich schlecht, aber manchmal einfach perfekt)
    E.Mrawinski (einmal seinen Schostakowitsch gehört und ewig verdorben :wacky:)


    Mehr fallen mir nicht ein, von den genannten kann ich guten Gewissens behaupten, sie wären meine Lieblingsdirigenten.

    Früher rasierte man sich wenn man Beethoven hören wollte. Heute hört man Beethoven wenn man sich rasiert. (Peter Bamm)

  • Hallo Alex:

    Zitat

    George Szell (...knochenhart am Mann, aber niemals unfair


    Das wage ich sehr zu bezweifeln........ :D


    Ist nicht ganz ernst gemeint, aber mir würde eine Unterkategorie gefallen mit Namen "Mein liebster Schleifer".........
    Da passen sie dann alle rein, die Reiners, Szells, Toscaninis usw.


    Wie gesagt, es ist nicht ernst gemeint, ich schätze deren Aufnahmen ja auch sehr.


    Bei Lieblingsdirigenten fällt es mir schwer, eine Auswahl zu treffen, denn neben den fachlichen Qualifikationen, welche auf Aufnahmen hörbar sind, käme für mich noch die menschliche Komponente, also der Umgang mit den Musikern, dazu.


    Dann sähe meine Liste so aus:


    Beecham
    Bernstein
    Abaddo
    Rattle
    Handley
    Boult


    Das ist eine Momentaufnahme, es gibt noch viele weitere, aber eben nicht den Schleifertyp...............


    Ist ein wenig schwierig, das gebe ich zu........


    :angel:

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  • Pierre Boulez
    Michael Gielen
    Leonard Bernstein
    Sylvain Cambreling
    Claudio Abbado
    Herbert Kegel
    Hermann Scherchen
    René Leibowitz
    Charles Munch
    Charles Dutoit
    Ferenc Fricsay
    George Szell



    :angry: Mist, :motz:, K. Kondrashin, G. Roschdestwenski, E. Swetlanov, mindestens, wollte ich auch noch nennen und dann: Jordi Savall, William Christie, René Jacobs.......
    .....und Christoph von Dohnanyi habe ich vergessen...und ... :motz: ...und bei italienischer Oper Tulio Serafin...und dann noch überhaupt Erich Leinsdorf....ich hasse diese Listen! :angry: :motz: :motz:

    :hello: Matthias

  • Hallo Matthias,


    gib es zu: Du bist Batazoide, hast meine Gedanken gelesen und dann diese einfach als Deine Lieblingsliste hier ins Forum gestellt, bevor ich überhaupt nur den Hauch einer Chance hatte, einen Finger zu krümmen. :motz: :D

  • Bei mir hat sich - einmal mehr - nichts geändert, Karl Böhm führt mit meilenweitem Vorsprung die Gruppe an.


    Karl Böhm


    Mein Maßstagb in Sachen Mozart, Haydn und Schubert, auch sein Beethoven ist hervorragend, wenngleich unterschätzt
    Auch als Bruckner- Brahms und Wagnerdirigent maßstabsetzend
    Wenngleich ich kein Richard Strauß-Anhänger bin, so sind seine Interpretationen auch in diesem Bereich hervorragend...



    Leonard Bernstein


    Guter Universaldirigent, dessen Vorzüge mir erst spät bewusst wurden


    Herbert von Karajan


    Wahrscheinlich DER Dirigent des 20. Jahrhunderts schlechthin,
    er setzte auf Klangschönheit un Perfektion, weniger auf Emotion und
    Lärmausbrüche - unschöne Stellen und Brüche in der Partitur kittete er dankenswerterweise zu - ganz dem Trend der Zeit entsprechend....



    Sergiu Celibidache


    Kontemplativ und eigenwillig, mit hypnotischer Wirkung. Sehr charismatisch,,,,,,,,



    Günter Wand


    Wurde erst im Alter weltberühmt, sehr ausgewogen


    Otto Klemperer


    In meiner Jugend war er mir zu langsam,
    heute liebe ich das wuchtig-monumentale Klangbild, welches
    in gewisser Weise zu seinem Markenzeeichen wurde.


    Ferenc Fricsay


    Ein wenig Prägung ist da wohl mit im Spiel.
    Fricsay war lange Zeit der "Universaldirigent" der DG,
    seine schwere Krankheit und sein Tod führten jedoch daz


    Sir Thomas Beecham


    Ebenfalls ein Eigenwilliger. Berühmt für seine scharfe Zunge und seine monumentalen Werksauffassungen



    Eugen Jochum


    Für mich der "Ersatzböhm" nach dessen Ableben.
    Ausgewogenes, dennoch feuriges Dirigat,,...............


    Sir Roger Norrington


    Mich beeindruckt mehr die Konsequenz, als die Ergebnisse.
    Norrington versteht es nicht innezuhalten, er agiert stets mit Überdruck,
    was seinen Interpretationen ein wenig an Gestaltungsmöglichkeit nimmt.
    Der Klang indes superb, egal ob meit seinem einstigen englischen Orchester uoder seinem jetzigen deutschen......


    Rene Jacobs


    Überzeugt hat mich das Dirigat seiner Mozart Opern - So ganz anders als Karl Böhn - und dennoch überzeugend....


    Bertrand de Billy


    Erstmals im Mozartjahr mit einem Mozartprogramm kennengelernt.
    Seit Karl Böhm der überzeugendste Mozart-Dirigent für mich, aber das ist nur eine Seite der Medaille......
    Was ihn mit Böhm verbindet ist die Binnendynamik: Alles passt zueinander, sodaß man gar nicht in Versuchung gerät, zu hinterfragen ob das denn auch so in den Noten steht: Man hat unwillkürlich das Gefühl: So und nicht anders muß es klingen.
    Der Unterschie zu Böhm ist, daß de Billy etwas forscher spielen lässt - allerdings nicht aggressiv und unangenehm klingend, wie man es heutzutage leider immer wieder hört.....




    man kann sich die Frage stellen, was wäre, wenn ALLE Taminos immer bei ihren Wertungen bleiben würden - wäre dieser Thread dann nicht überflüssig ?


    Darauf kann ich nur mit NEIN antworten, vor allem deshalb, weil es ja eine andauernde Mitgliederfluktuation gibt, aber auch deshalb, weil EINIGE ja DOCH einem Geschmackswandel unterliegen.....


    Interessant, wenn dereinst die Auswertungen von 3 oder 4 2- Jahresthreads vorliegen und man eine Analyse über die Langzeitpopularität eines Dirigenten machen kann.....



    mfg aus Wien


    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)


  • Also gut, auch wenn ich noch immer Probleme habe die Leistung der Dirigenten einzuschätzen. Dennoch gibt es einige dessen Einspielungen ich bevorzuge.


    Riccardo Chailly - die Einspielung der Brahms Sinfonien finde ich großartig
    Otmar Suitner - Dvorák gefällt mir unter seiner Stabführung
    Claudio Abbado
    Robert Stolz - sein Zigeunerbaron ist mE nach unübertroffen
    Herbert Kegel
    Sir John Eliot Gardiner - mir gefallen die Einspielungen der Beethoven Sinfonien


    LG


    Maggie


    PS: Lieber Matthias,
    ich habe meine 12 nicht ausgeschöpft, soll ich welche von Dir übernehmen? :D

  • Zitat

    Original von Matthias Oberg
    ich weiß zwar nicht, was das ist, ein Batazoide


    Ich auch nicht. Ich kenne nur Bata Illic :D - die telepathisch begabte Spezies aus Star Trek sind Betazoiden... ;)


    Viele Grüße,
    Medard

  • Damit sich die Waage nicht zu sehr in Richtung Nekrophilie und Tonträgerfixierung neigt: vier tote und acht lebende Dirigenten, wobei ich die letzteren alle in Konzert oder Oper gehört habe.



    Leonard Bernstein - Ich mag gar nicht soviele Aufnahmen mit ihm, aber einige sind genial. Prototyp des "identifikatorischen" Dirigenten. Überragende Lebensleistung.


    Carlos Kleiber - Produzent einiger meiner höchstgeschätzten Lieblingsaufnahmen. Man muss den Kult nicht mitmachen, um zu konstatieren, dass der Mann was Besonderes darstellte.


    Otto Klemperer - Lebensleistung. Bewundernswerte Konsequenz bis hin zum Starrsinn. Unvergleichbares und manchmal auch unvergleichliches Klangbild, insbesondere was die Holzbläser anbelangt.


    Rafael Kubelik - Das kann man nun gar nicht verifizieren, aber ich spüre bei ihm immer so etwas wie ... hm ... Menschlichkeit, einen Sinn für die ab und zu wirklich goldene Mitte. Weniger in den Studioaufnahmen als bei den in den letzten Jahren zahlreich erschienenen Livemitschnitten. Das gilt nicht nur für tschechische Musik und Mahler, sondern auch für klassische Moderne und das Opernrepertoire (Wagner).


    ---


    Claudio Abbado - Als Persönlichkeit und als Dirigent. Schaffte es sogar in Wien, die Moderne ein wenig zu verankern. Überragend gerade in den letzten Jahren, sein Mahler ist mir lieb und teuer. Kann Musik "singen" lassen wie kaum ein anderer.


    Pierre Boulez - Beeindruckt mich immer. Unübertroffene Kompetenz auf bestimmten Feldern des Musikrepertoires. Interessante Entwicklung als Dirigent - ich mag sowohl die früheren wie die späteren Dirigate auf ihre Art.


    Sylvain Cambreling - Enorme Vielseitigkeit in Konzert und Oper. Gerade im Opernrepertoire jemand, der immer die Szene mitdenkt und nicht nur einfach Musik dirigiert. Grandiose Dirigate im französischen Repertoire (Berlioz, Messiaen), aber auch bei Mozart, Wagner, Verdi, Janacek (!) und insbesondere bei zeitgenössischer Musik.


    John Eliot Gardiner - Als pars pro toto für die HIP-Szene. Hier hätte auch jemand anderes stehen können. Aber Gardiner bleibt wegen seiner Vielseitigkeit und Aufgeschlossenheit für mich ganz vorne. Die ihm öfter nachgesagte Glätte kann ich nur in wenigen Fällen erkennen.


    Michael Gielen - Bewundere ich schon lange. Wegen seinem hartnäckigen Festhalten am politischen und gesellschaftlichen Kontext. Wegen seiner musikalischen Prinzipien, die früher unzeitgemäß waren und es heute fast schon wieder sind, nur auf der anderen Seite des Spektrums. Wegen seiner Flexibilität als Interpret (ja, wirklich). Und wegen vieler zentraler CDs und unvergesslicher Konzerte.


    Nikolaus Harnoncourt - Geht mir oft genug auf die Nerven, auch schon lange. Viele unsägliche Aufnahmen, Konzerte und Opernaufführungen. Zu viele und zu selbstgefällige verbale Interpretationen. Trotzdem: Einer der zentralen Dirigenten der letzten 50 Jahre. Enorme Lebensleistung und die ein oder andere unglaublich faszinierende Einspielung und Aufführung.


    Kent Nagano - Gleichermaßen kompetent in Oper und Konzert. Überaus vielseitiges und unkonventionelles Repertoire. Grandiose Fähigkeit, einen bestimmten Orchesterklang zu erzeugen. Unvergleichliche Balance zwischen Kontrolle und Laufenlassen (Dirigate im Münchner Opernrepertoire), zwischen Ratio und Emotion.


    Simon Rattle - Ja, wirklich. Ich finde auch einiges von dem, was er z.Zt. macht, nicht gut. Und sehr viele außergewöhnliche Aufnahmen und Aufführungen mit ihm habe ich nicht erlebt. Aber einige sehr gute. Jemand, der nicht vorgibt, den Stein der Weisen gefunden zu haben, der auf der Suche ist, der vieles ausprobiert bis hin zur (scheinbaren?) Orientierungslosigkeit. Ich schätze eine gewisse Aufgeschlossenheit bei unzweifelhaft hochgradiger Professionalität. Seine schon in den 80er Jahren betriebene Einarbeitung in die HIP-Szene ist ebenso hervorzuheben wie seine undogmatische Offenheit gegenüber (fast) allen Epochen der Musikgeschichte.



    Viele Grüße


    Bernd

  • Lieber Micha,


    die "Lieblingsschleifer" wären freilich eine feine Sache :D. Ich möchte bloß besorgen, daß Onkel Tom, Dein Lieblings-Beecham, auf seine Weise ebenfalls nicht ohne gewisse Bloßstellungsqualitäten gewesen ist und daher mit von der Partie sein müßte... :untertauch:


    Außerdem scheint mir in Deiner Liste der knorrige, aber kerngesunde Aspekt des echten Orchestererziehers zu fehlen. Das ist ja leider heute üblich geworden, daß Dirigent und Orchester und schließlich, als würde das nicht reichen, am Ende noch das Publikum zusammenfinden, um gemeinsam und gleichberechtigt Musik zu fabrizieren und genießen.


    Wo bleibt denn da die Pointe? In den Strafanstalten seinerzeit wurde Musik gemacht, um den Menschen nach vorne zu bringen... :beatnik: (das glaub´ ich, daß Ihr jungen Hüpfer heute sowas nicht mehr kennt :baeh01:.)


    Wo geht es heut´ noch um den Menschen?



    Alex.

  • Aus der Hüfte geschossen:


    Sir John Elliot Gardiner
    Carlo Maria Giulini
    Leonard Bernstein
    Carlos Kleiber
    Günter Wand
    Jewgeni Mrawinski
    Nikolaus Harnoncourt
    Sergiu Celibidache
    Giuseppe Sinopoli
    Sir Neville Marriner
    Daniele Gatti
    Sir Georg Solti


    Liebe Grüße
    GalloNero

    ... da wurde mir wieder weit ums Herz ... (G. Mahler)

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  • Zitat

    Original von Zwielicht
    Rafael Kubelik - Das kann man nun gar nicht verifizieren, aber ich spüre bei ihm immer so etwas wie ... hm ... Menschlichkeit, einen Sinn für die ab und zu wirklich goldene Mitte. Weniger in den Studioaufnahmen als bei den in den letzten Jahren zahlreich erschienenen Livemitschnitten. Das gilt nicht nur für tschechische Musik und Mahler, sondern auch für klassische Moderne und das Opernrepertoire (Wagner).


    Lieber Bernd,


    das hast Du ganz wunderbar beschrieben. Ähnliches empfinde ich auch immer, wenn ich eine Aufnahme von Rafael Kubelik höre.


    Nicht umsonst lautete sein "Credo": "Ich glaube, dass die Musik und die Kunst überhaupt nur dann eine Berechtigung haben, wenn sie danach trachten, den Menschen besser zu machen. ... Denn ohne diese ethische Rechtfertigung bliebe die Kunst nur ein geistreiches Spiel."

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Und noch ein Lob für Bernds Charakterisierungskunst:


    Zitat

    Original von Zwielicht
    Simon Rattle - Ja, wirklich. Ich finde auch einiges von dem, was er z.Zt. macht, nicht gut. Und sehr viele außergewöhnliche Aufnahmen und Aufführungen mit ihm habe ich nicht erlebt. Aber einige sehr gute. Jemand, der nicht vorgibt, den Stein der Weisen gefunden zu haben, der auf der Suche ist, der vieles ausprobiert bis hin zur (scheinbaren?) Orientierungslosigkeit. Ich schätze eine gewisse Aufgeschlossenheit bei unzweifelhaft hochgradiger Professionalität. Seine schon in den 80er Jahren betriebene Einarbeitung in die HIP-Szene ist ebenso hervorzuheben wie seine undogmatische Offenheit gegenüber (fast) allen Epochen der Musikgeschichte.


    Simon Rattle - Yes, we can!


    Hat mir live u.a. eine unvergessene Beethoven-c-moll geschenkt!



    Zitat

    Original von Zwielicht
    Nikolaus Harnoncourt - Geht mir oft genug auf die Nerven, auch schon lange. Viele unsägliche Aufnahmen, Konzerte und Opernaufführungen. Zu viele und zu selbstgefällige verbale Interpretationen. Trotzdem: Einer der zentralen Dirigenten der letzten 50 Jahre. Enorme Lebensleistung und die ein oder andere unglaublich faszinierende Einspielung und Aufführung.


    Dann gib ihm doch den Ehren-Bülow für sein Lebenswerk, aber warum kommt er hier zu Deinen aktuellen zwölf Aposteln ?(?



    Alex.

  • Karl Böhm
    Otto Klemperer
    Herbert von Karajan
    Eugen Jochum
    Wilhelm Furtwängler
    Carlos Kleiber
    Ferenc Friscay
    Christian Thielemann




    :pfeif:

    mucaxel

  • Zitat

    Original von Graf Wetter vom Strahl


    Dann gib ihm doch den Ehren-Bülow für sein Lebenswerk, aber warum kommt er hier zu Deinen aktuellen zwölf Aposteln ?(?


    Idomeneo, Ende des zweiten Akts. Oder die g-moll-Sinfonie KV 550, erster Satz bzw. KV 543, letzter Satz. Das waren Erlebnisse meiner frühen Jahre, die mich vom Stuhl gerissen haben und Aufnahmen, die ich seinerzeit jedem vorspielte, der sie nicht hören wollte. Oder meine erste extrem befremdliche und befremdende Begegnung mit Harnoncourts Mozart - der erste Satz der Prager erklang 1981 aus einem Kofferradio, das auf einer pfälzischen Waschmaschine stand. Heute finde ich die Interpretation relativ "normal", aber damals... Das vergisst man nicht. Ebenso wie das Gegurke der Bläser in der frühen Aufnahme des ersten Brandenburgischen Konzerts.


    Die Nominierung Nikolausens entspringt also nicht griesgrämigem Pflichtgefühl, sondern tiefempfundener Sentimentalität... ;)


    Es gibt aber auch Schönes aus den letzten Jahren: Ich mochte seinen Titus und auch den Don Giovanni in Salzburg sehr (den Figaro nicht). Und die neue Aufnahme von Schumanns Das Paradies und die Peri !



    Viele Grüße


    Bernd

  • Ich machs mir mal leicht und nehme den Threadtitel wörtlich: Die TAMINO-Lieblingsdirigenten 2008 - 2009


    mit der Betonung auf 2008/09 kann ich nämlich eine ganze Reihe von Dirigenten weglassen, die ich zwar zu meinen Lieblingsdirigenten zähle, deren Aufnahmen ich allerdings in letzter zeit wenig gehört/gekauft habe. Toller Trick, wa?


    Im Mittelpunkt meiner derzeitigen besonderen Wertschätzung (und somit auf dem Wunschzettel besser als andere vertreten) stehen:


    Zoltan Kocsis
    Antal Dorati
    Pierre Boulez
    Claudio Abbado
    John Barbirolli
    John Eliot Gardiner
    Nikolaus Harnoncourt
    Leonard Bernstein
    Iván Fischer
    Jascha Horenstein
    Rafael Kubelik
    János Ferencsik



    :baeh01: :baeh01: :baeh01: :baeh01: :baeh01:

  • Ganz im Sinne von Thomas Bernhard - welche zehn Dirigenten mir besonders in diesem Jahr als herausragend erneut oder neu aufgefallen sind - in alphabetischer Reihenfolge:


    Leonard Bernstein
    Pierre Boulez
    Alun Francis
    Michael Gielen
    Carlos Kleiber
    Rafael Kubelik
    Charles Mackerras
    Kent Nagano
    Georg Solti
    Michael Tilson Thomas


    Besten Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Wilhelm Furtwängler
    Mariss Jansons
    Ferenc Fricsay
    Volkmar Andreae
    Vaclav Neumann
    Eugen Jochum
    Guido Cantelli
    Claudio Abbado
    Alexander Melik-Pashaev
    Hermann Abendroth
    Tullio Serafin
    Carlos Kleiber


    :hello:Heldenbariton

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB

  • Leonard Bernstein
    Evgeny Mravinsky
    John Barbirolli (mein Liebling, kurz vor Beecham, im englischen Repertoire)
    Jean Martinon (ist und bleibt mein Debussy- und Ravel-Favorit)
    Mariss Jansons
    Kent Nagano
    Rafael Kubelik
    Simon Rattle
    Charles Mackerras (neu in meiner Liste aufgrund der neu- und liebgewonnen fantastischen Janacek-Aufnahmen)
    Riccardo Chailly


    LG
    B.

  • Fritz Reiner


    Herbert von Karajan
    Georg Solti
    Leopold Stokowski
    Trevor Pinnock
    Thomas Beecham
    John Barbirolli
    Erich Leinsdorf
    Günter Wand
    Karl Böhm
    Leonard Bernstein
    René Jacobs



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Leonard BERNSTEIN
    Claudio ABBADO
    Sergiu CELIBIDACHE
    Carlos KLEIBER
    Georg SOLTI
    Alberto ZEDDA


    Gustavo DUDAMEL ( der neue Bernstein ? )


    Ciao. Gioachino

    MiniMiniDIFIDI

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