Euer erster bewußt erlebter Dirigent

  • Mein erster bewußt erlebter Dirigent war Günter Wand.


    Er dirigierte (war es 1965 oder 1966?) zum Abschluß des Internationalen Beethoven-Festes in der Bonner Beethovenhalle die Neunte Sinfonie des weltberühmten Bonner Komponisten. An die Solisten habe ich leider keine Erinnerung, und das Programmheft ist leider nicht mehr auffindbar. Es war jedenfalls eine großartige Aufführung, die ich im Gedächtnis behalten habe.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Das war ja ein toller Einstand mit Günter Wand für Dich, lieber nemorino.

    In den Jahren war ich noch im 2.-3.Schuljahr auf der Grundschule ... und hatte mit Klassik noch wenig Berührung.


    Dafür war mein Einstand dann später auch in der Beethovenhalle Bonn mit dem Orchester der Beethovenhalle Bonn (ehemaiger Name) mit dem Dirigenten Volker Wangenheim. Es ist in den Jahren 1974-1976 gewesen. Ich habe noch einige Konzertprogramme und war in diesen Jahren erstmals im Abbo der Klassikkonzerte in der Beethovenhalle.

    Die erste Begegnung mit Volker Wangenheim müsste ein Freiluftkonzert in Bonn mit den Beethoven-Ouvertüren Egmont und Coriolan u.a. gewesen sein.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Der erste Dirigent, der mich so richtig umgehauen hat. war Wilhelm Furtwängler in der legendären "Don Giovanni" Aufführungam 10. August 1954 bei den Salzburger Festspielen mit der Traumbesetzung Siepi, Schwarzkopf, Grümmer, Dermota, Edelmann, Berger und Berry in der Felsenreitschule. .Für den erkrankten Gottlob Frick sang Ernster. Es wurde mir zum ersten mal bewusst, welche geradezu religiöse Aura der Pultmagier Furtwängler ausstrahlte. Unvergesslich für mich. Das erhaltene Tondokument ist eine meiner liebsten Opernerinnerungen.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Von 1956 bis 1963 war Ernst Albrecht Reinhard GMD in Gera. Unter seiner Leitung erlebte ich meine ersten Opern und Konzerte. Ich erinnere mich an sein fast aristokratisches Aussehen - groß, schlank und weißhaarig.


    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • In meiner Kinder - und Jugendzeit war ich auch ein paarmal in meinem heimatlichen Musiktheater.

    Mit "Alfred Schönfelder", der viele Jahre der musikalische Chef an unserem Theater war, stand seinerzeit ein wohl sehr guter

    und hochgeschätzter Dirigent am Pult. Ich war aber damals noch zu jung, um dem eine besondere Bedeutung beizumessen.

    Das änderte sich später, als ich reifer war und 12 Jahre lang sehr viele Vorstellungen in der Deutschen Staatsoper Berlin erlebt habe.

    Da wurde mir dann die Bedeutung von hervorragenden Solisten und dem Orchester mit großen Dirigenten bewußt.

    Ich erinnere mich deutlich - mein erster Besuch in der Staatsoper war La Bohéme - am Dirigentenpult Heinz Rögner.

    Im Laufe der Jahre kamen dann weitere bedeutende Dirigenten dazu - u. a. Otmar Suitner, Heinz Fricke, Wolfgang Rennert, Wolf - Dieter Hauschild.

    Einmal stand auch a. G. ein bekannter namhafter ital. Dirigent am Pult, ich müßte nachschauen, aber ich meine, es war Giuseppe Patane.


    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Der erste Dirigent, der mich so richtig umgehauen hat. war Wilhelm Furtwängler in der legendären "Don Giovanni" Aufführungam 10. August 1954 bei den Salzburger Festspielen mit der Traumbesetzung Siepi, Schwarzkopf, Grümmer, Dermota, Edelmann, Berger und Berry in der Felsenreitschule. .Für den erkrankten Gottlob Frick sang Ernster. Es wurde mir zum ersten mal bewusst, welche geradezu religiöse Aura der Pultmagier Furtwängler ausstrahlte. Unvergesslich für mich. Das erhaltene Tondokument ist eine meiner liebsten Opernerinnerungen.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Das, lieber operus, ist für mich wirklich spannend zu lesen.

    Könntest du - ich weiß natürlich, dass die Erinnerung eine "unzuverlässige" Instanz ist - einmal versuchen in Worte zu fassen, welche Qualitäten Furtwänglers live besonders hervortraten, die auf der Aufnahme aber womöglich nicht entsprechend "abgebildet" sind?

  • Bei mir war es anlässlich der Stuttgarter Beethoventage in den späten 50 ern in der Liederhalle der Dirigent Willem van Hoogstraten. Er dirigierte die Stuttgarter Philharmoniker und seine Ex-Ehefrau Elly Ney saß am Flügel.

    Auf dem Programm standen die Leonoren-Ouvertüre Nr.3, das Klavierkonzert Nr.5 und nach der Pause die Symphonie Nr.5.

    Dieses Konzert hat sich so stark in meinem Gedächtnis eingeprägt, dass ich jedesmal wehmütig daran zurückdenke, wenn ich heute eines der Werke höre.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Dieses Konzert hat sich so stark in meinem Gedächtnis eingeprägt, dass ich jedesmal wehmütig daran zurückdenke, wenn ich heute eines der Werke höre.

    War das zufälligerweise ein Jugendkonzert/Schülerkonzert? Das haben die beiden oft in Stuttgart gegeben und beide haben auch oft geredet mit einer Werkeinführung (Hoogstraten: "Liebe Jugend...").


    M_P

  • Um das Live-Erlebnis Ney/Hoogstraten beneide ich Dich wirklich, lieber Siegfried.
    Zum Glück haben sie die drei letzten Beethoven'schen Klavierkonzerte fürs Label Colosseum wenig später in Stereo eingespielt. :hail:

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • War das zufälligerweise ein Jugendkonzert/Schülerkonzert? Das haben die beiden oft in Stuttgart gegeben und beide haben auch oft geredet mit einer Werkeinführung (Hoogstraten: "Liebe Jugend...").


    M_P

    Nein, Maestro_Peter, es war ein Abendkonzert im Rahmen der Beethoven-Tage. Diese Konzertreihen fanden alljährlich bis zum Tod des Dirigenten statt. Auf diese Weise lernte ich auch Claudio Arrau mit Beethovens Klavierkonzert Nr.4 kennen.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Um das Live-Erlebnis Ney/Hoogstraten beneide ich Dich wirklich, lieber Siegfried.
    Zum Glück haben sie die drei letzten Beethoven'schen Klavierkonzerte fürs Label Colosseum wenig später in Stereo eingespielt. :hail:

    Für diesen Beitrag hätte ich vor einigen Jahren hier einen Shitstorm ohnegleichen ausgelöst. Zum Glück hat sich dieses taminospezifische Problem mittlerweile biologisch gelöst.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Mein erster Dirigent welchen ich erlebte war:


    Kropatschek, Hermann

    * 23. April 1924 Glemkau, † 1984

    Geschlecht männlich

    Musikalische Berufe Kapellmeister, Dirigent, Komponist, Musikpädagoge

    Zeitgenössische Angaben Ballett- und Solorepetitor, Studienleiter, Leiter der Schauspielmusik

    Träger/Sparte Film/Schlager, Hochschule, Konzert, Orchester, Stadt, Theater

    Wirkungsorte Augsburg, Prag


    Welcher bei den Städtischen Bühnen Augsburg ein Kinderstück dirigierte in welchem ich mitwirkte.


    Kurt

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  • Das, lieber operus, ist für mich wirklich spannend zu lesen.

    Könntest du - ich weiß natürlich, dass die Erinnerung eine "unzuverlässige" Instanz ist - einmal versuchen in Worte zu fassen, welche Qualitäten Furtwänglers live besonders hervortraten, die auf der Aufnahme aber womöglich nicht entsprechend "abgebildet" sind?

    Lieber Leiermann,

    entschuldige, dass ich verspätet antworte. Ja, wie kann man die Wirkfaktoren eines Pultstars vom Range eines Wilhelm Furtwängler treffend beschreiben? Zum einen ist es die gespannte Erwartungshaltung auf den großen Meister, das Image spielt eine Rolle, der große, breite Klang mit Pathos und Emotion ergreift, die Musiker und Sänger reagieren fast blind auf die Gesten des Dirigenten, man meint mitatmen zu können. Zwei Beispiele sagen vielleicht mehr aus. Beim Heilbronner Sinfonie Orchester erschien mit Professor Julius Török ein älterer Bratscher, der längere Zeit bei den Berliner und Bamberger Philharmonikern gespielt hatte. Er berichtete über Furtwängler. In der ersten Probe nahm man keine Geige in die Hand. Der Meister erklärte seine Auffassung vom Werk. Oft quälend langweilig. Der Lohn dafür war, dass jeder wusste was gewollt war. Trotz nicht perfekter Schlagtechnik realisierte Furtwängler den gewünschten Klang und seine Werkauffassung fast immer. Ein weiteres Beispiel sagt es noch deutlicher: Der junge Georg Solti probte mit den Berliner Philharmonikern und mühte sich ab, seine Tempi und Klangvorstellungen zu vermitteln, recht vergeblich, denn der typische Furtwänglerklang blitzte immer wieder auf.

    Plötzlich trat Furtwängler in den Probensaal und alles klang voll nach Furtwängler, obwohl ihn Solti, da er den Rücken zugewandt hatte, den Kollegen nicht sehen konnte. Solti soll den Dirigentenstab weggelegt haben mit der Bemerkung: Herr Professor dieses Orchester können nur Sie dirigieren. Die Aufnahme des Salzburger "Don Giovanni" entspricht meinen Erinnerungen.

    Herzilichst Operuns (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Mein erster bewußt erlebter Dirigent war Musikdirektor Günther Wendemuth mit dem Kulturorchester(?) Schönebeck. In den 70er Jahren wurden auf kleineren Tourneen für die Polytechnischen Oberschulen Konzerte arrangiert. Der Besuch dieser "Schülerkonzerte" war für alle Schüler der Klassen 7-10 Pflicht. Es hat aber Spaß gemacht, weil es in aufgelockerter und unverkrampfter Art und Weise präsentiert wurde.


    Ich kann mich nur noch erinnern, dass u.a. Haydns " Sinfonie mit dem Paukenschlag", die Donauwalzerkette und der Radetzky-Marsch gespielt wurden.


    https://www.mitteldeutsche-kam…r-uns/geschichte.html#c86


    LG ...MDM

    >>So it is written, and so it shall be done.<<

  • Mein erster bewusst erlebter Dirigent war Gustav Kuhn ungefähr Anfang bis Mitte der 1970er Jahre mit Humperdincks Hänsel und Gretel an der Staatsoper Stuttgart. Ich war damals noch ein Kind, das das erste Mal in die Oper mitgenommen wurde. Noch heute erinnere ich mich, dass der Eindruck damals ein ganz starker war. Natürlich konnte ich damals noch keine Maasstäbe ansetzen wie heute. Dennoch hat mich Kuhns Dirigat sehr gepackt. Das ging mir durch und durch. Es klang sehr dramatisch. Im Nachhinein nenne ich es kein Wunder, dass aus mir ein ausgemachte Wagnerianer geworden ist. In Hänsel und Gretel wagnert es ja bekanntermaßen ungemein. Kuhn habe ich in Stuttgart in den 1980er Jahren auch mit dem Ring erlebt. Aber diese Hänsel und Gretel - Aufführung war ein phänomenaler Anfang meiner Opernlaufbahn.


    Herzliche Grüße


    Lustein

  • Mein erstes bewusstes "Dirigenten-Erlebnis" fand im Fernsehen statt. Ich bin Baujahr 1964 - da ist es ja im Zusammenhang mit TV fast klar, dass es nur HvK gewesen sein kann, klischeehafter Weise auch noch mit Beethoven 5. Muss etwa Mitte der 70er gewesen sein.


    Mein erstes Live-Erlebnis im Konzert dürfte John Fiore mit den Düsseldorfer Symphonikern gewesen sein, Anfang der 2000er Jahre mit einer Oper - ich glaube, es war La Boheme.

    Herzliche Grüße
    Uranus

  • Mein erstes bewusstes "Dirigenten-Erlebnis" fand im Fernsehen statt.

    Ja, wenn es ums TV geht, dann war es bei mir Leonard Bernstein, der mit seinen zahlreichen Klassik-Sendungen für die Jugend und andere Klassikkonzerte ungemein begeisterte.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Dafür war mein Einstand dann später auch in der Beethovenhalle Bonn mit dem Orchester der Beethovenhalle Bonn (ehemaiger Name) mit dem Dirigenten Volker Wangenheim.

    Lieber Wolfgang,


    Volker Wangenheim habe ich erstmals beim Beethovenfest 1967 kennengelernt. Er dirigierte am 27.9.1967 ein reines Beethoven-Programm:


    Ouvertüre zu "Fidelio"

    Violinkonzert D-dur op. 61

    Sinfonie Nr. 3 (Eroica)


    Damals war er ein aufstrebender Dirigent. Er hatte 1957 das Städtische Orchester Bonn gegründet, das nach Einweihung der neuen Beethovenhalle in "Orchester der Beethovenhalle Bonn" umgenannt wurde. Heute ist es das Beethoven-Orchester Bonn. Wangenheim leitete das Ensemble erfolgreich von 1957 bis 1978. Ich habe ihn später noch einige Male an der Spitze "seines" Orchesters erlebt.

    Noch ein Wort zum Solisten: Es war der sowjetische Geiger Valerij Klimov, ebenfalls ein damals junger Künstler. Er wurde im Programmheft, das mir noch vorliegt, hochgelobt, war bereits Preisträger diverser internationaler Wettbewerbe, aber später ist es merkwürdig still um ihn geworden. Ich habe soeben im Internet gelesen, daß er inzwischen 88 Jahre alt ist. Jahrelang war er als Lehrer am Moskauer Konservatorium tätig. Die hohen Erwartungen, die man in ihn gesetzt hatte (im Programmheft wurde er mit hohen Vorschußlorbeeren bedacht und als Schüler bzw. Nachfolger von Oistrach und Heifetz gefeiert), konnte er wohl nicht erfüllen.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Mein erster bewußt erlebter Dirigent war WERNER RICHTER-REICHHELM, 1955 - 1967 Chefdirgent der HOFER SYMPHONIKER.

    Da haben wir etwas gemeinsam wok, Werner Richter-Reichhelm war auch "mein Erster". Nicht nur als Dirigent in Konzert und Oper, sondern auch als Chorleiter.


    Sehr hübsch und zutreffend Deine Schilderung seines Gestus und seiner musikalischen Haltung. Unvergessen sein stürmischer Auftritt über die Seitenbühne, unmittelbar nach einem lauten Knall der Feuerschutztüre. "Ri-Rei" (sein Kosename), nimmt den Auftrittsapplaus mit hochrotem Kopf entgegen. Folge qualvollen Lampenfiebers, wie ich als Chorist einer Aufführung von Dvoraks "Stabat Mater" unter seiner Stabführung erfuhr. Das nach dem ersten Einsatz völlig verschwand.


    Werner Richter-Reichhelm war Chef in Krefeld-Mönchengladbach, bevor er nach Hof kam. Eigentlich ein Rückschritt in seiner Karriere. Es gelang mir nie, seinen beruflichen Weg zu recherchieren. Viel erzählte er von seinen Anfängerjahren in Königsberg. Merkwürdig, nie sprach er über seine Konzerte mit den Berliner Philharmonikern. Gelegentlich tauchen davon auf einschlägigen Portalen Programmhefte auf. Kürzlich von einem Abend mit Enrico Meinardi als Solist in Dvoraks Cello-Konzert.


    Ich bewahre Werner Richter-Reichhelm ein ehrendes Andenken Er war, ist und bleibt eine musikalische Vaterfigur für mich.

  • Kropatschek, Hermann

    Welcher bei den Städtischen Bühnen Augsburg ein Kinderstück dirigierte in welchem ich mitwirkte.


    Gleich noch eine Überraschung, vielen Dank dafür kurt2. Hermann Kropatschek war in meiner Augsburger Zeit an den dortigen Städtischen Bühnen für die Schauspielmusik verantwortlich. Überregional bekannt wurde er als Komponist charmanter Musik zu vielen Stücken der bekannten "Augsburger Puppenkiste".

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner